Der Kerker der Ewigkeit - Böses Blut

von Broke
KurzgeschichteAngst, Übernatürlich / P18
06.01.2019
06.01.2019
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Vorwort:
Diese Geschichte liegt schon seit Jahren auf meinem Computer herum. Eigentlich wollte ich sie erst nicht veröffentlichen, aber ich muss einsehen, dass sie mir immer im Hinterkopf bleibt und zu schade dafür ist, um auf meinem PC einzustauben. Zu viele Unterrichtsstunden in der Berufsschule gingen dafür drauf, als dass ich diese Texte einfach so löschen könnte. Der größte Teil davon ist bereits ohnehin fertig und braucht nur noch hier und da ein paar Feinschliffe. Nach diesem einen Kapitel folgen planungsseitig nur noch zwei bis drei weitere bis die Geschichte abgeschlossen ist. Vielleicht sagt sie ja dem ein oder anderen zu.

Kapitel I Der Kerker der Ewigkeit

Er spürte, wie seine Kräfte mit jeder weiteren vergehenden Sekunden schwanden. Die geschlagenen Wunden heilten nicht, egal wie sehr er versuchte, die geschundene Haut zu schließen.
Im nächsten Moment griff die Schwärze nach ihm und er verlor das Bewusstsein...

-Der Kerker der Ewigkeit-

Langsam öffnete er seine Augen und erkannte die Umgebung nicht wieder. Die dicken Gitterstäbe und die Tatsache, dass er in Ketten lag ließen darauf schließen, wo er sich befand. Nach kurzer Zeit kehrten all seine vampirischen Sinne zurück und Schreie von Gequälten drangen an seine Ohren.
Egal ob Nadeln, die sich langsam in menschliches Fleisch bohrten, oder Steine, die Knochen zerquetschten, er hörte es und der Geruch von Blut und Verwesung lag in der Luft. Eine Mischung, auf die Kain zu jeder Zeit verzichtet hätte. Diese Eindrücke machten die ganze Atmosphäre umso unerträglicher und mit all seiner Kraft zerrte er an den Ketten, welche seine Hände an der eiskalten, steinigen Wand festhielten. Anders als bei normalen Ketten ließen sich diese nicht mal unter Aufgebot all seiner Kräfte zerreißen. Nach kurzer Zeit hielt er inne als er bemerkte, wie sich jemand oder etwas vor den Gitterstäben seiner Zelle bewegte. Nach genauerer Betrachtung stellte Kain fest, dass es sich um eine menschliche Frau handelte, auch wenn diese mehr tot als lebendig erschien.
„Hey, Weib! Öffne diese Tür!“, forderte er mit überheblichem Stimmton, auch wenn er bezweifelte, dass diese erbärmliche Kreatur ihm helfen konnte.
„I-Ich bin unschuldig! Ich habe nichts gemacht! I-Ich hätte das Gebäck sicher sofort bezahlt!“
Völlig im Wahn wankte die Frau an den Gitterstäben vorbei ohne sich Kains Zelle überhaupt zugewandt zu haben.
Mit ihr zu reden war pure Zeitverschwendung, zu beschäftigt war sie damit, ihrem Wahn nachzugehen. Der Läuterungsprozess war bei ihr im vollen Gang...
Vermutlich hatte sie ihn nicht mal gesehen, denn innerhalb der Zelle herrschte blanke Schwärze und der fahle Lichtschein von außerhalb war kaum imstande irgendetwas zu beleuchten.
Nochmals mobilisierte Kain seine Kräfte und versuchte, die Ketten zu sprengen, als er eine seichte Stimme wahrnahm und daher wieder stillhielt.
„Es ist aussichtslos an den Ketten  zu zerren...“
Kain sah sich um, als die gebrechliche, zarte Stimme einer Frau ertönte, die sich unmittelbar in seiner Nähe, vermutlich sogar in dieser Zelle befinden musste.
„Zeig dich, wenn du schon sprichst!“ Sein Ton war schroff und fordernd. Er konnte nicht verstehen, warum er diese Kreatur bis eben nicht bemerkt hatte. Das Klirren von Ketten erklang und es war hörbar, wie ein schwerer Stein über den Boden geschliffen wurde.
„Ich kann nicht...“, gab die Kreatur von sich. Aufgrund der Kettengeräusche und des Schleifens des Steins, konnte Kain ausmachen, wo sie sich befand. Allem Anschein nach war sie in der Ecke an der Gittertür, unfähig sich allzu weit von der Wand zu entfernen, denn die Geräusche, welche sie bis eben verursachte, verstummten. Ein Duft drang an Kains Nase, der Duft von frischem Blut. Ein Verlangen machte sich in ihm breit, dem Verlangen nach Blut, dem Blut eben dieser Kreatur, auch wenn ihre Essenz weder menschlichen, noch vampirischen Ursprungs war. Doch in seiner jetzigen Lage war er kaum imstande seinen Hunger zu befriedigen, auch wenn sich die Beute in unmittelbarer Umgebung befand.
Sein Atem entspannte sich und er entschloss sich zunächst die Ruhe zu bewahren und Informationen zu sammeln, die ihm vielleicht helfen konnten.
„Was bist du für ein Wesen?“, fragte er misstrauisch. Er erhoffte sich sinnvolle Antworten, da diese Frau noch nicht gänzlich ihren Verstand zu verloren haben schien.
Kains Frage vernehmend begab sie sich unsichtbar in eine etwas bequemere Sitzposition und musste bei dieser Frage schmunzeln.
