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Noch eine Young

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Lahote Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
37.547
7
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16.01.2019 1.297
 
Es war gerade einmal eine Stunde her seit Quil von Embry aus der Hütte gezogen worden war. Cher Torres und Ian Sanz waren auf einer Wandertour. Und die kleine Königin schlief tief und fest. Und mir war, da Claire einen späten Mittagsschlaf hielt, langweilig.
Manchmal überraschte es mich, dass sich, um die kleine Königin zu kümmern und sie zu unterhalten, zu dem Hauptbestandteil meines Lebens geworden war. Ich hatte mich darauf eingestellt, Claire die ganze Zeit über, die wir hier waren, zu unterhalten, deshalb hatte ich kein Buch oder irgendeine andere Beschäftigung für mich mitgenommen. Etwas ratlos stand ich also in der kleinen Küche der Hotel-Hütte und besah die Bücher in dem kleinen Regal neben dem Wandschrank mit dem Geschirr. Das Kochbuch brachte mich auf eine Idee.
Ich hatte Glück, Mehl gehörte zu der Grundausstattung der kleinen Küche. Und so steckte ich bis zu den Ellbogen in Kuchenteig, da es keinen Mixer gab, als die Tür aufging und Paul, von gestern, als würde ihm die Hotel-Hütte gehören, hineinspazierte. Ich pustete mir eine Haarsträhne, die mich hartnäckig daran hinderte meine volle Sehkraft einzusetzen, aus dem Gesicht. Aber offensichtlich hatte es nicht an der Strähne gelegen, dass ich Paul dabei beobachtet hatte, wie er Hausfriedensbruch beging. Wobei mir meine gesamte Nussbraune Mähne im Gesicht hätte hängen müssen, um Paul mit Ian oder sonst wem zu verwechseln, der nicht wiederrechtlich hier war.
„Was machst du hier,“ ich runzelte die Stirn und überlegte, wie wahrscheinlich es war, dass sie mich jetzt doch umnieten wollten, weil ich ihr Geheimnis kannte. Nach dem was sie mir erzählt hatten, hätte schließlich einer gereicht.
Paul zuckte mit den Schultern, was ich nur verschwommen sah, weil die Haarsträhne wiedergekehrt war: „Bin abgehauen.“ Er schien die Hochzeitsvorbereitungen zu meinen. Ich zog die Augenbrauen hoch: „Quil wurde nach etwa einer Stunde gefasst.“ Mir war nicht ganz klar, wieso er dennoch einen Fluchtversuch gestartet hatte …? „Deshalb bin ich hier,“ Paul lehnte sich gegen die Anrichte und zog das Rezept zu sich rüber, „Du backst Kokoskuchen?“ „Ja…,“ ich hatte keinen Kokos und improvisierte mit Zimt und mehr von den anderen Zutaten, „Und was soll das heißen: Deshalb bin ich hier,?“ Bei letzterem äffte ich ihn mit falscher tiefer Stimme nach und zog die Schultern hoch, um den Eindruck von breiten Schultern zu erwecken.
„Deine Imitation ist echt schlecht,“ kommentierte er, „Und, um deine Frage zu beantworten, wer würde mich hier suchen?“ „Ah,“ machte ich und versuchte den Mehlklumpen hinfort zu kneten, wobei die blöde Strähne fast in den Teig gekommen wäre. Ich hatte ziemlich lange Haare, die mir bis auf den Rücken fielen. Es war physikalisch nicht einmal möglich, dass die Strähne aus meinem Zopf entwichen war. Ich schüttelte den Kopf nach rechts, damit die Strähne aus meinem Blickfeld und dem Gefahrenbereich T-E-I-G verschwand. Paul beugte sich vor: „Das sieht aber ziemlich dunkel aus für Kokoskuchen.“ „Ich hatte keinen Kokos,“ erklärte ich, „deshalb habe ich Zimt reingeschüttet.“ Er zog die Augenbrauen hoch: „Wieso backst du Kokoskuchen, wenn du keinen Kokos hast?“ „War eine spontane Idee und ich hatte keine Lust zum Supermarkt zu laufen,“ und da war die Strähne wieder. Ich pustete, aber dadurch flog sie bloß einmal hoch und landete dann wieder, noch ungünstiger als davor. „Außerdem kann ich die kleine Königin nicht allein lassen,“ fügte ich noch hinzu und versuchte es noch einmal mit pusten. Dieses Mal landete sie besser.
„Kleine Königin?,“ erkundigte sich Paul. Ich warf ihm einen Seitenblick zu. Er schien ziemlich amüsiert über meine Haarprobleme zu sein. „Claires Spitzname,“ antwortet ich und zog die Hände aus dem Teig.
