Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Noch eine Young

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Lahote Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
37.547
7
Alle Kapitel
36 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.04.2019 1.219
 
Der „Schuppen“ bewies zweierlei Dinge. Eins, dass die Atearas einen komischen Sinn für Humor hatten und zwei, dass sie ziemliche Messis waren.
Der Schuppen war im Grunde ein kleines Haus, noch ein wenig kleiner, als die meisten Häuser in La Push, aber größer als unsere Hotel-Hütte. Dennoch hätte keiner darin leben können, weil der Schuppen bis oben hin mit allem möglichen und unmöglichen Vollgestopft war. Den Schallplatten und fast schon antiken Regalen entnahm ich, dass die Atearas alles, was sie nicht gebrauchen konnten, hierherbrachten und dann vergaßen, und das schon seit Jahrhunderten.
Man konnte keinen Schritt machen ohne gegen irgendetwas zu stoßen. Aber Carry fachsimpelte fröhlich über die anscheinend äußerst exorbitante Wandverkleidung und die Qualität des Bodens. Ich verstand nur, dass ich auf den Holzdielen nicht einbrechen würde.
Der Schuppen an sich bestand aus vier Räumen, zwei große und zwei kleinere.
Es stapelten sich bereits einige Möbel in den Zimmern - Zumindest sah ich mehr als drei alte Kühlschränke.
Ich fragte mich, was Mom davon gehalten hätte.
Sie hatte erstaunlich ruhig reagiert und nur sachlich gemeint: „Du bist zwanzig, Daniela. Ich konnte mich glücklich schätzen, dass du zwei Jahre länger bei mir geblieben bist, als es den meisten anderen Müttern vergönnt ist.
Außerdem hast du Arbeit und eine Tochter. Ich denke, dass du erwachsen genug bist, die besten Entscheidungen für dich und Claire zu treffen.“
Ich war deshalb immer noch platt – irgendwie hatte ich mir das komplizierter vorgestellt. Und jetzt musste ich Mom bloß jeden Abend anrufen und sie zu einer Willkommens-Party einladen.
Nachdem wir uns durch das Innenleben der vier Räume gekämpft hatten, drehte sich Carry mit freudestrahlender Mine zu uns um: „Das ist perfekt für euch! Sobald wir das ganze Zeug an seine Besitzer zurückgegeben haben, könnt ihr einziehen!
Gut, vielleicht braucht ihr noch einen neuen Anstrich, aber das ist schnell gemacht. Ihr müsst nicht einmal etwas bezahlen, da das ganze Quil gehört!“ Ich warf dem Lockenkopf einen skeptischen Blick zu: „Du bist Erbe eines alten Schuppens?“ Quil kratzte sich verlegen am Kopf: „Na ja … Die Atearas übertragen quasi alles was sie haben, auf den Kerl, der das Wolfsgen hat. Es ist Tradition,“ er zuckte mit den Schultern, „Deshalb muss ich auch jeden Sonntag bei allen Familien-Zweigen der Atearas essen.“
Paul prustete unterdrückt.
„Du bist doch bloß eifersüchtig!“, motzte Quil, wie ein beleidigter Vierjähriger.
„Ich dachte, es wäre Tradition,“ gab ich zu bedenken, immerhin war Paul auch ein Teilzeit-Wolf.
„Paul mag ja aus einer Familie kommen, die das Wolfsgen vererbt,“ gab Quil zurück und wich Pauls bösen Blick aus, „Aber die ist ziemlich … Paulartig.“ Dafür bekam er einen Schlag gegen den Oberarm.
Sam verdrehte die Augen. Sollte er das nicht langsam gewöhnt sein? „Carry hat Recht,“ erklärte Sam und klang, als würde er Naturgesetzte beschreiben, wie die Sonne geht im Norden auf und die Erde ist keine Scheibe, „Das hier wird ein gutes Zuhause sein. Und wir werden euch natürlich beim Umzug helfen.“  Vor meinem inneren Auge erschienen Gestaltwandler, die die Wände von Claires Zimmer rosa strichen. Hatte wohl Vorteile die Tochter eines Alpha-Gestaltwandlers zu sein. Obwohl die Gestaltwandler ganz schön ausgenutzt wurden, wobei sie sich das ja dann auch erlauben konnten. So hatte jeder etwas davon! Ich war froh ein Mensch zu sein.
Schließlich erinnerte Sam sich noch daran, dass ich es nicht mochte, wenn Dinge über meinen Kopf hinweg entschieden wurden und fügte etwas verspätet hinzu: „Wenn du einverstanden bist, Daniela?“
Ich ließ noch einmal prüfend den Blick über die Deckenbalken schweifen, bevor ich sagte: „Ich bin einverstanden, aber nur, wenn wir Miete zahlen.“
Quil setzte bereits zum Protest an, aber ich hob abwehrend die Hand: „Ich will nicht ausnutzen, dass du auf meine Tochter geprägt bist. Außerdem bin immer noch ich dafür verantwortlich, dass die kleine Königin ein Dach über dem Kopf hat, klar?“
Quil murmelte etwas von umständlich und unnötige Probleme. Also fügte ich noch hinzu: „Außerdem wirst du genug damit zu tun haben, das ganze Zeug wegzuschaffen.“ Fröhlich, dass er sich überhaupt um etwas kümmern durfte, rief Quil: „Ich geh gleich nach Hause und telefonier mal rum.“ Und weg war er. Ich hatte noch nie jemanden gesehen, der so enthusiastisch ans Ausrümpeln ging.
Sam sah sich noch einmal prüfend um und meinte dann: „Vermutlich bleib etwas von den Möbel übrig, die könnt ihr dann benutzen. Dann wissen wir, was von eueren restlichen Sachen wir aus Neah Bay holen können.“


