Ein Mädchen für alles

von RS-MMFFs
GeschichteDrama, Romanze / P18
03.01.2019
03.12.2019
82
146915
75
Alle Kapitel
143 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Kapitel 82

Scarlett rang mit sich. Auf der einen Seite wollte sie ihn nicht ärgern und aufdringlich sein, gleichzeitig wollte sie ihrer Rolle gerecht werden und das nutzen, um ihn zu verführen.

Sie entschied sich für alles oder nichts und holte Darwin wieder ein, bevor sie sich leicht bei ihm unterhakte, so wie sie es schon oft getan hatte. Dann schenkte sie ihm ein Lächeln. „Zeigst du mir die Altstadt?", fragte sie und war motiviert darin eine gute Freundin zu spielen und ihm so zu zeigen, was er haben könnte.

Überrascht blickte er zu ihr und blinzelte wiederholt. Im hellen Sonnenlicht schienen seine grünen Augen wirklich regelrecht zu funkeln. „Die Altstadt? Wir... können heute hier zu Abendessen, wenn du möchtest", bot er etwas überfordert an und schien nicht so ganz ihren Umschwung zu verstehen.

Scarlett nahm das einfach so hin und grinste ihn an. „Ja, das klingt gut", sagte sie und beide liefen auf das Cafe zu, das Darwin für das Frühstück ausgesucht hatte.

Wenig später saßen sie auch bereits oben auf dem Dach und konnten von dort hinaus aufs entfernte Meer blicken. Man konnte wirklich nicht leugnen, dass Dänemark nur aus einem Haufen Inseln bestand.

„Hier ist es wirklich schön. Aber auch sehr ruhig", bemerkte Scarlett, während sie ihr Frühstück aß. Endlich einmal etwas anderes als Rührei und vor allem einen starken Kaffee.

„Die meisten jüngeren Leute treiben sich im Norden oder in der Stadt rum", murmelte Darwin in seine Tasse, während er einen Schluck von seinem eigenen Kaffee nahm.

„Ich denke im Vergleich zu einer Großstadt ist es fast überall ruhig. Es ist zur Abwechslung ganz angenehm", erklärte sie ihren Gedanken und versuchte sich auf die Umgebung zu konzentrieren, nicht unbedingt auf Darwin. Sie wurde aus ihm einfach nicht schlau.

„Mag schon sein", erwiderte er ruhig und setzte seine Tasse wieder ab, um langsam weiter zu essen.

„Gefällt dir die Stadt mehr?", wollte sie leide wissen und genoss das Gespräch. Endlich fühlte es sich wieder so ungezwungen an.

Er zuckte lediglich die Schultern und nahm einige weitere Gabeln von seinem Rührei. Selbst seine Art zu Essen hatte etwas anziehendes... Für den Gedanken hätte sich Scarlett am liebsten schon wieder selbst geohrfeigt.

„Ich mag den Trubel und die Menschen in der Stadt. Aber der Ausflug hat mir gezeigt, dass auch Ruhe und Frieden manchmal guttun können", sagte sie und schielte zu ihm, während sie selbst den Salat genoss, der ihr Frühstück war.

Als sein Ei aufgegessen war, legte er die Gabel auf den Teller und wischte sich den Mund mit seiner Serviette ab. „Als ich hier gewohnt habe, habe ich die Kleinstädte gehasst. Da hat mir Seattle besser gefallen... aber mittlerweile...", setzte er an und schwenkte ein wenig seine Tasse, ließ den Satz jedoch offen.

„Sehnst di dich nach Ruhe?", fragte sie neugierig und beendete ebenfalls ihr Essen.

Er antwortete nicht sofort, sondern nahm einen weiteren Schluck Kaffee, bis die Tasse leer war und er sie wieder hinstellte. „Womöglich, ja", erwiderte er vage und hob den Blick das erste mal wieder zu Scarlett.

Diese blickte noch immer auf die Landschaft und eine gewisse Sehnsucht stand darin.

„Kleinstädte haben etwas sehr Romantisches", sagte sie und ein leichtes Lächeln zierte ihre Lippen. „Als ich jünger war wollte ich immer die Welt entdecken. Sehen wie andere Menschen leben und meinen Platz finden, an den ich gehöre", erzählte sie und musste dann leise lachen. „Ich wollte immer in den Dschungel ziehen und leben wie die Ureinwohner."

Darwin lachte leise und stützte sich am Tisch ab, während er an einem Stück Toast knabberte. „Wie ein Ureinwohner im Dschungel? Du weißt, dass Ureinwohner im Dschungel nicht unbedingt die Welt entdecken?", hakte er amüsiert nach.

„Ja, richtig, aber ich war schon als Kind davon fasziniert, was man aus den einfachsten Dingen herstellen kann. Und wie Kinder nun mal so sind, war diese Vorstellung sehr ... romantisiert", lachte Scarlett leise und wandte sich Darwin zu, um ihn ein Lächeln zu schenken.

Dieser blickte sie noch immer an, doch nun mit einer gewissen rätselnden Note.

