Die Fremde in ihr

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Kakashi Hatake OC (Own Character)
01.01.2019
10.10.2019
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Liebe Leserschaft,

da die letzten Kapitel mehr inhaltlich als romantisch waren, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, um eventuell gespannte Nerven zu beruhigen.

Die Geschichte selbst ist in zwei große Handlungsstränge aufgeteilt: Den ersten um Ayumis Sharingan und den jetzigen, der uns bis zum Ende der Story begleiten und alle bisherigen Lücken und Fragen aufklären, aber auch Ayumis emotionale Entwicklung abschließen soll.
S
prich: Ich habe nicht vor die Dynamik und die unterhaltsamen Momente zwischen Ayumi und Kakashi zu ändern, allerdings wird sich ihre Beziehung zunehmend in die Handlung eingliedern.


Wir haben noch um die 20 Kapitel vor uns und keine Sorge, die Romantik kommt vielleicht schon eher als ihr denkt!

Ich hoffe ihr bleibt auch trotz dem größer anlegten Plot weiter dabei! Falls euch etwas nicht gefallen, oder ihr Anregungen haben solltet, könnt ihr mir gerne schreiben (:

Eure Sarina

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Kapitel 26 - Jagd im Mondschein


Wo bleibt er?, fragte Ayumis sich. Seit einer Weil warf sie eines ihres Shuriken in regelmäßigen Abständen auf und dabei.

Kakashi hatte sie freundlich angewiesen, in ihrem Büro auf ihn zu warten, während er einem Treffen des Hokage und dem Clanführer der Hyuuga beiwohnte. Dass ihre Anwesenheit offensichtlich nicht erwünscht war, störte sie mehr als sie zuzugeben bereit war, legte es doch den Verdacht nahe, dass Tsunade ihr noch nicht gänzlich vertraute, oder sie, besser gesagt, nicht in die Politik des Dorfes involvieren wollte. Der letzte Punkt, störte sie noch mehr als der Vorangegangene, was sie wiederum noch zorniger werden ließ. Konohas Politik sollte sie nicht interessieren!

Nachdem sie vor einigen Stunden bei Kakashi eingestiegen war und ihm von ihrer Vermutung den Mordfall betreffend berichtet hatte, waren sie unverzüglich zu Tsunade geeilt und hatten diese zu ihrer aller drei Verwunderung eine Schale frühmorgendlichen Sakes in der Hand in deren Büro angetroffen.

Die Vorsicht in den Zügen des Hokage war klar zu erkennen gewesen. Die Nukenin hatte von dem Überfall auf den Hyuuga Clan aus dem Blitzreich vor einigen Jahren nichts mitbekommen, verstand aber dennoch die mögliche politische Tragweite eines erneuten Versuches seitens dieser, sich das Byakugan anzueignen.

Krieg, das Wort schwebte in der Luft wie die Klinge einer Guillotine vor dem Fall. Tsunade war zu Recht vorsichtig. Ein falscher Schritt und Konoha könnte nur wenige Monate nach dem gemeinsamen Überfall von Sunagakure und Otogakure wieder in Schutt und Asche liegen. Es war verständlich, dass der Hokage der Vermutung, die Flucht Genji Ishidas aus dem Gefängnis des Raikage und dessen Jagd auf das Byakugan könnte mit dem Mord an Sota Watanabe zusammenhängen, der zufällig auch den Hyuuga Clan belieferte, skeptisch gegenüberstand

Ayumi wusste, dass ihre Idee ebenso gut an den Haaren herbei gezogen sein könnte. Dennoch hatte Tsunade das Oberhaupt der Hyuuga zu sich beordert, um diesem von der möglichen Bedrohung für dessen Familie zu berichten.

Irgendwie vertraute der Hokage ihr doch, dämmerte es ihr, während das Shuriken in ihrer Hand zu knistern begann, als sie einige Funken Raiton in dessen Mitte manifestierte. Warum die tödlichen Blitze eine derartige Anziehungskraft auf sie ausübten, verstand die Nukenin heute so wenig wie vor vielen Jahren.

