Folge 22: Furchtlos

GeschichteKrimi, Mystery / P16
Javier Esposito Kate Beckett Kevin Ryan Richard Castle
04.01.2019
04.01.2019
6
27638
 
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 

Furchtlos

Staffel 9, Folge 22

Geschrieben von acertainzest und encantadaa

Übersetzt von Copop83

Gegengelesen von crazysecondname

Der nachfolgende Text ist eine fiktive Geschichte von Autoren ohne jegliche Beziehung zur ABC-Sendung „Castle”. Erkennbare Charaktere sind Eigentum von Andrew Marlowe und ABC. Namen, Orte und Geschehnisse sind Produkt der Kreativität des Autors oder werden fiktiv genutzt. Jegliche Ähnlichkeit zu tatsächlichen Personen, lebend oder tot, Unternehmen, Firmen, Ereignissen oder Örtlichkeiten ist rein zufällig.

***

Kapitel 1

Susan trat auf der Wochenbettstation des Krankenhauses aus dem Aufzug und ging in ihrem Kopf die Liste der Patienten durch, die heute einen Termin hatten. Sie musste nur ein paar Patientenakten holen, dann konnte sie ins Büro gehen um ihren Arbeitstag zu beginnen.

Als sie sich zur Schwesternstation drehte, bemerkte sie eine andere Frau, die sich an der Tür des früheren Lagerraumes neben dem Aufzug zu schaffen machte. Die Frau trug die Kleidung einer Arzthelferin, fast genau gleich wie die von Susan, aber sie kam ihr nicht bekannt vor.

„Entschuldigen Sie?“, sagte Susan und trat näher. „Sie können da nicht hinein. Der Raum wird renoviert.“

Um ehrlich zu sein, wusste sie eigentlich nicht, was dort gemacht wurde, aber vor ein paar Wochen wurden alle Sachen in einen anderen Raum gebracht. Ein Schild mit GESCHLOSSEN – EINTRETEN VERBOTEN wurde an die Tür angebracht und die Krankenschwestern und Arzthelferinnen hatten nur mit den Schultern gezuckt und es akzeptiert. Die Krankenhausleitung teilten ihnen sowieso nie Informationen mit.

„Oh“, sagte die andere Frau und drehte sich von der Tür weg. „Äh, das habe ich nicht gewusst.“ Sie blinzelte schnell, schaute zu Susan und dann schnell von ihr weg.

„Na gut. Wenn Sie Putzmittel brauchen – sie sind in dem anderen Raum um die Ecke“, meinte Susan und zeigte in die Richtung. „Sind Sie auf dieser Etage neu, äh…“

Sie las mit verengten Augen das Namensschild der anderen Frau, aber sie weiteten sich gleich wieder überrascht. „Hey, das ist mein alter Krankenhausausweis. Ich habe ihn vor einer Weile verloren.“ Sie richtete sich auf und sah die andere Frau genauer an, schon bereit, ihr weitere Fragen zu stellen. Aber die nackte Feindseligkeit in den Augen ihres Gegenübers verschlug ihr die Sprache.

„Sie sollten heute eigentlich nicht hier sein“, zischte der Eindringling und bevor Susan reagieren konnte, schnellte ein Arm der anderen Frau um Susan. Die Tür des Lagerraumes öffnete sich und die Fremde zog Susan so schnell hinein, dass sie keine Zeit hatte um nach Hilfe zu schreien, bevor die Tür wieder zuschlug.

„So dumm, so dumm. So war das nicht geplant“, knurrte die Frau scharf. Susan wehrte sich, vor lauter Anstrengung grunzend, aber die andere Frau war überraschend stark und brachte sie leicht unter Kontrolle. Sie schleifte sie durch den kleinen Raum und schubste sie auf eine Liege. Sie war mit Gurten für Arme und Beine ausgestattet. Susan wehrte sich noch mehr, als sie diese sah, aber es war umsonst.

„Die Tür ist schalldicht“, sagte die Angreiferin und befestigte flink die Gurte. Susan war jetzt fest verzurrt. „Sie können schreien so viel Sie wollen. Niemand wird Sie hören.“

Sie nahm den neuen Krankenhausausweis von Susans Hals und hängte ihn um ihren eigenen, neben den alten. Dann hielt sie inne, richtete sich gerade auf und starrte mit einem seltsamen Leuchten in ihren Augen auf Susan herab.

