Vermenschlichung

von Akary
GeschichteAbenteuer, Tragödie / P16
Carson Beckett Die Antiker Die Wraith Elizabeth Weir John Sheppard Rodney McKay
05.01.2019
09.02.2019
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Ein lautes Kreischen drang durch viele dunkle Korridore und hallte schrill durch die Eingeweide eines Raumschiffes. Es gab scheinbar keine Möglichkeit für das Geräusch von Wänden verschluckt zu werden, denn selbige waren löchrig, von der Zeit gezeichnet und ein automatisiertes System sorgte schon dafür, dass eine erneute Sirene den Ton aufgriff und verbreitete. Dennoch dauerte es eine gewisse Weile bis das Kreischen einem Zielpunkt und damit seinem scheinbaren Zenit entgegen fieberte, denn der Weg bis in die Kammer der Königin war verzweigt und ein Ton neigte dazu sich in Winkeln zu verlieren. Hinzu kam, dass der Schlaf besagter Königin extrem tief zu sein schien, denn sie zuckte kaum mit einer Wimper ob der scheinbaren Störung und schlummerte weiter. Nun waren die Systeme des Baisisschiffes, welches den Signalton durch seine Einweide sandte schlau genug, um die mangelnden Nutzen dieser Maßnahme zu erkennen. Also erwachte ein neues System zum Leben, mit dem Befehl eine Wächterdrohne zu wecken, in der einprogrammierten Hoffnung die schlafende Gigantin dadurch aus ihrem Schlummer zu reißen. Selbige Maßnahme dauerte nur wenige Sekunden und war augenblicklich von Erfolg gekrönt, denn die besagte Drohne ruhte nur recht oberflächlich, war es doch seine Bestimmung verhältnismäßig leicht zu erwachen. Basisschiff, Besatzung und Königin schliefen schon außergewöhnlich lange und sie waren zusätzlich weit entfernet von den Anderen ihrer Art, sodass nicht einmal das übrige Erwachen der Wraith in der Pegasus-Galaxie von ihnen registriert worden war.
Nun war es aber gelungen die Wächterdrohne zu erwecken und diese wusste instinktiv was dies bedeuten mochte. Die Königin wecken, Schiff und Besatzung überprüfen und äußerst wichtig: Den Grund des Weckrufes in Erfahrung bringen. So gesehen, war die Ursache des automatischen Weckrufes wohl mit am bedeutsamsten, denn es war äußerst schlecht für das eigene Überleben eine hungernde Königin grundlos zu wecken. Die Wraith waren eine uralte Rasse, welche Jahrhunderte lang im Winterschlaf zubringen konnten, ohne sich zu Nähren, aber stets voller Hunger und Übellaunigkeit erwachten. Es sollte in der Vergangenheit schon Königinnen gegeben haben, die in ihrer Unausstehlichkeit die Besatzung ihres Schiffes zu konsumieren begannen und dies war für die Funktionalität eines Basisschiffes, welches aus der Starre erwachte, äußerst ungünstig, so ohne Besatzung. Demzufolge war die erweckte Drohne bestrebt darin eine Status-Konsole zu erreichen, was sich als mühsames Unterfangen erwies, da der männliche Wraith selbst durch Hunger und Schlaf geschwächt war. Er benötigte seine Zeit, bis schließlich seine immer noch tauben Finger die Bedienelemente einer Konsole dazu überredeten entsprechende Informationen auszugeben. Was die Anzeige ihm jedoch verkündete ließ ihn genervt seinen Kopf in den Nacken werfen und ein Grollen der Wut ausstoßen. Es hatte unweit von ihrem Standort entfernt eine gigantische Explosion gegeben und die Schiffssysteme registrierten noch immer die Nachwehen