♡ BTS - The first true Love

GeschichteDrama, Romanze / P18
Jimin OC (Own Character)
01.01.2019
26.07.2019
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13:46 Uhr... Ich hasse Englisch. Die Sprache nicht, nur den Unterricht. Selbst hier konnte ich keinen Gefallen am Englischunterricht finden und so passte ich nur halb auf. Die andere Hälfte meines Kopfes war bei dem bevorstehendem Fanmeeting von BTS. Es waren nur noch etwas mehr als zwei Wochen, dann würde ich sie endlich sehen. Ihn sehen… Mein Traum wäre somit endlich erfüllt, doch gleichzeitig fragte ich mich, was hatte ich danach für einen Traum? Klar, Mia und mein Studium beenden, aber das waren keine Träume in dem Sinne. Das waren reale Ziele die man definitiv erreichen konnte. Ein Traum, in meinem Sinne, war ein eigentlich unrealistisches Ziel, was man vielleicht mit etwas Mühe doch erreichen konnte. Und wie wahrscheinlich war es bitte, ein Idol, welches auf der anderen Seite der Welt lebt, zu sehen? Genau- 0,00001%.

Die Klingel holte mich schließlich wieder aus meinen Gedanken heraus und signalisierte mir, dass ich nun zu meinem Wahlfach musste - Psychologie. Doch die Motivation sank mit jeder Sekunde, mit jedem Schritt, den ich tat, um den Raum zu verlassen.

Auf dem Gang, als ich mich auf den Weg zum anderen Raum machte, verlor ich mich wieder in einer anderen Realität. Ich erinnerte mich an die hasserfüllte Nachricht. Ich konnte sie auswendig, dabei hatte ich sie nur einmal gelesen. Ein zweites Mal hatte ich mich nicht getraut, die Angst war zu groß gewesen. Sie war real und doch wünschte ich, es wäre nur ein böser Alptraum. Und genau aus dieser Hoffnung heraus, hatte ich die Nachricht nicht wieder geöffnet. Vielleicht verschwand sie ja auch, wenn ich sie nur lange genug verdrängte…
Ich bemerkte nicht einmal, wie ich mitten auf dem Gang, im zweiten Stock, stehen blieb. Mein Handy lag in meiner Hand und war eingeschaltet. Ich spielte mit dem Gedanken, ihm zu schreiben. Aber was hatte ich für einen Grund? War mir langweilig? War ich um ihn besorgt oder vermisste ich ihn einfach?
Schnell schüttelte ich meinen Kopf und steckte mein Handy wieder weg. Das war doch dämlich. Er konnte mir mit meinen Sorgen vorerst nicht helfen, mal abgesehen davon, dass er sie noch nicht einmal kannte. Und jemanden, den ich gerade erst kennengelernt hatte, wollte ich nicht mit meiner verkorksten Vergangenheit belästigen.
"Hey Sasha!" Ich hob meinen Blick und sah Jong Su und Dong-Min auf mich zu kommen.

"Hey jungs, was treibt euch hier her?" Ich setzte ein Lächeln auf, auch wenn mir gar nicht danach zu Mute war und ich meine Gesichtsmuskeln ordentlich anstrengen musste, um den fröhlichen Gesichtsausdruck zu halten.

"Wir wollten zu dir!", grinste Jong Su. Fragend hob ich eine Augenbraue und wartete gespannt, was die beiden von mir wollten.

"Nun, wo der ganze Stress mit dem Einleben der neuen Studenten sich gelichtet hat, wollen wir älteren eine kleine Einweihungsparty feiern! Und wir wollten fragen, ob du uns bei den Vorbereitungen helfen kannst? Natürlich ist es Pflicht auf der Party aufzutauchen, als Neuling." Überrumpelt von der plötzlichen Zwangseinladung schaute ich nur bedröppelt von einem Jungen zum anderen. Wenn ich ehrlich war, wollte ich im Moment keine Partys feiern, auch wenn es sicherlich eine gute Möglichkeit gewesen wäre, den Kopf mal frei zu bekommen.