Einem Zauberbann gleich hatte sie, nachdem Hachiro ihr das erste raitonbasierte Jutsu gezeigt hatte, stundenlang nichts anderes tun können, als die blauen Blitze, die sich auf ihren Fingerspitzen gebildet hatten, anzustarren. An jenem Tag hatte sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine tiefe Verbundenheit zu ihrem Chakra gespürt und, ohne darüber nachzudenken, verstanden, wie sie dieses mischen und leiten musste, um Raiton damit zu erzeugen.

Hachiros Gesichtsausdruck war Gold wert gewesen. »Sieht so aus, als hätte dich das Schicksal zu mir geführt, Kleine«, hatte er breit grinsend zu ihr gesagt.

»Hachiro«, sein Name lag so vertraut auf ihrer Zunge.

»Wer?«, fragte Natsuko neugierig durch die offene Tür.

Seit wann bemerkte sie es nicht mehr, wenn sich ihr jemand näherte?, fragte sie sich nebenbei.

»Mein Sensei«, erklärte sie. »Nicht, dass es dich etwas anginge.«

»Autsch!«, erwiderte der ANBU gespielt verletzt und meinte dann ernst: »Ich soll dir ausrichten, dass du zum Hokage kommen sollst«, auch Natsuko war bei der Besprechung anwesend gewesen. »Hiashi Hyuuga war nicht sonderlich überzeugt«, ergänzte er, während er ihr den Weg freigab.

»Warum wundert mich das nicht?«, seufze sie.

»Ich denke dein Ansatz könnte durchaus einen wahren Kern haben. Er verbindet einige lose Enden aus beiden Missionen. Wäre das politische Risiko nicht so groß, wäre der Hokage wahrscheinlich eher geneigt, Handeln einer langwierigen Besprechung vorzuziehen.«

Sie schwieg bis sie im Büro des Godaime angekommen waren und suchte dort sofort nach Kakashi, der hinter Tsunades Schreibtisch am Fenster lehnte. Sein Gesichtsausdruck war düster, doch schenkte er ihr, als er sie sah, sein typisches Lächeln, das sie erwiderte, bevor sie die blonde Frau am Schreibtisch ansah.

Diese sah ebenso wenig begeistert von den Erkenntnissen aus wie am frühen Morgen und murmelte erbost: »Dieser verdammte Hiashi!«

»Was ist mit ihm?«, erhob Ayumi die Stimme.

»Er weigert sich, eine Schutztruppe im Wohngebiet seines Clans zuzulassen«, schnaubte die Angesprochene genervt. »Nur weil sie einen feindlichen Übergriff einmal verhindern konnten, bedeutet das noch lange nicht, dass sie es auch ein zweites Mal können! Hiashi sollte selbst am besten wissen, was sein Clan damals verloren hat! Ihr werdet das Anwesen im Auge behalten, habt ihr  mich verstanden?«, bellte sie in die Runde.

Kakashi nickte.

»Mit Verlaub, Hokage-sama«, sagte Natsuko. »Mein Team ist noch damit beschäftigt, die Angestellten der Schneiderei zu befragen. Sollen wir die Aufgabe vorerst hintenanstellen?«

Die Angesprochene überlegte einen langen Moment. »Nein, macht weiter wie geplant. Falls der Mörder tatsächlich ist, wer wir vermuten, ist es besser, dass die Ermittlung möglichst normal erscheint. Es wäre unklug ihn zu warnen, indem wir unser Vorgehen plötzlich ändern. Kakashi und Ayumi werden sich um die Sache kümmern. Tagsüber wird für deine Einheit weiterhin alles laufen wie geplant, wenn ihr euch nachts allerdings zufällig in der Gegend um das Hyuuga Viertel herumtreiben solltet, weiß ich davon nichts«, grinste sie plötzlich wölfisch.

»Hokage-sama«, nahmen die Drei ihre Befehle unisono entgegen.

»Was willst du wegen Hiashi-san machen?«, fragte Kakashi und verschränkte die Arme vor der Brust.

»Solange ihr das Anwesen selbst nicht betretet, kann er nichts machen«, erwiderte die Angesprochene.

