Der Fall Notausgang [Arbeitstitel]

von Schoko4
GeschichteKrimi, Mystery / P12
07.01.2019
11.01.2019
2
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Kapitel 1 – Das Spiel beginnt


John stand in der Küche und kochte Tee. Er und Sherlock waren gerade zurückgekommen von einem Fall, der sich beim näheren Hinsehen als fünf entpuppt hatte und Sherlock war entsprechend schlecht gelaunt, dass Lestrade ihn für sowas gezwungen hatte, das Haus zu verlassen. Gut, John selber war nicht unschuldig daran, dass sie Sherlock zum Tatort gequatscht hatten – aber was tat man nicht alles dafür, die Küche nach Sherlocks Schwefel-Experiment, das irgendwas mit menschlichen Körperteilen zu tun hatte (Denn wann war das nicht der Fall) mal die Küche in Ruhe lüften zu können.

Jetzt lag Sherlock also schmollend auf dem Sofa, zupfte an den Saiten seiner Geige und war absolut nicht ansprechbar. Entsprechend stellte John einfach nur eine Teetasse mit Earl Grey neben ihn auf den Couchtisch (Versuchen konnte man es ja mal) und setzte sich dann an seinen Laptop. Ihren Laptop. So oft wie Sherlock ihn benutzte, war es absolut sinnlos geworden, das Passwort zu ändern. Irgendwann, dachte John, während er den Ordner mit den Dateien für seinen Blog öffnete, irgendwann würde er das Geld beisammen haben für einen Laptop mit Fingerabdrucksensor. Auch wenn er das nie machen würde, er brauchte das Geld an anderen Stellen leider doch dringender…

„Milch, John.“ Kam es vom Sofa.
„Timing, Sherlock.“ Gab er trocken zurück und widmete sich wieder dem nächsten Blogeintrag. „Ich hab zu tun, ich gehe jetzt nicht einkaufen.“
„Wir brauchen Milch.“ Und wenn seine Hoheit von Consulting Detective noch so quengelte und wenn John auch eventuell mitschuldig daran war, dass er genervt war, er würde nicht wieder springen, nur weil Sherlock der Meinung war, jetzt sei der einzig mögliche und passende Zeitpunkt dafür, dass John einkaufen ging, weil die Milch in der Bakerstreet schon wieder auf verdammt nochmal magische Weise leer war.

John seufzte, als er die langen Regalreihen bei Tesco entlanglief, auf dem Weg zum Milchregal. Sherlock war wie ein Kind, wie ein unfassbar nerviges Kind war er manchmal. Manchmal war untertrieben, die meiste Zeit, korrigierte er sich gedanklich. Sherlock war genial und ein guter Freund (Naja gut, er rettete John das Leben – nachdem er selbiges auch manchmal in Gefahr brachte und bis auf das Lebensrettungsding hielten sich Sherlocks Freundschaftsdienste in Grenzen, aber das war schon okay), aber er war eben nervig. Oft genug.

„Tschuldigung.“ Murmelte jemand hinter ihm auf einmal, zeitgleich wurde John unsanft beiseitegeschoben.
„Hey!“ protestierte er halbherzig (Leider war er klein genug, dass das hier nicht das erste Mal war, dass so etwas passierte) und wandte sich nach dem Übeltäter um. Ein Mann in einem braunen Jackett und – war das ein Fez? Was zum…? – eilte einige Schritte weiter hinten durch den Gang und schien die Sache schon wieder verdrängt zu haben, vollkommen konzentriert darauf, nach einem gewissen Rory zu rufen. Was auch immer, dachte John kopfschüttelnd und wollte sich wieder um die Milch kümmern, als er schon wieder davon abgehalten wurde. Vom selben Mann wie eben – nur wurde er diesmal nicht angerempelt.
Eine Fliege, dachte John, auch noch eine Fliege – die farblich fast schon zum Fez passte. Na klar.

„Haben Sie einen Römer gesehen?“ fragte der Fremde da auch schon.
„Etwa so groß, wahrscheinlich in voller Rüstung, Römischer Zenturio, hört auf den Namen Rory?“
„Entschuldigen Sie, was?“ John blinzelte irritiert. Offenbar war der Kerl aus einer Irrenanstalt entlaufen. Das würde zumindest den Fez erklären, wer trug denn bitte einen Fez?
„Rory, Römer, auferstanden von den Toten.“ Sagte sein Gegenüber ungeduldig. „Das ist wichtig, sehr wichtig sogar, also könnten sie aufhören auf meinen Fez zu starren und mir kurz antworten?“
„Ich starre den Fez nicht an, ich – nein, ich habe keinen Römer gesehen.“ Erwiderte er. „Hören Sie, was genau wollen Sie eigentlich von mir?“
„Naja, wenn Sie Rory nicht gesehen haben, dann strenggenommen – momentan gar nichts. Entschuldigen Sie mich, ich muss einen Römer suchen – und ziehen Sie nicht so ein Gesicht, Feze sind cool!“