„Wenn ich das nur wüsste...“, gab sie mit leiser Stimme von sich. In der Dunkelheit, ohne dass es jemand sehen konnte, vergrößerte sich die Blutlache unter ihr und fing an, in den Boden einzutrocknen wie alle blutigen Lachen vor dieser.
„Kennst du einen Weg hier raus?“
„Es gibt keinen Weg hier raus. Seht Ihr nicht die hier herumirrenden Seelen, die bereits den Verstand verloren haben? Wenn es einen Weg hinaus gäbe, hätte man ihn bereits gefunden und ihre verdammten Seelen wären frei!“
Noch mal vernahm Kein das Klirren einer Kette. Ohne, dass er sie sehen konnte, wandte die Frau ihren Kopf in seine Richtung.
„Aber vielleicht seid ihr in der Lage zu entkommen, Fremder. Der letzte Vampir, den ich sah, hätte es beinahe geschafft!“ Ihre Stimme stabilisierte sich langsam und ihr Körper gewann mit jedem weiteren Wort an Kraft zurück.
„Du sagst, er hätte es beinahe geschafft? Woran ist er gescheitert und was weißt du über ihn?“
„Magnus... ich glaube sein Name war Magnus. Er war einst in einer dieser Zellen.“ Fast schon zärtlich kam der Name -Magnus- über ihre Lippen, als hätte sie eine tiefere Empfindung für diesen Vampir. Bei diesem Namen kamen in Kain Erinnerungen hoch. Sein Gedächtnis hatte sich noch lange nicht vollständig wiederhergestellt, doch dieser Name kam ihm bekannt, fast schon vertraut vor.
„Er schaffte es, einem der Wachen einen Schlüssel abzunehmen, obwohl er in Ketten lag. Den mehr oder weniger informativen Aussagen der Insassen und Wärter zufolge, ist er bis zum großen Tor in der Eingangshalle gekommen, aber verlassen hat er diesen Kerker nie...“ Ihre Stimme bekam besonders im letzten Satz einen traurigen Unterton.
„In diesem Kerker gibt es sowohl sarafanische, als auch dämonische Wächter. Magnus konnte zwar die Sarafanen töten, aber diese Dämonen haben ihn schließlich gefasst und noch weiter nach oben in den Turm gebracht. Aber das sind nur Spekulationen. Ob er tatsächlich dort ist, oder ob man ihn auf eine der umliegenden Inseln verfrachtet und ihn dort in ein Bodenloch eingesperrt hat, bleibt fraglich...“
Auch wenn es Kain nur wenig interessierte, so glaubte er, ein leises Wimmern von diesem Wesen zu hören.
„Tatsache ist, dass er endgültig verloren ist. Dabei war er eine so rechtschaffende Seele, deren einziger Lebensinhalt darin bestand, ihrem Herrn zu dienen...“ Wieder kamen in Kain Erinnerungen hoch, die ihm nicht zu gehören schienen oder zumindest aus einem anderen Leben stammten. Dem Leben vor seinem 200-jährigen Schlaf...
Magnus, der seinem Herrn treu war bis er in diesem Kerker verrotten sollte.
„Weißt du, wer sein Herr war?“
„Kain... Lord Kain war sein Herr. Jener Kain, der es mit den Sarafanen aufgenommen und versagt hat. Dieser Kain muss ein Gott gewesen sein, wenn er es mit Lord Sarafan aufgenommen hat...“
Unwillkürlich kamen in Kain die Erinnerungen wieder, wie Magnus im treu folgte und gehorchte bis zum Tag seines Verschwindens. Doch im Gegensatz zur Vergangenheit, die 200 Jahre zurücklag, wusste Kain nun, dass Magnus ihn nicht verraten hatte.
Wäre dies der Fall gewesen, so wäre er den Sarafanen von Nutzen gewesen und infolge dessen nie in diesen Kerker gesperrt worden.
„Darf ich erfahren, wer Ihr seid?“ Nun schaute Kain in die Ecke, in der er die weibliche Kreatur vermutete.
„Ich wüsste nicht, was es eine Kreatur wie dich angehen sollte.“
Scheinbar enttäuscht wandte sie ihren Blick zu den dicken Gitterstäben.
„Ihr seid ein Vampir, nicht wahr?“ Erneut sah Kain in ihre Richtung.
„Schon möglich.“
„Dann ist es doch sicher Euer Bestreben Lord Sarafan zu töten, oder?“
„Man muss kein Vampir sein, nur um Lord Sarafan tot sehen zu wollen...“
„Möglicherweise kann ich Euch helfen hier raus zu kommen, wenn Ihr mir etwas versprechen könnt.“
Erneut erklang das Gerassel der Kette, als sie ihren Blick wieder auf Kain fixierte. Es war ihm unwohl bei dem Gedanken, dass sie ihn sehen konnte, aber er sie nicht.
„Wenn du es schaffst mich hier rauszubringen, dann hast du mein Wort!“ Natürlich war ihm die Bedingung völlig egal, schließlich lag sein einziges Bestreben darin, aus dem Kerker zu entkommen und den Lord zu töten. Alles andere war zweitrangig.
„Vernichtet diese Plage von Saranfanen! Für das, was sie den Vampiren und Menschen antun, müssen sie sterben!“ Der Hass und die Abscheu, welche sich in ihren Worten manifestierten, sagten Kain sehr zu und die Kreatur in der Ecke begann interessant für ihn zu werden. Man konnte es fast schon als Sympathie bezeichnen. Doch bevor Kain auf ihre Bedingung etwas entgegnen konnte, war ein lautes Geräusch einer sich öffnenden metallenen Tür zu hören. Zur gleichen Zeit waren Stimmen mehrere Männer, vermutlich Sarafenen, zu vernehmen.
