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Noch eine Young

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Lahote Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
37.547
7
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Dieses Kapitel
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09.04.2019 1.643
 
Da saßen wir nun an dem kleinen Küchentisch. Ich hatte meine „Kaffee ist nur schädlich, wenn man ihn aus dem dritten Stock auf den Kopf bekommt“- Tasse in meinen Händen. Quil hatte sie bis zum Rand gefüllt. Ich war bisher nur dazu gekommen drei Schlückchen zu trinken und war noch immer dem entsprechend müde. An den meisten Tagen war ich nach dem Aufwachen wacher, was in meinem Zustand nicht viel bedeutete, aber an den Tagen wurde ich auch nicht von einer weinenden Claire mitten in der Nacht geweckt, weil die kleine Königin einen Albtraum gehabt hat, und von den beiden Gestaltwandler, die heute in aller frühe durch das Küchenfenster gekommen waren. Ja, genau. Ich konnte sogar solche Sätze denken, ohne mich darüber zu wundern, aber das sollte ich! Ich sollte zumindest wütend sein! Blöderweise war ich dafür aber viel zu müde. Ich trank lieber erst mal die halbe Monster-Kaffeetasse leer. „Also, Was hat euch zum Hausfriedensbruch veranlasst?“, stellte ich meine erste Frage ein weiteres Mal. Quil sah ziemlich beschämt aus und starrte bloß den Tisch an, während Paul immer noch einen Punkt über meinem Kopf fixierte, wie schon die ganze Zeit über. Und keiner der beiden antwortete mir. Ich seufzte genervt auf: „Darf ich dann wenigstens erfahren, wieso ihr mich beide nicht anschaut? Habt ihr irgendwas ausgefressen?“ Quils Blick ruckte zu mir und dann zu Paul. Er runzelte die Stirn. Dann sah er wieder mich an, mit einer konzentrierten Falte auf der Stirn. Er scannte mich drei Mal gründlich von oben bis unten ab, während ich ihn mit hochgezogenen Brauen bedachte. „Ich komm nicht drauf,“ gab er schließlich frustriert auf, „Was ist es Paul?“ Angesprochener sah ihn so geschockt an, als wäre es offensichtlich. Das war es offensichtlich, aber nur für ihn. „Schau sie doch an!“, forderte er ihn auf. Das tat Quil auch, konnte aber wieder nichts verwerfliches finden: „Ja, und?“ Paul schüttelte den Kopf, murmelte irgendwas von geprägten Wölfen und zeigte dann anklagend auf mich, ohne mich anzusehen: „Hast du nicht gesehen wo das Ding, das weniger Vernunftbegabte Menschen als Stoff bezeichnen, hängt?“ Quil wandte sich wieder mir zu und musterte mich wieder, während mein müdes Hirn zu begreifen versuchte, worüber sie da redeten. Erst als Quil angestrengt auf meinen Ausschnitt starrte, als hätten sich zu seinen Wolfs-Fähigkeiten jetzt auch noch der Röntgenblick gesellt, kapierte ich. Ich zerrte mein Nachthemd wieder da hin wo es hin gehörte und warf Quil, der ein: „Ach so.“ ausstieß einen bösen Blick zu. Ich wusste nicht, ob ich ihm böse sein oder ihn sympathischer finden sollte. Mit jedem Fall lengte mich seine Reaktion von Paul ab – bei ihm hätte ich eher einen blöden Spruch erwartet, aber er war bloß peinlichst darauf bedacht, mich nicht anzusehen. Sollte er am ende prüder sein, als er schien? Das passte irgendwie nicht. Ich trank noch einen großen Schluck von meinem Kaffee: „Und wieso seid ihr jetzt hier?“ „Hm … äh … Paul wollte ….“, Quil bekam einen heftigen Stoß in die Rippen, der jeden anderen zum Küchenfenster hinaus katapultiert hätte, „ Hm … also … Ihr geht zurück nach Neah Bay.“ Obwohl das keine Frage war, verstand ich worum es ihm ging. Und fühlte mich sofort schlecht. Ich dachte an Claires Albtraum, wie sie in ganz Neah Bay nach Sam und Quil suchte und sie einfach nicht finden konnte. Ich dachte daran, wie sie mich angesehen hatte – mit großen, dunklen Kulleraugen, die Sams so ähnlich sahen, aber so weich wie Pudding wirkten. „Ich will Daddy und Quil nicht verlieren!“, hatte sie geschnieft. Paul räusperte sich: „Du solltest vielleicht wissen, dass wir uns nur unter besonderen Umständen aus La Push entfernen dürfen.“ Ich starrte ihn an, als hätte er in einer anderen Sprache gesprochen. Mit anderen Worten konnte Claire Quil nur sehen, wenn sie Sam besuchte oder dieser das Vater-Schwiegersohn-Klischee überwand und ihm einen Freibrief ausstellte.
