Hätte ich mal lieber Sasuke gerettet, ...

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Deidara Itachi Uchiha Obito Uchiha OC (Own Character) Sasuke Uchiha
03.01.2019
09.02.2020
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05.01.2019 3.725
 
Blinzelnd öffne ich meine Augen.

Sie sind geschwollen, fühlen sich dick an und tuen weh, doch ich zwinge mich sie offen zu halten, warte, bis sich meine Pupillen an das grelle Licht, welches mich umgibt, gewöhnen.

Die Schatten heben und senken sich und formen sich anschließend langsam zu einem Bild.

Erschrocken fahre ich hoch, stöhne im nächsten Moment auf und fasse mir reflexartig an die Schläfe.

Mit einem zischenden Laut lasse ich die Luft zwischen meinen geschürzten Lippen entweichen, noch nie in meinem Leben hatte ich solche Kopfschmerzen.

Mein Stirn pocht und pulsiert, als würde jemand sekündlich mit einem Presslufthammer gegen sie stoßen.

Immer -

und immer -

und immer -

und immer wieder.

Es ist kaum zu aushalten.

Doch nicht nur das, mir ist übel und schwindelig, mein Körper fühlt sich ganz taub und doch gleichzeitig heiß an, der herab donnernden Regen hilft da nur mäßig, … moment mal, … Regen?

Verdattert lege ich den Kopf in den Nacken, obgleich sich alles in mir dagegen sträubt.

Dunkle Wolken bedecken den zuvor noch klar gewesenen Himmel über mir.

Dunkelgraue, beinah schwarze Wolken, aus denen unerlässlich der Niederschlag auf mich prasselt.

Es is schwarzer Regen.

Doch ansonsten ist es still, bis auf das Rauschen des Windes und das monotone Tropfen ist nichts zu hören, …

Natürlich.

Denn es ist ja auch nichts übrig.

Wie unter Strom bebend, kämpfe ich mich auf meine Beine, knicke einmal fast weg, finde jedoch dann mein Gleichgewicht wieder und kann mir so das erste Mal, das komplette Ausmaß der Katastrophe betrachten.

Beinah dreht es mir den Magen um und ohne, dass ich es hätte verhindern können, laufen mir heiße, salzige Tränen über die Wangen, tropfen hinab, über mein Kinn, bis auf den Boden, verlaufen sich dort mit dem Gemisch aus Wasser, Dreck und Staub.

Ich kann meilenweit sehen.

Bis hinten zu den Reisfeldern, weiter noch, sogar bis zu den Ausläufern des Gebirges, …

Nichts ist übrig.

Absolut nichts.

Weder der Wald, noch ein einziges der kleinen, umstehenden Häusschen.

Alles liegt in Schutt und Asche, vereinzelte Baumgerippe stehen noch in Flammen, trotz des Wetters und ich ziehe die Nase hoch, beschließe dann, dass es besser sein wird, von hier zu verschwinden, denn die Explosion hat man sicher bis nach Kirigakure hin vernehmen können und gewiss ist, dass bereits jetzt auswärtige Shinobi auf den Weg hier her sind.

Nur was werden sie finden?

Nichts und wieder nichts.

Und vor allem nicht mich!

Denn ich habe mit dem Ganzen absolut nichts zu tun.

Ich zwinge mich tief einzuatmen, fahre einmal ungeduldig mit den Fingerspitzen durch meine langen Haare, wie ich es so oft tue, wenn ich nervös, oder gestresst bin, blicke mich dann ziellos um und entschließe mich letztendlich dazu, Richtung Gebirgspass zu steuern.

Sollten tatsächlich Kiri-Ninja auf den Weg hier her sein und soviel steht fest, so würden sie sicher jeden als den Verantwortlichen bezeichnen, der sich innerhalb des Explosionsradius befindet und sich, mehr oder minder betrachtet, bester Gesundheit erfreut.

Ich wäre somit Nummer Eins auf der Verdächtigenliste und dafür habe ich momentan absolut keinen Nerv übrig.

Erst hintergeht und verrät mich mein eigenes Dorf und mein Clan und jetzt auch noch das!

