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Noch eine Young

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Lahote Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
37.547
7
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
04.04.2019 1.414
 
Quils Sicht

Claire stand inmitten einer Blumenwiese und bastelte einen Kranz aus Sonnenblumen. Die Tatsache, dass keine Sonnenblumen auf der Wiese sproßen, verriet mir, dass es sich um einen Traum handelte. Vermutlich versuchte mein Unterbewusstsein mir so klar zu machen, dass Claire sich an den Pflanzenstängeln schneiden könnte oder dass ich Sonnenblumen mochte – wer weiß das schon? Jedenfalls wollte sie mir gerade den Kranz reichen, als eine harsche Stimme den Traum in tausend Fetzten zerschnitt. Reflexartig sprang ich auf und machte mich darauf gefasst einem panischen Rudelmitglied gegenüber zu stehen, das mir zuschrie, dass die Welt untergehe beziehungsweise die kalten Wesen angriffen. Sofort ruckten meine Gedanken zu Claire. In meinem Schlafzimmer stand Paul und sah aus als wolle er jemanden umbringen. Also hatte entweder jemand sein Frühstück gegessen – ich tippte auf seine Schwester Denny, die Kleine schlug eindeutig nach ihrem Bruder – oder ein Vampir hatte ihm an der Grenze den Stinkefinger gezeigt. Jedenfalls wirkte er nicht aufgebracht genug, als dass eine wirkliche Claire-Katastrophe anstehen konnte. Äh … ich meine für ihn ging es nicht um Leben und Tod. „Sie gehen weg!“, dennoch klang er, als würde er jeden Moment aus der Haut fahren – keine Seltenheit. „Wer denn?“, ich rieb mir müde übers Gesicht. Seit wann musste ich mich um Pauls Probleme kümmern? Ich meine, klar war er Rudel, aber … wieso zum Teufel wandte er sich an mich? „Na Daniela!,“ polterte er weiter und fügte etwas verspätet, „und Claire!“, hinzu. „Ja, sie waren nur für Emilys Hochzeit hier,“ erklärte ich immer noch verschlafen. Wieso regte es ihn so auf? Ich war derjenige der volle 100 Minuten von dem Mädchen entfernt leben würde, auf dass er geprägt war! „Weg, Quil! Du weißt doch was weg bedeutet!“, er klang als würde er fluchen, obwohl er keine Schimpfwörter in den Mund nahm. „Ja,“ sagte ich wieder – was ging ihn das eigentlich an? - , „Sie gehen zurück nach Neah Bay!“ Paul stockte. Diese Information war neu für ihn. „Neah Bay?“, man konnte förmlich sehen wie es in seinem Kopf ratterte, während er hin und her tigerte, „Das ist quasi am anderen Ende der Welt!“ Ich schnaubte: „Glaubst du, dass weiß ich nicht? Ich kann nicht weg aus La Push und Claire … Sam sagt, dass sie nur zweimal die Woche kommt und ein Wochenende im Monat! IM MONAT! Außerdem baut sie da ihre Vaterbindung auf! Und Sam will mich nicht dabei haben! 100 Minuten, Paul. Ich weiß, dass das das Ende der Welt ist!“ Paul stoppte in seinem Rumgerenne: „100 Minuten?! Ich dachte Neah Bay wäre nur 40 km!“ „Mit dem Auto,“ erklärte ich schnell, „Aber wir können sowieso nicht weg aus La Push!“ Jetzt sah er aus als müsste er ein paar Grizzlys erwürgen, um sich abzureagieren oder ein paar Vampire zur Strecke bringen: „Wie kannst du das zulassen, Quil!“ „Was kann ich denn tun?“, schrei ich zurück. „Sie aufhalten!“, rief er, als wäre es das klarste der Welt. „Und wie bitte?“, mittlerweile brüllte ich fast. Kapierte er nicht, dass ich für ihn keinen Nerv übrighatte? „Du gehst zu ihr,“ bestimmte er und unterstrich das Ganze indem er mir meine Anziehsachen entgegenwarf, obwohl ich angezogen eingeschlafen war. „Und was soll ich sagen! Hä? Hast du dir darüber mal Gedanken gemacht?“, warf ich mein Zeug wieder zurück. „Du bittest sie zu bleiben!“, meinte er, als wäre das das selbstverständlichste der Welt. „Wieso zum Teufel sollte sie auf mich hören?“, schrie ich zurück. „Sie mag dich!“ brüllte er und sah auf einmal unglaublich verletzt aus. Was war denn jetzt los? Mit einem wütenden, mit einem ironischen und sarkastischen, mit einem um sich schlagenden, mit einem verletzenden, mit einem explodierenden Paul konnte ich umgehen, das lernte man automatisch im Rudel, aber mit einem verletzten? „Okay,“ brummte ich, obwohl es nichts bringen würde, ich mich zum Affen machen würde und noch immer unglaublich müde war – wusste er eigentlich wie spät es war?

