71

von Petronia
OneshotDrama, Familie / P12
06.01.2019
06.01.2019
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Der Oneshot ist ein Beitrag zu der Challenge »1 Beginn, 1 Ende, 1 Wort« von Liz Tonks, die aktuell noch läuft.

Die Challenge ist:
Für die ausgewählte Nummer wird ein Wort vorgegeben, welches im ersten und im letzten Satz vorkommen muss. Der erste und letzte Satz dürfen dabei nicht identisch sein und es sollten mind. 200 Wörter sein.

Hier nun also der Beitrag zur 71 Warnung:


Seine Warnung war überdeutlich. Warmes Blut lief ihr über die Wange, während sie ihn für einen Moment verwundert ansah. Damit hatte sie nicht gerechnet. Nicht bei ihm.
Den kalten, dreckigen Boden unter ihr nahm sie eher wahr als den Schlag in ihr Gesicht.

In dem Moment, in dem sie die Realität einholte, verzog sich ihre Miene.

„ Wie kannst du nur! Ich versuche doch nur dir zu helfen!“ brach es aus ihr heraus.

Die erhoffte Antwort, eine Entschuldigung oder das Beteuern die Aktion abzublasen, alles blieb aus. Viel zu sehr war er schon wie sein Vater geworden. Skrupellos.

Er würde dieses Ziel verfolgen, egal was es kosten sollte. Rache konnte ein starker Antrieb sein, aber genauso gut war sie auch der Ruin der eigenen Persönlichkeit. Viel zu oft blieben die Familie, Freunde und geliebte Menschen dabei zurück, wurden verletzte sowohl emotional wie auch physisch. Man verliert seine Menschlichkeit dabei.

„ Ich werde dich nicht gehen lassen. Egal wie oft du mich schlägst. Wieso kannst du nicht aus den Fehlern anderer lernen?! Hast du nicht gesehen wie die Sache endet wenn du weiter machst?“

Ihre zarte Hand hatte sich schon längst in seinen Arm gekrallt. Es war ihr egal ob sie ihn damit verletzte. Ihm würden viel schlimmere Dinge angetan wenn sie ihn nicht aufhalten könnte. Er würde sterben. Da war sie sich sicher. Es wäre das letzte was er je tuen würde und sie würde ihn nie wieder sehen.

Wenn es sein muss breche ich dir die Beine und halte dich solange fest bis du wieder zu klarem Verstand kommst!

Bei dem Gedanken ihn auch noch zu verlieren kamen ihr unwillkürlich die Tränen.

„Ich hab doch nur Angst um dich, versteh das doch.“

„Es ändert nichts daran. Meine Entscheidung steht fest. Auch wenn ich dich nicht verletzten will, ich muss das machen Caity. Es gibt keinen anderen Weg.“

Langsam begriff sie, dass egal was sie tat, nichts würde seinen Entschluss ändern. Resigniert stand sie vor ihm, den Blick gesenkt wohlwissend dass ihr keine Optionen mehr blieben um ihn zum Aufgeben zu bewegen. Die bittere Wahrheit wurde ihr mehr und mehr bewusst, als er ihre Hand von seinem Arm entfernte. Abdrücke ihrer Finger und Nägel waren auf seiner Haut zu sehen.

Sie würde ihn nicht gehen lassen. Egal was es kosten mochte. In dieser Hinsicht waren sie wohl ähnlich starrköpfig.
Unvorbereitet war sie zu dem Gespräch nicht gekommen. Sie hatte schon geahnt das ein paar warme Worte wenig Einfluss haben würden, auch wenn sie so sehr darauf gehofft hatte.  

„Es tut mir Leid Caity, aber ich kann da keine Rücksicht auf dich nehmen. Und ... egal wie es heute Nacht ausgeht und was ich tue, denk bitte daran das ich dich liebe. Du wirst immer meine kleine Schwester sein.“

Im nächsten Moment lagen auch schon seine Hände um ihren Hals, die Luft wurde ihr langsam knapp.

„ Verdammt James lass los!“

Doch ihre schwachen Schläge auf seine Arme und die zu kurzen Tritte nach ihm hatten keine Wirkung. Das Blut schoss ihr in den Kopf.

Scheiße er meint es wirklich ernst!
„James bitte! Ich ... krieg keine ... Luft mehr...“

Doch seine Hände ließen nicht los. Der Druck auf ihren Kopf nahm zu und ihr Sichtfeld verringerte sich immer weiter. Die schwarzen Ränder zogen sich zu während sie keine Luft zum schreien hatte.
Doch er sah sie nur mitfühlend an. Kein Hass, keine Missgunst fanden sich in seinen klaren grünen Augen. Sein Blick lag nur sanft auf ihr. Man hätte fast schon meinen können die Andeutung eines Lächelns zu erkennen.

Und so war sein ruhiges Gesicht vorerst das letzte was Caitlyn sehen würde. Behutsam legte er sie auf den kalten Boden, zwischen zerbrochenen Falschen, heruntergebrannten Zigarettenstummeln und den Zeitungen der letzten Tage. Wenn sie in ein paar Minuten aufwachen würde wäre er schon über alle Berge.
Er wusste, wenn sie nicht da sein würde, wenn sie hier bewusstlos läge, dann wäre sie sicher. Er bräuchte nur etwas Vorsprung. Zwar hatte er sich ihren Abschied so nicht vorgestellt, doch würde er jetzt damit Vorlieb nehmen müssen, in der Hoffnung ihr Lächeln noch einmal sehen zu dürfen.

Es verging fast eine viertel Stunde bis Caitlyn ihre Augen wieder aufschlug. Wofür hatte sie den verdammten Taser überhaupt mitgenommen, wenn sie am Ende nicht den Mut hatte ihn einzusetzen?  Wütend über sich selbst,  nicht den nötigen Schneid mitzubringen ihren Bruder zu seinem Wohl verletzen zu können, richtete sie sich langsam auf.

Die Würgemale an ihrem Hals waren deutlich sichtbar. Noch einmal dürfte es nicht so weit kommen. Über sich selbst fluchend setzte sie schwankend einen Fuß vor den nächsten. Er hatte sich so sehr verändert. Nie hätte sie daran gedacht von ihm geschlagen zu werden, oder gar gewürgt. Aber sie war nicht gewillt ihn einfach gehen zu lassen. Sie würde nicht tatenlos zusehen. Immerhin ging es hier um den Rest ihre Familie. Kampflos würde sie ihn nicht aufgeben.

„Tut mir Leid James, aber ich scheiß auf deine Warnung.“



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So Nummer 71 ist nun durch:-)
Bin gespannt auf hoffentlich vorhandene Meinungen.

Die Szene eines streitenden (Geschwister)Pärchens bei dem beide Angst umeinander haben schwirrt mir schon eine gewisse Weile im Kopf rum. Ich habe versucht etwas Dialog und Spannung rein zu bringen. Wahrscheinlich wäre dies besser gelungen hätte man im Vorfeld mehr Informationen zu beiden Charakteren und deren Beziehung zueinander. Würde mich freuen wenn konstruktive Kritik da gelassen wird.

PS: Da der Text nachts mit Schlafmangel entstanden ist bitte ich kleine Fehler nicht zu hart zu Bewerten. Ich werde sie ändern wenn ihr mich darauf aufmerksam macht.
Danke <3  

Liebe Grüße
Liv
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