Eine etwas andere Beziehung - Teil III

GeschichteDrama, Romanze / P18
04.01.2019
12.05.2019
69
167045
4
Alle Kapitel
127 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
Vorsichtig zog Alex die bunten Perlen, die seine Mutter ihm gegeben hatte, auf ein Armband herauf. Die Zunge steckte dabei in seinem Mundwinkel. Das war bei ihm immer so, wenn er sich besonders konzentrierte oder angestrengt über etwas nachdachte. Sorgfältig zog er die kleinen runden Kugeln auf. Sie glitzerten in wunderschönen Mädchenfarben: Lila, rot und pink. Alex wusste, was seiner Schwester gefiel.

Seine Mutter lugte in das gemeinsame Zimmer der Geschwister hinein. „Bist du schon fertig? Ich kann Johanna nicht mehr lange beschäftigen. Sie will unbedingt mit dir Playmobil spielen.“
„Sofort! Ich muss nur noch... Vier Perlen aufziehen! Kannst du mir dann einen Knoten machen? Du kannst das besser als ich.“
Sie lächelte und nickte. „Im Moment habe ich sie mit Sam in den Garten geschickt. Da können sich beide ordentlich austoben.“ Fix zog der Junge die letzten Perlen auf, dann reichte er seiner Mutter das fertige Armband. „Das ist sehr schön geworden“, lobte sie ihn. „Das konnte ich aber nur machen, weil du mir so viele Perlen gegeben hast, Mama.“
Dankbar sah er sie an. „So passte es noch in mein Budget!“
Lächelnd verschloss die Blondine das Band und gab es ihrem Sohn zurück.

„Jetzt habe ich fast alles fertig!“, freute er sich. „Ich muss nur noch den Kuchen backen, aber den mache ich ja frisch!“ Julia strich ihm über den Schopf. „Weißt du, wie toll du bist?“
Er strahlte sie nur an und flitzte dann zu seinen Spardosen, um etwas Kleingeld hinein zu werfen. „Ich habe schon 15 Euro und 25 Cent für die Hochzeit von Judith und Matteo zusammen!“, erzählte er stolz. „Was kann ich damit bezahlen?“
Sie überlegte einen Moment. „Vielleicht kaufst du damit bunte Luftballons?“, schlug sie vor. Die waren im Einkauf doch recht günstig, also konnte Alex sehr, sehr viele davon besorgen.
„Au ja!“, stimmte er seiner Mutter zu. „In Herzform! Und die können dann mit diesem Zeug gefüllt werden, was sie schweben lässt.“

„Helium“, klärte Julia ihren Sohn auf. „Helium ist ein Gas, was die Ballons schweben lässt.“
„Und woher kriege ich... Helium?“
„Das besorge ich dir dann. Es gibt bestimmt einen Partyservice, der eine passende Gasflasche verkauft oder vermietet. Dann kannst du am Tag der Hochzeit all deine Luftballons damit befüllen.“ Alex nickte zustimmend.
„Mensch, bist du aber schlau!“, sagte er zu ihr und umarmte sie fest. „Ich habe dich sehr lieb, Mami...“, flüsterte er dabei. Sie beugte sich hinunter. Mittlerweile konnte sie so ohne weiteres einen Kuss auf den Kopf ihres Jungen drücken, der wie Unkraut wuchs. „Ich habe dich noch viel lieber...“, erwiderte sie ebenso leise.

„Kuschelt ihr hier ohne mich?!“, fragte da Johanna, die mit Sam abgehetzt herein kam. „Hast du ihm die Pfoten....“ „... abgeputzt, natürlich Mami!“, sagte die Kleine fast schon vorwurfsvoll. Als ob sie das vergessen würde! Sie wusste doch, dass Sam sonst einen heiden Dreck verursachte.
„Gut“, sagte Julia lächelnd und öffnete dann ihren Arm.
„Kommst du zu uns?“ Das ließ das Mädchen sich nicht zweimal sagen.
Sie düste zu Bruder und Mutter herüber und schmiegte sich an beide heran. „Übrigens nimmt Amelie unten die Vorratskammer auseinander“, meinte sie dann kichernd und Julia schlug die Hände über dem Kopf zusammen.
„Sage das doch gleich!“, rief sie aus und sauste die Treppe herunter.

