Harry Potter Geschichtenkalender 2019

GeschichteAllgemein / P16 Slash
07.01.2019
19.08.2019
34
45921
13
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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Autor: Teddy Lupin
Typ: OS
Genre: Familie, Romanze
Rating: P6
Hauptpersonen: Remus Lupin, Nymphadora Tonks

~*~


„Es ist kalt, weißt du.“
Remus musste nicht aufsehen, um ihre Stimme zu erkennen, noch bevor sie sich neben ihn setzte. „Deshalb solltest du nicht hier draußen sein“, antwortete er und sah sie an. Sie hatte die bunte Decke von Molly um sich gewickelt.
„Aber du?“ Sie zog fordernd eine Augenbraue hoch. Er seufzte. „Dora - “
„Mal ganz abgesehen davon, dass es auch noch gefährlich ist hier draußen herumzusitzen, mitten in der Nacht. Die Schutzzauber wirken hier noch, aber wenn Mad-Eye dich sehen könnte – “
„Wenn Mad-Eye mich sehen könnte, wären die Todesser meine geringste Sorge. Er hätte mich sowieso schon längst umgebracht für meine letzte dumme Idee.“
„Warum habe ich mir gedacht, dass es wieder darum geht?“, sagte Tonks. Sie rutschte etwas näher zu ihm, legte einen Teil der Decke um seine Schultern und hakte sich bei ihm unter. „Ich schwöre dir Remus, wenn du noch einmal einfach so abhaust, dann – “
„Dann ist es ja gut, dass ich das nicht vorhabe“, sagte er und lächelte sie schwach an. Sie musterte ihn einen Moment aufmerksam, als wolle sie einen Zweifel finden, offenbar erfolglos, denn nach ein paar Augenblicken erwiderte sie sein Lächeln und legte den Kopf auf seine Schulter. „Gut.“
Eine Weile schwiegen sie beide. Sie sahen auf in den Himmel. Es war Halbmond, die beste Zeit des Monats für Remus. Die Wunden der letzten Verwandlung waren normalerweise gänzlich verheilt, doch die Nächste war noch weit genug entfernt, dass er es vermied sich schon darüber zu sorgen.
Um den Mond hingen graue Wolken am Himmel, die Regen für den nächsten Tag versprachen und kalter Wind raschelte in den Bäumen. Hin und wieder sprang ein Kaninchen über die Wiese oder ein kleiner Fuchs schlich am Waldrand entlang. Es war ein friedliches Bild, so friedlich, dass man fast den Krieg, der um sie tobte, vergessen konnte. Fast.
„Woran denkst du?“, fragte Tonks leise.
Er schwieg einen Moment. Er sollte sie nicht mit seinen Gedanken belasten, nicht jetzt. Doch sie konnte nicht viel anders denken, sie musste sich auch Sorgen machen. Und sie wollte, dass er mit ihr sprach. Das hatte sie sehr deutlich gemacht, als er zurückgekehrt war. Und er wollte ja auch mit ihr sprechen, nur manchmal… Manchmal dachte er nicht darüber nach. Manchmal hatte er zu viel Angst, um nachzudenken, manchmal war er zu sehr in Panik, manchmal hatte er zu viele Probleme mit sich selbst. Und manchmal war genau das das Problem. Und sie war trotzdem da, sie saß trotzdem neben ihm, sie liebte ihn trotzdem…
„Dass ich dich liebe“, flüsterte er, drehte den Kopf und küsste sie auf die Stirn. „Und dass ich gerne noch hier sein würde, wenn er seinen ersten Schritt macht…“
Sie richtete sich auf und sah ihn an, doch er hielt seinen Blick auf einen Gnom, der in einiger Entfernung versuchte sich aus seinem Loch herauszuziehen.
„Das wirst du“, sagte sie. „Du wirst alles erleben und du wirst ein wunderbarer Vater werden. Das weiß ich.“
„Das kannst du nicht wissen, Dora“, entgegnete er und sah ihr jetzt doch in die Augen. „Jeder von uns könnte jederzeit sterben. Wie Dumbledore, wie Mad-Eye, wie Sirius. Die Todesser könnten morgen Potterwatch stürmen - es muss nur einer von uns einen kleinen Fehler gemacht haben – und ich wäre einfach tot. Dann würde ich nicht einmal seinen ersten Atemzug miterleben.“
Vielleicht war sie nicht sicher, was sie darauf antworten sollte. Es war die Wahrheit. Vielleicht dachte sie auch über all die Toten Freunde nach, die er aufgezählt hatte, doch sie schwieg eine Weile.
