Noch eine Young

GeschichteRomanze, Familie / P12
Claire Young Emily Young Leah Clearwater Paul Quil Ateara Sam Uley
07.01.2019
15.07.2019
30
37098
7
Alle Kapitel
36 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Ich versuchte gerade die richtige Ausfahrt zu entdecken. Es war bereits eine ganze Weile her seit ich das letzte Mal in La Push gewesen war. Auch wenn Neah Bay nicht weiter als 80 km entfernt lag. Aber der Grund war sowieso nicht die Entfernung. Der Grund saß auf dem Rücksitz, spielte mit seinen Haaren, summte leise eine mir unbekannte Melodie und hörte dem Hörbuch Peterson und Findus scheinbar nur mit halbem Ohr zu.
Meine dreijährige Tochter, Claire, brauchte 24 Stunden am Tag meine Aufmerksamkeit, um nicht irgendwelche Dummheiten anzustellen. Ich hingegen brauchte die restlichen 10 Minuten, die wir für die Fahrt benötigen würden, um mich seelisch auf das Ankommen vorzubereiten.
Erst die Hochzeit meiner ein Jahr älteren Halbschwester Emily konnte mich wieder zurück nach La Push locken. Das und das schlechte Gewissen, das mich, seit ich von der Verkündung ihrer Verlobung gehört hatte, verfolgte.                  
Ich hatte fünf ältere Halbgeschwister und war selbst das einzige uneheliche Kind, woran die Ehe meines Vaters mit Lilian, quasi meine Stiefmutter, beinahe gescheitert wäre. Bis heute fragte ich mich, wie sie es geschafft hatten, trotz der Tatsache, dass ich existierte, zusammen zu bleiben. Jedenfalls hatte diese Tatsache mich bei meiner Mutter Thalita wohnen und aufwachsen lassen. Wodurch ich von meinen übrigen Geschwistern weitestgehend isoliert war. Für mich waren sie eher weit entfernte Verwandte als Halbgeschwister, obwohl wir in dem selben kleinen Ort wohnten und sie alle eigentlich sehr freundlich waren. Aber ehrlichgesagt glaubte ich, dass sie Mom und mich, freundlich ausgedrückt, für ziemlich freizügig hielten. 1) war Mom 10 Jahre jünger als Dad und hätte beinahe die Ehe von Joseph und Lilian Young zerstört indem sie mit mir, Daniela Young, schwanger geworden war. Und 2) war ich gerade einmal achtzehn Jahre alt, hatte eine dreijährige Tochter und wollte niemandem verraten, wer der Vater war.
In dieser Tatsache gründete mein schlechtes Gewissen. Es war bereits ein halbes Jahr her seit ich von Emilys Verlobung mit Sam Uley gehört hatte. Obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass mich die Nachricht als letztes erreicht hatte. Damals hatte das schlechte Gewissen begonnen. Ich hatte mir eingeredet, dass es nicht so schlimm war und noch aufgeschoben werden konnte. Aber jetzt heirateten sie.
Mein Timing war wirklich miserabel.
Die Hochzeit sollte nur unter Familie und Freunden stattfinden, aber wie weit diese Begriffe in einem äußerst kleinen Städtchen wie La Push oder Naeh Bay gedehnt werden konnten, dürfte lustig werden. Ein paar reisten erst in vier Tagen an, am Tag der Hochzeit. So auch Mom. Aber ich hatte ja noch etwas zu klären…
Und ich wollte Claire den La Push Strand zeigen und ihr Zeit zur Eingewöhnung lassen. Ich machte mir ein bisschen Sorgen, wie sie auf so viele neue Gesichter auf einen Schlag reagieren würde. Klar, Claire hatte mehr Selbstbewusst sein, als gut für sie war, aber bei so vielen fremden Menschen auf einmal wäre selbst sie eingeschüchtert. Zumal wir ehr zum Schwarze-Schafe-Familienstrang gehörten. Mom hatte es schon überrascht, dass wir überhaupt eingeladen worden waren, aber ich hatte es eigentlich schon vorausgesagt. Immerhin redeten wir hier von Emily.
Wir hatten sogar gewettet und jetzt musste Mom eine Woche lang das Claire-zu-Bett-bringen übernehmen. Das bei einem Kind, das lieber rumtobte als ruhig dazuliegen manchmal zu einer echten Qual werden konnte. Deshalb musste man vor dem Schlafengehen unendlich lange Spaziergänge mit Claire unternehmen, da sie ansonsten nicht müde wurde. Wie aufs Stichwort meldete sich die kleine Königin vom Rücksitz zu Wort: „Mom! Wann sind wir da?“ Sie sagte es mit diesem quengeligen Claire-ist-Langweilig-Ton, den ich öfter zu hören bekam, als mir lieb war.
