Der Nachfolger

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18
03.01.2019
11.02.2019
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Achilles folgte der jungen Frau durch die Gassen von Trifas. Wann immer ein Trupp ihnen nahe zu sein schien, hielt sie inne und wies an, dass sie sich verstecken sollten. So kamen sie ungesehen aus der Stadt raus.
"Und nun?" Sie wandte sich ihm zu und schaute erwartend.
Der Krieger schaute sich um, von seinem Lehrmeister keine Spur. "Chiron ist nicht hier. Hoffentlich haben sie ihn nicht erwischt."
"Du hast ja Vertrauen in deinen Freund." In ihrer Stimme schwang ein Hauch von Sarkasmus mit. "Aber wenn er mit dir und deinem Ego klar kommt, dann kann er ja nicht viel besser sein wie du."
"Was bist du so pessimistisch? Chiron ist in Ordnung." Achilles wandte sich zu ihr um und sofort begann er wieder auf ihre Ohren zu starren. Sie faszinierten ihn sehr.
Doch bemerkte sie es sofort und trat ihm auf den Fuß. "Lass das!"
"Schon gut, schon gut." Kurz bewegte er seine Zehen, um wieder Gefühl in seinen Fuß zu bekommen. "Du meintest, dass du keine Gesetzlose bist, gehörst aber auch nicht den Truppen von Romania an und stammst zusätzlich noch aus Babylonien. Wem folgst du dann, wenn nicht einem Herrscher?"
Sie schaute auf. Grüne Augen trafen auf bernsteinfarbene. Dann seufzte sie und senkte den Blick. "Ich müsste es dir so oder so erzählen, wenn ich dich anheuern will."
"Na geht doch." Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus und er verschränkte zufrieden die Arme.
"Achilles!"
Beide schauten sie auf und sahen, wie Chiron aus einer Gasse zu ihnen kam. "Du hast es also auch geschafft."
"Ja, zu unserem Glück hat Trifas keine durchgehende Stadtmauer und die Soldaten waren nicht so intelligent, um alle Ausgänge zu versperren."
Der Schütze nickte, dann fiel sein Blick auf Achilles Begleiterin und er hob fragend eine Augenbraue. "Und wer ist das?"
"Ich hab sie vor ein paar ziemlich miesen Typen gerettet und dafür hat sie mir aus der Stadt geholfen." Achilles Grinsen wurde noch breiter.
"Du hast ja gar nicht gesagt, dass dein Freund hier ein Schütze ist." Sie blieb vor Chiron stehen und musterte ihn kurz. "Das ist sehr gut."
"Wovon sprichst du?" Chiron schaute von der Frau zu seinem Schüler.
"Sie will uns rekrutieren für was auch immer." Erklärte er und machte eine beiläufige Handbewegung. "Doch ich schlage vor, dass wir dieses Gespräch woanders weiter führen. Noch sind wir zu nah an der Stadt und die Soldaten könnten uns finden."

Zu dritt machten sie sich auf den Weg zum Versteck. Sie folgten einer der vielen Straßen, die von Trifas weg und tief hinein in die ländliche Gegend von Romania führte, welche von Wäldern und Feldern dominiert wurde. Sie machten nur einen kurzen Halt, um die Einkäufe von heute an dem vereinbarten Treffpunkt abzuholen. Am späten Nachmittag erreichten sie dann Achilles und Chirons Jagdrevier und Heimat. Immer tiefer hinein in den Wald führten sie die Katzendame, bis sie zu dem kleinen Bach kamen, an welchem sie immer trainierten. Würde man diesem Stromabwärts folgen, so käme man an jener Stelle heraus, in der er mit dem Fluss zusammenfließt, welcher Trifas teilt.
"Ihr lebt wirklich zurückgezogen. Wieso das?" Wollte die junge Frau wissen, während sie einen Zweig auf Augenhöhe beiseiteschob.
