Sprung ins Glück

GeschichteRomanze / P12
Andreas Wellinger Markus Eisenbichler OC (Own Character)
07.01.2019
26.06.2019
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„Mist!“ entfuhr es mir schlagartig. Tausend Gedanken drehten sich jetzt nur um ihn. Während ich verzweifelt versuchte sein Handy zu entsperren, wusste ich zugleich aber auch, dass das auch ein schlechtes Omen darstellte. Nie verließ er ohne Handy das Haus. Nicht, dass er Smartphone abhängig wäre. Vielmehr wusste er dadurch genau, wo seine Liebsten steckten und musste sich dementsprechend keine Sorgen um sie machen. Morgen stand das letzte Springen der Vierschanzentournee an und ich hatte keine Ahnung, wo er sich aufhielt. Dabei war das die Chance auf seinen endgültigen Durchbruch. Alles nur wegen eines Kusses… Meine Gefühle vollführten einen Tanz, bei dem niemand hätte mithalten können. Obwohl ich den Mann meiner Träume doch eigentlich schon an der Seite hatte, drehten sich meine Gedanken nur um ihn. Ob ich meinen Neuronen dafür danken sollte, wusste ich noch nicht. Enttäuscht über meine eigene Unfähigkeit schmiss ich mein eigenes Handy an die Wand. Missmutig musste ich feststellen, dass meine Dämlichkeit wohl soeben ihr Limit erreicht hatte. „Dümmer geht immer…“ murmelte ich, während ich einen skeptischen Blick auf das graue etwas im Eck warf. Warum konnte mein Leben auch nicht ansatzweise normal sein? Vielleicht sollte ich es mal mit Rente versuchen. Abgeschottet von der Welt einen Tee schlürfen und vor Rosamunde Pilcher dahinvegetieren. Deren Liebenslieben scheint zwar auch nicht weniger chaotisch, aber zumindest war ich mir von Anfang an immer sicher, dass ein Happy End mir entgegenstrahlen würde. Und so wie es momentan bei mir aussah, war das wohl weniger zu erwarten. Entscheidungen waren mir immer schon schwergefallen. Lieber den blauen oder roten Pulli anziehen? Haare offen oder geschlossen tragen? Mein Hirn wurde schon zu einer richtigen Matschepampe. „Schluss damit!“ besann ich mich eines Besseren. „Als nächstes fragst du dich noch, warum immer genau so viel passiert, wie in der Zeitung steht.“ Murrte ich langsam griesgrämig. Die Suche machte einen echt depressiv. Vor allem wenn man nicht genau wusste, wonach eigentlich. Harry Potter und seine Horkruxe waren ein Witz dagegen. Aber so ein bisschen Kreativität wie der Blitznarbenträger hätte mir zu diesem Zeitpunkt wohl auch nicht geschadet.

Mir blieb nur eine Möglichkeit. DAS Zimmer. Aber reinschleichen bei den DSV-Adlern ist wohl schwieriger als ein 6er im Lotto zu bekommen. Also musste ich wohl irgendetwas Kreatives finden, um meinen Blondschopf zu verstecken. Warum hatte er auch niemanden von uns erzählt? Okay, dumme Frage. Gefühle für die Freundin des härtesten Konkurrenten zu haben, steht wahrscheinlich nicht auf der To-Do-Liste eines aufstrebenden Superstars. Ich schnappte mir schnell eine Cap, die ehemals ein Werbegeschenk war und kuschelte mich in eine überdimensional große Jacke ein. Sofort umhüllte mich ein Hauch von Vanille. Ein Bild tauchte vor meinem inneren Auge auf. Braune Haare, Augen zum Verlieben und Grübchen, die an kein Lächeln der Welt gleichen. Sein Akzent zauberte mir immer wieder ein Grinsen ins Gesicht. Viel zu lang war ich getrennt von meiner Heimat, meiner Kultur und noch so vieles mehr. Immer wenn ich mit ihm zusammen gewesen war fühlte ich mich so sicher wie schon lange nicht mehr. Seine Arme die mich zu sich heranzogen. Gedanken strömten auf mich ein und beinahe explodierte mein Schädel. Also, wer weiß, was er gerade für Dummheiten anstellt. Ich musste mich erklären. Die Lügen, den Kuss, der Ring. Wenn er schon endgültig mit mir abschließen wollte und das mussten wohl wir beide, dann sollte er wenigstens die ganze Wahrheit kennen. Schluss mit den ganzen Heimlichtuereien.  Motiviert wie noch nie, riss ich meine Türe auf. Taktisch natürlich sehr klug bei einer Geheimmission, bei der keiner einen sehen durfte. Erstaunlicherweise war niemand auf den Gängen zu sehen. Lag wohl auch an den geringen Teilnehmern dieser Nation an der Tournee. Dementsprechend war zu meinem eigenen Leid und Bedauern die Frauenquote sehr gering. Dennoch war ich froh gewesen endlich zurückzukehren, in das Land, in dem meine Ursprünge liegen…
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