Und ich war wieder da

GeschichteHumor, Romanze / P12
Christian "Föhre" Foerer Jochen "Zegga" Gargitter Jonas Notdurfter OC (Own Character) Philipp Burger
02.01.2019
10.01.2019
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Und ich war wieder da ♥
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6 Jahre sind vergangen.

6 Jahre in denen ich mein Leben neu geordnet habe.

6 Jahre in denen ich Beziehungen führte, mit anständigen Typen, die mich belustigten, die mich befriedigten, die mir den Nerv raubten und mit denen es nicht geklappt hat.

6 Jahre in denen ich versucht habe erwachsen zu werden.

6Jahre, in denen ich zuschaute, wie meine ehemaligen Klassenkameradinnen Kinder bekamen, Häuser bauten und Hochzeiten feierten, während ich weiterhin meine kleine Wohnung sauber hielt, mich um einen Hamster kümmerte und Corsa  gegen Kombi tauschte.

6 Jahre in denen ich täglich meinem langweiligen Bürojob nachging, weiterhin Dagmars Gegiggel ertragen musste und vor allem,
6 Jahre, in denen ich nichts von Philipp gesehen oder gehört hatte.

Ob er mir fehlt? Ja.
Jeden einzelnen Tag.
Mal mehr, mal weniger.
Ob ich beim Sex, mit irgendwelchen Typen an ihn dachte? Immer!
Ob ich sein Facebookprofil gestalked habe? Ja. Am Anfang.
Bis ich es nicht mehr ertragen konnte und meinen Account löschen musste.

Philipp. Der Mann. Das Mysterium.
Derjenige, der mir anhand von Musik Herzstiche versetzt. Derjenige, der mein Herz hüpfen lässt, wenn ich an unsere Zeit denke. Und derjenige, der mich zum verliebten Grinsen bringt, wenn ich zurückblicke. Und derjenige, der die letzte Zeit wohl auch sehr gut ohne mich klarkam. Nicht vor meiner Tür stand, sich keine Sorgen macht und sein Leben ohne mich lebt. Ich bemühe mich alles hinter mir zu lassen. Ich versuche das mädchenhafte Verliebtsein abzustellen und gottverdammt noch mal erwachsen zu werden.

Das wildeste was ich in der letzten Zeit getan habe? Im Club gefeiert und dann an der nächsten Bushaltestelle gekotzt. Ja, was vor langer Zeit nicht mal mehr Erwähnung finden würde, ist jetzt zu meinem „wilden“ Highlight geworden und wohl meine persönliche Entwicklung.  
Tagein, Tagaus läuft recht ähnlich ab. Ich funktioniere, aber ohne den Spaß zu haben, den ich mir wünsche. Ich habe mich vernachlässigt und fühle mich schlecht. Meine Augenringe kaschiere ich schon lange nicht mehr und der nervenaufreibende Schlafmangel ist Programm. Alleine im Bett zu liegen lässt mich unruhig werden. Ich tu mir beim Einschlafen sehr schwer, träume schlecht und wache zu oft auf. Mit gesundem Essen sollte ich es mal probieren, sagt Doktor Google. Aber selbst das kostet sehr viel Kraft, wo ich dann doch aus Vereinfachungsgründen lieber zur Fertigpampe greife.

„Machst du heute wieder länger Ronja?“, Dagmar knüllt die leere Bäckertüte zusammen und holt mich somit aus meinem Tagtraum.
„Klar. Heute habe ich sowieso nichts mehr vor, da kann ich ruhig ein paar Plusstunden aufbauen.“
„Noch mehr? Du hast doch schon ordentlich gesammelt…“
„Ja, aber 60 Stunden sind nicht mal 7 Gleittage…“ Dagmar rollt mit den Augen und verabschiedet sich mit einem süffisant giggelenden ‚ciao-kakao‘. Ich schnapp mir den Stapel Papier auf meinem Schreibtisch und hefte das in die dazugehörigen Ordner.
Der Himmel zieht sich zu. Es schnieselt und es wird ungemütlich. Dieser Schneeregen der vom Himmel fällt, ist alles, nur nicht romantisch. Es schreit förmlich nach Couch und heißem Kakao mit Baileys bei diesem Herbstwetter. Apropos Baileys, da müsste ich doch noch eine Flasche in der Teeküche stehen. Wenn ich mir nur einen kleinen Schluck abzwacke, wird’s wohl keiner merken…

Was vermeintlich in der Baileys-Flasche war, und ich mir zum Probieren in den Kaffee gekippt habe, war alles nur kein cremiger Likör. Es schmeckt, als würde ich Flugzeugdiesel trinken müssen und ich warte vergebens auf das wohlig warme Gefühl, dass ich mir erhofft habe. Der Diesel-Schnapps hat mich anstatt munter eher müde gemacht und so lass ich meine Ablage, Ablage sein. Schnapp mir meine Jacke und Schlüssel und ziehe die Tür, wie so oft in letzter Zeit, als letzte hinter mir zu.

Ich setz mich hinters Steuer und fahre ohne Nachzudenken durch die dunklen, nassen Straßen. Den Weg, den ich jeden Feierabend lang fahre. Die Strecke, die mein Auto schon von alleine kennt und ich hierfür dankbar bin, bis auf einmal dieser Vollidiot sich vor mich reingedrängelt. „Bänker“, denk ich mir, als ich fluchend auf die rot leuchtendenden Rücklichter eines völlig rieseigen, überteuerten SUV-Audi starre.

SUVs sind auch die Sorte Auto, die die falsche Menschengruppe ansprechen. Wer braucht denn schon in einer Weltstadt so ein Auto, wo die Parkplätze sowieso rar sind und überall Straßenbahnen fahren. Tja, wäre ich nicht so bequem, hätte ich auch schon längst mein Auto gegen ein Rad getauscht. Vor hatte ich es schon immer. Komplett in meinen mürrischen Gedanken versunken, merke ich zu spät, wie dieser SUV-Koloss in die Eisen geht und ich keine Chance habe, überhaupt zu reagieren und dann mit meiner Front in dem Kofferraum hänge. Scheiße! Schock!

Zitternd drücke ich auf das rote Dreieck um den Warnblinker zu aktivieren und muss fasst kotzen, vor lauter Nervosität. Lass bitte keinen Mafiaboss aussteigen. Und kein Clanmitglied. Und bitte nicht…
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