You wreck me

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
General Hux Kylo Ren
03.01.2019
15.09.2019
6
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„Bist du schon lange wach?“ fragte Kylo und streckte sich. Seine Stimme klang vom Schlaf noch ein wenig heiser und Hux schmunzelte als er sah, dass seine Haare verstrubbelt waren.
„Noch nicht lange“, log er. Hux las schon seit zwei Stunden in dem Buch, das er auf Kylos Schreibtisch gefunden hatte. „Das Bildnis des Dorian Grey“ von Oscar Wilde. Aber da er es fesselnd fand, hatte ihn das Warten nicht gestört. „Außerdem wollte ich nicht noch einmal einfach verschwinden.“
Kylo lächelte. „Das ist gut. Lässt du mich dieses Mal Brötchen holen?“
Hux überlegte einen kurzen Moment und nickte dann.
*
Es fühlte sich vertraut an, in der Küche der WG zu sitzen. Fast schon zu vertraut.
„Ich muss bald nach Hause“, sagte Hux. „Phasma müsste zurück sein und meine Katze vermisst mich bestimmt.“ Er war sich ganz und gar nicht sicher, ob Millicent ihn vermisste, aber er konnte es kaum erwarten, sie wiederzusehen.
Kylo nickte. „Eine Sache wollte ich dir noch sagen, Hux.“ Er legte sein Brötchen auf den Teller und sah ihn an. „Für mich ist das hier auch alles neu und anders. Es ist nicht so, dass ich mich nicht verunsichert fühle.“
„Wie meinst du das?“ Hux wünschte sich, er hätte sich nicht gerade noch neuen Kaffee eingeschenkt. Das Gespräch nahm schon wieder eine Wendung, die gefährlich werden konnte.
„Falls du denkst, dass ich so etwas ständig erlebe, irrst du dich. Ich will dir einfach nur sagen, dass du mir wichtig bist. So oder so.“
Hux überlegte, ob er erwähnen sollte, dass sie sich kaum zwei Tage kannten, aber er entschied sich dagegen. Es war nicht nötig, Kylo auf etwas offensichtliches hinzuweisen. Mit großer Sicherheit würde sich alles von allein erledigen.
„Das ist lieb von dir“, sagte er. „Ich sollte jetzt los. Es regnet auch gerade nicht.“
Kylo stand auf und einen Moment lang sah es so aus, als wolle er etwas fragen. Vielleicht nach Hux‘ Nummer oder ob er ihn bringen konnte. Aber er entschied sich dagegen und das wiederum fand Hux schade.
„Ich … ich könnte dir meine Nummer geben. Falls du möchtest.“
„Ja, sehr gern“, sagte Kylo sofort. „Vielleicht könnten wir uns wieder treffen? Im Resistance oder woanders, ganz wie du magst.“
Hux nickte. Er glaube nicht, dass Kylo anrufen würde, aber sicher konnte er nicht sein.
*
Als er ein paar Stunden später auf dem Sofa in seiner Wohnung lag, Millicent auf seinem Bauch ausgestreckt und eine Tasse Tee auf einem Untersetzer neben sich auf dem Tischchen, ertappte er sich dabei, dass er auf sein Handy sah. Gut, dass er Kylos Nummer nicht hatte, sonst hätte er ihm vielleicht sogar geschrieben. Das Chaos im Flur hatte er beseitigt und es war halb so schlimm gewesen. Schade um das Geschirr, aber einige Tassen waren sowieso angeschlagen. Er würde neue kaufen und dann würde es mit seinem Leben weitergehen wie bisher. Bis heute Abend würde er noch auf eine Nachricht von Kylo warten und dann damit aufhören.
Die letzten Tage waren wie ein angenehmer Traum, den er sich nicht kaputt machen lassen wollte. Auch nicht von seinen eigenen verwirrten Gefühlen. Männer wie Kylo waren nicht für ihn bestimmt. Er sah gut aus, hatte Freunde, fühlte sich wohl in seinem Leben. Hux war unzufrieden, langweilig und einsam. Es gab nichts, das ihn für Kylo länger als ein paar Tage interessant sein lassen könnte. So schade er das fand.
Als er sich am Abend die Zähne putzte lag das Handy auf der Ablage vor ihm und er gestand sich selbst ein, dass das normalerweise nicht so war. Er bekam so gut wie nie private Nachrichten und auch wenn er manchmal noch bis in die Nacht hinein Mails beantwortete, trug er sein Handy für gewöhnlich nicht mit sich herum. Er wartete auf eine Nachricht, die vermutlich nicht kommen würde und er konnte jetzt schon sagen, dass es ihn verletzen würde, dass Kylo ihn so schnell vergessen hatte.
Und dann, genau in dem Moment, in dem er das Handy auf dem Nachttisch ablegen wollte, vibrierte es. Er öffnete seine Nachrichten, überzeugt davon, dass es irgendjemand anders war.
„Hallo Hux. Ich wollte dir eine gute Nacht wünschen. Würde mich freuen, wenn du mich Morgen anrufst oder mir schreibst, wenn du Zeit hast. Alles Liebe. Kylo.“
Hux ließ sich auf das Bett sinken und starrte auf die Worte. Kylo. Tatsächlich.
