Alles zurück auf Anfang

von MonaGirl
GeschichteDrama, Romanze / P16
08.01.2019
24.05.2019
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Natalie


Je näher wir dem Wohnort meines Vater kamen, desto nervöser wurde ich. Was würde er sagen, wenn ich mit einem Ehemann auftauchte? Ich hatte in den Jahren davor, nicht einmal irgendwelche Freunde mit nach Hause gebracht, die ich meinen Eltern vorgestellt hatte. Damals, als sie noch zusammengelebt hatten. Richtig glücklich waren sie irgendwie nie gewesen. Ich hatte schon früh mitbekommen, wie sie sich oft gestritten hatten. Doch trotz ihrer offensichtlichen Differenzen, 'überlebte' ihre Ehe immerhin 20 Jahre. Danach war Schluss. Mein Dad zog aus, weil er die bevormundende Art meiner Mom nicht mehr ertragen konnte. Ich folgte ihm kurze Zeit später. Sie ließen sich scheiden, und das gemeinsame Haus wurde verkauft. Wie aus einstiger Liebe so ein Hass entstehen konnte, verstand ich bis heute nicht. Doch sie hatten sich nach der Scheidung nichts mehr zu sagen gehabt. Sie zogen weit voneinander entfernt, damit sie dem anderen nicht mehr zufällig über den Weg laufen konnten. Beide fanden ziemlich schnell wieder neue Partner. Doch auch diese Beziehungen gingen nach kurzer Zeit wieder in die Brüche. Wieso ich mich überhaupt auf das Abenteuer Ehe eingelassen hatte, nach allem, was ich mit meinen Eltern erlebt hatte, war mir selber ein Rätsel. Doch vielleicht war das auch der Grund, wieso ich es getan hatte. Ich wollte mir und allen anderen beweisen, dass es doch noch so etwas gab wie 'ewige Liebe und Treue', wie es in meinem Ehering stand.

„Woran denkst du?“

Unsanft aus meinen Tagträumen geweckt, wandte ich meinen Kopf zu Seth. „Wie mein Dad reagieren wird, wenn wir bei ihm auftauchen“, erwiderte ich wahrheitsgemäß.

„Machst du dir Gedanken darüber, dass er mich nicht mögen könnte?“, fragte Seth stirnrunzelnd.

Ich ließ meinen Blick über ihn gleiten und seufzte dann innerlich. Ich wusste jetzt schon, was mein konservativer Vater zu dem Outfit meines Gatten sagen würde. Wie immer, trug Seth eine dunkle Jeans und ein gleichfarbiges, langärmeliges Band-Shirt mit irgendeinem bunten Aufdruck. Nichts, um beim ersten Treffen mit dem neuen Schwiegervater, Eindruck zu schinden.

„Was ist?“ Er hatte meinen Blick wohl bemerkt und schaute an sich herunter. „Denkst du, ich bin deinem Vater nicht 'fein' genug?“

Sarkasmus schwang in seinem Tonfall mit, und ich verdrehte die Augen. „Mein Dad ist ein wenig... konservativ und auch ein bisschen... speziell“, begann ich vorsichtig. „Er arbeitet bei einer 'Insurance Company'", fügte ich hinzu, damit er sich ein besseres Bild von meinem Dad machen konnte.

„Oh.“ Seth hob die Augenbrauen. „Ich verstehe.“

Ich holte tief Luft und lehnte mich zurück. „Vielleicht erzähle ich dir ein bisschen etwas über meine Eltern“, schlug ich vor, um die Zeit zu überbrücken.

„Okay.“ Seth nickte und konzentrierte sich dann wieder auf den Straßenverkehr.

„Also...“, begann ich. „... Mein Dad heißt Gregory, ist 51 Jahre alt und von Beruf Versicherungskaufmann. Meine Mom heißt Anna und ist 46 Jahre alt. Sie arbeitet als Kassiererin bei Walmart. Meine Eltern haben damals geheiratet, als ich unterwegs war.“ Seth nickte nur, sagte jedoch nichts.