Schlimmer kann es wohl kaum kommen, upps, … sag niemals nie, …

Ein trockenes Husten lässt mich zusammen fahren, ängstlich schlinge ich die Arme um meinen Oberkörper.

Ist da jemand?

Freund?

Oder Feind?

Ich sehe mich nicht in der Lage, mich zu verteidigen, mein Kopf ist wie leer gefegt und ich fühle mich, nach wie vor, leicht benebelt und nicht ganz bei klarem Verstand.

Trotzdem zücke ich mein Kunai, versuche durch den starken Regen und den dampfenden Boden und Rauchschwaden etwas zu erkennen, …

Erneut hustet es und dieses Mal kann ich die Richtung ausmachen, aus der das Röcheln zu stammen scheint.

Auf leisen Sohlen schleiche ich durch die Kraterlandschaft, inzwischen bis auf die Haut durchnässt und meine langen, dunklen Haare hängen mir strähnig ins Gesicht und über die Schultern.

Ein letztes Mal hustet es, dann schnappt jemand ein paar Mal verzweifelt nach Luft und beim Näherkommen erkenne ich eine mit Ruß bedeckte Gestalt, die zitternd am Boden kauert.

Ein Opfer der Explosion?

Sofort lasse ich mich auf die Knie, neben die Person, sinken, fasse den trainierten Körper vorsichtig bei den Schultern und drehe den Verletzten behutsam zu mir, zucke im nächsten Moment beinah zurück, als ich den blonden Irren wieder erkenne.

„Du!“ , entfährt es mir und hastig weiche ich ein paar Zentimeter rückwärts.

Der Blonder seufzt erschöpft und vorsichtig krieche ich zurück zu ihm, streiche ihm die nassen, dreckigen Haare aus der Stirn, um sein Gesicht sehen zu können.

Für einen Augenblick mustern wir uns einfach nur stumm gegenseitig, ich muss gestehen, dass er durchaus hübsche Züge hat und ich schätze ihn ungefähr auf mein Alter.

Bemitleidenswert schaut er zu mir auf, die Augen nicht linder geschwollen, als meine es sein müssen, Blut und Brandwunden zieren sein Gesicht, seinen Oberkörper, einfach alles an ihm und kurz frage ich mich, wie ich wohl ausschauen muss.

Ein weiteres Mal hustet er und ohne unnötig nachzudenken, packe ich ihn unter den Schultern, bringe ihn somit in eine aufrechte Position, damit er den ganzen Staub, der sich in seinen Lungen fest gesetzt hat endlich abhusten kann.

„Psh, …“ , beruhigend klopfe ich ihm auf den Rücken, während der Fremde kraftlos gegen mich sinkt, schwer und rasselnd atmend, mir einen weiteren, Hilfe suchenden, Blick zuwirft, ehe sich kurzerhand seine Augen nach hinten drehen und er in meinen Armen einfach zusammen bricht.

„Hey!“ , verzweifelt schlinge ich meine Arme um ihn, um nicht gemeinsam mit ihm das Gleichgewicht zu verlieren, doch egal wie sehr ich schüttle und auf ihn einrede, er rührt sich nicht, doch ich kann den warmen, schwachen Atem gegen die dünne Haut meines Halses schlagen spüren.

Langsam beruhige ich mich, schiebe den Ohnmächtigen dann sanft ein Stück von mir weg, ohne ihn los zulassen und blicke mich suchend um.

Noch bin ich zwar alleine, doch das wird nicht ewig so bleiben und sicherer ist es, wenn ich so schnell wie möglich, die Biege mache.

Aber was wird aus dem Irren hier?

Fragend mustere ich die entspannten Züge seines Gesichtes, beinah automatisch wickle ich eine lange Strähne der goldenen Haarpracht um meinen Finger auf, seufze dann kaum merklich.

Ich kenne mich und weiß außerdem, dass ich schon längst eine Entscheidung getroffen habe.

Schon in dem Moment, wo ich mich auf ihn geworfen hatte, vor der Explosion.

„Na komm.“ , druckse ich gequält hervor, packe ihn unter den Schultern und ziehe in dann, mit Leibeskräften, mit mir, auf die Beine.

