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Draki und Jäger

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Fandral Frigga Loki Sif Thor Volstagg
04.01.2019
20.02.2021
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05.01.2021 1.941
 
Kein Hindernis aus Stein hält Liebe auf, was Liebe kann das wagt sie auch.
Shakespeare



Die Stadt war laut. Das war Thors erster Eindruck.
Sie liefen stundenlang durch Ginnungagap, bis Loki ein Schild im Schaufenster sah. Er ging sofort in das Restaurant und kam mit einem Job wieder heraus. Thor grinste. Er selbst würde sicher auch noch etwas finden. Und das tat er auch. Beim Bau wurden noch Aushilfen gesucht.
Eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden war dagegen deutlich schwerer. Selbst die Pensionen waren ausgebucht. Vorerst schliefen sie in einem Zelt auf dem Campingplatz, aber immerhin konnten sie dort duschen und waren vorerst sicher.
Das Zelt war eng und Loki hatte Schwierigkeiten keine Panik zu bekommen. Sie ließen den Reißverschluss des Zeltes offen und Thor streichelte ihm sanft über den Rücken. Er grinste, als er sah, wie Loki unter seinen Händen eine Gänsehaut bekam.
„Alles in Ordnung?“
Loki drehte sich zu ihm um.
„Ja, mehr als das.“
Als Loki ihn stürmisch küsste und sich rittlings auf ihn setzte, ließ er es geschehen, auch wenn es ein bisschen seinen Jagdinstinkten widersprach.


Frigga saß fassungslos in Thors Wohnung. Sie hatten sein Verschwinden nach einem Monat bemerkt, weil er seine Miete nicht bezahlte und auch sein Job und die Uni meldeten ihn als vermisst, wie auch einen seiner Kommilitonen. Sie weinte, als sie Thors Abschiedsbrief las. Er war durchgebrannt. Das sah ihm einfach nicht ähnlich.
„Ich fasse es nicht“, murmelte Fandral.
Hogun räusperte sich und ergriff das Wort.
„Ich denke, er ist mit seinem Freund durchgebrannt“, sagte er.
Frigga stand im Türrahmen, während die Freunde sich auf der Klappcouch platziert hatten. Alle Augen richteten sich sofort auf ihn.
„Sein Freund? Wenn mein Bruder schwul wäre, wüsste ich das wohl.“
Frigga schwieg, wurde aber nachdenklich.
„Vor allem, wer sollte dieser ominöse Freund überhaupt sein? Er hat nie jemanden mitgebracht oder erwähnt?!“, schimpfte Fandral weiter.
„Erinnerst du dich noch an den Tierschützer?“, erinnerte ihn Hogun.
„Loki? Also, wenn mein Bruder schon vom anderen Ufer ist, dann sollte er mehr Geschmack beweisen.“
Frigga hörte besorgt zu.
„Was weißt du über den Jungen?“, fragte sie Hogun und ließ sich auf einen Stuhl nieder.
„Er ist ein Kommilitone von Thor und anscheinend Tierschützer. Er hat sich auch abfällig zum Jagen geäußert.“
Frigga ließ sich das alles durch den Kopf gehen. Thor würde nicht davonrennen, nur weil sein Partner vom gleichen Geschlecht war. Im Gegenteil, er war schon immer ein Kämpfer gewesen.
Es sei denn, sein neuer Freund war ein Draki. Die Abneigung gegen das Jagen, jenes Davonlaufen, um ihn vor der eigenen Familie zu schützen, würde schon viel mehr einen Sinn ergeben. Kein Wunder, dass er sich so von ihnen abgeschottet hatte. Sie hatten die Rasse seines Geliebten gejagt und taten es noch.
„Was für ein Chaos“, murmelte sie und rieb sich die Stirn. Hogun schien etwas ähnliches zu vermuten, Fandral zum Glück nicht.
„Ich möchte nicht, dass ihr diesen Jungen meinem Mann gegenüber erwähnt, bevor wir nicht völlig sicher sind, dass Thor mit ihm weggelaufen ist.“
Beide nickten. Sie wussten, wie Odin sein konnte.

….