Unten angekommen fand sie ihre Räubertochter bei Emily und Elena. Fragend blickten die drei Mädchen, die harmonisch miteinander spielten, ihre Mutter an.
„Johanna hat mich veräppelt“, lachte Julia auf. „Wie? Mit Äpfeln geworfen?!“, fragte Amelie entsetzt. „Nein, nein“, erklärte ihre Mutter schnell. „Damit hat das nichts zu tun. Das ist, wenn man jemanden reinlegt.“ Der kleine braunhaarige Lockeschopf nickte verstehend und kümmerte sich dann wieder darum, mit Emily und Elena ein Konzert auf kleinen Trommeln und einem Xylophon zu veranstalten.
Kichernd kam Johanna mit Alex die Treppe herunter.
„Du kleine Ratte!“, lachte Julia, schnappte sich ihre Tochter und kitzelte sie ordentlich durch. Johanna quiekte ausgelassen und japste nach Luft. „Ich wollte... Alleine mit Alex kuscheln!“, sagte sie kichernd. „Er musste jetzt so lange Hausaufgaben machen, jetzt will ich spielen!“

„Hausaufgaben machen?“, fragte Alex, seine Mutter stieß ihm schnell in die Seite.
„Achso!! Ja, klar!! Hausaufgaben machen... Anstrengend, das sage ich dir!“, beeilte er sich zu sagen und sah seine Mutter dankbar an. Gerade noch einmal gut gegangen!
„Mama“, ertönte es da plötzlich vom Teppich aus.

„Ich war das nicht!“, kommentierte Amelie gleich und zeigte auf Emily.
„Warst du das, meine Kleine...?“, fragte Julia, der die Tränen in die Augen schossen. „Mama“, wiederholte Emily freudig ihr erstes deutliches Wort und patschte begeistert in die Babyhände hinein.
„Wie süß!“, rief Alex aus und holte schnell seine Digitalkamera, um ein Foto von seinen drei kleinsten Schwester zu machen. „Mama!“, wiederholte Emily abermals und streckte ihre Ärmchen nach Julia aus. Gerührt hob diese ihr kleines Mädchen auf den Arm und strich ihr über den Kopf. „Du kannst noch nicht laufen, aber schon dein erstes Wort sagen...“
Voller Stolz sah sie Emily an.
„Ich habe ihr das beigebracht“, sagte Amelie und strahlte ihre Mutter an. „Wirklich? Du bist eine ganz tolle Lehrerin, du großes Mädchen.“ Die kleine Räubertochter strahlte über das ganze Gesicht. Sie konnte eben auch richtig lieb sein, wenn sie es nur wollte.

„Was haben wir?“
Er streifte sich die dunkelblauen Handschuhe in der Notaufnahme über. „Da kommen noch mehrere Rettungswagen“, klärte Ben Ahlbeck ihn auf. „Massencrash auf der Landstraße. Mehrere Schwerverletzte.“ Niklas seufzte. „Und wir sind unterbesetzt....“ „Du solltest Moreau anrufen“, raunte Ben ihm zu. „Wir brauchen ihn...“
Der gewissenhafte Oberarzt nickte. Da hatte sein Schützling mehr als Recht. „Ich informiere ihn. Blocke schon einmal die OPs 1 bis 5 für die Notfälle und gib die Informationen an die Kollegen weiter.“ Die Männer waren mittlerweile gut befreundet. „Du kannst dich auf mich verlassen“, erwiderte Ben ernst und leitete nötige Anrufe ein.
Niklas seinerseits kümmerte sich um einen Anruf bei seinem Schwiegersohn, der ohne zu zögern einwilligte, einzuspringen. Erleichtert darüber konnte sich der Chirurg nun einen Überblick über die Gesamtsituation verschaffen.

