Bennett

von KatMorgan
GeschichteRomanze, Thriller / P18
07.01.2019
03.02.2019
2
1314
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
„Shit“
Die Milch lief von dem klapprigen Esstisch runter und tropfte gemächlich auf den hässlich gefliesten Küchenboden. Einige ihrer Aufzeichnungen auf Papier verschwammen zu einer grauen Einheit des Unnötigen.
„Also ich weiß ja nicht, Kat. Meiner Meinung nach bist du viel zu überarbeitet! Diese ganzen Steine und der Staub. Ich wette, sie stören deinen Schlaf oder so. Im Gehirn. Nicht wahr?“, plapperte Kat Malarkeys Freundin weiter durch das Telefon.
Ihm Hintergrund konnte Kat ein Kind quaken hören. Jason, der dreijährige, hyperaktive Sohn von Olivia. Wenigstens schrie er nicht so rum wie beim letzten Telefonat. Wenigstens das.
„Der Staub?“, echote Kat beiläufig. Sie klemmte sich den Hörer zwischen Kopf und Schulter und riss sich einige Küchentücher ab. Sie ließ sie notdürftig auf die sich ausbreitende Milchpfütze fallen.
„Ich weiß, ich bin kein Arzt, sondern eine gute Sekretärin bei einer Werbeagentur. Aber du glaubst nicht wie viel schlaue Sachen in der Cosmopolitan stehen! Und so viel über die Gedanken der Männer! Wahrscheinlich haben das sogar Männer geschrieben, die Sehnsucht nach dem Verständnis von Frauen haben.“ Sie lachte. „Das solltest du auch mal lesen, Kat. Hol dir das Abonnement, damit es bei dir auch mal irgendwann klappt! Das kann ja nicht ewig so weiter gehen.“
„Ist die nicht so teuer? Und immer so viel Werbung?“
„Ach was, die 6 Euro pro Stück sind gut angelegt! Und da gibt’s auch immer viele Coupons für die wichtigsten Kaufhauser der Stadt.“
„Ach so. Hör zu, ich muss auflegen. Ist ja schon spät und ich muss noch was erledigen. Bis zum nächsten Mal, Olivia.“
Kat wollte sie damit schnell abspeisen, was ihr meistens nur durch die Hilfe von Jason gelang. Doch diesmal meldete sich die kleine riesige Nervensäge nicht.
„Ja… Och man Kat, guck mal auf die Uhr. Es ist erst zwanzig vor acht! Außerdem ist morgen Samstag, da musst du doch gar nicht arbeiten! Ich hab auch noch ein wenig Zeit.“
„Bye, Olivia.“
Kat unterbrach das Gespräch hastig und legte das Telefon auf den Tisch. Mit der anderen Hand rieb sie sich das Ohr, das durch das lange Telefonieren unangenehm warm und schwitzig geworden war. Fast fühlte es sich an, als wäre der Knorpel weich telefoniert worden. Die Milch tropfte jetzt auf das völlig durchnässte Papier, was dadurch mehr als überflüssig geworden war. Im wahrsten Sinne des Wortes. Am liebsten hätte sie laut losgeschrien, aber dann hätte wieder der alte Nachbar ärger gemacht. Und das wäre zu viel des guten. Kat wollte einfach nur noch ins Bett, und gar nicht wieder aufstehen. Nicht nur der Tag war anstrengend gewesen, auch die Nacht davor hatte es in sich gehabt. Feiern und Alkohol war nicht ihr Ding.
 Nachdem sie sich noch schnell geduscht hatte schmiss sie sich ins Bett und starrte mit grimmigem Blick an die Zimmerdecke. Unzufriedenheit machte sich in ihr breit. Sie wollte wieder zurück nach Amerika. Da hatte sie in einem Forschungsinstitut der Geologie mehr Geld verdient als jetzt beim britischen Geheimdienst. Wo man doch denken könnte, dass diese Organisation genug Geld scheffeln würde. Und sie war dort die einzige Geologin in der riesigen Abteilung voll mit Geheimagenten und Männern, die denken sie wären gute Chefs. Aber doch nur als lächerliche Marionetten der Obersten agierten. Ihr müsste genau genommen viel mehr Geld zustehen, für jemanden der die ganze Arbeit allein macht. Es war kaum zu glauben, aber Kat hatte eine Menge zu tun. Mehr als in dem Institut. Was wohl auch daran lag, dass die Möchtegern-Bosse sie alles testen ließen was ging und nach Stein aussah. Auch getrockneten Kot, der ansatzweise wie ein Indiz aus Stein ausgesehen hatte.
Mit dem Gehalt was sie momentan erhielt, kam sie gerade so über die Runden. Die Wohnung, die sie sich genommen hatte, war schon nicht teuer. Aber der Geländewagen, den sie zwangsläufig brauchte, musste auch bezahlt werden. Zurück nach Amerika konnte sie nicht. Der englische Geheimdienst entließ keine Mitarbeiter, und man durfte auch nicht einfach gehen. Die Gefahr, dass irgendwelche Informationen in die Öffentlichkeit oder an die gegnerischen Agenten gelangten war zu groß. Verständlich. Kat resignierte langsam an ihrer gesamten Situation, aber was konnte sie schon tun. Die Arbeit machte ihr Spaß, sie liebte es die Gesteinsproben zu analysieren und Schlüsse daraus zu ziehen. Mit denen sie zusätzlich meistens noch recht hatte.
 Sie schlief nach einer Weile in ihrem Bett ein. Die weiß gestrichene Zimmerdecke war extrem langweilig geworden.
 Wenn sie noch eine Stunde gewartet hätte, hätte sie es mitbekommen.

******
Bald gehts weiter mit dem nächsten Kapitel :)