"Ähh… Also mit vorbereiten... Ja, ne. Ich hab dafür absolut kein Händchen… Ich kann ja nicht mal meine eigene Geburtstagsfeier planen!", sagte ich hastig. "Und muss ich echt kommen? Ihr wisst doch, ich hab noch meinen Nebenjob…" "NANA! Keine Ausreden! Du musst mal unter die Leute! Man sieht dich viel zu selten allein! Kann ja nicht sein, dass ein so hübsches Mädchen keine Freunde hat!", rief Dong-Min empört.
Eine simples Kompliment brachte meine Entscheidung ins Wanken und zauberte ein kleines- aber diesmal ehrliches- Lächeln. "Na gut, ich probier's... Ich muss dann aber auch weiter... Entschuldigt mich..." Ich verbeugte mich leicht vor den Jungs und drängte mich an ihnen vorbei, um in mein Kursraum zu kommen. "Nächste Woche Samstag um 18 Uhr vor dem Wohnheim!", hörte ich noch die Jungs synchron rufen und schloss seufzend meine Augen.

Im Kursraum setzte ich mich etwas nach hinten, leider jedoch nur an der Wandseite, da die komplette Fensterfront schon besetzt war. Klar, jeder liebte die Fensterfront.
Psychologie ging wie nichts an mir vorbei. Ob es daran lag, dass ich mich strikt auf das Mitarbeiten konzentriert hatte und so die Zeit verging oder an dem Fakt, dass Psychologie ein so spannendes Thema war, wusste ich nicht. Nur, dass ich mich nun durch Ethik der Medizin durchquälen durfte, trotz der, anderthalb Stunden langen, Mittagspause, die dazwischen lag.
In Ethik der Medizin lag meine Motivation für den Tag unter dem Erdboden. Das wurde nur noch verschlimmert, als ich einen dringenden Anruf reinbekam, der mich aus dem Unterricht entschuldigen ließ.
Auf dem Gang ging ich schließlich an mein Handy.


"Ja, hallo?"
"Hallo Frau Sommer. Hier ist Frau Kaiser. Ich hoffe, ich störe nicht?"
"Absolut nicht. Gibt es was Neues?"
"Ja, jedoch keine guten Nachrichten. Dadurch das sie nicht hier in Deutschland sind, verläuft das Verfahren momentan wirklich nicht gut für Sie. Herr Kuhn legt immer mehr Punkte auf, die gegen ein Sorgerecht für Sie spricht. Des Weiteren ist nun auch sein Vater auf seiner Seite."
"Ich verstehe...Und was soll ich nun machen? Ich kann schlecht wieder zurück fliegen! Ich habe mein Studium und auch mein Job, den ich nicht aufgeben kann. Das ist ein wirklich ungünstiger Zeitpunkt, am Anfang des Semesters."
"Ich weiß, Frau Sommer. Aber wir sollten nicht mehr so lange warten. Wenn sie wirklich das Sorgerecht haben wollen, lassen sie sich was einfallen. Reden sie mit ihrem Ex. Vielleicht kommen sie auf einen weißen Punkt."
"Das glauben sie doch wohl selbst nicht! Ich habe Ihnen erzählt was passiert ist! Mia ist so klein; was wenn er ihr doch etwas antut!? Ich werde nicht zulassen, dass er je die Möglichkeit hat, ihr dasselbe anzutun wie mir, egal wie oft er geschworen hat es nicht zu tun!"
"Beruhigen Sie sich! Ich weiß ja. Aber ansonsten kann ich hier drüben wirklich nichts für Sie tun, das Verfahren wird vorerst eingestellt und das Sorgerecht bleibt bei ihrem Ex."

Eine Ewigkeit des Schweigens entwickelte sich zwischen meiner Anwältin und mir, wurde jedoch unterbrochen, bevor sie etwas sagen konnte.

"Keine Sorge.. Das wird nicht lange anhalten.."

Damit legte ich auf. Den Tränen nahe, jedoch unterdrückend, betrat ich wieder die Klasse.Jedoch setzte ich mich nicht wieder hin. Nein, der Tag war für mich gelaufen. Ich ließ mich vom Lehrer entschuldigen und verließ hastig und mit großen Schritten fluchtartig die Klasse.

Konnte nicht ein Tag mal glücklich verlaufen? Komplett glücklich ohne irgendwelche verdammten Vorfälle aus Deutschland? Ich gab mir so verzweifelt viel Mühe, nicht in mein altes Verhaltensschema zu fallen, doch das machte es mir so unglaublich schwer.

Ein paar der Tränen, die vor Verzweiflung und Zorn hochgekocht waren, liefen mir jetzt über die Wangen; ließen mich nur verschwommen sehen. Ich rannte sie Treppen runter, direkt auf den Haupteingang zu. Für einen Moment haderte ich an der schweren Eingangstür; es gelang mir nicht, diese zu öffnen, da meine Hände zu sehr zitterten. Nach einigen Herzschlägen jedoch, gelang es mir schließlich, die Türen aufzustoßen und nach draußen zu gelangen. Auf dem Gelände war es vollkommen ausgestorben, doch das war mir recht. Ich wollte grade niemanden um mich haben; wollte mit niemandem reden und niemanden sehen. Weder Jong Su, noch Dong-Min, noch Jin, noch ihn. Grade nicht ihn.

