Hüter des Schmerzes

von Kayano
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P16
Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Zauberer & Hexen
06.01.2019
14.07.2019
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Dunkelheit.
Um sie herum war nichts als undurchdringliche Schwärze.
Sie wusste nicht, wo oben und unten war, keiner ihrer Sinne schien noch zu funktionieren. Sie sah nichts, sie roch nichts, sie hörte nichts, sie fühlte nichts.
Da war nichts.
Sie schwebte in einer unaufhörlichen Leere.
Wo war sie?
Wie war sie hergekommen?
Wie kam sie hier heraus?

Sie konnte sich nicht bewegen.
Als würde sie von unsichtbaren Schatten gehalten, die sie all ihrer Sinne beraubt hatten.
Sie hatte das Gefühl etwas vergessen zu haben, etwas Wichtiges, doch sie kam nicht darauf. Umso mehr sie versuchte, dieses Gefühl, diesen Gedanken zu greifen, umso mehr verflüchtigte er sich, wie der Rauch einer ausgeblasenen Kerze. Ein ungeformter Gedanke, der einfach keine Gestalt annehmen wollte.
Wäre doch nur nicht diese elende Dunkelheit um sie herum! Könnte sie doch nur etwas fühlen, etwas sehen, etwas hören … Vielleicht würde das ja ihren Gedanken auf die Sprünge helfen …
Aber ja, die Dunkelheit.

Irgendetwas regte sich in ihr.
Ein Gefühl, endlich auf dem richtigen Weg zu sein. Diese Dunkelheit machte sie wahnsinnig, sie musste ihr entkommen.
Aber warum noch mal?
Es war wichtig, sie wusste es, sie spürte es, aber warum nur war es so wichtig?
Sie kam nicht darauf. Noch immer bildeten ihre Gedanken nur formlosen Rauch, doch sie kam der Antwort näher, sie  spürte es.
Sie konzentrierte sich, sammelte ihre Gedanken, legte ihren Fokus ganz auf die Dunkelheit um sie herum.
Sie musste dem ein Ende setzen, hier und jetzt.
Dieses Gefühl der Dringlichkeit nahm mit jeder Sekunde zu, ließ sie langsam, Stück für Stück, erwachen.
Sie musste handeln. Jetzt.

Sie lenkte all ihre Anstrengung auf ihren Körper. Sie musste sich bewegen, wenn auch nur einen einzigen Millimeter.
Sie musste!
Sie wusste nicht wieso, sie wusste nicht wie, aber sie wusste, dass  sie etwas unternehmen musste.
Ihre Fingerspitzen zuckten.
Nur ein einziges, winziges Mal, doch auf einmal brachen all die Empfindungen auf sie ein.
Sie fiel in unendliche Tiefe und tausende Bilder fluteten ihren Geist. Ungreifbar und doch permanent präsent nahmen sie all ihr Sein ein, ließen sie hören, fühlen, sehen, riechen, ja sogar schmecken. Wie wahllos aneinander gereiht strömten diese Bilder durch ihren Geist und doch passten sie irgendwie zusammen. Sie konnte es nicht begreifen, konnte es nicht erfassen, aber all die Bilder sagten ihr gleichzeitig etwas und nichts, kamen ihr bekannt und vollkommen fremd vor und irgendwie ergab das alles einen Sinn und irgendwie … auch nicht.
Und plötzlich wurde die Bilderflut von einem grellen Licht überlagert, das ihr die Sicht nahm und sie blendete, bis ihre Welt in Weiß getaucht, wie sie vorhin in Schwarz getaucht war.
Ein gleißender Schmerz explodierte in ihr und dann nichts mehr

~*~

Diese Geschichte wird von meiner Beta-Leserin Ravaari korrigiert. Ein riesiges Dankeschön dafür ^^
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