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Noch eine Young

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Lahote Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
37.547
7
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
19.01.2019 1.557
 
Wir saßen im Auto. Quils Auto und sein ganzer Stolz, obwohl er den Waagen mit seiner Schwester teilte. Das Auto wirkte mal abgesehen von den Beulen und der abgenutzten Lackierung ziemlich zu verlässlich, so weit das jemand beurteilen konnte, der die Kennzeichen mit Mühe und Not auseinanderhalten konnte. Ich selbst hatte meinen Waagen von meinem Großvater mütterlicherseits vererbt bekommen und war heilfroh, dass ich mir nicht selbst einen kaufen musste. Aber Quil schien seinen Waagen zu lieben, das erkannte man allein an der Art und Weise wie er das Lenkrad fasste und die Gänge einlegte, ohne am Schaltknüppel zu zerren, obwohl der ein wenig zu klemmen schien. Die Fahrt über schwiegen wir größtenteils. Ich für meinen Teil, weil es Quil nervös zu machen schien und ich ihm allerfrühsten am Ende des Abends sagen würde, dass ich ihn tolerierte. Zumindest so lange er heute Abend nichts verwerfliches sagte. Und Quil schwieg entweder, weil er nicht wusste, wie er anfangen sollte, oder mir einfach nicht den Vortritt verweigern wollte. „Wohin fahren wir,“ war das erste was ich nach fast 40 Minuten verlauten ließ. Quil schien erleichtert zu sein, dass ich mich endlich zu Wort meldete, er drehte sogar das Radio runter, das bisher die peinliche Stille gefüllt hatte: „Ins Breakwater Restaurant in Oil City.“ Seinem Ton nach war das was Besonderes. Ich war noch nie in Oil City gewesen. Im nächsten Moment hielt der Waagen schon. Der Parkplatz war nicht sonderlich groß, aber irgendjemand hatte sich die Mühe gemacht ihn mit Lichterketten zu schmücken. Bevor ich die Hand auch nur nach der Autotür ausstrecken konnte, machte Quil einen auf Gentlemen und half mir sogar aus dem Waagen, nachdem er die Tür für mich öffnete. Wir liefen über den kleinen Parkplatz zum Breakwater rüber, wo Quil wieder den Gentlemen mimte. Ein etwas abseitsgelegener Tisch wurde zu unserem. Vermutlich damit die anderen Gäste es nicht mitbekamen, wenn wir über Gestaltwandler redeten. Nachdem wir bestellt hatten, ich hatte Spagetti Bolognese und Quil zwei Rinder-Steakes mit Bratkatroffel gewählt, begann ich mit meinem Verhör: „Vollständiger Name?“ „Quil Ateara V“ „Hobbys?“ „An Autos rumschrauben, Wandern, …“  „Reicht! Lieblingsfarbe?“ „Apfelgrün.“ „Wo bist du geboren?“ „La Push.“ „Scene Fiktion, Drama, Fantasy, real Live, Comedy, Horror, Action, Krimi oder Thriller?“ „Action, Scene Fiktion und Comedy.“ „Die drei wichtigsten Dinge in deinem Leben?“ „Claire, mein Rudel, hier einen guten Eindruck hinterlassen.“ „Welche Sprachen sprichst du?“ „Äh … Amerikanisch?“ Ich wedelte ungeduldig mit der Hand: „Das wars?“ „Äh, Moment, nein! Quileute und Spanisch!“ „Lieblingsgetränk?“ „Kirschsaft.“ „Lieblingsessen?“ „Rösti mit Schnitzel.“ „Sommer oder Winter?“ „Sommer.“ „Nenne eine Lebensweisheit!“ „Was?!? Mir fällt nix ein!“ „Lass ich gelten. Drei Dinge die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest!“ „Cl…“ „Menschen gehen nicht.“ „Was zu essen, einen Fernseher und Sonnencreme?“ „Film oder Buch?“ „Film.“ „Lieblingsfach?“ „Literatur.“ Ist das nicht wiedersächlich?“ „Äh ja.