Glücklicherweise scheint er zumindest etwas kooperativ, stöhnt zwar gequält, aber hält sich, so gut es geht, auf den Füßen.

„Du musst mir etwas helfen, anders geht es nicht.“ , erkläre ich schwer atmend, ziehe mir dann seinen Arm über die Schulter und schleppe ihn mit mir, in Richtung Berglandschaft.

„In den Wintermonaten ziehen die Bergbewohner mit ihrem Vieh meist in die anliegenden Dörfer, um bei Schneefall nicht abgeschnitten zu werden, deswegen stehen hier so viele Hütten leer, zu unserem Glück.“

Seufzend helfe ich dem Blonden sich auf dem Bett nieder zu lassen, sinke dann ebenfalls kraftlos auf den Fußboden nieder.

Viel hat das mikrige Tatami nicht zu bieten, aber es langt allemal um hier wieder zu Kräften zu kommen und vermutlich wird uns hier auch so schnell keiner finden.

Die Menschen meiden diesen Gebirgsteil und über die Jahre sind immer mehr Arbeiter Geröllrutschen, oder Berglawinen zum Opfer gefallen.

Jetzt, nach so einer heftigen Explosion wird sich wohl kaum jemand hier hoch trauen.

Bis auf uns.

Stumm seufzend stehe ich auf, streife mir dann die Schuhe von den Füßen, wozu ich bis dahin noch nicht gekommen war und stelle diese ordentlich im Eingangsbereich ab, ehe ich barfuß zurück über die Bambusmatten, in den Schlaf-Wohn und Essbereich, husche.

Mein Blick wandert zu dem Blondschopf, der flach atmend, mit halb gesenkten Lidern auf der Schlafmatratze liegt, den Blick unfokussiert durch den Raum wandern lässt.

Ich frage mich, ob er überhaupt ansatzweise versteht, was in der letzten drei-viertel Stunde geschehen ist, ob er im Moment überhaupt irgendwas mitbekommt.

Ich schenke ihm ein schwaches Lächeln, mache mich dann allerdings erstmal an der Feuerstelle, in der Mitte des Raumes, zu schaffen, um uns etwas aufzuwärmen.

Inzwischen ist der schwarze Regen in ordinäres Wasser übergegangen, so oder so, sollten all unsere Spuren verwischt worden sein.

Ungeduldig schnalze ich mit der Zunge, als auch nach mehrmaligen Streichholz anzünden einfach kein Feuer entstehen will, fahre dann mit der linken Hand über das Brennholz, konzentriere mich die entsprechenden Menge an Sauerstoffmolekülen in der mich umgebenen Atmosphäre zu katalysieren und somit das Feuer zu entflammen.

Für den Bruchteil einer Sekunde zuckt ein stechender Schmerz durch meinen Schädel und mich schüttelnd lasse ich die Hand wieder sinken, schaue erschöpft auf die auflodernden Flämmchen.

Aus der Ecke des Raumes dringt ein leises Lachen zu mir hinüber.

Es ist schwach und kratzig, eher wie ein heiseres Gackern, lässt mich dennoch aufschauen.

Mir angehobener Braue lasse ich den Blick prüfend zu dem Blonden wandern, mustere ihn dann kritisch.

„Ohne Fingerzeichen?“ , murmelt er leise und ich spüre, wie meine steinharte Miene bricht und sich, ohne, dass ich es hätte verhindern können, ein Lächeln auf meine Lippen stiehlt.

Nickend stehe ich auf, setze dann Wasser auf, ehe ich mich zwischen seinem Futon und der Feuerstelle auf eine der Bambusmatten sinken lasse.

„Feuerversteck?“ , möchte er wissen, er klingt mehr als fertig, hat die Augen inzwischen sogar geschlossen.

Noch immer sickert teilweise Blut aus den kleinen Einschnitten auf seiner Haut, ganz zu schweigen, von der großen Platzwunde an seiner Schläfe.