einer sich ausbreitenden Schockwelle. Der Weckruf war also ein Hilferuf des Basisschiffes selbst. Es gab Systeme die das Schiff zur Flucht benötigte, Systeme die nur die König befehligte und laut den Anzeigen mussten diese Befehle schnell erfolgen. Die Wut der Drohne bezog sich primär darauf keine Zeit verstreichen lassen zu dürfen, mehr Informationen konnte er nicht abrufen ohne wertvolle Sekunden zu verschwenden. Sein Auftrag war es die Königin zu wecken und würde sie herausfinden wieso sie erwachte, wäre es auch seine Bestimmung sich ihrer Wut auszusetzen. Daher rannte er und verteilte intern seine Lebensenergie um noch ein wenig schneller zu werden. Er flitzte wortwörtlich durch das Schiff, denn die internen Transportvorrichtungen waren inaktiv und sein neues Ziel von den Schallwellen einer Sirene schneller zu erreichen als zu Fuß. Gleichsam wusste er, dass die Königin sich nicht hatte von den Tönen wecken lassen, die ihn durchaus störten, aber ebenfalls ignoriert worden waren. Erst ein Zusatzmechanismus war in der Lage gewesen ihn ins Leben zurück zu holen. Frust ließ ihn fast noch schneller rennen und sein Ziel dann doch innerhalb weniger Minuten erreichen. Ein paar Befehlssequenzen später befand es sich auch schon in der Kammer seiner Königin. Sie schlief auf ihrem Thron und wirkte als hätte sie sich erst vor einigen Sekunden nieder gelassen, um kurz erschöpft die Augen zu schließen, denn vor Jahrtausenden. Richtig. Sie schliefen schon Jahrtausende lang. Zeit besaß für sie im Schlaf kaum Bedeutung, erst der Hunger beim Erwachen erinnerte sie  daran. Kurz hielt die Drohne in ihrer Bewegung inne und dachte über den möglicherweise verstrichenen Zeitraum nach, Jahrhunderte oder Jahrtausende? Letzteres mochte ein Grund sein, dass seine Königin fester schlief als berechnet und seiner Einschätzung nach womöglich noch viel länger schlafen sollte? Wunderbar. Sie zu wecken würde kein Vergnügen bedeuten, doch egal welche Gefahr von der eigenen Königin ausgehen mochte, sie war es auch, welche das Leben des Schiffes und der Besatzung zu Schützen in der Lage war. Er hoffte sie würde es verstehen. Seine Hand griff sachte nach der ihrigen und die beiden Ernährungsöffnungen vereinigten sich für einen kurzen Moment. Die Wächerdrohne war bereit sein Leben zu geben, um die Königin zu stärken und bei ihren Entscheidungen zu unterstützen, zur Not mit seiner eigenen Lebensenergie. Ja, auch dies gehörte zu seinen Aufgaben, dies war Teil seiner Bestimmung, welche er nicht anzweifelte und daher danach handelte. Sanft drückte seine Hand bestimmte Punkte an der ihrigen und die Nährungshand der König griff reflexartig zu und begann gierig einer ganz eigenen Programmierung nachzukommen. Die Drohne spürte bereits kurze Zeit später, wie sich an ihm genährt wurde, wie seine Königin begann das Leben aus ihm zu saugen, um sich selbst zu reaktivieren und kurz bevor er entkräftet in die Knie sank, sah er sich öffnende Augenlieder. Kalt und gelb glühend blickten die Augen seine König auf ihn herab. Akari. Sie war die Königin einer der Wraith-Stämme die sich am weitesten in die Galaxie entwickelt hatten. Sie besaß ihre ganz eigene Bestimmung und auch wenn sie eine Königin war, würde sie ähnlich der Wächterdrohne ihren Instinkten folgen.

