Auch Marionetten können fühlen und daran zugrunde gehen

von Black Owl
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Astoria Greengrass Draco Malfoy
02.01.2019
18.03.2019
30
64619
50
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Man merkt  welche Geschichte ich momentan favorisiere ^^






Das nächste was sie wahrnahm waren weiche Kissen und ein bekannter vertrauter Duft, der ihr aber erst seit kurze vertraut war. Sie blinzelte erschöpft und starte die Dachschräge an, als ihr plötzlich klar wurde, wo sie sich eigentlich befand. Matthews Wohnung. Sie konnte sich daran erinnern, dass sie geweint hatte. Einfach hilflos und wie ein Häufchen Elend im Wohnraum gesessen war und nicht mehr aufhören konnte zu weinen. Sie sprang regelrecht vom Bett auf. Sie hatte immer noch die Sachen an, die sie gestern angezogen hatte. Wie spät war es? Wie lange war sie hier gewesen und vor allem wie war sie in das Bett gekommen? Sie tapste leise zur Tür und öffnete diese, nur um auf dem Sofa zusammengelegtes Bettzeug zu sehen. Hatte Matt hier geschlafen? Auf seinem Sofa, während Astoria sein Bett besetzt hatte?

Sie sah auf, als eine bekannte Stimme sagte.
„Du bist endlich wach.“
Matt. Sie wurde rot und strich sich ihre wirren Haare nach hinten.
„Ich … wie bin ich …“, stotterte sie und er lächelte schwach.
„Du hast dich praktisch in den Schlaf geheult. Ich habe dich rübergetragen und habe, wie ein Gentleman, auf dem Sofa geschlafen.“
„Danke.“, sagte sie und blickte ihn wieder an. „Und es tut mir leid. Ich …“
„Unsinn.“, wehrte er ab. „Ich glaube, das war einmal richtig nötig für dich.“
Ja vielleicht.
„Ich sollte mich anziehen und langsam Nachhause.“
Matt trat hinter sie und schob sie Richtung Tisch.
„Nein. Du wirst jetzt in Ruhe Frühstücken. So viel Zeit muss sein.“ Sie setzte sich zögerlich. Ihr war die ganze Sache nur noch peinlich und unangenehm. Sie sagte nichts, während Matt ihr Kaffee einschenkte. „Tori.“, sprach er sie an und sie sah zögerlich auf.

„Hör auf dir den Kopf zu zerbrechen.“ Aber das tat sie. „Wir sind Freunde, oder nicht?“ Waren sie das? Sie schluckte und nickte schwer. „Ich werde es keinem erzählen und egal was du brauchst. Ob zum Ausweinen oder nur zu reden, du kannst jederzeit zu mir kommen.“ Sie sah ihn wieder an. Was wussten sie schon voneinander? Gar nichts. Und trotzdem bot er ihre Hilfe an. „Ja?“, hakte er nach und sie nickte erneut. Er reichte ihr ein Brötchen und sie nahm es zögerlich. Sie schnitt es auf und bestrich es nach langem hin und her mit Marmelade. Sie biss gerade hinein, als Matt grinsend meinte. „Das mit der Kampagne ist ein guter Schritt von dir. Weißt du das eigentlich?“
Das hoffte sie zumindest.

„Und ich sage dir noch etwas. Ich habe eine Idee, was ich hernehmen möchte für die Parfüm Werbung.“
Sie runzelte die Stirn.
„Und was wäre das für eine Idee?“
„Das Foto von gestern.“
Sie verstand gar nichts mehr.
„Bei… bei den Ballettübungen?“
Er schüttelte den Kopf.
„Nein. Das Foto hier in der Wohnung.“
Sie dachte nach und ihre Brauen wanderten weit nach oben.
„Du… Das ist doch nicht dein Ernst?“
„Doch ist es.“, antwortete er. „Nun ja, wenn du zustimmst natürlich. Ich werde nichts ohne dein Einverständnis weitergeben und natürlich muss es den Leuten gefallen, die die Kampagne geplant haben. Aber da habe ich weniger Bedenken.“
„Ich will es sehen.“, sagte sie und Matt stutzte.
„Jetzt?“
„Ja, jetzt. Ich will es sehen.“
Sie wollte wissen, warum er ausgerechnet so ein Foto benutzen wollte. Ein Foto mit wirren Haaren, mit nichts weiter an als dieses dumme Hemd und darunter ihre Sportsachen. Mit keinem Make-up.