„Kein Ninjutsu.“, erkläre ich im Flüsterton, denn mein Kopf pulsiert ,nach wie vor, schmerzhaft, ehe ich den Wassertopf von dem Feuer nehme, in der winzigen Küche nach ein paar Lappen und Handtüchern suche und dann behutsam mit dem lauwarmem Wasser seine Wunden zu reinigen beginne.

„Und nicht sprechen, spar dir das bisschen Energie, was dir geblieben ist.“

Er lacht leise, öffnet die Augen einen Spalt breit, um mich anschauen zu können.

„Ich hab genug Energie.“, behauptet er, doch ich schüttle schmunzelnd den Kopf.

„Du Casanova wirst nicht einmal rot beim lügen.“, necke ich ihn dann, was ihm ebenfalls ein Lächeln entlockt.

„Nicht, dass es auffallen würde, zwischen dem ganzen Blut.“, füge ich hinzu, tupfe dabei sacht über die Kopfwunde, die doch tiefer scheint, als zu Beginn angenommen.

Er zischt unter Schmerzen auf, bäumt sich reflexartig hoch, doch mit einem Fingerkrümmen von mir, entspannen sich all seine Muskeln und er sackt wie eine Puppe, bei der die Fäden durchtrennt worden sind, wieder auf seine Matte zurück.

„Tut mir leid.“, entschuldige ich mich dann, knote unterdessen sein Stirnband auf, um besser an die Verletzung zu kommen.

Iwagakure.

Aber das Zeichen ist durchgestrichen.

Ein Abtrünniger?

„Ich bin ganz vorsichtig.“, verspreche ich dann, stelle erleichtert fest, dass er nickt, das Gesicht nach wie vor, schmerzverzerrt.

Eine Weile schweigen wir und beinah denke ich, er ist eingeschlafen, ehe er langsam zu sprechen beginnt: „Bist du eine Hexe?“ , möchte er wissen, was mich kurz inne halten lässt und leise auflachen.

„Habe ich solche Ähnlichkeit mit den Yamauba-Darstellungen?“, entgegne ich, fahre mir dabei durch meine langen, pechschwarzen Haare.

Er seufzt leise, schüttelt dann den Kopf und schweigt, offenbar scheint er müde.

Den Energieumwandlungsprozessen in seinem Inneren nach zu urteilen, scheint er am Ende seiner Kräfte angelangt.

„Du kannst ruhig schlafen.“ , biete ich an, lange vorsichtig mit meiner Hand unter seinen Kopf, um eine Bandage um seine Stirn wickeln zu können.

„Wenn du magst, kann ich dir auch noch was gegen die Schmerzen geben, in meiner Tasche habe ich noch was vom letzten Dorfeinkauf übrig. Sofern es nicht deinen Sprengkünsten zum Opfer gefallen ist.“

Sanft bette ich seinen Kopf zurück auf die Kissen, was Blondi kurz die Zähne aufeinander beißen lässt und das Gesicht verziehen.

Ich möchte nicht wissen, wie sehr es in seinem Schädel hämmert, wenn ich schon bei jeder Bewegung aufheulen könnte.

„Bitte.“ , murmelt er kaum hörbar und ich nicke, krabble dann zu meinem Rucksack hinüber und krame in dessem Inneren, bis ich das kleine Fläschchen, mit dem Schmerzmittel drin, zwischen die Finger bekomme.

„Schön langsam.“, ordne ich an, entkorke die Ampulle und halte dem Blonden dessen Glasrand an die Lippen, so, dass er trinken kann, ohne sich dafür aufrichten zu müssen.

Er seufzt leise, nach dem er leer gemacht hat und lächelnd nickend, verstaue ich das Glässchen wieder zwischen meinem restlichen Gepäck.

„Das Gift wirkt schnell, …“ , erkläre ich dann, lasse meine flache Hand leicht auf seinen Bauch sinken und versuche seinen Stoffwechsel zu analysieren.

„Und wird dich vielleicht etwas dösig machen, du hast viel Flüssigkeit verloren.“ , füge ich hinzu.

Der Blonde öffnet das linke Auge halb und erst jetzt erkenne ich, was für einen ungewöhnlichen Blauton diese haben.

Oder ist es grau?