„Nein, dafür ist es doch viel zu früh!“ Die Stimme der weiblichen Kreatur klang brüchig... ängstlich, als wäre dies ein böses Omen. Sie drückte ihren Körper in die Ecke der Zelle, dabei ignorierte sie die Gewichte, die ihren Körper tonnenschwer werden ließen. Sie wollte einfach nicht gesehen werden, wollte dass man sie vergisst oder ignoriert, doch es half alles nichts, denn die 3 Männer blieben vor der Zelle stehen. Im nächsten Moment wurde ein Schalter außerhalb der Zelle betätigt und in dem Gang erleuchtete ein gelbliches Licht, welches die Gesamtatmosphäre alles andere als angenehmer erscheinen ließ. Die wenigen noch funktionierenden Glühlampen gingen im unregelmäßigen Sekundentakt an und wieder aus und gaben dabei ein Surren von sich, welches davon kündete, dass besagte Birne bald den Geist aufgeben würde. Das Licht war spärlich, doch Kain konnte die weibliche Kreatur endlich sehen, welche da in der Ecke kauerte. Sie trug die Gestalt einer Frau mit schulterlangem schwarzem Haar, welches ihr wirr im Gesicht hing. Das fast transparente, schlichte Kleid, welches eher einem Nachthemd ähnelte, lag eng an ihrem versehrten Körper, welcher von Schmutz, getrocknetem Blut, Blutergüssen und Schürfungen übersäht war. Die Farbe des Kleides leiß sich aufgrund des Drecks nur noch erahnen. An ihrem Rücken befand sich unpassender Weise eine Art, schwarzes Cape. Zumindest sah es so aus.
Die Ketten, welche sie an der Wand fesselten, waren mehr als nur üppig und wirkten im Gegensatz zu ihrer schmächtigen Erscheinung völlig übertrieben. Beide Hand- und Fußgelenke waren mit breiten, dicken Schellen versehen. Die Ketten an ihren Fußgelenken mündeten in einen übergroßen Gesteinsblock, welcher aufgrund der Schleifspuren am Boden von ihr hin- und hergeschoben wurde. Die Ketten ihrer Handgelenke hingegen mündeten wie auch Kains, in die Wand. Allerdings waren ihre Ketten so lang, dass sie sich in der ganzen Zelle frei bewegen könnte, was sie allem Anschein nach jedoch nicht tat. Die wohl mit Abstand übertrieben größte Kette, fesselte sie durch eine Schelle, welche an ihrem Hals lag. Jedes einzelne Kettenglied war etwa so dick, wie der Oberarm eines erwachsenen Mannes und lag schwer auf dem Boden. Die Haut um ihren Hals herum war gerötet und zum Teil blutig. Ebenso blutig wie der Boden, auf dem sie kauerte. Da die Zelle wohl noch nie gereinigt worden war, konnte man all das Blut nur zu gut erkennen. Eine riesige Blutlache welche aus zum Teil eingetrocknetem und frischem Blut bestand... Von unzähligen Blutspritzern an der Wand ganz zu schweigen. Die wenigen Sekunden, in denen Kain all dies sah, ließen ihn verstummen und er fragte sich, warum man einer solch niederen Kreatur derartige Ketten anlegte und bei ihm nur zwei Ketten, die seine Arme an der Wand festhielten ausreichten. Was war das nur für ein absonderliches Verhältnis?
„Na ich hoffe wir sind wach für unser kleines Ritual!“, gab einer der Sarafan in einem widerwärtigen Stimmton von sich während er mit dem Schlüsselbund die Gittertür aufschloss.
„Was wollt ihr von mir?! Lasst mich frei!“, forderte Kain aufständisch. Die drei Sarafanenwächter lachten und der mit dem Schlüsselbund antwortete, während er die Zelle betrat.
„Von dir wollen wir gar nichts, Vampir! Du bleibst hier und kannst meinetwegen verrotten!“ Die drei betraten die Zelle und wandten sich sogleich der Frau zu.
„Steh auf!“, befahl der Sarafan, der anscheinend der Hochrangigste von ihnen war. Sie kam der Aufforderung nach und stand so weit auf, wie ihre Kräfte und ihr geschundener Körper es zuließen. Aufmerksam verfolgte Kain das Geschehen. Als sie fast ganz aufrecht stand, ließen ihre Kräfte nach und ihre ohnehin zittrigen Beine versagten ihren Dienst.
Das Gewicht der Kettenglieder, welche ihren Hals fesselten, leistete sein Übriges und es fiel ihr sogar schwer, einfach nur aufzusehen.
Ihr Verhalten schien die Wächter wütend zu stimmen, denn einer nahm einen Schlagstock zur Hand und schlug mit voller Wucht einmal auf ihr Gesicht ein, sodass einige Blutspritzer an der Wand neben Kain gelangten. Der eine Schlag reichte und ihr ganzer Körper inklusiver der Ketten, wurde zur Seite geschleudert. Dort lag sie nun, noch unfähiger sich zu bewegen als zuvor. Ein Wimmern war zu vernehmen, das schon fast mitleiderregend klang.
„Bitte... bitte....“ Ihre Stimme versagte, da diese einem Schluchzen weichen musste.
