Auch Marionetten können fühlen und daran zugrunde gehen

von Black Owl
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Astoria Greengrass Draco Malfoy
02.01.2019
18.03.2019
30
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Er war ein verdammter Idiot. Ein Riesen Idiot und ein Arschloch. Was glaubte er? Das dies die Lösung war? Mit ihr Kinder zu zeugen, damit sie beschäftigt war, weil dies ihr Problem war? Nein, das war definitiv nicht ihr Problem. Ihr Problem war, dass ihr Ehemann sie nicht wollte. Dass er eine Affäre hatte. Sie schon hatte, bevor er überhaupt um ihre Hand angehalten hatte. Immer noch hatte. Dieser verdammte Idiot. Sie führten eine Ehe zu dritt. Nein. Diese Frau und Draco. Astoria war die Ausgeschlossene in diesem Drama. Sie sprach mit ihm nicht mehr. Seit gut einer Woche. Ging ihm regelrecht aus dem Weg. Sie ertrug seine Nähe nicht. Wenn sie nicht beim Training war, war sie in der Stadt unterwegs oder trainierte weiter in ihrem Studio bis zur Erschöpfung. Nur um sich im Anschluss in ihrem Schlafzimmer zurückzuziehen.

Auch heute hatte sie im Theater länger trainiert, als veranschlagt war. Sie sehnte sich nach einem neuen Stück, dass es einzustudieren gab. Das kostet Zeit und Kraft und würde sie wieder ablenken. Sie schulterte ihre Trainingstasche und zögerte, beim Überqueren der Straße. Sie wandte den Kopf nach rechts. Sie überlegte schon seit einigen Tagen, ob sie zu der angegebenen Adresse gehen sollte. Die Adresse, die sie auswendig kannte. Sie brauchte keinen Zettel, um sich eine Adresse zu merken. Er hatte gesagt, sie könne sich jederzeit melden oder vorbeikommen. Sie überquerte die Kreuzung nicht, sondern bog rechts ein. Nur um nach einigen Metern eine kleinere Straße zu betreten. Vielleicht war Matt gar nicht da. Er hatte gesagt, dass er unterwegs sein würde. Generell schien er immer wieder in der Weltgeschichte rumzubummeln.

Häuschen an Häuschen reihten sich hier aneinander. Die Straße war kaum befahren von Autos. Es wirkte fast ruhig und friedlich. In einigen der Häuser schienen in den Erdgeschossen kleine Läden zu sein. Sie erkannte eine Bäckerei und in einem anderen Haus einen Floristen. Sie blieb stehen vor dem großen Schaufenster, in dem eine Schwarz-Weiß Fotografie ausgestellt war, die sich nicht bewegte. Sie fragte sich, ob das nur wegen den Muggeln war oder ob es sich einfach nur um eine normale Fotografie handelte. Sie sah nach rechts und links, nur um wieder auf die Tür zu schauen. Es war albern, wie sie sich benahm. Sie konnte doch reingehen und Hallo sagen. Was sprach dagegen? Gar nichts. Absolut gar nichts. Sie trat auf die Tür zu, umklammerte den Messinggriff und trat ein.

Sie war verwundert, wie leer die Räume wirkten. Aber sie schienen weit nach hinten zu reichen und sich dort zu verwinkeln.
„Hallo?“, sagte sie laut, als die Tür ins Schloss fiel.
Sie sah Fotos an den Wänden und hin und wieder Sitzgelegenheiten im Raum verteilt. Astoria ging weiter nach hinten in die Galerie und blieb verwundert stehen, vor einer Fotografie, die riesig war und einfach nur das offene Meer zeigte. Wie sich kleine türkisen Wellen in den weißen Strand gruben. Sie trat näher. Es war fast so, als würde man selbst dort stehen. Als könnte sie das Rauschen wahrnehmen und müsste nur ein paar Schritte machen, um ins Wasser zu gehen. Den nassen Sand unter ihren Füßen zu spüren.

