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Draki und Jäger

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Fandral Frigga Loki Sif Thor Volstagg
04.01.2019
20.02.2021
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04.01.2019 2.068
 
Hoch oben in den Bergen oder auch verborgen in den Wäldern, tief im Ozean, zwischen den Wolken  oder als Versteckte unter den Menschen waren sie noch sicher, doch die Jäger, auch Asen genannt, waren ihnen oft auf den Fersen. Sie jagten die Draki, töteten sie und versteckten ihre Haut oder ihren Kopf in ihren Behausungen als Trophäe oder magische Zwecke.
Oben in den Bergen lebten zumeist die Jotun. Ihre Haut war von einem wunderschönen ultramarinblau. Ihre Augen glühten blutrot. Sie fühlten jenseits der Minusgrade und in tiefem Schnee am wohlsten. Eis lag in ihrem Blut und Frost in ihrer Stimme.
Am Anfang beherrschten sie die Welt. Die Draki lebten mancherorts in Einklang mit den Menschen und anderenorts lagen sie im Krieg, doch sie behielten stets die Oberhand. Bis die ersten Asen geboren worden waren. Manche glaubten es war die Antwort auf die Macht der Draki, eine Art ausgleichende Gerechtigkeit, doch nur die Jäger allein kannten ihre Abstammung. Angeblich formten sie mächtige Waffen aus den Knochen ihrer Ahnen und die Geister segneten sie mit unglaublichen Kräften. Aber das war nur eine alte Legende, jedoch war es ein Fakt, dass sie ihre Kräfte an ihre Nachkommen weitergaben.
Körperliche Kraft, schnellere Heilung, unglaubliche Reflexe, die besonders begabten konnten einen Draki sofort erkennen und ein Element, die an eine Waffe gebunden war, beherrschen. Mit Elementarmagie konnten sie ihre Fähigkeiten und Sinne noch verstärken. Letzteres war auch immer dringender nötig, denn mit der Verdünnung des Blutes der Nachkommen, wurden ihre Fähigkeiten manchmal weniger oder traten nur vereinzelt auf.
Zum Glück für die Draki war das Erkennen der ihrigen fast gänzlich verschwunden, doch das hielt sie nicht davon ab, sie zu jagen.
Auch das diese inzwischen menschliche Formen annehmen konnten, war den Jägern kaum bekannt, also jagten sie sie nur in ihrer ursprünglichen Form und nicht als Menschen oder Versteckte.

Loki wurde im Norden in den hohen Bergen geboren. Ein Eissturm tobte währenddessen. Ein gutes Omen. Ein starker Junge mit großem Talent. Farbauti war ein gefürchteter, mächtiger Jotun, auch als Eisdraki bekannt.
Konservativ und zurückgezogen hätte niemand gedacht, dass er sich in eine Winddraki verlieben würde. Sie war das genaue Gegenteil von ihm. Jung, quirlig, extrovertiert und in jeder Hinsicht progressiv. In ihrer Drakigestalt hatte sie eine bleiche Haut – sehr typisch für die Wind- und Sturmdraki.
Laufey schenkte ihm ein Kind. Der Säugling war klein, passte kaum in seine riesigen Hände, doch er schmolz das Herz seines Vaters mit dem ersten Glucksen.
„Wie willst du ihn nennen, Laufey?“, fragte Farbauti seine Frau. Doch die überließ ihm die Entscheidung.

