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OneShot-Sammlung: Morden im Norden

OneshotAllgemein / P12 / Gen
06.01.2019
10.08.2019
13
15.348
2
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06.01.2019 1.389
 
Disclaimer: Natürlich gehören die Charaktere der Serie nicht mir. Ihren Erfindern sei Dank existieren diese tollen Figuren. Ich leihe sie mir nur für diese Geschichten aus.

MiN OS Unfall

Der Wasser des Springbrunnens sprudelte und Komissar Finn Kiesewetter schloss seine Augen. Das stetige, immer gleiche Geräusch beruhigte ihn. Er atmete einmal tief durch und genoss den Moment der Ruhe nach diesem anstrengenden Tag, der nur besser werden konnte. Der Fall war gelöst. Jeden Moment würde seine Freundin Staatsanwältin Elke Rasmussen hier auftauchen und mit ihm ins Kino gehen. Es würde ein perfekter Abend werden.
Das dachte Finn zumindest... bis sein Handy klingelte.
Der Moment der Ruhe wurde zerstört.
Kiesewetter nahm das Mobiltelefon aus der Innentasche seiner Jacke und schaute auf das Display.
Er seufzte, ging allerdings schließlich ran.
"Hallo, Lars. Wie kann ich dir an meinem freien Abend behilflich sein?", fragte er genervt. Sein Chef und ehemaliger Klassenkamerade wusste doch genau, dass Finn heute ein Date mit Elke hatte. Wieso also störte er? War er etwa wieder eifersüchtig? Es war immer das selbe Theater. Finn und Elke trafen sich - Lars funkte dazwischen.
("F- Finn.")
Als der Polizist die Stimme seines Kollegen am anderen Ende der Leitung hörte, wurde er sofort ernst. Lars' Stimme... Sie hörte sich schwach und schmerzverzerrt an. Finn wusste sofort, dass Irgendetwas passiert war.
"Lars? Lars, was ist mit dir?"
Unruhig wippte Finn mit dem Fuß und wartete auf eine Antwort. Das Schweigen dauerte eine gefühlte Ewigkeit und fasst hätte Kiesewetter noch einmal gefragt, aber in dem Moment ertönte die Stimme erneut.
("Unfall.")
Dieses eine, mit letzter Kraft hervorgebrachte Wort schien die Welt für einen Moment anzuhalten.
Das Wort selbst war nichts Gravierendes, aber in der Kombination mit dem Schmerz ließ es Finn das Blut in den Adern gefrieren. Davon ausgehend, dass sein Kollege sich nur schwer konzentrieren konnte, erwiderte er:
"O- okay. Hör mir gut zu, Lars, ja? Wo bist du?"
Er sprach die Frage betont langsam. Inzwischen war er aufgestanden und lief unruhig hin und her.
("P- Präsidium.")
Irritiert kniff Finn die Augen zusammen. Lars war auf dem Präsidium? Wie konnte er dann einen Unfall gehabt haben?
"Du... bist auf dem Präsidium?", hakte  Kiesewetter nach und er spürte förmlich wie Lars den Kopf schüttelte.
"Warst du auf dem Weg dorthin?", fragte er stattdessen und kurz darauf bekam er eine Antwort.
("Weg... ja.")
Finn nickte verstehend.
"Okay, Lars. Wo genau bist du? Kannst du mir die Adresse geben?"
Es dauerte eine Weile bis Lars schließlich den genauen Standort angab und Finn entgegnete:
"Alles klar. Ich komme sofort her. Bleib ganz ruhig."
Finn warf einen Blick auf seine Armbanduhr und dann in Richtung Parkplatz. Elke war noch nicht in Sicht. Aber er hatte keine Zeit zu warten.
Schnell machte er sich auf den Weg zu seinem Auto und startete den Motor.

