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Hirnlein, Hirnlein, du musst wandern

GeschichteFamilie, Fantasy / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Rachel Corrigan
01.01.2019
02.01.2019
11
98.787
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01.01.2019 10.280
 
Das Telefon klingelte. Christian nahm im Flur ab und meldete sich: "Bei Meier-Rayne, Christian Callaghan Roth am Apparat?" dann ein "Si, Zio Lucifer... uno momento, Monsignore..." Er drehte sich um. "Onkel Lucifer, Pater Castano der Sekretär von seiner Heiligkeit möchte mit dir reden." Mit einem Seufzen nahm der Höllenfürst den Hörer. "Luigi, was gibt es?" "Nun, Signore Rayne, es gibt ja einen Kindergarten im Vatikan und leider ist eine der Kinderpflegerinnen gerade in Mutterschaftsurlaub gegangen - sehr überraschend... und wir bräuchten kurzfristig Ersatz. Und Luca hat seinem Onkel, also Seiner Heiligkeit, erzählt, dass es in der Kindertagesstätte in der Botschaft Praktikanten gibt, die... nun gerade ihre Prüfungen machen. Luca meinte wohl, eine junge griechische Kinderpflegerin würde einen neuen Job brauchen, weil sie Erzieherin werden will. Da sie ja eh die Einrichtung wechseln muss, würde Seine Heiligkeit die junge Signorita gerne "abwerben" um ihr hier im Vatikan die Ausbildung zu ermöglichen." "Luigi, fragliche junge Dame ist inzwischen die Nanny meiner Kinder." "Ausgezeichnet! Da Sie ja auch einen Palazzo in Rom haben ist das doch ausgezeichnet, Dr. Rayne. Seine Heiligkeit wird sich freuen, wenn Luca öfter mal vorbeischaut und kurz nach Ostern ist ja die Einführung von Kardinal Botacci als Erzbischof von Venedig. Und soweit ich von Schwester Agnes erfahren habe, findet Luciano den Kindergottesdienst sehr erbaulich."
Der Höllenfürst seufzte. "Luigi, Selvaggias und mein Lebensmittelpunkt ist mehr oder weniger Norderney geworden. Thalia muss heute Abend noch was für eine morgige Prüfung vorbereiten, aber ich rede morgen Nachmittag mit ihr und frage sie ob sie Lust hat. Durch meinen Einfluss müsste sie nämlich nicht mal die Einrichtung wechseln. Ich habe genug Beamte und Minister auf meiner Gehaltsliste. Theoretisch könnte ich ihr das Erzieherdiplom jetzt schon ausstellen lassen, aber das würde sie nicht wollen. Wenn Thalia will, dann bringe ich sie morgen in den Vatikan zum Vorstellungsgespräch - wenn nicht... ich glaube, es gibt noch ein, zwei andere Praktikantinnen. Da würde ich dich dann von Consuela Fernandez unterrichten lassen. Ist das so recht?" "Ausgezeichnet. Ich werde es seiner Heiligkeit mitteilen. Herzlichen Dank, Dr. Rayne." Der Höllenfürst legte auf. "Thalia könnte es im Vatikan interessant finden..." meinte Christian nachdenklich. "Der Papst ist ja echt nett und Luca würde sich freuen, seinen Patenonkel zu sehen..." "Und du würdest mit Ilse hier allein sein... oft zumindest…" "Ach Onkel Lucifer, ich weiß, dass ich dich jederzeit erreichen kann. Also bitte!" "Na mal sehen... Kat hat etwas von einer neuen Serie erzählt, die "Lucifer" heißt... die läuft heute Abend. Lust mit fernzusehen?"
"Wie fandest du denn die Serie gestern Abend, Onkel Lucifer, so aus Sicht des echten Teufels?" fragte Christian seinen Lieblingsonkel und Ziehvater. Dieser trank schnell noch einen Schluck Kaffee. "Na ja ... ich denke für Menschen, die mich nicht kennen ist sie echt witzig gemacht, das mit den roten Augen ist aber weit hergeholt, als ob ich es nötig hätte den Menschen mit roten Augen zu drohen. Der Teufel im Polizeidienst ... na ja. Was ich allerdings gut fand, war die Aussage von dem Film-Lucifer, dass er nicht böse ist. Denn das habe ich auch schon mehreren Menschen gegenüber erwähnt. Teilweise interessant gemacht, mal sehen was sich die noch so haben einfallen lassen. aber jetzt iss bitte fertig, du musst in die Schule." "Jawohl Sir!" sagte er mit einem Lachen, was dem Höllenfürsten ein Lächeln entlockte.
Nachdem er seinen Kaffee ausgetrunken hatte, gab er seiner Frau einen zärtlichen Kuss. "Viel Spaß heute im Museum." stand auf und stellte seine Tasse in die Spülmaschine.
Nach dem Frühstück brachte er die Kinder - Thalia hatte schon früher aufbrechen müssen wegen ihrer Prüfung - in den Kindergarten. Sofort fiel ihm eine streng aussehende Frau auf. "Madame Brionne?" fragte er belustigt. Die Frau riss die Augen auf. "Messire... ich... welch Ehre... ich..." "Dr. Rayne, Madame... - das reicht momentan. Sie sind für die Beurteilung der Praktikanten zuständig?" Sie nickte. "Sehr schön... da ich der Träger dieser Kita bin... ich denke sie sind vorbildlich... und jeder Praktikant wird die Prüfung sicher bestehen... und Mademoiselle Kiriaitidou mit Auszeichnung!" Sie schluckte. "Sehr wohl, Messire..." "Sehr schön, dass wir uns einig sind..." sagte der Höllenfürst leise und belustigt. "Du, Papa, kann ich nicht wieder mit in deine Vorlesung? Mit Lucas? Thalia ist heute ganz doll beschäftigt." Er wandte sich seiner Tochter zu. "Herzchen, meinst du nicht, dass sie enttäuscht wäre, wenn du nicht da bist um das Spiel das sie geplant hat auszuprobieren? Ich bin sicher, Thalia verlässt sich auf Lucas und dich!" "Hm... ja... vielleicht. Aber nächstes Semester darf ich nochmal mit oder? Auch mal mehr als einmal!" "Das sehen wir dann. Ich muss jetzt erstmal nach Rom, Spätzchen." sagte er und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. "Ihre... Tochter, Messire?" fragte Madame Brionne eingeschüchtert. "Ja, meine mittlere von drei Töchtern. Linnéa. Sie werden meine älteren Kinder alle im Kindergarten kennen lernen, Madame Brionne... mal sehen ob Sie rausfinden welche Kinder von mir sind..." sagte er belustigt und verschwand.
In der Uni in Rom erschien er gleich im Vorlesungsraum - was er sonst seltener tat und sonst nie so spät im Vergleich. Elisa Tardi rief erschrocken: "Huch! Jetzt haben Sie mich aber erschreckt, Dr. Rayne!" "Scusi, Signorina, war nicht meine Absicht. Ich musste nur kurz meine vier in die Kita bringen." "Ich habe alles vorbereitet. Sie können sofort loslegen." "Grazie..." antwortete er mit einem Lächeln. Er freute sich, dass er die junge, tüchtige Studentin zur Hiwine ernannt hatte. Er ging die Anwesenheitsliste durch und stutzte, als er neben Andrea Farese eine junge Frau entdeckte, die dem Studenten ähnlich sah. "Signorina Farese... sollten Sie nicht bei Dr. Dale Ponte in der Vorlesung sitzen und sich der Medizin widmen?" Die junge Frau zuckte zusammen. Ihr Bruder griff nach ihrer Hand. "Wir... hätten sie für Laurentia und mich nach der Vorlesung so zehn Minuten? Wir... es wäre wichtig, Dr. Rayne." sagte er mutig. "Na, mal sehen..."
Die Vorlesung ging recht schnell zu Ende - wie immer. Viele Studenten bedauerten, dass es die vorletzte Vorlesung des Semesters war. Die Studenten hatten - außer den Farese-Geschwistern bereits den Raum verlassen. "So, was wollen Sie nun von mir?" fragte der Höllenfürst leicht genervt - zumal er Andrea Farese nicht mochte und auch seiner Schwester nicht viel abgewinnen konnte. "Dr. Rayne... ich... also Teile der Familie Farese sind... ähm..." begann Andrea. "Satanisten, ja, seit dem Mittelalter um genau zu sein. Wundert mich eigentlich, dass Sie beide mir nicht auch die Füße küssen... Aber was habe ich damit zu tun? Ihr Vater hat den Pakt verweigert - ihr Großvater schon, um genau zu sein. Sie entstammen dem "verarmten" Zweig der Familie, der zu spüren kriegt - von den anderen - dass er mir nicht dient. Wollen Sie das jetzt korrigieren, oder wie?" antwortete der Höllenfürst spöttisch. "Dr. Rayne, nein, scusi, das nicht... aber unsere Großtante, die Matriarchin der Familie Farese... Clarice... sie war letztens bei uns... Sie will Laurentia zu sich holen und meinte, sie wolle sie erziehen... und zu ihrer Erbin machen... aber dabei hat sie sich so seltsam ausgedrückt, dass uns allen angst und bange war. Sie hat wohl schon einen Termin für sich und Laurentia in Japan bei einem Arzt gemacht und meinte, wenn Laurentia wieder zurückkäme würde sie ihr ihren, also Tante Clarices Verstand, eingepflanzt haben und wir bräuchten gar nicht angekrochen kommen um zu schnorren..." Der Höllenfürst zog eine Augenbraue hoch. "Wissen Sie wie der Arzt in Japan heißt?" "Dr. Quantaquabe oder so ähnlich..." flüsterte Laurentia Farese leise. "Watanabe?" "Ja - kann sein, Dr. Rayne... Tante Clarice nuschelt ziemlich..." antwortete Andrea Farese.