Pauls Sicht

Quil regte mich auf. Ich hätte ihn nicht auch noch zusätzlich dazu gebraucht. Vor allem wenn man bedachte, wohin wir unterwegs waren. Wir rannten durch den Wald, im Werwolftempo versteht sich. Unsere Schritte hätten lautes Blättergeraschel verursachen sollen, waren aber nicht einmal mit meinem Gehör zu erahnen. Quil lief neben mir her. Ich konnte seine Gedanken geradezu hören. Das war ein weiterer Nachteil der Gedankenkommunikation. Sein Unmut war physisch greifbar. Das er sich auf eine soooo lange Diskussion eingelassen hatte, anstatt sofort loszustürmen war für mich so unbegreiflich wie Mathe. Was hatte der Kerl für ein Problem? Sollte er nicht alles daran setzten, dass sie hierblieben? Ich war aus allen Wolken gefallen, als Embry seinen armen Kumpel Quil bemitleidet hatte. Oh ja, der Ärmste würde ohne sein Baby auskommen müssen! Und uns alle anderen tierisch auf die Nerven gehen. Und was tat er? Jammerte seinem Freund die Ohren voll und suhlte sich im Elend, anstatt etwas dagegen zu unternehmen! Noch waren sie nicht weg und Daniela … ich war mir sicher, dass sie auf ihn hören würde. Wenn Quil da war, ließ sie ihr kleines Monster auch mal aus den Augen – Sie vertraute ihm irgendwie. Ich knirschte mit den Zähnen, aber in dem Moment kamen wir an den kleinen Hütten der Ocean Residenz an. Meine Füße fanden den Weg ganz von allein, als würde ich mich in meinem dunklen Zimmer bewegen. Ich musste nicht einmal darüber nachdenken. Zu gut erinnerte ich mich an den Tag als ich sie mir Kuchen gebacken hatte – und das nicht, weil sie wirklich großartig backen konnte. Das musste wohl in der Familie Young liegen. Vor meinem inneren Auge tauchten die grün-braunen Augen auf, die mich seit diesem Tag verfolgten. Heute machten sie mich noch wütender als ich ohnehin schon war, aber ich musste mich so weit zusammenreißen, dass ich nicht explodierte. Immerhin musste ich Quil dazu bringen sie zu überzeugen. Das Fenster war schnell entdeckt und noch schneller geöffnet. In der Küche konnte ich bereits Danielas Duft nach Kiwi und Malaga und Claires Geruch nach Kleinkind, Handseife und Wachsmalstiften vermischt mit dem allgemeinen Geruch nach Essen und Meersalz wahrnehmen. Quil war etwas langsamer mit dem Einstieg durchs Fenster. Lag wohl an der kriminellen Ader, die ich laut Sam haben sollte. Die anderen beiden, die noch hier wohnten waren nicht da. Da waren nur zwei Herzschläge, fast synchron. Ich folgte ihnen in das Zimmer aus dem das kleine Monster damals gekommen war. Damals, dabei war es erst zwei Tage her. Bei dem Gedanken, dass es vielleicht nie wieder passieren würde, biss ich die Zähne noch fester zusammen. Wir – das heißt ich – hatten uns nicht wirklich leise gebärdet. Jared würde sagen, getrammpelt wie eine ganze Herde Gnus und die Tür aufgerissen, wie ein Bankräuber – woher auch immer er diese Vergleiche nahm. Das kleine Monster schlief weiter wie ein Stein, aber Daniela hob verschlafen den Kopf. Sie stütze sich mit einem Ellbogen auf der Matratze ab und blinzelte uns verschlafen an, während ihr die langen braunen Haare über die Schultern und ins Gesicht fielen. Keine Ahnung wieso ich nicht damit gerechnet hatte, dass sie noch schlafen könnte und nur ein dünnes Nachthemd trug, das zu allem Überfluss auch noch weit ausgeschnitten und verrutscht war. Auf einmal wusste ich nicht mehr, wo ich hinsehen sollte und fixierte einen Punkt an der Decke. Schöner Anstrich, nicht richtig weiß, neben der Holzverkleidung. Ich glaube, Denny bezeichnete es als Cremefarbend. Irgendwie dämlich – was war so falsch an weiß? Okay es sah jetzt nicht schlecht aus, aber wieso eine Mutantenfarbe aus Weiß und Gelb, wenn es auch einfacher ging? „Paul? Quil? Was macht ihr hier?“, ertönte Danielas verschlafene Stimme. Ohne hinzusehen wusste ich, dass Quil mir einen auffordernden Blick zuwarf. „Und wie seid ihr reingekommen?“, setzte sie hinzu. Dem Rascheln ihrer Bettdecke war zu entnehmen, dass sie sich aufgesetzt hatte. Quil klang entschuldigend: „Wir sind durchs Küchenfenster gekommen.“ „Ihr solltet euch besser vor Einbrüchen schützen, das war viel zu einfach,“ fand ich endlich meine Stimme wieder. Sie schnaubte bloß. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie sie dabei die Nase kräuselte, da ich immer noch die Wand anstarrte. Das Bettgestell quietschte leicht und der Boden knarzte, also vermutete ich, dass sie aufgestanden war. „Weißt du, Quil, als ich sagte, du könntest jeder Zeit kommen, bin ich davon ausgegangen, dass du das zu einer gottesfürchtigeren Uhrzeit tun würdest,“ meinte Daniela und klang so wach wie ein Faultier. „ Äh … ich mach dir einen Kaffee,“ ließ Quil verlauten und verschwand im nächsten Moment aus dem Zimmer, wie die Bohlendielen hören ließen. Toll, er ließ mich einfach allein mit meiner Sprachlosigkeit. So viel zu Rudel und Familie …
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