Akari spürte die Energie in ihren eigenen Körper fließen. Sie breitete sich von ihrem Ernährungsorgan aus, ihren Arm entlang, direkt in ihren Körper und erweckte ihr Herz und ihr Gehirn. Dennoch dauerte es wertvolle Augenblickte bis sie wirklich erkannte was ihre Sinne registrierten und sie zwang sich förmlich die Nahrungsaufnahme zu verzögern, denn sie bemerkte an wem sie sich hier nährte. Es handelte sich um eine der Wächterdrohnen, deren Existenz darin bestand dem Schiff zu dienen. Das Basisschiff musste ihn erweckt haben um ihre Mithilfe zu erbitten. Die Situation in der sie erwachte war offenbar nicht die von ihr bevorzugte, denn dann wäre ihr Weckruf von weit weniger Dringlichkeit begleitet gewesen. Genüsslich kostete sie den für sie letzten Bissen des Mahles aus und öffnete schließlich ihre Handfläche und stieß die Drohne mit einer gezielten Druckbewegung zurück. Sie sah wie ihr Diener rückwärts stolperte und dann schließlich doch seinen Halt fand, doch das Zögern seiner Bewegungen sprachen für die Königin Bände. Sie konnte vieles aus diesem Verhalten ablesen, die Dauer ihres Schlafes, ihrer aller Entkräfung und natürlich indirekt den Zustand des Schiffes. Genau. Das Basisschiff hatte sie gerufen, jetzt erinnerte sich Akari an ein schwaches Signal innerhalb ihrer eigenen Traumwelt, doch sie war geübt darin es zu ignorieren. Es gab viele Signale die das Basisschiff während seines Ruhezyklus verarbeitete und an sie weiter leitete, doch Akari musste abwägen welchen Zeichen sie folgte und was das Schiff oder ihre Diener selbst erledigen mochten. Lange Ruhephasen ihrer Rasse forderten manchmal auch Opfer unter den ihrigen, doch im Allgemeinen genügte es für den Wiederaufbau wenn die Königin überlebte. Mühsam richtete sie sich daher etwas auf, als ihr gewahr wurde, dass ihr Überleben nicht mehr gesichert war, sonst wäre kein Wächter zu ihr gekommen sondern ein Bote, letzterer mit der Nachricht neuer Nahrungsquellen. Dies war soweit sich Akari erinnerte ihr letzter Befehl gewesen, Wiedererwachen sobald die Nahrungsquellen der umliegenden Systeme sich regeneriert hätte. Ja. Sie kannte ihr Jagdgebiet gut, sie lebte hier schon fast Äonen und die Menschenvölker ihres Reviers waren nahrhaft, wenn auch nie übermäßig zahlreich vertreten. Die Ruhephasen zwischen den Mahlzeiten dauerten manchmal Jahrhunderte oder noch länger, nötige Erholungsphasen für die Menschenvölker um sich zu reproduzieren, denn diese waren die Hauptnahrungsquelle der Wraith. Langsam richtete sich die Königin vollständig auf und wandte sich und ihren Körper einem Bedienelement des Schiffes zu, welches in ihren Thron eingearbeitet war. Der Zugriff per Hand war mühselig und langsam, doch für den geistigen Zugang musste sie noch etwas die eigenen Kräfte schonen, denn sie fühlte sich selbst noch leicht benebelt. Zunächst konsultierte sie den Schriffscomputer, um einen Überblick über die verstrichene Zeit zu gewinnen und schloss genervt die Augen. Die Datenbanken schienen durch Strahlung beschädigt zu sein und das Ergebnis der Datumsabfrage war ein Wirrwarr aus Schätzungen, die recht genau waren, aber vermutlich nicht stimmten. Zumindest wollte Akari den Angaben nicht trauen, denn sie waren ja auch nur technisch, viel genauer war der Gedankenaustausch, eine Fähigkeit mit welcher jene ihres Volkes schon immer Erfahrungen und Gedanken austauschten. Darum hielt sie sich gar nicht lange mit der langsamen Technik auf, sondern streckte ihre geistigen Fühler in die nahe Umgebung. Sie fand auch recht schnell die Gedanken-Signaturen ihrer anderen Basisschiffe, sie waren immer noch im Sektor verstreut, aber gut versteckt um nicht zufällig in der Realität schlafend gefunden zu werden. Akari versuchte eines