„Ich hatte keine Zeit Ihre Geheimnisse zu lernen“, meinte sie kryptisch, „und jetzt ist auch keine Zeit dafür. Also muss das reichen.“

„Was meinen Sie?“, japste Susan, endlich ihre Stimme findend. „Wer sind Sie? Lassen Sie mich bitte gehen. Ich verspreche, dass ich nicht-“

„Versprechen bedeuten gar nichts!“, giftete die andere Frau. Sie drehte sich weg zu einem Tischchen mit Rädern in der Ecke des Raumes. „Ersparen Sie mir das, Susan. Strengen Sie sich erst gar nicht an.“

Als sie sich wieder umdrehte, sah Susan die Spritze in ihrer Hand. Sie wusste nicht, welche Flüssigkeit darin war, aber es war ja auch egal, oder? Sie schrie.

Ihre Angreiferin hatte Recht. Niemand außerhalb des Lagerraumes konnte ihre Schreie hören. Und dann hörten sie auf.

***

„Guten Morgen, Kate, Rick“, begrüßte Dr. Kowalewski die beiden und trat in das Wartezimmer ihrer Praxis. „Bitte, kommen Sie zum Behandlungszimmer.“

„Wie geht es Ihnen heute, Doktor?“, fragte Castle mit einem freundlichen Lächeln, als sie der Geburtshelferin den kurzen Flur folgten.

„Oh, gut, danke. Gleich hier.“

„Wo ist Susan?“, wollte Beckett wissen und schaute sich um. Normalerweise holte die Arzthelferin, nicht Dr. Kowalewski persönlich die Patienten aus dem Wartezimmer ab.

„Oh.“ Die Ärztin runzelte die Stirn und ihr übliches Lächeln erstarb. „Susan nicht da heute. Sehr komisch, nicht normal.“ Der sonst eher leichte ukrainische Akzent schien stärker zu sein, ihre Stimme voller Sorge. „Sie sollte eigentlich vor zwei Stunden schon hier sein, aber nicht da, und geht nicht ans Handy.“

„Das ist komisch“, kommentierte Castle. „Haben Sie die Polizei gerufen?“

„Nein, nein.“ Dr. Kowalewski winkte ab, aber sie schaute besorgt. „Braucht man keinen Aufruhr machen. Wahrscheinlich nichts.“

„Trotzdem, ich könnte jemand zu ihrer Wohnung schicken um nach ihr zu schauen, wenn Sie das wollen“, bot Kate an.

Die Ärztin zögerte, offensichtlich hin- und hergerissen. „Naja…“

„Es ist kein Problem“, versicherte Kate ihr. „Wie ist Susans Adresse?“

Ein paar Minuten später, nachdem Beckett die Adresse zu Ryan per SMS geschickt und ihn gebeten hatte eine Streife vorbei zu schicken, saß sie auf der Liege, während Dr. Kowalewski ihre Vitalzeichen abnahm.

„Alles sieht gut aus“, verkündete die Ärztin. „Baby ist aktiv, ja?“

„Oh, ja“, gluckste Castle und lächelte seine Frau an. „Sie bewegt sich sehr viel, selbst wenn sie immer weniger Platz da drin hat.“

„Gut, gut.“ Die Ärztin nickte, Hände sanft über Kates Bauch streichelnd. „Schon Wehen?“

„Eigentlich nicht“, antwortete Kate. „Nur die Übungswehen ein paar Mal am Tag.“

„Mm. Und wie geht es Ihnen sonst so, Kate? Guter Schlaf?“

„Es wird immer schwieriger zu schlafen“, gab Kate zu. „Es ist einfach immer unbequem.“

„Ja, ja, normal“, stimmte Dr. Kowalewski zu und nickte wieder. „Schlafen Sie im Sitzen, wenn es gar nicht geht. Sollte dann gut sein. Nun“, fuhr sie fort und setzte sich aufrecht hin, „wie wir schon mal besprochen haben, Kate, sehen wir Sie als Hochrisikoschwangere wegen Ihres Alters und medizinischer Vorgeschichte.“

„Richtig“, sagte Kate und Castle nickte ebenso.“

„Die Schwangerschaft verläuft jedoch gut“, fuhr die Ärztin fort. „Mama gesund, Baby gesund. Alles sieht gut aus. Also, wir sind jetzt eine Woche über dem Termin, und wir geben Ihnen noch eine Woche, dann müssen wir über eine Einleitung nachdenken, ja?“

„Ja“, sagte Kate mit einer Grimasse. „Ich hoffe immer noch, dass das nicht nötig sein wird. Ich weiß nicht, ob ich es noch eine Woche lang aushalte.“

„Naja, wir werden sehen.“ Die Ärztin lächelte sie an. „In einer Woche kann viel passieren. Definitiv möglich, dass Wehen auch von allein anfangen, vielleicht sogar heute. Wer weiß? Babys haben ihren eigenen Kopf.“

Die Untersuchung war beendet und Castle redete mit der Ärztin, während Kate sich wieder anzog. Dann gingen die drei zurück zum Wartezimmer.

