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Noch eine Young

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Lahote Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
37.547
7
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24.01.2019 1.085
 
Das Gemeindehaus war dafür, dass es schon einige hatte Jahre auf dem Buckel hatte, wirklich schön. Der Boden gab jenes Geräusch von sich, dass dunkle, alte Holzdielen von sich geben, wenn es jemand wagt über die zu laufen. Die Wände besaßen Ei e stilvolle Hellholtz Vertäfelung und verliehen dem Gebäude sowohl etwas edles, als auch etwas Ehrfurchtsgebietendes. Als wären hier einst die wichtigsten, lebenverändernden  Entscheidungen der Quileute im Stil einer großen Ratsversammlung getroffen worden. Und vielleicht war dem auch so. Wenn ich ehrlich war, hatte ich mich nie so ganz als Nativ American gesehen. Was daran lag, dass ich von dem indianischen Teil meiner Familie eher isoliert war, obwohl wir alle in Mesh Bad wohnten. Und da war der Gedanke wieder. Wie es wäre hier zu wohnen. Ich vertrieben den Gedanken mit einem Kopfschütteln und sah mich um. Im Untergeschoss gab es zwei Türen und eine Treppe nach oben. Die erste Tür schien verschlossen und stellte wohl soetwas wie eine Putz- oder Abstellkammer dar. Die zweite war halboffen und ließ den Blick auf eine wunderschön dekorierte Halle frei. Aufgrund der vielen Sitzgelegenheiten, der Hochzeitsdekoration und dem Kerl, der nach einer Art Priester aussah, nahm ich an, dass Emily und Sam hier heiraten würden. Bevor ich mich im Bestaunen der Dekoration verlieren konnt, ging ich lieber schnell die Treppe hoch. Komischerweise stieß diese kein leises Ächzen aus, wie die Holzdielen es unten getan hatten. Im oberen Stockwerk führte ein T-förmiger Flur zu vielen verschiedenen Zimmern. Die Türen waren alle verschlossen. Ich erinnerte mich, an das was mein nicht-ganz-Cousin gesagt hatte. Die letzte Tür ganz links. Ich war schon ein bisschen neugierig was hinter den anderen Türen lag, aber ich ging trotzdem weiter. Erst als ich vor der letzten Tür ganz links angekommen war, bemerkte ich, dass die Türen aus edelaussehendem Mahagoni bestanden. Mit hochgezogenen Augenbrauen klopf ich an die Tür. Aber es folgte kein "Herein". Erst als ich das gedämpfte Schluchzen hörte, öffnete ich die Mahagoni-Tür. Das erste, was ich sah, war die cremefarbene Verkleidung der Wand und ein bodenlanger Spiegel mit abgenutztem goldschimmerndem Rahmen. Das zweite war das weiße Tüll-Meer auf einem Stuhl. Und mitten in der scheinbaren Unendlichkeit von Tüll, Spitze und glitzernden Steinchen hockte Emily die Hände vor dem Gesicht und schluchzte, wobei ihre kunstvolle Hochsteckfrisur gefährlich wankte. Ich hatte ja davon gehört, dass auf Hochzeiten andauernd geweint wurde, aber das kam mir schon ein bisschen zu früh vor. Besorgt aber auch ratlos überlegte ich, was genau ich jetzt tun sollte. Entweder ich suchte Sam und ließ ihn die Sache regeln oder ich entdeckte so etwas wie Schwestern- Solidarität und kümmerte mich selbst darum. Noch vor vier Tagen hätte ich mich für die erste Option entschieden, aber irgendwie hatten uns diese vier Tage näher zusammengebracht als die 18 Jahre, die wir nun schon verwandt waren. Obwohl wir sehr viel weniger Zeit miteinander verbracht hatten, als ich und Quil. Außerdem hättest durchaus sein können, dass das Ganze mit Sam zusammenhing oder ist hier schlichtweg um ein Frauen-Problem