»Und wenn wir dir den Mörder finden?«

»Können wir das Anwesen dann betreten?«, ergänzte Ayumi, die langsam zu verstehen begann, wie kompliziert die Lage war. Auch die Uchiha hatten sich mit der Zeit durch ihr von Tobirama Senju zugeteiltes Wohngebiet vom Rest der Dorfbewohner abgegrenzt und sich einen Sublebensraum geschaffen. Der Hyuuga Clan war ein alteingesessener, mächtiger Clan. Selbst der Hokage konnte es sich nicht erlauben, eine derart große Gruppe gut ausgebildeter Shinobi zu verärgern, indem er sich ungewollt in deren Clanangelegenheiten einmischte.

»Ich erteile euch hiermit meine Erlaubnis«, stöhnte Tsunade mit zwei drückenden Fingern an der Stirn. »Und jetzt geht!«

»Hokage-sama«, verabschiedeten sich die drei Shinobi erneut unisono und verließen das Büro.

Natsuko entschuldige sich wenige Sekunden später und Ayumi blickte zu Kakashi. »Haben wir einen Plan?«

»Da wir das Anwesen der Hyuuga nicht betreten dürfen, jedoch der Verdacht nahe liegt, dass der Mörder genau dort zuschlagen wird, bleibt uns nichts anderes übrig, als außerhalb des Viertels so gut es uns möglich ist, Wache zu stehen«, erwiderte er.

»Ist es überhaupt möglich, das Anwesen zu zweit zu überwachen?«, fragte sie skeptisch.

»Einfach wird es nicht«, erklang die Antwort düster.

»Wundervoll«, knurrte sie, bevor sie eine mittlerweile vertraute Berührung auf ihrem Kopf spürte.

»Wir schaffen das schon, keine Sorge«, lächelte er sie an und ihre Brust zog sich merkwürdig zusammen.

»Sicher«, duckte sie sich unter seiner Hand weg. Es war wie damals bei Hachiro, dieses lästige Gefühl der Verbundenheit und des Vertrauens!





Der Mond stand hoch und rund am wolkenlosen Himmel, als die Nukenin sich in Stellung begab. Kakashi und sie hatten abgesprochen, an den jeweils gegenüberliegenden Seiten des Anwesens wache zu halten und das Gebiet möglichst weitläufig abzusichern, indem sie regelmäßige Patrouillengänge um ihre jeweiligen zwei Seiten des quadratisch angelegten Viertels unternahmen.

Zu Kommunikationszwecken trugen sie beide ein über Funk laufendes Headset. Der schwarze Stöpsel in ihrem Ohr drückte unangenehm gegen ihre Ohrmuschel und verdeutlichte Ayumi einmal mehr, warum sie das moderne Kommunikationsgerät verabscheute.

Ein rauschendes Geräusch knisterte in ihrem Ohr. »Bist du bereit?«, hörte sie Kakashi fragen. Er klang ernst.

»Position eingenommen«, erwiderte sie, nachdem sie den für die Antwort vorgesehenen Knopf gedrückt hatte. »Hast du auf deinem Rundgang etwas bemerkt?«

»Nein«, knisterte es zurück.

»Es ist noch früh«, erwiderte sie.

Das heraufziehende Schweigen war zugleich angenehm und angespannt. Kurz dachte sie an Hachiro und die Missionen, die sie gemeinsam bewältigt hatten. Es hatte damals, nachdem er sie aufgenommen hatte, ungefähr zwei Jahre gedauert, bis sie ihm eine wirkliche Hilfe gewesen war. Trotz seiner anfänglichen Aussage sie nicht beschützen zu wollen, hatte er eben dies ein ums andere Mal getan.

Zu jener Zeit war er der größte Shinobi gewesen, den sie jemals getroffen hatte. Und er war es noch immer. Hachiros Einfälle und Strategien im Kampf suchten ihresgleichen. Egal wie vertrackt die Situation auch gewesen war – er hatte einen Ausweg gefunden, sie gelehrt, sich selbst zu verteidigen und ihren Überlebenswillen zu stählen. Ihre Schüler-Lehrer-Beziehung war stets bestehen geblieben, auch wenn die Nukenin sich lange gewünscht hatte, dies zu ändern.

Mit Kakashi war es anders. Sie waren Partner. Könnte ihre Beziehung einen anderen Lauf nehmen?

»Woran denkst du?«, hörte sie ihn mit ruhiger Stimme fragen.