So hoffte ich auf meinem Heimweg, den ich übrigens halb rannte, niemanden zu treffen und das wurde mir auch gewährt.

Zuhause schmiss ich meine Tasche in die nächste Ecke, lief durch zum Wohnzimmer und tigerte wie wild herum. Die Wut übernahm meinen Kopf und ich fluchte, schrie und tobte in der Wohnung rum. Die Tränen rannen über meine Wange, unkontrollierbar.

"Warum??!! Warum verdammte Scheiße, tust du mir das an, du verfluchter kleiner Wichser!?!", schrie ich und warf mein Handy irgendwo ins Wohnzimmer. Ob es grade kaputt gegangen war, interessierte mich nicht die Bohne. Ein Glück hatte ich keine Sachen zum Werfen in meinem Wohnzimmer, so waren es nur Kissen die meinem Handy in irgendeine Ecke des Raumes folgten.
Auch wenn ich an das Fanmeeting mit BTS dachte, konnte mich das kein Stück beruhigen. Verzweifelt, wie ich nun mit meiner Laune umgehen sollte, da ich solch einen Ausraster nun schon seit Kindheit nicht mehr hatte, riss ich mir meine Uni Klamotten vom Leib und ging ins Schlafzimmer.

Aus meiner Kommode zog ich eine rosafarbene Jogginghose und ein braunes T-Shirt mit dem Aufdruck "STAR" heraus, zog mir dies über, nur um dann gleich im Flur meine Sportschuhe anzuziehen. Meine Schlüssel packend verließ ich meine Wohnung und rannte gefühlt durch die halbe Stadt. Obwohl mir nach 5 km die Luft wegblieb, meine Beine mich eigentlich nicht mehr tragen konnten, lief ich weiter. Ich vergaß Zeit und Ort, sowie meine Gedanken. Es dauerte, doch irgendwann beruhigte ich mich, es flossen keine Tränen mehr und meine Laune war wieder auf einer neutralen Ebene.


Am Abend, nachdem ich vom Laufen wieder zuhause ankam, hatte ich mich gleich an meine Hausaufgaben gesetzt, die diese Woche abgegeben und schon längst hätten fertig sein müssen. Des Weiteren saß ich an meiner Bewerbung für mein Praktikum, welches ich Ende Dezember hatte. Ich hatte beschlossen mich im großen Seoul National University Krankenhaus für die Kinderstation zu bewerben und musste, um tatsächlich dort angenommen zu werden, meine Bewerbung noch ein wenig aufpeppen. Eigentlich war so gut wie jeder Bereich eines Krankenhauses interessant und wenn ich mehr Gelegenheiten haben könnte, würde ich wohl jeden einzelnen ausprobieren. Die Kinderstation hatte eigentlich nur aus einem einzigen Grund überwogen: Mia. Sich auf Kinder zu spezialisieren, war die beste Möglichkeit, Mia mal zu helfen, falls ihr irgendetwas passierte. Bei dem Gedanken wurde mir schlecht und ich schob ihn von mir.

Irgendwann spät am Abend, es hatte bereits das dämmern begonnen, erschrak ich zu Tode, als plötzlich wie aus dem Nichts mein Handy zu klingeln begann. Ein kleiner Schrei entfloh meinem Mund und ich schaute mich um. Zu sehr war ich mit meinen Hausaufgaben beschäftigt, die Buchseiten ordentlich zusammen zu fassen.
Mein Handy klingelte noch drei Sekunden weiter, bevor die Person wieder auflegte. Ich schaute mich um, sah es jedoch nirgends. Ich stellte meinen Laptop auf den kleinen Wohnzimmertisch vor mir und stand auf. Ich drehte meinen Kopf und mich im Kreis. Ich konnte es absolut nirgends erkennen und ich erinnerte mich nur, dass ich es irgendwo hingeworfen hatte, jedoch hatte ich die Richtung vergessen… na super…
Und da war es wieder. Ich hörte, wie das Lied "I Know" durch den Raum klingelte. Schnell drehte ich meinen Kopf und sah am anderen Ende des Panorama Fensters etwas aufleuchten. Schnell lief ich zu dem rechteckigen Ding, nahm es in die Hand und ging, ohne wirklich zu schauen wer klingelte, ran.