ging. Also kniete ich mich vor den Berg aus weißem Stoff und griff nach Emilys Händen, um sie ihr sanft vom Gesicht zu ziehen. Sie schaute mich desorientiert, verwirrt und ein wenig verlegen an. "Daniela," sagte sie, aber es klang weder nach einer Aussage. noch nach einer Frage. Das gab mir schon mal kein Hinweis, darauf wie sie sich fühlte oder was sie wollte. Irgendwie fand ich diese Situation, meine starke, schöne Halbschwester zu versuchen zu trösten, sehr viel kuriose als alles, was mir Sams Jungs erzählt hatten. Und genau das macht es so seltsam. "Emily, " erwiderte ich, da ich nicht genau wusste, wie ich anfangen sollte. Unsicher bis ich mir auf die Lippe: "Was ist los?". Die Tränen, die seit ich sie angesprochen hatte, in ihren Augen gestanden hatten, flossen nun über und rollten über Narben und Haut. Ich hatte sie noch nie so gesehen, deshalb drück dich ihre Hände etwas fester. "Es...es i..sss..st Le..ee..eah," schluchzte sie, wobei sie beim letzten Wort hickste. Ich erhob mich, von meiner Position auf dem Boden, um die Arme um sie zu schlingen. Noch etwas, dass ich noch nie getan hatte und das dadurch dass es so komisch war, richtig seltsam wurde. Während Emilys Tränen die Vorderseite meines T-Shirts duchnässten und ich mir dazu gratulierte auf die Idee gekommen zu sein, mein Kleid noch nicht anzuziehen, überleg ich, wer Leah war und was sie getan haben konnte. Letztendlich kam ich nur darauf, weil ich von draußen das fröhliche Lachen von Seth hörte. Ich führte die Tatsache, dass ist mir erst jetzt einfiel, darauf zurück, dass ich mich ein wenig panisch und überfordert fühlte und nicht auf mein schlechtes Gedächtnis. Leah. Meine nicht-ganz-Cousine. Soweit ich wusste, war sie Emilys Cousine zweiten Grades, mütterlicherseits. Und Emilys beste Freundin. Jedes Mal wenn sie zu Besuch gekommen war, war sie immer bei Emily anzutreffen gewesen. Selbst ich hatte das bemerkt. "S..sie i...sss..st weg," brachte Emily endlich heraus. Sie merkte wohl dass ich kein einziges Wort verstand, also erzählte sie mir unter schrecklichen Schluchzern, einer Menge Tränen und unverständlichen Hicksern, von der Sam-Emily-Leah-Geschichte die alles andere als gut geendet war. Bei der Gelegenheit erfuhr ich auch gleich, dass Leah die Haupt-Brautjungfer gewesen und für die Dekoration und den Großteil der Organisation verantwortlich war. Ich war ganz schön beeindruckt von ihrem Talent, konzentrierte mich aber lieber auf Emily. Ich rieb ihr tröstend über den Rücken, aber mir fiel nichts ein, was ich sagen konnte, dass Emily bereits wusste. Ich meinte bloß: "Lass ihr Zeit." Natürlich war das kein Trost, aber ich hätte gelogen, wenn ich gesagt hätte, dass sie sicher bald wieder kommen würde. Keine Ahnung wie lange wir dort saßen, aber schließlich versiegten Emilys Tränen. "Liebst du Sam," wollte ich wissen. "Natürlich," nickte sie. "Gut, dann denkst du jetzt nur noch an dich und ihn," beschloss ich und tatsächlich bildete sich ein zaghaften Lächeln auf ihrem Gesicht. Ich zog sie vom Stuhl hoch und erklärte: "Und jetzt machen wir dich für deine Hochzeit fertig!" Und tatsächlich schaffte ich es mit meinen eher fragwürdigen Make-up-Künsten und dem Vorschlag Klebeband fürs die Richtung ihrer Frisur zu verwenden, obwohl ich durchaus geübt darin war, Haare zu frisieren, da Claire Zöpfe und extravagante Frisuren mochte, Emily abzulenken und zum Lächeln zu bringen.
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