Und schon war der andere wieder weg, bevor John irgendwie reagieren konnte. Was auch immer das gewesen war – eigentlich sollte ihn sowas nicht mehr wundern, immerhin hatte er mit Sherlock schon so einiges erlebt. Und hey, das hier war London, da liefen nun Mal auch ein paar merkwürdig angezogene Leute rum, auch welche mit einem Fez und vielleicht ja auch welche in römischer Rüstung, wer wusste das schon genau. Sherlocks Mantel war ja jetzt auch nicht gerade unauffällig und erst letztens war John einigen als Hobbits verkleideten Herr der Ringe Fans in der U-Bahn begegnet, also was sollte es.

Und so verdrängte er die Begegnung dann doch relativ schnell wieder aus seinen Gedanken, kaufte endlich Milch und ein paar Kekse für seine Nerven – diesmal stritt er sich auch nicht mit der Maschine an der Kasse, yes! – und machte sich auf den Rückweg in die Bakerstreet. Sherlock saß am Schreibtisch, ausnahmsweise mal seinen eigenen Laptop vor sich und schien irgendetwas zu lesen.

Sein Tee war mittlerweile natürlich kalt geworden, bemerkte John resigniert, als er Milch und Kekse verstaut hatte und er überlegte gerade, ob er jetzt noch einen neuen machen oder es einfach dabei belassen sollte, als Mrs Hudson die Treppe nach oben kam und das Wohnzimmer gesagt.

„Ich hab ihm gesagt, Sie wollen nicht gestört werden, Sherlock, aber er ist so schrecklich hartnäckig und es scheint wirklich wichtig zu sein…“ begann sie, zu erklären, und während Sherlock schon genervt guckte, erschien Mycroft im Türrahmen hinter Mrs Hudson.

„Das“, er betrat das Wohnzimmer, indem er sich an ihrer Vermieterin vorbeischob, „Ist es in der Tat. Von nationaler Bedeutung, mindestens, Sherlock, du musst kommen.“
„Ach, muss ich das?“ Sherlock sah gelangweilt von seinem Laptop auf und John beobachtete stirnrunzelnd, wie Mycroft gar nicht darauf einging, sondern einfach nur nickte.
„Es steht mehr auf dem Spiel, als du dir vorstellen könntest. Bitte, Sherlock.“ Sagte er statt einer, wie John erwartet hatte, bissigen Erwiderung.
„Tschuldigung, haben Sie gerade ‚bitte‘ gesagt?“ bemerkte er entsprechend belustigt. „Sie bitten nie um irgendetwas.“
„Jetzt schon, wie Sie vielleicht bemerkt haben.“ Kam es kühl vom älteren Holmes-Bruder. „Nun, Sherlock?“
„Wenn es so dermaßen wichtig ist, warum erledigst du es nicht selbst?“ fragte dieser zurück.
„Ich habe zu tun.“ Entgegnete Mycroft und wandte sich zum Gehen. „Hyde Park, Inspector Lestrade wartet dort schon auf dich, Sherlock.“
„Ich habe noch nicht zugesagt – und wenn du so viel zu tun hast, wieso bemühst du dich dann her?“
„Ich habe an anderer Stelle am selben Fall zu tun. Deine Hilfe wird gebraucht Sherlock, keine Zeit jetzt für deine Kleinkriminellen. Es gibt Wichtigeres zu tun.“ John sah dem älteren Holmes überrascht nach, als dieser mit seinem Regenschirm in der Hand die Treppen hinunterstieg. Hatte er das gerade richtig verstanden? Mycroft arbeitete an einem Fall und wollte, dass Sherlock ebenfalls mitarbeitete? Irgendwas war hier doch merkwürdig.

Natürlich fuhren Sie zum Hyde Park – so oft Sherlock auch betont hatte, dass sein Bruder ihm gar nichts zu sagen hatte, die Ansage, dass Mycroft am selben Fall arbeitete und trotzdem seine Hilfe benötigte, hatte offenbar seine Neugier geweckt.

„Die Leiche ist schon weg mittlerweile, aber Sie sollten sich den Tatort trotzdem ansehen.“ Lestrade ging ihnen voran über die Grünfläche auf das irgendwie völlig fehl am Platz wirkende Absperrband zu.
„Muss schon ein paar Tage da gelegen haben wie es aussah, keine Ahnung, warum das nicht aufgefallen ist, wir haben ihn deshalb ziemlich schnell abtransportieren lassen, den armen Kerl.“ John tauchte hinter Sherlock unter dem Band durch und ignorierte – wie so oft – Donovans abschätzigen Blick, der seit einiger Zeit nicht nur Sherlock, sondern sie beide traf. Sollte ihm recht sein.