"Ja, hallo?", grüßte ich auf Koreanisch, wie programmiert. "Hey mein Schatz, ich bin's." Automatisch schaltete mein Hirn auf deutsch um, als ich die liebevolle und vertraute Stimme meiner Mutter vernahm.
"Hey Mama. Was gibt's?" Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen und mein Kopf war wie leergefegt, als hätte ein Zauberlehrling einen Zauberspruch ordentlich ausgesprochen und meinen Kopf komplett gelöscht, bis auf meine Sprachkenntnisse.
"Ich hab heute frei und dachte ich probiere es mal bei dir. Hoffe, ich störe nicht?" "Nein, absolut nicht. Wie spät ist es denn?" Ich drehte mich auf der Stelle und ging rüber in die Küche, um nach der Uhrzeit zu schauen, doch meine Mutter war etwas schneller als ich.
"Es ist 12:36 Uhr hier bei mir. Bei dir ist es dann..." "...19:36 Uhr", beendete ich ihren Satz. Da ich schon in der Küche war, nutze ich gleich die Gelegenheit und holte mir eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank, nur um mich gleich darauf gegen diesen zu lehnen. Das Handy zwischen Kopf und Schulter eingeklemmt, öffnete ich die Wasserflasche. Mit der linken Hand nahm ich wieder mein Handy, die rechte führte die Flasche an meinen Mund und mein Hals, der inzwischen so trocken wie eine Wüste war, erhielt die sehnsüchtige Flüssigkeit.
"Was machst du so?", fragte meine Mutter um irgendwie das Gespräch zu beginnen. "Ich saß grade an meinen Hausaufgaben, aber keine Sorge. Bin fast fertig", log ich sie an. Eigentlich war ich erst bei der Hälfte und musste morgen die Zusammenfassung abgeben, jedoch wollte ich nun in Ruhe mit meiner Mutter reden. Denn ich genoss es ihre Stimme zu hören. "Und du?" "Nichts. Aber ich hab gestern Mia gesehen. Sie ist ja richtig groß geworden!" Ein Lächeln schlich sich wieder auf meine Lippen, wenn auch ein trauriges. Ich hatte bisher nur Bilder bekommen, wo ihr Oberkörper zu sehen war. Ihre richtige Größe sah ich nicht, daher konnte ich das auch nicht beurteilen.
"Alles gut?" "Hm? Jaja, ich bin nur müde." "Dann lass uns Schluss machen. Mach deine Hausaufgaben und leg dich hin. Wir reden wann anders, mein Schatz." "Danke. Hab dich lieb. Tschau." "Ich dich auch, Bye." Damit legte meine Mutter auf.

Ohne groß nachzudenken, ließ ich mein Handy in der Küche liegen, nahm die Flasche mit ins Wohnzimmer und setzte mich wieder vor meinen Laptop. Ich las mir noch einmal das durch, was ich bereits geschrieben hatte und beschloss es ein wenig kürzer zu machen. Unnötige Infos strich ich und schrieb dann schließlich dort weiter, wo mich das Klingeln herausgerissen hatte.


Am Mittwoch nutze ich die freie Zeit zwischen meinen Unterrichtsstunden, um meine Bewerbung für das Praktikum im Krankenhaus abzugeben. Da ich heute Morgen sachte verschlafen hatte, konnte ich vergessen die Zeit im Krankenhaus noch vor dem Start der ersten Unterrichtsstunde irgendwie in meinen Zeitplan rein zu quetschen.
So saß ich nun jetzt, um 14:40 Uhr, im Bus und war mit den Gedanken in eine andere Welt abgedriftet, schaute aus dem Fenster und ließ dabei TxT's erstes Album in meinen Ohren klingeln. Rauf und runter. Doch so fröhlich ihr Konzept auch war, es konnte meine Stimmung einfach immer wieder aufheitern, egal, wie oft ich ihre Lieder anhörte.