Nach einigen Monaten hatten Loki und Thor immer noch kein Zimmer oder eine Wohnung gefunden. Ihre Jobs und die wenigen Ersparnisse waren keine guten Sicherheiten, noch dazu waren sie zwei junge Männer, kaum der Jugend entwachsen.
Eine letzte Chance war ein WG-Zimmer mitten im Zentrum im Stark-Tower. Der junge Millionär war äußerst exzentrisch und wählte seine Bewohner sehr genau aus. Hübsche Frauen und hochintelligente Studenten hatten eine gute Chance.
„Wahnsinn. Eine Wohnung hier kostet bestimmt fast eine Million Dollar“, sagte Thor und staunte nicht schlecht über die luxuriöse Aula. Glänzende Kacheln, goldschwarze, harte Linien und natürlich ein prunkvolles Stark-Zeichen.
Hier waren noch fast 50 andere junge und auch ältere Leute. Loki stöhnte innerlich. Es wäre wirklich ein Traum hier leben zu können, aber die Chancen waren sehr gering.
Dann spielte auch schon ACDC und ein junger Mann in einem stylischen, schwarzen Anzug wurde von einer versteckten Plattform nach oben gebracht. Die Feuerfontänen waren nicht weniger unauffällig.
„Herzlich willkommen bei der Wohnungsbesichtigung. Es sind zwei Zimmer im 12. Stock zu vergeben und meine Wenigkeit wird sie herumführen. Ich liebe mein Zuhause. Es ist wie 365 Tage im Jahr Weihnachten, mit ein bisschen mehr von mir“, sagte er und musterte die Interessenten. Dies war bereits der zehnte Durchgang und er hoffte, heute passende Bewohner finden zu können.
Zuerst stellte er ihnen ‚Jarvis‘ vor, eine hauseigene KI, mit einem ähnlichen Humor, wie er selbst. Thor schien Tony Stark zu mögen, Loki nicht. Am Ende warf er bereits die Hälfte der Leute raus und das nicht besonders freundlich. Die persönlichen Gespräche begannen.
Loki und Thor sprachen gemeinsam vor. Sein Büro war riesig und die Aussicht auf Ginnungagap bezaubernd. Die Lichter der Stadt leuchteten in Konkurrenz mit den Sternen selbst.
„Also, der Kellner“, sagte Tony und spielte damit auf Lokis Kleidung an, der einem klassischen Anzug aus der Gastronomie glich, ganz besonders mit der roten Fliege. Nicht, dass er im Moment wirklich viel andere Kleidung besaß.
„Und Chad, das Unterwäschemodel“, sagte er und musterte Thor dabei von oben bis unten. Loki kochte innerlich, auch wenn er zugeben musste, das Thor wirklich wie ein Chad aussah.
„Wieso wollt ihr bei mir einziehen?“, fragte er direkt. Loki setzte an, doch Thor kam ihm zuvor.
„Wir haben keine andere Wahl. Wir leben schon seit geraumer Zeit auf dem Zeltplatz“, erklärte er und Loki schlug sich innerlich gegen die Stirn. Ehrlichkeit war hier bestimmt fehl am Platze.
„Was mein Freund hier sagen wollte, wir haben uns bisher nicht getraut hierher zu kommen, weil die Chancen aufgenommen zu werden, sehr gering sind. Es wäre uns eine Ehre hier zu leben - ihr Tower ist atemberaubend - aber es stimmt, es ist leider auch eine letzte Chance“, versuchte er zu schmeicheln, aber Tony ging nicht darauf ein.
„Seid ihr beiden zusammen?“, fragte er und die Angesprochenen sahen sich überrascht an. Sie hatten bisher noch nicht über ihre Beziehung gesprochen. Arbeiten und Organisieren, wie auch ihre Unversehrtheit, waren wichtiger.
„Ja, Thor ist mein fester Freund“, sagte Loki gerade heraus und Thor durchbohrte ihn von der Seite. Tony hob skeptisch eine Augenbraue.
„Eure Eltern vermissen euch ziemlich stark, wusstet ihr das eigentlich?“, fragte er und zog zwei besorgte Augenpaare auf sich.
„Ich glaube nicht, dass sie das was angeht, Herr Stark“, knurrte Thor und ein leichter Nieselregen setzte ein.
„Tony, bitte! Ich bin noch nicht mal dreißig“, sagte er.
„Ihr verheimlicht etwas, oder?“, bohrte er weiter und öffnete einen holographischen Bildschirm und zeigte ihnen die Vermisstenanzeige im Internet. Loki schluckte und begann zu zittern.
Tony zuckte kurz zusammen, als es draußen donnerte.
„Wow, ziemlich plötzlicher Wetterumschwung“, sagte er, als eine kleine, blonde Frau in den Raum kam.
Thor war abgelenkt. Er hätte nicht gedacht, jemals wieder einen seltenen Feuerdraki zu sehen. Lokis Augen weiteten sich ebenfalls. Als sie die beiden ansah, blickten sie sofort auffällig unauffällig zur Seite. Thor räusperte sich und Loki hatte plötzlich sehr viel Interesse am Rand der Tischplatte.