Er blickte seinen Sohn gedankenverloren an und grinste.
„Ich bin überrascht, dass du mir die Entscheidung überlässt. Immerhin ist es eine Tradition, dass der Vater den Namen seines Sohnes aussucht“, sagte er mit seiner tiefen Stimme und hörte dem Pfeifen des kalten Windes zu.
Sie schloss nur müde die Augen, sank in die weichen Kissen und sagte: „Ich bin nicht gegen jede Tradition, nur gegen die, die schädlich sind.“
„Er ist so klein. Kein richtiger Jotun und kein richtiger Sturmdraki. So ein kleiner Wicht“, säuselte der Vater. Der kleine, blaue Säugling gluckste und streckte die Hände nach ihm aus.
„Klein??? Die Wehenschmerzen waren alles andere als klein…“, murrte die junge Mutter. Ihre Haut war noch heller als die weiße Bettwäsche. Sie tarnte sich gut.
Farbauti lachte: „Loki. So soll er heißen.“
Er erwartete eigentlich eine rührende Antwort seiner Frau, doch die schnarchte bereits.
Farbauti schüttelte nur den Kopf und legte seinen Sohn zurück in die Babyschale.
Nachdem seine erste Ehe kinderlos geblieben war, freute ihn sein Erstgeborener umso mehr.
Ein Jahr später kam noch ein kleines Mädchen zur Welt.
Sie nannten sie Sif. Loki hatte nun eine kleine Schwester.


18 Jahre später.


Der Unterricht in Ullr – Farbautis Reich und Gemeinschaft – beschränkte sich auf die allgemeine Schulausbildung. Heute hatte Loki seinen Abschluss. Danach musste er einen sehr langen Schulweg auf sich nehmen. Ins Tal. In die Hauptstadt. Dort gab es eine Universität, Ausbildungsmöglichkeiten und auch Arbeit. Mit der Seilbahn und zu Fuß dauerte es gut anderthalb Stunden bis er zu Hause war. Als Jotun, der durch den Schnee glitt, dauerte es keine halbe Stunde an den Rand des Berges zu gelangen, doch das war nicht erlaubt. Außerhalb der Stadtmauern von Ullr hatten die Jotun ihre menschliche Gestalt zu behalten, genauso wie eine unauffällige Verhaltensweise. Wer sich nicht dran hielt, dem drohte Verbannung oder noch schlimmer: Tod durch einen Jäger.

Ein sanfter Schnee fiel, als Loki mit fünf anderen auf der Tribüne stand. Sie hatten nur Hosen an, ihr Oberkörper war frei. Die Frauen waren in kurzen Kleidern zur Abschlusszeremonie gekommen. Sie zeigten ihre Drakihaut voller Stolz.
Der Schuldirektor, der beste Freund von Farbauti, überreichte Helbora ihr Zeugnis. „Herzlichen Glückwunsch, Helbora. Du erfüllst uns mit großem Stolz!“, sagte er mit knurrender Stimme. Ihre roten Augen glühten glücklich auf. Nun war Loki an der Reihe.
„Es ist mir eine Ehre, den Jahrgangsbesten in nahezu allen Fächern auszuzeichnen. Aber was erwartet man auch vom Sohn des Anführers. Farbautis Sohn mag eine schmale Statur haben, aber er hat einen scharfen Verstand“, sagte er und hängte Loki eine Medaille um und übergab ihm anschließend sein Zeugnis.
Der Gelobte lächelte, doch innerliche Biss er die Zähne zusammen. Im Nahkampf und im Sportunterricht schnitt er nicht so gut ab, genauso wie in Verwandlung. Er war deswegen nicht schwach, denn er hatte die Fähigkeiten seines Vaters geerbt. Ein Schneesturm würde ein leichtes für ihn sein, nicht, dass er jemals um diese ‚Gabe‘ gebeten hatte. Doch das musste außerhalb der Familie niemand wissen.

Davon abgesehen hatte er nicht das geringste Interesse daran, in diesem Dorf alt und grau zu werden, ohne die Welt gesehen zu haben. Er liebte den Schnee und seine Heimat, aber dass sich das Leben innerhalb der Stadtmauern wie ein Gefängnis anfühlte, verfolgte ihn teilweise bis in seine Träume. Manchmal konnte er nicht atmen und sie sperrten ihn ein und drohten ihm. Einmal hatte ihn Sif aufgeweckt, weil er im Schlaf gestöhnt und geschrien hatte. Sie kannte seine Angst, aber verstehen konnte sie es nicht. Für sie war die Heimat das Größte. Ihre langen schwarzen Haare hoben sich stark von der bleichen, weißen Haut ab. Zu seinem Leidwesen kam er nach seinem Vater und sie nach der Mutter.