Fasst hätte Finn ihn übersehen und wäre vorbeigefahren. Doch im letzten Moment bemerkte er die Gestalt, die in der Gasse an der Wand lehnte.
Er hielt am Rand der Straße, sprang aus dem Wagen und lief zu Lars, der auf dem kalten Boden saß, halb lag.
Beim Anblick seines Partners ergriff ihn ein beklemmendes Gefühl der Angst.
Lars Augen waren geschlossen, Blut lief ihm aus dem Mund und sein gesamtes Erscheinungsbild war ziemlich ramponiert.
"Lars."
Finn kniete sich neben seinen Chef und packte ihn an den Schultern, schüttelte ihn sanft. Sofort öffneten sich die Augen flatternd und Lars' glasiger Blick traf auf Finns angsterfüllten.
"Verdammt, was ist passiert?"
Finn holte sein Handy hervor und wählte den Notruf.
"Sch- Schwarzer... Mercedes.", murmelte Lars, kaum hörbar. Trotzdem hörte Finn es.
"Du wurdest überfahren?", fragte er ungläubig und Lars nickte langsam.
Als sich am Ende der Leitung eine Frauenstimme meldete, erklärte Kiesewetter sofort was passiert war und wo er sich gerade aufhielt. Die Dame versprach, dass der Krankenwagen so schnell wie möglich käme und Finn legte auf, konzentrierte sich wieder auf sein Gegenüber.
"Der Fahrer ist abgehauen?"
Wieder folgte ein Nicken von Lars, während er seine Augen schloss. Finn fragte nicht nach warum Lars nicht direkt einen Krankenwagen sondern ihn angerufen hatte. Es war momentan auch nicht wirklich wichtig.
"Keine Sorge. Wir finden den Fahrer schon."
Finn schaute zur nicht viel befahrenen Straße. Lars musste sich den ganzen Weg hier in die Gasse geschleppt haben. Als er zurück in das schmerzverzerrte Gesicht seines Kollegen blickte, schluckte er einmal schwer.
"Der Krankenwagen ist schon unterwegs. Es wird alles gut."
Er drückte Lars' Schulter mit einer Hand und dieser nickte leicht, schien allerdings nicht ganz bei Bewusstsein zu sein.
"Lars? Hey, wach bleiben."
Sofort gingen die Augen des Mannes wieder auf und er hob den Kopf, versuchte Finn ins Gesicht zu sehen.
"D- Danke.", murmelte er leise, hob eine Hand und berührte damit dessen Arm.
Finn schaute hinab auf die aufgeschürfte, blutige Hand. Er ließ ab von der Schulter und nahm sie, drückte sie sanft.
"Nichts zu danken.", erwiderte er. Gefühlte Stunden vergingen bis Finn endlich aus der Entfernung das magische, erleichternde Geräusch von Sirenen hörte.
"Die Hilfe ist gleich da.", bestätigte er, mehr für sich selbst als für Lars. Der Verletzte war unglaublich blass. Finn hatte ihm seine Jacke um die Schultern gelegt, aber er zitterte noch immer wie Espenlaub.
Die Sirenen kamen näher und Finn stand auf, stellte sich an die Straße und zeigte den Sanitätern durch Winken, dass er den Anruf getätigt hatte und dass sie hier anhalten müssten.
Eine Frau und ein Mann in rot-weißer Kleidung stiegen aus dem Krankenwagen und Finn zeigte ihnen wo Lars lag. Die Sanitäter sprachen ihn an, aber Lars reagierte nicht.
Finns Herz setzte für einen Moment aus. Sein Partner hatte das Bewusstsein verloren. Aber er atmetete noch... Das war gut. Das war sehr gut.
Lars wurde auf eine Trage gelegt und in den Krankenwagen verfrachtet.
"Darf ich mitfahren?"
Die Frage verließ Finns Mund einfach aus Reflex; er konnte es nicht kontrollieren.
Der Mann sah ihn für einen Moment unsicher an, dann fragte er wer Finn sei.
"Ich bin ein-"
Erst wollte er sagen, dass er einfach nur ein Kollege sei, aber dann entschied er sich für ein anderes Wort.
"Freund. Ich bin ein guter Freund."
Und das war nicht gelogen. Wieso sonst hätte Lars gerade ihn angerufen in dieser Situation? Er hatte das getan, weil er Finn vertraute... ihm sein Leben anvertraute. Und das taten nur Freunde.
"Steigen Sie ein.", sagte der Sanitäter und Finn nickte dankbar, tat was ihm gesagt wurde.
Die ganze Fahrt über wich er nicht von Lars' Seite und auch im Krankenhaus blieb er bei ihm... bis sein Freund in den OP gebracht wurde. Finn blieb vor der geschlossenen Tür stehen und starrte ihm nach.
Alles würde gut werden. Die Ärzte würden Lars helfen.
Das Klingeln seines Handys riss ihn aus den Gedanken und er ging ran, ohne aufs Display zu schauen. Es war Elke. Sie fragte wo Finn sei und ob er ihr Date vergessen hätte.
Doch Kiesewetter schüttelte nur den Kopf und als ihm bewusst wurde, dass seine Freundin diese Geste wohlkaum sehen könnte, erklärte er ihr was geschehen war.
Sie sagte, dass sie sofort kommen würde und dass Finn auf sie warten solle.
Und das tat er auch.
Gemeinsam mit Elke wartete er vor der Tür der OP-Sääle und als endlich ein Arzt herauskam, sprangen sie auf und fragten, ob er sagen könnte wie es Lars Englen ging.
"Sind Sie Familienmitglieder?"
Verdammt. Das waren sie nicht.
Aber Elke wusste sofort was sie sagen musste.
"Ich bin die Ehefrau.", erwiderte sie und Finn versuchte sein Gewissen zu unterdrücken. Diese Lüge war notwendig. Wenn sie wissen wollten was mit Lars war, dann mussten sie eben die Zeit zurückdrehen und Elke und Lars wieder zu einem Ehepaar machen.
Der Arzt nickte und dann erklärte er in ungefähr fünfzig bis hundert medizinischen Fachwörtern was während der Operation geschehen war. Finn verstand nur die Hälfte, wenn nicht sogar noch weniger, aber eine Information - die wichtigste Information - filterte er aus dem Text heraus.
Lars würde wieder gesund werden! Und das war für ihn die Hauptsache.
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