der anderen Schiffe zu wecken, doch keines der Systeme reagierte auf ihren schwachen Ruf, nur das eigene Schiff drängte beständig um Aufmerksamkeit. Genervt biss sie daher die Zähne zusammen und knurrte in den fast luftleeren Raum, welcher ihr Thronsaal war. Es schien als ob gerade nur Akari selbst und ihr Diener am Leben waren und letzterer nur noch äußerst schwach. Die Einsicht traf sie spontan, doch vermutlich würde die Drohne, welche den Auftrag besessen hatte Akari zu wecken wohl nur noch Minuten oder wenige Stunden selbst am Leben sein. Inzwischen war die Königin kräftig genug, um zu spüren wie es um ihren treuen Diener stand. Ein Teil von ihr wollte eine gütige Herrscherin sein und zu dem Getreuen gehen, ihm womöglich danken oder vergeben, aber dieser Gedanke schaffte es kaum sich zu manifestieren, da drang erneut das Schiff in ihre Gedankenwelt und zeigte Schemata, welche das Ausmaß der Strahlung verdeutlichten und angerichtete Schäden aufzeigten. Die Liste der beschädigten Systeme war kurz, wenn auch dramatisch. Der Hyperraumantrieb, Lebenserhaltung, Navigation, Kommunikation, Energiesysteme. Alles wichtige Dinge, die nicht mal eben von einer Person, wenn auch Wraith, repariert werden konnten. Praktisch vernichtet waren die Langstrecken-Systeme, schwer beschädigt lediglich alles was man für die Kurzstrecke innerhalb des Sternensystems benötigte, halbwegs intakt blieben die Jägerbuchten mit ihrer geringsten Reichweite, interplanetar und interstellar. Jäger. Ihr waren die Jäger geblieben und die Besatzung? Sollte sie sich selbst in einen Jäger setzen und wie eine Biene um ihren Bau kreiseln, bis ihr der Saft ausginge? Erneut betrachtete sie die Sensoren des Basisschiffes. Nach ihrer eigenen Erinnerung waren sie in der Nähe eines Sternensystems gewesen, einem Beobachtungsposten. Die nötigen Berechnungen vorzunehmen war nicht kompliziert und alsbald besaß die Königin ihre Antwort. Ja, es war möglich. Sie könnte mit einem Jäger den alten Beobachtungsposten erreichen.
Zumindest glaubte sie das es sich noch um einen Außenposten dieser Art handelte, von den Antikern errichtet um Experimente durchzuführen, doch nach den Daten der Strahlung zu messen, mochte der Vorposten nicht mehr existieren, wenn nicht sogar zerstört worden sein. Die Königin erinnerte sich für einen Moment zurück und versuchte zu kalkulieren, welche Zerstörungskraft die Anlage beherbergen mochte, doch ihr Denken fühlte sich zähflüssig und langsam an und sie kam lediglich zu dem Schluss, dass es dort Energie im Übermaß gab und sie eben jene sehr gut gebrauchen könnte, diese sogar ihr Überleben sichern würde. Genervt stieß sie ein kreischendes Geräusch aus und legte dabei den Kopf in den Nacken, innerlich in die Stille, die anschließend folgte, lauschend. Keiner ihrer Drohnen reagierte auf den Ruf, auf keinem der Kommunikationswege und die Wächterdrohne existierte inzwischen ebenfalls nicht mehr, war verstorben. Akari war allein und dies würde sie bleiben, sofern es ihr nicht gelänge sich und ihr Schiff zu retten. Der Außenposten der Antiker würde also ihr nächste Ziel sein, denn anders würde sie die Systeme ihres Basisschiffes kaum wiederbeleben können. Innerlich schmerzte es sie zurück zu kehren, denn sie kannte das System, die Forschungseinrichtung und die Experimente aus eigener Erfahrung. Ein Teil von ihr wollte nicht dorthin zurück, einem Ort der Versuche und Niederlagen, aber sie konnte es sich nicht erlauben aufzugeben, wie es so gerne ihre menschliche Beute zu tun pflegte. Niederlage war den Wraith so fremd wie das Weltall dem Großteil der Menschheit und daher führten sie ihre Schritte zum Hangarbereich ihres Basisschiffes, wo sie gezielt einen Jäger bestieg und ihn startete.