„...hört auf...“ Ob dieser Worte brachen die Drei erneut in Gelächter aus.
„Wir sollen aufhören?!“ Der Sarafane ging mit wenigen Schritten auf sie zu und riss die Kette, die um ihren Hals lag, in die Luft, sodass sie mit ihm auf einer Augenhöhe war.
„Hier wird niemand aufhören, Dämon! Der Läuterungsprozess hat für dich gerade erst begonnen!“
Er senkte seinen Arm schließlich und hielt sie an der Kette, wie einen Hund. Dass sie kaum Luft bekam und infolge dessen nur stoßweise angestrengt atmete, interessierte ihn nicht. Nun riss er an dem Gegenstand, der den Eindruck machte, es sei ein Cape oder etwas vergleichbares, doch Kains Augen weiteten sich, als er erkannte, dass es sich bei diesen schwarzen Lumpen um Flügel handelte. Als der Wächter diese berührte, begann die Frau an der Kette zu zappeln und im Reflex breitete sie ihre Schwingen aus, um der Berührung durch diese dreckigen Hände zu entgehen. Lasziv grinste der oberste Wächter.
„Soso ... sie sind ja schon wieder geheilt. Dann wird es Zeit, dass wir das schleunigst ändern.“ Er ließ von den Schwingen ab und wandte sich zu seinen Kameraden.
„Hängt sie an die Vorrichtung, wir fangen jetzt an!“, befahl er und ließ die geflügelte Kreatur achtlos zu Boden fallen.
„Und was ist mit dem da?“, fragte einer der beiden anderen Wächter und deutete dabei unmissverständlich auf Kain.
„Was soll schon mit ihm sein? Lasst ihn da hängen. Er kann sich ruhig ansehen, was man hier unter einem Läuterungsprozess versteht.“
Die Geflügelte sah kurz zu Kain auf. Auch wenn er ihr Gesicht aufgrund ihrer Haare und des Unlichts kaum erkennen konnte, so sah er in ihren Augen pure Angst. Es war eben jene menschliche Angst, welche er in den Augen seiner Opfer sah, kurz bevor er sie tötete.
Schnell wandte sie ihren Blick von Kain ab und wurde im nächsten Moment in die Höhe gezerrt, als die Kettenglieder an ihren Armen an zwei Haken an der Decke befestigt wurden. So ragten ihre Arme in die Höhe und nur mit Zehnspitzen war sie in der Lage den Boden zu berühren. Ihr Blick war direkt auf Kain gerichtet. Als sie ihren Kopf hob, mussten beide feststellen, dass ihre Gesichter nur wenige Meter voneinander entfernt waren. Kain konnte ihr Gesicht nun gänzlich erkennen. Sie hatte eine völlig fahle, aber saubere Hautfarbe, ähnlich der seinen. Ihr Blick ließ Angst, Panik aber auch Verzweiflung erkennen. Ihr Schluchzen wurde lauter und blutrote Tränen suchten ihren Weg über ihre makellosen Wangen ehe sie zu Boden tropften. Kain konnte sehen, wie sich die drei Männer ihr von hinten näherten und einer bereits seinen Schlagstock gezückt hatte. Er ahnte bereist, was die Wächter mit ihr vorhatten, als sich zwei daran machten, einen ihrer Flügel zu halten, sodass dieser ausgebreitet vor dem Sarafan mit dem Schlagstock war. Er ging ganz nah zu ihr und fasste mit seiner freien Hand an ihre Seite. Sofort zuckte sie bei der Berührung zusammen und Kain konnte ihre Angst nahezu riechen.
„Also willst du uns nicht dein kleines Geheimnis verraten?“ Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, ließ er seine Hand an ihrer Seite hoch- und runter wandern. Sie schaffte es dennoch ihre Stimme zu kontrollieren und sprach.
„Ich weiß es nicht. Ich kenne keinen Janos Audron! Hört doch endlich auf!“
Nun bewegte er seinen Kopf langsam an ihr Ohr und flüsterte einige Worte hinein.
„Das war die falsche Antwort...“ Mit diesen Worten entfernte er sich einen Schritt von ihr und drosch mit dem Schlagstock auf ihren ausgebreiteten Flügel ein. Bereits bei dem ersten Schlag ging hörbar ein Knochen zu Bruch und von ihr erfolgte ein lauter Schrei. Einer, welcher mehr als nur Qual und entsetzlichen Schmerz zum Ausdruck brachte. Kurz nach dem ersten Schlag folgten weitere bei der die Gequälte jedes Mal aufs Neue schrie, nach Leibeskräften an den Ketten zerrte, um irgendwie frei zu kommen. All ihre Muskeln verspannten sich und ließen die Schmerzen unerträglich werden. Eine Art der Folter, welche selbst Kain durchaus beeindruckte. Wie lang war sie schon hier? Wie oft hat sie diese Hölle schon über sich ergehen lassen? Wenn sie Magnus kannte, war sie dann womöglich auch schon Zweihundert Jahre oder gar länger an diesem Ort? Nach einiger Zeit stellte der Wächter die Schläge ein und die anderen beiden ließen den nun zertrümmerten Flügel fallen sodass dieser wie auch schon vorhin wie ein Lumpen an ihrem Körper hing. Sie wusste, was als Nächstes kam... Sie schaute Kain in die Augen... völlig benommen und kaum bei Bewusstsein fixierte sie ihn und lächelte verloren. Ein paradoxer Anblick in Anbetracht der blutigen Tränen, welche noch immer an ihrer Haut hafteten. Das gleiche Ritual mit dem anderen Flügel also noch einmal und ihre Schreie hallten durch den Kerker und übertönten all das andere Leid der Insassen. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurden auch diese Flügel zertrümmert und entwertet losgelassen. Der erste Teil der Folter war nun endlich vorüber. Doch das, was noch folgte, sollte dies alles in den Schatten stellen. Nachdem die Frau diese Schmerzen langsam in den Hintergrund drängte, fiel ihr Körper kraftlos zu Boden. Sie hatte es nicht mal bemerkt, wie sie angehoben wurde, um ihre Ketten von den Haken zu nehmen. Und nun lag sie da... entkräftet auf dem kalten Gesteinsboden unmittelbar vor Kain, der auf die hinabblickte.
Der nächste Teil der Folter ließ auf sich warten, denn die drei Wachen verließen diese Räumlichkeit und ließen Kain mit der geflügelten Kreatur allein zurück. Die vorhin noch glänzend schwarzen Federn ihrer Schwingen waren zerzaust, zum Teil herausgerissen und blutverschmiert.
„Mein Name ist Sari, Fremder...“, sprach sie scheinbar ins Nichts, denn sie lag immer noch da, ihr Blick auf die am Boden liegende Kette gerichtet da sie auf der Seite lag. Stumme Tränen rannen aus ihren Augen und flossen auf den Boden.
„Wenn ihr frei seid, müsst ihr etwas für mich tun... bitte... ich halte diese Hölle nicht mehr aus und es wären sicher keine großen Umstände für Euch... bitte tötet mich!“, sagte sie in einer Mischung aus leisen Worten und flüstern. Zum normalen Sprechen war sie kaum noch imstande. Die Jahre ihrer Gefangenschaft und Folterung haben sie schwach und anfällig werden lassen. Ob es nun zehn, zwanzig oder auch schon einhundert Jahre waren, konnte sie unmöglich sagen, jedenfalls war es ihr bereits viel zu lange vorgekommen. In Kain lag ihre einzige Chance auf eine Erlösung durch den Tod.
„Wenn du mir diesen Dienst erweist, dann wird es mir eine Freude sein, dich zu erlösen.“
Sie lächelte verloren und die Tränen in ihrem Gesicht mehrten sich.
„Danke...“ Nach diesen letzten Worten begann sie erstmalig ungehalten zu weinen. Trotz allem was geschehen war, war es nicht der Schmerz, welcher ihr die blutigen Tränen in die Augen trieb. Sie war ihrer sinnlosen Existenz einfach überdrüssig. Alles was sie von sich wusste war die Tatsache, dass ihr Name Sari war und sie weder Mensch, noch Vampir, noch Hylde war. Es gab auf dieser Welt keinen Platz für eine Kreatur wie sie...

Nach einer Weile herrschte Stille. Nur das Gelegentliche Quieken von Ratten war zu vernehmen, welche hier in reichlicher Anzahl vorhanden waren. Sie schienen die einzigen zu sein, die die Zellen von den verstorbenen Insassen säuberten indem sie diese so schnell wie möglich fraßen. Eine übersichtliche Anzahl von drei relativ großen Ratten kam durch die Gitterstäbe und fingen an, sich über Sari herzumachen, die noch immer regungslos am Boden lag. Eine setzte sich an ihre Flügel und begann, daran herum zu nagen und zerrte an den gelockerten schwarzen Federn. Kain sah dies, kam jedoch nicht an Sari heran da sie dafür doch zu weit entfernt lag, also versuchte er, sie anzusprechen.
„Sari!“ es erfolgte keine Reaktion. Weder von ihr noch von den Ratten. Die zweite setzte sich direkt vor ihr Gesicht und machte sich über die blutverschmierte Haut her. Doch anstatt irgendeine Art des Schmerzlautes zu vernehmen, ertönte ein leises, aber wohliges Seufzen. Sari bewegte eine Hand zu der Ratte vor ihrem Gesicht und begann, diese zu streicheln. Nun erkannte auch Kein, was die Tiere da tatsächlich taten. Die Ratte, welche auf Saris Flügeln saß, entferte die ohnehin bereits ausgerissenen Federn und leckte das verbleibende Federkleid vom Blut sauber. Eine andere saß nun an ihrem Hinterkopf und strich mit ihren Klauen immer wieder durch das schwarze Haar  und entfernte gelegentlich mit den Zähnen den Dreck. Jenes Tier, welches direkt vor ihrem Gesicht saß, leckte das frische und zum Teil getrocknete Blut von der Haut. Allem Anschein nach war dies alles der Grund, weshalb Sari trotz der Gegebenheiten innerhalb dieser Zelle abgesehen von ihrem dreckigen Kleid einen recht gepflegten Eindruck machte. In den Augen der Ratten gehörte sie zum Rudel dazu und wurde infolge dessen auch gepflegt. Doch der Frieden währte nicht lange als erneut Schritte zu hören waren. Sari wusste genau, was dies bedeuten sollte. Die grausamste Art der Folter sollte sie nun zum unzähligen Mal erleben. Sie schreckte auf und verjagte die Ratten, weil sie wusste, was die Sarafanen mit ihnen tun würden. Mit ihrer wiedergewonnenen Kraft setzte sie sich auf und starrte auf die Gitter , vor denen nun 2 der Wächter von vorhin standen. Ihren Anführer hatten sie nicht dabei, dennoch begann Sari am ganzen Körper zu zittern. Sie wusste, dass dies die einzige Gelegenheit war, ihr Versprechen Kain gegenüber zu erfüllen, doch ihr Körper wehrte sich gegen diesen unvermeidlichen Akt der Gewalt, welcher auf sie zukam. Wieder betraten die Wachen die Zelle.