„Ich weiß“, flüsterte sie. „Ich habe auch Angst, aber… Ich weiß nicht, ich versuche nicht daran zu denken. Wir können nicht noch vorsichtiger sein, ohne nichts zu tun – “
„Das kann ich auch nicht, ich habe zu viele Freunde sterben sehen, schon beim ersten Mal und –“
„Ich habe auch nicht gesagt, dass wir das sollten.“ Das brachte ihn zum verstummen. „Wir haben uns hierfür entschieden, oder? Ich meine, als wir zum Orden gegangen sind. Wir wollten doch kämpfen, damit das hier alles endlich aufhört, damit andere keine Angst mehr haben müssen… Unser Baby soll auch keine Angst haben müssen und wenn wir dabei sterben sollten – “
„Du wirst nicht sterben“, warf er hastig ein.
„Wenn wir dabei sterben sollten, dann haben wir wenigstens alles versucht, oder? Und vielleicht war es ja dann genug, Harry… Weiß sicher, was er tut. Dumbledore hätte ihn – uns alle – nicht einfach so zurück gelassen.“
Remus seufzte. Dumbledores Tod war ein Thema, das sie viel diskutiert hatten und beide bei ihrer Meinung blieben. Remus glaubte, dass Snape sie alle verraten hatte. Er wusste nicht, wie sich Dumbeldore so hatte irren können, doch jeder konnte Fehler machen. Normalerweise kosteten Fehler einen nicht das Leben, doch… Und Dora glaubte, dass mehr dahinter stecken musste, dass es für Dumbledore zumindest nicht zu überraschend gewesen war oder dass er für den Notfall die wichtigsten Hinweise für Harry zurück gelassen hatte. Er hatte auch schon über so etwas nachgedacht, doch er hatte schon einmal erlebt, wie ein Freund zum Verräter wurde.
Aber das wollte er nicht jetzt diskutieren. „Ich will nicht sterben“, gestand er. „Ich würde es, natürlich, wenn es hilft, aber… Ich will nicht. Ich möchte noch lange bei dir sein und ich möchte unser Baby aufwachsen sehen und ich möchte noch eine Welt ohne Lord Voldemort sehen.“
„Das möchte ich auch gerne, Remus“, sagte sie und küsste ihn. Danach schwiegen sie wieder eine Weile und starrten in die Nacht hinaus. Ein Windstoß fegte ihnen entgegen und ein Schauer lief ihm über den Rücken. Tonks neben ihm zitterte und zog die Decke enger um sich.
„Komm, wir gehen rein.“ Remus stand auf und streckte ihr seine Hand entgegen, um ihr aufzuhelfen. „Ich will nicht, dass jemand behaupten kann ich wäre verantwortungslos, weil ich zulasse, dass meine schwangere Frau sich erkältet, wenn sie mitten in der Nacht mit mir vor dem Haus sitzt.“
Tonks lachte, als sie wieder das warme Haus betraten. „Oh ich denke man könnte dir einiges anderes viel besser vorwerfen.“ Er schüttelte lächelnd den Kopf, als sie sich wieder ins Bett legte und unter die Decke kroch. „Da hast du wohl Recht“, sagte er und legte sich zu ihr. Sie lagen eine Weile in ihrem dunklen Zimmer, nur der Mond warf hin und wieder etwas Licht durch einen Spalt in den Vorhängen am Fenster.
„Ich habe Lily damals gesagt, dass es unvernünftig ist“, sagte er irgendwann.
„Mh?“, fragte sie müde und er fühlte sich sofort schuldig. Hatte sie schon geschlafen? Einen Moment dachte er daran, einfach zu schweigen und zu hoffen, dass sie wieder einschliefe, doch dann entschied er sich anders.
„Als sie mir erzählt hat, dass sie schwanger ist… Ich habe als erstes gesagt, dass es unvernünftig ist.“
Sie drehte den Kopf zu ihm und er konnte schemenhaft erkennen, dass sie lächelte. „Das scheint deine Standard-Reaktion auf solche Neuigkeiten zu sein.“
Er sollte nicht lächeln, er sollte sich noch immer schämen, doch er konnte nichts dagegen tun. Sie hatte wahrscheinlich Recht. Vielleicht machte er sich zu viele Sorgen. Vorsichtig hob er seine Hand und legte sie auf ihren Bauch, fuhr mit seinem Daumen sanfte Kreise.
„Ich dachte nicht, dass ich auch einmal so unvernünftig sein würde.“
„Und es ist gar nicht so schlimm, oder?“ Er konnte das müde Grinsen aus ihrer Stimme hören.
„Nein“, sagte er. „Ganz und gar nicht. Es ist wundervoll.“
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