Alle Drakis hielten aber zusammen, sie war deswegen keine Ausgestoßene. Er wusste nicht, wie es früher war, aber heutzutage gab es nicht mehr viele von ihnen, warum also untereinander Krieg führen.
Der Schuldirektor beglückwünschte noch die anderen und sie traten von der Bühne. Der körperlich große Farbauti schlug ihm freundschaftlich auf die Schultern, Sif umarmte ihn und die zierliche Laufey streichelte stolz sein Gesicht. Ihm war schlecht, den ganzen Abend ein Lächeln aufrecht zu halten. Er hatte keinen Appetit und eine riesige Angst. Allein um Studieren zu dürfen (das ging ja nur außerhalb des Dorfes), hatte er jahrelang auf seinen Vater einreden müssen.  Er hatte schon Pläne für eine Verlobung, für die Herrschaftsnachfolge und selbst auf Enkelkinder freute sich sein Vater bereits. Natürlich gab er ihm noch etwas Zeit, aber er machte schon sehr zeitig deutlich, was er von Loki erwartete. Und ein Studium, wie Loki es sich vorstellte, sah er nur als Zeitverschwendung.
Er hatte immer wieder versucht, sich seinem Vater zu widersetzen, doch dieser hatte ihn an einen aufgeheizten, dunklen Ort gesperrt. Sif und seine Mutter versuchten oft Farbauti umzustimmen, aber die taten nicht wirklich etwas. Später lernte Loki, wie Farbauti ihr Gedächtnis manipulierte. Mächtige Magie, zu der nur Farbauti fähig war. Nun versuchte er seine Interessen unterschwellig durchzusetzen, wie seine Mutter, denn egal wie lange ein Fluss auch brauchte, am Ende war er es, der den Felsen formte.
Er machte ein Orientierungsjahr an der Uni und wollte sich dann zwischen den verschiedenen Fachrichtungen entscheiden, die vor allem Biologie, Chemie, verschiedene medizinische Richtungen und Laborwissenschaften beinhalteten.
Zumindest erzählte er das allen. Insgeheim plante er in diesem Jahr Geld zu verdienen, zu sparen und irgendwo zu verstecken – vllt in einem Bankschließfach oder seinem Spind, egal wo, es musste ein sicherer Ort werden. Ein paar Sachen dort zu deponieren für seine Flucht und einen Plan zu entwerfen. Vielleicht würde er sogar jemanden finden, der ihm einen falschen Ausweis machen konnte, das würde seine Flucht deutlich vereinfachen.
Es schnürte ihm das Herz ab, Sif und seine Mutter zurück zu lassen, aber was seinen Vater betraf – er liebte ihn, aber er hatte auch eine tiefsitzende Angst vor ihm. Denn er fürchtete nichts mehr als einen Käfig und weiterhin seine Marionette zu sein.
Noch ein Jahr, dann würde er endlich frei sein.
Loki lächelte und ließ sich ein Bier geben. Stieß an und tat so, als wäre er genauso nostalgisch wie seine Klassenkameradin Helbora. Eigentlich waren sie seit Jahren Freunde, doch im Prinzip empfand er für sie nicht das Geringste.
Die Stadt im Tal hieß Tyr und umfasste etwa 500.000 Einwohner. 3 Stunden davon entfernt lag die Metropole Ginnungagap. Sie war ein riesiger Schmelztiegel aus Menschen, Draki, Jägern jeglicher Herkunft, Religion, Status und Jobs. Dies war sein eigentliches Ziel. In einem Jahr würde er in den Bus steigen und die 8 Millionen Metropole sehen und nicht mehr zurückkehren.