„Ach ja, wo ist sie denn,“ er klang als würde er sich erst jetzt wieder an sie erinnern und als würde es ihn im Grunde nicht groß interessieren. Er war nicht so der Kindertyp. Ich ließ meine Hände abtropfen: „Hält Mittagsschlaf. Sie hatte heute Nach einen Albtraum. Sam und Quil können von Glück reden, dass es in ihm nicht um bösartige Wölfe ging.“ Ich rümpfte die Nase, als würde diese Vorstellung schlecht riechen. „Wenn du einem von beiden in den Arsch treten würdest, würde ich darauf wetten, dass du gewinnst,“ bei Paul klang das wie ein Kompliment.
„Quil musste sich aus dem Toilettenfenster quetschen um den Hochzeitsvorbereitungen zu entkommen. Was ist deine Ausbruchsgeschichte,“ wollte ich wissen. „Hab so getan als würde ich mich über etwas, dass Jared gesagt hat, aufregen. Hab mich verwandelt und bin auf und davon in den Wald,“ er tat als wäre es vollkommen alltäglich sich in einen Wolf zu verwandeln.
„Und dir ist keiner hinterher,“ hakte ich nach. Mit ihrer Wolfs-Telepathie hätten sie ja gesehen, dass er nur simuliert hatte, außerdem erschien es mir nur logisch, zu versuchen einen wütenden Gestaltwandler wieder zu beruhigen. Paul schüttelte den Kopf: „Das sind die allmählich gewohnt.“ Er fuhr mit den Fingern über meinen Arm, um etwas Teig abzustauben, und steckte sie sich anschließend in den Mund. Fast hätte ich ihn angewiesen einen Löffel zu nehmen, aber das hätte bei der Tatsache, dass er von meinem Arm aß, nicht viel Sinn gehabt. Anders als er besaß ich so etwas wie Höflichkeit, deshalb hielt ich ihm die rechte Hand hin und bearbeitete selber die Linke.
„Dann rastest du öfter aus,“ fragte ich immerhin musste ich wissen, von Wem ich Claire fernhalten musste. Paul zuckte mit den Schultern als wäre das ein alter Hut, aber ich konnte sehen, dass ihn meine Frage ein wenig beschämte. Mein Gefühl sagte mir, dass er mich nur anpflaumen würde, wenn ich weiter nachbohren würde. Das war wohl ein Thema das man äußerst sensibel anging und am besten auch erst, wenn man sich länger kannte. Irgendwie überraschte es mich ein bisschen, dass ich nicht abgeneigt war, ihn kennen zu lernen. Obwohl Paul mich an die ungezogenen Jungs aus der Schule erinnerte, die immer nur Ärger machten. Und er mir gerade Kuchenteig von der Hand aß. Es war seltsam intim. Wieso hatte ich es überhaupt angeboten?
„Holst du mal die Backform raus,“ bat ich ihn, während ich zur Spüle lief, „Die Schublade da unten.“ Ich wusch mir die Hände und Arme, während Paul die Form neben die Teigschüssel stellte. Butter und Backpapier waren schnell gefunden und eingesetzt, so dass ich den Teig in die Form gießen konnte: „Was ist mit Quil?“
„Was soll mit ihm sein,“ wollte Paul wissen. „Rastet er öfter aus,“ präzisierte ich.
„Quil?,“ er klang überrascht und lachte dann, „Der ist zahm wie ein Schoßhund!“ Ich kniete mich hin, um den Kuchen in den Ofen zu schieben und stellte die Temperatur ein: „Im Gegensatz zu dir oder im Allgemeinen?“ Paul verdrehte die Augen, als wäre meine Nachfragerei total nervig und würde nicht der Sicherheit meiner Tochter dienen: „Allgemein.“ Das beruhigte mich. Als ich mich aufrichtete, fiel die blöde Strähne mir wieder ins Gesicht. Da ich keinen Teig mehr an den Händen hatte, wollte ich sie mir eigentlich zurückstreichen. Aber Paul war schneller. Auf einmal stand er vor mir und seine Hand strich hauchzart über meine Wange, um anschließend in meinen Haaren zu versinken. Für mehrere Sekunden sahen wir uns einfach an. Mein Herz vollführte einen komischen kleinen Hüpfer, von dem ich nicht sagen konnte ob er von der Überraschung herrührte oder eben nicht. Vielleicht lag es auch einfach nur daran, dass ich lange nicht mehr so berührt worden war. Und dann schrillte mein Telefon los. Ich wäre vor Schreck fast an die Decke gesprungen.
Ich weiß nicht genau, ob Paul seine Hand sinken ließ oder ich mich wegbewegte, aber schließlich hatte ich mein Handy am Ohr und hörte Sam zu, der mich bat beziehungsweise aufforderte morgen vor der Hochzeit etwas früher da zu sein. Ich bekam nicht einmal mit warum, sagte einfach zu.
Als wir später den Kuchen aßen, warf ich Paul immer noch kurze Blicke zu und fragte mich, was genau das gewesen war.
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