„Jetzt machen sie Termin für nächste Woche, gleiche Zeit, aus“, sagte Dr. Kowalewski zu ihnen, „aber ich denke, dass ich Sie vorher schon wieder sehen werde. Mein Bauchgefühl sagt mir das.“

„Naja, wie ich höre, liegt Ihr Bauchgefühl selten daneben“, witzelte Castle und er und die Ärztin tauschten ein Grinsen aus, während sich die Praxistür öffnete und jemand hereinkam.

„Kyle?“, rief Kate aus und Castle drehte seinen Kopf. Beide waren überrascht Officer Hernandez in das Wartezimmer kommen zu sehen.

„Oh“, meinte Kyle und sah nicht weniger überrascht aus. „Captain Beckett, ich wusste nicht, dass Sie hier sein würden. Ich wurde von der Zentrale hergeschickt.“

„Warum?“, fragte Kate. Ihr Nacken kribbelte plötzlich unangenehm und sie wusste, dass sie das, was auch immer gleich gesagt wurde, nicht mögen würde.

„Ich soll eigentlich zu Doktor…“ Kyle hielt inne um sein kleines Notizbuch herauszuholen, „Kowalewski? Es geht um einen Zwischenfall im Krankenhaus heute Morgen.“

„Ich bin Dr. Kowalewski“, sagte die Geburtshelferin zu ihm. „Welcher Zwischenfall?“

„Äh, es hat etwas mit einer Arzthelferin zu tun, die hier arbeitet.“ Kyle schaute erneut auf seine Notizen. „Eine Susan Murphy?“

Castle und Beckett tauschten einen Blick. „Was ist mit Susan?“, fragte Beckett. „Oh, einen Moment.“ Sie griff in ihre Handtasche, zog ihr Handy heraus und las die neue SMS.

Die Streife hat nichts in Susan Murphys Wohnung gefunden, hatte Ryan geschrieben. Niemand ist daheim, keine Anzeichen, dass etwas nicht stimmt. Was sollen wir tun?

***

„Was machen wir hier überhaupt, Bro?“, fragte Esposito, als er und Ryan den Krankenhausflur entlang gingen. „Das ist doch reine Zeitverschwendung.“

„Naja, auf dem Revier haben wir auch nichts Besseres mit unserer Zeit gemacht“, meinte sein Partner schulterzuckend. „Es gibt keinen Mordfall, und wir haben Becketts Aufgaben als Captain gut zwischen uns aufgeteilt.“

„Ja, das schon“, stimmte Espo zu. „Und Beckett schien um die vermisste Arzthelferin ziemlich besorgt zu sein. Wahrscheinlich ist es aber nichts.“

„Ja, aber willst du derjenige sein, der ihr das sagt?“, entgegnete Ryan kopfschüttelnd. „So wie sie drauf ist, seit sie im Mutterschutz ist?“

„Auf keinen Fall“, sagte Espo mit einem übertriebenen Schütteln. Ryan grinste. Nicht zum ersten Mal waren er und sein Partner der gleichen Meinung.

„Jedenfalls ist es keine große Sache, unserem Captain einen Gefallen zu tun. Sollte nicht lange dauern“, kommentierte er. „Da sind wir schon.“ Er klopfte an die Tür mit der Aufschrift KRANKENHAUSLEITUNG.

Die Tür öffnete sich fast sofort. Ein älterer Mann im Arztkittel öffnete mit besorgter Miene.

„Dr. Sutherland? Ich bin Detective Ryan vom 12. Revier“, stellte Ryan sich vor. „Das ist mein Partner, Detective Esposito.“

„Ja, vielen Dank, dass Sie so schnell gekommen sind, Detectives“, antwortete der Arzt und schüttelte ihre Hände. „Bitte, treten Sie ein.“

„Wir haben gehört, dass es heute Morgen einen Zwischenfall gegeben hat, in den eine Krankenschwester oder Arzthelferin verwickelt war“, sagte Esposito, als sie in das Büro traten und die Tür schlossen.