"Wir lebten in einer der größeren Städte an der Grenze zu Mazzedonien. Und obwohl Romania so groß ist, hat König Vald es sehr gut unter Kontrolle." Begann Chiron zu erklären. "Sagen wir so… Achilles und ich kamen mit seinen Regeln und Vorstellungen von Herrschaft nicht ganz zurecht und haben uns deshalb von der übrigen Bevölkerung abgewandt."
"Und wieso seid ihr nicht in ein anderes Land ausgewandert?" Fragte sie weiter und steig über einen knöchelhohen, umgefallenen Baumstamm.
"Romania ist dennoch unsere Heimat… irgendwie." Fuhr Achilles fort. "Nach Mazzedonia wollten wir nicht und nach Babylonia erst recht nicht. Die Gerüchte über dieses Reich sind schon abschreckend genug. Und Camelot? Niemals!"
Noch während er dies sagte, blieb er auf einer kleinen Lichtung stehen.
Ihre Behausung lag gut versteckt im Dickicht der Zweige und Büsche. Eine einfache Holzhütte, bedeckt mit Ranken und anderen Gewächsen verschmolz praktisch mit der Umgebung. Es waren die kleinen Dinge, die verrieten, dass hier jemand lebte. Das Holzfass mit Frischwasser oder Chirons selbstgebaute Zielscheibe. Doch das war noch nicht alles. Chiron ging zu einem Stein, nicht riesig, aber zu schwer, um ihn abzuheben und kniete sich hin. Dann tastete er im Gras ein wenig herum, bis er ein dickes Seil in den Händen hielt und es nach oben zog. Es war der Griff einer Falltür, die jetzt offen stand. Eine Treppe führte hinab in den unterirdischen Teil ihrer Behausung.
"Ich bin beeindruckt. Damit hätte ich nicht gerechnet."
"Früher haben Schmuggler das Versteck genutzt. Aber wir haben es ihnen sozusagen abgenommen." Achilles nickte bestätigend, als er an diese Auseinandersetzung zurück dachte.
"Gut. Wir sollten noch die Fallen überprüfen. Falls wir kein Glück haben, organisiere ich anderweitig unser Abendessen." Chiron wandte sich an den Gast. "Du bleibst doch, oder?"
"Wo sollte ich auch hingehen? Ich bin euch eine Erklärung schuldig und meine Herrin ist vermutlich weitergezogen. Wir trennten uns."

Als sie bei einer der Fallen, welche fast im kompletten Wald der einen Bachseite verteilt waren, ankamen, erwartete sie etwas, womit niemand gerechnet hätte. An einem der großen Bäume war eine Vorrichtung angebracht worden, um mit Hilfe eines Netzes Tiere mittlerer Größe zu fangen und dann an seinem kräftigen Ast hängen zu lassen.
"Das sieht aber nicht nach einem Abendessen aus." Achilles lachte kurz auf.
In dem Netz befand sich ein Mann in dunkelblauer und silberner Rüstung. Ein langer, roter Speer an seiner Seite. Er öffnete seine roten Augen und betrachtete die Neuankömmlinge.
"Jo! Ist das euer Netz hier?"
"Sieht wohl ganz danach aus." Chiron steuerte den Baumstamm an. "Ich lasse dich jetzt runter."
"Wieso hast du dich nicht deinem hübschen Speer befreit?" Achilles sah den Fremden herausfordernd an.
"Da ich ja eh nicht viel zu tun habe, dachte ich mir, dass ich einfach auf den Kerl warte, dem diese Fall gehört und verprügle ihn."
"Cu Chullian. Ich hätte wissen müssen, dass du wieder einmal in Schwierigkeiten steckst." "Ah, wenn das nicht die schöne Atalante ist." Der Lanzenträger grinste. "Was denn für Schwierigkeiten? Ich hab alles im Griff."
"Fast alles." Mit diesen Worten durchtrennte Chiron das Seil, welches die Vorrichtung zusammenhielt und Cu kam unsanft auf der Erde auf.
"Du heißt also Atalante, ja Süße?"
Sie stieß einen genervten Seufzer aus und funkelte Cu finster an.
"Ihr kennt euch also?" Chiron trat wieder zu ihnen und half Cu auf die Füße.
