Auch Marionetten können fühlen und daran zugrunde gehen

von Black Owl
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
02.01.2019
18.03.2019
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Dieses Kapitel
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Vielen lieben Dank <3 Ich werde dieses WE noch nicht ins Krankenhaus gehen. Gebe euch bescheid, wenn es soweit ist.  

Heute kleiner Zeitsprung ^^








Draco sah fast ärgerlich auf, als seine Sekretärin zur Seite trat und Potter eintrat. Potter, den er die letzten Wochen einige Male über den Weg gelaufen war. Viele, viele einige Male. Das erste Mal war er auch hier in Dracos Büro erschienen. Wegen den Gerüchten. Dem seltsamen verschwinden von Astoria. Himmel, sie hatten sogar Manor und das Stadthaus durchsucht und überprüft. Und Schuld an dem ganzen Mist war Daphne gewesen. Daphne die in der Aurorenzentrale Wirbel gemacht hatte. Die behauptet hatte, dass Malfoys sicher Astoria verschwinden hatte lassen. Er war fast geplatzt und war nicht nur kurz davor gewesen Daphne an die Gurgel zu gehen, sondern auch Potter. Sicher, er macht nur seinen Job. Aber verdammt nochmal, er selbst machte sich am meisten Sorgen um Astoria. Die Ungewissheit trieb ihn um und zermürbte ihn.

Zu Beginn war er noch sicher gewesen sie zu finden. Mit ihr zu reden und vor allem zu Fragen was in sie gefahren war. Was passiert war. Denn er wusste es nicht. Er verstand es nicht. Es war doch gut, oder nicht? Sicher, sie hatten noch viel vor sich, aber zum Teufel, er dachte das schlimmste bewältigt zu haben. Doch statt weiter an ihrer gemeinsamen Zukunft zu bauen, stieß sie ihn so vor den Kopf. Packte, ohne Erklärung und einer persönlichen Aussprache. Doch er fand sie nicht. Konnte sie nicht zur Rede stellen. Zu Beginn war er sicher gewesen, sie bei Daphne oder Lebedew zu finden. Doch keiner der beiden hatte eine Ahnung. Sie war definitiv nicht in Russland. Zumindest hatte Draco herausbekommen, dass sie nicht dort am Theater arbeitete oder sich bei einen der Heiler oder Hospitals behandeln ließ.

Sicherheit gab ihm Potter, der dieser Spur auch nachgegangen war. Sie hatten im russischen Ministerium nachgefragt und die hatten versichert, dass keine Astoria Malfoy oder Astoria Greengrass eingereist, registriert oder gemeldet worden war. Also war die Suche weitergegangen. Draco hatte Freunde befragt und angeschrieben. Bekannte, alte und neue Arbeitskollegen. Jeden, der ihm eingefallen war. Seine Mutter war es gewesen, die nach vier Wochen einen privaten Ermittler engagiert hatte. Nachdem von einem Anwalt ein Schreiben gekommen war mit der Aufforderung, dass er, Draco Malfoy, der Scheidung von seiner Frau zustimmen sollte. Auf den Unterlagen war ihre Unterschrift zu finden gewesen, was bedeutete, dass sie definitiv noch am Leben war.

Draco hatte den Vertrag zerrissen. Er hatte dem Anwalt ausrichten lassen von seinen Anwälten, dass er einen Scheiß unterschreiben würde, solange Astoria nicht persönlich bei ihm auftauchte und danach verlangte und vor allem nicht ohne Erklärung. Bis jetzt war ihr Advokat nicht damit herausgerückt, wo Astoria steckte und offenbar hatte Potter auch nichts aus ihm herausbekommen. Der Kerl, den Draco nicht kannte, berief sich auf das Recht der Schweigepflicht. Er hatte Potter nur zugesichert, dass Astoria am Leben war, es ihr gut ginge und sie nicht gesucht werden wollte. Es reichte offenbar dem Aurorenbüro aus, um die Ermittlungen gegen die Malfoys fallen zu lassen. Potter ließ ihn deshalb noch lange nicht in Ruhe. Er wollte offenbar klären, was mit Astoria war. Wo sie steckte. Was wohl an der Vermisstenanzeige lag. Es hatte sich augenscheinlich nur die Priorität bezüglich der Suche geändert.