"Wann ist dieser Termin?" wollte der Höllenfürst wissen. "In drei Monaten... und sie meinte auch, ich würde für so einen Firlefanz wie Medizin nicht wieder an die Uni zurückkehren... und sie wolle sich danach völlig zurückziehen aus allen Geschäften und Belangen... und das tut Tante Clarice sicher nicht! Sie ist ein echter Drachen und Kontrollfreak!" "Hm... hat ihre Tante sich die Krankenunterlagen und ähnliches von Ihnen schicken lassen, Signorina?" "Ich denke ja... Sie... sie verlangt auch, dass ich nicht mehr ins Labor gehe und... ich... ich soll spezielle Diäten machen und ähnliches... und sie... na ja... sie scharwenzelt mir schon seit vier Jahren so hinterher, aber jetzt wird es konkret... Ich bin äußerlich - wie man mir sagte - ihr Ebenbild... Sie soll so ausgesehen haben wie ich als sie in meinem Alter war... und das gruselt mich schon. Und in unserer Familie sind alle sehr langlebig. Keiner ist unter 80 gestorben! Ich rauche nicht, trinke nur selten Alkohol und musste selten zum Arzt. Erst in den letzten vier Jahren auf "Anordnung" von Tante Clarice..." "Gut... Das ist in der Tat seltsam... zumal Ihre Tante in einigen Jahren für einen hübschen Kessel vorgesehen ist... In zwei... um genau zu sein, wenn ich das richtig im Gedächtnis habe... Scheint, die Alte will mir ein Schnippchen schlagen... irgendwie..." "Wie das, Dr. Rayne?" fragte Andrea Farese. "Ich habe da eine Vorstellung... rufen Sie bitte bei Asta Callaghan-Roth, der Sekretärin meines himmlischen Kollegen an. Ich gebe Ihnen die Nummer, Signore Farese. Und Sie, Signorina Farese, informieren Morgen Dr. Dale Ponte! Der hat an der Tatsache auch ein Interesse..."
"Danke, Dr. Rayne... und Scusi, dass ich... also Katherine-Lucia und ihre Tochter... das tut mir leid... wirklich..." murmelte Laurentia. "Bei Kat sollten Sie sich selbst entschuldigen - und was Linnéa betrifft... vielleicht will sie ja nochmal mit in die Vorlesung ihres Lieblingspatenonkels. Dann sehen sie sie und können sich auch selbst entschuldigen. Einen schönen Tag noch." meinte er und schnippte mit dem Finger worauf Andrea Farese einen Zettel in der Hand hielt und der Höllenfürst war verschwunden.
Er erschien in Paris, wo ein aufgeregter Derek ihn erwartete. "Derek, schön dich zu sehen, was gibt es? Du bist so aufgeregt." Sein brüderlicher Freund grinste. "Wir haben es geschafft, Rachel und ich... über den Bischof von Cagliari!" sagte er. "Was? Bischof? Wie?" "Im September wird unser Sohn Deren Lucifer Merinus Nicholas getauft. Michael Bryce hat schon zugesagt und nur gegrinst bei dem Namen. Und wir haben das durchgeboxt als Namen, also Lucifer, indem ich mich auf die Bedeutung berufen habe und darauf, dass der Bischof von Cagliari - fast ein Heiliger - aus dem 4. Jahrhundert ebenfalls Lucifer hieß... Das hat überzeugt... und die Tatsache, dass inzwischen ganz gut "rumgegangen" ist, dass ich mit dir "abhänge", Großer... Und bei Astaroth kannst du dich auch bedanken. Der hat ganz klar gesagt: "Lucifer ist der Name den der jetzige Höllenfürst vom himmlischen Vater bekam. Es ist der Name eines Engels, einen Seraph, nicht der eines Dämons!" Das hat den Beamten überzeugt." Ein Grinsen schlich sich auf das Gesicht des Höllenfürsten. "Genial... dann kann ich das ja auch über diesen Bischof durchkriegen... sehr schön... muss ich glatt probieren... In Italien würde Rodrigo mir sicher helfen... Und danke, dass ihr das in die "kirchengängerisch" arme Zeit gepackt habt... wobei die Kathedrale in San Francisco echt erträglich ist - so modern..." Derek lächelte. "Michael, mag dich auch mittlerweile recht gerne." Sein höllischer Freund grinste. "Na ja, ... so lange er sich nicht wieder so einen bescheuerten Spruch wie bei den Zwillingen einfallen lässt. Du Derek, habt ihr nicht Lust am Wochenende zum Kaffee nach Norderney zu kommen? Das Wetter soll recht angenehm werden und ich glaube unsere Kinder würden sich freuen." Derek nickte. "Ja gerne. Ich sage es Rachel sie wird sich sehr freuen." antwortete er und umarmte den Höllenfürsten freundschaftlich.
Dieser erledigte noch etwas Botschaftspapierkram und den Höllenpapierkram, bei dem Euangelion wegen seines hervorragenden Zahlenverständnisses übernahm. Dann betrat er das Vorzimmer. "Hallo ihr beiden. "Hier ist der erledigte Papierkram von meiner Seite aus. Würdest du es bitte abheften?" und reichte seinem Sekretär die Botschaftsunterlagen. Dann wandte er sich an Astaroth. Könntest du das bitte nachher bevor du nach Hause zu deinem Schatz gehst, bitte noch kurz in der Hölle auf meinen Schreibtisch legen? Und falls dich ein Andrea Farese anruft, dann bist du bitte Asta Callaghan-Roth, die Sekretärin von Metatron. Der junge Mann wird dir sagen worum es geht und dann setzen wir uns wieder zusammen und besprechen, wie es weitegeht, denn er, beziehungsweise seine Schwester Laurentia sind in unseren Fall verwickelt und sind heute in der Uni zu mir gekommen. Und falls ihr Lust habt, dann kommt doch am Wochenende auch zum Kaffee vorbei. Christian würde sich sicher auch sehr freuen. Ich habe ihm allerdings noch nichts von meinen Plänen euch zum Kaffee einzuladen gesagt." Astaroth grinste. Was den Andrea betrifft - geht klar Chef. Klar kommen wir, denn wir freuen uns immer Christian zu sehen und sag ihm auch weiterhin nichts, dann ist es eine schöne Überraschung für ihn." Der Höllenfürst nickte. "Und danke Lucifer, dass du dich während der Schulzeit so gut um Christian kümmerst." beendete er seine Ansage. Dieser nickte. "Sehr gern. Ich mag Christian, er ist ein toller Junge und wir kommen sehr gut miteinander klar." "Ja das weiß ich." Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Höllenfürsten. "Dann bis Samstag." sagte Astaroth ehe sein höllischer Chef verschwand.
"Wie lief die Benotung?" erkundigte sich ihr Chef bei Thalia. "Sehr gut danke. Ich habe eine Eins bekommen." antworte sie. "Das freut mich für dich." "Du Thalia, dann hast du doch jetzt bestimmt wieder Zeit mit uns zu spielen. Wir könnten am Strand Ball spielen." fragte Luciano. "Ja klar, gerne. Wenn ihr euren Kuchen gegessen habt, dann können wir das gerne machen.
"Thalia, kann ich dich bitte kurz in meinem Arbeitszimmer sprechen?" sagte ihr Chef, als sie wieder hereinkamen. Mit etwas mulmigem Gefühl folgte sie ihrem Chef, da sie sich nicht vorstellen konnte, was er von ihr wollte. Sie setzte sich ihm gegenüber an seinen Schreibtisch. Er rieb sich kurz die Schläfen und kramte seine Tabletten heraus, schnippte mit dem Finger, woraufhin ein Glas Wasser vor ihm stand.