Zwei Stunden später fand ich mich bei Emily an dem kleinen, runden Küchentisch wieder. Sam hatte sein gesamtes Rudel dazu veranlasst, Umzugshelfer zu spielen. Ich wurde kurzerhand auf die Ersatzbank gesetzt und durfte nur beschreiben, was wir alles brauchten und wo es sich befand. Die Jungs machten sich sogar Notizen.
Der einzige, der vom Umzugs-Dienst freigestellt war, war Quil, der sich im Wohnzimmer von Claire mit Schminke beschmieren ließ. Emily saß mir mit einer Tasse Tee gegenüber. Als erstes hatte ich gefürchtet, dass wir keinerlei Gesprächsthemen finden würden. Immerhin hatten wir nie eine lange Schwester-Unterhaltung geführt und sie hatte immer noch die ganze Claire-Sache zu verdauen. Wenn ich ehrlich war, hatte ich auch ein wenig Angst gehabt, dass sie sich doch noch umentscheiden würde.
Aber nachdem wir noch einmal auf die „Vegetarier“-Vampire zu sprechen gekommen waren und deren Beziehung  zu einem Menschen - die Tochter des Sheriffs -, in die ein Kerl aus dem Rudel – Jackob sein Name – verliebt war, gingen wir zum erstaunlich spannenden Thema Wandfarbe über.
Bis wir auf einmal in eine rege Diskussion über die besten Kuchen-Rezepte vertieft waren. Das Ganze endete in einem mini-Wettbewerb. Emily war sich sicher, dass die Jungs die Unmengen an Kuchen locker runter kriegen konnten, die wir in unserem Wahn produziert hatten. Ich war der Meinung, dass die Jungs bald Diabetes bekommen würden.
Mit jedem Fall machte es ungeheuren Spaß. Und ehe ich es mich versah erzählte ich Emily, wie es war Daniela Young, mit allem was dazu gehörte, zu sein und hörte, wie das Leben einer Emily Young aussah.
Wir lachten gerade darüber, dass sie ihre Flitterwochen nicht außerhalb von La Push verbringen konnten, da Sam ansonsten seine eigenen Regeln brechen würde, als die Tür aufging und fünf erschöpfte Gestaltwandler in die Küche schlurften.
Alle sechs Gesichter hellten sich auf, als sie Emily – das war aber nur bei Sam so – und die Massenladung an Kuchen – das galt für den Rest – erblickten. Sie errechneten sogar mit irgendwelchen komplizierten Matrixen, welcher der beste Kuchen war. Dem Gewinner – ein Bienenstich – wurde eine Krone aus Schlagsahne aufgesetzt, die aber ziemlich schief ausfiel, als Jared, – einer von denen, die mir erst da vorgestellt wurden – dem die Aufgabe der Krönung zugefallen war, anfing loszu… prusten? …lachen? …jaulen? – das war schwer zu sagen – als Quil als „Prinzessin“ geschminkt hinzukam, um auch etwas von dem Kuchen abzubekommen – natürlich mit Claire im Schlepptau. Die kleine Königin störte sich nicht an der schiefen Krone und aß das letzte Stück Bienenstich, während alle anderen noch mit lachen beschäftigt waren. Die Empörung danach war groß.
Ich lachte an diesem Tag mehr als in den letzten drei Jahren zusammen und war auf eine seltsame Art und Weise glücklich.
Ich hatte das Gefühl, dass ich es nicht bereuen würde, nach La Push gezogen zu sein.


Das hier ist für alle die mir so liebe Reviews dagelassen haben, dass mir die Tränen gekommen sind. Ihr seid die Besten!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast