Draki und Jäger

von Laiya
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 Slash
Fandral Frigga Loki Sif Thor Volstagg
04.01.2019
11.08.2019
7
9633
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Loki spürte bereits in seinem unruhigen Schlaf, dass etwas nicht stimmte. Ein Summen rieselte über seine kühle Haut und er riss die Augen auf. Misstrauische Augen musterten ihn wie eine Beute. Loki sprang vom Bett und wollte an ihm vorbeirennen, doch eine unbarmherzige Hand hielt ihn fest und warf ihn zurück aufs Bett.
„Nicht so eilig, Eisdraki“, sagte er mit einer leisen, gefährlichen Stimme.
Lokis Haut färbte sich augenblicklich und seine Augen begannen rot zu glühen. Wenn er ihn nochmal anpacken würde, würde er sich starken Gefrierbrand an seinen Händen holen.
„Fass mich ruhig nochmal an, Ase, mal sehen, ob du dich das traust“, sagte er mit zitternder Stimme. Loki hatte sehr viel mehr Angst als der Jäger und beide wussten das. Thor war in zwei Schritten bei ihm und presste ihm eine Hand auf den Mund und mit der anderen packte er ihn im Nacken.
„Ich bin immun gegen deine Kräfte“, sagte er und ließ ihn los. Als Jäger in ihm gefiel die Angst des Jotun. Was die Gene so ausmachten, dachte er sich.
Thor sprach weiter und zischte dabei wütend.
„Ich habe keinerlei Interesse daran, Jagd auf dich oder die anderen zu machen. Ich habe kein Interesse an Drakis, aber du weißt, was ich bin. Warum auch immer. Und ich erkenne, dass du nicht gewöhnlich bist. Auch nicht für einen Eisdraki. Verrate mich und ich mache dich zu einem Teppichvorleger. Verletze einen anderen Menschen und ich mache aus dir einen Teppichvorleger. Sabotiere mich an meinem Arbeitsplatz und ich mache aus dir einen Teppichvorleger, haben wir uns verstanden?!“, sagte er grimmig.
Loki starrte ihn nur an und verwandelte sich langsam zurück. Zweifel lagen in seinem Blick und eine Menge Fragen schoßen ihm durch den Kopf, aber er schluckte es fürs Erste herunter. Er wollte die Situation nicht verschlimmern.

„Okay“, sagte der eingeschüchterte Draki nur, „und was ist mit der gemeinsamen Arbeit?“

„Wir machen sie. Drei Monate kriegen wir schon rum“, damit schloss der Jäger die Tür wieder auf und verließ die Krankenstation. Loki zitterte, aber gleichzeitig hatten sich seine Probleme gerade in Luft aufgelöst. Der Ase schien auch nur an einem normalen Leben interessiert zu sein. Oder vielleicht an seinem Abschluss. Zumindest nicht an der Jagd und ihm als Trophäe und das war das Wichtigste.

Er würde versuchen, ihn nicht zu verärgern. Loki war es gewohnt nach der Pfeife seines Vaters zu tanzen. Drei Monate schaffte er es auch, nach der eines Jägers zu tanzen. Die Marionette hing so gesehen ohnehin nur noch ein Jahr an den Fäden seines Erbes.

Der Jotun ruhte sich noch etwas aus, bezog dann das Krankenbett neu (der Benutzer war angehalten, das Krankenzimmer tadellos zu hinterlassen) und nahm seine Sachen. Loki schloss den Raum wieder ab und brachte den Schlüssel zum Sekretariat, wo ihm bereits seine Freundin entgegenkam. Helbora war erleichtert, dass er nicht mehr so kränklich aussah.
„Ich gebe dir die Aufzeichnungen später, wir müssen uns beeilen, der Bus fährt gleich!“, sagte sie mahnend und sie machten sich auf den Weg. An der Bushaltestelle trafen sie einen der anderen wieder. Scheinbar war sein Einstellungsgespräch gut gelaufen. Nandarin hatte sich bei einer Firma beworben die ausschließlich Draki einstellte, somit hätte er sich schon wirklich dämlich anstellen müssen, den Job nicht zu bekommen.

Sie liefen zu dritt durch den Wald zur Seilbahn.

Im Kopf ging er seinen Plan für die Woche durch. Zuerst brauchte er ein Bankschließfach.

In der Nähe der Uni würde er für ein kleines 50 Dollar für ein ganzes Jahr bezahlen müssen. Das war machbar. Dann musste er seine bisherigen Ersparnisse dort deponieren. Immer ein wenig von seinem Konto abheben und da hinbringen. Vielleicht würde er einen guten Nebenjob finden. Gegen Kellnern oder organisieren hatte er nichts, aber ihm graute es, putzen gehen zu müssen, aber zur Not würde er auch da etwas finden. Die eine Drakifirma der Stadt fiel flach, die Möglichkeit da überwacht zu werden, war ihm einfach zu groß. Fast alle würden sich Farbauti ohne Widerrede unterstellen, denn er bot ihnen Führung, Sicherheit und Schutz, vor allem, wenn es wieder zu größeren Auseinandersetzungen kommen würde.

