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Noch eine Young

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Lahote Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
37.547
7
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Dieses Kapitel
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13.01.2019 1.846
 
"Mommy," die kleine Königin sah mich mit großen, dunklen Kulleraugen an, "Wieso sind Dad und Quil Wölfe?" Ich schaute zu Embry und dem Anderen, die kein bisschen geschockt wirkten, wenn überhaupt leicht verdutzt: "Das würde ich auch gerne wissen!"

Mir kam es wie eine Ewigkeit vor, in der dieser Embry und der Dritte sich ansahen. Entweder sie kommunizierten mit Blicken, konnten telepathisch miteinander reden oder sahen sich einfach nur ratlos an. Ihren Gesichtsausdrücken nach war es eine Mischung aus allen drei Aspekten. Da die beiden ganz offensichtlich entweder nicht mit der Sprache rausrücken wollten oder nicht wussten, wo sie anfangen sollten, setzte ich einfach mal auf letzteres und begann mit der Fragerei: „Seid ihr alle … Wölfe? Wieso so groß? Woher kommt das? Wird es übertragen? Wieso zum Teufel hat mir niemand etwas davon gesagt? Kann mir irgendjemand mal Statistiken hinsichtlich der Gefahrenwahrscheinlichkeit vorlegen? Wie lange schon?,“ ich hielt Claire die Ohren zu, „Und wen von den beiden müssen wir später begraben? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sam überlebt? Und der Verstorbene … Was wird als Todesursache angegeben? Oder wird er einfach verscharrt? Muss ich jetzt meinen Sparten rausholen? Und was passiert mit uns, jetzt da wir davon wissen? Außerdem …“ „Wow, ganz ruhig,“ unterbrach mich Embry, „Keiner wird sterben! Und euch passiert ganz sicher nichts!“ Ich warf ihm einen misstrauischen Blick zu: „Gibst du mir das Schriftlich?“ Embry hob die Hände, als wolle er zeigen, dass er keine Waffen hatte: „Wenn du dich dann besser fühlst gerne.“ Er nahm einen Heftzettel und einen Kulli von einer der Theken. „Wenn du schon dabei bist, ich brauche auch eine Augenbinde,“ erklärte ich und nahm die Hände von Claires Augen. Ich kniete mich hin, um mit der kleinen Königin auf Augenhöhe zu sein: „Weißt du noch, als Omi Tatort gesehen hat? Da haben wir dir die Augen zugehalten, weil das nichts für kleine Königinnen ist. Das hier ist jetzt genauso.“ Claire wirkte eher genervt, als beunruhigt. Ich warf dem Dritten einen kurzen Blick zu, den er aber zu verstehen schien, denn er entfernte sich mit hochgezogener Augenbraue von uns. Embry reichte mir ein Stückstoff und den Haftzettel. Ich verband Claire die Augen, die das Ganze mit königlicher Gelassenheit über sich ergehen ließ. Danach warf ich noch einen kurzen Blick auf den Zettel oder tat zumindest so. Das Fach der dritten Theke von links war schnell aufgerissen, die Schrotflinte noch schneller gezückt und auf die zwei vermeintlichen Werwölfe gerichtet. „Wow,“ Embry riss die Arme hoch, während der Dritte bloß starrte, als hätte ich mich soeben von einer Comedy-Einlage in eine ernstzunehmendere Rolle verwandelt, „Woher wusstest du, wo die versteckt war?“ Ich zuckte mit den Schultern, zielte aber weiterhin auf die beiden: „Ich kenne Sam. Früher war es ein Running-Gag, dass er seine Waffe immer am selben Ort versteckt. Und ich kann und werde schießen, wenn ihr euch das fragt.“ „Wir tun euch nichts,“ versicherte Embry. „Ihr seid vielleicht Werwölfe! Und ich kenne euch nicht einmal!,“ eher würde ich wegen Mordes ins Gefängnis gehen, als zuzulassen, dass irgendwer meiner kleinen Königin etwas antat. Würde es nur um mich gehen, wäre das ganze sehr viel friedlicher verlaufen. Aber das tat es nicht. Es ging um Claire und sie war das Wichtigste überhaupt. Ich wollte die beiden gerade dazu auffordern, mir endlich zu erklären, was los war, als der, dessen Namen ich vergessen hatte, meinte: „Wir sind keine Werwölfe. Vollmond, Silber und so was, ist nicht. Wir können uns einfach in Wölfe verwandeln.“ So wie er es sagte, klang es nach dem natürlichsten der Welt: „Gestaltwandler?“ „Wenn du es so nennen willst,“ er zuckte lässig mit den Achseln, als wäre es kein großes Ding mit einer Schrotflinte bedroht zu werden. „Du hast „Wir“ gesagt, wen genau meinst du damit?,“ wollte ich wissen. „Ich, Embry, Sam, Quil, noch ein paar andere Typen, die du alle nicht kennst,“ er runzelte die Stirn, „Wir sind zu Acht!“ „Seit wann,“ fragte ich. „Die meisten seit diesem Jahr,“ Embry schien die Schrotflinte noch immer nicht geheuer zu dein, „Sam war der Erste.“

