The way you walked in

von AnjaAve
KurzgeschichteAllgemein / P12 Slash
HIM
03.01.2019
15.01.2019
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Hallo liebe Leser,

hier ist sie nun, die erste Poets of The Fall-Fanfiction auf dieser Plattform (mehr als nur ein Oneshot...). Auch wenn es "nur" ein Crossover mit HIM ist... Marko Saaresto spielt hier die Hauptrolle und die gesamte Kurzgeschichte ist aus seiner Sicht geschrieben.
Und wenn ihr hier wegen Ville und nicht wegen Marko reinschaut, seit ihr natürlich auch herzlich willkommen! Solltet ihr Poets of The Fall noch nicht kennen, würde ich euch raten, mal in deren Musik hineinzuhören...

Dieser Text geistert schon eine ganze Weile auf meiner Festplatte herum (damit meine ich mehrere Jahre...). Bisher war er unvollendet, doch nun habe ich, dank der Idee einer Freundin, endlich ein passenden Schluss gefunden. Der ist auch schon ausformuliert.
Es wird also vier Kapitel geben, das vierte wird als Schluss etwas kürzer sein.

Ansonsten bleibt natürlich noch zu sagen, dass mir die Personen nicht gehören. Die gehören alle schön sich selbst und das ist auch gut so!
Ich verdiene hiermit auch kein Geld, sondern will euch einfach nur an den Ergebnissen meiner Kreativität teilhaben lassen, genau so wie bei meinen anderen Stories auch.

Wenn's euch gefällt, dann lasst doch bitte einfach einen kurzen Kommentar da. Ich würde mich wirklich sehr darüber freuen!!!


Wir lesen hoffentlich voneinander, eure Anja
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The way you walked in


