Noch eine Young

GeschichteRomanze, Familie / P12
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
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03.07.2019 1.472
 
Sam bestand darauf, dass Claire und ich bei ihm übernachteten. Er war zuversichtlich, dass sie den „Schuppen“ – alle weigerten sich einen anderen Namen dafür zu verwenden – morgen fertigbekommen würden. Außerdem weigerte Sam sich seine Tochter und einen „zerbrechlichen Menschen“ auf dem Boden des unfertigen Schuppens schlafen zu lassen. Als Ausgleich kochte ich das Abendessen und Sam spielte mit Claire Zoo-Memorie. Der Alpha-Wolf war begeistert von Claires „Talent“ in dem Spiel und redete den ganzen Abend lang von nichts anderem mehr, während die kleine Königin in ihrem Auflauf herumstocherte.
Emily musste sich angestrengt das Lachen verkneifen, während Sam ihre zehnte Runde für uns nacherzählte. Er sprach von „Überflieger“ und „Hochbegabt“, als er berichtete wie Claire die Walrösser auf Anhieb richtig aufgedeckt hatte, obwohl er selbst schon wieder vergessen hatte wo sich das andere Walross befand. Quil war vom Abendessen ausgeschlossen worden, weil er angeblich Sam und Claires „Vater-Tochter-Zeit störte“. Darüber ließ er sich dann auch mit gedämpfter Stimme bei mir aus, während ich mit dem Essen beschäftigt war. Ich setzte dem verstoßenen Quil ein Trauben-Trinkpäckchen vor die Nase, von denen Emily behauptete Sam habe sie extra für Claire gekauft. Außerdem sollte er auch Tierkekse und Dinosaurier-Schnitzel besorgt haben. Ich konnte mir Sam nur schwerlich im hiesigen Supermarkt vorstellen, wie er vor dem Kinderfreundlichen Essensregal stand.
Ich warf Emily einen vorsichtigen Blick zu, um zu überprüfen, ob sie Sams Lobrede auf das Kind einer Anderen wirklich nicht störte. Aber meine Halbschwester schmunzelte nur über Sams Begeisterung. Meine Achtung für sie stieg noch weiter.
„Was ist das da?“, fragte Claire in ihrem ich-ess-das-auf-keinen-Fall-Ton. Sie pikste in eines der Brokkoli-Stücke, das sie aus dem Auflauf gepullt hatte. Ich spießte das Stück auf und drehte es ein bisschen hin und her, damit Claire es besser sehen konnte: „Das ist Brokkoli, Claire, den kennst du doch.“ Die kleine Königin beäugte das grüne Gewächs skeptisch und verkündete dann: „Den esse ich nicht!“
„Claire,“ seufzte ich. In letzter Zeit wurde es immer komplizierter mit ihr. „Avo hat gesagt, dass ist ein Bäumchen,“ die kleine Königin rümpfte pikiert die Nase, „Ich esse keine Bäume!“ „Das war nur ein Spitzname für den Brokkoli,“ sagte ich, „Das sind keine Bäume, das ist Gemüse.“ „Ich esse das nicht!“, echote Claire trotzig.
„Claire…“, begann ich. „Ach komm schon Nela, sie kann doch den Brokkoli rausmachen,“ mischte sich Sam ein. Claire strahlte ihren Daddy an. „Sam, du verwöhnst sie,“ tadelte Emily auf ihre sanfte Art. Im Gegensatz zu ihr, klang ich wie ein Tornado: „Du weißt, wie es läuft, Claire. Entweder du isst dein Essen oder du bekommst keinen Nachtisch!“ Claire schob trotzig die Unterlippe vor: „Das kannst du nicht machen!“ Ich kniff warnend die Augen zusammen: „Und ob.“
So starten wir uns eine ganze Weile an, ehe Claire nachgab und sich beleidigt den Brokkoli in den Mund schob.
Es entstand diese peinliche Stille, die immer dann aufkam, wenn zwei Leute an einem Tisch sich gestritten hatten und mehr als diese beiden an dem Tisch saßen.
Claires Gabel kratzte über den Teller. Man konnte ihr ansehen, dass es ihr schmeckte. Erst Emilys: „Zum Nachtisch gibt es Jogurt-Desserts,“ unterbrach die peinliche Stille.