Und so erzählte sie mir eine vollkommen surreale Geschichte. Ich kannte die Quileute-Legenden, aber das sie wahr sein sollten … Ich hätte es nicht geglaubt, wenn ich es nicht gesehen hätte. Sobald sie zu dem Teil mit den Beschützern und kalten Wesen kamen, nahm ich die Schrotflinte runter. Claire durfte auch die Augenbinde wieder abnehmen, als ich sie verstaut hatte. Die beiden hätten das Blaue vom Himmel lügen können, aber alles … passte irgendwie. Außerdem hätte es niemand geschafft in solch kurzer Zeit eine so allumfassende Geschichte zu erfinden. Und selbst wenn dem so gewesen wäre, wäre er spätestens dann aufgeflogen, wenn er bei einigen Fragen länger nachdenken müsste. Aber um sicher zu gehen, fragte ich einiges zweimal und alles schnell hintereinander, so dass ich mir am Ende sicher sein konnte, dass ihre Geschichte wirklich der Wahrheit entsprach.

„Sam hat vorhin geschrien, „Du hast dich auf meine Tochter geprägt?“. Was soll das heißen, „geprägt“?,“ mittlerweile saßen wir alle an dem Küchentisch und aßen, die Kekse, die Emily da gelassen hatte, wobei Claire sich nicht mehr für unsere Unterhaltung zu interessieren schien. Sie malte lieber. „Es ist …,“ Embry wedelte in der Luft nach Worten, „ als würde sich alles in deinem Inneren auflösen. Alles, was dich mit deinem Leben verbindet, alles was dich ausmacht, fliegt davon wie eine Wunschlaterne. Aber du bleibst nicht allein zurück. Du wirst von etwas Neuem gehalten. Von ihr. Wenn du dich prägst, dann dreht sich alles nur noch um sie. Dann ist es nicht mehr die Erdanziehungskraft, die dich hält, wo du stehst. Es ist sie, die Eine, auf die du dich geprägt hast. Sie ist die Erdanziehung, der Mittelpunkt des Universums, einfach alles.“ Die Worte schienen zu groß für die kleine Küche, sogar zu groß für jeden Verstand, der das nicht selbst erlebt hatte. „Hast du dich auch geprägt?,“ immerhin musste ich meine Quellen überprüfen. Embry schüttelte den Kopf: „Wir haben dir doch von der Wolfs-Telepathie erzählt …“ Ich nickte nachdenklich. Die kleine Königin war also Quils Mittelpunkt des Universums? Für ihn musste die Prägung furchtbar sein. Einfach alles, was einem wichtig war, was einen ausmachte, zu verlieren … Nur, um nur noch für eine Person da zu sein. Er hatte zwar nicht unglücklich gewirkt, aber wie sollte er auch, wenn nur noch Claire für ihn wichtig war? Wenn ich so darüber nachdachte, hatte die kleine Königin es nicht schlecht getroffen. Jemanden, der jede Entscheidung nur zu ihren Gunsten traf, der einfach alles für sie tat, weil sie sein Mittelpunkt war … Ehrlich gesagt war das das Beste, was ihr passieren konnte. Und für sie würde es vollkommen normal werden, weil sie damit aufwuchs. Sie würde vermutlich niemals ein schlechtes Gewissen deshalb haben. Aber … „Wieso war Sam so wütend darüber,“ wollte ich wissen. „Quil ist der Erste … äh der sich auf ein Kleinkind geprägt hat. Sam wusste nicht, dass Quil nicht … also … ich meine, dass Quil Claire nicht …,“ Embry wusste wohl nicht, wie er es formulieren sollte. „…so liebt wie Sam Emily liebt,“ unterbrach der andere Gestaltwandler Embrys Gestottert. Mittlerweile wusste ich auch seinen Namen, Paul. Ich riss die Augen auf: „Oh,“ daran hatte ich gar nicht gedacht. Ich dachte, weil Claire noch so klein war, würde das gar nicht zur Debatte stehen. Ich beugte mich vor und fixierte Embry, der Quil besser zu kennen schien: „Tut er?“ „Was,“ rief Embry, „Nein! Er liebt sie und würde alles für sie tun. Quil würde niemals …“ Paul lachte: „Du ziehst ein besseres Mördergesicht als ich!