"Wir reisen miteinander." Antwortete Atalante. "Wo ist Diarmuid?"
"Der ist mit der Wächterin unterwegs." Antwortete Cu und klopfte sich den Dreck von Sachen und Rüstung. "Und wo hast du die beiden hier gefunden?"
"Ich bin ihnen zufällig in Trifas über den Weg gelaufen. Wir könnten sie gut gebrauchen, sie scheinen fähige Kämpfer zu sein."
"So ist das also." Cu hob seine Lanze wieder auf und befestigte sie in den Schlaufen auf seinem Rücken, die an dem Gürtel um seinen Oberkörper angebracht waren. "Und wie geht es nun weiter?"
"Die Süße hier schuldet uns noch ein paar Erklärungen. Bleibt doch beide zum Abendessen." Achilles verschränkte die Arme. "Und ich würde gerne mehr über diese Wächterin wissen, die ihr angesprochen habt."


Laut lachend schlug Cu die Faust auf den Tisch und versuchte mit der anderen den Inhalt seines Bechers nicht zu verschütten. Achilles ihm gegenüber nahm mit einem breiten Grinsen einen Schluck seines Getränks.
"Und du hast ihm einfach ins Gesicht geschlagen? Unfassbar!" Der Lanzenträger versuchte sich nun zu beruhigen und wischte eine Träne aus dem Augenwinkel. "Das hätte ich zu gern gesehen."
Atalante und Chiron tauschen einige vielsagende Blicke aus und seufzten dann synchron.
"So viel dazu." Achilles erheiterte Miene wich einer ernsten. "Ihr sagtet etwas von einer Wächterin. Wer ist das?"
"Wie, du kennst die große Wächterin nicht?" Cu hob fragend eine Augenbraue.
"Ich habe einmal etwas über eine große Friedenswächterin gehört." Meinte Chiron. "Aber ihr könnt unmöglich sie meinen."
"Tun wir aber." Gab Atalante zurück. "Wir beide reisen mit Jeanne d'Arc. Sie ist die heilige Jungfrau und Wächterin zwischen den großen Reichen. Sie hat damals dafür gesorgt, dass Camelot und Romania Frieden schlossen und die Waffen niederlegten."
"Unfassbar." Chiron beugte sich etwas vor. "Und was macht ihr nun hier draußen?"
"Wir sind auf der Suche nach Unterstützung." Fuhr Cu fort. "Lady Jeanne war dabei, als der alte König von Camelot gestürzt wurde und nun will sie den neuen König aufhalten."
"Aber… verstößt sie dann damit nicht gegen ihre eigenen Prinzipien als Friedenswächter?" Achilles verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich zurück
"Nicht, wenn sie dadurch ein viel schlimmeres Übel aufhalten kann." Atalante musterte ihn ernst und ihre Ohren zuckten kurz, sodass der junge Krieger kurz lächeln musste.
"Dann stimmen die Gerüchte, dass Camelot und Babylonien sich verbünden werden?" Zog Chiron die Aufmerksamkeit auf sich.
"Das ist richtig. Deshalb macht König Vlad Tepes auch mobil." Cu seufzte. "Und davon müssen wir ihn unbedingt abbringen. Es könnte Romanias Ende bedeuten."
Achilles suchte den Blick seines Lehrmeisters, ehe er sich wieder an ihre Gäste wandte. "Und wieso sollten wir euch dabei helfen?"
Die Bogenschützin zog die Augenbrauen zusammen. "Ich verstehe deine Frage nicht. Wollt ihr denn nicht eure Heimat beschützen?"
"Das hier" Achilles machte eine ausladende Handbewegung. "ist unter zu Hause. Uns ist es egal, wie es um den Rest dieses Landes steht. Wir dienten ihm bereits und haben nichts zum Dank erhalten. Man hat uns abgeschrieben und obendrauf auch noch verjagt." Chiron nickte. "Es braucht schon mehr Argumente, als die Vereinigung zweier Reiche und den Untergang eines dritten, um uns zu überzeugen."