Die internen Systeme des Jägers aktivierten sich ohne Verzögerung und die Königin erblickte in ihrem Kopf das wohlbekannte Interface der Maschine. Genau so hätte sich auch das Basisschiff anfühlen müssen, theoretisch war auch das Hauptschiff mühelos in der Lage dazu ihre Sinne und Wünsche zu interpretieren, doch wie sie bereits mehrfach feststellen musste, mangelte es an Energie, Senosrreichweite,  Besatzung und anderer Systeme. Ihr mangelte es so ziemlich an Allem, außer einem kleinen Jäger, der geräuschlos das Schiffsinnere verließ und dem Weltall entgegen sauste. Da sich ihr Basisschiff am Rande des Systems befand, war es nicht schwer in selbiges einzudringen, doch anstelle von Planeten und einer Sonne wurde der kleine Jäger von Trümmern und noch mehr gefährlicher Reststrahlung überrascht und seine Pilotin reduzierte die Reisegeschwindigkeit, um nicht erneut in eine Schockwellenfront zu geraten. Sie nutzte die Sensoren und Wendigkeit ihres Jägers und näherte sich langsam, dabei etliche Trümmer durchquerend, der Quelle einer offenbar gigantischen Explosion. Was zunächst nur ein Verdacht gewesen war bestätigte sich schnell, irgendwie war es den Antikern gelungen ein Sternensystem in die Luft zu jagen, oder besser gesagt den Nachfahren der Antiker. Akari ging dann doch von Letzterem aus, immerhin war sie fast komplett davon überzeugt das die Wraith die Antiker geschlagen hatten, nur um wirklich sicher zu sein brauchte sie mehr Informationen als ihren eigenen Wissensstand. Es lag weniger daran, dass Wraith im Winterschlaf vergesslich zu werden drohten, als vielmehr, dass Akari nicht viel von dem Krieg mitbekommen hatte, denn ihr Zuhause lag in eben jenem Sternensystem, welches sie gerade besuchte und obgleich sie doch eine Wraith-Königin war, so lebte sie noch nicht allzu lange, im Vergleich zu ihren Schwestern.
Akari navigierte ihren Jäger mühelos durch geschmolzenes Gestein und auch an sich offenbar neu bildenden Teilgestirnen vorbei. Laut den Daten ihres Jägers schienen überall im System Gesteinsreste zu kollidieren und zu verschmelzen und womöglich würde sich auf diese Art in ein paar Milliarden Jahren ein neues System entwickeln, vorausgesetzt die Sonne war noch halbwegs intakt. Ihre Sensoren erfassten nur geringe Restwärme, die offenbar von einem weißen Zwerg auszugehen schien, möglicherweise die Reste einer implodierenden Sonne? Wirklich sicher sein konnte sich dessen Akari nicht und auch ihre Sensoren wollten ihr keine genaueren Ergebnisse liefern, denn Radius, Quelle und Gestalt der Zerstörung blieben weiterhin unbekannt und ganz genau gesehen war es Akari egal wer die Forschungseinrichtung der Antiker auf dem Gewissen hatte, sie wollte nur das eine oder andere Energiesystem bergen. Seltsamerweise spielte das Glück in ihre Hände und alsbald fingen ihre Sensoren ein vertrautes Signalmuster auf, es stammte von mehreren ZPM’s, den Energiequellen der Antiker. Es brauchte keine großartige Kurskorrektur, jedoch kompliziert berechnete Ausweichmanöver, dann erreichte sie die Energiequelle. Es handelte sich um einen Asteroiden, der mit zusätzlichen Schutzvorrichtungen ausgestattet offenbar das Chaos der Explosion einigermaßen überlebt zu haben schien. Ob sie erfreut sein sollte über solch einen glücklichen Zufall? Möglicherweise könnte sie sich einem entsprechenden Gefühl der Freude hingeben, aber diesen Moment wollte sie sich aufbewahren und erst einmal sicherstellen, dass jenes Versteck, in Form eines Asteroiden, wirklich die begehrten Energiezellen enthielt. Ihre Sensoren durchdrangen ohne Mühe die Schutzmaßnahmen des Verstecks und alsbald war Akari über den internen Transporter ihres Jägers in das Innere des Gesteins gesandt. Sie materialisierte sich im luftleeren Raum und wusste sofort, dass ihre Suche nicht allzu lange weilen durfte, wenn sie überleben wollte. Wraith konnten äußerst gut im Vakuum existieren, aber leider nur im Winterschlaf und selbst dann verbrauchten sie, auch wenn minimal, Lebensenergie, also konnte ein Wraith auch mit der Zeit sterben. Von diesem Zeitpunkt sah Akari sich aber noch weit entfernt und sie nahm schleunigst ihre Suche auf, um dies auch so beizubehalten. Das Versteck war schnell durchsucht, da kaum größer als zwei bis drei Aufbewahrungsalkoven ihres Schiffes, dennoch bemerkte Akari in ihrem Körper die Anstrengung der kleinen Suchaktion und es stellte sich ebenfalls als weniger ideal heraus, dass der Lohn ihrer Mühe lediglich aus zwei ZPM’s bestand. Geringere