“ „Wirst du aufhören zu fluchen?“ „Ja.“ „Bist du Raucher?“ „Nein.“ „Geschwister?“ „Eine Schwester, Elaine.“ „Draußen oder Drinnen?“ „Draußen.“ „Glückszahl?“ „Äh … keine Ahnung drei?“ „Malen oder Singen?“ „Malen, da bin ich zwar auch schlecht, aber besser als im Singen.“ „Hast du jemals gegen das Gesetz verstoßen?“ Quil sah ziemlich kleinlaut aus: „Ich habe einmal einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen.“ Ich hätte fast meine Spagetti wieder ausgespuckt, weil ich lachen musste. „Oh und ich habe eine Geldstrafe für die Erregung öffentlichen Ärgernisses bekommen. Äh du weißt schon … das Gestaltwandlersein und so.“ Ich setzte wieder ein Pokerface auf: „Was müsste passieren, dass du gegen das Gesetz verstößt?“ „Das hört sich kitschig an, aber ich würde für Jemanden, den ich liebe gegen das Gesetz verstoßen.“ „Stell dir vor dein Haus brennt und du kannst nur eine Sache vor den Flammen retten, was wäre das?“ „Cl...“ „Immer noch keine Menschen.“ „Puh … ich weiß nicht … Ah! Den Sticker, den Claire mir gegeben hat!“ „Aha.“ „Was hälst du von Emanzipation?“ „Find ich gut?“ „Bist du für oder gegen Gentechnik?“ „Dagegen.“ „Wie ordentlich ist dein Zimmer?“ „Äh also … es liegen schon ein paar Sachen herum, aber jetzt auch nicht so viele…“ „Trinkst du Alkohol?“ „Nein!“ „Drei Dinge für ein erfülltes Leben?“ „Claire, … ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern … keine kalten Wesen, die ihr etwas tun könnten. Äh ich meine, überhaupt keine Gefahren für Claire.“ Hätte der Junge sich nicht geprägt, wäre kein Gestaltwandler gewesen und wäre die kleine Königin nicht erst drei Jahre alt, hätte ich gesagt: Ihn hat Amors Pfeil voll erwischt, regelrecht durchbohrt. Irgendwie machte ihn das sympathischer, obwohl er im Grunde nichts dafür konnte, dass er sich geprägt hatte. Ich hatte schon vorher gewusst, dass Quil kein schlechter Mensch war, aber dass er meine Fragen klaglos über sich ergehen ließ, sprach für sich. „Welchen Job hast du,“ erkundigte ich mich. Quil wirkte ziemlich perplex: „Äh also … mein Job ist es quasi als Wolf durch den Wald zu rennen und Menschen vor den kalten Wesen zu beschützen.“ „Dann studierst du,“ bohrte ich nach. „Nein,“ er sah mich verständnislos an, aber dann hellte sich sein Gesicht auf, „Ach so! Wie alt, denkst du, bin ich?“ „So Mitte Zwanzig? 23, 24 oder 25,“ mutmaßte ich. Quil lachte: „Wir haben dir ja erzählt, dass Gestaltwandler nicht altern, richtig?“ Als ich nickte, fuhr er fort: „Aber ich glaube dabei wurde ausgelassen, dass wir, wenn wir uns verwandeln, quasi auswachsen.“ Quil fischte in der Luft nach Worten, aber ich kapierte, bevor er es näher ausführte: „Ihr seid also ausgewachsen sobald ihr euch verwandelt?“ Er nickte: „Genau.“ Ich legte den Kopf schief: „Wie alt bist du dann?“ „Sechzehn,“ er lächelte schief, als ich überrascht die Augenbrauen hochzog. Irgendwie machte es das … besser. „Dann gehst du noch zur Schule,“ stellte ich erstaunt fest. Jetzt sah er ziemlich verlegen aus: „Um ehrlich zu sein, habe ich vor … ähm aufzuhören.“ Ich sah ihn ungläubig an. Also begann er schnell sich zu rechtfertigen: „Das macht es einfacher. Dann habe ich mehr Zeit für meine Gestaltwandler-Pflichten und auch … nun ja für Claire. Außerdem kann ich dann eines Tages mit ihr zur Schule gehen und … da ich noch mindestens fünfzehn Jahre lang nicht altern werde, wird es so auch weniger auffallen. Ich meine, wer würde mir denn in fünfzehn, sechzehn Jahren glauben, dass ich 2011 meinen Abschluss gemacht hätte?