Am Ende plauderte auch Claire wieder fröhlich mit uns anderen mit. Sam erklärte sich dazu bereit sie ins Bett zu bringen. Trotz Warnung, dass Claire Zucker gegessen hatte. Also konnte ich Emily mit dem Abwasch helfen. Ich spülte, sie trocknete ab. Im Nebenzimmer konnte man Sams durchdringende Stimme eine Märchengeschichte vorlesen hören. Grinsend nickte ich in die Richtung aus der Sams Stimme kam: „Er macht sich gar nicht schlecht als Dad.“ Emily kicherte: „Er hat Mom mit den offensichtlichsten Fragen gelöchert.“ Die Vorstellung, dass Sam sich Tipps bei Lilian holte war irgendwie seltsam. Immerhin war sie die Frau, die mit meinem Vater verheiratet war, aber am Ende war es auch logisch. „Sag ihm, er kann auch mich mit den offensichtlichsten Fragen löchern,“ ich reichte ihr einen Teller. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, dass er sich die Tipps von Lilian holt. Es war nur so, dass ich mein Kind am Besten kannte und Sam sich nicht zu schämen brauchte, mich zu löchern: „Bisher ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Emily lächelte zustimmend. „Auf jeden Fall weißt du dann, dass er das ganze Kinder-Zeug schon kann,“ meinte ich leichthin, „Wenn ihr dann Kinder kriegt.“ Emily ließ den Teller, den sie bis eben noch abgetrocknet hatte, fallen. Es war mehr Glück, als meinem Können zu verdanken, dass ich ihn erwischte, bevor er auf dem Boden aufschlug. „Habe ich was falsches gesagt?“, fragend musterte ich Emily, die plötzlich ein wenig weiß um die Nase wirkte. Gar nicht gut bei einem so dunklen Teint. Definitiv etwas Falsches. Wollte Emily keine Kinder? Dass konnte ich mir nicht vorstellen. Dass Sam ganz in der Vaterrolle aufging, konnte man noch immer von nebenan hören. Vielleicht … vielleicht konnten sie keine Kinder kriegen? Das würde Emilys Reaktion erklären. Aber wieso sollten… Oh Sam war ja ein Wolf!
Ich bezweifelte das jemand Wolf und Mensch als Eltern haben konnte. Außerdem hatte ich keine Ahnung, wie es um … andere Dinge stand.
„Oh Mist,“ rutschte es mir raus, bevor ich es verhindern konnte, „Könnt ihr überhaupt…“ Zum Glück bremste ich mich bevor die Frage komplett aus mir rausschoss, aber es war trotzdem klar, was ich meinte. Meine Wangen fühlten sich an, als würden sie brennen. Emily prustete los, während mein Gesicht sich anfühlte als würde es Feuer fangen. „Vergiss das bitte wieder,“ rief ich und wedelte nutzlos mit den Händen herum, „Vergiss einfach, dass ich je den Mund aufgemacht habe!“ Emily griff nach einem neuen Teller, konnte sich das Grinsen aber nicht verkneifen. „Das scheint dich aber zu interessieren,“ foppte sie mich, „Ob das an einem ganz bestimmten Gestaltwandler liegt?“ „Bitte?“, meine Stimme schoss peinlicherweise eine Oktave in die Höhe. „Sam hat schon darüber nachgedacht, ob er ein ernsthaftes Gespräch mit Paul führen soll,“ giggelte Emily, „Pauls Blicke sind zwar süß, aber auch extrem offensichtlich.“ „Oh Gott,“ ich schlug mir die Hände auf die immer noch knallroten Wangen, „Bitte sag mir, dass du ihn davon abgehalten hast. Also Sam.“ Emily lehnte sich gegen die Anrichte: „Natürlich, wofür sind Schwestern denn da?“ Ich erwiderte ihr Grinsen. Zum ersten Mal fühlte es sich so an, als würde jemand, dass mit den Schwestern ernst meinen. Als wäre ich nicht mehr das schwarze Schaf, das man trotz allem freundlich behandeln musste.
„So jetzt erzähl mal,“ Emily griff nach dem nächsten Teil, „Wie kam das mit Paul?“ Ich seufzte: „Das Problem bei dem „das mit Paul“ ist, dass es nicht richtig was ist.“ Seltsamerweise wollte ich auf einmal darüber reden, über diese komische fast Sache mit dem Gestaltwandler. Mit Emily darüber reden. Anscheinend kam das mit dem Schwester-Sein so langsam ins Rollen. „Du weiß ja, er war an dem Tag da, als wir das mit der Wolfs-Sache herausgefunden haben,“ begann ich und übernahm jetzt das Trocknen, da Emily zum Spülen übergegangen war, „Am nächsten Tag ist er zu uns ins Hotel gekommen. Da hatten wir so einen komischen Moment, der – ironischerweise - von einem Anruf von Sam unterbrochen wurde. Danach ist Claire gekommen und wir haben Kuchen gegessen. Du kannst dir denken, dass der Kühlschrank danach ziemlich leer aussah. Und auf der Hochzeit hat er mich dann gefragt, ob ich mit ihm einlaufe.“ Emily quietschte Mädchenhaft, „Was hast du gesagt?“ Ich verzog das Gesicht: „Quil hatte mich schon gefragt.“ Emily grinste: „Jetzt verstehe ich auch, wieso er bei der Feier danach so griesgrämig war.“ Ich guckte sie überrascht an: „Ach ja?“
Sie nickte bestätigend: „Klar. Er ist rumgelaufen, als wolle er jeden Moment einem Kind seinen Luftballon zerplatzen lassen,“ ihr Grinsen wurde breiter, „Bis du ihn angeguckt hast.“ „Hm,“ machte ich, ich wusste immer noch nicht, was ich davon halten sollte. „Ich glaube,“ meinte Emily, „dass du ihm eine Chance geben solltest. Nicht nur, weil er der Erste war, der gemerkt hat, dass du … Datebar bist, sondern auch weil er dich wirklich zu mögen scheint.“ „Datebar,“ wiederholte ich skeptisch. Emily zog ein bedauerndes Gesicht: „Du weißt ja, dass das Geheimnis an erster Stelle steht. Die Jungs können nicht einmal Freunde haben, die keine Gestaltwandler sind. Im Grunde dürfen sie mit niemandem zusammen sein, auf den sie nicht geprägt sind.“ Ich blinzelte ein wenig verwirrt: „Aber Quils Tante Carry wusste doch auch von den Wölfen. Gibt es da nicht auch Mitwisser in ihrem Alter?“ Emily schüttelte den Kopf: „Alles nur Verwandte.“ Oje. Kurz ließen wir diese Erkenntnis sacken.
Schließlich grinste Emily wieder: „Und falls das mit Paul nicht funktionieren sollte, gäbe es ein ganzes Rudel Gestaltwandler, die sich alle um dich einen Ast abfressen würden.“ Ich lachte, weil es so unrealistisch klang.
Sam kam in die Küche. Seine Haare standen ihm wild vom Kopf ab und er wirkte völlig erschöpft. „Ich habe dich gewarnt.“
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