Scarlett legte den Kopf ein wenig fragend schief. „Was ist?", wollte sie vorsichtig wissen. Hatte sie jetzt schon wieder etwas Falsches gemacht?

Ein leichtes angedeutetes Lächeln zierte seine Lippen und ließ ihn wieder den Blick auf seine Tasse senken. „Nichts", erwiderte er lediglich und drehte das Porzellan mit der Hand.

Das Lächeln beruhigte sie ein wenig. „Hattest du auch einen ähnlichen Kindheitstraum?", fragte sie nach und hoffte auf ein Gespräch.

Sie merkte wie er seinen Kopf ein wenig neigte und ihrem Blick auswich. War er verlegen? Sie hatte ihn tatsächlich noch nie so gesehen, so dass es schlecht einzuschätzen war. „Wenn ich dir das sage, lachst du mich aus."

„Ich glaube nicht", meinte sie nüchtern. „Ich wollte Ureinwohner werden. Also bitte", lachte sie leise, aber auch, als wäre nichts dabei.

Vorsichtig schielte er zu ihr hinauf und legte die Wange in die Hand. „Was glaubst du denn, was ich machen wollte?"

„Ich weiß nicht. Sonst hätte ich nicht gefragt", sagte sie und machte dann ein nachdenkliches Geräusch. „Indiana Jones?"

Ein belustigtes schmunzeln, gefolgt von einem leisen lachen folgte. „Du meinst Archäologe? Ich bin nicht sonderlich an vergangenen Zeitaltern interessiert", winkte er ab und lehnte sich wieder zurück in seinen Stuhl.

„Nein ich meine schon Indiana Jones. Ich hab meine Mutter früher such gesagt ich wolle Robin Hood werden", erklärte sie und leerte ihre Tasse.

„Klingt auch verlockend", stellte er belustigt fest.

„Verrätst du es mir?", fragte sie und setzte einen fragenden Blick auf, bei dem sie die Unterlippe ganz leicht vorschob.

Darwin seufzte bedeutungsvoll und legte den Kopf leicht zurück. „Ironischerweise habe ich früher gerne Vögel beobachtet und wollte eine Auffangstation für Küken allerlei machen."

Scarlett legte den Kopf schief. „Und warum willst du es nicht mehr? Ist immerhin nicht unmöglich."

Er zuckte die Schultern und lehnte sich wieder gegen den Tisch, als könnte er nicht stillsitzen. „Wirke ich für dich wie jemand der Vögel beobachtet und aufzieht?"

Scarlett legte den Kopf auf die andere Seite. „Du wirkst auch nicht so, als würdest du es nicht tun", sagte sie und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Jeder brauch ein Hobby und du kannst es dir sicherlich leisten das Hobby Vollzeit zu machen."

Darwin unterdrückte ein lachen, was in einem schnauben unterging. „Ray würde mich für bescheuert halten, wenn ich ihm sage, ich seh mir gern Gefieder an. Abgesehen davon, dass er mich auslachen würde."

„Und was kümmert es dich, ob Ray dich auslacht?", wollte sie verständnislos wissen. „Ich finde die Idee klasse. Gut, ich man aber such Tiere aller Art."

„Ist das eine ernstgemeinte Frage? Mein Lebensstil? Die Tatsache, dass ich nach Charles Darwin benannt wurde?", half er ihr auf die Sprünge und warf ihr einen vielsagenden Blick zu.

Scarlett zuckte die Schultern. „Na und? Warum sollte doch das daran hindern das zu tun, was du magst? Ist ja so als würde ich auf Karate verzichten, weil mir Marian sagt ich sehe lustig aus, wenn ich Luft haue."

„Würde mich nicht wundern, wenn sie das sagt", merkte Darwin nüchtern an und hob fast herausfordernd die Augenbrauen an.

Scarlett seufzte. „Meinet wegen können wir dann weiter", wechselte sie das Thema und blickte Darwin fragend an.

Dieser packte das Portemonnaie aus, um das Geld auf dem Tisch zu platzieren und erhob sich dann, als Zeichen an Scarlett.

Diese tat es ihm gleich und folgte Darwin. „Wie lange dauert es, bis wir zum Museum kommen?", fragte sie neugierig und mit ein wenig Angst vor dem Schweigen im Auto. Darauf hatte sie keine Lust.

„Es ist hier in der Nähe. Wir kommen zu Fuß hin", erklärte er und schlenderte wieder die Gassen entlang. „Früher sind wir immer ins Museum und danach in dem Café wo wir eben waren Eis essen", erzählte er und schien dabei in Erinnerungen zu schwelgen.

„Können wir danach noch Eis essen?", fragte sie leise und hoffnungsvoll.

Sie wollte mit Darwin noch mehr Zeit außerhalb des Hauses verbringen, weil sie sich da besser fühlte. Da musste sie nicht so vorsichtig sein.

„Mal schauen, wann wir rauskommen", versuchte er sie zu beschwichtigen.

„In Ordnung", strahlte sie zufrieden. Mehr wollte sie such gar nicht. Einfach nur Zeit mit Darwin.

