Alles zurück auf Anfang

von MonaGirl
GeschichteDrama, Romanze / P16
08.01.2019
10.10.2019
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Natalie


Die Zeit war wie im Fluge vergangen, stellte ich fest, als ich von meinem Mittagsschlaf erwachte. Alle hatten sich unten im Wohnzimmer versammelt, als ich den Raum betrat. Seth trat gleich zu mir und schlang seinen Arm um meine Taille.

„Du kommst gerade zur passenden Zeit“, sagte er und küsste leicht meine Lippen. „Wir wollten gerade mit einem kleinen Spiel beginnen.“

Ich sah ihn fragend an. „Spiel?“, echote ich verwirrt und schaute zu Kate und Kayla, die am Tisch saßen und gerade dabei waren, kleine Zettel zurechtzuschneiden.

„Seth hat erzählt, dass ihr noch keinen Namen für das Baby habt“, klärte Kate mich auf. „Und da haben wir uns überlegt, dass wir einfach einen Namen auslosen.“

Ich warf Seth einen irritierten Blick zu. „Ich glaube, du hast mich falsch verstanden, als ich meinte, dass wir die anderen nach ihrer Meinung, bezüglich des Namens, fragen könnten. Ich dachte nicht daran, dass wir den Namen auslosen.“

„Aber die Idee ist doch witzig“, mischte sich Lucy ein. „Es war übrigens Kaylas Idee.“ Sie griff nach Warrens Hand und zog ihn zum Tisch hinüber. Jessica, Seth und George folgten ihrem Beispiel.

Ich setzte mich zu den anderen an den Tisch und seufzte leise. Ich wollte kein Spielverderber sein. „Okay, dann erklärt mal, wie soll das denn ablaufen?“

Kate erhob sich und holte eine leere Keksdose, die sie dann auf den Tisch stellte. „Ich verteile jetzt die Zettel“, sagte sie. „Jeder von euch bekommt drei Zettel. Auf jeden Zettel schreibt ihr einen Namen.“ Sie holte tief Luft, bevor sie fortfuhr. „Nur Jungennamen sind erlaubt, da Natalie und Seth ja bereits wissen, dass es ein Junge wird. Danach kommen alle Zettel in diese Dose, und danach wird gezogen.“

„Dürfen Seth und ich auch mitmachen?“, fragte ich Kate.

Sie nickte lächelnd. „Natürlich. Gleiches Recht für alle. Wo kämen wir denn da hin, wenn ihr als Eltern nicht mitentscheiden dürftet?“ Sie zwinkerte Seth zu.

Warren kratzte sich am Kopf. „Das sind ganz schön viele Namen, die da zusammenkommen“, sagte er und schaute sich am Tisch um. „Seth, Natalie, Mom, Dad, Lucy und ich und Jessica und Kayla mal drei macht 24 Namen. Wow!“

„Wir dachten, dass 8 zu wenig wären“, erklärte George. „Deshalb das Ganze mal drei.“

Seth nickte. „Macht Sinn.“ Er schaute zu Kate. „Dann verteil mal die Zettel, damit wir anfangen können.“

Kate verteilte die Zettel und jeder begann, seine auszufüllen. Es dauerte nicht lange, bis alle, einschließlich ich, die Zettel beschriftet hatten. Ich hatte tatsächlich keine Ahnung, welche Namen Seth ausgewählt hatte. Doch das machte es umso spannender. Ich warf meine drei Zettel in die Dose und wartete, bis auch alle anderen ihre hineingeworfen hatten.

„Durchmischen!“, rief Kayla und griff mit ihrer Hand in die Dose, um alles 'umzurühren'. „Darf ich ziehen?“, fragte sie dann aufgeregt.

Ich schaute zu Seth, und er nickte leicht. Sollte der Name wirklich unmöglich sein, konnten wir immer noch einen anderen wählen. Doch der Gedanke war irgendwie süß, dass Kayla den Namen ihres kleinen Bruders ziehen würde. „Also los, zieh einen Namen!“, forderte ich sie lächelnd auf.