„Ich habe keine Geschwister. Irgendwie hat es sich wohl nicht so ergeben“, fuhr ich fort. „Als ich ein Kind war, habe ich mir immer einen Bruder oder Schwester gewünscht. Vielleicht war das auch der Grund, wieso Lucy und ich uns so nahestanden. Wir waren nicht nur Nachbarn, sondern auch beide Einzelkinder.“

„Ich hätte mir nicht vorstellen können, alleine aufzuwachsen", warf Seth ein. "Warren und ich haben uns zwar nicht immer so gut verstanden, und ich glaube, es gab Momente, wo er mich gerne umgebracht hätte...“ Er stoppte und lachte leise. „Doch wir hätten auch nicht ohne den anderen sein wollen. Besonders jetzt, wo wir älter sind, wissen wir den anderen mehr zu schätzen.“

„Und ausgerechnet jetzt müssen Lucy und er wegziehen“, murmelte ich.

„Ja.“ Seth seufzte leise. „Er wird mir fehlen.“

Ich legte meine Hand auf seine, die auf dem Lenkrad lag und drückte sie leicht. „Wir haben jetzt uns, oder?“, fragte ich hoffnungsvoll.

Seth schaute mich an und lächelte. „Ja, wir haben jetzt uns“, bestätigte er.

'In 200 m haben sie das Ziel erreicht. Das Ziel liegt auf der rechten Seite' , verkündete das Navi.

Ich holte tief Luft und knetete meine eiskalten Hände. „Wir sind da“, sagte ich und wartete, bis Seth sich, längs der Straße, einen Parkplatz gesucht hatte, bevor ich mit wackeligen Knien ausstieg.

Seth schaute an dem hohen Gebäude hinauf, vor dem wir stehengeblieben waren. „Dein Dad wohnt in einem Hochhaus?“, fragte er überrascht.

Ich nickte. „Er braucht alleine nicht so viel Platz. Deshalb hat er sich ein Apartment in diesem Haus gekauft.“

Seth schaute sich um. „Nette Gegend“, sagte er beeindruckt.

„Ja, es ist die etwas bessere Wohnlage von Santa Barbara. Der Ozean ist ganz in der Nähe. Vielleicht können wir nachher kurz hingehen. Es ist sehr schön am Wasser, und in dieser Jahreszeit fast nichts los am Strand.“

„Hast du Badesachen dabei?“, fragte Seth schmunzelnd.

„Es ist zwar wärmer als in Big Bear Lake, aber immer noch zu kalt“, erwiderte ich und lächelte. „Aber lass und jetzt erst mal hochgehen. Vielleicht ist er auch gar nicht da, und wir sind umsonst hierhergefahren.“

„Das werden wir gleich wissen“, sagte Seth und las die Namen, die draußen am Klingelbrett angeschlagen waren. „Ah, da ist es ja... Palmer.“ Er drückte den Klingelknopf, bevor ich es mir noch anders überlegen konnte.

„Vielleicht ist er arbeiten“, schlug ich vor, als niemand öffnete.

„Heute ist der 1. Januar“, sagte Seth grinsend. „Da arbeitet niemand.“ Er drückte die Klingel erneut.

Mein Herz begann, wie wild zu klopfen, als eine vertraute Stimme durch den Lautsprecher drang. „Ja, bitte?“

„D-daddy?“, brachte ich mit belegter Stimme hervor. „Ich bin's... Natalie.“

Die Tür wurde geöffnet, und Seth und ich betraten schnell das Innere des Hochhauses. Der Fahrstuhl wartete bereits auf uns, und wir stiegen ein. Als die Türen sich schlossen, lehnte ich mich leise stöhnend gegen die Fahrstuhlwand.

„Alles okay?“, fragte Seth und sah mich besorgt an.

„Ja, alles okay“, log ich. „Ich bin nur ein wenig nervös. Ich habe meinen Dad das letzte Mal vor drei Monaten gesehen.“ Seth ergriff meine Hand und hielt sie so lange fest, bis wir die Etage, in der mein Dad sein Apartment hatte, erreicht hatten. Er wartete schon vor der Tür auf uns und lächelte, als er mich erblickte.

