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Draki und Jäger

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Fandral Frigga Loki Sif Thor Volstagg
04.01.2019
20.02.2021
10
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04.01.2021 1.858
 
Farbauti hatte Loki nicht geglaubt, aber da er abgelenkt durch das Verschwinden eines Dorfbewohners war, ließ er von seinem Sohn ab.
Loki kam es sehr gelegen. Er suchte sich einen Job mit Wochenendarbeit und Schichten, damit er Ausreden hatte, manchmal nicht nach Hause kommen zu müssen.
Loki wurde vorsichtiger und paranoider, wenn es um seine neue Freiheit ging. Mit Thor kommunizierte er nur über eine versteckte App auf dem Smartphone, die dazu noch Passwortgeschützt war, da Farbauti darauf bestand, seine Kontakte durchzusehen.
Helbora half ihm, sich bedeckt zu halten, auch wenn sie das eigentlich nicht guthieß.
Einige Wochen ging alles gut, doch als der Dorfbewohner als endgültig tot galt und die Grenzen Ullrs wieder als sicher, hatte Farbauti erneut ein Auge auf Loki geworfen.
Dieser hatte ein ganzes Wochenende gearbeitet und bei Thor verbracht.
„Du bist zwei volle Tage nicht nach Hause gekommen“, knurrte er beim Abendessen. Loki erstarrte bei diesem Ton.
„Ich war arbeiten. Ich habe dir meinen Lohnzettel gezeigt und gebe die Hälfte meines Verdienstes sofort an die Familie“, sagte er und versuchte seine Gabel ruhig zu halten.
„Mir gefällt dein Ton nicht“, sagte er gefährlich leise, als Sif sich auch schon zu Wort meldete.
„Lass es doch gut sein, Vater. Wenn du willst, erzähle ich dir von meinem Schultag“, sagte sie eine Spur zu fröhlich.
„Später, Schätzchen. Jetzt rede ich mit meinem Sohn, der sich mal wieder wie ein Schwächling verhält“, sagte er ruhig.
„Schatz, dass muss doch nicht sein. Loki schlägt sich doch ganz gut“, lenkte Laufey ein, um Farbauti von seinem üblichen Pfad abzubringen.
„Er war das ganze Wochenende weg und kümmert sich einen Scheißdreck um sein Volk“, knurrte er.
„Das ist auch noch nicht meine Aufgabe, sondern deine. Ich lerne Verantwortung zu tragen in meinem Job und bilde mich. Und ich tat das nicht ohne dich zu fragen, also, Vater, wo liegt das Problem?“, sagte Loki ruhig, doch innerlich zitterte bei dem Gedanken an das Kommende.
„Loki, ich glaube du hast vergessen, mit wem du sprichst. Ich bin dein König und dein Vater und du tust, was ich dir sage. Du kündigst deinen Job, verlässt die Uni und kommst wieder in den Schoß der Familie zurück. Ich habe keine Lust mehr auf deine Spielereien.“
Es wurde still, als Loki den Kopf hob.
„Das werde ich nicht tun.“
Farbauti erhob sich und streichelte seiner Frau über den Kopf, als sie flehend nach seinem Arm griff. Sif hasste es, wenn das passierte.
„Vater, bitte nicht“, flüsterte sie. Sie war sonst so unheimlich furchtlos, aber der eigene Vater war eine ganz andere Sache.
Loki sprang auf, doch Farbauti war schlimmer als alles, was er bisher erlebt hatte. Er schlug ihn nieder, riss an seinen Haaren und zog ihn Richtung Keller. Seine Eiskräfte nutzten gegen den König ebenfalls nichts.
„Es tut mir leid. Bitte nicht einsperren.“
Loki flehte, doch die riesige Hand in seinen Haaren war nicht nur schmerzhaft, sondern auch unerbittlich. Der Eisriese zerrte seinen Sohn zornig in den Keller, all die Stufen runter, gefolgt von einer weinenden Sif. Das Holz schlug ihm mit jedem Schritt in den Rücken, die Kniekehlen und Arme.
Laufey saß immer noch versteinert am Tisch. Tränen liefen ihr aus den Augenwinkeln.
„Nicht einsperren. Nicht einsperren.“
Die Stimme ihres Sohnes schnitt ihr ins Herz, aber sie konnte ihm nicht helfen. Farbautis Entscheidungen waren endgültig, da war es egal, wie man selbst dachte. Früher war er anders gewesen und hatte andere Ansichten akzeptiert, aber je älter Loki wurde und je mehr er die Ablehnung in seinen Augen sah, desto grausamer wurde er.
„Bitte, Vater, tu das nicht. Sperr meinen Bruder nicht wieder da ein.“
Sif klang bald genauso verzweifelt, wie Loki selbst. Die arme Kleine. Laufey war froh, dass er wenigstens seine Tochter nicht auf dieselbe Weise disziplinierte.
Der Keller hatte eine kleine Zelle, in der man nicht stehen und kaum aufrecht sitzen konnte, es gab kein Licht und sie war umgeben von Heizstangen. Mit Tritten beförderte er Loki hinein und schloss die schwere Eisentür hinter ihm. Dieser wehrte sich nicht und zitterte nur noch und wimmerte.
Sif stand fassungslos davor. Sie hatte ihren Bruder schon einmal befreit und es hatte alles nur schlimmer gemacht. Farbauti war wie ein Sturm, es war besser einfach zu warten, bis er vorüber war.
Dieser stellte die Heizstangen an, löschte das Licht und ließ seinen Sohn in der Finsternis zurück.