„Wird dir das nicht langsam zu dumm?“, fragte Draco und funkelte Potter an.
Konnte der Kerl nicht jemanden anderen auf den Sack gehen? Dracos Laune war ohnehin im Keller und das seit Wochen. Er ging nur noch in die Arbeit, um nicht völlig den Verstand zu verlieren. Nur darum.
„Habt ihr neue Informationen?“, hakte Potter unbeeindruckt nach und Draco biss sich auf die Zunge.
„Nein. Keine.“ Sie war wie vom verdammten Erdboden verschluckt. „Und ihr?“, hakte er nach und Potter setzte sich ihm gegenüber.
„Sagt dir Matthew Hill etwas?“
Dracos Mimik verfinsterte sich. Wollte Potter ihn verarschen? Bei Matt war er nach Daphne und Astorias kuriosen Trainer gewesen. Doch der Kerl hatte offenbar keine Ahnung, wo Dracos Frau steckte.

„Ja.“, knurrte Draco dunkel. „Ich war bereits bei ihm.“ Draco biss sich kurz auf die Zunge. „Er ist ein Freund von Astoria.“ Freund. Dieser Wichser wollte etwas von Astoria. Diese falsche Galeone, der sich versucht hatte zwischen Astoria und Draco zu drängen. Dieser Wichser. „Er weiß angeblich nicht wo Astoria steckt.“
„Nun zumindest scheint er ihre Bankgeschäfte zu tätigen.“, warf Potter ein und Draco setzte sich gerader hin.
„Was?“
Potter seufzte.
„Ich habe mir die Bankbewegungen angesehen von diesem Anwalt und er hat sein Gold offenbar von diesem Matthew Hill bekommen und die Summe von ihm, kam zuvor von dem Konto deiner Frau. Sie hat diesem Hill das Geld überwiesen und er dem Anwalt.“
Wieso war Draco nicht darauf gekommen, die Bankverbindungen zu prüfen? Er hatte nicht mehr daran gedacht, dass Astoria immer noch ein eigenes Schließfach hatte.

„Ich bringe den Kerl um.“, presste Draco hervor, stand auf und warf Flohpulver in den Kamin. Er war bei dem Wichser gewesen. Hatte ihn gefragt und dieses Arschloch hatte ihm eiskalt ins Gesicht gelogen. Matthew Hill wirkte verwirrt und vermutlich überrascht, als Draco aus dem Kamin in seinem Laden stieg. Bevor er reagieren konnte, packte Draco ihn am Kragen. Irgendetwas zerbrach und es war Draco egal. „Du Arschloch weißt, wo sie ist.“
„Ich habe keine Ahnung von was du sprichst.“, antwortete Matt kalt und Draco hatte Lust ihn hier und jetzt zu verfluchen.
„Sag mir wo sie ist!“
Er hörte das Rauschen der Flammen und spürte, wie ihn jemand an der Schulter packte.
„Auseinander.“

Es war Potter. Er stellte sich zwischen die beiden.
„Drehst du jetzt völlig durch?“, fragte Potter nach.
„Ich will wissen, wo meine Frau ist. Seit Monaten lass ich jeden verdammten Stein umdrehen. Schreibe jeden an und suche jeden auf, der mir einfällt und in Wirklichkeit weiß dieses Arschloch die ganze Zeit wo sie ist.“
Potter sah zu Hill, der keinen Muskel verzog.
„Ist es wahr? Wissen sie, wo Mrs. Malfoy ist?“ Matt wollte den Mund aufmachen, doch Potter ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Denken Sie ganz genau nach, was sie sagen. Ich bin Auror und ich bearbeite den Fall von Astoria Malfoy.“
Matts Kiefer schien sich anzuspannen. Sah zwischen ihnen hin und her, bevor er schwer ausatmete.
„Ich habe es ihr versprochen. Ich habe ihr versprochen nichts zu sagen. Ich wollte sie nicht schon wieder enttäuschen.“






Sie schlenderte durch die Stände und war am Überlegen noch mehr Obst mitzunehmen. Entschied sich aber dann doch für einige Pilze. Sie könnte heute Abend sich Steaks machen mit Pilzen. Sie bedankte sich bei der Standbetreiberin und ging weiter. Sie liebte den kleinen Bauernmarkt und sie liebte es nach der Hitze am Nachmittag am Abend noch hier durchzuschlendern. Momentan war der Nachmittag unerträglich, auch in der kleinen Stadt am Meer. Das Wetter war tropisch und ohne Klimaanlage würde sie es in dem kleinen Haus nicht aushalten. Generell sollte sie sich nicht überanstrengen. Das zumindest sagte die Heilerin ihr immer wieder. Aber sie fühlte sich nicht überanstrengt. Im Gegenteil. Sie fühlte sich erholt, gesund und ausgeglichen. Ihre Hand legte sich auf ihren Bauch. Und ihrem kleinen Baby ging es auch gut. Das spürte sie einfach. Aber auch die Werte zeigten es deutlich.

