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Noch eine Young

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Lahote Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
37.547
7
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15.07.2019 939
 
Der Montag kam schneller, als erhofft … oder befürchtet, da war ich mir immer noch nicht so sicher. Ich war nervös, wie ein Schulmädchen auf ihrer ersten Verabredung – sogar meine Hände zitterten. Was ziemlich ungünstig war, da ich mit einem Glätteisen hantierte. Auf Grund dessen fiel auch das Schminken eher mau aus.
Paul hatte nicht erwähnt wo wir hingehen würden. Was mich noch nervöser machte, als ich ohnehin schon war. Meine Garderobe bestand deshalb aus einer dunklen, Hautengen Jeans und einer Bluse, die beide irgendwo zwischen schick und lässig lagen. Ich wollte mich ja nicht selbst loben, aber das war ein ziemliches Kunststück gewesen.
Überraschenderweise hatte Quil die Bluse ausgesucht – der Junge hatte tatsächlich ein bisschen Geschmack. Eher aus dem Grund, dass ich Claire und ihn mit meinem Ausbreiten aller Klamotten, die ich hatte, beim Spielen störte und weniger, weil er mir helfen wollte. Hierzu musste wohl noch gesagt werden, dass weder Quil noch die kleine Königin wussten, dass ich auf ein Date gehen würde und schon gar nicht mit Paul. Quil hatte zumindest nichts Gegenteiliges verlauten lassen – also hatte die Wolfstelepathie wohl noch nicht zugeschlagen.
Als ich in meinem Ich-könnte-in-einen-Nobelschuppen-gehen-aber-auch-Bowlen-Outfit aus dem Badezimmer kam, fanden sich die kleine Königin, Quil und Sam im Wohnzimmer. Sam, der heute Abend Claire bei sich übernachten lassen würde – zum ersten Mal -, warf Quil über den Kopf der kleinen Königin hinweg böse Blicke zu. Quil zog aber nicht sein übliches Oh-Mist-Claires-Dad-kann-mich-nicht-leiden-Gesicht, sondern ignorierte den Alpha indem er sich – schon zum fünften Mal – bei Claire erkundete, ob sie alles dabei hatte. „Und deine Socken?“, fragte er gerade. Der kleinen Königin wurde es zu bunt. Sie kramte in der Tasche auf dem Boden, zog zwei Paar Socken heraus und warf sie Quil an den Kopf.
Innerlich grinsend, versuchte ich eine strenge Miene zu ziehen: „Quil macht sich nur Sorgen um dich, kleine Königin.“ Claire zog eine trotzige Schnute, murmelte aber etwas, das mit viel Fantasie, Entschuldigung, heißen könnte.
Ich kniete mich hin, um sie einmal durch zu knuddeln und ihr einen Kuss auf den Kopf zu drücken. „Pass bloß gut hierauf auf,“ meinte ich zu Sam. Sams Gesichtsausdruck veränderte sich nicht im Geringsten: „Wird gemacht.“



Paul und ich hatten verabredet uns an der Busstation von La Push zu treffen. Also stand ich da und wartete. Ich war exakt um 17Uhr angekommen. Jetzt war es Viertel nach. Glücklicherweise war es früher Sommer, deshalb war es noch lange nicht dunkel. Ansonsten hätte ich wohl in vollkommener Finsternis warten müssen, da es nur eine Straßenlaterne, jedoch mit zerschlagenem Glas, gab.
Die goldene Regel, an die ich mich meinerzeit immer gehalten hatte, lautete: „Warte 20 Minuten, wenn er nicht da ist. Jeder der nach 20 Minuten kommt, ist ein Arsch.“ Natürlich gab es Ausnahmen, die vorher schrieben, dass ihr Zug Verspätung hatte oder so was. Aber wir befanden uns in La Push. Ein normaler Mensch brauchte allerhöchstens 10 Minuten bis zur Busstation, egal wo in La Push er wohnte. Und Paul war kein normaler Mensch.
Mein Handy zeigte 17:20 Uhr an. Paul war ein Arsch, das war mir bereits klar gewesen.
Ich wartete weitere 10 Minuten.
Dann ging ich.
Ich war wütend, so richtig allumfassend wütend. Aber wenn ich ehrlich war, fühlte ich mich auch zurückgewiesen und verletzt.
Ich versuchte es zu ignorieren und überlegte, was ich jetzt machen sollte. Nachhause zu gehen, schied aus. Dann würde ich mich nur noch mehr wie ein Trottel fühlen. Zu Emily und Sam würde ich auch nicht gehen, weil ich Claire ihre erste „Übernachtungsparty“ nicht verderben wollte und weil es einfach zu peinlich gewesen wäre. Der Supermarkt hatte noch offen, aber eigentlich hatten wir alles, was wir brauchten zu Hause. Ich wanderte am Stand entlang, als mir einfiel, dass ich noch mit Quils Mom hatte reden wollen. Also machte ich mich auf zum Haus der Atearas.
Quil hatte einmal bei einem Spaziergang mit Claire auf eines der Häuser außerhalb von befestigten Straßen – davon gab es erstaunlich wenige – gedeutete und es als sein „Zuhause“ betitelt. Deshalb wusste ich, wo ich langgehen musste.
Quils Zuhause war von Bäumen umgeben, die direkt im Garten zu wachsen schienen – so weit dieser denn zu erkennen war. Außerdem besaß es Erdgeschoss und ein weiteres Stockwerk, was es deutlich größer machte, als der Schuppen es war.
Ich klingelte. Im Inneren des Hauses waren schnelle Schritte zu hören. Wer auch immer zur Tür kam stauchelte, fing sich wieder und öffnete schließlich die Tür. Ein schwarzer Wuschelkopf erschien in der Türöffnung. Das Mädchen, dass schüchtern zu mir hochlinste, war eindeutig Quils Schwester. Fast als hätten die Atearas ein Labor im Keller, in dem sie eine jüngere, weiblichere Version ihres Sohnes geschaffen hatten.
„Du bist Daniela,“ stellte die schätzungsweise achtjährige fest, „Ich habe dich bei der Feier neben Quil gesehen.“
„Hallo,“ ich lächelte sie freundlich an, „Ich bin,“ ja, was war ich für Quil? Seine zukünftige Schwiegermutter?, „eine Freundin von Quil. Lässt du mich rein?“ Die Kleine nickte und öffnete die Tür ganz.
„Evie?“, kam es aus dem Inneren des Hauses, „Wer ist an der Tür?“ Im Flur erschien eine Frau mit unfassbar langen Haaren. Im Gegensatz zu ihren Kindern waren die schwarzen Strähnen aber glatt wie Schnittlauch.
„Entschuldigen Sie die Störung. Ich hoffe, ich unterbreche nicht euer Abendessen,“ ich lächelte sie vorsichtig an, weil sie so überrascht aussah. Hatte Quil seiner Familie überhaupt von Claire erzählt? Immerhin war das nicht so leicht rüberzubringen…
Sie fasste sich wieder: „Nein, wir wollten gerade anfangen. Möchten Sie mitessen?“
Und weil Mrs. Ateara so herzlich lächelte und Paul Lahote ein Mistkerl war, antworte ich: „Vielen Dank, gerne!“
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