Sie zog sich um. Ihre Kleidung war immer noch im Bad. Bevor sie mit Matt nach unten ging. Doch nicht in die Galerie, sondern ein Stockwerk tiefer in den Keller. Seinen Entwicklungsraum, wie er es nannte. Es roch nach Chemikalien und es war eisig und dunkel darin. Doch er führte sie weiter in einem Fensterlosen Raum. An einen großen Tisch und machte dort Licht. Astoria trat zögerlich an die Platte heran und ihr klappte der Mund auf, als sie das Bild sah. Sie wollte fragen, ob sie das wirklich war. Ob die Menschen sie so sahen, aber sie konnte nicht. Sie war fasziniert davon. Beinahe hypnotisiert. Sie wusste nicht, wie er es geschafft hatte, aber das war unmöglich sie.

Es war das Foto, bei dem sie auf dem Boden gesessen war. Mit einem angezogenen Bein, dass sie umklammerte. Ihre Wangen wirkten sanft gerötet. So wie ihre Lippen, die regelrecht hervorstachen, während ihre Haare glänzend ihr über die Schultern fielen und ihr Gesicht sanft umrundeten. Sie hob den Kopf mit diesem unbeschreiblichen Lächeln auf den Lippen und ihre Augen schienen regelrecht aus dem Bild zu stechen. Man sah nichts von dem Sofa oder den Boden. Sie saß einfach dort in der Leere. Nichts lenkte ab.
„Das ist …“, schluckte sie schwer und Matt beugte sich zu dem Bild.
„Es ist sinnlich. Jeder, der dich so sieht würde sich wünschen, du würdest sein sein. Deine Augen… Astoria, du hast die unglaublichsten Augen, die ich je gesehen habe und ich habe schon viel gesehen von der Welt.“

Sie konnte den Blick nicht abwenden von dem Bild. Von immer der gleichen Bewegung. Dem Aufsehen und diesem Lächeln auf den Lippen.
„Bin ich das wirklich?“
Matt gluckste leicht.
„Ja, das bist du.“ Sie wusste dass sie nicht schlecht aussah. Aber … aber so? „Ich meine, dass Bild ist einfach und außer ein wenig Haut von deinen Beinen sieht man nicht viel. Ich würde es gerne Mrs. Moreau zeigen und fragen, ob es für sie passt. Wenn das für dich in Ordnung ist, Astoria.“
Sie sah ihn an und dann wieder auf das Foto, dass sie zeigte. Es war … ein schönes Bild. Sie hatte das Gefühl, Matt hätte dabei einen Teil von ihr selbst eingefangen. Einen Blick in ihr innerstes.
„Ja.“, hauchte sie und Matts Augen funkelten leicht.
„Ja, wir nehmen es her?“
Sie nickte.






Draco war unschlüssig was er tun sollte. Vielleicht war das auch der Grund warum er nicht handelte. Seit Wochen nichts tat. Seine Mutter sprach mit ihm nicht mehr. Sie hatte die letzten Abendessen abgesagt, mit der Begründung ihr ging es nicht gut. Draco hatte befürchtet, dass sie mit Lucius reden würde, doch offenbar hatte dieser keine Ahnung. Er hatte heute mit Draco gesprochen. Nicht über Narzissa. Nicht über Dracos Affäre. Nein, er wollte wissen, ob es Astoria besser ginge, weil Narzissa danach gefragt hatte. Draco hatte unschlüssig genickt. Ihm erzählt, dass Astoria beschäftigt war mit Proben und anderen Verpflichtungen. Wenn er ehrlich war, sah er sie kaum noch. Wenn er in die Arbeit ging, war sie meistens schon weg und wenn er kam, war sie meistens schon im Bett. Seinen Vater hatte das wenig beruhigt. Seine Mutter hatte offenbar Astoria noch nicht selbst erreicht und er fragte sich, ob seine Ehefrau ihr aus dem Weg ginge. Es würde Astoria zumindest ähnlich sehen.

Vor einigen Wochen war Astoria nicht Nachhause gekommen und Draco hatte sich Sorgen gemacht. Ihm war klar geworden, dass er nicht einmal wusste, bei wem er nachfragen konnte, wo sie steckte. Er kannte Astorias Freunde nur flüchtig. Hatte sie außer ihrer Schwester und ihren Arbeitskollegen überhaupt Freunde? Er wusste es nicht. Aber er hatte bei Daphne nicht nachgefragt, wo ihre Schwester war. Diese wäre vermutlich nur am nächsten Tag auf der Matte gestanden um herauszubekommen was bei Astoria und ihm los war und darauf konnte er verzichten. Er hatte genug damit zu tun, seine nächsten Schritte zu überlegen. Außerdem saß ihm Bella im Nacken. Sie wollte sich treffen, doch Draco wollte nicht. Er hatte genug davon. Er hatte keine Lust das noch mehr Leute von dieser Affäre erfuhren. Am allerwenigsten die Presse und dann war da immer noch Astoria.