„Das ist meine Assistentin und mehrfache Lebensretterin Pepper.“
Der Raum wurde still. Thor sah verletzlich aus, Loki legte eine Hand auf seine Schultern.
„Lass uns gehen. Mister Stark hat eine Grenze überschritten. Wir finden auch woanders eine Wohnung. Und wenn wir noch ein Jahr auf dem Campingplatz verbringen, besser als wieder unter der Kontrolle von einem kaltherzigen Arschloch zu stehen.“
Pepper sah zu Tony.
„Was hast du getan?“
„Wieso? Gar nichts?“
„Du hast die beiden Jungs total verstört. Was. Hast. Du. Getan?“
„Ich habe eventuell ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass sie von ihren Eltern gesucht werden.“
„Tony! Du weißt, wie manche Eltern sind. Oder muss ich dich erst an meine erinnern?“
„Nein, natürlich nicht.“
„Die beiden kriegen einen Raum, wenn nicht sogar beide Zimmer. Das bist du ihnen schuldig. Außerdem kann ich sie gut leiden. Einen Jäger und einen Draki, die ein Paar sind, sieht man nicht alle Tage.“
Loki kniff seine Nägel in Thors Schulter und seine Hand verkrampfte, doch der bemerkte es kaum, da er selbst geschockt war.
„Was ist, habt ihr geglaubt, ihr seid die einzigen mit sensiblen Sinnen?“, sagte Pepper und grinste. Loki mochte Pepper deutlich lieber als Tony.
„Willkommen im Stark Tower“, sagte Tony nur und beide begriffen, welchen Stellenwert die Assistentin hier wirklich hatte.
Thor war blass, aber zwang sich zu lächeln. Einen Feuerdraki zu sehen triggerte die schlimmste Tat in seinem Leben und es fiel ihm schwer, nicht wegzulaufen.
….

Farbauti wurde zunehmend aggressiver. Wie konnte Loki es wagen, davon zu laufen?
Sif wurde auch immer aufmüpfiger. Sie hatte die Zelle im Keller in Schutt und Asche gelegt und als er sie danach fragte, sagte sie ihm nur, es wäre lange überfällig gewesen. Auch Laufey schien kein Interesse daran zu haben, Loki zu suchen. Sie sagte, dass sie fühlte, dass es ihm gut ginge und dass solle auch so bleiben. Helbora sagte, sie hätte nichts von seiner Flucht gewusst und hatte sich von ihm abgewandt, aber das war vermutlich gelogen.
Er würde ihn zurückholen und dann würde er ihn für immer hier anketten und wenn das nicht half, würde er ihm die Beine abhacken, damit er nie wieder weglaufen konnte. Er rief seine vertrautesten Männer zu sich.
Belgor, Isaac und Nandarin.

„Findet ihn. Und bringt ihn zurück. Loki hat mich zum letzten Mal an der Nase herumgeführt.“

….

Odin saß im Garten seines Anwesens. Asgard war wunderschön und durch professionelle Gärtner sehr akkurat dekoriert. In der Mitte gab es Obstbäume und mehrere Zuläufe, wie in einem Zentrum. Einige japanische Elemente, wie ‚der Fluss des Lebens‘, der eine Art fließendes Gewässer aus kleinen Kieselsteinen darstellte, rundeten alles ab.
Frigga gesellte sich zu ihm. Sie trug eine dickere Jacke, denn langsam neigte sich der Herbst dem Ende und ging in den Winter über.
„Ich habe jemanden beauftragt, unseren Sohn zu finden“, sagte Odin und Frigga blickte ihn überrascht an.
„Denkst du wirklich, dass war eine gute Idee?“, fragte sie und lehnte ihren Kopf an seine Schulter.
„Ich meine, ich vermisse ihn auch. Sehr sogar, aber er ist nicht ohne Grund verschwunden. Er verabscheut, was wir sind.“
Odin wandte sich von ihr ab, zornig, wie sie feststellte.
„Er sollte stolz sein. Ich hätte schon etwas tun sollen, als er ausgezogen ist und sich geweigert hat, mit auf die Jagd zu gehen. Wir sind direkte Nachfahren der mächtigen Jäger. Thor ist vielleicht einer der mächtigsten Asen, die je geboren worden sind. Und was macht er? Zieht sich zurück, versucht sich in Naturwissenschaften und lebt in einer Sozialwohnung.“
Odin wirkte müde und alt, wenn er an seinen Sohn dachte und über ihn sprach.
„Sieh es aus seiner Sicht. Er weiß, dass Draki empfindungsfähig und intelligent sind. In seinen Augen sind wir Mörder“, erklärte ihm Frigga, nicht wohl bei dem Gedanken, mit wem ihr Sohn da eigentlich weggelaufen war. Aber sie würde – mal in sehr ferne Zukunft gedacht – ihren zukünftigen Schwiegersohn nicht töten und häuten lassen. Das könnte sie ihrem Sohn niemals antun. Außerdem hatte sie noch sehr genau im Kopf, wie die Sache für Romeo und Julia ausgegangen war.

„Fandral hat mir auch von diesem Jungen erzählt. Denkst du, Thor ist weggelaufen, weil er dachte ich reagiere schlecht auf seine homosexuellen Neigungen?“, fragte er ehrlich besorgt und Frigga fluchte innerlich. Ihr anderes Kind konnte manchmal ein richtiges Plappermaul sein.
„Das ist möglich. Gib ihm lieber Zeit von selbst nach Hause zu kommen. Er wird es nicht gut auffassen, wenn Romanoff und Clinton ihn zurück nach Hause schleifen“, sagte sie und dachte an die beiden Privatdetektive mit erstaunlichen Jagdinstinkten. Sie hatte kein gutes Gefühl dabei und schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass es nicht wie bei den Capulets und Montagues endete und sie ihre Kinder am Ende zu Grabe tragen mussten.
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