“ Dann machte er das größtenteils für Claire? Jetzt fühlte ich mich auch noch ein bisschen schuldig, dass ich das gut fand. „Aber wenn ich mal Geld brauche, arbeite ich für Embrys Mom. Sie hat so einen kleinen Laden am Strand. Oder ich repariere die Autos von Nachbarn,“ fügte Quil noch hinzu. Dann kamen wir jetzt noch zu einer Frage, die mich schon des längeren beschäftigte: „Wie ist es für dich von Claire getrennt zu sein?“ Er blinzelte überrascht und fuhr sich anschließend verlegen mit der Hand über den Nacken: „Ich weiß nicht, dass kann man schlecht beschreiben. Die anderen haben dir ja erzählt, wie das mit der Prägung ist. Das Claire für mich der Mittelpunkt ist. Meine Gedanken sind immer bei ihr. Und wenn ich nicht bei ihr bin, mach ich mir pausenlos Sorgen, dass ihr etwas passiert sein könnte oder so. Jeder Gedanke … jedes Gefühl … jeder Moment ist mit Claire gefüllt. Und wenn sie nicht da ist … Kann ich gar nicht anders als nur sie zu sehen. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass wir uns gut verstehen. Du bist Claires Mom und es ist erstens nicht zu übersehen, dass sie dich abgöttisch liebt und zweitens hast du die Macht, darüber entscheiden zu können, wie oft ich sie sehen darf.“ Ich schluckte und dachte wieder daran, wie das ganze für ihn gelaufen war. Er hatte die kleine Königin nur angesehen und peng war sein Leben auf den Kopf gestellt. Und jetzt musste er hoffen und bangen, ob er das wichtigste in seinem Leben sehen durfte und wie oft. Es war nicht das Selbe wie bei Sam und Claire. Ganz und gar nicht. Und man konnte es auch nicht damit beschreiben, was Claire und ich hatten. Ich machte mir auch pausenlos Gedanken und Sorgen um die kleine Königin, aber ich glaube fast, dass es bei Quil noch stärker war oder zumindest ebenso stark. Ich dachte daran, wie … entwurzelt ich mich fühlte, wenn Claire nicht da war. Aber auch daran, dass ich sie im Stress der Arbeit manchmal verdrenkte. Quil konnte das nicht. Aber das allein hätte nicht gereicht, es war vor allem die Tatsache, dass ich wusste, dass Quil alles für die kleine Königin tun würde. Ich seufzte: „Gut, du hast mich überzeugt. Du darfst so oft vorbeikommen wie du willst, aber wir spielen nach meinen Regeln, klar?“ Ich hatte kaum das letzte Wort ausgesprochen, als Quil schon aufgesprungen war und los jubelte. Es war ganz schön peinlich, wie die anderen Gäste uns anstarrten, aber irgendwie auch süß. Ich schüttelte bloß lächelnd den Kopf. Oh man. Dann umarmte er mich auch noch: „Nela ich verspreche dir, ich wird immer das Beste für Claire tun und deine Regel wie eine Religion befolgen. Das schwör ich dir!“ „Jetzt komm mal wieder runter,“ brummte ich peinlich berührt, „Es ist ja nicht so als hätte ich dir das Sorgerecht überschrieben.“ Davon ließ er sich nicht bremsen, Quil strahlte über das ganze Gesicht. Und die Gäste beäugten uns neugierig, vermutlich fragten sie sich, was los war.
Aber das hätten sie wohl niemals geglaubt.

Entschuldigt bitte, dass ihr so lange darauf warten musstet, dass es weiter geht! Und seht die Länge des Kapitels bitte als Dank für eure Reviews, Favoriten-Einträge und Weiterempfelungen!
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