Begegnungen zwischen den Jahren

GeschichteAllgemein / P12
Hermine Granger Minerva McGonagall Neville Longbottom Severus Snape
06.01.2019
06.01.2019
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Begegnungen zwischen den Jahren


für Loreen



Neville stand an einem der gotisch spitz zulaufenden Fenster und beobachteet die Schneeflocken, die sich in dichter Folge auf die Schneedecke, die die Ländereien bedeckte, gesellten. Der weiße Schnee und der hellgraue Himmel beruhigten ihn. Sie erinnerten ihn an das weiße Rauschen des Fernsehers, das ihn als Kind schon so fasziniert hatte. Nicht, dass seine Großmutter solche Muggeltechnik in ihrem Haus geduldet hätte, doch einer seiner Kindheitsfreunde hatte einen solchen besessen, und Neville hatte immer gebeten, etwas Schauen zu dürfen, wenn er bei ihm eingeladen war. Nicht, dass ihn die Geschichten oder Nachrichten wirklich interessiert hätten. Eigentlich hatte er bloß immer darauf gewartet, bis er dran, war die Fernbedienung zu halten. Dann hatte er bis an das Ende der Kanäle geklickt, und wenn das Rauschen begann, das so aussah, wie es sich anfühlte, einen eingeschlafenen Fuß zu haben, war er ganz nahe an den Bildschirm getreten und war mit den Fingerspitzen, die sofort zu bizzeln begannen, darüber gefahren. So lange, bis sein Freund begann, ihn anzumeckern, da er lieber etwas spielen wollte.
Das Schneetreiben erfüllte ihn mit der gleichen Art von nahezu meditativer Entspannung und er legte die Hand an die Fensterscheibe. Es war nicht seine Art, schon kurz nach Weihnachten wieder aus den Ferien nach Hogwarts zu kommen, doch dieses Jahr war die Traurigkeit nach dem obligatorischen Krankenhausbesuch bei seinen Eltern zu groß gewesen. Er hatte sich leer und verzweifelt gefühlt und eingesehen, dass es ihm besser gehen würde, wenn er wieder in Hogwarts wäre. Er fühlte sich immer wohler, wenn er dort war, im großen, warmen Schloss und inmitten des Waldes, der so viele magische Kreaturen und Pflanzen beheimatete. Sein Blick fiel auf die Gewächshäuser, die den Schnee auf dem Dach trugen wie modische Hütchen, und er lächelte, zum ersten Mal seit Tagen.
Er hörte Schritte hinter sich und wandte sich um, aus seiner Ruhe gerissen.

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Nachdem Hermine für eine Weile Harry und Ron dabei zugeschaut hatte, wie sie sich gegenseitig beim Zauberschach vermöbelten, beschloss sie, einen kleinen Abstecher in die Bücherei zu machen. Nicht, um zu lernen – die Zeit zwischen den Jahren nimmt sie sich immer gerne frei, doch sie hat vor kurzem einen Kurzgeschichtenband gefunden, der von Erlebnissen an anderen Zauberschulen auf der ganzen Welt berichtete. Den würde sie ausleihen, und es sich dann im Speisesaal bei einer Tasse Kakao, die die Hauselfen während der Winterferien den ganzen Tag anbieten, gemütlich machen. Gesagt, getan. Wie immer fühlte sie sich, sobald sie die Bibliothek betrat, sofort heimisch und entspannt. Der Geruch nach Leder und Papier umfing sie, und auf dem dicken Teppich, der ihre Schritte dämpfte, fühlt sie sich sehr leicht. Das, im Vergleich zu den anderen sehr kleine, Regal, das keine Lehrbücher bereithielt sondern Romane und Reiseberichte von magischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus der ganzen Welt, hatte sie erst vor kurzem entdeckt, doch schon mochte sie es nicht mehr missen. Sie hatte das Gefühl, ihr Wissen über die magische Welt, über Bräuche und Gesetze, Wesen und Orte, war noch nie so schnell angewachsen.
Im Speisesaal bediente sie sich an einem Buffet mit Heißgetränken und Plätzchen und war rasch wieder in das vielfältige Buch vertieft. Als sich plötzlich jemand neben ihr niederließ, schaute sie erstaunt auf.

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Severus fühlte sich sentimental, und er hasste dieses Gefühl. Doch mit der stillen Harmonie, die mit einem ferienleeren, verschneiten Hogwarts einhergeht, schleicht sich selbst in das kälteste Herz eine friedliche Stimmung. Er saß im Lehrerzimmer an einem Tisch mit Filius und Pomona, lauschte deren Gespräch und trank einen schwarzen Kaffee, der irgendwie würzig schmeckte, nach Zimt. Vielleicht hatten die Hauselfen ein wenig experimentiert, sie hatten in den Ferien ja sicher auch weniger zu tun. „Ich mache mir ein wenig Sorgen um Neville“, sagte Pomona gerade, während sie Kekskrümel von ihrem eindeutig selbstgestrickten Schultertuch fegte. „Albus hat erwähnt, dass er früh aus den Ferien zurückgekommen ist, der Besuch bei seinen Eltern war wohl diesmal zu viel für ihn.“
„Der arme Junge! Es muss schrecklich sein, die eigenen Eltern so zu sehen. Daran gewöhnt man sich bestimmt nie so wirklich. Hoffen wir für ihn, dass er sich hier, wo er mit jungen Leuten in seinem Alter zusammen ist, etwas erholen kann“, meinte Filius.
Severus erwischte sich dabei, wie er zustimmend nickte. Ja, der junge Longbottom tat ihm Leid. Er war zwar ein absolut unfähiger Zaubertrankschüler, der Severus‘ Spott nur so herausforderte, doch so etwas verdiente niemand.
Nachdenklich erhob er sich, um ein wenig durch die weitläufigen, verwinkelten Gänge zu schlendern, und sich ein paar Dinge durch den Kopf gehen zu lassen.