"Du hast jetzt dein zweites Jahr und bist dann staatlich geprüfte Kinderpflegerin?" Sie nickte. "Ja und dann muss ich insgesamt drei Jahre zur Erzieherin machen. Zwei Jahre mit Schule, und dann mein Anerkennungsjahr. Und ich möchte es richtig durchziehen, denn ich möchte mir das selbst erarbeiten." sagte sie, während er seine Tablette schluckte. Er nickte. "Offiziell musst du, dabei jedes Jahr in verschiedene Einrichtungen hattest du erzählt. Du weißt aber auch, dass du dank meinem Einfluss auch in Paris bleiben könntest. Allerdings hast du zwei Möglichkeiten: Du kannst um Erfahrung zu sammeln wie es in anderen Einrichtungen ist, hier auf Norderney in den Kindergarten gehen und dann ... der Sekretär des Papstes hat mich angerufen. Sie bräuchten in dem vatikanischen Kindergarten eine Schwangerschaftsvertretung und haben bei mir angefragt, speziell nach dir. Der Haken ist allerdings, du müsstest dich schnell entscheiden, denn sie würden dich ab 1. März einstellen." Einen kurzen Moment schwiegen beide. "Oh! Das kommt jetzt plötzlich!" "Ich sage dir nur was Tatsache ist. Ich kann auch jemand anderen hinschicken." Er sah wie sie überlegte. "Ich finde es ja irgendwie sinnvoll jedes Jahr in anderen Kindergärten zu arbeiten, da kann man gut Erfahrungen sammeln. Ich könnte dann ... jetzt in den vatikanischen Kindergarten gehen, dann nach Norderney und zum Schluss vielleicht wieder in den Boulevard Haussmann in den Hort? Denn der Hort würde mir dann noch fehlen. Denn in einer Krippengruppe war ich schon in meinem ersten Jahr, in einem städtischen Kindergarten in Paris." "Könntest du - Wie gesagt du müsstest dich nur so schnell wie möglich entscheiden." Sie nickte.
"Aber ihr seid hier und mein Job?" "Das bekommen wir hin. Ich erschaffe für dich in meinem Palazzo in Rom ein Portal, das es dir ermöglicht herzukommen. Du bekommst von mir einen Hausschlüssel, zu besagtem Palazzo und dann dürfte das kein Problem sein, denn so machen wir es jetzt mit Paris ja auch und vielleicht sind wir ja dann auch hin und wieder mal in Rom. Irgendwie hat die Stadt auch ein paar schöne Ecken. Nur ist sie mir auf Dauer zu katholisch angehaucht." sagte er grinsend. "Okay, dann sag dem Sekretär da, dass ich es machen werde. Ist bestimmt eine Erfahrung so ein erzkatholischer Kindergarten." "Bestimmt. Dann gebe ich das morgen so weiter."
"Was zieht ihr denn alle solche Trauermienen?" fragte er seine Studenten am nächsten Tag in der Vorlesung. "Weil es die letzte in diesem Semester ist. Bei Ihnen hat der Unterricht echt immer richtig Spaß gemacht und man lernt total einfach." sagte eine junge sehr hübsche Studentin. "Dankeschön. Ich habe mit Mühe gegeben, denn das war ja auch für mich Neuland, aber es hat auch mir Spaß gemacht." Er staunte nicht schlecht, als er von seinen Studenten plötzlich Standing Ovations bekam. "Stimmt es denn, dass sie jetzt dauerhaft an der Uni bleiben? Als richtiger Professor?" fragte Signore Delano. "Das ist richtig, sobald mein Berufungsverfahren durch ist. Wir sehen uns also im nächsten Semester wieder, wer sich in meine Kurse eingetragen hat."
Nach dem Unterricht an der Uni tauchte er vor dem Vorzimmer des Papstes auf und klopfte dort an die Tür, um mitzuteilen, dass Thalia in drei Wochen in dem vatikanischen Kindergarten anfangen würde.
Als er nach Norderney zurückkehrte, wurde er gleich von Christian überfallen. "Onkel Lucifer, Jasper hat gestern mit seiner Tussi Schluss gemacht. Und er hängt nicht mehr mit ihr und ihrer Clique ab." Sein Onkel grinste. "Sehr schön." "Aber er zieht sich jetzt total zurück." fügte der Junge etwas traurig hinzu. "Gib ihm Zeit. Die wird er brauchen. Er wird Montag hier auftauchen, denn da habe ich ihn gebeten vorbei zu kommen und mir seine Entscheidung mitzuteilen." Christian umarmte seinen Lieblingsonkel. "Du bist der beste Onkel der Welt. Ich habe dich neben meinen Eltern sehr lieb Onkel Lucifer." Der Höllenfürst lächelte. "Ich dich auch, Christian." flüsterte er und lief mit ihm in das Esszimmer, wo Ilse wie immer schon den Kaffeetisch gedeckt hatte. Tiberia kam sofort angelaufen und schmuste mit Christians Füßen, wobei sie auch um die Füße seines Onkels schlich. Der Höllenfürst seufzte. "Ja, nun ist gut, du überdimensionierte Miezekatze!" meinte er. Tiberia schnurrte und legte ihren Kopf in seinen Schoß um seine Hand zu lecken. Angewidert zog er seine Hand weg. "Nicht Tiberia, bitte! Schmusen ist in Ordnung, aber nicht das." Fragend maunzte die Tigerdame, legte sich dann jedoch hin und wickelte sich um die Füße des Höllenfürsten. Kichernd holte Christian für seinen Onkel die Sagrotantücher aus dem Bad. "Damit du dir die Hände desinfizieren kannst, Onkel Lucifer." meinte er. Dieser grinste leicht gequält und nahm es dennoch dankend an.
Am Abend bestanden die Kinder darauf, dass der Papa mit helfen musste sie fürs Bett fertig zu machen und ins Bett bringen sollte. So erledigte Thalia diese Aufgabe zum ersten Mal gemeinsam mit ihrem Chef. Sie war etwas nervös, da sie manchmal doch etwas Angst hatte in Gegenwart ihres Chefs, den sie mittlerweile auch privat sehr gut kennenlernte, etwas falsch zu machen. Sie mochte ihn sehr, hatte aber nach wie vor auch sehr viel Respekt vor ihm, und sie war mit ihren Gedanken oft bei ihrer Schwester. Sie musste noch eine Geschichte vorlesen und Lucifer musste seinen Kindern das Gotteslob singen. Thalia lauschte ebenfalls dem Gesang. Anschließend verabschiedete sie sich und zog sich dann in ihr Apartment zurück um noch für eine bevorstehende Schulaufgabe zu lernen.
Als er zurück ins Wohnzimmer kam, saßen Ilse und Selvaggia vor dem Fernseher. Ilse war wie immer mit ihrem Strickzeug beschäftigt, wobei sie nebenher fernsah, da sie blind stricken konnte. Seine Frau saß im Schneidersitz in dem Sessel auf dem sonst immer ihr Mann saß und hatte ihren Laptop auf dem Schoß. Sie wollte schon aufspringen, ihr Mann hinderte sie jedoch daran, indem er sie sanft an der Schulter berührte. "Bleib sitzen, ich nehme das Sofa." sagte er und griff in die Schale mit den Chips, die Ilse auf den Tisch gestellt hatte und machte es sich auf dem Sofa bequem. Er legte sich hin und beobachte aus den Augenwinkeln eine Weile seine Frau. Diese war total in ihrem Laptop vertieft und ihm viel auf, dass sie nicht einmal in die Chipsschüssel griff, was eher ungewöhnlich für sie war.
Nach einer Weile döste er ein, da ihn der schnulzige Film ungemein langweilte. Ilse und Selvaggia hatten nämlich einen Bollywood-Film auf dem "Bollywood-Kanal" eingeschaltet - und obwohl er im Gegensatz zu den beiden die in Hindi gesungenen Lieder verstand, ging ihm das schmachtende Gesinge und das ständige Rumhampeln in Gruppen gehörig auf die Nerven.
Es war Freitag. Als der Höllenfürst in sein Arbeitszimmer in der Hölle kam, sah er überrascht und fast entsetzt auf Samyaza, der dort mit Frederica saß und ihr etwas erklärte. Man merkte, dass die stellvertretende Schulleiterin sich etwas unwohl in der Hölle fühlte. "Was macht ihr hier?" Samyaza sah hoch, während seine Freundin zusammenzuckte. "Oh, moin Lucifer. Ich erkläre Fredi nur gerade wie Hölle funktioniert. Du weißt doch, sie ist Religionslehrerin... wenn sie... ähm... na ja... erklären kann was Hölle ist... ich denke, dachte..." "Schon gut, aber dazu musst du deine Freundin nicht den Qualen der Hölle aussetzen." "Okay... ähm... wir gehen dann mal. Und Euangelion hat die Listen bearbeitet. Die liegen da. Ist wieder einiges an "Chefsache" dabei um was du dich kümmern musst." "Danke, und nun verschwindet." Samyaza und Frederica nickten, verabschiedeten sich und waren im nächsten Moment weg. Mit einem Seufzen ließ der Höllenfürst sich in seinen Sessel fallen und arbeitete die Unterlagen durch. Wie immer hatte der treue Engel in seinem Vorzimmer im Boulevard ausgezeichnete Arbeit geleistet und an sich brauchte er nur noch zu unterschreiben. Gegen Mittag erschien Astaroth. "Euangelion hat was rausgefunden... Ist direkt gruselig..."