BTS begleitete mich nun seit fast 4 1/2 Jahren, was keine wirklich lange Zeit ist, aber für mich wirkte es beinah wie eine Ewigkeit. Die letzten Jahre schienen zu ihrer Zeit nicht so, als würden sie niemals zu Ende gehen, ich konnte mich beinah an jeden Tag erinnern, insofern BTS darin eine Rolle spielte. Ich erinnerte mich an die wundervollsten Tage, an denen ich in die Hölle tanzen hätte können und nichts mir die Laune verderben konnte, sodass BTS meine Laune nur weiter oben hielt, und auch an die Tage an denen ich einfach für nichts zu gebrauchen war und BTS mich so gesehen wieder aufgebaut hatte. Diese sieben Jungs waren für mich die Luft zum Atmen geworden. Jeden Tag hörte ich mindestens ein Lied von ihnen, und sei es nur mein Wecker oder Klingelton. Ich brauchte nur einen Satz von einen der sieben hören, dann ging es mir gut. Und hörte ich seine Stimme, war sowie so alles gerettet. Wenn ich diese Engelsgleiche, sanfte Stimme hörte, konnte ich nicht anders als zu lächeln. Klar, es war nur eine Schwärmerei eines Fans, aber Jimin erweckte etwas in mir, was seit nun 23 Jahren geschlummert hatte. Entschuldigt, 24 Jahren, nach koreanischer Zeitrechnung.

Ich wusste nicht was es war, was erweckt wurde. Vielleicht der Wille endlich richtig zu leben, zu erleben, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen und nichts mehr zu verpassen. Vielleicht war es das, genau sagen kann ich es allerdings nicht.

Eine halbe Stunde fuhr ich zum Krankenhaus. Als das große, helle und modern wirkende Gebäude vor meinen Augen auftauchte, staunte ich nicht schlecht. Überall Fenster, es wirkte freundlicher und selbst wenn man stationär hier aufgenommen wurde, würde sich das tatsächlich nicht so schlimm anfühlen wie in vielen anderen Krankenhäusern, die meistens so trist und einsam wirkten. Selbst bei den ganzen Ärzten und Schwestern, im Krankenhaus fühlte ich immer diese Einsamkeit. Doch hier waren so viele Leute draußen; hier konnte es doch nie langweilig werden!

Still betete ich zum Himmel, dass ich tatsächlich einen Praktikumsplatz bekommen würde, auch wenn ich nie der Typ gewesen war, der an einen Gott glaubte. Dennoch brachte mich die fast übermenschliche Hoffnung, hier meine ersten Erfahrungen in Medizin machen zu dürfen.
Meine Bitte, wie ein Mantra im Kopf rauf und runter sagend, ging ich nervös zum Haupteingang und betrat die Eingangshalle. Diese war sehr groß und hell, quasi wie ein Glashaus. Das Licht von draußen erhellte jeden Zentimeter.

Viele Leute, jung und alt, liefen umher und lautes Gerede erfüllte die Luft, sodass ich für einen aberwitzigen Moment glaubte, wieder zurück auf dem Campus der Uni zu sein und mitten in der Mensa zu stehen. Wenn mal außer Acht ließ, dass hier lauter Ärzte in weißen Kitteln herumliefen…

Als meine Augen mit der Erkundung der Eingangshalle fertig waren, suchten sie die Information, die ich auch recht schnell fand, durch die auffällige Beschreibung direkt darüber. Hinter dem Tresen saß eine junge Koreanerin, vielleicht Ende zwanzig. Sie hatte kurze brauche Haare und ihre Augen wirkten durch ihr Make-Up größer als die normalen asiatischen Augen.
Mit einem Lächeln begrüßte ich die Frau und begann gleich mein Anliegen auszusprechen.

"Guten Tag, mein Name ist Sasha Sommer. Ich möchte gerne meine Bewerbung für ein Praktikum auf der Kinderstation abgeben. Wo muss ich dahin?" Die Dame lächelte mich ebenfalls an, etwas müde, aber ehrlich.
"Mit dem Fahrstuhl in den zweiten Stock, dann nach links. Sie können es nicht übersehen." Ich verbeugte mich leicht, bedankte mich und folgte der Wegbeschreibung.
Auf der Kinderstation war nicht viel los. Es war relativ ruhig im Gegensatz zum Foyer. Einige Schwestern liefen umher, auch ein Arzt kam mir entgegen, doch ein Blick auf sein Schildchen, ließ mich -trotz meiner verschlechterten Sicht- erkennen das er nicht der war, den ich suchte.
Um nicht ewig nach dieser Person zu suchen, ging ich schnurstracks auf eine Schwester zu und fragte diese.
"Ja, moment. Er hat grade Visite bei einem kleinen Patienten. Wenn Sie hier warten könnten, werde ich ihm Bescheid geben." "Danke." Die Schwester nahm noch einige Papiere mit ehe sie sich auf den Weg machte. Ich setzte mich inzwischen auf einen der blauen Stühle, die hier immer m vierer Stack an den Wänden entlang standen. Neben dran auch mal ein Tisch mit einigen Zeitschriften. Diese weckten jedoch weniger mein Interesse, als ein kleines Mädchen, welche grade den Weg entlang gehumpelt kam. Sie kam mir etwas verwirrt und ängstlich aus, weshalb ich aufstand und langsam auf sie zuging, um sie nicht zu verschrecken.

