Vom Orden der Seven Deadly Sins

GeschichteAllgemein / P12
03.01.2019
16.06.2019
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2. Zukunftspläne und Versprechen


Die einzelnen Stimmen der Menschen vermischten sich zu einem einheitlichen Geräusch, wie Wellen, die in regelmäßigen Abständen an den Strand flossen. Genau so hörte sich seine Umgebung für Ban an. Er achtete kaum noch darauf, was um ihn herum geschah, alles um ihn herum wirkte plötzlich so weit weg. Ob das an der Erschöpfung lag- diese Pflichten als Ritter waren anstrengender, als er gedacht hatte- oder am Alkohol, der sich langsam auf den Weg machte, um seine Sinne zu übernehmen, da war er sich nicht ganz sicher.

Der Klang von Metall auf Holz direkt vor ihm holte Ban wieder in die Gegenwart zurück. Ein stämmiger Kellner mit braunen Haaren und Bart stellte vier Krüge vor die Personen, die an diesem Tisch saßen, und stapelte die anderen wieder auf sein Tablett. Meliodas sah sich um, bevor er sich dem Kellner zuwandte. „Ganz schön voll, wie?“ Er zog seinen Krug näher an sich heran.

Der Kellner nickte und grummelte etwas, das Ban nicht verstand, bevor er mit seinem Tablett wieder abzog.

Meliodas trank einen Schluck, dann ließ er den Blick weiter über die anderen Gäste wandern, als würde er etwas suchen. „Es ist bestimmt auch in vielerlei Hinsicht nützlich, ein Wirtshaus zu führen“, murmelte er.

„Wie jetzt?“ Ban sah seinen besten Freund mit leicht geweiteten Augen an. „Du willst ein Wirtshaus aufmachen?“

„Nein.“ Meliodas hob seinen Krug, ohne auch tatsächlich davon zu trinken. „Ich meinte nur, dass es ganz nützlich wäre, wenn man womöglich Geld oder Informationen braucht.“

„Wenn man kein Geld hat, kann man kein Wirthaus eröffnen, glaube ich“, murmelte King in sein Getränk hinein. Keiner der anderen beachtete ihn.

Ban tippte mit einem Zeigefinger auf den Tisch. „Als heiliger Ritter bekommt man doch genug von beidem?“ Er legte den Kopf schief. Meliodas stellte seinen Krug wieder ab. „Was willst du denn einmal nach den Seven Deadly Sins tun, untoter Ban?“, fragte er, ohne auf das einzugehen, was Ban gesagt hatte. „Oder willst du Zeit deines Lebens Ritter bleiben?“

Ban drehte den Kopf zur Seite. „Hat doch noch Zeit, sich das zu überlegen“, murmelte er unwillig.

„Es bringt bestimmt kein Glück, darüber zu reden, was nach den Seven Deadly Sins passiert“, schaltete sich Escanor ein, obwohl er nur mit einem Ohr zuzuhören schien. Ban drehte den Kopf zur Seite. „So würde ich das zwar nicht formulieren, aber aufhören, darüber zu reden, könnten wir schon. Sind doch zur Entspannung hier, oder?“ Er trank einige Schlücke und schwenkte seinen Krug herum, sodass die Flüssigkeit im Inneren einen Kreisel erzeugte.

„Das werdet ihr nie wieder von mir hören, aber irgendwie hat er recht damit“, meinte King gerade laut genug, dass seine Stimme nicht von der Geräuschkulisse verschluckt wurde. „Ich glaube zwar auch nicht, dass es Unglück bringt oder so, aber mir gefällt der Gedanke nicht ganz.“

„Für immer das gleiche zu tun, ist doch mit der Zeit langweilig, oder?“, fragte Meliodas, als hätte er seinen Kameraden überhaupt nicht zugehört. Auch sein Blick und seine Stimme hatten sich plötzlich verändert, als wäre er nicht mehr in diesem Wirtshaus, sondern an einem anderen Ort, weit, weit weg. „Einige von uns werden wohl gezwungenermaßen die Seven Deadly Sins überdauern.“

Ban schob seinen Krug über den Tisch, bis er fast mit dem von King zusammenstieß. King zog seinen eigenen näher zu sich. „Was soll das, Anführer?“, fragte Ban. „Wollten wir hier nicht eigentlich nur etwas trinken?“

Einige Augenblicke lang erhielt er keine Reaktion. Meliodas starrte weiterhin ins Leere, als würde er überlegen. Dann, von einem Moment auf den anderen, schien etwas in ihm umzuspringen, das Funkeln kehrte in seine Augen zurück und er grinste. „Stimmt.“ Er lehnte sich über den Tisch. „Wenn ich einmal ein Wirtshaus aufmachen sollte, kochst du dann für mich?“

Ban lachte und schnippte gegen eine von Meliodas’ Haarsträhnen. „Wenn das je passiert.“

„Das vergesse ich nicht, Ban“, meinte Meliodas immer noch grinsend, er schien ziemlich zufrieden mit dieser Errungenschaft.