"Was seid ihr denn für zwei?!" Cu schlug mit der Faust auf den Tisch. "Wie könnt ihr nur die Menschen im Stich lassen und so eigensinnig denken?"
"Beruhige dich." Atalante legte ihm eine Hand auf den Unterarm. "Ich kann die beiden sehr gut verstehen. Vielleicht sollte Jeanne selbst mit ihnen sprechen… Wenn sie das denn überhaupt wollen." Bei ihren letzten Worten blickte sie Achilles direkt in die Augen.
Er erwiderte diesen lange, dann nickte er. "Ich würde gern diese heilige Jungfrau treffen und du hast noch was Gut bei mir, Süße. Wann brechen wir auf?"



Als die Nacht langsam dem Tag wich, verließen die vier die kleine Waldlichtung und folgten dem kleinen Bach Stromaufwärts. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch färbte sich der Himmel von einem tristen grau in ein sanftes violett. Das Gras war noch nass vom Tau und die Luft schwer. Chiron und Achilles hatten einige Fallen angebracht, bevor sie aufgebrochen waren, damit ihre Behausung noch intakt sein würde, wenn sie zurückkehrten. Dennoch trugen sie Taschen über den Schultern, da es ungewiss wie lange die Reise dauern würde. Es war eine Sache nach Trifas zu reisen, aber eine andere eine wandernde Frau zu finden, die irgendwo über die Dörfer reiste. Auch wussten sie nicht, ob Soldaten bereits im Umland mit der Rekrutierung begonnen hatten.
Ihr Tempo war alles anderes als langsam. Mit schnellen schritt legten sie eine große Strecke zurück, bis sie das erste Mal Halt machten. Die Sonne war schon längst aufgegangen, aber noch stand sie nicht am höchsten Punkt, als sie ein kleines Dorf erreichten. Es herrschte wenig Treiben, da der Großteil der Bewohner auf den umliegenden Feldern arbeitete. Dennoch wurden ihnen skeptische Blicke zugeworfen. Doch Atalante und Cu schien dies nichts auszumachen. Die beiden gingen zielgerichtet voran und überließen Achilles und Chiron sich selbst. Der junge Krieger musterte einzelne Dörfler.
"Entweder alte oder Frauen. Sie scheinen die Männer schon mitgenommen zu haben."
Chiron nickte. "Aber die Soldaten sind vermutlich in der Nähe. Wir sollten wachsam sein."
So schnell sie das Dorf betreten hatten, verließen sie es auch schon wieder. Offensichtlich war Jeanne d'Arc weitergezogen, aber nun hatten die vier eine Richtung, in die gegangen war. Auch schien die Wächterin nur einen halben Tag Vorsprung zu haben.

"Dir ist doch sicher bewusst, in welche Richtung wir gehen." Chiron reichte seinem Schüler die Feldfalsche.
"Mir ist es nicht entgangen." Er setzte an und nahm einen großen Schluck.
Sie hatten beschlossen noch eine Pause einzulegen, um die Wasservorräte aufzufüllen.
"Wenn wir weiter mit ihnen gehen, dann sind wir so weit von zu Hause weg, wie wir es noch nie waren. Und dass wir der Grenze zu Mazzedonien immer näher kommen, ist beunruhigend."
Chiron bestätige Achilles Ansichten durch ein Nicken, dann richtete er sich wieder zu seiner vollen Größe auf. "Ich glaube, dass uns mehr und mehr die Freiheit zu wählen verloren geht, je näher wir der Wächterin kommen."
"Dennoch würde ich sie gern treffen. Schließlich bekommt man nicht immer die Gelegenheit solch eine Persönlichkeit kennenzulernen. Wer weiß, vielleicht lohnt sich die Sache ja doch."
"Was meinst du, Achilles?"
Dieser gab ihm die Feldflasche zurück und beobachtete dann Atalante und Cu, welche außer hörbarer Reichweite der beiden rasteten. "Mich würde interessieren wieso ein Friedenswächter so erpicht darauf zu sein scheint, einen König seiner Position zu entheben."
