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Noch eine Young

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Lahote Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
37.547
7
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17.01.2019 1.517
 
Claire hatte ihre Kuscheltiere an den Esstisch geschleppt und ließ Tinky-Winky (ein Stachelschwein) und Robby (ein roter Vogel) um die Krümel auf ihrem Teller streiten. Paul beobachtete sie. Sein Blick hatte Ähnlichkeit mit dem eines Wissenschaftlers der eine neue Spezies betrachtet. Irgendwie interessiert und fasziniert, aber auch als hätte er Angst, dass sie ihn jeden Moment ansprang. Ich fragte mich, was er wohl getan hätte, wenn die kleine Königin in Tränen ausgebrochen wäre. Vermutlich hätte er die Flucht ergriffen aus Angst diese könnten aus Säure bestehen. Ich verkniff mir ein Grinsen und kritzelte weiter an meiner Liste.
Nachdem Paul drei Stücken verdrückt hatte und Claire aufgrund dessen ebenfalls ein drittes Kuchenstück haben wollte, hatte ich den Zimtkuchen, der dafür, dass er als Kokoskuchen gedacht war, sehr gut geworden war, weggestellt und die kleine Königin mit der altbewährten Ausrede: „Er muss mehr essen, weil er größer und älter ist.“ abgespeist. Paul selbst hatte ausgesehen als hätte er gerne den ganzen Kuchen gegessen. Ich hatte schon fast ein schlechtes Gewissen, weil Quil etwas davon gesagt hatte, dass die Gestaltwandler mehr aßen, vermutlich weil sie nicht nur ihren menschlichen Körper, sondern auch ihren Wolfskörper ernähren mussten oder so etwas in der Art. Überhaupt schienen die Erklärungen des Wolfsdaseins meist aus Vermutungen zu bestehen, die an Fakten getackert worden waren. Vielleicht essen wir so viel, weil wir zwei Körper zu ernähren haben. Vermutlich sind wir so groß, weil in uns ein Wolf wohnt. Vielleicht prägen wir uns, um stärkere Nachfahren zu zeugen. Angeblich haben unsere Fellfarben etwas mit unserem Charakter zu tun. Vor allem Vorletzteres passte mir überhaupt nicht. Meine kleine Königin …
Apropos Claire. Nachdem sie aufgewacht war, etwas von dem Kuchen verlangt hatte und ich Paul zugeraunt hatte, dass ich ihn mit einem Besen verkloppen würde, wenn er ein nicht Kindgerechtes Wort in den Mund nahm, woraufhin dieser bloß gelächelt hatte, wollte Claire, dass ich Quil ausrichten ließ, dass er heute Abend noch einmal vorbeikommen sollte. Ich wusste noch nicht, wie ich das finden sollte, hatte Emily aber trotzdem gebeten Quil früher aus seiner Zwangsarbeit zu befreien. Aber anscheinend war Quil der einzige, der die Blumen "richtig" binden konnte, deshalb würde er jetzt zur selben Zeit wie Sam hier antanzen. Letzterer hatte sich bereit erklärt auf die kleine Königin aufzupassen, während ich mit Quil essen ging. Ich war mir sicher, dass Sam deswegen nervöser war als ich. Aber ich konnte Quil nicht ausfragen, wenn Claire dabei war. „Was machst du da eigentlich,“ erkundigte sich Paul und begutachtete das Blatt Papier, dass ich mit Hilf eines Kullis verunstaltete. „Ich schreib eine Liste,“ antwortete ich, „Für Sam. Er kommt später vorbei und passt auf Claire auf.“ Paul schaute über meine Schulter auf die Liste. Ich konnte seinen Atem im Nacken spüren und erstarrte. „Zu tun bei Wutausbrüchen?,“ laß er laut vor, „Empfehlung zum Abendessen? Kann Sam überhaupt kochen?“ Ich lachte, aber es klang irgendwie hölzern: „Nicht besonders gut, deshalb habe ich nur einfache Gerichte und ihre Zubereitung aufgeschrieben.“ Man, was war mit mir los? Ich hatte Beziehungen gehabt. Ich hatte das ganze Zeug mit Händchenhalten und romantischen Augenblicken schon erlebt. Wieso machte Paul mich dann so nervös und unsicher? Früher hatte ich geflirtet, mir sexy auf die Lippe gebissen und andere nervös gemacht! Nur weil ich seit Claire keine Beziehung mehr gehabt hatte, wurde ich jetzt zum überschüchterndem Neurotiker mit dem Selbstbewusstsein eines Toastbrotes! Seid die kleine Königin aus ihrem Schlaf erwacht war, hatte es keine Daniela-Paul-Moment, wie mit der Haarsträhne, die ich jetzt gar nicht mehr so blöd fand, gegeben und drüber war ich auch ein wenig erleichtert. Ich musste erst einmal darüber nachdenken, was das überhaupt war. Ich schluckte gerade noch so ein unsicheres: „Rück mir nicht so auf die Pelle runter.“ Und kritzelte weiter an meiner Liste.