Die leicht Verletzten saßen auf den Stühlen in der Notaufnahme, Rantala und Zondek versorgten sie  und sprachen ihnen gut zu. Die schwereren Fälle waren teils noch unterwegs, die ersten in die Schockboxen zum kurzen Check gebracht.
Als erneut das Martinshorn von draußen erklang, ging Niklas ein weiteres Mal heraus, um den Patienten aufzunehmen. „Männlicher Patient, kaum ansprechbar“, erklärte die Rettungsärztin, während der Patient ausgeladen wurde. „Schwerste Verletzungen im Abdomen, vermutlich der Unfallfahrer, der den Crash ausgelöst hat. Ich musste ihn einmal reanimieren, seitdem zeigt er schwache Reaktionen.“
Der erfahrende Oberarzt nickte und sah dann auf den Patienten.
Ihm blieb fast der Atem stehen.

„Helfen Sie.... Mir....“, bat der geschwächte Mann ihn. Niklas musste sich schwer zusammenreißen. „Bringen Sie den Mann direkt in den OP“, reagierte er dann aber doch professionell mit einem kurzen Blick auf die tiefen Schnittverletzungen im Bauchraum. „Einen Zwischenstop in der Schockbox überlebt er nicht.“
Er wusste, das nun jede Sekunde zählte. „Ahlbeck! Mitkommen!“, rief er seinem Kollegen zu. „Sie organisieren Blutkonserven und Bauchtücher, massenhaft. Dann kommen Sie zu mir in den OP, Dr. Moreau wird uns gleich unterstützen.“

„Niklas.... Das ist....“ „Ich weiß, wer das ist!“, fuhr er seinen Freund an. „Wir sind Ärzte. Es steht gerade nicht zur Debatte, in welchem persönlichen Verhältnis wir zu ihm stehen, okay? Wenn du nicht bereit bist, alles zu tun, um sein Leben zu retten, dann brauche ich dich nicht in meinem OP“, wies er den jüngeren Kollegen deutlich zurecht.
„Wir wären nicht besser als er, würden wir ihn verbluten lassen...“, fügte er noch etwas sanfter hinzu. „Ich meine ja nur... Er hat eine von uns...“ „Ich weiß, was er getan hat“, unterbrach Niklas ihn auf dem Weg in den OP. „Das wissen alle hier. Darum geht es aber nicht, Ben. Wir haben ein Versprechen abgegeben. Alles andere ist Mord und er... Er wäre dazu bereit, aber wir nicht. Schaffst du das?“

Ben sah ihn ernst an und nickte. Aufmunternd klopfte Niklas ihm auf die Schulter. „Gut. Ich hoffe, Matteo zerfetzt ihn nicht in Einzelteile, aber das Risiko müssen wir eingehen. Wir haben keine Zeit.“
Mit dem Fuß trat er den sterilen Bereich vor dem OP auf und begann, sich die Hände zu schrubben. „Wieso ist der nicht in Amerika...?“, fragte Ben zögerlich, während auch er mit den OP-Vorbereitungen begann. „Das weiß ich nicht. Es interessiert mich auch nicht. Ich werde ihm versuchen, das Leben zu retten, was danach mit ihm geschieht, das ist mir egal.“ Von einer Schwester ließ er sich in den Kittel helfen.
Da traf Matteo ein. „Wo brennt es?“, fragte er sofort und begann damit, sich ebenfalls steril zu machen. „Männlicher Patient, Ende 20, schwere Verletzungen im Bauchraum, hoher Blutverlust“, erklärte Niklas trocken. „Ich brauche dich als Arzt.“ „Als was sonst?“, fragte Matteo lächelnd und setzte sich eine Haube auf.

„Es ist Benedikt Wagner“, sagte Niklas ernst. „Private Befindlichkeiten kann ich hier nicht gebrauchen.“ „BEFINDLICHKEITEN?!“ Matteos Miene verzog sich zu einem ernsten Blick. „Du tust ja so als hätte er nur eine Kleinigkeit getan. Wieso retten wir das Arschloch?!“
Ben zog sich langsam aber sicher in den OP zurück. Die Sache wurde ihm zu heiß. Er würde sich – auch, wenn Moreau mittlerweile sanftmütig geworden war – nicht mit ihm anlegen.
„Weil wir Ärzte sind, man!“, schrie Niklas ihn an. „Willst du so sein wie er?! Ein abgebrühtes Arschloch? Man, Matteo... Wir müssen es wenigstens versuchen.“
Matteo stöhnte auf. „Du bist so ein.... Na gut!“ Er ließ sich nun ebenfalls in einen Kittel helfen. „Bete, dass ich das nicht bereue!“