Sie fuhr sich durch ihre offenen Haare, während sie den Marktplatz verließ und die kleine Straße einbog, die runter ins Wohngebiet ging. Hinunter zum Strand. Es war idyllisch hier. Die Leute hier waren normal und einfach. Freundliche Gesellen, die sie schnell ins Herz geschlossen hatte und Astoria liebte ihre kleine Bleibe. Das Haus war vielleicht nicht groß, aber es war schön und sie war nach wenigen Metern im Meer. Sie konnte vom Schlafzimmer aus, aufs Meer blicken und sie liebte es. Liebte diese Stille und Idylle. Es gab nur noch wenige Stunden, an denen sie sich Sorgen machte oder ihre Gedanken getrübt wurden.

Zu Beginn war es schwer gewesen. Sehr schwer sogar. Überhaupt diesen Schritt zu wagen, war schwer gewesen. Hatte ihr Herz zerbrochen, aber sie hätte es keinen Tag länger in England ausgehalten. Zu Beginn war die Angst und gleichzeitig Hoffnung da, dass Draco sie finden würde. Sie war hin- und hergerissen gewesen von diesem Zustand. Einerseits, die Hoffnung, dass er sie fand und einfach alles gut werden würde und anderseits dieser Angst, dass er sie fand und sie zurück nach England holte, in diesen Käfig und sich dem Schicksal zu ergeben, dass ihr gemeinsames Leben sich offenbar nicht änderte. Ihr Mann sich nicht änderte. Sie ertrug das nicht mehr und sie wollte es auch nicht ertragen. Dachte gar nicht daran, darüber ein weiteres Mal hinwegzusehen.

Ihr Entschluss wurde noch entschlossener, als sie einige Wochen in ihrer neuen Heimat bemerkte, dass sie nicht mehr nur für sich verantwortlich war, sondern für das Baby, dass sie unter ihrem Herzen trug. Zu Beginn war sie einfach nur geschockt gewesen, doch mittlerweile freute sie sich. Jede Woche, in der das kleine Leben wuchs, war was besonders. Sie spürte jetzt sogar schon die Bewegungen. Nun sie war immerhin schon in der einundzwanzigsten Schwangerschaft Woche. Sie grüßte eine Nachbarin, die ihr Kind zum Abendessen rein rief und sie musste schmunzeln, wie das kleine Mädchen mit den blonden Locken motzte, weil sie nicht reingehen wollte. Ihr Name war Summer und sie war ein kleiner Wirbelwind.

Astoria öffnete das Gartentor und schloss es beinahe lautlos hinter sich. Sie ging den kleinen angelegten Weg entlang. Der Garten war nicht groß, aber dass musste er auch nicht sein. Sie hatte den Strand vor der Tür. Sie ging die wenigen Stufen nach oben zur Veranda und wollte gerade die Haustür aufsperren, als eine vertraute Stimme sagte
„Du hast es mir nicht leicht gemacht, dich zu finden.“ Sie zuckte so heftig zusammen, dass ihr die Tasche aus der Hand rutschte. Sie drückte ihre Hand fest gegen ihre Brust, als sie Draco erkannte. Er stand von der Bank auf, die auf der Veranda stand und blickte sie fassungslos an. „Du bist schwanger? Du bist schwanger und sagst kein Wort?“
Sie hatte das Gefühl, ihre Kehle sei zugeschnürt. Ihr Herz raste. Er war nicht alleine. Sie erkannte Harry Potter, der sich nach der Einkauftasche bückte, sie aufhob und ihr reichte.
„Vielleicht sollten wir reingehen, Mrs. Malfoy.“






Sie war schwanger. Zum Teufel sie war schwanger. Sie trug ein Kind in sich. Ihr gemeinsames Kind, da war er sich sicher. Man sah es deutlich. Sie wirkte noch zerbrechlicher mit dem kleinen Bauch. Zerbrechlich und noch schöner. Zum Teufel, warum hatte sie nichts gesagt? Sie folgten ihr ins Haus. Es war nicht sonderlich groß, aber offenbar gemütlich eingerichtet. Sie brachte ihnen etwas zum Trinken und er rührte es nicht an. Behielt sie nur im Auge. Er fühlte Wut, dass sie kein Wort davon erwähnt hat. Erleichterung, dass es ihr offenbar gut ging und war immer noch geschockt von der Tatsache, dass sie SCHWANGER war.
„Wir hatten große Schwierigkeiten sie zu finden.“, sprach Potter, als er sich bei Astoria für die kühle Limonade bedankte.
„Ich dachte, mein Anwalt war deutlich, dass ich nicht gefunden werden will. Ich dachte auch, dass es ausreicht, wenn ich erkläre, dass es mir gut geht.“