Sie ging in die Telefonzelle am Fuße des Berges und rief in Ullr an, dass drei nach oben kommen möchten.
Nach Ullr kamen selten Fremde, vor allem weil es so schlecht zu erreichen war, aber auch, weil es eine Art Denkmalschutz besaß und nicht immer Touristen die Erlaubnis bekamen, die Stadt zu besuchen. Und die Erlaubnis erteilte nur einer – Fabauti. Die Seilbahn wurde in Gang gesetzt und die drei setzten sich auf die schmalen Bänke am Rand.
Eine Stunde sinnlos herumsitzen.
Dabei glänzte der Schnee in den höheren Regionen so verführerisch und als Jotun wäre er in nicht mal einer halben Stunde zu Hause. Sehnsuchtsvoll starrte Loki auf das glänzende, unberührte Weiß, welches nur darauf zu warten schien, von ihm durchkreuzt zu werden.

„Loki!“, ermahnte ihn Helbora, aber er ignorierte sie. Sie nervte ihn in letzter Zeit nur noch.

„Loki, eure Augen“, sagte nun auch Nandarin. Und Loki verstand und ließ ab von dem glänzenden Schnee. Verwandlung war eben noch nie seine Stärke gewesen und die Sehnsucht nach Freiheit brannte in ihm stärker denn je.

„Verzeiht, ihr beiden. Ich mäßige mich in Zukunft“, sagte er höflich und holte sein Buch über den Orientierungskurs heraus. Er fing an, etwas über die Laborarbeit zu lernen. Wie man ein Mikroskop bediente. Welche Arten von Mikroskopen es gab. Dabei spürte er Helboras Blick von der Seite.
„Kann das von heute bitte unser Geheimnis bleiben?“, bat er sie in einem unterwürfigen Ton. Helbora nickte nur. Sie kannte Farbauti, sie kannte die Regeln, die kannte Loki. Der kleine Zwischenfall mit seiner Panikattacke musste nicht weiter erörtert werden.
Nandarin hörte diesen unterwürfigen Ton. Innerlich schüttelte es ihn. Wie konnte der Sohn des Anführers nur so kriechen. Zugegeben, er war wirklich intelligent, aber er war keine Führerpersönlichkeit. Ob die Draki ihm jemals folgen würden? Er hoffte inständig, dass es nur daran lag, dass er die Kleine mochte.
„Vergiss nicht, mir noch die Aufzeichnungen zu geben, Helbora“ sagte Loki noch und überflog die Bestandteile und Beschriftungen eines Lichtmikroskops. Diese fing an sie heraus zu suchen und gab sie ihm.
„Ich habe für dich gleich eine weitere Abschrift gemacht und das Wichtigste angekreuzt“ antwortete sie freudestrahlend und ihre Wangen erröteten leicht. Der Angesprochene nahm sie entgegen und überflog sie kritisch, bevor er seinen Kopf leicht zu ihr drehte und ein Lächeln aufsetzte. Nun sprach er mit einer warmen Stimme: „Vielen Dank, was würde ich nur ohne dich tun.“
Nandarin versuchte die Situation zu verstehen. Es war wohl eher so, als würde die Kleine ihn mögen. Und Loki schien nicht an Lob zu sparen, wenn es um sie ging. Ob sie ein Paar waren? Immerhin gab es über die beiden schon lange Gerüchte.
„Kannst du in der letzten Vorlesung morgen auch nochmal für mich mitschreiben? Ich weiß, ich verlange viel, aber ich muss in der Stadt etwas Wichtiges erledigen“, sie nickte. Er konnte gar nicht ermessen, wie oft sie schon während der Schulzeit für ihn gebürgt und ihm geholfen hatte.
„Danke, Helbora“, sagte er nur und blätterte weiter in dem Lehrbuch herum.
Nandarin sah aus dem Fenster. Nun verstand er den Jungen. Helbora fraß ihm aus der Hand und er benutzte sie so gut er konnte. Sein Lächeln hatte nichts Warmes an sich, sondern wirkte eher kalt und triumphal, wenn Helbora nicht hinsah. Er setzte auch Worte und Lobpreisungen so ein, dass sie gar nicht mitbekam, wie er sie manipulierte.

Besser die beiden würden nie ein Paar werden. Vor allem für das Wohlergehen der Kleinen.
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