„Also doch auch magisch.“, murmelte sie und wandte den Kopf, als ein blaugrünes Schimmern zu ihr leuchtete.
Sie ging um die Ecke, nur um in einer Art Nische zu landen. Sie keuchte faszinierend auf. Über ihr waren Fotos angebracht und auch um sie herum. Es zeigte die Sterne, eine schneeige Landschaft bei Nacht und das Polarlicht, das sich in sanften Bewegungen über den Himmel zog und die Nische in dessen Farbe tauchte. Wie schaffte Matthew es, dass die Fotos so lebendig aussahen und den ganzen Raum offenbar damit einnahmen. Ihr fiel etwas ins Auge und sie streckte ihre Hand aus. Ein Sonnenstrahl schien auf ihre Handfläche zu fallen. Irritiert ging sie darauf zu, nachdem sie ihre Tasche auf einen kleinen Hocker abgelegt hatte. Es wirkte nur wie eine dunkle Wand, doch erst beim näher kommen erkannte sie, dass es offenbar eine Fotografie einer Felswand war.

Der kleine Lichtstrahl schien direkt aus dem Bild zu kommen. Sie ging etwas in die Hocke und zuckte zurück. Das… war doch gar nicht möglich. Sie sah nochmal nach und erkannte durch die kleine Spalte, die in der Felswand war, einen Sonnenuntergang.
„Wunderschön.“, wisperte sie anerkennend.
„Ich wusste, du würdest kommen.“, ertönte eine Stimme und Astoria hätte beinahe aufgeschrien, als sie herumwirbelte. Matt grinste breit. „Du hast dir Zeit gelassen.“, meinte er amüsiert.
„Ich hatte zu tun.“, sagte sie und versuchte ihren Herzschlag zu beruhigen.
Ihre Augen wanderten wieder zu dem Bild und Matt kam näher.
„Und? Wie findest du es? Gefallen dir meine Bilder?“

Sie ließ ihren Blick durch die Galerie schweifen. Sie hatte noch nicht einmal Ansatzweise alles gesehen. Sie sah zu ihm auf.
„Sie sind wundervoll.“ Er grinste noch breiter. „Wie machst du das?“
Er zuckte lässig die Schultern. „Technik und ein klein wenig Magie.“ Sie sah wieder zu den Polarlichtern und er bemerkte es sofort und ging darauf zu. „Die sind in Island entstanden.“
„Sie sind wunderbar.“, sagte sie und trat neben ihn.
Sie wirkten magisch.
„Hast du Lust auf Kaffee?“, fing er plötzlich an. „Der Bäcker in meiner Straße hat die besten Erdbeertörtchen in ganz London.“
„Die Besten?“, wiederholte sie ungläubig gespielt und er hob seine Hände hoch und legte eine Hand an sein Herz.
„Die Besten. Ich schwöre es.“
Sie schmunzelte.
„Nun gut, dann gehen wir Kaffee trinken und die besten Erdbeertörtchen in London essen.“






Draco drücke genervt den Aufzugsknopf und seufzte, als die Blondine wieder anfing zu sprechen.
„Ich verstehe einfach nicht, warum du es nicht einfach tust.“
„Könntest du damit bitte aufhören, Bella.“, zischte er und sie schob beleidigt ihre rot geschminkte Unterlippe nach vorne.
Als sich der Aufzug öffnete er ein und Bella tat es ihm gleich.
„Ich darf doch wenigstens meine Meinung dazu sagen.“
„Aber nicht, wenn es um Astorias geht.“
„Oh bitte, ich kenne sie.“ Tat sie nicht. „Warum schläfst du mit ihr nicht einfach?“
„Denkst du wirklich, das ist so leicht?“, fuhr Draco sie an, als die Aufzugtüren sich schlossen.
Er hatte eigentlich gedacht einen entspannten Tag zu haben, stattdessen stritt er jetzt mit Bella im Aufzug. Er hätte das heutige Treffen einfach ausfallen lassen sollen. Das wäre besser gewesen.

„Du wolltest nicht, dass ich mit ihr schlafe. Damals, als ich dir erzählt habe, dass ich mir eine Frau suche und als ich dir gesagt habe, dass ich Astoria fragen würde. Du warst das, die darauf bestand.“, erinnerte Draco die Blondine. Und jetzt war es zu spät. Astoria hasste ihn. Verabscheute ihn regelrecht. „Und glaubst du, ich sinke so tief, dass ich über sie herfalle, sie praktisch vergewaltige, nur damit vielleicht ein Kind entsteht?“
Bella rollte mit den Augen.
„Ich bitte dich. Du bist doch sonst so charmant und kannst die Leute um deinen Finger wickeln.“ Sie strich lasziv über seinen Rücken. „Da wirst du doch dieses naive Frauenzimmer ins Bett bekommen.“
Astoria war weder naiv, noch dumm. Belladonna unterschätzte sie, so wie Draco es getan hatte.