Thor war bei seiner Familie. Nach langem Drängen, saß er nun an dem reich gedeckten Tisch mit Odin, Frigga und seinem Bruder Fandral. Der Raum war geschmacksvoll, voller teurer Antiquitäten. Eine rote Wand, an der die Häute unterschiedlicher Draki, wie Trophäen, hingen.
„Wie läuft es an der Uni?“, fragte er und Thor antwortete ihm, während er aß, aber das Fleisch wegließ, während er misstrauisch die Häute an der Wand musterte.
Zuerst lief alles normal. Ein bisschen Smalltalk, bis Odin stolz verkündete, dass Fandral einen Eisdraki erledigt hatte. Thor zuckte kaum merklich.
„Kann ich ihn sehen?“, fragte er und seine Familie schien sich über sein Interesse zu freuen.
Während sie in den Präparier-Raum gingen, betete Thor, dass es nicht Loki war.

Das Gute an einer Panikattacke war, dass sie auch irgendwann ein Ende fand.
Langsam ebbten die Gefühle ab, die Todesangst war fürs Erste vorbei. Zurück blieben Dunkelheit, Isolation und eine unerträgliche Wärme. Die Zelle war so eng und viel zu heiß, er lag am Boden und wenn er seine Hand noch oben streckte, konnte er bereits die Decke und die Heizstangen fühlen. Die schwächten seine Kräfte und gegen das Eisen der Tür war auch kein Ankommen. Hier hatte schon Farbautis Vater seine Kinder diszipliniert.
Ein leerer Raum hatte sich dort gebildet, wo einst sein Herz für sein Vater schlug. Mit jedem Tag der verstrichen war, hatte sein Vater mehr und mehr die Liebe abgetötet, die er einst empfunden hatte. Loki hatte den Fehler gemacht, ein Jahr warten zu wollen und einen Plan zu schmieden, doch Farbauti war zu launisch, zu unberechenbar für Pläne. Er hätte bei der ersten Gelegenheit rennen müssen.
Wenn sein Vater ihn hier rausließ, würde er genau das tun.
Er dachte an Thor und versuchte seine Atmung anzupassen. Seine netten Arbeitskollegen, alles Menschen, keine Draki oder Jäger. Die letzten Wochen waren viel zu schön gewesen. Vielleicht war er zu dreist geworden oder unvorsichtig. Ein Fehler, der ihm kein zweites Mal passieren würde.

Die Woche begann fürchterlich. Loki kam nicht zur Uni und Helbora sagte nur, er wäre erkältet und würde zu Hause bleiben.
„Das ist doch Schwachsinn, ein Eisdraki kriegt doch keine Erkältung“, murmelte Thor zu sich selbst und versuchte sich auf den Unterricht zu konzentrieren.
Doch seine Sicht verschwamm und er fühlte sich an den Sonntagabend erinnert, als ihm seine gesamte Familie die Leiche eines Mannes zeigte. Seine Haut war tiefblau und die Augen blutrot.
Die Erleichterung, dass es nicht Loki war, wich, als Fandral stolz von der Jagd berichtete und Thor sich fast der Magen umdrehte. Wie in Zeitlupe hörte er den Ausführungen zu, sah das Lächeln seiner Familie, selbst seiner Mutter. Sein Blick blieb letztendlich bei dem Toten hängen.
„Thor, willst du bei der nächsten Jagd nicht lieber mit dabei sein?“, fragte Fandral Thor.
„Ich werde nie wieder jagen“, sagte er mit belegter Stimme und schloss die Augen des Toten.
Die Stimmung im Raum veränderte sich.
„Thor?“
Er drehte sich um und blickte seinen Bruder an, als stünde ein Fremder vor ihm.
„Ich fahre jetzt nach Hause“, erklärte er erstaunlich ruhig. Draußen donnerte es und ein starker, kalter Regen setzte ein.
„Du kannst vor deinen Wurzeln nicht ewig davon laufen, Thor“, ermahnte Odin ihn.