Erstaunt sah der Höllenfürst Astaroth an. "Gruselig? Seit wann gruselt dich noch etwas?" "Lass es dir einfach erklären... eigentlich wollte ich dich aber zum Mittagessen holen. Sheila und Sylvie haben "Indische Wochen" und die Currys sind... sagen wir mal höllisch lecker. Also komm schon. Sheila ist ein echter Glücksgriff für die Mensa gewesen - wenn du mich fragst. Sylvie war schon gut, aber Sheila... wow! Also komm schon, Currys testen. Du wirst begeistert sein!" "Ach du Schande... heute Curry und gestern Abend Bollywoodkanal..." murmelte der Höllenfürst, kam aber mit.
In der Mensa wurde er fröhlich von vielen der Schülerinnen und Schüler aber auch der Kindergartenkinder begrüßt. Seine eigenen Kinder und Patenkinder waren ganz begeistert. Die beiden Köchinnen brachten gleich sämtliche Tagesgerichte an den Tisch an den er sich setzte - gemeinsam mit Astaroth und auch Frederica, Samyaza und Euangelion gesellten sich mit Sandalephon dazu. Linnéa hatte sich auf die eine, Luciano auf die andere Seite des gemeinsamen Patenonkels gesetzt.  "Was haben Sie denn mit Madame Perrault gekocht, Mademoiselle Mahmouri?" "Ach, nennen Sie mich ruhig Sheila, Monsieur Rayne, sonst komme ich mir vor wie meine ernsthafte Schwester Farida. Und irgendwie nennen mich sowieso alle Sheila." Der Höllenfürst nickte. "Na dann, Sheila, Lucian... oder Lucifer... da mein jüngstes Patenkind Deren Lucifer getauft wird... wegen irgendeines Bischofs... wenn du willst..." Die junge Frau zwinkerte. "Na dann, Lucifer, ist mir eine Ehre, ich bin gespannt, wie das "Curry Madras", "Chicken Korma", "Chicken Tikka Massala" und "Indian Prawn Curry" sowie "Hühnchen Vindaloo" und dazu Naan-Brot dir schmeckt." Sie legte eine Liste daneben. "Sylvie und ich sind schon gespannt, wie du die ausfüllst. Und wir haben sogar noch ein extra scharfes Curry - aber da die Kleinen am Tisch sitzen... also nun ja..." "Oh ja, bring das bitte! Ich esse gern scharf, Sheila! Ich koche mit Maurice auch oft scharf!" rief Linnéa begeistert. Sandalephon lachte leise. "Bring das scharfe Zeug schon her, sie kocht wirklich höllisch scharf, wenn sie die Gelegenheit hat und Maurice, Kats und mein Koch, macht oft begeistert mit." Gemeinsam mit einigen Schülern probierten sie gemeinsam die Gerichte durch und füllten die Bewertungszettel aus.
Der Höllenfürst bedankte sich charmant bei den beiden Köchinnen und lieferte die Zettel persönlich ab. "Es war sehr lecker, herzlichen Dank." meinte er, bevor er mit Euangelion, Sandalephon und Astaroth in das Besprechungszimmer ging, das für beide Botschafter da war. Hier trafen sie auch auf Metatron, der einen großen Teller Curry Madras mit Reis vor sich hatte. "Hallo Lucifer, schon probiert? Indische Woche. Das Curry hat es mir echt angetan." "Ja, ist sehr lecker, wobei mir das Vindaloo und seltsamerweise das Indian Prawn Curry sehr gut geschmeckt haben - und natürlich das richtig scharfe... Aber das was du da hast ist auch gut. Doch wir sind ja hier nicht um uns über Currygerichte oder die Mensa zu unterhalten. Die haben Sylvie und Sheila gut im Griff. Euangelion hat ja wohl was rausgefunden... und Astaroth deutete an, das sei "gruselig" - und das wo ihn kaum was schockiert."
Aufmerksam sah der Höllenfürst seinen Sekretär an. "Ja... also... mir ist ein Video zugespielt worden... Ich zeige das mal." Der Engel startete den Beamer. Man sah nur Gestalten von hinten im Dunkeln sitzend. Vorn wurden Bilder gezeigt, von jungen, vitalen Menschen. Es war schwer zu erkennen, doch anscheinend hatten die sitzenden Gestalten Tablets in der Hand und bekamen darüber Informationen und schienen über irgendwas abzustimmen. Eine Nummer erschien, eine gebückte Gestalt sprang erfreut auf und schien von den anderen beglückwünscht zu werden. Unten im Bildrand war ein Datum zu sehen, das etwa eineinhalb Jahre zurücklag. Die Gestalt setzte sich wieder und ein neues Bild erschien. "Das ist Thalias Schwester - sieht zumindest so aus..." Unbemerkt war Kerubiel aufgetaucht und wurde mit einem allgemeinen Nicken begrüßt. Wieder schienen die Gestalten auf dem Film - der leider ohne Ton war - über die Tablets Infos zu bekommen und auch hier erhob sich allerdings auffällig schwerfällig - eine offenbar weibliche Gestalt, als eine Nummer groß auf dem Bild von Calliope Portalou erschien und wurde beglückwünscht. "Gibt es keinen Ton?" fragte Metatron irritiert. "Nein, leider nicht. Ich habe auch versprochen nicht zu sagen, von wem ich das habe... aber... ich finde die Stille macht es noch gruseliger." meinte Euangelion. "Rück raus, von wem hast du das?" forderte der Höllenfürst. "Chef, du weißt, dass ich dich schätze, aber bitte akzeptiere, dass ich der Person mein Wort gegeben habe, denn die Person hat es von jemandem gekriegt unter der Auflage, dass wir was beenden... konnte allerdings nicht mehr erklären was..." Der Höllenfürst sah seinen Sekretär streng an, doch der hielt diesem Blick stand. Seufzend nickend akzeptierte der Höllenfürst die Haltung seines Sekretärs.
"Wonach sieht das für euch aus?" fragte Kerubiel nachdenklich. "Hm... also sie kriegen über die Tablets irgendwelche Informationen und dann erscheint eine Nummer und jemand wird beglückwünscht... Können wir rauskriegen was für Infos das sind, Euangelion?" meinte Astaroth. "Nicht wirklich. Ich konnte nur "Größe, also Height,  und Alter - Age entziffern. Käme bei dem Foto, das ihr als das Bild von Calliope Portalou ausgemacht hat sogar mit Alter und Größe hin... Ich habe mal durchgezählt. Im Raum scheinen etwa 20 Personen zu sein. Den Bewegungen nach recht betagt oder ziemlich krank - würde ich mal vermuten. Und irgendwie kommt mir das wie eine Auktion vor..." "Und die Frau, die bei Calliopes Bild am Ende aufsprang... das könnte die Morena Castaldi sein, die ich in Erinnerung habe..." murmelte Kerubiel nachdenklich. "Wozu sollte jemand junge Menschen kaufen? Mir fiele da nur Sklaverei ein oder Organhandel." meinte Metatron. Kerubiel betrachtete das letzte Bild des Filmes. "Was ist... wenn sie keine einzelnen Organe kaufen, sondern, ... das Komplettpaket? Und nur eine "Kleinigkeit" tauschen?" fragte er leise. "Kleinigkeit?"  Metatron sah ihn interessiert an. "Etwas von einem Volumen von durchschnittlich 1,13 Litern... oder 1,27... je nach Geschlecht." antwortete Kerubiel rätselhaft. "Du meinst das Hirn? Das wäre doch verrückt!" meinte Astaroth. "Alle Erinnerungen und ähnliches - nur ein neues, nebenbei fittes Gerüst. Überlegt doch mal!" widersprach Kerubiel. "Wir bleiben dran... wobei... du meintest ja, diese Morena Castaldi auf dem Empfang... äußerlich Calliope Portalou, innerlich, also gedanklich... wirklich die Castaldi..." meinte Euangelion nachdenklich und nickte. "Das macht Sinn..." gab Astaroth ihm recht. "Versucht mehr rauszukriegen - vielleicht auch die Tonaufzeichnungen... oder irgendwas. Gute Arbeit, Euangelion!" sagte der Höllenfürst.
Es klopfte und als Astaroth die Tür öffnete stand Thalia mit Ainé davor. "Ich habe ein Bild für Onkel Lucifer gemalt, Papa Astaroth und wollte ihm das geben!" sagte das kleine Mädchen. "Na dann... ich bin sicher er freut sich." Der Höllenfürst beugte sich hinunter und nahm das Gemälde entgegen. Es zeigte auf der einen Seite ein kleines Mädchen mit zwei großen Gestalten und auf der anderen einen Jungen um den viele Kinder, ein Tiger und ein Pferd waren. Der Höllenfürst lächelte. Ainé brauchte unbedingt ein Haustier - und ein Pferd. Um beides würde er sich kümmern. Er zwinkerte seiner Nichte zu. "Botschaft angekommen." flüsterte er ihr ins Ohr als er sie umarmte. "Danke für das hübsche Bild, Spatz."