„Natalie! Was für eine Überraschung!“, sagte er und nahm mich zur Begrüßung in den Arm und drückte mich kurz an sich.

„Frohes neues Jahr, Daddy!“, sagte ich, nachdem er mich wieder freigegeben hatte. Ich sah, wie sein fragender Blick zu Seth wanderte, der ihn ebenfalls neugierig beäugte.

„Seth Mastersen“, stellte Seth sich dann vor und ergriff die Hand meines Vaters.

„Kommt doch rein!“ Mein Dad öffnete die Tür weiter und ließ uns eintreten. „Möchtet ihr einen Kaffee oder Tee oder etwas mit Alkohol?“, fragte er, nachdem er uns ins Wohnzimmer geführt hatte.

Ich hätte zwar jetzt gerne etwas Alkoholisches gehabt, was vielleicht meine angespannten Nerven beruhigen würde, doch ich entschied mich für das harmlosere Getränk. „Ich hätte gerne einen Kaffee“, sagte ich schnell und gestikulierte zu Seth, dass er sich hinsetzen sollte.

„Ich auch, wenn es geht“, warf Seth ein und setzte sich in einen Sessel.

„Es ist nett, dass ich auch mal einen von Natalies Freunden kennenlerne“, sagte mein Dad, nachdem er den Kaffee vor uns hingestellt und ebenfalls Platz genommen hatte.

Ich erstarrte in meiner Bewegung, nach der Kaffeetasse zu greifen und zog die Hand wieder zurück. Es wurde Zeit, meinen Dad über seinen Irrtum aufzuklären. Nervös räusperte ich mich. „Dad... Seth ist nicht... mein Freund“, sagte ich langsam. „Er ist...“ Ich stoppte und griff dann doch schnell nach der Tasse und nahm einen Schluck daraus, bevor ich weitersprach. „...mein... mein Ehemann“, beendete ich den Satz.

Es war für einen Moment so still im Raum, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Seth hatte den Kopf gesenkt. Vermutlich, weil er den verstörten, geschockten Blick meines Vaters nicht ertragen konnte. Ich saß da und kaute nervös auf meiner Unterlippe herum, während ich meinen Dad ängstlich ansah. „Daddy, bitte, sag etwas!“, flehte ich ihn an, als ich das Schweigen nicht mehr länger aushalten konnte.

„Bist du schwanger?“

Es war nicht die Frage, die ich erwartet hatte, doch ich war froh, dass er überhaupt reagierte. Langsam schüttelte ich den Kopf. „Nein“, sagte ich mit leicht zitternder Stimme.

„Seit wann seid ihr verheiratet?“, war die nächste Frage.

„Wir haben am 25.12. geheiratet“, mischte Seth sich nun auch ein. „In Big Bear Lake. Meine Eltern haben dort ein Ferienhaus.“

Auch ohne, dass mein Dad ein Wort sagte, erkannte ich an seinem Blick die unausgesprochene Frage, wieso er bei der Hochzeit nicht mit dabei gewesen war.

„Weiß deine Mutter davon?“

Ich schüttelte den Kopf, meine Tränen nur noch mühsam zurückhaltend. Ich hatte geglaubt, das richtige zu tun, indem ich sie beide nicht eingeladen hatte. Doch jetzt bereute ich meine Entscheidung, denn ich konnte erkennen, wie traurig und enttäuscht mein Vater darüber war. „Es... es war eine spontane Entscheidung... zu... zu heiraten“, stammelte ich.

Er hob den Kopf und sah mich mit einem verwirrten Blick an. „Du hast nie einen Freund erwähnt, wenn wir telefoniert haben.“

Ich überlegte, wann ich das letzte Mal mit ihm telefoniert hatte. Es war kurz bevor ich nach Big Bear Lake gereist war gewesen. Ich hätte ihm gar nichts von Seth erzählen können, denn ich hatte ihn damals noch gar nicht gekannt. Ich räusperte mich. „Ich hatte dir doch erzählt, dass Lucy heiraten wollte, oder?“, begann ich zögernd.