Vor ihr blieb ich stehen und hockte mich hin, um mit ihr auf einer Höhe zu sein und das Vertrauen besser aufbauen zu können. Ein Lächeln zierte meine Lippen, als ich sie ansah.
Das kleine Mädchen hatte ihre langen, schwarzen Haare zu einem Zopf gebunden, ihre braunen Kulleraugen waren hell wie Bernstein und umringt von vollen Wimpern, die mich an meine eigene Tochter dachten ließen.
"Hey, kleines Mädchen. Ist alles in Ordnung? Wo sind denn deine Eltern?"

Zuerst sah sie mich ängstlich an, doch mein Lächeln verging nicht und so sprach sie schließlich doch leise mit mir.

"Ich hab mit meinem Bruder fangen gespielt. Aber er war so schnell, dass ich ihn nicht einholen konnte und dann bin ich hingefallen und nun tut mir mein Fuß weh..." Die Augen von ihrem Mädchen füllten sich mit Tränen, die sie schnell mit der Hand wegwischte, doch ich sah sie.

Ich hob langsam meine Hand hielt ihr sie hin. "Ich bring dich zu einer Ärztin. Die kümmert sich um deinen Fuß und findet deinen Bruder." Sie nickte, legte ihre kleine Hand in meine, doch ich hob sie einfach gleich auf den Arm. Ich kannte mich zu gut mit Knöchel Verletzungen aus, hatte als Kind selber ständig welche gehabt und wusste daher, dass Belastung völlig falsch war.
So trug ich die Kleine die paar Meter zu einer Schwester, die gerade aus einer der vielen Türen im Gang trat.

"Entschuldigen Sie; dieses Mädchen hat sich ihren Knöchel verletzt und sucht außerdem ihren Bruder und wahrscheinlich ihre Eltern." Die Schwester blickte erst mich an, dann das Mädchen und dann den Fuß, den das Mädchen jetzt in einer seltsamen Verrenkung umklammert hielt. "Kommen Sie bitte mit, ich zeige Ihnen wo Sie sie absetzen können." Ich nickte. Der Schwester folgend konnte ich die kleine drei Räume weiter auf einer Liege absetzen.

"Danke...", murmelte die kleine. "Gerne, wie heißt du denn eigentlich?" "Min-Ah." "Ein wirklich schöner Name. Also, du bist hier in besten Händen, bis deine Eltern kommen. Ich wünsche dir alles Gute." Ich wollte mich grade umdrehen, als mich ein paar zarte Finger am Saum meiner Jacke festhielten. Verdutzt sah ich zu dem Mädchen hinab, doch sie erwiderte meinen Blick in einem Anflug von Schüchternheit nicht; stattdessen starrte sie einfach auf den Boden.

"Kannst du da bleiben? Ich möchte nicht alleine sein..." Ich war etwas erstaunt, doch ich blieb, ließ mich auf einen Stuhl fallen und nahm ihre kleine Hand, die mich eben noch festgehalten hatte, in meine Hände.
Nachdem eine Schwester den Knöchel kurz untersucht, dann eine Salbe auf das Fußgelenk geschmiert und einen Verband um die Problemzone gewickelt hatte, ging sie und ließ die Eltern ausrufen. Während der ganzen Prozedur hatte Min- Ah nicht einen einzigen Ton von sich gegeben, doch ihre Augen hatten jede einzelne Bewegung der Schwester verfolgt, als hätte sie Angst gehabt, dass diese irgendeine plötzliche Bewegung machte und ihr irgendetwas antat. Ich dagegen hatte mich in meinem Stuhl etwas zurücksinken lassen und streichelte beruhigend über den Handrücken der Kleinen. Ob sie es bemerkte, wusste ich jedoch nicht.

Zehn Minuten später ging dann schließlich die Tür auf und eine Frau und ein Mann, um den Dreh 30 Jahre alt, kamen in den Raum gehetzt.

