Noch eine Young

GeschichteRomanze, Familie / P12
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
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Quil kam aus der Nasszelle und schüttelte sich wie der nasse Hund, der er war. „Ich glaube, ich habt kein warmes Wasser mehr,“ er hatte zumindest den Anstand zerknirscht auszusehen. Das Wasser war seit gestern nur noch kalt aus der Badewanne geschossen und ich sage geschossen, weil der Duschkopf ein Loch hatte. Mittlerweile spekulierte ich – trotz schlechtem Gewissen – darauf, dass Quil einen neuen kaufen würde. Ich hatte mein restliches Geld für diesen Monat schon für den Kerl ausgegeben, der das mit dem warmen Wasser in Ordnung bringen sollte.
Es waren zwei Wochen vergangen seit die kleine Königin und ich nach La Push in den Schuppen gezogen waren. Das heiß, Quil war gleich miteingezogen. Es hätte mich eigentlich nicht verwundern dürfen, immerhin klebte er an Claire wie eine Zecke an ihrem Wirt – auch wenn der Vergleich fies war.
Er hatte schon öfter auf der Couch geschlafen, als ich den Gasherd aufgedreht hatte. Zugegeben wirkte der Gasherd noch immer so, als würde er mit dem bester Bösewicht-Grinsen darauf warten, jemanden von der Last seiner Finger – und wenn er schon dabei war – gesunden, heilen Haut zu befreien. Weshalb ich ihn nur benutzte, wenn es gar nicht anders ging, Claire schon ganz nervös gemacht hatte und gerade dabei war, auszurechnen wie lange wir von Dosen-Ravioli leben mussten, um eine Mikrowelle oder gleich einen neuen Herd kaufen zu können.
Meine Tage begannen neuerdings damit mir den Zeh an meinem Bett zu stoßen und im Wohnzimmer-Bereich über Quils Beine zu stolpern, die über die Sofalehne hinausragten. Egal wie Quil auf dem Sofa lag, er stellte immer ein Hindernis dar – selbst wenn er sich umdrehte, dann rannte ich auf der anderen Seite in ihn rein.
Meiner Meinung nach hätte er bereits die Rückenschmerzen des Todes haben müssen, doch er beklagte sich nie.
Die kleine Königin trat ihren letzten Monat im Kindergarten von Neah Bay an, ohne großes Bedauern von ihrer Seite aus. Obwohl es keinen Kindergarten in La Push gab, hatten wir uns einstimmig dafür entschieden. Uns beinhaltete dabei Claire und mich – ich hatte sie natürlich als erstes gefragt -, Sam, Quil und Emily. Das war unsere erste größere „Familiensitzung“ gewesen – extrem seltsam, aber auf eine gute Art.
Jedenfalls war beschlossen worden, dass Claire den Kindergarten verlassen würde. Um den Kontakt zu Gleichaltrigen nicht zu verlieren hatte Quil dafür gesorgt, dass Claire bereits alle Gleichaltrigen in La Push kannte und sie würde jeden Freitag in die sogenannte „Kindergruppe“ gehen. Dort trafen sich alle Kinder von La Push, die nicht Schulpflichtig waren, und wurden von drei Frauen namens Liv, Josy und Laura betreut – Sam hatte mich ihnen vorgestellt und mir so ziemlich alles über sie erzählt, was bekannt war. Die meiste Zeit der Woche würde Claire jetzt also zu Hause verbringen.
Emily, Quil und Sam wurden zu Aufpassern erklärt und übernahmen die Stunden, die ich nicht mit meiner Arbeit unter einen Hut bringen konnte oder einer von Claires näheren Freunden lud sie zu sich ein. Ich war erstaunlich optimistisch, dass es funktionieren würde. Ansonsten war der Plan B der Kindergarten in Oil City, der deutlich näher lag als der in Neah Bay.
Langsam wurden die Gesichter auf den Straßen immer bekannter und man grüßte immer mehr Leute. Zum ersten Mal in meinem Leben wirkte es nicht gezwungen, wenn ich mich mit einem Bewohner eines Reservates unterhielt. Vermutlich lag das eher an mir. Hier fühlte ich mich willkommener, als es mir in Neah Bay jemals möglich gewesen wäre. Der Schuppen war immer noch nicht so toll wie unser altes zu Hause, aber ich hatte das Gefühl zu Hause zu sein.
Das Problem – und natürlich musste es eines geben – war, das Geld. Ich konnte nicht gerade behaupten reich zu sein. Drei Nebenjobs, die alle eher mittelmäßig bis rar bezahlt wurden, brachten nicht gerade viel zum Ausgeben. Noch dazu hatte ich das Dasein als Lebenshelferin – älteren Leuten im Haushalt, beim Kochen und so weiter zu helfen – mit dem Umzug aufgegeben. Als Telefonberaterin lag mein Einkommen lediglich ein paar Doller über dem Hungerlohn, weshalb uns momentan mehr mein Job als Schulbegleiterin über Wasser hielt. Ich war noch immer dankbar, dass sich niemand qualifiziertes für diese Tätigkeit interessierte.
Aufgrund der Geldknappheit war ich nun hier, als Zimmermädchen im Ocean Side Hotel. Mein Boss, Mason Cameron, war äußerst verständnisvoll, was Claire anging, deshalb durfte ich sie mit zur Arbeit nehmen. Zusätzlich informierte mich Tiffany Call, Embrys Mutter, über freie Stunden in dem Souvenirshop, in dem sie arbeitete.
Zwar gab es dank Quil nur eine ziemlich geringe Miete – das hieß, dass Quil mich den Schuppen in Raten bezahlen ließ. Und ich hätte genug Leute gehabt, die ich um Unterstützung hätte bitten können, doch das war meine Aufgabe.
Demnach war ich ziemlich auf Achse und plötzlich war die Aussicht Claire öfter bei Emily und Sam zu lassen oder sie von Quil betreuen zu lassen viel attraktiver. Ich weigerte mich auch Unterstützung von Sam anzunehmen, weil Claire fast so oft bei ihm war, wie sie es bei mir war.
Die Finanzielle Lage würde sich nach meinem nächsten Gehalts-Check wieder entspannen und dann konnte ich das Arbeitspensum wieder runternehmen.
Quil verschwand Richtung Essen. Wenn ich ehrlich war, musste ich zugeben, dass ich drei Leute durchfüttern musste. Der Kühlschrank schien durchgehend leer zu sein, wenn er da war. Mittlerweile versteckte ich Leckereien wie Schokolade, Kuchen oder Haferkraft-Riegel in meiner Unterwäsche. Die kleine Königin musste sich da weniger Sorgen machten, Quil mästete sie regelrecht – meistens musste ich eingreifen, damit Claire nicht nur von Zucker lebte.
Fairerweise musste man Quil zugestehen, dass er den Kühlschrank auch wieder auffüllte. Nur leider beinahe genau so schnell, wie er ihn wieder leer aß.
Ich hatte ihn schon mehrmals rausgeschmissen, wenn ich zu genervt von ihm war. Meistens kam er dann mit einem Korb voller Obst und Gebäck wieder, um sich zu entschuldigen. Am nächsten Abend schlief Quil dann wieder auf der Couch. Es hatte sich ein seltsamer Rythmus eingespielt und Quil wurde immer mehr zu einem Vertrauten. Was nicht verwunderlich war, schließlich wohnte er quasi bei uns.
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