Das Wochenende verbrachten die Familien mit gemütlichen Kaffeetreffen, der Höllenfürst und die Kinder mit ausreiten. Er ließ  Samantha auf Jaspers Pferd reiten, da es auch seinen Auslauf brauchte, aber Jasper ja noch etwas Zeit brauchte über alles nachzudenken. Samantha spürte jedoch, dass Jaspers Pferd traurig war. Am Sonntagnachmittag machten alle gemeinsam einen Strandspaziergang - und plötzlich tobte Ainé mit den anderen. "Ainé? Wie bist du hierhergekommen?" fragte Christian seine kleine Schwester. Sie kicherte. "Ich bin ein Engel, ich kann reisen!" rief sie vergnügt. Der Höllenfürst räusperte sich. "Wissen deine Eltern wo du bist, junges Fräulein?" "Papa Astaroth ja, Papa Philip nein..." "Na gut, dann ruf mal gleich in Irland an und sag Bescheid, dass du angekommen bist!" sagte er streng und reichte ihr sein Iphone, wo er schon die Nummer des Legats von Dublin gewählt hatte. "Papa? Ja, ich bin auf... Nein! Ich bin nicht in Dublin! Wieso? Du bist gemein! Nein! Ich bin bei Tante Selvi und Oma Ilse und bei Onkel Lucifer! Und bei Christian. Ich spiele doch nur mit denen! Nein! Ich komme nicht nach Dublin! Mama weiß wo ich bin!" hörte er sie sagen, dann: "Papa Philip will mit dir reden..." fast scheu. "Ja, was ist denn?" fragte der Höllenfürst den Leiter des Legats. "Ich will nicht, dass sie euch Probleme macht. Schick sie bitte zurück. Auf dich scheint sie zu hören." lautete die Antwort am anderen Ende der Leitung. "Philip! Normalerweise wäre Ainé mit Asta in Paris, oder?" "Ja..." "Und nun ist sie hier und spielt mit ihren Cousinen und Cousins und ihrem Bruder - wo also ist das Problem? Du kannst ja auch kommen. Du weißt, dass dein Legat mit Paris und das mit Norderney verbunden ist, oder?" "Ja, schon, aber..." "Und außerdem bist du selbst ein Engel, also schwing die Flügel und komm! Es ist zwar kalt auf Norderney, aber trotzdem okay." "Na gut... ich... ähm... soll ich Shortbread... oder...?" "Wir haben genug Kekse und Kuchen und alles. Rede nicht! Komm!"
Am Montagvormittag holte der Höllenfürst die kleine Samantha aber auch Ainé, wie mit beider Eltern abgemacht für etwa einige Stunden vom Kindergarten ab, um mit ihr nach Island zu gehen um ein Pferd auszusuchen. Die kleinen Mädchen genossen es sehr, auch mal allein Zeit mit ihrem Onkel Lucifer zu verbringen. Samantha hatte in einem kleinen transportablen Terrarium auch - unvermeidlich - Spinny mitgebracht. "Das habe ich nur gemacht, Onkel Lucifer, weil mein Pferd Spinny und Spinny mein Pferd mögen muss!" sagte sie ernst. Der Höllenfürst verkniff sich zu sagen, dass die Spinne garantiert nicht reiten würde, es also unerheblich sei, ob Spinny das Pony oder das Pony die Spinne mögen würde, als Samantha weiterplauderte: "Ich habe mir auch schon Gedanken gemacht, wie ich Spinny zum Reiten mitnehmen kann, darum nämlich." Lucifer schloss kurz die Augen und atmete einmal tief ein.
Pferdezüchter Leifson erwartete sie bereits. "Herr Mornigstar-Göthson Rayne, wie schön. Diesmal mit weiteren Nichten?" begrüßte er den Höllenfürsten. "Ja, danke, dass Sie Zeit hatten. Das ist meine Nichte Ainé - die Schwester von Christian, Sie erinnern sich, die Gälische Schneeflocke ist sein Pferd, und die kleine dunkle Schönheit hier ist die Tochter von lieben Freunden und die beste Freundin meines Neffen Jan, dessen Pferd ist Café au Lait." "Hm... schauen wir mal... Wenn Sie uns alle zur Herde versetzen, Mr. Mornigstar Göthson Rayne, dann sparen wir uns die Autofahrt." Der Höllenfürst grinste. Er mochte den Pferdezüchter. Im nächsten Moment standen sie bei der Herde.
Erst jetzt fiel dem Pferdezüchter das kleine Terrarium in Samanthas Hand auf. Er starrte eine Weile darauf. Samantha war derweil fasziniert von den Ponys. "Schau mal Spinny. Was meinst du, wer passt zu uns beiden?" Ainé dagegen stürmte in die Herde, lachte und tanzte um die Pferde herum, die auseinanderstoben und sich teils nur langsam näherten, dann jedoch hin und wieder mal zurückkamen und sie beschnupperten. Samantha ging langsam zu einer Gruppe Ponys, die friedlich graste. "Wieso hat die Kleine denn eine Spinne dabei mit der sie redet?" "Na ja... ihr Freund Jan kann mit Spinnen oder Tieren allgemein wohl reden... und nun ja... vermutlich können die Kinder von uns Seraphim das irgendwie alle, auf die eine oder andere Art.… und Spinny ist Samanthas Haustier und sie hat sich vorgenommen sie beim Reiten mitzunehmen... ich habe zwar keine Ahnung wie, aber glaube, dass die Kleine recht erfinderisch ist." Nachdenklich nickte der Pferdezüchter. Gemeinsam beobachtete er mit dem Höllenfürsten, wie ein braunes Pferd mit weißen Flecken neugierig am Terrarium schnüffelte und Spinny offenbar versuchte Kontakt aufzunehmen. Samantha streichelte das Pony und sie hörten sie sagen: "Na, bist du dabei dich mit Spinny anzufreunden? Was meinst du, Spinny, passt sie zu uns?" Ganz offensichtlich schien das passende "Trio" sich gefunden zu haben. "Onkel Lucifer, schau mal, sie hat ein Fell von der Farbe von Schokolade und die weißen Flecken sehen aus wie fluffige Marshmallows. Meinst du Marshmallow Chocolate versteht sich mit Café au Lait und den anderen?" "Na, ich denke schon. Wo sie Spinny mag..." "Und sie hat auch auf diese Katze von deinem Cousin Christian... ist doch dein Cousin, oder? - ganz normal reagiert. Und diese Säbelzahnkatze springt ja wohl immer mit euch da auf Norderney rum." ließ der Pferdezüchter sich vernehmen. "Tja, eins hätten wir schon mal... jetzt fehlt nur noch Ainés Pony..."
Ainé schien mit den Ponys um die Wette rennen zu wollen und wenig Lust sich eins auszusuchen, doch da war immer ein grauer Hengst, der sie stets überholte und das Wettrennen anzunehmen schien. "Onkel Lucifer, schau mal, Taifun rennt mit mir um die Wette!" rief das kleine blonde Mädchen begeistert. "Ja, das sehe ich. Willst du auf ihm reiten oder mit ihm über die Strände von Norderney um die Wette laufen, Engelchen?" fragte er amüsiert. Ainé lachte. "Beides, Onkel, beides!" Der Höllenfürst nickte dem Pferdezüchter zu. "Gleiche Konditionen wie die anderen Pferde? Ich nehme die beiden Ponys gleich mit und Euangelion kümmert sich um die Überweisungen?" "Mit Ihnen Geschäfte zu machen, Mr. Mornigstar-Göthson Rayne, ist jedes Mal ein Vergnügen." "Wann kommen Sie uns mal besuchen auf Norderney? Sie wissen, Sie sind herzlich eingeladen." sagte der Höllenfürst und schüttelte dem Pferdezüchter zum Abschied die Hand. "Ich werde anrufen, Sir. Mit ein wenig Glück muss ich dann keinen anstrengenden Flug auf mich nehmen." antwortete Eric Leifson lächelnd. Einige Augenblicke später waren der Höllenfürst und die zwei Mädchen mit den beiden Ponys auf Norderney, wo die zwei Neuankömmlinge von der kleinen Herde fröhlich begrüßt und von Tiberia ausgiebig beschnuppert wurden.
"Können wir gleich ausreiten, Onkel Lucifer?" fragte Ainé. "Nein, Morgen oder Übermorgen. Erstmal muss Dr. Rass die Pferde untersuchen und dann sehen wir weiter! Und lass die beiden doch erstmal ankommen." "Och schade..." schmollte Ainé, streichelte dann jedoch Tiberia, die sich sichtlich freute die Schwester ihres Freundes Christian zu sehen. "Was meinst du, Ainé... wollen wir mal schauen ob wir einen Hund für dich finden? Oder möchtest du auch eine Katze? Wobei... eine zweite Tiberia, na ja... das wird wohl nicht so einfach sein, aber... eine normale Katze vielleicht, oder eine Maine Coone Katze? Eine große?" "Oh ja, einen Hund, Onkel Lucifer!" rief Ainé begeistert. "Aber einen kleinen, ich bin ja nicht so groß wie Christian... es gibt so total niedliche weiße, die heißen Malteser!" "Na, dann nehmen wir das demnächst mal in Angriff... mit Tiberia im Schlepptau..." "Ich habe dich total lieb, Onkel Lucifer. Papa Philip ist immer ziemlich streng, aber du bist immer voll cool." Sie umarmte seine Oberschenkel - größer war sie nicht - und der Höllenfürst hob sie lächelnd auf den Arm. "Ach, wird langsam echt Zeit, dass du Spielkameraden kriegst, Ainé." murmelnd.