In Tyr

Der 19jährige Thor Odinson hatte sein Orientierungsjahr bereits hinter sich und hockte über dem Anmeldungsformular für die Studiengänge. Er war einfach nicht dafür gemacht, ein Arzt zu werden. Aber er mochte die Arbeit im Labor. Nur tat er das sehr zum Leidwesen seines Vaters. Der wollte seinen begabten Jägerssohn nicht gehen lassen. Thor hatte nicht nur riesige körperliche Kraft und war nahezu unverwundbar – selbst ohne Elementarmagie – er konnte auch das Wetter manipulieren und beherrschte die Elektrizität. Er lernte schnell, was den Kampf betraf und hatte gute Reflexe und konnte Drakis erkennen. Von der letzten Fähigkeit wusste jedoch niemand. Thor liebte zwar das Training, den Sport und die Jagd, doch das Töten war ihm zuwider. Diese Wesen waren Empfindungsfähig und intelligent. Warum sie töten ohne jegliches, faires Gerichtsverfahren. Zumal er in der Stadt ständig welche sah. Sie gingen ganz normal ihrer Arbeit nach, feierten, hatten Freunde, sie waren vielleicht einmal Monster, doch das schien lange in der Vergangenheit zu liegen.

In der Stadt zu leben und ein Studium aufnehmen zu können war wie ein lang gehegter Traum für ihn. Ein Hauch Normalität. Ihm fiel das Lernen sehr schwer, tat es jetzt noch, doch das war es wert. Er hatte dieses enge Ein-Zimmer-Appartement bekommen, weil Frigga, seine Mutter, ihre Beziehungen hatte spielen lassen, denn sie saß mit im Stadtrat. Denn ohne Sicherheiten und als Student hatte man kaum Möglichkeiten, etwas zu finden. Er hatte sich einen Nebenjob gesucht. Seine abgenutzten Möbel – einschließlich eines Klappbettes im Schrank und einer nicht ganz so bequemen Schlafcouch, eines Herdes und abgenutzter Schränke – hatte er vom Vormieter übernommen. Ein leichter Geruch von altem Tabak lag zu jeder Zeit in der Luft, denn der Vormieter war leidenschaftlicher Kettenraucher gewesen. Aber Thor nahm es in Kauf, weg von der Familie und weg von der Tradition.
Eine Pfanne stellte er sich auf den alten Elektroherd, machte eine Dose mit Bohnengulasch hinein und rührte gedankenverloren im Essen herum, bis es anfing zu brutzeln.
Thor dachte an seinen Bruder Fandral und seine Freunde Volstagg und Hogun. Sie waren über so viele Jahre unzertrennbar gewesen, er hatte sie angeführt und schließlich hatte die Gruppe bei einer Jagd sogar Erfolg gehabt. Der Fang war ein seltener Feuerdraki. Hogun schnitt dem Wesen ohne zu zögern die Kehle durch, nachdem es in die Falle gegangen war, damit es das Netz nicht verbrannte. Sie häuteten es, denn die Haut von Feuerdrakis konnte für Heilzwecke verwendet werden.
Er hatte nichts gesagt, doch innerlich fühlte er den Terror, als der Draki schrie und sie anflehte, ihn gehen zu lassen. Thor wusste seit diesem Abend nicht mehr, ob die Draki die Monster waren oder die Asen.
Damals war er 17 Jahre alt gewesen und die Kluft zwischen seiner Herkunft, seinen Freunden und seiner Familie hatte sich geöffnet und zunehmend vergrößert. Er hatte nun Freunde und Kollegen an der Universität von Tyr gefunden. Seine Besuche zu Hause waren seltener geworden, von seinen Freunden hatte er sich auch distanziert. Leider fiel ihnen das auf und seine Mutter rief fast täglich an und seine Freunde kamen manchmal unangemeldet vorbei.

Aber während ihm die Anrufe seiner Mutter weniger ausmachten, würde er seine früheren Freunde lieber gar nicht mehr sehen.











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Diese Fanfiktion enthält viele Einflüsse des Jugendbuches 'Firelight - brennender Kuss'.
Ich sehe allerdings eine Fanfiktion mit Quellenangabe nicht als Plagiat, deswegen bitte keinen Hate schieben ^^
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