Spezies, wie beispielsweise Menschen, wenn sie einen entsprechenden technologischen Fortschritt besäßen, wären vor Freude ausgeflippt, doch zwei ZPM’s genügten tatsächlich gerade so um ein Basisschiff der Wraith wieder fitt zu machen, geschweige denn von einer kleinen Flotte. Ihre Optionen hatten sich gerade erweitert und blieben dennoch erstaunlich gering. Als Königin schmerzte es sie innerlich den Großteil ihres Volkes hier zurück lassen zu müssen, maximal zwei Basisschiffe könnte sie versorgen, der Rest müsste im Hyperschlaf verbleiben. Akari hatte einst eine kleinere Flotte besessen, jetzt würde ihr Reich auf zwei Schiffe schrumpfen. Wut und Hass waren mächtige Emotionen unter den Wraith und so legten eben jede sich auch um Akari wie ein wohliger Schleier und sie verließ eher wutschnaufend, denn freudestrahlend, das Versteck mit ihrer Beute.
Ihr Jäger war schon auf dem Weg zurück zum Basisschiff, da erinnerte sie sich daran dieses System womöglich zum letzten Mal gesehen zu haben. Verlustgefühle? Einst war die Forschungstation ihre Heimat gewesen, hier war sie erschaffen worden, doch dies war lange her und offenbar zerstört worden, von wem auch immer. Sie wollte sich von ihrem akuten Ziel, ihr Basisschiff wieder in Betrieb zu nehmen, auch nicht ablenken lassen. Dieses System war Tod, hier gab es nicht einmal Nahrung für Wraith, nur für Raumschiffe. Gemeinsam mit den Energiezellen kehrte sie schließlich auf ihr eigenes Mutterschiff zurück. Der Einbau der neuen Technologie in ihr Schiff erforderte wiederum einiges an Arbeit, denn als Königin war sie selbst nur bedingt mit der Bauweise eines Raumschiffs vertraut, sie begnügte sich normalerweise eher damit eines zu befehligen. Dementsprechend langsam ging es auch voran, obgleich die lebendige Masse, aus der ein Basisschiff bestand, es ihr einfacher machte als gedacht. Tentakel schlangen sich um die Energiezulieferer, sobald Akari ihre kostbare Beute an die entsprechenden Energieknoten anzuschließen begann. Fasziniert beobachtete sie eine Weile das Schauspiel der sich verknotenden Schlingen und suchenden Schnittstellen, bis sich vor ihr eine Art Würfel bildete, in deren Mitte sich die Energiezellen befanden. Noch war der Würfel durchsichtig, nur ein paar Kabel des Schiffes bildeten die sichtbaren Grenzen, doch das Schiff würde ihn alsbald komplettieren und dann wären bis auf verräterische Energiesignaturen nicht mehr viel übrig von der Antiker-Technologie. Akari’s Plan war natürlich schon viel weiter gediegen, gerne wäre sie zum Hauptsystem geeilt und hätte sich an die Einleitung der Wiederbelebung ihrer Mannschaft gemacht, aber schon blinkten und heulten Alarmsirenen, welche in ihrer Harmonik andeuteten soeben erst erschaffen worden zu sein und eindeutig der neuen Energiequelle zugeordnet. Selbst eine neue Bedienkonsole war in der Erschaffung durch das Basisischiff inbegriffen und Akari spürte bereits die Kreierung der geistigen Zugangspunkte, welche es ihr erlauben würden in Zukunft die neuen Energiesysteme auf Wraith-Art zu kontrollieren. Eine Königin steuerte überhaupt viele Systeme kognitiv, denn sie war mit ihrer Mannschaft und dem Schiff verbunden, darum galt es ohnehin auch als sicheres Anzeichen, dass mit dem Tod einer Königin alles vernichtet wurde was diese kontrollierte, denn umgedreht erschuf sie sozusagen alles aus dem Nichts. Alles gehört ihr und sie war die Mutter von Allem und obwohl sie soviel Macht besaß war sie gerade unglaublich einsam. Der Großteil ihres Schiffes und ihrer Besatzung befand sich noch im Schlafzustand und sie konnte nur darauf warten, ob das Schiff die neue Energiequelle adaptierte und sich zu Eigen machte. Natürlich konnte sie ein wenig helfen, darum begab sie sich schließlich doch zu der, aus dem Boden gewachsenen, Konsole und tat ihr Möglichstes um den Alarm abzustellen und das Problem zu beheben. Einige Minuten oder Stunden vergingen und es gelang ihr tatsächlich eines der ZPM’s zu integrieren, woraufhin sie die Energie den Triebwerken zukommen ließ und gemeinsam mit ihrem Basisschiff das Randsystem verließ, weg von der Zerstörung und den schlechten Erinnerungen. Ihre nächste Aufgabe bestand darin Nahrung zu finden, die Reparaturen des Schiffes konnte sie nun dem Schiff selbst überlassen, erst danach konnte sie es sich erlauben tatsächlich zu planen. Ihr eigenes Basischiff nutzte immerhin den Hyperantrieb, etwas später folgte ein zweites Basisschiff schleichend nach, denn es nutzte nur Sublicht.  