„Die anderen haben dir ja erzählt wie das mit der Prägung ist. Das Claire für mich der Mittelpunkt ist. Meine Gedanken sind immer bei ihr. Und wenn ich nicht bei ihr bin, mache ich mir pausenlos Sorgen, dass ihr etwas passiert sein könnte oder so. Jeder Gedanke ... jedes Gefühl … jeder Moment ist mit Claire gefüllt. Und wenn sie nicht da ist … kann ich gar nicht anders als nur sie zu sehen,“ ertönte Quils Stimme in meinem Kopf, als hätte ich nicht schon genug Schuldgefühle. Ich dachte an Mom, die immer lächelte, wenn sie Claire sah, die wegen ihr damals nicht ausgerastet war, die fast so sehr gestrahlt hatte wie ich, als sie sie das erste Mal im Arm hielt. Aber im nächsten Moment wurde sie schon von Sams Strahlen verdeckt und von dem leidenden Ausdruck in Quils Augen.
War ich wahnsinnig? Schon nach knapp fünf Tagen gab es hier so viele Leute, dass ich nicht wegkonnte. Ich schielte zu Paul rüber, der mich genau wie Quil aufmerksam bedachte. Was auch immer das zwischen uns war, er spielte auch in die Entscheidung mit rein.
„Gibt es hier überhaupt freistehende Häuser?“, äußerte ich schließlich. Quil kippte doch tatsächlich von seinem Stuhl.


Es war früher Nachmittag und Claire, Quil, dessen Tante Carry, die sich als Maklerin herausgestellt hatte, Sam und ich rannten durch ganz La Push. Während ich unfassbar beeindruckt von Quils Organisationstalent war, das auf einmal zu Tage getreten war, fachsimpelte dieser mit seiner Tante über „echte Hartholzböden“ und „kinderfreundliche Umgebungen“, Sam aussah als wäre er nicht sicher, ob er Quil, dafür, dass er mich „überzeugt“ hatte hier zu bleiben, eine Knallen oder ihn dafür umarmen sollte, hüpfte Claire fröhlich vor sich hin und freute sich, als hätte ich ihr erlaubt, sich eine ganze Woche lang nur von Süßigkeiten zu ernähren. Das Problem war, dass es erstaunlich wenige freie Häuser in La Push gab und ich nicht das Geld hatte, eines zu bauen. Wir hatten bisher einen altersschwachen Schuppen angeguckt, der nachdem man ihn erst einmal entstaubt hatte … okay dann sah er auch noch so aus, als würde er jeden Moment einstürzen. Eine Ricky Millers hatte das Haus ihrer Grandma nach deren Tod geerbt, war sich aber noch nicht sicher, ob sie verkaufen wollte. Ein anderes Haus wurde für Ferienbesucher vermietet. Theoretisch hätten wir ¾ des Jahres dort wohnen können, aber wer wollte sein zu Hause schon ¼ des Jahres an Fremde vermieten lassen? Carry klapperte mit uns jetzt jedes Haus ab, von dem sie wusste, dass es leer stand und versuchte die Familien zu überreden, es zu verkaufen. Mit wenig Erfolg, da alle Behausungen genutzt wurden. Schließlich drehte Carry sich mit frustrierter Mine zu uns um: „In La Push gibt es leider nichts passendes. Vielleicht können wir es noch in Forks probieren?“ „Nein!“, schrien Sam und Quil gleichzeitig. „Äh Tante Carry, du weißt doch …“, meinte Quil beschwichtigend, „da wohnen die Cullens.“ „Ich dachte, die wären weggezogen?“, meinte Carry und rümpfte die Nase. „Sie sind wieder da,“ verkündete Sam mit einer Mine, als würde er sie für die Pest im Mittelalter verantwortlich machen oder als seien sie der Grund für seine zerstückelte Familie. „Wer sind die Cullens?