Unerwartetes Wiedersehen

„Paska!“, rufe ich aus und alle Augen sind plötzlich auf mich gerichtet. Ups, das war gar nicht gewollt.
„Ich kann meinen Nagellack nicht finden!“, erkläre ich mich und alle atmen erleichtert auf, als sie bemerken, dass nichts ‚Schlimmes‘ passiert ist. Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass ich die kleine Flasche mit der schwarzen Flüssigkeit eingepackt habe, doch das Ergebnis meiner dritten verzweifelten Suche danach lehrt mich etwas anderes. Ich schaue prüfend auf die große Wanduhr. Mist! Ich muss in einer halben Stunde zum Interview und danach habe ich nicht mehr viel Zeit bis zum Auftritt und außerdem fehlt dann noch immer mein Augen-Make-Up, aber das wäre ich der Zeit nach dem Interview wahrscheinlich noch zu schaffen.
„Und wenn du einfach mal durch die Kabinen gehst? Vielleicht hat ja jemand anders zufällig welchen dabei?“, schlägt Ollie vor, da ich anscheinend ziemlich verzweifelt geschaut habe. Eigentlich gar keine so schlechte Idee. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar ziemlich gering, doch ich war schon immer ein Optimist. Dann muss ich mir jetzt aber schon mein Bühnenoutfit anziehen. Also raus aus der Jogginghose und rein in die enge dunkle Jeans und das schwarze trägerlose Top. Meinen Backstage-Pass hänge ich am Schlüsselband an eine der hinteren Gürtelschlaufen und ein dünnes Tuch wickle ich um meinen Hals, um ihn noch vor dem Auftritt etwas zu schützen. Zum Schluss noch ein schwarzes Schweißband ans rechte Handgelenk und vorsichtshalber eine Rolle schwarzes Isolierband und eine kleine Schere zusammen mit ein paar Halsbonbons in die Hosentasche.
„Okay. Ich frag mich mal durch. Würdet ihr…?“, frage ich schon halb in der Tür und deute auf meinen Hut. „Na klar. Jetzt hau schon ab!“, erwidert Jaska und schiebt mich quasi auf den Gang hinaus. Ich wende mich nach links und klopfe an jede Tür, an der ein Künstlername in Form eines A4-Blattes angebracht wurde. Nach jeder Tür werde ich etwas langsamer, weniger enthusiastisch, denn das Ergebnis ist immer das gleiche: kein schwarzer Nagellack! Mir wird roter, blauer und sogar pinker angeboten, doch anscheinend ist schwarzer im Musik-Business eine echte Rarität. Als ich einmal überall vorbei gekommen bin, lasse ich mich einfach an der Wand heruntergleiten, ziehe das Isolierband aus der Tasche und beginne damit, mir dieses um die Fingerkuppen zu wickeln. Doch so richtig will das nicht funktionieren. Mist! Vollkommen genervt von der Situation stehe ich wieder auf, die Rolle noch in der Hand und zwei Streifen schon von den Fingern hängend, die nicht wirklich halten wollen, und mache mich auf den Weg zurück zu den Jungs. Noch zehn Minuten bis zum Interview!
„Jungs, langsam habe ich ein ernsthaftes Problem…“, ich beginne schon zu sprechen, bevor ich die Tür richtig geöffnet habe, doch dann bleiben mir die Worte im Halse stecken, weil ich jemandem, der direkt hinter der Tür stand, direkt in die Arme laufe. Und dieser jemand ist niemand aus meiner Band oder unserer Crew.
Ein herber, jedoch extrem angenehmer Geruch steigt mir in die Nase. Zuerst sehe ich seine stark tätowierten Arme, dann schaue ich in sein Gesicht und in seine stechend grünen Augen. Keiner von uns bewegt sich auch nur einen Zentimeter und ich versuche so leise wie möglich zu atmen, während sein Blick über mein Gesicht und dann auch über meinen Körper wandert.
„Ville?“, kommt es von irgendwo hinter ihm, doch ich nehme eigentlich nur ihn wahr. „Hm…“, brummt mein Gegenüber und zieht die Augenbrauen hoch.
„Alles in Ordnung?“, jetzt wendet er seine Augen von mir ab, um sich kurz umzudrehen, doch dann schaut er wieder zu mir.
„Woher kenn ich ihn?“, fragt er und runzelt die Stirn, als er einen kleinen Schritt zurück geht. Um ihm nicht weiter in die Augen sehen zu müssen, schaue ich mich in dem Raum um, in dem ich mich befinde. Ich muss wohl die falsche Tür erwischt haben, als ich gerade vollkommen in Gedanken war. Aber was macht HIM hier? Soweit ich weiß, standen sie nicht auf der Line-Up-Liste!
„Ähm… wir haben vor sechs Jahren schon einmal während desselben Festivals gespielt“, gibt ein Mann mit extrem langen Dreadlocks, der Gitarrist, wenn mich nicht alles täuscht, von sich und erinnert damit auch mich an unser erstes und bisher einziges Zusammentreffen.
„Ja, das könnte erklären, warum ich mich kaum daran erinnere…“, murmelt Ville nachdenklich und seine Stimme ist dabei so tief, dass mich ein kleiner Schauer durchläuft.
„Ich hatte mich einige Zeit lang mit seinem Gitarristen unterhalten, als du hinzukamst und ihre Musik… sagen wir, schlecht gemacht hast?“, führt er mit einem etwas mitleidigen Blick zu mir weiter aus. Ich suche verzweifelt einen Punkt, an dem ich meinen Blick fixieren kann und er bleibt an seinem linken Arm hängen, der vollkommen von einem Tattoo bedeckt wird.
„Er kam irgendwann dazu und konnte dich irgendwie davon abhalten, auf ihn loszugehen. An dem Abend hast du dich dann mal wieder volllaufen lassen und Gas und Burton mussten dich in dein Bett tragen“, beendet er seine Geschichte und ich betrachte in der Zwischenzeit den Fußboden. Der ist wenigstens neutral. Ich erinnere mich im Gegensatz zu ihm noch ziemlich genau an den Tag. Als ich dazwischenging, war er auf jeden Fall auch schon lange nicht mehr nüchtern. Und ich weiß noch immer nicht, wie ich ihn dazu gebracht habe, zusammen mit seinem Gitarristen den Raum zu verlassen.