„Ja“, bestätigte Dr. Sutherland, „sehr verstörend.“ Er bat sie mit einer Geste sich auf die Stühle für Besucher, die zu seinem Schreibtisch zeigten, zu setzen. Er selber ging um den Schreibtisch herum und saß auf den Schreibtischstuhl. „Eine Familie verließ gerade das Krankenhaus mit ihrem Neugeborenen, als eine Krankenschwester angerannt kam und versuchte das Baby aus den Armen der Mutter zu entreißen.“

„Ein Entführungsversuch?“, fragte Esposito ungläubig mit hochgezogenen Augenbrauen. „Einfach so, vor allen Leuten?“

„Anscheinend“, meinte der Manager mit gerunzelter Stirn. „Wie ich mitbekommen habe, rief sie ‚Sie verdienen sie nicht, sie verdient jemand Besseres‘, oder so etwas in der Art, aber die Eltern bestehen darauf, diese Frau nicht zu kennen. Haben sie noch nie im Leben gesehen.“

„Konnte das Sicherheitspersonal sie festnehmen?“, fragte Ryan, obwohl er sich ziemlich sicher war, dass er die Antwort schon kannte. Der frustrierte Atemzug und das Kopfschütteln des Arztes bestätigten seinen Verdacht.

„Nein, bedauerlicherweise konnte sie in der Verwirrung entwischen. Aber ihr Krankenhausausweis riss von ihrem Schlüsselbund ab und fiel zu Boden. Daher wissen wir, dass es sich um Susan Murphy von Dr. Kowalewskis Praxis handelte.“

Ryan tauschte einen Blick mit seinem Partner. Er konnte sehen, dass Esposito das Gleiche wie er dachte: plötzlich war es nicht mehr so banal, wie sie angenommen hatten.

„Ich habe die Videoaufzeichnung hier, wenn Sie sie sehen wollten“, meinte Dr. Sutherland. Beide Detectives nickten und lehnten sich in ihren Stühlen nach vorne.

„Ja, bitte.“

Der Arzt drehte seinen Bildschirm zu ihnen, sodass sie das Video sehen konnte, was schon bereitstand. Es gab keinen Ton, also sahen sie sich in Stille das Treiben des geschäftigen Krankenhausflurs an, mit Leuten, die kamen und gingen. Nach ein paar Sekunden erschien eine Familie: Die Mutter im Rollstuhl mit dem Baby im Arm, der Vater schob den Rollstuhl, die Großeltern und zwei ältere Geschwister um sie herum versammelt, als sie sich in Richtung Ausgang bewegten.

Plötzlich kam eine große Person in Krankenhauskluft ins Bild, genau wie Dr. Sutherland es beschrieben hatte. Die Detectives schauten erstaunt zu, wie sie die Familienmitglieder aus dem Weg schubste, mit der Mutter rang  und versuchte das Baby aus den Armen der Mutter zu reißen. Im nächsten Moment hatten die Großeltern und einige Passanten eingegriffen, indem sie von allen Seiten an der Angreiferin zogen.

Zuletzt gab die Frau auf und ließ das Baby los. Sie fiel zu Boden, als die anderen nach ihrer Kleidung grabschten. Sie kämpfte sich sofort wieder zurück auf die Beine und rannte weg und verschwand so aus dem Bild.

Ryans Haut fühlte sich klamm an, sein Mund trocken. Er starrte auf den Bildschirm, völlig gebannt, hörte kaum die nächsten Worte des Arztes – es ging um Wachmänner und Verfolgung und Flucht.

Als Esposito sprach, war seine Stimme so wackelig wie Ryan sich fühlte. Ein Blick zur Seite zeigte Ryan, dass sein Partner die Armlehnen seines Stuhls so fest in den Händen hielt, dass seine Fingerknöchel weiß waren. „Können Sie das zurückspulen?“, fragte Espo angestrengt. „Bis dahin, wo ihr Gesicht gezeigt wird?“

„Oh – ja, natürlich“, meinte der Arzt und griff nach der Computermaus. „Hier, es sind nur die letzten paar Sekunden.“ Er spielte die Aufzeichnung noch einmal ab und pausierte das Video, als das Gesicht der flüchtenden Krankenschwester den Bildschirm ausfüllte.

„Leck‘ mich am…“, murmelte Espo.

Dr. Sutherland schaute von einem Detective zum anderen, von deren heftigen Reaktionen verwirrt. „Was ist los? Haben Sie Susan Murphy schon einmal gesehen?“

„Das ist nicht Susan Murphy“, sagte Ryan langsam, würgte die Worte aus der vor Furcht verengten Kehle heraus. „Und ja, wir haben sie schon einmal gesehen. Ihr Name ist Megan Bailey.“
Review schreiben