„So, du Dämon. Ich hoffe, du weißt, was jetzt kommt!“ Panik stand ob dieser Worte in ihren Augen. Sie wollte diese Hölle nicht mehr erleben, doch dies war ihr nicht vergönnt. Die Schellen an ihren Gliedmaßen wurden allesamt entfernt abgesehen von jener, die an ihrem Hals lag. Diese Kette nahm man nur von der Vorrichtung an der Wand ab und zerrte die geschundene Frau aus der Zelle. Sari begann zu schreien, versuchte verzweifelt sich an irgendetwas festzuhalten, doch da gab es nichts. Sie war gezwungen, sich mitschleifen zu lassen und all ihre Versuche zu entkommen waren von Anfang an zum Scheitern verurteilt. In all den Jahren, die sie an diesem verdammten Ort zubrachte, hatte sie es geschafft, nie den Verstand zu verlieren, doch wenn sich irgendetwas krankhaft in ihr Hirn gebrannt hatte, dann die Tatsache, dass sie sich nur in ihrer Zelle, an ihren Ketten wirklich sicher fühlte und auch zur Ruhe kommen konnte. Dies erkannte auch Kain als er sah, wie sie sich an den Gitterstäben festklammerte und versuchte, irgendwie wieder in die Zelle hinein zu kommen. Den Wachen wurde das schnell zu nervig. Der, der die Kette hielt, zog nun stoßweise daran, damit sie die Stäbe endlich losließ., doch dies geschah nicht. Der zweite Wächter fasste nun an ihre Arme, um sie so von den Stäben zu lösen-ein tödlicher Fehler, denn aus Reflex biss Sari in das ihr dargebotene Handgelenk. So drangen ihre Fänge in das weiche Fleisch und als sie davon weckgerissen wurde, riss sie ein Stück Fleisch mitsamt einem Teil der Hauptschlagader heraus. Der Wachmann schrie und binnen Sekunden strömte das Blut aus seinen Adern und zierte damit den Boden. Es gab keine Chance mehr zu überleben. Dieser Biss tötete ihn. Erzürnt über den Verlust seines Kameraden, der sich noch auf dem Boden umher wandte, nahm er seinen Schlagstock zur Hand und schlug mehrmals auf den Oberkörper der Mörderin ein. Wieder war das Geräusch von zu Bruch gehenden Knochen zu hören, doch Sari schrie kein einziges Mal, zu geschockt war sie von dem, was sie gerade getan hatte. Selbst, als sie weiter von ihrer Zelle weckgezerrt wurde, wehrte sie sich nicht mehr. Der Schmerz ihrer nun gebrochenen Rippen verflog schnell und sie kam wieder zur Besinnung als sie, wie schon so oft, auf dem Runden Steintisch lag, ihre Kette an einer Vorrichtung des steinernen Tisches befestigt.  Sie vernahm die Stimme ihres Peinigers, der wie so oft die gleichen Dinge sagte…
„... ich werde dich von dieser Sünde befreien, ich werde deine zerrüttete Seele läutern und dich von der Last erlösen…“

Kain starrte noch immer auf die Leiche des Wachmanns, welche da vor der Zelle auf dem Boden lag. Seit kurzer Zeit war Sari erst weg und er fragte sich, was sie noch schlimmeres mit ihr anstellen anstellen konnten abgesehen von dem, was sie ihr bereits angetan hatten. Dann vernahm er Schreie. Zum wiederholten Male hörte er Schmerzschreie von der Geflügelten und eine Ewigkeit schien zu vergehen, bis sie aufhörte und wieder Ruhe in diesen Kerker Einzug hielt.

Wieder das Geräusch einer sich öffnenden Tür, wieder die Stimme eines Menschen, welcher abfällige Bemerkungen über die Geflügelte von sich gab. Als sie vor dem Gitter waren, schaute Kain auf. Wie einen Hund an der Leine, hielt der Wärter die Kette, welche sich bedrohlich eng mehrfach um ihren Hals gewickelt hatte und sie nur sehr schwer atmen ließ. Die Tür zur Zelle wurde wortlos geöffnet und ohne Kain auch nur eines Blickes zu würdigen, legte der Wärter Sari in Ketten. Ohne Chance auf eine Dämmung, schlug ihr Körper auf und eine weitere, frische Blutlache entstand im Raum, mit ihrem Unterleib als Quelle. Der Wachmann schloss die Zelle hinter sich ab und verließ, seinen toten Kameraden ignorierend, den Gang. Das Licht wurde abgeschaltet und es war wieder die gleiche Ausgangssituation. Der Geruch des getrockneten und frischen Blutes und der Gestank der Verwesung waren also so zu erklären. Kain schaute in die Ecke, in der Sari lag, auch wenn er sie nicht sehen konnte, auf einmal konnte er ihren erhöhten Herzschlag und ihren Atem wahrnehmen. Doch in der Zelle blieb es zunächst einige Sekunden still. Nach allem, was man der Geflügelten angetan hatte, war es naheliegend, dass in der nächsten Zeit keine gescheite Antwort auf die Frage zu erwarten war, wie sie Kain aus diesem Verließ herausbringen wollte. Aus den Minuten des Schweigens wurden Stunden und bis auf das Getappel und Quieken von Ratten, die vermutlich bei Sari waren und sich an dem Blut und Dreck labten, war es völlig still.