Kaum zu glauben, dass er ihm noch am selben Tag geschrieben hatte. Und er wollte, dass Hux sich bei ihm meldete. Ein Lächeln hob seine Mundwinkel und in seiner Brust breitete sich ein angenehm warmes Gefühl aus. Plötzlich fühlte er sich ganz leicht und nicht einmal der Gedanke daran, dass er Morgen Snyder, seinen neuen Vorgesetzten treffen würde, konnte ihn mehr schrecken.
Er schrieb nicht zurück, beschloss aber sich Morgen zu melden und schlief schneller ein, als er es an einem Sonntagabend für möglich gehalten hatte.
*
Hux wünschte sich im Nachhinein er hätte sein Büro an diesem Morgen nicht mit einer Tasse Kaffee in der Hand betreten. Denn nachdem ihm diese aus der Hand gefallen war, war es vollkommen unmöglich zu vertuschen, wie sehr ihn das was er sah aus der Fassung brachte.
„Wie schade“, sagte Steven Harrington, der gelassen an Hux‘ Schreibtisch lehnte, als würde er ihm gehören. „Der Fleck wird vermutlich nicht mehr rausgehen.“
Hux sank auf die Knie und versuchte den Fleck mit einem Taschentuch aufzusaugen. Sehr passend, dass ihre erste Begegnung nach einem Jahr damit begann, dass er vor Steven auf den Knien lag. Er stand schnell wieder auf.
„Was suchst du hier?“ fragte er.
„Ich hatte auf eine etwas freundlichere Begrüßung gehofft.“
„Das glaube ich dir nicht.“ Hux vermied es, aufzusehen. „Warum bist du hier?“
„Oh Hux. Ich fürchte, dann wird es dich auch nicht freuen zu hören, dass ich dein neuer Vorgesetzter bin.“
Hux fühlte wie seine Schultern sich anspannten, versuchte aber, sich nichts anmerken zu lassen.
„Nun sag schon.“ Steven klang amüsiert. „Ist das nicht besser als Snyder?“
Hux schluckte. „Nicht wirklich.“
„Ach, komm schon. Du warst doch früher nicht so kühl. Ich habe mich auf die Zusammenarbeit mit dir gefreut.“
Hux fühlte, wie sich seine Hände zu Fäusten ballten. „Du meinst du hast dich darauf gefreut, meine Ergebnisse für deine auszugeben.“
Stevens Blick verdüsterte sich. „Nenn es wie du willst. Eine Hand wäscht die andere oder nicht? Du schienst nie etwas dagegen zu haben, solange wir … du weißt schon.“
Hux fühlte wie es kalt seinen Rücken hinablief. Natürlich wusste er, wovon Steven sprach und ohne, dass er es verhindern konnte stiegen die Erinnerungen in ihm auf. Er war so froh, dass Steven nicht wusste, dass er sein Erster gewesen war. Die Demütigungen waren auch so schon schlimm genug gewesen.
„Da wusste ich noch nicht, dass du die ganze Zeit andere neben mir hast.“
Steven ließ ein kleines Lachen hören. „Oh Hux. Ich wusste wirklich nicht, dass du jemals der Meinung warst, du seist der Einzige. Dass du auf so eine Idee überhaupt kommen konntest. Sieh dich an. Sieh mich an.“
Hux wusste sehr wohl, was Steven damit sagen wollte. Er hätte ihm vorwerfen können, dass Steven ihm damals sehr wohl das Gefühl gegeben hatte, dass sie ein exklusives Paar waren, das sich etwas zusammen aufbauen würde. Er hatte Steve dafür gern von seinen Ideen und Entwürfen profitieren lassen, die in der Chef-Etage so gut angekommen waren. Er wusste, wie wichtig Steven seine Karriere war. Ja, er hatte sein Glück manchmal kaum fassen können, dass ein Mann wie Steve sich für ihn entschieden hatte. Und die Quittung für seinen Hochmut hatte er schließlich bekommen.
„Musstest du zurückkommen?“ fragte er. Es bereitete ihm fast körperliches Unwohlsein, Steve hier in seinem Büro zu sehen. Ja, er war naiv gewesen, vielleicht sogar dumm. Er hatte seine eigene Karriere um Jahre zurückgeworfen, für ein paar freundliche Worte. Die Erinnerung daran, wie sehr er Steven damals geliebt hatte, wie er bereit gewesen wäre fast alles für ihn aufzugeben ließ seine Knie weich werden. Er, der immer besonnen war und logisch dachte. Dem seine Gefühlskälte des Öfteren vorgeworfen wurde. Für diesen Mann war er bereit gewesen, alles aufzugeben. Und er hatte ihn fallen gelassen wie einen verdorbenen Apfel, als er ihm nichts mehr genützt hatte. Und jetzt war er wieder hier.