Wütend zog der Zwillingsvater sich die Haube vom Haupt herunter. Er hatte nun acht Stunden im OP verbracht, gemeinsam mit dem Vater seiner Ehefrau, um einen Mann zu retten, der ihn vermutlich am liebsten umbringen würde.
Matteo schrubbte sich fast die Haut von den Händen, so wütend war er über die Tatsache, dass er diesem Schwein hatte helfen müssen.
Niklas kam nun ebenfalls aus dem OP heraus. „Geschafft...“, murmelte er dabei recht emotionslos. „Hoffen wir, dass er das packt...“ „Dass er das packt?!“, fluchte Matteo. „Von mir aus kann der Arsch verrecken! Verrecken kann der! Schlimm genug, dass ich ihm helfen musste. Schlimm genug! Was will der hier?!“

Es machte ihn rasend, wieder auf diesen Menschen treffen zu müssen. „Ich weiß es nicht, Matteo“, gestand Niklas ihm. „Aber wir werden es wissen, wenn er aufwacht....“ Vor lauter Wut standen dem Handchirurgen schon die Tränen in den Augen. „Weißt du, was der hier will...?“, zischte er dann. „Der nimmt mir meine Familie weg... Der mischt sich wieder in alles ein... Das will er hier... Mir meine Judith wegnehmen...“
Vorsichtig legte Niklas ihm die Hand auf die Schulter. „Du weißt, dass er das niemals schaffen würde“, sagte er dann einfühlsam. „Sie liebt dich. Es sind eure gemeinsamen Kinder, ohne jegliche Zweifel. Und glaubst du echt, er kämpft noch um sie? Dann wäre er doch länger hier geblieben und hätte sich nicht aus dem Staub gemacht.“
Matteo schwieg.

„Niklas, ich... Ich bin auf einem so guten Weg...“, sagte er dann mit nahezu erstickter Stimme. „Ich... Ich mache diese Therapie und es... Es hilft mir... Und jetzt taucht dieser Kerl auf und... Es fühlt sich an, als täte sich eine Schlucht unter mir auf... Die Angst kontrolliert mich. Ich hätte ihm am liebsten das Skalpell in die Brust gerammt...“
„Mir fiel das auch nicht leicht...“, gab Niklas ehrlich zu. „Aber wir haben etwas geschworen als wir Ärzte wurden. Wir wären nicht besser als er, der Judith und die Zwillinge hätte sterben lassen... Wir haben das Richtige getan.“
Er drückte noch einmal die Schulter des guten Freundes, dann verließ er den Raum. Für Matteo war klar, was er nun machen würde: Benedikt nicht von der Seite weichen.

Es dauerte bis zum nächsten Morgen. Die ganze Nacht hatte Matteo am Bett gesessen und darauf gewartet, dem größten Feind seiner Familie in die Augen zu sehen, ihn zu fragen, was er hier machte. Er wollte bald heiraten. Benedikt Wagner passte nicht in seine Planung.
Langsam schlug der Patient die Augen auf. Als er Matteo neben sich erblickte, riss er nahezu panisch die Augenlider hoch.
„Tu mir nichts....“, krächzte er. „Bitte...“ Matteo starrte ihn einfach nur an. Fast schon mechanisch griff er zu dem kleinen Becher voll Wasser, um den Verletzten trinken zu lassen.

„Was machst du in Erfurt...?“, zischte er dann bedrohlich. „Du solltest in Amerika sein. Weit weg von mir und Judith...“
„Mir wurde... Meine Zulassung entzogen...“, sagte Benedikt leise. „Damit... Ist meine Geldquelle auch...“ Er musste husten. Ohne Mitleid sah Matteo ihn weiter an.
„Ich habe keine Rücklagen...“, erklärte der Mann weiter. „Ich... Habe auf einem Campingplatz gewohnt...“
„Rede doch keinen Scheiß!“, fuhr der Oberarzt ihn nun an. „Du wolltest meine Familie!“
„Nein...“, widersprach Benedikt ihm. „Die Blagen kannst du behalten...“ „Nenne sie nie wieder so!“, schrie Matteo weiter. „Sie sind wundervoll!“