Nachdem Paul noch alles, was Claire nicht mochte, aus dem Kühlschrank verschwinden lassen hatte, war er kurz bevor Quil kam gegangen. Claire schien ihm immer noch nicht ganz geheuer zu sein und er schien seine Schimpfworte zu vermissen. Dennoch war er so lange geblieben, hatte sich sogar zu einer Partie Lotti Karotti überreden lassen und gefallen an dem Spiel gefunden, nachdem er mich zum dritten Mal von der Ziel-Karotte geschubst hatte.
Es klingelte, anscheinend wollte Jemand seine guten Manieren demonstrieren. Claire war noch vor mir an der Tür. Sie riss die Tür auf und strahlte die zwei Riesen draußen an. Ein wenig überraschte es mich, dass sie zusammen gekommen waren, weil Sam Quil immer noch böse Blicke zuwarf. "Guten Abend," begrüßte die kleinen Königin ihren treuen Diener und neugewonnenen Vater-Prinzen. Und genau für solche Höflichkeiten hatte ich mir jegliche Schimpfwörter abgewöhnt und immer bitte und danke gesagt! Sam wurde davon mit jedem Fall von Quil abgelenkt, diesem ging es genauso. Die beiden starrten die kleine Königin fasziniert an, als hätte sie soeben ein Wunder bewirkt. Obwohl das mein Verdienst war, ich war schließlich für die Erziehung verantwortlich, ließ Claire aber gerne die Lorbeeren. "G..guten Abend," grüßten die beiden fast synchron zurück. Die Worte schienen ihnen nicht zu schmecken, jedenfalls passten sie nicht in ihre Münder. Das musste noch geändert werden. "Kommt doch rein," führte ich Claires Vorstellung fort. Die beiden streiften ihre Schuhe an der Hausmatte ab und sahen etwas eingeschüchtert aus, als sie rein kamen. Ich war so von der kleinen Königin abgelenkt, dass ich erst jetzt bemerkte, was Quil in den Armen balancierte. Zwei riesengroße Blumensträuße, auch was Monster von Sträußen! Beide sahen sich auf den ersten Blick äußerst ähnlich, da sie beide aus allen möglichen Blumenarten bestanden. So weit ich sehen konnte, gab es jede Blume nur ein mal. Quil hatte also einen Blumenladen mit außergewöhnlich großem Sortiment überfallen. Aber bei näherem hinsehen erkannte ich, dass der linke Strauß ein wenig größer war und mehr Schleierkraut enthielt. Auch das Arrangement der Blumen war unterschiedlich. Ich zog überrascht die Augenbrauen hoch. Ich hätte ja mit viel gerechnet, aber damit nicht. Ich konnte an einer Hand abzählen, wie oft ich Blumen geschenkt bekommen hatte. Bevor ich fragen konnte, gab Quil mir schon den rechten Strauß, um sich anschließend zu Claire runter zu beugen und ihr vorsichtig den größeren zu überreichen. "Claire und Daniela Young, würdet ihr mir die Ehe erweisen," begann Quil und ich bekam schon Angst, dass er uns einen Hairatsantrag vorwerfen würde, "mich beim Einlaufen auf der Hochzeit zu begleiten?" Bevor ich auch nur ein Wort herausbrachte, quietschte Claire, wie ein pupertierender Teenager. Verstummte dann, knickste, wie kleine Königinnen das eben machten, und meinte: "Ja!" Quil strahlte, wie ein radioaktiver Stoff, was ihm aber entglitt als er zu mir sah. "Einverstanden," wie hätte ich auch nein sagen können? "Ich such nach Vasen." brummte Sam, schob sich an uns vorbei und unterbrach den Moment ganz wie es seine Absicht gewesen war. Vielleicht hätte Quil Sam zum Essen ausführen sollen. Andererseits kannte Sam ihn ja, also ging es ihm wohl ums Prinzip.
Quil hatte sich dezent schick gemacht. Anzugshosen und Hemd hatten seine alten T-Shirts und halblangen Hosen ersetzt. Da fiel mir auf, dass ich immer noch mit Mehl bestreut war. Ich deutete auf die Tür zu Claires und meinem Zimmer: "Ich geh mich kurz umziehen." Im Zimmer angekommen wühlte ich ein bisschen in meinem Koffer herum. Ich hatte nur ein schickes Kleid für die Hochzeit eingepackt. Also entschied ich mir für schwarze Jeans und eine edel wirkende Lila drei-Viertel-Arm-Bluse. Die Haare kämmte ich auch noch mal durch und flocht mir einen Seitenzopf, bevor ich in die Küche zurück kehrte. "Wieso warst du noch nicht umgezogen? Das sieht dir gar nicht ähnlich," begrüßte mich Sam. Er hätte Detektiv werden sollen nicht ... Wolf. Was arbeitete er eigentlich? "Mommy hatte einen Freund da," erklärte die kleine Königin. Quil und Sam sahen mich geschockt an. Sie dachten wohl an diese Art von Freund. Ich verdrehte die Augen: "Paul ist vorbeigekommen." Ich ließ es klingen, als wäre es vollkommen normal, dass jemand den man kaum kannte und sich in einen Wolf verwandeln konnte einfach so vorbeikam. "Woher kennt ihr euch," erkundigte sich Sam. "Von gestern," ich sah ihn verständnislos an bis ich kapierte, dass er dachte, wir würden uns schon länger kennen. So ähnlich wie als Emily nicht wusste, dass wir uns kannten. Sam runzelte die Augenbrauen und setzte einen düsteren Blick auf. Also lenkte ich schnell vom Thema ab: "Auf der Anrichte liegt eine Liste mit Anweisungen. Falls du irgendwas nicht weißt schau einfach drauf oder ruf mich an." Ich betonte das "ruf mich an" besonders. Sam besah sich gleich mal die Liste. Er wirkte überrascht, wie viel auf ein Blatt Papier passen konnte. Ich beugte mich zu Claire runter: "Und du hörst schön auf Sam, ja?" Die kleine Königin nickte brav, obwohl ich wusste, dass sie versuchen würde, es auszunutzen, dass ich nicht da war. Aber Sam hatte ja ein ganzes Wolfsrudel unter seiner Kontrolle, da dürfte er es doch hinbekommen auf eine Dreijährige aufzupassen ... oder?
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