„Ich hatte gehofft, wir könnten vielleicht sogar mal wieder etwas trinken gehen“, sagte Steven. „Der alten Zeiten wegen. Und ich könnte mir vorstellen, dass es dir auch mal wieder ganz gut tun würde, dich etwas gehen zu lassen. Das konntest du bei mir doch immer ganz gut, hm?“
Hux schloss die Augen. „Geh bitte, Steven.“
„Hör mal, es tut mir leid, wenn ich deine Gefühle verletzt habe. Dieses Mal spiele ich mit offenen Karten, in Ordnung? Und du hast mir gefehlt, Hux.“
Hux hasste es, dass es ihn nicht ganz kalt ließ, diese Worte zu hören. Er schüttelte den Kopf.
„Vielleicht brauchst du etwas Zeit. Ich habe ein paar Entwürfe auf deinen Tisch gelegt, überarbeite sie bitte.“ Steven stieß sich vom Tisch ab und klopfte Hux mit einer Hand auf die Schulter. „Versuch es mit Natron. Den Fleck meine ich.“
Hux starrte auf den Kaffeefleck und wartete, bis Steven sein Büro verlassen hatte. „Den frühen Wurm fängt der Vogel“, dachte er und fühlte sich plötzlich sehr müde.
*
Wie fast jeden Tag machte Hux Überstunden und verließ das Büro erst um acht. Heute lag es allerdings an ihm. Nach drei Stunden Arbeit an einer Bauzeichnung hatte er gemerkt, dass er Fehler gemacht hatte und musste von vorne anfangen. Es hatte mal eine Zeit gegeben, da hatte er seinen Beruf als Architekt geliebt, aber mittlerweile erstickte er oft in Arbeit. Er hatte darauf gehofft, dass er nach der Beförderung wieder mehr Dinge tun könnte, die ihn herausforderten und ihm Spaß machten, aber diese Hoffnung war jetzt auch dahin. Und ab jetzt unter Steven zu arbeiten konnte er sich noch immer überhaupt nicht vorstellen. Es kam ihm vor wie ein Alptraum.
Und natürlich regnete es in Strömen als er von der U-Bahn nach Hause lief. Er war durchgeweicht, bevor er die Tür seines Hauses aufschloss und konnte sich nicht aufraffen, die Treppe sofort nach oben zu steigen. Er ließ sich auf die zweite Stufe sinken und stützte das Gesicht in die Hände. Jeden Tag Steven gegenüberstehen. Wie sollte er das aushalten?
Das Schlimmste war, dass er sich teilweise selbst die Schuld am Scheitern ihrer Beziehung gab. Er hatte zu sehr geklammert, zu viel erwartet. In gewissem Sinne hatte Steven recht. Er hätte ihm mehr Freiheiten lassen müssen und nicht davon ausgehen sollen, dass Steven genauso fühlte wie er. Selbst wenn er es ihm immer wieder versichert hatte. Aber so etwas sagte man am Anfang einer Beziehung ohne es wirklich zu meinen, das hätte er wissen müssen. Er hätte ihn nicht so festnageln sollen, nicht auf mehr hoffen. Vielleicht hätten sie dann eine Chance gehabt.
Aber solche Gedanken waren jetzt vollkommen unsinnig. Er hatte ja schon immer geahnt, dass er ein Einzelgänger war, der sich nicht für Beziehungen eignete. Seine Beziehung mit Steven war von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen.
Und das war auch der Grund, warum es keinen Sinn machte, die Sache mit Kylo weiter zu verfolgen. Wenn überhaupt dann führte ihm die Begegnung mit Steven das noch deutlicher vor Augen. Jemanden wie Kylo hatte er erst recht nicht verdient. Schon bei Steven war es fast unerträglich, verlassen zu werden und er hatte Monate gebraucht, um sich innerlich wieder einigermaßen stabil zu fühlen. Auch wenn man ihm das nach außen hin nicht angemerkt hatte. Wie würde er sich dann erst fühlen, wenn eine Beziehung zu jemandem scheiterte, den er jetzt schon so sehr mochte, wie Kylo.
Er schleppte sich nach oben in seine Wohnung und war froh, dass Millicent kam, um ihm um die Beine zu streichen. Auch wenn sie vielleicht nur Futter von ihm wollte, im Moment war er dankbar für das Gefühl, gebraucht zu werden.
Er gab ihr eine etwas größere Portion als sonst und setzte sich im Dämmerlicht der Küche neben sie auf den Fußboden, um ihr beim Fressen zuzusehen. Er fühlte sich ausgelaugt, so als würde er am liebsten nicht mehr aufstehen und er war sich noch nicht einmal ganz sicher, woran das lag. Der Nachmittag im Park mit Kylo und den anderen kam ihm unendlich weit weg vor. Wie ein schöner Traum.
„Ich wünschte, ich wäre anders“, sagte er leise zu Millicent. „Aber das kann man sich nicht aussuchen, nicht wahr?“
Sie stieß mit dem Kopf gegen sein Knie und er lächelte traurig. Sein Handy vibrierte und er holte es hervor. „Schlaf gut, Hux“, schrieb Kylo.
Hux starrte auf die Worte und plötzlich war ihm nach Weinen zumute.

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Wie immer bin ich für jeden Kommentar und jedes Herzchen und Sternchen dankbar. Sagt mir einfach ob ihr gerne weiterlesen möchtet. :)
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