Er schob Bella von sich weg.
„Lass das.“ Sie sah ihn wieder beleidigt an. „Man könnte uns sehen. Ich achte nicht ohne Grund auf Diskretion.“, murmelte er und der Aufzug öffnete sich und gab den Weg frei in die Lobby des Hotels.
„Ich bitte dich.“, flüsterte die Blondine verwegen und stellte sich vor ihn, nur um ihre Hände in seinen Kragen zu krallen. „Vorhin konntest du kaum genug von mir bekommen.“, grinste sie vielsagend und küsste ihn.
Er löste sich nur schwer von ihr. Nahm ihre Hände in seine und machte sie los von ihr.
„Hör jetzt auf.“
Sie sah breit grinsend zu ihm auf.
„Schon gut. Ich höre auf. Ich muss ohnehin los.“ Sie zwinkerte ihm mehr als zweideutig zu und ging Richtung Ausgang.

Er sah ihr noch eine Weile nach, bevor er schwer aus amtete und gerade überlegte, ob er hier noch Essen sollte, als sein Blick durch die große Lobby glitt und sein Blut in den Adern gefror, als er die andere Blondine erkannte. Ihr Blick fassungslos und irgendwie eisig. Wie konnte er sie übersehen? Sie war nicht einmal sechs Meter von ihm entfernt. Sie kam auf ihn zu und er stellte sich gerader hin. Machte sich auf die Standpauke seines Lebens bereit, als sie vor ihm stehen blieb und zu ihm aufsah. Er war erwachsen, aber jetzt gerade fürchtete er sich wie ein verdammtes kleines Kind.
„Mutter.“, murmelte er schwer zur Begrüßung. „Was tust du denn hier?“


Sie hatte sich mit einer alten Bekannten zum Mittagessen getroffen. Zumindest hatte sie ihm das kurz gesagt, als sie fast scharf gefragt hatte, was er hier zum Teufel trieb. Er wollte das hier nicht mit ihr in der Lobby besprechen und sie gingen deshalb ins Restaurant des Hotels an einen der hintersten Tische. Ihm wäre es lieber sie würden woanders hingehen. Aber wo? Bei ihm zu Hause könnte Astoria sein und in Manor sein Vater. Er wusste nicht, was er gerade mehr fürchten sollte. Seine Ehefrau, seinen Vater oder dieses Gespräch hier. Er bestellte Tee, doch als dieser auf den Tisch stand, sagte seine Mutter immer noch nichts und er hielt diese bedrückende Stille kaum aus.
„Sag doch etwas.“, bat er und seine Mutter sah ihn mit diesen unergründlichen Blick an, bevor sie den Blick senkte.

„Ich weiß nicht was ich sagen soll.“, sagte sie leise und schüttelte kaum sichtbar den Kopf. „Ich habe das Gefühl, ich kenne dich nicht.“
Es stach tief in Dracos Brust.
„Mum…“
Sie sah auf.
„Seit wann läuft das? Wer ist sie?“ Er sah sie nicht an. Konnte es nicht. „Wer ist sie?“, fragte seine Mutter erneut.
„Bella. Belladonna DeLacy.“, erwiderte er leise.
„Belladonna?“, wiederholte sie und Draco sah sie wieder an. Sah, wie seine Mutter nachdachte. „Der Name… dein Vater hat sie schon einmal erwähnt. Damals bei dem Abendessen. Bevor du Astoria kennengelernt hast und…“ In ihren Augen regte sich was. „Nein…“, sagte sie leise. „Nein, das kann nicht sein.“ Draco presste seine Lippen zusammen. „Oder?“, fragte sie scharf. „Sag mir, dass ich mich irre.“