===/\=== Atlantis ===/\===  

Dr. Rodney McKay legte seine Stirn in Falten und gab ein paar Befehle in seinen Tablettcomputer ein. Es war ihm soeben gelungen weitere Daten der Antiker-Datenbank bezüglich des Arcturus-Projektes auszugraben und er war dabei über eine weitere Wissenschaftlergruppe gestoßen, welche Experimente an Wraith durchführten. Das wirklich interessante an der Gruppe? Sie experimentierten mit Wraith, weniger mit deren Vernichtung und es brauchte keinen Chefwissenschaftler um das mögliche Potential dieser Entdeckung zu erkennen. Natürlich spekulierten er und sein Stab ab und darüber, dass die Antiker etwas mit der Erschaffung der Wraith zu tun haben könnten, aber handelte es sich dabei wirklich eher um eine Art von Freizeitaktivität, denn um ernsthafte Forschung. Für Atlantis waren die Wraith kaum mehr als Weltraum-Vampire, die eine ganze Galaxie terrorisierten und natürlich auch die menschliche Expedition, welche ursprünglich mit dafür Verantwortlich war, dass die Wraith wieder in Erscheinung traten, frisch erwacht aus ihrem Winterschlaf. Wirklich viele Gedanken machte er sich allerdings selten über die Wraith, außer Atlantis wurde tatsächlich bedroht oder in einer der Antiker-Datenbanken wurde auf ein entsprechendes Experiment verwiesen. Der Wissenschaftler in ihm hatte sofort angebissen, denn genanntes Experiment stand in Verbindung zum Arcturus-Projekt, jenes fehlgeschlagene Projekt der Antiker, dem Rodney selbst den Rest gegeben hatte und in dessen katastrophaler Folge ein Sonnensystem draufgegangen war. Es waren noch nicht viele Wochen vergangen seit diesem Ereignis und er fühlte sich durchaus noch ein wenig schuldig, aber er glaubte es soweit verarbeitet zu haben, um die gefunden Daten objektiv bewerten zu können. Sie mussten zurück. Es stand förmlich im Output seines Computers geschrieben. Trotzdem war es ziemlich klar, dass er kaum eine Person der Atlantis-Expedition ohne guten Grund für die Rückkehr begeistern könnte. Er musste taktisch vorgehen, diesmal wirklich alle notwendigen Informationen sammeln und sie schmackhaft aufbereiten oder möglicherweise die Zielpersonen einzeln überzeugen, sein eigenes Team, die Leitung der Expedition oder womöglich Fremde? Vermutlich ließ sich ein Team von Wissenschaftlern zusammenstellen und ein Jumper entwenden sowie die ganze Mission im Geheimen starten, doch dafür war er erstens nicht der Typ und zweitens anschließend wohl im Gefängnis oder Tod, je nach möglichen Ausgang des Szenarios. Tatsächlich hing Rodney allerdings sehr an seinem Leben, fast so sehr wie an seiner Laufbahn und somit würde er nie solch waghalsige Manöver durchführen, außer um sein Leben und das aller Anderen zu retten. Kurzum. Die Aussichten in ein zerstörtes Sonnensystem zurück zu kehren, nur um vermutlich längst zerstörte Hinweise auf ein Experiment zu entdecken, waren nicht gerade rosig. Wäre einer seiner eigenen Wissenschaftler mit einer solchen Idee zu ihm gekommen, er hätte sie vermutlich im Keim erstickt und anders würde es wohl kaum einer anderen Person gehen, die er von seiner Suche, aufgrund eines