„Hier haben wir ihn gefunden.“ Lestrade wies auf einen schwarzen Umriss auf dem Gras.
„Wieso haben Sie ihn wegbringen lassen?“ Sherlock runzelte die Stirn uns sah sich am Tatort um.
„Naja, mit den Touristen, die hier andauernd langlaufen, kann ich keine mehrere Tage oder Wochen alte Leiche hier herumliegen haben.“ Erwiderte Lestrade.
„Wie kann es sein, dass er bei all den Touristen dann so lange hier gelegen hat?“ frage er irritiert nach. „Das ergibt doch keinen Sinn.“
„Fragen Sie nicht mich.“ Lestrade hob abwehrend die Hände.
„Entsprechend nehme ich an, dass diese Telefonzelle gleichzeitig mit der Leiche aufgetaucht ist?“ bemerkte Sherlock und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf das eigentlich Auffälligste am Tatort. Neben dem schattenartigen Umriss auf dem Rasen und einigen Blutsprenkeln im Gras stand eine große, blaue Polizeinotrufzelle.
„Das ist richtig. Wir haben versucht, sie zu öffnen, aber sie ist verschlossen.“ Erklärte Lestrade.
Sherlock schritt auf die Telefonzelle zu und John folgte ihm.
Was an diesem Fall genau Mycrofts Auftauchen rechtfertigte, war ihm zwar noch nicht so ganz klar, aber dass eine mehrere Tage alte Leiche und eine plötzlich auftauchende Polizeinotrufzelle auf der Skala der Seltsamkeiten weit oben standen, war offensichtlich.

„Wieso denkt Mycroft, dass das Land durch eine Polizeinotrufzelle gefährdet ist?“ fragte er Sherlock und zog die Augenbrauen zusammen.
„Eine Polizeinotrufzelle, die älter ist, als sie sein sollte.“ Bemerkte Sherlock rätselhaft und strich mit den Fingerspitzen über das blau lackierte Holz.
„Wer hat Sie gerufen?“ fragte er dann Lestrade. „Ich muss denjenigen befragen.“
„Er hat seinen Namen nicht genannt.“ Sagte der Inspektor. „Und er war auch nicht mehr hier, als wir angekommen sind.“
„Das heißt, Sie haben nichts?“ Sherlock wirkte überrascht.
„Er nannte sich der Doctor.“ Erwiderte Lestrade schulterzuckend. „Falls ihnen das was sagt, wir suchen schon nach ihm.“
„Der Doctor…“ murmelte Sherlock geistesabwesend. „Kommen Sie, John, wir fahren ins Bart’s, ich muss mir die Leiche ansehen. Lestrade, sobald Sie den Doctor gefunden haben, sagen Sie mir Bescheid.“
„Ja aber – was ist den jetzt? Wissen Sie irgendwas?“ rief Lestrade dem Consulting Detective hinterher, während John schon damit beschäftigt war, sich nicht von Sherlock abhängen zu lassen, der bereits schnellen Schrittes auf das Absperrband zuging.
„Rein gar nichts.“ Rief eben dieser überraschend glücklich über die Schulter. „Ich melde mich heute Abend, wenn ich den Fall gelöst habe. Das Spiel John – das Spiel hat begonnen!“

Lestrade hatte kaum eine Chance, noch etwas dazu zu sagen, ebenso wenig wie John, denn Sherlock setzte offenbar mal wieder seine merkwürdige Fähigkeit, Taxis mehr oder weniger aus dem Nichts zu rufen ein und schon waren er und John unterwegs ins St Bart‘s.


-tbc-



N'Abend allerseits :)
Eigentlich werdet ihr bei dieser Geschichte kaum was von mir hören, versprochen, aber einmal zu Anfang zu Wort melden möchte ich mich doch: Ich hab mich endlich an eine SuperWhoLock Geschichte getraut, nachdem ich schon lange überlegt hatte, wie es wohl aussehen würde, wenn es ein solches Seriencrossover wirklich gäbe. Entsprechend sollte hier erst ein Drehbuch oder Skript entstehen, was sich jetzt aber doch verselbstständigt hat - für mich ist es aber dennoch dem Konzept nach eine Serie, deren erste Folge aus der ersten Staffel ihr hier vor euch habt. Zwei Staffeln à drei Folgen habe ich geplant, natürlich auch ein bisschen davon abhängig, wie es hier so aufgenommen wird. Ich werd jedenfalls mein Bestes geben um diesen drei großartigen Serien gerecht zu werden.
Alles Liebe
AJ
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