„Wir sind gerade auf dem Ocean-Drive,“ erklärte ich, „Das bedeutet es dauert nur noch zwei Minuten, bis wir im Hotel ankommen.“ Emily hatte jeden Eingeladenen gefragt, wann er ankam. Und den frühsten Geschwistern angeboten, bei ihr und Sam zu wohnen. Ich hatte jedoch dankend abgelehnt. Immerhin war ihr Häuschen nicht sonderlich groß und ich wollte nicht noch mehr zur Last fallen, als ich es ohnehin tun würde. Emily hatte es sich sowieso zur Aufgabe gemacht, alle Neuankömmlinge bei Kaffee und Kuchen zu begrüßen. Jeden Tag, wenn wieder neue Gäste eintrudelten, wurden die an dem Tag angekommenen zu dem Brautpaar eingeladen. Mit anderen Worten: Wir wurden um 15Uhr bei Sam und Emily erwartet. In dem Moment erstreckte sich vor uns auch schon das Ocean Side Resort, wo wir die nächsten Tage unterkommen würden. Claire kibbelte schon auf ihrem Kindersitz herum, weshalb ich einfach den erst besten Parkplatz nahm. Ich fragte erst gar nicht, ob Claire mit zum Check-in kommen wollte. Ich kannte die Antwort schon. Nachdem ich den Motor ausgestellt und mir meine Tasche umgehängt hatte, stieg ich aus, öffnete die hintere Autotür und half Claire aus ihrem Kindersitz. Die kleine Königin konnte sich mit einiger Anstrengung auch selbst abschnallen, ließ aber lieber mich die Drecksarbeit machen. Wenn ich nicht so nervös wäre, würde ich es sie selber machen lassen. Immerhin war sie viel zu verwöhnt. Ein kleiner Nachteil, wenn man bei seiner Omi wohnte.

Wir bekamen unsere Schlüssel sehr schnell, da es keine lange Schlange gab. Wir teilten uns eine kleine Holzhütte mit zwei Studenten, die dem Anschein nach, ihre Ferien hier verbrachten. Auch wenn mir schleierhaft war, was sie den groß in La Push erleben wollten. Die Badezimmer waren getrennt und die Küche in zwei Hälften unterteilt, die niemand von uns wiederrechtlich überqueren würde. Wie sich nach dem ersten Gespräch herausstellte. Claire war glücklich zwei neue Menschen kennen zu lernen und quetschte sie aus. Für eine Dreijährige war sie ziemlich gut darin, zu bekommen was sie wollte. Zumal ihr Wortschatz größer war, als bei anderen. Da machten sich die vielen Lernspiele bemerkbar. Besonders der Stunden, der sich uns als Ian Sanz vorgestellt hatte, schien von der kleinen Claire fasziniert zu sein, obwohl er mich mit skeptischen Blicken bedachte. Offensichtlich konnte er nicht so wirklich glauben, dass Claire meine Tochter war. Wir verabschiedeten uns aber auch schon bald, weil wir zu Emilys Treffen mussten. Claire schien jetzt, da sie nicht mehr an einen Kindersitz gefesselt war, auch wieder bessere Laune zu haben. Wir spielten, ich sehe was, was du nicht siehst, auf dem Weg zu Emily und Sams zu Hause. Zumindest bis Claire wissen wollte, zu was für Leuten wir eigentlich gingen. Also erzählte ich ihr von Emily. Das sie immer gute Laune zu haben schien, unglaublich geduldig und fürsorglich war und belehrte Claire noch einmal, dass sie sie ja nicht auf die Narben in ihrem Gesicht ansprechen sollte. Als sie nach den anderen fragte, konnte ich bloß mit den Schultern zucken. Ich konnte ihr nur vom ernsten Sam erzählen, da ich nicht genau wusste, wer noch da sein würde. Als wir von dem unbefestigtem Schotterweg endlich zu dem kleinen Häuschen mit der blauen Tür kamen, erblickte ich sogleich einen großen Holztisch, den irgendjemand vor dem Haus aufgestellt hatte, um alle Gäste unterzubringen. Ich entdeckte ein paar Verwandte aus Neah Bay, musste aber feststellen, dass keine Kinder in Claires Alter anwesend waren. Wir waren nur noch ein paar Schritte von den Anwesenden entfernt und Claire musterte bereits begeistert den Kuchen, als ein 2 Meter großer Kerl auf einmal mit ausgebreiteten Armen auf mich zukam. „Nela! Es ist echt lange her,“ erst als ich seine Stimme hörte, erkannte ich Sam. Bevor er bei mir angekommen war, wurde er allerdings von Claire gestoppt, die ihn skeptisch musterte. „Bist du Sam,“ sie durchbohrte ihn mit einem fragenden Blick, den jeder Detektiv nicht besser hätte aufsetzen können. „Ja und du Kleine,“ er beugte sich zu ihr runter, vermutlich, um sie nicht einzuschüchtern. Aber Claire wirkte alles andere als eingeschüchtert. „Das ist Claire,“ weitere Erklärungen würde ich später unter vier Augen abgeben, „Schön dich zu sehen, Sam.“ Ich ließ mich einmal von ihm drücken, wobei ich feststellen musste, dass ich ihm nicht einmal bis zu den Schlüsselbeinen reichte und Sam wärmer war als ein Backofen. Er war echt gewachsen. „Was machst du denn hier,“ wollte der Riese wissen. Eigentlich sollte es mich nicht überraschen, ich wurde oft unter den Tisch fallen gelassen: „Ich bin Emilys Halbschwester.“ „Oh,“ meinte er und das klang eher entschuldigend. Dann warf er Claire noch einen Blick zu und meinte noch einmal: „Oh.“ Die kleine Königin war bereits auf den Esstisch zugeschritten und redete mit Tante Jamila. „Äh … Sam können wir später noch mal unter Vier Augen reden,“ ich biss mir nervös auf die Innenseite der Wange. Er wirkte ein wenig perplex, antwortet aber: „Klar.“ Ich lächelte ihm noch kurz zu, ehe ich Emily suchte, um sie zu begrüßen und mich für die Einladung zu bedanken.
Review schreiben