„Fremder...“, gab Sari nach einiger Zeit von sich und Kains Aufmerksamkeit richtete sich wieder allein auf sie.
„...bitte vergesst Euer Versprechen nicht...“, sagte sie und Kain spürte, wie eine Ratte seine Kleidung hinaufkletterte. Schnell blickte er zu ihr und bevor er den Versuch unternahm, das dreckige Vieh abzuschütteln, erhob Sari erneut die Stimme;
„Tut ihm nichts, Fremder! Er wird Euch helfen...“ in just diesem Moment sah er im Maul der Ratte etwas Silbernes aufblitzen. Offensichtlich trug das Tier den Schlüssel zu Kain. Auf dessen Schulter angekommen, kletterte die Ratte an seinen Arm nach oben auf die Kette und öffnete das Schloss. Augenblicklich spürte Kain seine Kraft, wie sie langsam zurückkehrte. Und das Siegel, welches die Ketten an seinen Armen ergab, zerbrach und es war ein Leichtes, sich von der zweiten Kette loszureißen. Selbst die dicken Gitterstäbe der Zellentür sollten nicht länger ein Hindernis für ihn darstellen. Doch bevor er sich dieser zuwandte, fiel sein Blick erneut auf Sari, die sich als Gegenleistung für ihre Hilfe den Ihren und den Tod der Sarafanen herbeisehnte. Auf ihre Bedingungen einzugehen, sollte kein Problem darstellen. Nach dieser Gefangenschaft war Kain geschwächt und sein Körper schrie nach Stärkung durch Blut. Auch wenn er sie als unwürdiges, niederes Wesen ansah, zur Stärkung sollte sie taugen. Also begab er sich zu ihr und stellte erst jetzt fest, in welch kritischem Zustand sie sich befand. Er bewegte sich zu ihr herunter, darauf bedacht mit den Knien nicht den verdreckten Boden zu berühren, und fasste mit seiner rechten Hand an ihren Rücken, um sie aufzusetzen. Ihre Haare lagen ihr glatt, nahezu gepflegt durch die Fürsorge der Ratten über ihre Schultern. Mit glasigem Blick sah sie in Kains Augen und erstmalig wurde er sich der Schönheit dieser Kreatur bewusst. Das Verlangen nach Blut wuchs in ihm.  
Ihr Blick...
Ihr erhöhter Herzschlag...
Der stockende Atem...
die blasse Farbe ihrer Haut im fahlen Licht und die Tatsache, dass sie ihm nun völlig ausgeliefert war, trug dazu bei. Mit der linken Hand streifte er fast schon zärtlich ihre Haare zur Seite. Dieses Mahl sollte sein Verlangen stillen, doch die Schelle, welche um ihren Hals lag, störte. Er streifte mit der Hand nur einmal über das Schloss der Schelle und schon fiel diese zu Boden und gab den Blick auf ihren geschundenen, aber auch unglaublich betörenden Hals frei. Als das Metall zu Boden fiel, fiel zugleich eine tonnenschwere Last von Sari und zum ersten Mal seit Jahrzehnten, war sie imstande, ihren Kopf zur Seite zu neigen. Kain war ihre Rettung, ihr Erlöser, ihr Messias und dementsprechend bezog sie ein Höchstmaß ihrer Zuneigung nun auf ihn. Sie neigte ihren Kopf zur Seite und lehnte ihn somit gegen Kains Arm. Damit erleichterte sie es ihm zusätzlich, ihr Blut zu nehmen. An dieser Stelle gab es keinen Platz für Worte, weil die gesamte Situation für sich sprach und alles aussagte, was im Moment wichtig wäre.
Kain spürte die Zuneigung, welche ihm zu ersten Mal seit unsagbarer Zeit entgegengebracht wurde, doch er hatte unbeirrt sein Ziel vor Augen. Die geflügelte Kreatur musste sterben, um sein erfolgreiches Fortkommen zu gewährleisten. Also senkte er sein Haupt und stieß seine Fänge langsam und genussvoll in ihr Fleisch um zu trinken.
Kraft...
Macht...
Wissen und Erinnerungen gingen mit diesem Biss in ihn über, doch nichts davon gehörte ihm- Eine völlig neue Erfahrung. Angenehm, stark, aber auf eine unbeschreibliche Art auch reinlich und unantastbar. Diese Eindrücke vernehmend, ließ er vom Hals seines Opfers ab, ohne es getötet zu haben. Er hatte das Gefühl., dass es ein Fehler wäre, sie zu töten, wo er doch nicht mal wusste, was für eine Kreatur sie überhaupt ist und woher sie all dieses Wissen und die Macht hatte. Sari schlug die Augen auf, die sie während des Bisses eigentlich geschlossen hatte und sah Kain tief in die Augen.
„Worauf wartet ihr, Herr? Tötet mich!“
Statt der Aufforderung nachzukommen, ließ Kain gänzlich von ihr ab, hielt sie aber weiterhin aufrecht.