Nach der Schule betrat Christian zusammen mit Jasper das Haus. Etwas verlegen blieb der ältere Junge im Türrahmen zur Küche stehen. "Lucian? Meine Eltern wissen Bescheid, dass ich hier bin, ich habe gesagt ich ... würde heute mit Christian ausreiten, sobald wir unsere Hausaufgaben fertig haben. Können wir kurz reden, ich will ... ich sollte ..." Christians Onkel unterbrach den Jungen mit einem Seufzen.
"Nachher! Setz dich und iss mit. Mutti hat wie immer etwas Leckeres zu Mittag gekocht." Er setzte sich, obwohl er gar keinen Hunger hatte, wagte es jedoch nicht zu widersprechen. Er stocherte aber mehr in seinem Teller herum, als dass er aß. "Komm mit in mein Arbeitszimmer, dort sind wir ungestört. Christian, du fängst schon mal mit deinen Hausaufgaben an." sagte er und lief in sein Arbeitszimmer. Jasper folgte ihm und setzte sich auf den Stuhl ihm gegenüber an den Schreibtisch. "Ich habe mit Jemma noch am selben Abend Schluss gemacht. Ich ... ich ... also ich habe nichts mehr angerührt von dem Zeug und ... es tut mir leid, Lucian. Ich ... " Er brach ab und schwieg. "Weiter? Du wolltest doch noch etwas sagen." Der Höllenfürst sah ihn eindringlich an. Jasper konnte dem Blick des gutaussehenden Mannes ihm gegenüber nicht standhalten und sah auf seinen Schoß. "Es tut mir leid Lucian. Auch dass ich Christian wehgetan habe. Ich würde meinen Fehler gerne wieder gut machen und ..." Der Junge blickte verlegen hoch und sah dem Mann kurz in die Augen. Die schönen, eisblauen Augen wandten sich nicht einmal von ihm ab, was Jasper etwas verunsicherte, auch dass er nichts sagte. "Ich brauche Hilfe, meine Noten ... und ich ... nun ja, ich weiß niemand, den ich fragen könnte, außer dich, weil ... meinen Eltern müsste ich das jetzt erklären und dann gäbe es ein Donnerwetter und  ..." "Schon gut. Wir lernen zusammen, aber bedenke ich bin in deinem Fall ein strenger Lehrer. Und was deine Entschuldigung angeht, die ist akzeptiert. Dass du sofort nach unserem Gespräch mit deiner Freundin Schluss gemacht hast und nichts mehr von dem Gras genommen hast rechne ich dir hoch an. Aber jetzt solltest du erst mal zu Christian gehen und mit ihm reden und dann Hausaufgaben machen, wenn du Hilfe brauchst, dann melde dich und anschließend reiten wir drei aus, dein Pony sehnt sich schon nach dir."
Jasper nickte stand auf. "Mit Christian habe ich schon geredet, auch entschuldigt habe ich mich, gerade eben auf dem Weg von der Schule. Frag ihn." sagte er und rannte fast aus dem Raum, griff nach seinem Schulranzen und setzte sich an den Tisch im Esszimmer. Schon nach kurzer Zeit brauchte der Jugendliche Hilfe in Mathe, er hatte Probleme bei den Gleichungen. Auch in den anderen Fächern hinkte er total hinterher. Lucifer seufzte. "Gibt es ein Fach, in dem du noch mitkommst?" fragte er leicht genervt. "Sport."
Abermals seufzte der Höllenfürst. Jasper bewunderte den Onkel von Christian, er schien sich in allen Fächern gut auszukennen und konnte alles so gut erklären. "Sag deinen Eltern, dass du die nächsten Tage immer nach der Schule mit zu Christian möchtest, da du  die letzte Zeit dein Pony total vernachlässigt hast. Deine Hausaufgabe machst du auch hier und wir lernen jeden Tag zwei Stunden. Und jetzt nach draußen in den Stall, kümmere dich um dein Pony. Ich komme gleich mit Christian nach." befahl er etwas kühl. Jasper gehorchte sofort.
Lucifer starrte mit einer Zigarette in der Hand, auf der Treppe zum Strand sitzend auf das Meer. Er zog den Kragen seines Mantels etwas zu, als ihn eine eisige Windböe erwischte. "Alles in Ordnung Lucian?" fragte Ilse besorgt, als sie sich neben ihn setzte und ihm eine Tasse Pharisäer reichte. "Ja Mutti. Jasper wird die nächsten Wochen immer zum Mittag kommen." Sie nickte. "Das ist kein Problem."
"Lucian, Selvi leidet darunter, dass du immer noch etwas ... distanziert bist." sagte sie nach einer Weile. Er seufzte. "Ach Mutti, das hat sie sich selbst zuzuschreiben. Und ich leide auch darunter wie sie mich oft behandelt. Weißt du ich liebe diese Frau unendlich und ich gebe ihr so viel, ich gehe mit ihr in diese schrecklichen Opern und Operetten und verwöhne sie mit Schmuck, mit anderen Dingen und von ihr kommt nur Gezeter ... ich bin mir manchmal gar nicht sicher, ob sie mich ... " "Doch Lucian, sie liebt dich sehr! Und sie ist dabei es dir zu zeigen. Warte es ab, du musst nur ein wenig Geduld mit ihr haben Selvi ist ... na ja dabei sich zu ändern, aber das braucht auch seine Zeit."  Er nickte. "Ich will ehrlich mit dir sein ... ich habe von den Magentropfen in deinen Pharisäer getan seit du mit Selvi gestritten hast und wieder so starke Schmerzen hattest." Er seufzte. "Das war ja klar. Ich wusste es Mutti, nachdem Sandy nicht nochmal kam um mir eine seiner Spritzen zu verpassen. Wie sagte er am Anfang ... nach den acht? Spritzen damals genügen die Tropfen und im Notfall eine weitere Spritze und dann die Tropfen." Ilse nickte. "Du bist mir nicht böse?" Er lächelte. "Nein Mutti, du willst mir doch nur helfen. Ich weiß das sehr zu schätzen." sagte er, zog sie an sich und drückte sie liebevoll. Dann trank er mit einem Schluck seine Tasse aus und gab sie der älteren Dame neben ihm und eilte zu den Kindern in den Stall.
Jasper genoss es wieder auszureiten, ihm hatte sein Pony doch sehr gefehlt. Es war nur anders als bisher, das Verhältnis zu Lucian war etwas angespannt. Er wusste nicht recht wie er sich seinem Nachbarn gegenüber nach diesem Vorfall verhalten sollte.
Selvaggia, die heute schon zu Hause war grübelte währenddessen nach, wie sie es anstellte die Karten für die Vorstellung von "Lord of the Dance" in München zu bestellen. Sie hatte so etwas bisher noch nie gemacht und war sich sehr unsicher. Plötzlich hatte sie eine Idee. Sie packte ihren Laptop, zog sich an und lief hinüber zu Kat. Die junge Frau öffnete etwas überrascht, als sie ihre Tante aufgeregt mit ihrem Laptop unter dem Arm vor der Türe stehen sah. "Hallo Kat du musst mir bitte helfen! Ich muss was für Lucifer machen und brauche unbedingt deine Hilfe. Er soll nichts davon erfahren." "Komm erst mal rein. Setz dich trink eine Tasse Tee und erkläre mir alles in Ruhe. "Ich habe im Internet gesucht, das habe ich von Lucifer gelernt, aber jetzt kann ich ihn nicht fragen, weil ich ihn überraschen möchte. Ich habe da etwas gefunden, wo ich denke das gefällt ihm, da er ja irische Musik auch mag neben Gothic und da bin ich Lord of the Dance  gestoßen. Die treten am Samstag den 31.3. in Wien auf. Ich weiß das ist sehr kurzfristig, schon diesen Samstag, aber wenn ich das verstanden habe sind noch Karten da, ich weiß nur nicht wie ich die bestellen kann." Kat lächelte. "Das ist eine ausgezeichnete Idee, Tante Selvi. Onkel Lucifer ist im Herzen ein halber Ire. Er hat dort ja auch ein Haus und er mag Whiskey und Irish Coffee und ja er mag Lord of the Dance, denn ich habe das vor einer ganzen Weile mal zufällig mit ihm im Fernsehen gesehen. Er meinte darauf, "Das ist in live bestimmt auch toll." Kat bestellte zusammen mit ihrer Tante die Karten auch ihren Namen und ließ sie an der Kasse hinterlegen. Selvaggia umarmte Kat dankbar und beeilte sich wieder nach Hause zu kommen. Als ihr Mann mit den beiden Jungen zurückkam saßen die Frauen bereits mit den Kindern am gedeckten Kaffeetisch.