Er nickte. „Ja, das hattest du mir erzählt. Und auch, dass du nach Big Bear Lake fahren wolltest.“ Er sah mich fragend an. „Du hast mir allerdings nichts davon erzählt, dass du selber auch dort heiraten würdest.“

Ich hielt es nicht mehr aus. Ich sprang auf und tigerte im Wohnzimmer auf und ab. „Ich wusste es damals doch selber noch nicht“, stieß ich hervor und warf schnell einen Blick zu Seth, der mir einen hilflosen Blick zurückwarf. Ich konnte förmlich sehen, wie unwohl er sich bei diesem Gespräch fühlte. „Warren, Lucys Mann, ist Seths Bruder“, erklärte ich meinem Dad. „Wir haben uns erst in Big Bear Lake kennengelernt“, fuhr ich schnell fort, bevor er mich unterbrechen konnte. „Es war 'Liebe auf den ersten Blick'. Und deshalb haben wir beschlossen, es legal zu machen und zu heiraten.“

„Ihr kennt euch erst einen Monat?“, stieß mein Dad ungläubig hervor.

Ich nickte scheu. „32 Tage genau“, präzisierte ich, nachdem ich nachgerechnet hatte.

„Wow!“ Er rollte mit den Augen. „Du bist schnell. Das muss ich dir lassen. Nicht mal ich war damals so schnell bereit, zu heiraten. Es hat fast ein halbes Jahr gedauert, bis ich mir sicher war, dass ich deine Mom heiraten wollte.“

„Du wolltest nicht, du musstest“, korrigierte ich ihn. „Großvater hat dir 'die Pistole auf die Brust gesetzt'“, wiederholte ich, was meine Mom mir damals anvertraut hatte.

„Ja, wie auch immer.“ Mein Dad machte eine unwirsche Handbewegung. „Doch die Erfahrung hat mich gelehrt, dass es besser ist, lieber noch etwas zu warten, bevor man überstürzt eine Beziehung eingeht, die auf Dauer ausgelegt ist. So was kann nur in einer Katastrophe enden!“

Autsch! Das tat weh. Ich hatte geahnt, dass mein Dad nicht gerade begeistert sein würde über die Ankündigung, dass ich geheiratet hatte. Doch das er Seth und mich schon quasi vor dem Scheidungsrichter sah, tat doch irgendwie weh. „Ich denke, wir sollten jetzt gehen“, sagte ich und sah zu Seth. „Wir wollten noch zu Mom fahren."

„Na, die wird über eure Neuigkeiten wahrscheinlich genauso 'begeistert' sein wie ich“, sagte mein Dad und rollte sarkastisch mit den Augen.

„War nett, sie kennengelernt zu haben, Mr. Palmer“, sagte Seth steif und streckte meinem Dad die Hand entgegen.

„Ist das etwa ein Tattoo?“, stieß er hervor, als er sah, was unter Seths hochgerutschtem Ärmel sichtbar geworden war.

„Ja, es ist ein Tattoo“, sagte ich hastig, bevor Seth auch nur den Mund aufmachen konnte. „Und stell dir vor, er hat nicht nur eins, er macht sie auch.“ Trotzig hob ich den Kopf. „Seth ist Tatoo-Künstler. Er hat ein eigenes Studio in L.A.“

„Damit kann man tatsächlich Geld verdienen?“, fragte meine Dad skeptisch.

Prima! dachte ich frustriert. Jetzt kam das nächste Thema, das ich gerne vermieden hätte. Geld! „Genug, um zu überleben“, sagte ich schnell. „Mach dir keine Sorgen. Deine Tochter wird schon nicht auf der Straße landen. Außerdem verdiene ich ja auch noch Geld.“

„Und womit? Mit diesem armseligen Bücherladen?“ Mein Dad schüttelte den Kopf. „Ich wünschte, du hättest damals mein Angebot angenommen und hättest eine solide Ausbildung als Versicherungskauffrau gemacht.“ Er seufzte tief. „Schau die deine Mutter an. Sie hat nichts gelernt und muss jetzt Hilfsarbeiten machen. Willst du auch so enden?“  