Datenbankeintrages, überzeugen wollte. Erneut blickte er auf seinen Computer und lass im Kopf die Übersetzung des Antiker-Textes durch. Zwanzig Wissenschaftler waren angeblich am Projekt „Akari“ beteiligt gewesen und es schien parallel zur Erforschung der Antiker-Waffe gelaufen zu sein. In Rodney’s Welt bedeutete dies nur ein kleineres Randprojekt, aber warum waren 20 Wissenschaftler daran beteiligt und die Ziele so gegenteilig dem Hauptziel? Wo das Projekt „Arcturus“ die Erschaffung einer Massenvernichtungswaffe gegen die Wraith beinhaltete, schien das Projekt „Akari“ die Erschaffung eines Wraith zu verfolgen? Ein Wraith-Hybrid? Ein Antiker der aussah wie ein Wraith? Möglicherweise versuchten die Antiker auch einen Menschen zu erschaffen der für die Wraith ungenießbar wäre, einen Antiker mit Wrath-Kräften oder etwas komplett Neues? Genervt legte er seine gefaltete Stirn auf seinen Arbeitstisch ab. Er war fertig mit seiner Übersetzung, sie schien logisch zu sein, aber im Schnitt war ihm nur bewusst geworden, dass die Antiker-Wissenschaftler etwas erschufen und es war keine technische Waffe. Er war im Verlaufe seines Denkprozesses auf die Erschaffung eines Lebewesens gestoßen und natürlich dann zu Menschen, Antikern oder Wraith gewechselt, aber nach allem was er wortwörtlich übersetze könnten sie auch ein Haustier erschaffen haben, Mikroben oder eben etwas biologisches. Biologie oder besser gesagt Medizin? Der Text befand sich eindeutig in einem ihm fremden Fachgebiet und völlig alleine würde er wohl kaum bequem auf die Lösung stoßen, denn den Spaß mit der Antiker-Datenbank machte er sich gerade in seiner spärlichen Freizeit und eben jene erlaubte er sich gerade nur, weil er vorgehabt hatte etwas zu Essen und zu Trinken, aber über einen interessanten Eintrag in der Datenbank gestoßen war und nun darüber nachdachte welche Experimente Antiker vor Jahrhunderten durchgeführt haben mochten. Irritiert griff er dann doch zu seinem Sandwich und begann ein wenig daran zu knabbern, immerhin war ihm wieder eingefallen zu Essen, also konnte er dies noch schnell nebenbei erledigen, sozusagen währen er darüber nachdachte wer ihm weiter helfen könnte. Ein Biologe oder ein Mediziner? Der Arzt der Stadt, Carson Beckett, war ihm inzwischen schon ein Freund geworden, könnte er ihn ins Bild setzen? Zumindest glaubte Rodney das Carson ihm zuhören würde, zumindest bis dieser davon überzeugt wäre ihm etwas ausreden zu müssen. So waren Rodney’s Freunde manchmal, sie redeten ihm Dinge aus, statt ihn zu unterstützen. McKay war schon immer ein Einzelkämpfer gewesen, doch eines hatte ihm die Atlantis-Expedition bewiesen, ganz ohne Freunde ging es nicht. Dies fing schon mit seinem Team an, ohne welche er vermutlich nie auf Missionen gehen würde, aber gerade wegen seinem Team wollte er liebend gerne zurück und dieses Rätsel selbst lösen, schien schon ein wenig als ob sein Sinn für Abenteuer erweckt worden war. Also erhob er sich und schlug einen neuen Weg ein, Richtung Krankenstation, zu sehen ob einer seiner Freunde Zeit erübrigen könnte.
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