"Das ist allerdings merkwürdig." Chiron nickte. "Dennoch sollten wir die beiden so langsam zur Rede stellen. Nachher werden wir noch unfreiwillig mit in diese ganze Sache gezogen."
"Ich glaube, dass wurden wir längst, mein Freund." Achilles seufzte, erhob sich und schulterte seinen Speer. "Dann wollen wir mal… Hey, ihr zwei!"
Sowohl die Schützin, als auch der Lanzenträger schauen auf, als Achilles sich ihnen näherte. "Wir haben mittlerweile herausgefunden, dass ihr uns nur hinhaltet. Und sobald wir eure Wächterin gefunden haben, gibt es für Chiron und mich kein Zurück mehr."
"Und ich dachte, ihr würdet länger brauchen, ehe ihr unsere Absichten bemerkt." Cu schüttelte den Kopf. "Aber es stimmt. Sobald wir euch Jeanne vorgestellt haben, gehört ihr dazu. So hat sie es mit Atalante und mir auch gemacht."
"Dann zwingt die Wächterin euch ihr zu folgen?"
"Natürlich nicht." Erwiderte Atalante und ihr Schweif zuckte unruhig hin und her. "Sie kam in einem überraschenden Moment und ließ einem nicht viel Zeit zum Nachdenken. Doch ich folge ihr gern."
"Aber ich dachte, dass wir uns klar und deutlich ausgedrückt hätten, dass das Leben anderer uns nicht mehr wichtig ist." Achilles schnaubte.
"Du willst es wohl wirklich drauf ankommen lassen." Cu nahm Kampfhaltung an.
"Solche Drohungen lassen mich kalt. Vor allem, wenn sie von jemanden kommen, der dumm genug ist blindlinks in eine Kaninchenfalle zu laufen." Ein Grinsen erschien auf Achilles Lippen.
"Lasst den Unsinn, alle beide." Chiron stellte sich zwischen die beiden und hob die Hände. "Das führt zu nichts."
"Ihr habt eh keine Wahl mehr." Atalante schulterte ihren Bogen wieder, welchen sie vorsichtshalber in die Hand genommen hatte, um Cu zu unterstützen. "Die Wächterin ist ganz in der Nähe und der Weg zurück ist weiter als jener, der vor euch liegt."
"Es ist falsch von dir zu bestimmen, was Achilles und ich als weit empfinden." Chiron fasste sie ins Auge. "Das hier ist nicht unsere Sache."
"Aber es wird sie, wenn die Armee von Camelot und Babylonien sich verbünden und Romania überrennen werden." Erwiderte sie mit bedrohlicher Stimme.
"Uns ist es egal, ob wir gegen die Soldaten von König Vlad kämpfen oder gegen jene von anderen Herrschern." Achilles legte seine Lanze über die linke Schulter und trat einen Schritt zurück. "Wir verschwenden nur unsere Zeit."
"Ihr wollt schon gehen?"
Der junge Krieger wandte sich um, als er die fremde, weibliche Stimme vernahm. Einige Meter weg von ihnen stand eine junge Frau in Begleitung eines hochgewachsenen Mannes. Sie war kleiner wie Atalante, hatte lange blonde Haare und lilafarbene Augen. Sie trug ein Kleid, welches mit diversen Rüstungsteilen versehen war. In ihrer Hand ruhte eine Fahne. Der Mann hinter ihr war mit einer grünen Rüstung gepanzert, die vermutlich sehr leicht war und Ähnlichkeiten mit der von Cu hatte. Bewaffnet war er mit zwei Speeren, mit der Besonderheit, dass er eine kürzer war.
"Dann musst du die Wächterin sein." Achilles legte den Kopf leicht schräg. "Ihr habt uns ganz schön rumgescheucht. Und ja, wir wollen gerade gehen."
"Achilles, nun warte doch." Chiron legte ihm eine Hand auf die Schulter. Sein Blick war ernst. "Wir sollten uns zumindest anhören, was sie zu sagen hat."