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Minerva ließ ihren Blick, wie jeden Tag, über die Liste der Gryffindors schweifen, die über die Ferien in Hogwarts geblieben waren. Am Abend pflegte sie dann immer, anzukreuzen, wer ihr davon am Tag über den Weg gelaufen war – auch wenn Ferien waren, sie nahm ihre Aufsichts-Verantwortung sehr ernst. Granger, Potter und Weasley. Mit einem Lächeln setzte sie Haken hinter diese Namen, hatte sie die drei doch vorhin noch in eine Partie Zauberschach vertieft im Gemeinschaftsraum gesehen. Wie erleichtert sie gewesen war, als sie bemerkt hatte, wie Hermine sich plötzlich mit den beiden Jungen angefreundet hatte. Zunächst hatte sie Minerva so sehr an sich selbst erinnert, dass es fast schmerzhaft war. Ein kluges, fleißiges Mädchen, das aufgrund jener Klugheit und jener Begeisterung für das Lernen, die gleichaltrigen Mitmenschen oft befremdete. Das doch so gerne Freundschaften schließen wollte, doch nicht so ganz wusste, wie man auf Menschen zuging, ohne sie zu belehren. Seufzend schob Minerva die Liste zurück in eine Schublade, und entschloss sich dann, sich einen Fruchtpunsch aus dem Speisesaal zu holen.
An dem großen Tisch – in den Ferien genügte einer für alle – saßen ein paar Grüppchen oder Personen, die sich am wie immer großartigen Buffet gütlich taten. Auch Hermine, an die sie eben noch gedacht hatte, natürlich mit einem obligatorischen Buch. Kurz zögerte Minerva, aber dann kam sie doch zu dem Schluss, dass in den Ferien die Distanz zwischen ihr und den Schülern ruhig etwas aufgelockert sein konnte, und ließ sich neben dem Mädchen nieder.

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Als Neville sich umdrehte und Professor Snape vor ihm stand, erschrak er zunächst und trat so rasch zurück, dass er sich den Rücken schmerzhaft an der Fensterbank anstieß. Doch, ganz im Gegensatz zu seiner sonstigen Ausstrahlung, wirkte der gefürchtete Lehrer nicht einschüchtern. Versuchte er sich sogar an einem kleinen Lächeln? Neville war verwirrt.
„Guten Tag, Herr Longbottom.“
„Guten Tag, äh, Professor Snape, Sir?“
Der Mann rang sichtlich mit sich. „Ich wollte Ihnen nur alles Gute wünschen – zum baldigen neuen Jahr, natürlich. Und bei sonst allem, was Ihnen vielleicht gerade Schwierigkeiten bereiten sollte. Genießen Sie die Erholung, die Hogwarts in der Ferienzeit bietet.“
„Oh, hm, vielen Dank, Professor?“ Neville war so überrascht, dass es nur noch in Fragen denken konnte.
Snape nickte nur ruckartig und lief dann rasch den Gang entlang weiter, sein Umhang wehte wie immer hinter ihm her.

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Hermine blickte auf und sah Professor McGonagall neben sich sitzen. Die Lehrerin hielt eine Tasse umklammert, aus der es nach Früchten und Gewürzen duftete, und lächelte ihr freundlich zu. „Ich sah Sie eben in Ihr Buch vertieft, und dachte, ich frage mal nach, was Sie so fesselt.“
Wortlos hielt ihr Hermine das Buch entgegen.
„Oh, Sie entspannen sich also auch mal bei fiktionalen Geschichten, das finde ich sehr löblich! Wenn Sie Geschichten dieser Art mögen, kann ich Ihnen gerne noch weitere Werke empfehlen!“
Es entspann sich ein Gespräch über magische und Muggelliteratur, im Verlaufe dessen Hermine ihre schüchterne Zurückhaltung langsam verlor und richtig ins Schwärmen geriet. Alleine schon dafür, mit der Lehrerin, die sie so bewunderte, ein Gespräch so richtig auf Augenhöhe zu führen, hatte es sich schon gelohnt, die Ferien hier zu verbringen.


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Liebe Loreen,

entschuldige bitte die Verspätung! Wie du siehst, habe ich, nachdem ich gemerkt habe, dass ich es zu Weihnachten nicht schaffe, versucht, eine kleine Geschichte für die Zeit zwischen den Jahren daraus zu machen, doch nun ist es auch dafür zu spät.
Ich hoffe, du bist gut ins neue Jahr gekommen, und die Geschichte erfreut dich trotzdem noch. Ich jedenfalls habe es sehr genossen, wieder zu deinen Vorgaben zu schreiben!

Liebe Grüße
Jubilee
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