"Min-Ah!", rief die Mutter erleichtert. Sofort wollte die Kleine aufspringen, doch ich drückte sie mit einer bestimmten Geste wieder zurück auf ihre Liege. So was war ja nun wirklich leichtsinnig. Die Mutter des Mädchens kam sofort auf dieses zugestürmt, drückte und herzte sie, als wäre ihr Kind wochenlang verschwunden gewesen. Der Vater stand hinter seiner Frau, hatte eine Hand auf ihre Schulter gelegt und lächelte seine Tochter erleichtert an. Diese ganze Szene hatte etwas fast schon unwirkliches an sich, so dass ich kurz einen kleinen Stich Eifersucht verspürte. Die drei waren eine Familie, eine richtige Familie. Still beobachtete ich die drei und genoss den Anblick ein wenig, auch wenn er schmerzte und mich wieder in düstere Gedanken verfallen ließ. Bis der Herr mich ansprach, gab ich keinen Ton von mir; so dass man fast schon glauben konnte, ich wäre gar nicht da.

"Vielen Dank, dass Sie meiner Tochter geholfen haben!" Ich schüttelte den Kopf lächelnd und entgegnete: "Das ist doch keine große Sache. Ich bin froh, dass ich ihr helfen konnte." "Vielen Dank! Wie kann ich es Ihnen entschädigen?", fragte die Mutter, ein wenig atemlos, während sie noch immer ihre Tochter im Arm hielt. "Das brauchen Sie nicht, ehrlich. Ich hab das gerne gemacht."
Bevor die Frau auch nur weiter versuchen konnte mich umzustimmen, kam ein Arzt herein.
"Sasha Sommer?", fragte er in die Runde und blieb schließlich an meinem Gesicht hängen. Ich lächelte. "Das bin ich. Also Min-Ah. Ich muss gehen. Pass auf dich auf, ja?" Die Kleine nickte und ich ging schließlich mit dem Arzt mit.


Eine halbe Stunde später verließ ich mit einem breiten Grinsen und einem Jubel Ruf, worauf mich mancher belustigt ansah, die Klinik und lief die gefüllte Straße entlang.
Der Arzt war wirklich sehr begeistert von mir und dass ich so gut mit Kindern konnte -was sich bei Min-Ah besonders zeigte- war das Praktikum praktisch schon gesichert. Ich brauchte kein extra Termin für ein Bewerbungsgespräch, sagte er. Er hatte alle Infos, die er brauchte und erwartete mich am ersten Tag um sieben Uhr auf der Station. Es ging bergauf, wenigstens in einem Abschnitt meines Lebens.
Auf dem Weg zur Uni machte ich einen Abstecher in einen kleinen Supermarkt und kaufte mir dort etwas zu trinken.

Am Uni-Tor angekommen, sah ich, wie mir Jin entgegen kam. Was tat er denn hier? Er sah ziemlich gestresst aus und lief mir ziemlich eilig entgegen. Seine linke Hand umklammerte irgendwelche Papiere, mit der rechten fuhr er sich durch die Haare. Sein Blick klebte förmlich am Boden, erst ein paar Meter vor mir hob er ihn und sah mich.

Jin's Versuch mich ehrlich anzulächeln, blieb bei einem kläglich gescheiterten Versuch.
"Hey, du siehst echt ziemlich in Eile aus, was machst du hier?" "Der Direktor hat mich angerufen, wenigstens meine Sachen abzuholen. Das musste ich ausgerechnet heute. Tut mir echt leid, Sasha. Aber ich muss weiter. Mein Chef geht mir an den Kragen, wenn wi- ich. Wenn ich zu spät komme." Ich nickte nur verdutzt. Jin verschwand so schnell um die Ecke der Mauer, dass ich keine Zeit hatte ihn zu verabschieden. Nachdenklich sah ich zu der Stelle, wo er verschwunden war. Hatte ich mir das nur eingebildet oder hatte er sich wirklich gerade versprochen? Ich kam nicht umhin, mich immer wieder über sein merkwürdiges Verhalten zu wundern, besonders die Tatsachen, dass er einfach leichtfertig den Unterricht verpasste und es keinen der Lehrer wirklich zu kümmern schien. Als hätte der das schon öfter mal gemacht… Verheimlichte Jin mir irgendwas? Oder hatte er sich tatsächlich nur versprochen, als er erwähnte, dass er zu spät kommen würde? Sein Verhalten und auch das von seinem Mitbewohner, meinem Retter, kamen mir langsam wirklich immer seltsamer rüber. Eigentlich ging es mich nicht an, ich kam jedoch nicht darum, mir Gedanken darüber zu machen. Beide vermittelten mir irgendwie den Eindruck, dass sie etwas verheimlichten; etwas Wichtiges.