Alle schauten gespannt zu, wie sie mit ihrer kleinen Hand dann in die Keksdose griff und eine Weile darin herumwühlte, bis sie schließlich einen der gefalteten Zettel hervorzog. „Darf ich vorlesen?“, fragte sie.

Ich konnte spüren, wie mein Herz plötzlich vor Nervosität schneller schlug. Es war fast so aufregend, wie damals, als wir das Geschlecht des Babys erfahren hatten. Ich nickte Kayla zu, der man ansehen konnte, dass sie es kaum noch erwarten konnte, uns den Namen vorzulesen. Es herrschte Totenstille, und alle Blicke waren auf die Sechsjährige gerichtet, als sie den Zettel langsam auseinanderfaltete.

„Sean“, las sie dann vor und schaute fragend in die Runde. „Wer hat das geschrieben?“

Fragend gingen die Blicke der anderen umher, doch ich war wohl die Einzige, die wusste, wer diesen Namen ausgewählt hatte. Es war mein eigener Zettel, den Kayla da in ihrer Hand hielt. Ich grinste breit und hob dann die Hand.

„Oh mein Gott!“, rief Kate überrascht aus. „Wirklich? Das ist dein Zettel? Was für ein verrückter Zufall!“

Ich nickte schmunzelnd. „Einer von dreien. Aber der Name 'Sean' hat mir eigentlich immer schon am Besten gefallen, weil er so ähnlich klingt wie 'Seth'. Vater und Sohn.“ Ich griff nach Seths Hand. „Seth und Sean. Passt doch gut, oder?“

„Perfekt.“ Er beugte sich vor und küsste mich zärtlich. „Wir hätten keinen besseren Namen für unseren Sohn finden können.“

„Das macht Spaß!“, rief Kayla aus. „Darf ich noch einen Zettel ziehen?“

Jessica lachte und schaute zu mir. „Vielleicht denkt ihr beiden ja darüber nach, dem Kleinen einen Doppelnamen oder zumindest Zweitnamen zu geben.“

Ich tauschte einen Blick mit Seth aus. „Von mir aus“, sagte ich dann zu Kayla gewandt. „Zieh noch einen.“

Letztendlich blieb es dann doch bei dem einen Namen, denn die anderen Namen, die Kayla danach noch zog, passten so gar nicht zum ersten Namen und gefielen mir auch nicht wirklich. Wir hatten unseren perfekten Namen gefunden. Was wollten wir noch mehr? Nachdem das Spiel beendet war, trat Lucy zu mir.

„Das war lustig“, sagte sie lächelnd. „Kayla ist so eine Süße! Man muss sie einfach liebhaben.“

Ich nickte und schaute zu Seth und Warren hinüber, die gerade mit der Sechsjährigen herumalberten und lachten. „Sie macht es einem leicht, sie liebzuhaben“, sagte ich. „Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich es schaffen würde, sie als Seths Tochter zu akzeptieren. Doch mittlerweile weiß ich, dass es für mich keine Rolle spielt, ob sie meine leibliche Tochter ist. Ich liebe sie, wie mein eigenes Kind, auch, wenn sie zusätzlich noch ihre Mutter hat.“

Lucy nickte. „Warren ist ganz vernarrt in sie. Und sie ist 'nur' seine Nichte. Aber das zeigt doch nur, dass er auch ein Kind lieben könnte, dass nicht sein eigenes ist.“

Ich hob überrascht den Kopf, als ich begriff, was sie damit andeuten wollte. „Sprichst du von Adoption?“

Lucy nickte zögernd. „Wir haben darüber geredet. Doch bis jetzt war ich mir unsicher. Besonders, wie Warren reagieren würde. Doch, wenn ich ihn jetzt mit Kayla zusammen sehe, dann weiß ich, dass es möglich wäre.“