Der Mann hinter der Wächterin hob eine Augenbraue und schaute zu Cu. "Wo habt ihr denn die beiden ausgelesen."
"Atalante hat sie in Trifas getroffen. Sie haben sich mit den Soldaten von König Vlad angelegt." Kam die Antwort seines Kameraden. "Sie sind zwar eine angenehme Gesellschaft, aber von ihren Fähigkeiten habe ich noch nichts gesehen."
"Leider wurde mir die Gelegenheit gerade genommen." Knurrte Achilles und verschränkte die Arme, nachdem er seine Waffen zurück in die Halterung auf seinem Rücken gesteckt hatte.
"Wenn Atalante euch eingeweiht hat, dann müsst ihr sehr begabte und starke Kämpfer sein." Begann die Wächterin. "Mein Name ist Jeanne d'Arc und ich bin die Wächterin der großen Reiche. Auch bemühe ich mich darum den Frieden zu bewahren. Mein Begleiter hier ist Diarmuid Ua Duibhne. Zu viert reisen wir durch die Lande und suchen nach weiteren Mitstreitern."
"Und wogegen kämpft ihr?" Chiron musterte sie aufmerksam.
"Zunächst einmal kämpfen wir nicht, wir versuchen einen Krieg zu verhindern." Erklärte Jeanne. "Wir sind auf dem Weg nach Mazzedonien, um König Alexander um Unterstützung zu bitten."
"Dann stimmen die Gerüchte über den Zusammenschluss von Camelot und Babylonia."
"Bedauerlicherweise ja." Die Wächterin senkte den Kopf. "Und König Vlad fühlt sich deshalb bedroht. Wenn er in den Krieg zieht, dann gibt es keine Zukunft für Romania. Daher hoffe ich, dass wir die Spannungen mithilfe von König Alexander mildern können."
Achilles betrachtete die Gruppe und schüttelte leicht den Kopf. "Also echt… Dafür der ganze Aufwand uns hier her zu bringen?"
"Begleitet ihr uns nun?" Atalante hob eine Augenbraue.
Der junge Krieger fing den Blick seines Lehrmeisters auf. "Jedoch nur, wenn für uns etwas herausspringt."
"Dem stimme ich zu." Chiron nickte. "Wir begleiten euch und unterwegs handeln wir die Bedingungen aus."


*****


Mordred erhob sich von ihrem Bett und schritt auf den Balkon. Ihre Fingerspitzen berührten den kalten Stein, sowie ihre nackten Füße es taten und das fahle Mondlicht ließ ihre Haut noch blasser erscheinen. Ihr blondes Haar wog leicht im Wind, als sie über die Dächer Camelots schaute. Das alles gehörte ihr, seit drei Jahren nun war sie der König.
"Was hast du?"
Die Stimme riss sie aus ihren Gedanken und sie wandte sich zurück zur Tür, welche in ihr Schlafgemach führte. "Nichts. Es ist nur… ich hab selten solch eine Nacht genießen können."
"Das liegt daran, dass du niemals genießen willst." Er war zu ihr gekommen, schlang seine Arme um ihre Mitte und schmiegte seinen Körper gegen ihren. "Du bist König, stark und stolz. Dein Volk liebt und fürchtet dich, was willst du also mehr?"
"Das weiß ich nicht." Ihre Stimme war leise, doch hatte er sie verstanden und ein leichtes Grinsen legte sich auf seine Lippen.
"Dann lass mich dich führen, junger König. An meiner Seite wirst du schon noch erfahren, was es heißt alles zu genießen." Seine Hand wanderte ihre Seite entlang und blieb auf ihrem Oberschenkel liegen. "Und nun… komm zurück ins Bett und leiste mir noch etwas Gesellschaft, König Mordred." Damit ließ er von ihr ab und ließ sich zurück in das große Himmelbett sinken.
Mordred selbst verweilte noch eine kleine Weile und ließ ihren Blick erneut über ihr Camelot schweifen, ehe sie sich abwandte und zurück in ihr Gemach ging.
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