King schob seinen halb leeren Krug von sich, verschränkte die Arme auf dem Tisch und legte den Kopf darauf. „Wieso denkst du überhaupt über so etwas nach, Anführer?“, murmelte er. Escanor warf seinem Kameraden einen langen Blick zu, dann sah er Meliodas an. „King hat recht“, meinte er. „W-wenn sich die Seven Deadly Sins wirklich auflösen… was wird dann…“ Er sprach nicht weiter, schaffte es nicht einmal ganz, den Gedanken zu Ende zu führen. Wenn das wirklich passieren würde, würde er seine Freunde dann nie wieder sehen? Würde er Merlin nie wieder sehen?

„Oh Mann, das nimmt aber eine komische Wendung.“ Meliodas verschränkte die Arme hinter dem Kopf und hob den Blick an die Decke. „Ich habe doch nur gefragt, ob sich Ban irgendwann einen anderen Job suchen will, oder sein ganzes Leben lang heiliger Ritter bleibt.“ Er blinzelte. „Er wird wahrscheinlich älter als wir, also wird er es wahrscheinlich miterleben, wie sich die Seven Deadly Sins zwangsläufig auflösen.“ Meliodas löste die Arme wieder und sah in die Runde. „Aber das wird noch lange genug dauern, also keine Sorge.“ Er lächelte fröhlich.

„Moment, Anführer.“ Ban stützte die Unterarme auf den Tisch. „Das stimmt so nicht ganz. Du hast damit angefangen, dass du ein Wirtshaus aufmachen willst.“

„Habe ich nicht“, widersprach Meliodas neutral. „Ich habe gesagt, dass es ganz nützlich ist. Mehr nicht.“

„Und du hast Ban als Koch angeheuert“, erinnerte King, ohne auch nur aufzusehen. Ban nickte. „Das hat sich angehört, als würdest du irgendwann darauf zurückkommen.“

„Man weiß ja nie.“ Meliodas lächelte und klopfte gegen Bans Stirn. Dann ließ er die Hand wieder sinken, sein Blick wurde plötzlich ernst. „Ban, King, Escanor.“

Ban und Escanor sahen auf, King reagierte nicht.

Meliodas stand auf. Eine Weile lang blieb es still, er schien nachzudenken. Dann, als hätte er es sich anders überlegt, begann er wieder zu lächeln. „Macht euch keine Sorgen darüber. Die Seven Deadly Sins wird es noch sehr, sehr lange geben. Das verspreche ich euch.“

„Aus dir soll einer schlau werden, Anführer“, meinte Ban, doch sein relativ sorgloser Tonfall ließ entweder darauf schließen, dass es ihm sowieso egal war, was mit den Seven Deadly Sins passieren würde, oder dass er Meliodas einfach vertraute. Oder auch, dass er schon genug Alkohol intus hatte, um sich nicht weiter darüber Gedanken zu machen.

In Escanors Gesicht stand die gleiche Botschaft, jedoch mit eher einem Hauch von Unsicherheit. Er sprach es nicht laut aus, doch sein Blick sprach Bände. „W…wenn du das sagst, Anführer, dann… wird es wohl stimmen.“ Er sah kurz zu King und Ban hinüber, was jedoch keiner der beiden zu bemerken schien.

Anders als Meliodas. Der Blonde stützte die Hände auf den Tisch und seufzte. „Kein Grund, jetzt deprimiert zu sein, ja?“ Er lächelte. „Damit sollte ich zwar vielleicht warten, bis wir alle zusammen sind, aber vielleicht heitert das ja die Stimmung wieder auf und die anderen werden es schließlich auch noch früh genug erfahren. Zaratras hat uns morgen auf der Gründungsfeier zu sich eingeladen. Ich weiß zwar nicht, was er will, aber einen Tag einfach nur feiern, ohne Arbeit, klingt doch nicht so schlecht, oder?“




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Hallo!
Dieses relativ kurze Kapitel ist jetzt die Antwort auf die Frage, ob die Geschichten zeitlich geordnet sind. XD Ich habe Gott weiß keine Ahnung, wie weit das canon gehalten wurde, habe mir auf jeden Fall Mühe gegeben. Ich hoffe, es hat euch gefallen. XD
Wenn ich schon dabei bin, danke für die ganzen Favoriteneinträge, Review und Empfehlung. ^^ ist wirklich toll von euch.
~Silver
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