Bei einem großen Gebäude angekommen, besah dich Scarlett das gute Stück. Es hatte die typische Aufmachung eines Museums mit grauen und schwarzen Akzenten und moderner Bauweise. Allerdings machte sie das auch etwas skeptisch. Zumindest waren gut fast keinerlei Leute anzutreffen. Geschweige denn welche die das Gebäude betraten.

„Ist es geöffnet?", fragte sie unschlüssig.

Hätte Darwin keine Karten, hätte sie gesagt, es wäre geschlossen. Für immer.

„Ja... früher war es hier lebhafter", murmelte er verunsichert und trat hinein in den Eingang, der in die Halle führte.

„Schade. Aber es kann ja trotzdem gut werden", versuchte sich Scarlett an einem Lächeln. Sie sollte es nicht so pessimistisch sehen.

An der Kartenkontrolle vorbei, fanden sie sich in den leeren Hallen wieder in denen vereinzelte Mensch umhergingen und die Modelle von verschiedenen Planeten und Sonnensystemen betrachteten.

Scarlett hakte sich bei Darwin unter und blickte sich neugierig um. Allerdings genoss sie Darwins Wärme und Nähe mehr, als die Ausstellungsstücke.

Wirklich gut besucht könnte man diese sicher nicht nennen. Nur vereinzelt traf man auf einige Kinder oder Familien. Als sie die vermeintliche Mitte des Museums erreichten, war dort ein großes Gebilde von Saturn, seinen Ringen und einigen Monden, die mit Eisenstangen an dem Planeten befestigt waren. Darauf kletterten zwei Kinder und rutschten immer wieder mal die Ringe hinunter und erfreuten sich daran. Auch wenn Scarlett etwas daran zweifelte, dass das auch sicher war.

Geschweige denn erlaubt.

Trotzdem war es schön sie Kinder zu betrachten und Darwin an ihrer Seite zu wissen.

„Hast du das früher auch gemacht?", fragte sie leise, aber belustigt.

Darwin blickte auf und folgte Scarletts Deutung, zu der Skulptur. „Ja... aber nur, weil Olivia mich immer mitgeschleppt hat. Ich hatte tatsächlich immer Angst da hoch zu klettern, als Kind", gestand er und hielt kurz inne, um die Kinder zu beobachten.

„Wirklich?", fragte sie neugierig. „Hast du Höhenangst?"

Ihr Blick weiter auf die Kinder gerichtet und ein Lächeln auf den Lippen.

„Red keinen Unsinn. Ich mochte nur nicht das glatte Gefühl an den Dingern. Ich brauche etwas Griffiges, wenn ich klettern will", verteidigte er sich, als hätte Scarlett ihn beleidigt.

„Ich war noch nie klettern", bemerkte sie. „Ich hab zwar keine Höhenangst, aber ich war trotzdem nie so ... aktiv in diesen Dingen", murmelte sie ein wenig ausweichend. Sie hatte als Kind sehr gern auf Spielplätzen getobt, aber an die kleinen Kletterwände, über die sie heute drüber schauen konnte, hatte sie immer gemieden.

„Wirklich nicht?", fragte er verblüfft und drehte ihr den grünen Blick zu.

Scarlett schüttelte den Kopf. „Ich wollte als Kind immer in den Kletterwald aber niemand wollte mit. Aber Kletterwände finde ich... angsteinflößend. Weiß aber nicht warum", versuchte sie irgendwie zu erklären, was selbst für sie keinen wirklichen Sinn ergab. Im Grunde unterschieden sich diese Dinge kaum.

„Ich weiß schon was du meinst. Ich bin als Kind immer am liebsten auf Bäume bei uns im Garten geklettert. Keine Ahnung wie oft meine Mutter wegen mir fast einen Infarkt gehabt hat", lachte Darwin leise bei dieser Erinnerung.

„Wir hatten keine Bäume. Oder einen Garten. Ich hatte nur Spielplätze", sagte sie fast schon neidisch. Als Stadtkind war das wirklich nicht so einfach.

„Verstehe", murmelte Darwin entschuldigend und senkte wieder den Blick und setzte seinen Weg mit Scarlett fort.

Scarlett zuckte die Schultern. „Ich hatte trotzdem meinen Spaß", verkündete sie und musste lächeln. „Wir hatten einen ganz in der Nähe. Dort durfte ich sogar alleine hin, weil man den bei uns aus dem Haus gesehen hat. Ich hab mich immer mit Freunden getroffen", erzählte sie. „Manchmal habe ich meiner Mutter Sandkuchen mitgebracht."

Darauf verzog Darwin etwas das Gesicht, musste jedoch schmunzeln. „Wenigstens haben sich deine Kochkünste seitdem verbessert."

„Ich habe halt schon früh angefangen", sagte sie, als hätte Darwin das nicht gesagt, um sie aufzuziehen. „Immerhin muss wenigstens einer im Haushalt kochen können."

„Was soll das denn heißen?", fragte er vorwurfsvoll und verengte lauernd die Augen.
Review schreiben