Ich spürte, wie es innerlich in mir zu brodeln begann. „Ach ja? Und woran liegt das wohl?“ Ich konnte es nicht fassen, dass er jetzt wieder mit diesem Thema anfing. „Sie war 19, als du sie geschwängert hast! Da ging sie noch zu Schule! Was hätte sie denn tun sollen? Sie hatte ein kleines Baby, um dass sie sich kümmern musste.“

Er zuckte mit den Schultern. „Sie hätte Hilfe annehmen können. Doch sie war ja zu stur dazu.“

„Ganz sicher nicht von dir“, giftete ich ihn an. „Du warst ja zu beschäftigt mit deiner Arbeit!“

„Ich hatte ihr damals vorgeschlagen, ein Kindermädchen einzustellen“, sagte er schulterzuckend. „Doch sie wollte partout nicht, dass jemand anders sich um dich kümmert.“

Ich war meiner Mutter noch heute dankbar dafür, dass sie zu Hause geblieben war und mich nicht an ein Kindermädchen abgeschoben hatte. „Dir war es doch völlig egal, wer deine Tochter großzieht! Hauptsache, du musstest dich nicht darum kümmern!“ Ich hörte ein Räuspern und drehte mich zu Seth. „Was?“, fragte ich unwirsch.

„Lass uns gehen“, sagte er und sah mich eindringlich an. „Wir müssen weiter.“

Ich versuchte, meinen Puls wieder herunterzubekommen, indem ich ein paar Mal tief durchatmete. „Mach's gut, Daddy“, sagte ich müde und ließ es zu, dass er mich noch einmal kurz umarmte. Ich war frustriert und enttäuscht von dem Verlauf des Gespräches. Doch ich hätte wissen müssen, dass es so enden würde. Mein Dad und ich stritten ständig, besonders, wenn er meine Mom ins Spiel brachte und sie auch noch angriff. Am Telefon war es leichter, dann einfach aufzulegen.

„Behandel sie ja anständig! Sonst bekommst du es mit mir zu tun!"

Es war das Letzte, was ich hörte, bevor ich mit Seth das Apartment verließ. „Er behandelt mich sicher besser, als du deine Frau“, murmelte ich, bevor ich mit Seth den Fahrstuhl betrat. „Danke für deine tolle Unterstützung!“, stieß ich sarkastisch hervor, als wir auf dem Weg nach unten waren.

„Was hätte ich denn sagen sollen?“ Er hob die Arme und ließ sie dann wieder fallen. „Ich hatte das Gefühl, dass dies eine ganz persönliche Sache zwischen dir und deinem Dad war. Wieso hätte ich mich da einmischen sollen?“

„Du bist doch sonst nicht auf den Mund gefallen.“ Ich strich mir seufzend eine Haarsträhne hinters Ohr. „Mein Dad und ich haben eine etwas komplizierte Beziehung“, sagte ich leise. „Es tut mir leid. Ich wollte dich da nicht mit reinziehen.“

„Schon okay.“ Seth nickte und öffnete die Tür zum Wagen. „Fahren wir jetzt weiter zu deiner Mutter?“, erkundigte er sich.

„Bist du sicher, dass du das heute auch noch ertragen willst?“, fragte ich skeptisch.

„Ist sie so, wie dein Vater?“, stellte er die Gegenfrage.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, eher das Gegenteil. Sie wird dich mit offenen Armen in die Familie aufnehmen. Sie hat eine Schwäche für große, gutaussehende, dunkelhaarige Männer mit Tattoos“, meinte ich schmunzelnd.

„Wieso hat sie dann deinen Dad geheiratet?“, fragte Seth und hob vielsagend die Augenbrauen.

Ich musste lachen, obwohl ich mich eigentlich ziemlich mies fühlte, dass die Begegnung mit meinem Dad mal wieder in einem Fiasko geendet war. „Okay, lass uns fahren“, sagte ich und sah zu, wie Seth die neue Adresse ins Navi eingab und dann den Motor startete und losfuhr.
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