Astoria die in letzter Zeit gut darin war ihm aus dem Weg zu gehen, besonders weil keine gemeinsamen Treffen mit seinen Eltern anstanden. Aber er wusste auch, dass die Sache nicht erledigt war. Nicht für sie und das dies immer noch ein Problem darstellte. Auch etwas was er nicht wusste zu lösen. Sein Leben wurde kompliziert und er hasste es, wenn es kompliziert wurde. Das Schlimme war, dass er niemanden anderen die Schuld an diesem Desaster geben konnte. Er hatte sich selbst in dieses Problem hineinmanövriert. Er war ein Idiot. Hatten die Affären von seinem Vater nicht deutlich gezeigt, dass so was immer rauskam und dass dabei Leute verletzt wurden.

In dem Fall Astoria und sogar seine Mutter. Wie Narzissa ihn angesehen hatte. Voller Enttäuschung und Abneigung. Hatte sie nicht genug gelitten? Und hatte er nicht oft genug mitbekommen, wie seine Mutter unter den Eskapaden seines Vaters gelitten hatte? Und was machte er? Behandelte seine Frau genauso. Wunderbar. Er war genauso ein Arschloch, wie Lucius es war. Vielleicht sollte er wirklich mit Astoria reden. Ernsthaft mit ihr darüber reden. Über alles. Und sich vor allem Entschuldigen. Denn sie hatte recht. Er hatte sie in diesen Käfig gelockt mit falschen Tatsachen… Irgendwie.

Er betrat leise sein Zuhause und sah sich um. Es war still. Nun bei der Uhrzeit wahrlich kein Wunder. Er ging leise die Treppe nach oben und als er sah, dass bei Astoria die Tür noch ein Stück offen war, klopfte er leise daran. Er trat ein, als keine Antwort kam und hielt inne. Sie lag auf dem gemachten Bett und war offenbar beim Lesen eingeschlafen. Zumindest ging er davon aus. Ein Buch ruhte aufgeschlagen auf ihrer Brust. Er nahm das Buch ihr vorsichtig ab und stutzte bei dem silbernen Titel auf dem dunkelvioletten Buchrücken.

Das Leben der Eliza Smith.


Wer war Eliza Smit? Er hatte keine Ahnung. Er legte das Buch leise auf den Nachttisch und griff vorsichtig nach der dünnen Decke, die am Fußende zusammengefaltet lag. Er breitete sie vorsichtig über Astoria aus und hielt inne, als sie leise seufzte und sich auf die Seite drehte, nur um ihr Kissen fester zu umschlingen und in Ruhe weiterzuschlafen. Sie wirkte entspannt. Nicht wie sonst, wenn sie krank, gestresst oder total neben der Spur war. Oder damit beschäftigt war ihn zur Schnecke zu machen.

Er schaltete das Licht aus und verließ leise das Zimmer, bevor er in seines ging, um aus dem Anzug zu kommen und sich in etwas Bequemes zu schmeißen, nur um dann runterzugehen, um nach etwas essbaren zu suchen. Zumindest hatte er das vor. Doch er hielt irritiert im Flur inne, als er auf dem schmalen länglichen Tischchen das dort stand vor einem großen goldenen Spiegel, einen Blumenstrauß erblickte in einer kunstvollen Vase. Er erkannte darin Rosen, Germini, Nelken und ein paar Lilien. Er griff nach dem Kärtchen, das darin war und er fragte sich, ob Astoria den Strauß schon gesehen hatte oder die Angestellten ihn einfach hierher gestellt hatten. Die Karte war weiß und schmucklos. Er klappte sie auf.

Astoria, ich danke dir für den heutigen Tag. Wenn du jemanden zum Reden brauchst, steht dir, wie immer, meine Tür offen. Matthew.


Wer zum Teufel war Matthew und was zum Geier hatte er mit Astoria zum Schaffen? Und wieso schickte er verdammte Blumen mit denen er sich für den heutigen Tag bedankte? Hatte sie nicht gesagt, sie sei ständig beim Trainieren und den Proben für dieses Stück? Zum Teufel, wer war Matthew? Die Karte ging in Flammen auf in seiner Hand.
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