Na, eine seltene Mischung aus beidem, auf jeden Fall und verlegen blinzle ich, als mir klar wird, dass ich ihn die ganze Zeit über penetrant anstarre.

„Frisst du mich, wenn ich einschlafen, Yama-chan?“, möchte er wissen und ich kichere leise.

„Vielleicht, wenn sich in den Wintermonaten nichts Besseres findet, dann komm ich drauf zurück.“

Ich zwinkere ihm verschwörerisch zu, erhebe mich dann und kann aus den Augenwinkeln deutlich erkennen, wie er kurz grinst, dann wende ich mich ab, suche in den Wandschränken nach Decken und werde tatsächlich nach kurzer Zeit fündig.

Sogar zwei weitere Futonmatten entdecke ich, nicht ganz so dick, wie die Matratze, auf welcher ich Blondchen geparkt habe, aber dennoch, … besser als gar nichts.

Verärgert beiße ich mir auf die Unterlippe.

Hätte ich auch vorher mal dran denken können, … aber was tut man nicht alles, für ein bisschen gutes Karma?

Nicht, dass ich für den Hokuspokus etwas übrig habe, das ist es nicht, aber, … sicher ist sicher.

Geschafft kehre ich mit meiner Ausbeute zurück zu dem Blonden, lade meine Futonmatten schräg gegenüber von ihm, neben dem Feuer, ab und bringe ihm dann die Bettdecke.

Er brummt leise, als ich diese über ihn lege, murmelt irgendetwas Unbestimmtes und ich bin mir sicher, dass das Schmerzmittel inzwischen Wirkung zeigt.

„Ruh dich aus.“, ordne ich ihm an, fahre ein letztes Mal mit dem feuchten Lappen über die verschwitzte Stirn und lasse mich seufzend auf meinen Allerwertesten sinken, betrachte mir dann die entspannten Züge des Schlafenden genauer.

Er ist wirklich hübsch und wenn ich ihm so auf der Straße begegnen würde, dann würde ich wohl kaum davon ausgehen, dass er ein gestörter Selbstmordattentäter ist, geschweige denn ein Abtrünniger, oder gar Nuke-Nin.

Kopfschüttelnd reiße ich mich schließlich von dem Anblick los, immerhin möchte ich ihm seine Ruhe nicht verwehren, suche dann in der Küche stattdessen nach etwas essbaren, denn den Atombewegungen in seinem Inneren nach zu urteilen, könnte es nicht schaden, wenn er nach dem Aufwachen etwas isst.

Abgesehen davon, habe ich selbst einen riesen Kohldampf.

Viel finde ich nicht, in dem sperrlich eingerichtetem Häusschen, lediglich ein paar eingelegte Bohnen, mariniertes Hühnerfleisch und etwas Reis.

Nicht unbedingt das, was man unter einer vollmundigen Auswahl verstehen würde, jedoch genug um erstmals davon satt zu werden und wenn die Luft rein ist, dann werden sich unsere Wege ohnehin trennen, soviel steht fest.

Während ich den Reis in einen Topf fülle, ein wenig Wasser drüber gieße und anschließend an den Haken, über die Feuerstelle hänge, wandert mein neugieriger Blick immer wieder zu dem Blonden, der sich ab und an, leise murmelnd, im Schlaf hin und her rollt, oder schwach den Kopf bewegt.

Ich weiß, dass er trotz Betäubungsmittel Schmerzen haben muss, aber etwas dagegen tun kann ich im Moment nicht.

Außerdem habe ich bereits mehr als genug getan und ein bisschen wundere ich mich, warum ich ihn nicht einfach liegen gelassen habe, immerhin war ich es, die sein Leben rettete und reicht das nicht, für eine Begegnung?

Auf der anderen Seite haben das Dorfoberhaupt und auch Sensei Moshiro am Ende womöglich doch noch Recht behalten.

Ich bin einfach zu sanft für diese Welt.

Zu nachsichtig.

Zu emphatisch.

Zu anders.

Unweigerlich beiße ich mir auf die Zunge, während ich die Hühnerbrüste in das kochende Wasser werfe, die Bohnen abtropfe und unter den Reis rühre.