„Nein... Die einzige Bedingung, die ich zu erfüllen habe, ist die Ausrottung der Sarafanen und dies werde ich um jeden Preis tun. Da aber nicht du mir dazu verholfen hast von den Ketten loszukommen, sondern diese Ratte, hast du nicht den vollen Teil der Abmachung erfüllt. Aber ich mache dir ein Angebot, da du mir vielleicht nützlich sein kannst; Für meinen Kampf brauche ich Verbündete, also lasse ich dir großzügigerweise die Wahl.“ Sein Stimmton ließ keinen Wiederspruch zu, doch die Geflügelte fühlte sich dennoch hintergangen. Zugleich fragte sie sich, welchen Dienst sie ihrem Gegenüber erweisen könnte, um es überhaupt zu verdienen hier rausgeholt zu werden. Auf all ihre Fragen wusste nur einer Antwort und dem schaute sie tief in die Augen. Zu schwach zu sprechen, schwieg sie also.
Kain sprach weiter, war sich jedoch bereits jetzt sicher, wie Saris Entscheidung ausfallen würde.
„Entweder ich verlasse diesen Kerker und lasse dich hier allein zurück oder du kommst mit und dienst mir!“ Sichtlich weiteten sich Saris Augen ob der Aussage Kains. Wie lange sollte diese Hölle für sie denn noch weitergehen? Lag überhaupt je die Chance auf ein Ende durch den Tod in Sicht? Was hatte sie nur verbrochen, dass nicht mal ein Vampir, welcher vom Tod lebte, gewillt war, ihr ein Ende zu bereiten?
Nach einem kurzen Schweigen antwortete sie im eiskalten Stimmton
„Ihr seid grausam, Fremder... Seit so vielen Jahren bin ich zum Leid an diesem Ort verdammt. Warum könnt ihr mich nicht einfach töten? Es wäre ein Leichtes für Euch!“
„Das sagte ich bereits, Sari.“, kam es streng von ihm und er sprach weiter.
„Du kannst mir nützlich sein. Diene mir und ich werde dir den Tod bringen, wenn ich dies für angebracht halte. Folgst du mir, liegt dein Leben in meiner Hand und ich verfahre damit, wie es mir beliebt. Du hast immer noch die Wahl hier zu bleiben und nichts an deiner schäbigen Existenz zu ändern.“ Was blieb Sari bei diesen Worten schon für eine Wahl? Auch wenn sie nicht wusste, wer dieser Vampir war, so war er ihre erste und vermutlich gleichsam letzte Chance, diesem Leben zu entgehen. Das Blut ihrer Tränen versiegte und ihre Kraft kehrte, wie schon so oft, langsam zurück.
„Ich werde Euch folgen Herr! In Erwartung auf den Tod durch Eure Hand, werde ich Euch dienen.“
Kain grinste. Mit seiner freien Hand öffnete er alle Ketten, welche Sari so vertraut waren und das erste Mal hatte sie das Gefühl, federleicht zu sein. Ihre Schwerfälligkeit war kein Resultat mangelnder Bewegung. Anders als bei den Menschen, unterlag sie nicht dieser Gesetzmäßigkeit. Wie auch bei Kain waren es nicht die Ketten, welche höhere Wesen an diesen Ort festhielten, sondern die Siegel, welche lediglich durch die Ketten unterstützt wurden. Wurden die Ketten gelöst, brach auch das Siegel, welches Saris Kraft jahrelang geraubt hatte. Als ihre ursprüngliche Stärke zurückkehrte, stand sie auf. Sie konnte es kaum fassen. Auch wenn ihr Körper durch all die Schändungen und Schläge nahezu unerträglich schmerzte, konnte sie einigermaßen problemlos aufrecht stehen. Zum ersten Mal stand sie ihrem Herrn gegenüber und schaute zu ihm auf, da er wesentlich größer war als sie.
„Herr, ich weiß nicht, wie lange ich das durchhalte..“
„Du wirst durchhalten müssen.“ Kain war sich sicher, dass sie unter allen Umständen folgen würde. Schließlich machte sie jeden Schritt um dem ersehnten Tod näher zu kommen, welcher ihr an diesem Ort nie zuteilwerden würde. Das sollte Motivation genug für sie sein. Entschlossen ging Kain nun auf den Ausgang der Zelle zu und öffnete die Tür problemlos. Sari folgte, zögerte jedoch, als sie an der Schwelle stand. Das letzte Mal als sie in Ketten aus der Zelle gezerrt wurde, hielt sie sich mit aller Kraft an den Gittern fest und versuchte, zurück zu kommen. Nun sollte sie diese in Freiheit verlassen, doch es fiel ihr schwer, diesen Schritt zu machen. Auf einmal kamen die drei Ratten zu ihr, welche sie bisher gepflegt hatten und wollten Sari diesen Schritt scheinbar erleichtern indem sie unbefangen durch die Tür von der Zelle in den Gang rannten und dann erwartungsvoll zu der Schwarzhaarigen aufschauten. Sie folgte, Kraft dieser Tiere, welche ihr die Existenz in diesem Verließ in all der Zeit um einiges erträglicher gemacht hatten. Sie waren ihre Freunde, ihre persönlichen Verbündeten, daher ließ sie es auch zu, dass die Ratten an ihrem ramponierten Kleid hochkletterten und sich auf ihren Schultern niederließen und sich dort festhielten. Es konnte endlich beginnen. Ihre Pilgerreise aus diesem höllischen Kerker in Freiheit...
„Herr, was ist mit Magnus? Er ist ein Vampir, wie ihr.“ Auf die ausgesprochene Frage hin verharrte Angesprochener einen Moment lang und schien nachzudenken ehe seine Entscheidung fiel.
„Sollten wir ihm begegnen, so werde ich ihm die Wahl überlassen sofern ich ihn als nützlich erachte…“.
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