Meine Gedankengänge wurden einmal wieder unterbrochen, als mir jemand auf die Schultern tippte. Vor Schreck drehte ich meinen Kopf blitzschnell wieder nach vorne, sodass Jong-Su ein Schritt zurück trat.
"Mensch, bist du 24 Stunden in Gedanken?", fragte er und zog besorgt eine Augenbraue hoch. Ich seufzte kurz und lächelte leicht.
"Rate mal, wer sein Praktikum im Seoul Krankenhaus machen darf?" Sofort grinste Jong-Su und wir lachten glücklich.
Grade war Pause und so setzen wir uns auf die Treppen vor dem Haupteingang. Jong-Su erzählte mir von seinem ersten Praktikum und es war zum Schießen komisch. Bis es zum Pausen Ende klingelte, war ich damit beschäftigt genug Luft zu holen, nur damit ich gleich weiter lachen konnte.

"Du bist unglaublich. Sowas kann nur dir passieren", lachte ich noch, als wir in den Gängen waren und ich ihn zu seinem Klassenzimmer begleitete, da meiner im oberen Stockwerk war.
"Genieß das Praktikum und vor allem, nutze jede Gelegenheit um Fragen zu stellen. Du wirst es später brauchen."
Er hielt vor dem Klassenraum an und sah mich an. Dankend nickte ich ihm für den Tipp zu. "Ich-" "Der Unterricht beginnt, Schüler. Setzt euch! Auch Sie, Mr. Kim", rief sein Lehrer aus dem Raum heraus und unterbrach ihn somit. Er seufzte kurz, verabschiedete sich jedoch mit einem Winken von mir, was ich dieses Mal erwidern konnte.
Was er mir wohl sagen wollte? Schulter zuckend ging ich die Treppen schnell hoch und setzte mich in meine Klasse. Es war die letzte Stunde, was mich erleichternd aufatmen ließ.


Am Nachmittag, nachdem ich alle Hausaufgaben erledigt hatte, nutzte ich das milde Wetter, um joggen zu gehen und dieses Mal auch etwas über meine Nachbarschaft zu erfahren. Ich wusste, dass hier viele Shops und Supermärkte waren und das auch BigHit nicht allzu weit weg war, allerdings wusste ich sonst nichts und so ging die Erkundungstour, da ich sowieso nichts Besseres zu tun hatte.
Es führte mich dieses Mal in eine ganz andere Richtung, als die, die ich schon kannte.

Die ersten zehn Minuten gab es noch nichts Besonderes zu sehen, erst als ich etwas "außerhalb" war, kamen die interessanten Gebäude. Es war ein ganzes Stück weg von BigHit, was mich wunderte, aber ich fand SM Entertainment, sowie JP Entertainment. Zwischen den beiden lagen vielleicht 10 Minuten, normales Tempo, und wenige Wohngebäude. Es war ein Geschäftsviertel. Ich sah hier nur große oder größere Firmen. Auch einige TV-Sender waren hier erbaut worden.

Etwas weiter kam ich an dem Gebäude von MNet an und konnte auch grade beobachten, wie einige schwarze Vans davor hielten. Die Schreie einiger Fans konnte ich bis zu mir hören und die Entfernung betrug bestimmt 150 Meter. Ich wollte gar nicht weiter ran, wollte gar nicht wissen, wer aus diesen Autos stieg.
Meine Beine dagegen wollte mir heute nicht gehorchen und trugen mich etwas näher an das Geschehen. Es war nicht zu nah, und ich war mir auch nicht sicher, ob die Personen nicht schon ausgestiegen waren, deshalb drehte ich mich wieder um und lief wieder weiter. Das dies grade nur ein Glückszufall war, wusste ich nicht. Wie konnte ich auch ahnen, wer aus dem Auto steigen würde?


Abend 8)) Na was glaubt ihr, wer aus dem Auto steigt? 8D Ich verrate es euch nicht und lasse Raum für Spekulationen (beinah wäre Spekulatius rausgekommen.. 8( )
Jedenfalls DANKE ICH EUCH VOM HERZEN! für über 1100 Aufrufe und 12 Favos! 8///) <3 Ich bin froh, dass diese FF doch einige Leser gefangen hat und ich hoffe sie wird euch auch in Zukunft gefangen halten! <3
Danke auch wieder an meine beiden Review schreiben <3 Und tut mir Leid, wenn ich nicht immer antworte. 8( Hoffe ihr habt einen schönen Abend und angenehme WOche. Bis dahin <3
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