„Jetzt reiß dich zusammen, …“ , schniefe ich mir selbst Mut zu, ziehe dann geräuschvoll die Nase hoch, zucke zusammen, als ich es verschlafen aus der Ecke grummeln höre: „Nicht weinen, Hexe, …mh…“

Mit gesenktem Blick drehe ich mich in Blondchens Richtung, immerhin muss er nicht unbedingt noch sehen, wie ich mir gerade die Blöße gebe.

Reicht, wenn er es hört.

„Alles gut.“, lüge ich, wische mir dann mit dem Handrücken über die äußeren Augenwinkel und zwinge mich zu einem Lächeln, „War nur ein anstrengender Tag. Du solltest schlafen.“

Er brummt etwas Unverständliches, rollt sich anschließend zu einer kleinen Kugel zusammen und scheint nach kurzer Zeit bereits wieder eingenickt.

„Über diesen neuen Spitznamen reden wir aber noch mal in Ruhe, …“ , murmle ich schmunzelnd, wende mich dann wieder dem Kochtopf zu und nehme schließlich den Reis vom Feuer und auch das Hühnerfleisch scheint inzwischen durch zu sein.

Nach dem Essen überlege ich kurz.

Natürlich wäre es töricht, sich ebenfalls hinzulegen, auf der anderen Seite werde ich leichte Beute und kaum kampffähig sein, wenn ich mich jetzt nicht ausruhe.

Unruhig stehe ich auf, lasse die leeren Schüsseln achtlos auf dem niedrigem Tischchen, nahe des Fensters stehen, gehe zur Vordertüre und wage einen Blick nach draußen.

Der Regen hat inzwischen nachgelassen, nur noch seichte Tropfen durchtränken die Erde und dicke Nebelschwaden sinken von den Berghöhen, hinunter ins Tal.

In der Ferne kann ich Donnergrollen ausmachen.

Müde lehne ich mich gegen den Rahmen der Schiebetür, luge kurz über die Schulter zurück, auf den Blonden, doch dieser scheint sich seit unserem letzten, kurzen „Gespräch“ nicht mehr gerührt zu haben und würde ich nicht die Stoffwechselprozesse und den Energieverbrauch in seinem Körperinneren beobachten können, würde ich mir womöglich Sorgen machen, er könnte in der Zwischenzeit gestorben sein.

So mitgenommen, wie er ausschaut, wäre das nichtmal verwunderlich.

Doch der Bursche scheint zäh zu sein und wohl einfach nur völlig erschöpft, aber er wird durchkommen.

Zwar bin ich keine Medic-Nin und besitze in dieser Richtung auch bedauerlicherweise absolut gar kein Talent, doch kann ich immerhin erkennen, dass sich sein Stoffwechsel und somit auch sonstige Organfunktion wieder stabilisiert hat und das ist ein gutes Zeichen.

Energisch schüttle ich den Kopf, schaue dann wieder nach draußen, nur das Rauschen des Windes, der um die Bergspitzen pfeift, ist zu hören.

Hier oben sind wir ganz alleine.

Wieso mache ich mir eigentlich Sorgen?

Ich kenne diesen Typen nicht einmal und das was ich bis jetzt von ihm mitbekommen habe, reicht mir, um einschätzen zu können, dass der Kerl wahrscheinlich mehr Probleme mit sich bringt, als er es am Ende wert ist.

Und dennoch konnte ich ihn nicht einfach dort liegen lassen.

Er wäre gestorben.

Aber was hätte das mit mir zu tun gehabt?

Die Atwort kannte ich natürlich: Absolut gar nichts.

Schaudernd schlinge ich die Arme um meinen Oberkörper und senke den Blick zu meinen nackten Füßen, mit denen ich auf der Schwelle, halb draußen auf der Holzveranda, noch halb drinnen, auf den ausgelegten Bambusmatten stehe.

Hätte er sich die Mühe gemacht, mich mitzuschleppen, bis hier hin?

Hätte sich überhaupt jemand solch eine Mühe, für einen völlig Fremden gemacht?

Vermutlich nicht.

Nein, so funktioniert diese Welt hier nicht.