Ich nahm sie spontan in den Arm. „Es gibt so viele Kinder, die ein Zuhause suchen. Ich finde die Idee toll, wenn ihr so einem Kind die Möglichkeit geben würdet, in einem liebevollen Zuhause aufzuwachsen.“

Lucy lächelte. „Noch haben wir nichts in die Wege geleitet. Deshalb behalte es bitte noch für dich. Doch wir hatten gestern ein langes Gespräch, und ich sehe ein, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Jedes Mal darauf zu warten, endlich schwanger zu werden, Monat für Monat, ist zermürbend und frustrierend – für uns beide. Wir wollen es weiterhin versuchen, doch nicht mit diesem Druck, den wir uns vorher gemacht haben. Und parallel dazu wollen wir versuchen, ein Kind zu adoptieren. Vermutlich dauert es sowieso Jahre, bis das klappt.“

„Manchmal geht es auch schneller“, sagte ich, um ihr Mut zu machen.

Lucy nickte. „Ja, manchmal geht es auch schneller“, bestätigte sie und lächelte dann. „Ich habe Jessica angeboten, auf Kayla aufzupassen, wenn sie Hilfe benötigt. Sie will ja jetzt wieder anfangen zu arbeiten und braucht sicher jemanden, der mal auf die Kleine aufpasst.“

„Was hat sie gesagt?“, erkundigte ich mich neugierig.

„Sie hat sich über mein Angebot gefreut und will, falls erforderlich, darauf zurückkommen.“

„Das klingt doch gut. Und dann kannst du gleich üben, wie es sein wird, Mutter zu sein“, fügte ich lächelnd hinzu und strich über meinen gerundeten Bauch. „Ich wünschte, ich könnte das auch vorher üben.“

„Gibt es da nicht diese Vorbereitungskurse, zu denen man hingehen kann?“, fragte Lucy stirnrunzelnd.

Ich nickte. „Ja, in drei Wochen fängt so ein Kurs an. Seth hat sich sogar bereiterklärt, mitzugehen. Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell er sich an die Vaterrolle gewöhnt hat.“ Ich schaute wieder zu Seth und Kayla hinüber. „Als hätte er sein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht, als Kinder großzuziehen.“

Lucy lachte. „Väterlicher Instinkt nennt man das wohl.“

Ich wollte gerade etwas darauf erwidern, als Kayla auf uns zurannte. „Wir wollen noch ein Spiel spielen“, sagte sie und grapschte nach Lucys und meiner Hand. „Ihr müsst unbedingt mitmachen!“

„Welches Spiel?“, fragte ich und schaute stirnrunzelnd auf den Boden, wo Seth und Warren bereits das 'Spielbrett' aufgebaut hatten.

„Twister“, sagte Kayla fröhlich und deutete auf die Decke mit den bunten Punkten.

„Oh nein.“ Ich wehrte sie lachend ab. „Das ist nichts für mich. Aber ich schaue gerne zu.“

Es machte viel Spaß, den anderen dabei zuzusehen, wie sie sich verrenkten und lachten, und schon bald war die Zeit gekommen, das Abendessen einzunehmen. Müde und erschöpft, aber auch glücklich über die Ereignisse des Tages, schlüpften Seth und ich dann danach in unser Bett. Seine Arme legten sich sofort um mich, und er streichelte meinen Bauch.

„Erinnerst du dich noch, wo wir heute Morgen unterbrochen wurden?“, flüsterte er mir ins Ohr.

„Jetzt?“ Ich schaute ihn erstaunt an, als ich mich wieder daran erinnerte.

Er nickte und grinste frech. „Natürlich nur, wenn du dafür nicht zu müde bist“, fügte er hinzu.

Ich setzte mich auf und grinste zurück. „Dafür bin ich doch nie zu müde“, sagte ich leise und beugte mich dann über ihn, um dort weiterzumachen, wo wir am Morgen so brüsk durch Kate unterbrochen worden waren.
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