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Draki und Jäger

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Fandral Frigga Loki Sif Thor Volstagg
04.01.2019
20.02.2021
10
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24.05.2020 1.391
 
Der Sonntag begann sehr früh am Morgen. Thor fror fürchterlich, obwohl er zugedeckt war. Missmutig öffnete er die Augen, blinzelte und sah erstaunt, dass sein Atem sichtbar war. Er setzte sich auf und sah sich um. Das Zimmer sah relativ normal aus, abgesehen davon, dass sich an den Fenstern Frost gebildet hatte. Er blickte sich um, das hier war mit Sicherheit Lokis Werk.
Dieser saß in dem dunkelblauen Bademantel in einer Ecke und hatte die Hände vor dem Gesicht. Er zitterte und schien die Kontrolle über seine Kräfte verloren zu haben. Thor fragte sich, warum ihn seine Sinne nicht gewarnt hatten.
„Loki, was ist mit dir?“, fragte er besorgt, aber auch angespannt, schlang die Decke um sich und bewegte sich vorsichtig auf ihn zu. Lokis Haut war kobaltblau. Dieser hatte sich komplett in einen Draki verwandelt. Thor berührte ihn an der Schulter, doch das stellte sich als Fehler heraus. Loki schrie, schlug um sich und das Eis drang von seinem Körper über die Wände und den Fußboden. Schnell rannte Thor zum Sofa und stellte sich drauf. Auch wenn ihm die Haut des Drakis nichts ausmachte, der Frost war eine ganz andere Angelegenheit.
Blutrote Augen starrten panisch umher, seine Haare hingen, nass vom kalten Schweiß, seitlich an seinem Kopf herunter. Er konnte nichts mehr sehen und befand sich in einem Zustand völliger Verwirrung.
„Nicht einsperren. Nicht einsperren. Nicht einsperren“, wisperte er und senkte die Temperaturen in dem Raum noch stärker Richtung Minusgrade. Thor wusste auch nicht, wie er ihn beruhigen sollte. Mit Gewalt könnte er ihn leicht überwältigen, aber zu welchem Preis. Er wollte ihn nicht verletzen.
„Nicht einsperren. Nicht einsperren. Nicht einsperren“, sagte Loki nun lauter und stolperte über einen eingefrorenen Ordner, der am Boden lag. Er flog der Länge nach hin und blieb schluchzend liegen.
„Sif?“, fragte er in die Stille hinein.
Thor zog die Decke um sich, er wollte ihm aufhelfen, aber am Ende würden sie sich nur gegenseitig attackieren oder Loki verwandelte ihn in einen Eisblock.
„Sif? Bist du hier?“, fragte der Hingefallene nun lauter und verzweifelter. Thor seufzte und versuchte einzuhaken.
„Ja, ich bin hier“, sagte er. Dann war es still. Loki hörte auf zu zittern und die Wohnung in einen Eispalast zu verwandeln.
„Ich kann nichts sehen. Es ist dunkel. Gestern war ich noch bei meinem Projektpartner. Wieso bin ich schon wieder hier?“, fragte er mit einer panischen Stimme. Er versuchte, nicht zu schluchzen, aber sein kompletter Körper spielte verrückt.
„Du bist immer noch in mei…in seiner Wohnung, aber du hast einen Nervenzusammenbruch oder sowas“, sagte er. Loki setzte sich auf und tastete sich herum. Thor warf die Decke auf den Boden, damit seine bloßen Füße, nicht auf das Eis traten.
„Ich berühre dich jetzt. Krieg nicht wieder Panik!“, forderte ihn die vermeintliche Sif auf. Er nickte und zuckte nur kurz zusammen, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte.
Thor zog ihn in seine Arme und streichelte beruhigend seinen Rücken. Loki murmelte noch weitere Dinge.

Nicht einsperren. Sif, seit wann bist du so groß? Nicht einsperren. Sif. Nicht einsperren. Seit wann bist du ein Mann? Nicht einsperren. Nicht einsperren. Nicht einsperren. Du bist nicht Sif. Du bist Thor. Nicht einsperren. Nicht einsperren. Nicht einsperren. Nicht einsperren. Nicht einsperren.