„Hm… das sind dann also noch zwei weitere Gründe. Ich war immer so kurz davor…“, ich bezweifle, dass jemand außer mir seine Worte verstanden hat. Schon wieder ist da dieser Schauer.
„So kurz wovor?“, frage ich vorsichtig nach. Er zuckt leicht zusammen und schaut mir wieder direkt in die Augen. Kurz scheint er zu überlegen was ich meine. Er dachte wohl auch nicht, dass ich ihn verstanden hätte.
„Mich an dein Gesicht zu erinnern“, murmelt er noch leiser und dann sagt er noch etwas, nuschelt dabei jedoch so sehr, dass ich nur das Wort „Augen“ zu verstehen glaube. Ich runzle die Stirn und schaue zu den Anderen im Raum, doch sie beobachten uns alle nur schweigend und anscheinend sehr interessiert.
„Okay, also… ich muss dann mal wieder los“, reiße ich uns beide aus dieser Situation und wende mich zur Tür.
„Warte! Was hast du für ein Problem?“, höre ich ihn sagen, als ich die Tür schon fast geschlossen habe, dieses Mal ist seine Stimme wieder klar und deutlich. Kurz überlege ich, ob ich nicht einfach gehen sollte, doch dann stoße ich die Tür wieder auf und halte ihm als Antwort auf seine Frage einfach meine Hände entgegen.
„Das Zeug will nicht halten?“, fragt er verwirrt und nimmt mir die Rolle aus der Hand, um sie näher zu betrachten.
„Nein. Eigentlich wollte ich mir die Fingernägel schwarz lackieren. Dann habe ich festgestellt, dass ich die Flasche wohl zuhause liegen gelassen habe und auch kein anderer, der heute auftritt hat anscheinend welchen dabei. Als Alternative wollte ich mir dann die Fingerspitzen damit abkleben, doch das Zeug will nicht wirklich so wie ich. Und jetzt hab ich noch etwas mehr als fünf Minuten, bis ich zu einem Interview muss und danach kann ich mich nicht mehr darum kümmern, weil meine Augen noch behandelt werden müssen“, führe ich aus ohne dazwischen wirklich Luft zu holen und muss somit danach erstmal tief durchatmen. Alle schauen mich etwas irritiert aber auch amüsiert an. Er lacht leise in sich hinein und jagt damit schon wieder einen Schauer über meine Haut. Ein kurzer prüfender Blick auf meine Arme sagt mir, dass ich zum Glück keine Gänsehaut bekomme.
„Hier“, sagt er dann und hält mir eine kleine schwarze Flasche entgegen. Ich hab gar nicht mitbekommen, dass er sie geholt hat. Vorsichtig nehme ich sie ihm ab und dabei fällt mein Blick auf seine Finger, die zwar schwarz lackiert sind, jedoch mal wieder neu versorgt werden müssten. Ich bringe ein leises „Danke“ hervor und will schon aus der Tür gehen, als mein Blick erneut auf die große Wanduhr fällt. Panik breitet sich in mir aus! Jetzt habe ich zwar den Nagellack, aber ich schaffe es niemals rechtzeitig zum Interview, wenn ich jetzt erst zu den Jungs zurück gehe, damit Olli ihn für mich aufträgt, weil ich merke, wie meine Hände leicht zittern und dann wird das nichts! Ich spüre seinen stechenden Blick in meinem Nacken und das Zittern wird noch schlimmer.
„Komm, ich helf dir!“, sagt er dann plötzlich, nimmt mir die Flasche wieder ab und schiebt mich auf einen der leeren Stühle zu. Er zieht sich einen zweiten heran, während ich mich auch ohne Aufforderung hinsetze, dann öffnet er die Flasche und greift nach meiner linken Hand, während er mit der anderen den Pinsel am Flaschenrand etwas abstreicht.
„Du zitterst ja…“ murmelt er eher zu sich selbst und ehe ich etwas erwidern kann, festigt er schon seinen Griff und drückt meine Hand so auf sein Knie, dass sie nicht mehr zittert. Ich starre die ganze Zeit einfach nur seine Hand an und komme mir dabei ziemlich bescheuert vor, doch mir fällt auch nichts anderes ein, was ich tun könnte. Für Smalltalk ist jetzt garantiert nicht der richtige Moment. Jetzt trägt er sorgfältig die schwarze Farbe auf meine Fingernägel auf, besser und schöner, als ich es je gekonnt hätte. Ich hebe meinen Blick leicht und schaue in sein Gesicht. Er scheint hochkonzentriert zu sein und da er leicht nach vorn gebeugt dasitzt und nach unten schaut, fallen ihm ein paar Haarsträhnen ist Gesicht, welche er aber anscheinend überhaupt nicht wahrnimmt.
Irgendwann lässt er meine Hand los und greift nach der anderen. Seine Berührung lässt mich leicht erschaudern, doch das Zittern ist mittlerweile verschwunden. Ich achte darauf, mit meiner freien Hand nirgendwo anzustoßen, während ich wieder auf unsere Hände schaue.
„Linde, lass schonmal kaltes Wasser in das Waschbecken ein“, fordert er seinen Gitarristen auf, ohne dabei auch nur einen Moment den Blick von meiner Hand abzuwenden. Ich schaue zu dem angesprochenen und nach einem kurzen Moment, in dem er uns einfach nur anstarrt, setzt er sich tatsächlich in Bewegung und öffnet den Wasserhahn an dem Waschbecken, das ich nicht wahrgenommen habe, weil es direkt hinter der Tür an der Wand angebracht ist.
„Fertig!“, sagt Ville schließlich und betrachtet sichtlich stolz sein Werk. Ich bedanke mich erneut.
„Halte sie noch einen Moment in das Wasser, dann dürftest du genau pünktlich zu deinem Interview da sein“, fordert er mich leicht grinsend auf. Diese Situation ist einfach viel zu absurd! Nie im Leben hätte ich gedacht, dass er, niemand anderer als Ville Valo höchstpersönlich, mir einmal meine Fingernägel lackieren würde! Das klingt fast schon zu schräg, um es überhaupt zu denken…
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