Die Welt der Shinobi, die ist nicht so.

Hier gibt es keine Helden, nur Krieger, die irgendwann fallen und dann noch viel später vergessen werden.

Fressen, oder gefressen werden.

Wie bei den Tieren.

Doch dieses Prinzip dringt nicht zu mir durch und vielleicht hatten sie alle Recht.

Meine Klassenkameraden, die Dorfältesten, mein Sensei, … mein Vater.

Vielleicht ist diese Welt nicht kaputt, sondern ich bin ein Defekt.

Verärgert über mein eigenes Trübsalblasen schnalze ich mich einmal mit der Zunge aus meiner Trance heraus, wirble herum und schließe die Tür, immerhin soll sich das Blondchen nicht erkälten, …

Und schon wieder, mache ich mir viel mehr Mühe und Gedanken, als vermutlich notwendig wäre.

Als sich jemand um mich machen würde.

Neben dem Schlafenden gehe ich lautlos in die Hocke, greife vorsichtig nach dessen Stirnband, welches ich neben ihm, auf dem Boden, zusammengelegt habe, streiche mit den Fingerspitzen nachdenklich über den breiten Kratzer, der sich durch das Dorfzeichen zieht.

Das Dorf, das versteckt unter den Felsen liegt.

Er stammt also aus dem Erdreich.

Dort war ich nie gewesen, aber Erzählungen zu Folge soll es da auch nicht erstaunlich viel geben, eher Tundra und flache, farblose Landschaften.

Mit gedankenverlorener Miene lege ich das Stirnband zurück, tupfe dem Irren dann mit dem Lappen einmal behutsam die feuchte Stirn entlang, er zuckt kurz weg und schnaubt leise, wacht aber nicht auf.

„Psh,…“, hauche ich, ohne die Behandlung dabei zu unterbrechen, „Alles gut.“

Und tatsächlich entspannt er sich nach einer Weile, blinzelt ein paar Mal aus verklebten Augen zu mir rauf, ehe er sich wieder auf die Seite rollt und weiter schläft.

Ich lasse den Lappen sinken, streiche ihm nachdenklich eine der blonden, langen Strähnen hinters Ohr und überlege, ob ihm trauen überhaupt kann.

Und selbst wenn nicht, im Moment scheint er viel zu erschöpft um gegen mich vorgehen zu können, selbst wenn er das wollte.

Außerdem wird ihn das Schmerzmittel erst einmal sediert haben.

Beinah automatisch wandert meine Hand an seinen Hals, deutlich kann ich die Hauptschlagader unter der zarten Haut pulsieren spüren und für einen kurzen Moment, lasse ich mich hinreißen und schließe die Augen.

„Du bist ja erst 20.“ , stelle ich überrascht fest und öffne diese wieder, „Aber mit Giften scheinst du es nicht so zu haben, dein Körper braucht länger um Toxine abzubauen,…“

Ich lasse von ihm ab, ziehe dann die Decke etwas höher, damit er nicht friert und bereite mir dann selbst mein Bett, für die Nacht vor.

Wenn das stimmt, was mir seine Atombewegungen mitgeteilt haben, dann kann ich wohl tatsächlich bis morgen beruhigt ruhen - Mindestens.

Denn bis dahin sollte er schlafen.

Vollkommen erlaucht lasse ich mich auf der Futonmatte nieder, ziehe mir meine Decke bis zum Hals und versenke die Nase in meinem Kissen.

Es ist komplett still, hier drinnen und auch draußen, lediglich das sanfte Regenplätschern und das monotone Knistern des ausgehenden Feuers sind zu vernehmen.

Müde schließe ich meine brennenden Augen und merke, wie ich bereits nach wenigen Sekunden drohe in den Schlaf abzudriften.

Mein letzter Gedanke ist, ob ich jetzt eigentlich vollkommen übergeschnappt bin, einfach neben einem mir völlig fremden, abtrünnigem Shinobi die Nacht zu verbringen.

Auf der anderen Seite, wenn er mich im Schlaf tötet, … kriege ich es ja ohnehin nicht mit.

Optimismus war schon immer eine meiner Stärken.
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