„Ich weiß nicht einmal was du gerade denkst.“, gab Draco schwach zu.
„Ich denke gerade, dass der damalige Streit mit deinem Vater mit dieser Frau zu tun hatte und du sie damals schon kanntest.“ Kennen war gut. Er hatte damals schon begonnen mit ihr zu schlafen. „Draco, sag mir die Wahrheit.“, verlangte seine Mutter und Draco schluckte schwer.
„Als ich Belladonna kennengelernt habe, war sie bereits mit ihrem Mann verheiratet.“ Seine Mutter wirkte geschockt. „Vater hat es rausgefunden und diese… Beziehung unterbunden. Er hat verlangt, dass ich es beende und mir jemanden anständiges suche.“
Was er getan hatte. Sie schien nicht zu wissen, was sie als Nächstes sagen sollte.
„Liebst du sie?“

Er schüttelte den Kopf.
„Bella und ich sind kein Liebespaar. Es ist nur…“
„Der Sex?“, unterbrach sie ihn wieder wesentlich kühler und Draco sagte nichts, aber genau das war es. „Aber Astoria und du… ihr habt zu Beginn so verliebt gewirkt. So… glücklich…“, stammelte die Ältere. Was damals nicht schwierig gewesen war. Schon alleine, weil Draco nicht versucht hatte körperlich bei ihr zu landen, was die ganze Sache wesentlich angenehmer gemacht und vereinfacht hatte. Er musste nicht mäßig übertreiben, um sie ins Bett zu bringen. Und er gab es gerne zu, es hatte ihn auch Spaß gemacht mit Astoria auszugehen. Aber im Grunde… hatte er sie nur um den Finger gewickelt. „Seit wann läuft das wieder?“ Er blickte auf. „Das mit dieser Frau?“, hakte seine Mutter nach.
„Es hat nie aufgehört.“, erwiderte er ruhig.

Es war entsetzen in ihren Augen zu lesen, was Draco noch mehr schmerzte. Sie schien nach Worten zu suchen.
„Ich… ich meine… Weiß Astoria darüber Bescheid?“ Er nickte stumm. Bescheid wissen war gut. Er erzählte seiner Mutter nicht, dass Astoria das bereits kurz nach der Eheschließung festgestellt hatte. Dass er nicht mit seiner eigentlichen Ehefrau schlief. Dass sie es satthatte mit ihm verheiratet zu sein. „Da muss ich mich wohl nicht mehr darüber wundern, dass es ihr so schlecht geht.“, wisperte Narzissa belegt und kramte in ihrer Handtasche nach ihrer Börse.
„Mum, bitte…“, versuchte er es erneut und ihr Blick war tödlich.
„Weißt du, ich dachte wirklich, du hättest aus den Fehlern gelernt, die dein Vater gemacht hat.“ Sie spielte Lucius Seitensprünge an. „Oder das ich dich zumindest ein wenig anständig erzogen hätte.“

„Das hat damit gar nichts zu tun.“, erwiderte er störrisch.
Wie konnte, sie glauben seine Erziehung hätte damit zu tun oder die verdammten Verhältnisse, die sein Vater gehabt hatte, als er klein gewesen war.
„Ach nein?“, fing sie an. „Du hast gesehen, wie das eine Ehe zerstören kann. Du hast gesehen, wie demütigend dies für eine Frau ist.“
Er sah auf den Tisch. Als könnte er das vergessen? Wie oft hatten seine Eltern in der Zeit gestritten. Wie oft seine Mutter sich in den Schlaf geweint und wie oft war damals von Scheidung die Rede gewesen. Nicht das sein Vater eine Scheidung zugelassen hätte. Aber seine Mutter hatte oft genug gedroht zu gehen. Zu gehen mit Draco. Getan hatte sie es nie. Ob es daran lag, dass sie Lucius immer noch geliebt hatte oder weil sie gemeinsam Draco hatten, hatte er nie erfahren. Nie nachgefragt.

„Wirst du es Vater erzählen?“, fragte er als sie in der Böse umher kramte und ihn dabei nicht ansah.
„Du bist erwachsen, Draco.“, antwortete sie recht steif. „Du kannst tun und lassen was immer dir gefällt.“ Sie legte Geld auf den Tisch und stand auf. „Aber ich bin wirklich enttäuscht von dir.“, sagte sie und ihre blauen Augen bohrten sich dabei regelrecht in Dracos Herz. „Ich dachte, du bist besser als er.“
„Mutter.“, seufzte er, aber sie ging einfach und Draco ballte seine Hände auf dem Tisch.
Wunderbar. Einfach nur fabelhaft dachte er bitter.
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