Thor streichelte ihn weiterhin. Loki umklammerte ihn wie ein Ertrinkender einen Rettungsring.
Die Dunkelheit wich langsam aus seinen Augen. Die Verschwommenheit würde allerdings noch ein bisschen anhalten. Das kannte er ja schon, wenn er wieder in der Vergangenheit festsaß. Langsam ließ er von Thor ab und sah sich um.
„Tut mir leid mit deiner Wohnung. Das wollte ich nicht…“, sagte er und rieb sich die Augen. Er sah auf seine Hände, dass Blau ließ ebenfalls nach. Thor griff ihn fest in den Nacken, den Daumen dabei vor Lokis Ohr.
Loki sah zu ihm, konnte sein Gesicht aber nur schlecht erkennen. Seine Hand strahlte Wärme aus.
„Ich bin dir nicht böse. Keine Ahnung, was gerade mit dir los ist, aber ich bin dir wirklich nicht böse. Aber denke ja nicht, dass ich, wenn die Wände wieder abschmelzen, alles alleine wegwische…“, betonte er dunkel. Er ließ keinen Widerspruch zu. Loki nickte.  
Er hatte sich den Sonntag anders vorgestellt, mehr so wie den Samstag, aber nun mussten sie Lüften, wischen, die Geräte überprüfen, die Unterlagen überprüfen. Glücklicherweise, war nur wenig beschädigt und die Schlimmste Feuchtigkeit nach ein paar Stunden beseitigt. Die Unterlagen lagen verteilt, damit sie trocknen konnte.
Sie saßen schweigend da. Thor im Rollkragenpullover und Loki im T-Shirt. Er glitt erschöpft nach hinten und lehnte sich in Thor‘s alte Couch. Er wollte nicht reden. Sich nicht bewegen. Nicht mal denken, aber vor allem nicht reden.
„Hast du solche Nervenzusammenbrüche öfters?“, durchbrach Thor die Hoffnung von Loki. Ein tiefes Seufzen folgte. Als Thor sich zu ihm umdrehte, sah er, wie er den Arm über seine Augen gelegt hatte.
„Ja. Ich habe das öfters“, sagte er ruhig und erwartete noch weitere Fragen, aber er würde nicht alle beantworten. Das wollte er nicht. Und konnte es auch nicht, ohne es erneut physisch zu spüren.
„Kriegst du Hilfe? Ein Arzt oder so?“, fragte er weiter.
„Nein“, kam es kurz und bündig zurück.
„Das ist nicht gut, Loki“, sagte Thor zutiefst besorgt.
„Ich weiß“, antwortete er nur.
Eine wichtige Sache fehlte noch, er wartete nur darauf, dass Thor ihn fragte.
„Wer ist eigentlich Sif?“ Das war nicht die Frage, die er erwartet hatte.
Loki nahm den Arm von seinen Augen und sah überrascht zu Thor.
„Meine kleine Schwester“, sagte er und lächelte leicht. Der Ase beobachtete das Mienenspiel auf dem Gesicht seines Gastes. Sie war sein Anker, dass konnte er erkennen. Vermutlich die Person in der Familie, zu der er das meiste Vertrauen hatte. Loki sah ihn an, musterte ihn mit blassen Augen.
„Ich bin froh, dass du nicht wie Fandral bist“, sagte er lächelnd. Über Thors Gesicht legte sich daraufhin ein Schatten und er begann sich an der Küchenecke zu schaffen zu machen. Es wurde Zeit fürs Abendessen.
„Sei dir da mal nicht so sicher“, sagte er und stellte einen Topf mit Wasser auf den Herd. Lokis Blick ließ seinen Nacken kribbeln und dachte an den Schlimmsten Moment seines Lebens zurück.
„Redest du von dem ‚großen Fang‘, den ihr gemacht habt? Erzähl es mir, Thor. Hast du ihn getötet? Ihn gehäutet und mit deinen tollen Freunden auf den Mord an einem unschuldigen Wesen angestoßen? Was war es? Ein Eisdraki? Oder ein Luftdraki? Oder ein Feuerdraki?“, Lokis Stimme war leise und tropfte wie beißende Säure in seine Wunden. Thor reagierte nicht darauf.

„SAG ES MIR!“, brüllte er plötzlich und in Anblick der echten Gefahr drehte sich Thor instinktiv um. Vor ihm stand er, komplett in seiner Jotunform, die Augen blutrot und das Haar schwarz. Fast war er so kontrastreich wie ein impressionistisches Kunstwerk. Thors Augen leuchteten und beide standen sich gegenüber. Thor ging um den Tisch herum, langsam, bedrohlich, wie ein Raubtier. Loki schluckte, doch wich nicht zurück.
„Es war ein Feuerdraki. Wir haben ihn gefangen, getötet und ihm die Haut abgezogen. Es war ein unschuldiger, junger Draki und er schrie voller Angst. Er war wirklich noch sehr jung, nicht das sein Alter wirklich eine Rolle gespielt hätte“, kam es von Thor. Seine Stimme klang tief, belegt und in weite Ferne gerückt. Loki hörte die Schuld, die er empfand.
„Wer hat ihn getötet?“
Thor ließ seinen Blick über den Jotun gleiten: „Ich habe ihn aufgespürt, Hogun hat ihn getötet und Fandral hat ihn…verarbeitet. Nicht, dass es wirklich von Bedeutung ist, ob man der Mörder ist oder an einem Mord beteiligt ist.“
„Für mich spielt es eine Rolle“, sagte er zu ihm und legte seine blaue Hand an Thors Wange.
„Wieso hast du Nervenzusammenbrüche, Loki? Wer hat dich dermaßen traumatisiert? Ein Jäger?“, sagte Thor und Loki schüttelte nur den Kopf.
„Es war mein Vater.“
Ein Donnern ließ ihn zusammenzucken. Draußen schien sich ein Sturm aufzubauen. Als er zurück zu Thor sah, wusste er, wer verantwortlich dafür war.
Er wusste, dass Thor ein großes Temperament besaß, aber diese raue Mordlust war ihm neu. Angst überkam ihn.
„Ich werde ihn…“, knurrte der Ase, doch Loki stoppte ihn sofort.
„Es spielt keine Rolle mehr“, sagte Loki mit einem resignierten Lächeln.
„In einem Jahr werde ich ohnehin alles hinter mir lassen.“










PS: Ich bin kein Psychiater. Wie Nervenzusammenbrüche und Panikattacken wirklich ablaufen, entnehmt bitte einer vernünftigen Internetseite oder fragt beim medizinischen Personal nach.
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