„Kapierst du nicht... Dass ich nie eine Familie wollte...?“, krächzte der Patient. „Ich wollte... Judith... Nichts sonst...“ Er stöhnte und verzog das Gesicht vor Schmerz. „Wolltest oder willst?!“ Matteo kam ihm gefährlich nah.
„Wollte...!“, sagte Benedikt mit Nachdruck. „Verdammt, wollte...! Ich ficke nur mit Frauen, Judith ist doch... Eine Klette. Man! Ich will weg aus Deutschland... Aber mit welchem Geld bitte? Ihr habt mir die Scheiße eingebrockt...“
„Jetzt pass aber mal auf!“ Matteo packte ihn am Kragen.
Die Werte des Patienten schossen gefährlich in die Höhe, aber das war dem Mann egal. „Du hast meine Frau fast vergewaltigt. Du hast sie zum Weinen gebracht. Du hast uns regelrecht terrorisiert. Du hast sie fast sterben lassen und zwar auch meine Kinder! Und du sagst, wir haben dir das eingebrockt?!“

Am liebsten würde er ihm die Kehle zu drücken und ihn ganz langsam sterben lassen, aber so war Matteo nicht. Mit Verachtung ließ er den Verletzten wieder los, der japsend nach Luft ran.
Matteo raufte sich durch die Haare.
„Wie viel Geld brauchst du, um dich in den Flieger zu setzen?“, wollte er dann wissen.
„Ich habe in Amerika alles, was ich brauchte...“, erklärte Benedikt, noch immer aufgeregt und panisch. „Ich brauche nur das Ticket... Man... Ich bleibe doch nicht in Deutschland! Schon gar nicht wegen dieser.... Wegen dieser hässlichen...“

Er verstummte als Matteo ihn wie ein wütender Bulle ansah. „Du kriegst deine beschissene Kohle...“, zischte Matteo. „Und dann will ich dich nie wiedersehen. Noch einmal rette ich dir deinen Arsch nicht....“
„Musst du nicht... Ich habe einen Gehirntumor... Sterbe eh in einem halben Jahr... Was meinst du, wieso ich mich durch die Welt vögel?“ Ohne Mitleid sah Matteo ihn an. „Weißt du... Jeder kriegt im Leben das, was er verdient.“ Er legte einen kleine Zettel auf den Tisch. „Schreibe deine Kontonummer dort drauf. Ich überweise dir 1.000 Euro. Dann bist du weg.“
Er legte einen Stift dazu und verließ den Raum.

Geräuschvoll pustete er durch, während er mit dem Rücken die Wand hinab glitt.
Das Gespräch war anstrengend gewesen und hatte ihn emotional aufgewühlt. Er war froh, dem Mann nun niemals wieder begegnen zu müssen.
Er würde jetzt nach Hause fahren zu seiner Frau und dort einen wunderschönen Tag erleben. Jeder Tag mit ihr und den Kindern war ein Fest für ihn. Er verstand nicht, wie man so sein konnte wie dieser Mann, selbst, wenn man so schwer erkrankt war. Er hatte keinerlei Mitleid mit Benedikt. Matteo raffte sch wieder auf.
Da hörte er den schrillen Ton der Überwachungsgeräte und sah, wie mehrere Schwestern und Ärzte in das Zimmer stürmten. Er hätte auch dort hin laufen können, aber seine Beine bewegten sich keinen Millimeter. Es war nicht mehr seine Aufgabe.

Nach einem kurzen Moment hörte der Ton auf. „Zeitpunkt des Todes... 8 Uhr 13“, hörte er den Kollegen sagen.
Matteo konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Er atmete tief durch. Nun waren er und Judith endgültig von diesem Schwein erlöst. Er konnte es selbst kaum glauben, aber in diesem Moment begann er doch damit, wirklich an ein Himmelreich zu glauben. „Danke, John...“, flüsterte er mit geschlossenen Augen vor sich hin. Genau dafür hatte Gott einen neuen kleinen Engel gebraucht. Sein Sohn würde den Wagner ohne Zweifel in der Hölle schmoren lassen.
Review schreiben