“, erkundigte ich mich, wenn Sam so ein Gesicht zog, konnte es sich nur um Teufel handeln. Quil senkte die Stimme: „Erinnerst du dich an die kalten Wesen?“ Meine Kieferlade klappte runter: „Was?“ „Sie sind Vampire,“ bestätigte Carry. Kurz wunderte ich mich darüber, dass sie von dem ganzen wusste, aber dann ruckten meine Gedanken zurück zu der Tatsache, dass sich ver… dämliche Vampire ganz in der Nähe aufhielten. „Aber wir haben einen Vertrag mit ihnen,“ versuchte Quil mich zu beruhigen, weil ich schon halb dabei war Claire zu schnappen und ein Gewehr zu suchen. „Was denn für einen Vertrag bitte?“, krächzte ich, „Das sie nur jeden Mittwoch jemanden …,“ ich schielte zu Claire, die aber gar nicht auf unsere Unterhaltung achtete, weil sie einen Schmetterling verfolgte, „… töten?“ „Die Cullens … nun ja … essen keine Menschen,“ Quil verzog das Gesicht. „Sie ernähren sich von Tierblut,“ erklärte Sam auf seine übliche sachliche Art. „Euch ist klar, dass ihr halbe Tiere seid, oder?“, fragte ich. „Schön zu sehen, dass du dich um uns sorgst,“ ertönte auf einmal Pauls Stimme hinter mir. Man, in letzter Zeit tauchte der echt immer überall auf. Okay, es hätte mich durchaus mehr stören können. „Wir haben einen Waffenstillstand,“ meinte Sam lediglich. Aber wenn er sich keine Sorgen machte, wo sein ganzes Rudel, seine Ehefrau und seine Tochter in Gefahrennähe waren, dann musste ich das wohl auch nicht. Trotzdem würde es mich nicht davon abhalten Quil später noch auszuquetschen. „Der Schuppen!“ schrei Quil auf einmal so laut, dass Claire sich zu uns umdrehte. „Was für ein Schuppen?“, erkundigte ich mich skeptisch. Und wie kam er da jetzt drauf? „Wir, also Familie Ateara, haben einen Schuppen an der Stadtgrenze,“ verkündete Quil. Carrys Mine leuchtete euphorisch auf. Das musste aber ein toller Schuppen sein. „Das ist eine brillante Idee, Quil! Und sie müssten nicht einmal dafür bezahlen!“, freute sich Carry ein Loch in den Bauch. „Sekunde! Wir sollen in einen Schuppen ziehen?“, unterbrach ich sie, bevor sie noch irgendwelche Teppichmuster vorschlagen konnte. „Das ist ein toller Schuppen,“ versicherte Quil. „Es ist nicht wirklich ein Schuppen, wir nennen es nur so, weil wir dort alles reinstellen, was wir nicht mehr brauchen,“ erklärte Carry. „Wie groß ist denn dieser Schuppen?“, schaltete sich jetzt auch Sams skeptische Stimme ein. „Wir gehen einfach hin,“ beschloss Quil, „Dann seht ihr ja, wieso das eine brillante Idee ist!“ Mein Handy klingelte, während Sam und Quil sich in einen Streit über den Schuppen vertieften. „Milch ist Gift! Milch ist Gift,“ ertönte mein Klingelton. Paul zog fragend die Augenbrauen hoch. „Schau nicht so, dass ist der Klingelton von meiner Mutter. Sie hat eine Laktoseintoleranz, also passt es,“ ich ging ran, „Hallo Mom …“ Jetzt kam der schwere Teil, ich musste ihr von unserem spontanen Umzug erzählen.


Vielen Dank für die lieben Reviews und auch an alle anderen, die das hier lesen!
Ich probier, dass jetzt einfach einmal aus: Ich hätte gerne drei Reviews.
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