"Setzt euch ich habe Muffins gebacken, als ihr weg wart. Und ihr könnt sie ruhig essen sie sind gut geworden, denn ich habe das Rezept von Tilly und vorher habe ich hin und wieder mit ihr gebacken um Übung zu bekommen und hier hat mir Ilse auf die Finger geschaut." sagte Selvaggia stolz. Er war überrascht, dass seine Frau gebacken hatte und offensichtlich mit ihrer Freundin Mathilde schon des Öfteren geübt hatte. "Die schmecken wirklich sehr gut, Papa. Mama hat echt gut gebacken!" sagte Luciano. Er lächelte seinen Sohn als Antwort an und setze sich neben seine Frau und nahm sich wie die beiden Jungen auch einen Muffin. Er war nicht unbedingt der Kuchenesser, aber wenn seine Frau schon mal etwas backte, so konnte er nicht sagen, er hätte jetzt keinen Appetit. "Sehr fein. Hast du gut gemacht." sagte er freundlich und lächelte seine Frau liebevoll an. Er aß den einen Muffin auf. "Ist etwas? Du siehst mich so an." fragte er seine Frau, deren Blicke er spürte. "Nein, natürlich nicht! Ich ... es ist nur... ich liebe dich und sehe dich gerne an und ich ..." Er sah sie erwartungsvoll an. "Ich vermisse dich Lucifer!" sagte sie etwas scheu und senkte den Kopf. Er nahm ihr Kinn hob es an und zwang sie so ihn anzusehen. Er schenkte ihr ein warmes, liebevolles Lächeln und sah ihr tief in die Augen. "Ich dich auch, ... Hexlein." flüsterte er. Ilse und Thalia sahen einander an und lächelten zufrieden. "Na das ist ja immerhin ein Anfang auch wenn eure Versöhnung schleppend vorangeht." sagte Ilse frech. Sie seufzten und tranken beide einen Schluck.
"Ich muss noch schnell Henrik anrufen, wegen der beiden neuen Ponys. Er machte für den nächsten Vormittag einen Termin aus. Am Nachmittag ritt er dann nur mit den beiden Mädchen aus um erst mal zu sehen, wie sicher sie bereits im Sattel waren, vor allem auf Ainé hatte er ein Auge, da er das erste Mal mit ihr ausritt, aber sie konnte es bereits überraschend gut. was ihn nicht wunderte auf Grund der Tatsache, dass sie eine reine Seraphim ist.
Der Rest der Woche verlief ereignislos. Lucifer und Selvaggia gingen zwar liebevoll miteinander um, aber immer noch etwas distanziert. Ilse, die seit dem Gespräch am Montag auf der Veranda wusste, wie ihr Junge sich fühlte und dass er deshalb sehr traurig war, freute sich sehr über Selvaggias Überraschung für ihren Mann und hoffte, dass er anschließend nicht mehr so viele Zweifel hatte, wobei sie wusste, dass er aber im Inneren immer noch sehr verletzt war, wegen des Misstrauens das ihm seine Frau entgegenbrachte, wo er doch nur sie liebte und ihr stets treu war, obwohl ihre Ehe die letzten Monate nur noch platonisch verlief.
Überrascht sah er auf, als seine Frau am Samstagabend in einem schicken Kleid auf der Veranda auftauchte. Ihm fiel fast seine Zigarette aus der Hand, da er so überrascht war, sie so schick und sexy vor sich zu sehen. "Wow ... was hast du denn vor? Willst du mich verführen?" fragte er grinsend, als er sich wieder gefasst hatte. "Nicht ganz, obwohl der Gedanke auch sehr schön ist. Aber erstmal habe ich etwas Anderes mit dir vor. Deinen Mantel hast du ja schon an und schick siehst du ja eh immer aus, deshalb können wir gleich los." antwortete sie und nahm ihm die halb gerauchte Zigarette aus der Hand und machte sie im Aschenbecher aus. Er starrte sie ungläubig an. Hatte sie ihm gerade seine Zigarette weggenommen? Hatte sie angedeutet sie würden heute ausgehen? Mein Mantel, die Muffins, ... und wenn er kurz drüber nachdachte hatte sie sich die letzten Wochen seit ihrem Streit heftig ins Zeug gelegt um ihm mit kleinen Gesten eine Freude zu machen. Selvaggia merkte, dass ihr Mann nachdenklich wurde. Sie griff nach seiner Hand. "Zauberst du uns bitte nach Wien zur Wiener Stadthalle?" Er tat es und sie tauchten in der Abenddämmerung in einer Gasse in der Nähe auf, so dass sie nur ein kurzes Stück zu laufen hatten. Er blieb plötzlich stehen, als er merkte was heute in der Halle aufgeführt wurde. "Na komm, oder gefällt dir "Lord of the Dance" nicht?" Er atmete einmal tief ein. "Doch, sehr sogar! Selvi? Woher weißt du und ... " Sie brachte ihn zum Schweigen, indem sie ihm einen leidenschaftlichen Kuss auf den Mund gab. "Sei still Lucifer und komm mit." sagte sie und zog ihn mit sich zum Eingang.
Nachdem Selvaggia die vorbestellten Karten abgeholt und bezahlt hatte begaben sie sich auf ihre Plätze. Sie beobachtete ihren Mann und stellte fest, dass er begeistert zusah und seit langem mal wieder glücklich wirkte. Als sie die Stadthalle verlassen hatte, zog er sie an sich und küsste sie da erste Mal seit ihrem Streit wieder so leidenschaftlich, als könne er ihr nicht widerstehen. Selvaggia genoss den Kuss.
"Danke. Das war eine gelungene Überraschung." flüsterte er ihr ins Ohr. "Ich habe noch eine Überraschung für dich. Wir werden erst Dienstag wieder zu Hause erwartet. Du hast hier doch bestimmt auch ein Haus, wie ich dich kenne." sagte sie. "Kein Haus, ist hier in Stadtmitte etwas schwierig, aber eine sehr komfortable Eigentumswohnung. Ich war bisher nur sehr selten hier." antwortete er.
"Na dann lass uns gehen. Ist es weit von hier, ich hätte Lust auf einen kleinen Nachtspaziergang." sagte die schöne Hexe. "Von hier aus ist es etwas weit, wir müssten ein paar Stationen mit der U-Bahn fahren und dann könnten wir noch ein paar Blocks laufen, wenn du es ohne Magie bevorzugst." Sie nickte. Er nahm ihre Hand und lief zur nächsten U-Bahnstation, dort löste er zwei Karten und stieg wenn auch etwas widerwillig in die U-Bahn. Er fühlte sich in solchen Situationen immer sichtlich unwohl, aber heute Abend war ihm das fast egal. Er war glücklich über das Geschenk seiner Frau, das er als Liebesgeste und Entschuldigung ihrerseits deutete. Die U-Bahn war überraschenderweise noch sehr voll, so dass sie keinen Sitzplatz mehr bekamen. Er lehnte sich an die Wand in einer Ecke der U-Bahn und zog seine Frau an sich. Er küsste sie leidenschaftlich, wodurch sie die Aufmerksamkeit der anderen Fahrgäste auf sich zogen. Hand in Hand liefen sie anschließend durch das Luxuswohnviertel zu seiner Wohnung. Mit einem Fingerschnippen erschien in ihrer Hand ein Hausschlüssel. Sie blieb in dem langen schmalen Flur stehen und warf einen Blick in das erste Zimmer. Ihre Augen weiteten sich. Hohe Wände, Stuck an der Decke, knarzender Parkettboden ... genauso wie sie sich eine typische, Stadtwohnung vorstellte, nach dem sie diese schon in Filmen gesehen hatte. "Aber den Kamin darf ich mit Magie anmachen, da ich leider kein Holz hier habe." sagte er grinsend. "Mach schon. Ich will ja schließlich nicht frieren und so ein romantisches Kaminfeuer ist genau das was ich jetzt brauche."
Mit einer Flasche Wein machten sie es sich vor dem Kamin der luxuriösen Altbauwohnung gemütlich. So kam eins zum anderen und sie verbrachten seit langem mal wieder eine leidenschaftliche Liebesnacht miteinander. Am nächsten Morgen wurde er von Kaffeeduft und frischen Brötchen geweckt. Überrascht setzte er sich an den gedeckten Frühstückstisch. "Bevor du fragst, ich war um die Ecke bei dem Bäcker und dem danebenliegenden Supermarkt." Er starrte seine Frau etwas ungläubig an. So selbstständig, locker und unternehmungslustig kannte er sie gar nicht. "So und jetzt iss. Ich möchte etwas von der Stadt sehen und diese Zeit mit dir zusammen genießen." "Du hast das gestern Abend geplant, hast zwei weitere Tage für uns geplant, als Kurzurlaub sozusagen?" fragte er immer noch etwas ungläubig.
