Bennett

von KatMorgan
GeschichteRomanze, Thriller / P18
07.01.2019
03.02.2019
2
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Das Haus war weder schön noch besonders groß. Eingeengt stand es zwischen zwei weiteren massigen Häusern, die mindestens genauso hässlich waren. Michael kam innerhalb einer Minute durch die schlecht abgesicherte Eingangstür und stand dann in einem dunklen, steinernen Treppenhaus, in dem es typisch für solche Häuser nach feuchtem, kaltem Keller roch. An der Wand hingen neun Briefkästen, aus zweien quellte die Post heraus wie das Harz verletzter Bäume. Er wusste dass ihm keiner gefolgt war, dennoch wollte er so schnell wie möglich in die sichere Wohnung. Die Schusswunde an seiner Schulter brannte, als hätte man Spiritus darin angezündet. Irgendeiner musste ihm das Geschoss entfernen, bevor er endgültig den Verstand verlor. Er hatte eine Woche lang nicht geduscht, über seinen Anzug wollte er gar nicht reden. Michael konnte nur inständig hoffen, dass sie, seine einzige Hoffnung, ihn nicht an das Büro der Geheimorganisation verriet und er dann zu hundert Prozent tot sein würde. Innerhalb von Stunden wahrscheinlich.
 Im ersten und im zweiten Stock fand er ihren Namen an den Klingeln nicht. Hinter diesen Türen erwartete er alte Ehepaare, die sich schon lange nichts mehr zu sagen hatten. Den ganzen Tag über in einem abgewetzten Sessel saßen und vielleicht zur Abwechslung mal Fernsehen schauten als nur die Tageszeitung zu lesen. Im nächsten hatte er dann wirklich Glück. Er fand die Wohnungstür und als er versuchte das Schloss zu knacken, kam er auch unerwartet gut voran. Wurde eine Mitarbeiterin des Dienstes nicht besser geschützt? Sein Haus war voller Mätzchen, die keinem erlaubten auch nur einen unbeobachteten Schritt auf dem Grundstück zu machen. Das hier war nichts und in seinen Augen eine große Sicherheitslücke. Was wenn ein Feind nach einem Loch sucht und es hier findet?
Keiner der Hausbewohner hatte ihn gesehen und er war wirklich leise in die Wohnung der Angestellten gekommen. Hier war es genauso dunkel wie in dem Treppenhaus. Er hörte weder einen Fernseher, noch ein Radio, noch Stimmen. Langsam bewegte er sich durch den schmalen Flur. An einer schiefen Garderobe hingen drei Jacken. Die eine war rot kariert und gefiel ihm ziemlich gut. Er lächelte über seinen Gedanken. Wenigstens hatte er jetzt mal gelacht. In der Küche war niemand. Außer einem ziemlich großen durcheinander, was selbst in der Dunkelheit gut zu erkennen war. Der kleine Esstisch war vollbepackt mit Unmengen von Papier, was er sonst nur von den Sekretärinnen seiner Chefin kannte. Durch die Küche konnte man in das Wohnzimmer schauen. Das einzige, was hier aufgeräumt schien, war das riesige Regal an der Wand über dem Fernseher. In jedem der vielen Fächer lagen Steine in verschiedenen Größen, Farben und Formen. Am Tag sah es wahrscheinlich noch schöner aus als jetzt in der Dunkelheit der Nacht. Ihr Wohnzimmer war ein wenig spartanisch eingerichtet, bis auf die vielen Steine und was sonst noch so herumlag. Klamotten waren anscheinend ebenso vertreten wie Zeitschriften. Als er in das Schlafzimmer schaute musste er wieder ein wenig lächeln. Kat Malarkeys Bein hing über der Bettkante, ihre Arme lagen komisch verschränkt über ihrem Kopf. Die Decke war halb runtergerutscht und entblößte ihre langen Beine. Ein wenig höher und die Fantasie in seinem Kopf hatte nicht mehr ganz so viel zu tun gehabt. Es stellte sich für ihn jetzt eine Frage. Wie konnte er es anstellen, dass sie nicht einen Herzinfarkt bekam wenn plötzlich ein Mann in ihrer Wohnung saß? Er ging zurück in die Küche und suchte nach einem Zettel und Stift. Er hatte eine ja Menge Auswahl.