Es fühlte sich so unsagbar beschissen an, wenn die ganze Familie nur aus Mördern bestand.
….

Drei Wochen vergingen. Thor versuchte Loki anzurufen, doch niemand nahm ab, er antwortete nicht über die versteckte App, Helbora blockte ab bei jedem weiteren Nachfragen. Er versuchte nach Ullr zu gelangen, doch wurde eiskalt abgewiesen. Nur mit Erlaubnis, hatten sie ihm wiederholt gesagt. Wenn er bis Ende des Monats nicht zurück sein würde, würde er dort einfallen und jeden erschlagen, der Loki auch nur ein Haar gekrümmt hatte. Bisher tat er es nur nicht, weil er nicht mehr töten wollte.
Dann kehrte Loki nach drei Wochen an einem Montag zurück. Er war blass. Blasser als sonst und er wirkte so wackelig auf den Beinen. Helbora kam an diesem Tag nicht zur Uni. Thor umarmte ihn, sobald er durch die Tür kam. Doch die Umarmung erwiderte er nicht, sein Blick wanderte unruhig umher.
„Thor, ich muss heute gehen.“
Ohne ein weiteres Wort nahm er seine Tasche und zog Loki mit sich aus der Uni. Der protestierte nicht. Sie liefen zu ihm nach Hause.
Dort angekommen, platzierte er Loki auf dem Sofa und hatte Mühe, sich zu kontrollieren.
„Wo bist du die letzten drei Wochen gewesen?“, fragte er und drückte Lokis Oberarmen fast die Blutzufuhr ab.
„Im Keller“, antwortete Loki trocken. Zuerst war es still, dann prasselte ein wütender Regen gegen die Scheiben.
„Dein Vater?“
Es folgte ein Moment der Stille und Loki nickte nur erschöpft. Seine Augenringe waren gigantisch.
„Ich bleibe hier nicht mehr länger. Ich breche nach Ginnungagap auf.“
„Hast du überhaupt schon genug Geld aufgetrieben? Willst du auf der Straße leben?“, fragte Thor, weil sich bei der Vorstellung Loki gehen zu lassen, nicht sehr wohl fühlte.
„Ich würde lieber meine Hintern verkaufen und in einem Zelt schlafen, bevor ich wieder in diese Zelle zurückkehre“, zischte Loki.
Er starrte seinen Freund an. Die langen Haare, die intelligenten Augen. Er wollte ihn nicht gehen lassen und er wollte ihn beschützen. Die Gedanken an den Leichnam kamen ihm in den Sinn. Das Gefühl ein Fremder in der eigenen Familie zu sein.
„Was, wenn ich mit dir gehe?“, fragte Thor vorsichtig. Loki lachte nur.
„Ich meine es ernst“, sagte er. Loki musterte ihn und hinter den schönen, grünen Augen ratterte es.
„Dir ist klar, dass wir dann ganz neu anfangen müssen. Wir können uns an niemanden wenden und können froh sein, wenn wir ein gemeinsames WG Zimmer finden...“, erklärte Loki. Innerlich würde er nichts lieber, als Thor mitzunehmen, doch noch war er nicht komplett überzeugt.
„Wieso willst du mit mir gehen?“
Thor zögerte.
„Spuck es aus. Ich weiß, ich bin eine Bereicherung für dein Leben, aber da ist noch ein anderer Grund, oder?“, Loki lächelte frech, als er ihn ermunterte, weiter zu sprechen. Thor nahm die Hände von Loki in seine und drückte sie nervös, dabei hockte er sich vor ihn und blickte ihn von unten an.
„Meine Familie hat…mein Bruder war wieder auf der Jagd“, erklärte er benommen.
„Bei uns ist ein Dorfbewohner verschwunden, dann weiß ich ja jetzt, was mit ihm passiert ist.“
Seine Augen glänzten rot, als er das sagte.
„Meine Familie, meine Freunde…mein ganzes Leben habe ich mit Kriminellen verbracht. Ich kann das nicht mehr. Solange ich hier bin, ziehen sie mich immer wieder mit rein. Lass uns gemeinsam verschwinden, Loki. Ein ganz neues Leben. Eine ganz neue Chance.“
Loki nickte und erhob sich. Sie packten, planten, hoben Geld ab und holten Lokis Sachen aus dem Bankschließfach.

Als sie endlich im Zug saßen, sahen sie sich an. Loki wirkte das erste Mal an diesem Tag erleichtert. Thor sah aus dem Fenster, als sie den Bahnhof verließen.
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