Sie nickte. "Selvi, du überrascht mich und das im positiven Sinne." antwortete er und trank von seinem Kaffee. Mit etwas Stolz auf sich selbst lächelte sie ihn verliebt an. Nach dem Frühstück machten sie die Stadt unsicher. Sie besuchten die Spanische Hofreitschule, da Selvi wusste wie gern er seinen Hengst mochte und wie gern er auf ihm den Strand entlang ritt, hatte sie sich auch um einen Besuch gekümmert. Dann machten sie eine Führung durch Schloss Schönbrunn mit. Und bummelten dann noch durch die Stadt, kauften diverse Kleinigkeiten für ihre Kinder, Ilse und auch Thalia, und Kaffee in einem netten kleinen Lokal. Etwas erschöpft, kamen sie wieder in ihrer Wohnung an. Nach etwas Erholung genossen sie die zweite Nacht gemeinsam. Selvaggia freute sich ihren Mann mal wieder so ausgeglichen zu sehen und es schien, als wäre er mal wieder glücklich.
"Lucifer, was ist los?"  fragte sie, sichtlich besorgt als sie merkte, dass er offensichtlich ziemlich starke Kopfschmerzen hatte. "Ich war zu lange nicht in der ... Hölle. Gib mir eine Stunde, dann  ...bin ich wieder fit." sagte er leise, nahm eine der Tabletten die er von Sandy bekommen hatte und griff nach seiner Kaffeetasse. Im Vorbeigehen gab er ihr einen zärtlichen Kuss und ging ins Schlafzimmer, wo er sich auf das Bett legte. Nach eineinhalb Stunden kam er wieder heraus. Setzte sich neben seine Frau auf das Sofa, die gerade etwas durch die Kanäle schaltete. "Geht es dir wieder besser?" Er nickte. "Ja. Und jetzt bin ich dran. Du hast mir die letzten beiden Tage so viel bewiesen und eine große Freude gemacht, dass ich jetzt noch etwas für dich habe ..." "Aber Lucifer, das ..." unterbrach sie ihn. Er legte ihr den Finger auf die Lippen. "Nein! Wenn wir schon mal in Wien sind, dann sollst du wenigstens einmal im Stephansdom gewesen sein und wir gehen heute Abend in die Wiener Staatsoper." "Lucifer? Das ..." Er schüttelte den Kopf. "Die Wiener Staatsoper, habe selbst ich noch nicht gesehen, und muss zugeben, dass mich das Gebäude neugierig macht - der kleine Zusatz mit dem Opernbesuch, das ist ... na ja, ich weiß auch nicht wirklich was läuft, aber in der Regel gibt es immer noch Karten an der Abendkasse."  Sie lächelte ihn liebevoll an. "Lucifer du bist der beste Mann der Welt und ich liebe dich so sehr."
Selvaggia war begeistert den Stephansdom gesehen zu haben. Am Abend standen sie vor der Wiener Staatsoper. "Das Gebäude sieht ja schon mal sehr schön aus. Ich gespannt, was läuft." sagte Selvaggia. Ihr Mann seufzte innerlich auf, als sie lasen, dass heute ein Ballett aufgeführt wurde. "Wollen wir uns das wirklich antun?" fragte Selvaggia ihren Mann. "Na wenn wir schon mal da sind."
Am Dienstagnachmittag kamen sie sichtlich erholt zurück und waren überrascht, dass Kat und Sandy zu Besuch waren. "Hallo Onkel Lucifer. Wir kamen vorbei um uns zu erkundigen, wann ihr zurückkommt und da hat Ilse uns kurzfristig eingeladen. Ihr seht erholt aus." Von ihren Kindern wurden sie mit einer freudigen Umarmung begrüßt. "Es war so wundervoll!" rief Selvaggia beschwingt und tanzte - eine Melodie aus dem Ballett summend durch die Küche. Der Höllenfürst lachte leise. "Meine kleine Primaballerina..." Er zog sie in seine Arme und küsste sie, während die Kinder kicherten. Thalia murmelte ein: "Pst!" "Na, das scheint ja ein interessantes Ballett gewesen zu sein." meinte Sandalephon. "Was habt ihr denn gesehen?" "Das Ballett "Le corsaire" von Adolphe Adam und Léon Minkus. Es ging um Piraten und aufregende Befreiung und überhaupt - und es hat sozusagen in Griechenland gespielt, zu türkischer Besatzung." antwortete Selvaggia immer noch tanzend, auch in den Armen ihres Mannes, der das mit einem Grinsen geschehen und sich sogar ein wenig mitreißen ließ. Thalia lächelte. "Klingt aufregend."
"Henrik hat sich übrigens die beiden neuen Ponys angeguckt. Sind beide kerngesund, sagt er. Und die kleine Samantha kann es gar nicht erwarten ihren "Marshmallow Chocolate" Jan vorzustellen und die Kinder haben alle gefragt, wann ihr beide wieder da seid." informierte Ilse sie mit einem Zwinkern. Der Höllenfürst lächelte. "Ich denke, Selvi, mein Hexlein, wir sollten für dich und Thalia auch ein Pferd kaufen. Dann könnt ihr mit der Ponybande und mir ausreiten. Und ich weiß, du liebst Tiere. Ich habe auch schon ein schönes Gestüt in Slowenien im Blick. Die Pferde dürften euch beiden gefallen." "Slowenien? Wieso das?" fragte Selvaggia überrascht. "Lipica liegt in Slowenien. Dein Mann will dir bestimmt eine hübsche Lipizzaner-Stute schenken." meinte Thalia lächelnd. Selvaggia sah ihren Mann beglückt und schockiert zugleich an. "Eine... ein so schönes Weißes Pferd wie die in der Hofreitschule?" "Ja, ich dachte, das passt zu dir. Sie sind sehr kontaktfreudig und lernen schnell. Es sind intelligente, langlebige, aber auch mental sehr starke Tiere..." antwortete der Höllenfürst. "Oder wir reisen nach Spanien und schauen ob wir einen hübschen Andalusier für dich kaufen. Mutige, treue - aber sensible und oft nur auf ihren Reiter bezogene Tiere..." "Oh Lucifer, ich freue mich schon! Egal ob Lipizzaner oder Andalusier, ich denke, das wird genauso sein mit meinem Pferd wie bei unserem Großen. Er hat seine kleine Stella Mattina ja auf sich zukommen lassen."
"So, genug geredet, setzt euch und esst Kuchen mit! Ich habe Eierlikörkuchen gemacht!" meinte Ilse und stellte zwei Gedecke auf den Tisch und für ihren Jungen einen Pharisäer daneben. Dieser lächelte die ältere Dame liebevoll an. Sie setzten sich und Selvaggia nahm sich ein Stück des Kuchens, teilte es einmal und tat es ihrem Mann auf den Teller, während er eine Tablette gegen die Kopfschmerzen nahm und diese mit einem Schluck Pharisäer hinunter schluckte. "Lucian! Tabletten nimmt man mit Wasser und nicht mit Kaffee und Alkohol." wies ihn Ilse zurecht. "Das ist ja wohl egal. Im Magen kommt es eh zusammen." murmelte er leicht gereizt. "Willst du nicht mehr Kuchen?" fragte er seine Frau. "Nein, ich möchte ein bisschen auf meine Figur achten - ohne Diät." Er lächelte und wandte sich wieder an Ilse, die jetzt weiterredete. "Und sich dann beschweren, wenn du wieder Magenschmerzen hast." "Das mache ich nie! Ich beschwere mich nicht und wimmere nicht herum, das möchte ich mal klarstellen. Und außerdem sind sie seit Sandy (er warf seinem Bruder einen gespielt bösen Blick zu) mir die Spritzen verpasst hat um einiges besser." Ilse seufzte. "Vielleicht, aber du hast noch Magenschmerzen." murmelte sie. Er seufzte. "Ach Mutti, die sind mittlerweile wieder erträglich und bessern sich auch langsam, seit ... es wieder besser läuft, ihr wisst was ich meine und macht euch doch nicht immer Gedanken wegen mir. Ich komme schon klar." Jetzt stieß Ilse einen Seufzer aus. "Onkel Lucifer ist ebenso Ilse, und das kannst auch du nicht ändern." sagte Kat. "War er schon immer, soweit ich mich erinnern kann." fügte Sandalephon hinzu. "Papa, können wir nachher noch ausreiten? Und auch Samantha und Jan holen und Jasper geht bestimmt auch mit, jetzt wo er wieder mit Christian befreundet ist und auch die Zwillinge von Onkel Derek und ..." Sein Vater massierte sich die Schläfen, während er seinem Ältesten zuhörte, da die Tablette ja nicht sofort wirkte.
"Langsam Luciano. Lass uns das mal für morgen Nachmittag planen, dann kann ich das morgen früh mit Derek klären, wenn er die Zwillinge in den Kindergarten bringt. Aber wenn ihr gleich noch ein bisschen ausreiten wollt, dann gerne. Ich wollte auch noch mit Black-Shadow ausreiten. Da könnt ihr gerne mitkommen." zufrieden nickte sein Sohn. "Christian, du kannst gerne noch bei Jasper anfragen, ob er auch mit will. Ab morgen ist er ja eh wieder da bei den Hausaufgaben." sagte er mit einem leicht fiesen Grinsen. "Ich rufe ihn schnell an." sagte der Junge und verließ den Raum.
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