„Ist das ein Witz?“, fragte Draco aufgebracht und Astoria verschränkte die Hände vor ihrer Brust. „Du haust ab, ohne ein Wort der Erklärung und wir alle sollen das einfach so hinnehmen und akzeptieren?“
„Malfoy.“, murmelte der Dunkelhaarige und Draco ließ sich von ihm nicht beirren.
„Weißt du, welche Sorgen ich mir gemacht habe?“
Seit Wochen schlief er nicht mehr richtig und jetzt fand er sie hier, am anderen Ende der Welt, in Australien, schwanger und er sollte das einfach so hinnehmen?
„Viele haben sich Sorgen um sie gemacht. Ihre Schwester hat sogar eine Vermisstenanzeige bei uns geschaltet.“, erklärte Potter ruhig und sie schüttelte ungerührt den Kopf.
„Ich komme nicht mit.“

„Astoria.“, sagte Draco scharf und sie unterbrach ihn.
„Ich werde nicht mitkommen, Draco. Unterschreibe einfach die Scheidungspapiere und…“
„Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich einer Scheidung zustimmen werde?!“
War sie verrückt geworden?
„Wieso? Weil ich schwanger bin?“
Er sprang auf.
„Ich wusste bis vor wenigen Minuten nicht einmal, dass du schwanger bist. Verdammt nochmal, Astoria. Ich habe keine Sekunde daran gedacht, mich scheiden zu lassen. Ich habe die verdammten Papiere beim ersten Mal schon zerrissen und ich werde sie wieder vernichten, wenn dein inkompetenter Anwalt mir erneut welche zusendet.“
„Wieso kannst du nicht, nur einmal, zustimmen und vernünftig….“
„Vernünftig!?“, wiederholte er scharf und sie wich einen Schritt vor ihm zurück.
Sie hatte Angst vor ihm.

Er schloss kurz die Augen. Versuchte sich zu beruhigen. Atmete tief ein und aus, um seine Wut loszuwerden.
„Du bist einfach abgehauen, Astoria. Einfach so. Ohne ein Wort der Erklärung.“ Es war immer noch ein Schlag ins Gesicht. „Weißt du, wie ich mich gefühlt habe? Ich dachte, wir wären uns beide einige, dass wir das Schaffen und dann verschwindest du einfach, ohne mir zu sagen, was los ist. Warum du so etwas tust. Warum du mich so verletzt.“
„Ich dich?“, fragte sie aufgebracht und deutete auf sich selbst. Er sah, wie ihre Augen glasig wurden. „Ich habe dich verletzt?“ Ihre Stimme zitterte. „Ich sehe dich mit dieser Schlampe alleine im Salon.“ Von was zur Hölle, sprach sie? „Nachdem ich dich gesucht habe. Nachdem du mir versprochen hast, dass du mich nicht alleine lässt und gleich wieder kommst.“

„Doch stattdessen finde ich dich mit dieser Bella, wie sie dich umarmt und küsst. Diese Schlampe.“ Bei ihm machte es klick. Er wusste sofort von, was sie sprach. „Und du wirfst mir vor, ich hätte dich verletzt? Weißt du, wie ich mich gefühlt habe? Wie ich mir vorgekommen bin? Dumm und naiv, es nochmal zu versuchen, das war ich. Das war mein einziger Fehler. Dir noch einmal eine Chance zu geben, das war ein Fehler. Ich hätte gleich gehen sollen. Von Anfang an.“, warf sie ein.
„Astoria…“
„Nein!“, sagte sie entschieden. „Fass mich ja nicht an, hörst du?! Ich ertrage das nicht mehr. Ich will das nicht mehr und ich werde das auch meinem Kind nicht antun und…“

Er griff nach ihr, als sie einknickte. Ihren Bauch fest umklammerte.
„Tori.“, keuchte er erschrocken und sie wimmerte. Ihre Finger klammerten sich regelrecht an ihren Bauch. „Tu doch was?!“, fuhr Draco Potter an, der sich umwandte und zu einem Kamin ging. Vermutlich einen Heiler oder ein Hospital kontaktierte.
Er ging mit Astoria auf die Knie, die schwer atmete, wimmerte und weinte.
„Mein Baby. Irgendetwas ist mit meinem Baby.“
Er hielt sie fest.
„Es kommt gleich Hilfe.“, sagte er fest und hätte sich selbst ohrfeigen können. Zum Teufel, sie war schwanger und er machte so eine Szene. „Gleich ist Hilfe da, Tori.“, versprach er und hielt sie noch ein wenig fester.
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