“ Da Embry wirklich wenig Ähnlichkeit mit einem Mörder hatte, war wohl ich gemeint. „Ich hoff mal das war als Kompliment gemeint,“ brummte ich. „Darauf kannst du wetten,“ er grinste mich an. Für ein paar Sekunden starrten wir uns einfach nur an. Ich schüttelte den Kopf und wechselte schnell das Thema: „Und ihr heilt wirklich so schnell, dass so ein Kampf euch nicht viel ausmacht?“ Embry nickte: „Genau.“ Ich konnte mir das kaum vorstellen. „Willst du eine Kostprobe,“ protzte Paul. Ich hob die Hand: „Nein danke.“ Sams Gesichtsausdruck nach würde er Quil in kleine Fetzten zerreißen. Gut, wäre ich ein Wolf und würde denken, dass Quil sich an meine Tochter ranmachen würde … Eigentlich konnte er von Glück reden, dass Sam mit ihm da draußen war. Aber wenn Quil als kleine Fetzen über den Waldboden verteilt war … setzte er sich dann wieder zusammen? Ihh. Das klang alles andere als Appetitlich. Und irgendwie nach den kalten Wesen, was es auch nicht besser machte. Innerlich schüttelte es mich. „Und wer weiß alles … davon,“ erkundigte ich mich. „Die meisten unserer Eltern,“ Paul warf Embry einen kurzen Blick zu, also wussten es dessen Eltern nicht, „Sie waren live dabei als ihre Opas sich verwandelt haben. Ansonsten dürfen es nur die wissen, auf die sich ein anderer Wolf geprägt hat.“ „Sam ist auf Emily geprägt,“ mutmaßte ich, „Und sie weiß, dass ihr … Wölfe seid.“ Embry nickte. Ich rutschte unruhig auf meinem Stuhl herum: „Und ihre Narben …?“ Die beide zogen düstere Gesichter: „Es ist nicht ganz ungefährlich mit Wölfen zusammen zu leben. Du hast ja vorhin gesehen, wie schnell es passieren kann, dass einer die Kontrolle verliert.“ Ich schwieg, aber das sprach wohl Bände. „Aber von uns würde besser gesagt könnte niemand Claire absichtlich etwas antun,“ versicherte Embry schnell. Dieses „absichtlich“ bereitete mir doch etwas Sorgen. „Wie oft kommt es vor …,“ begann ich, aber Embry unterbrach mich, bevor ich zu ende reden konnte: „Selten. Die meisten haben sich sehr gut unter Kontrolle,“ dabei warf er Paul einen kurzen Blick zu. Ich rückte von ihm ab. Er lachte. „Sam vor allem,“ fuhr Embry fort, „Nach der Sache mit Emily … Er wollte so etwas nie wieder. Und das ist auch das erste Mal, dass er seitdem die Kontrolle verloren hat.“ Das mit Quil und Claire war ja auch keine Kleinigkeit, wie oft würde so etwas schon vorkommen? Jetzt da die Prägung passiert war, nicht mehr. Es sei denn irgendetwas anderes würde ihn so sehr aufregen, dass er buchstäblich explodierte. Bei Quil machte ich mir weniger Sorgen, immerhin war er auf die kleine Königin geprägt. Irgendwie schräg. In meiner Vorstellung war Quil vom gruseligen, Kindermissbrauchendem Stalker zum untergebensten Diener geworden. Manoman La Push war echt verrückter als es den Anschein hatte. „Und was macht ihr wegen den kaputten Türen,“ fragte ich und deutete auf das, was einmal ein Türrahmen gewesen war. „Mein Dad ist Schreiner, der kriegt das schon hin,“ Paul verschränkte entspannt die Arme hinter dem Kopf. Ich war mir nicht so sicher ob schreinern bedeutete, dass man Türrahmen wieder hinbekam. Aber vielleicht hatte sein Dad so was öfter vorgeworfen bekommen. „Und wie lange bleiben zwei Kämpfende Wölfe normalerweise weg,“ wollte ich wissen, während ich an einem der Schokokekse knabberte. Embry und Paul setzten sich aufrecht hin: „So wie es sich anhört, jetzt.“ Draußen fluchte Jemand: „Das hat mir gerade noch gefehlt!“ Vermutlich war der zerstörte Türrahmen gemeint.

Vielen allerherzlichsten Dank für eure lieben Reviews und die Favoriten-Einträge und entschuldigt bitte, dass ich dies nicht früher gesagt habe. Ich war so ins Schreiben vertieft, dass ich gar nicht mehr daran gedacht habe.
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