»Warum denkst du, dass ich an etwas gedacht habe?«, sie schmunzelte. Er war gut darin geworden, zu erkennen, wenn sie etwas beschäftigte.

»Hm«, spielte er zu überlegen. »Ist dir aufgefallen, dass du gelegentlich sehr laut denkst? Vor allem dann, wenn dich etwas Wichtiges beschäftigt.«

»Ist das so?«

»Mhm«, bestätigte er.

»Um ehrlich zu sein, habe ich dich mit Hachiro verglichen«, antworte sie auf seine anfängliche Frage.

»Tatsächlich?«, er klang überrascht. »Und was sagst du, wer schneidet besser ab?«

Das Innuendo seiner Frage war deutlich herauszuhören. »Das kommt ganz drauf an«, ihre eigene Stimme war gesunken.

»Und auf was genau kommt es an, Ayumi?«, ihr wurde warm beim vertrauten Klang ihres Namen auf seinem Lippen.

»Nun ja«, zögerte sie ihre Antwort hinaus. »Du musst verstehen, dass ich Hachiro deutlich länger kenne als dich. Er hat dir gegenüber also einen gewissen Vorsprung.«

Nun ließ seine Antwort auf sich warten und ihre Haut begann vor Spannung zu kribbeln, ohne dass sie festmachen konnte, warum. »Dann sollte ich seinen Vorsprung wohl mit anderen Mitteln ausgleichen«, meinte er schließlich.

»In sein Bett habe ich mich nie geschlichen, wenn es dich beruhigt«, das eine Mal, dass sie es tatsächlich getan hatte, behielt sie zur Aufrechterhaltung der Stimmung lieber für sich.

»Du hast dich nicht nur einmal in mein Bett geschlichen«, erinnerte Kakashi sie.

»Nicht, dass etwas passiert wäre«, rief sie ihm wiederum ins Gedächtnis, dass zwischen ihnen trotz ihrer mehrmaligen Aufenthalte in seinem Bett nie etwas passiert war, das eine bestimmte Grenze überschritt. Beiläufig fragte sie sich anschließend, ob Kakashi schlicht mehr Manieren besaß, als er verlauten ließ oder vielleicht sogar schüchtern war.

Vielleicht findet er mich nicht attraktiv, schoss es ihr durch den Kopf, doch reichte ihr allein ihre gegenwärtige Unterhaltung, um ihr das Gegenteil zu beweisen. Die Frage blieb. Wieso hatte er keine weiterführenden Annäherungsversuche unternommen?

»Hätte denn etwas passieren sollen?«, riss er sie aus ihren Gedanken.

Sie lachte. »Nun ja, bei unserer Begegnung am Nudelsuppenstand hast du deutlich vehementer versucht, mich von deinen Vorzügen zu überzeugen.«

»Ah«, rief er sich das Geschehene ins Gedächtnis und Ayumi spürte, dass er gedanklich bei einer ganz bestimmten Szene verweilte und diese sichtlich genoss. »Es war deine Entscheidung, aus dem Bett zu fallen«, sie hörte sein Schulterzucken fast.

»Du hast dich um mich gekümmert«, war es nun an ihr, sich ihre Begegnung erneut ins Gedächtnis zu rufen. »Ich habe dir nie dafür gedankt. Das Glas mit Wasser und die Kopfschmerztablette haben mir am nächsten Morgen wirklich das Leben gerettet!«

»Weißt du noch, was du zu mir gesagt hast, bevor du in deinem Zimmer eingeschlafen bist, als gäbe es kein Morgen, und für einige Stunden wahrscheinlich komplett vergessen hast, dass ich existiere?«

Sie überlegte. Die Erinnerung an jene Nacht war ausgesprochen schwammig. »Nicht wirklich«, wie schlimm konnte es schon sein?

»Du hast mir gesagt, dass du mich interessant findest«, frischte er ihre Erinnerung liebreizend auf und sonnte sich in dem von ihr vergessenen Kompliment.

Hoppla!

»Überrascht es dich?«, da sie ihm nicht in die Augen sehen musste, war es einfacher, ihr Unbehagen zu überspielen.

»Ja«, gestand er.

»Warum?«

»Weil ich nicht damit gerechnet habe, eine Frau kennenzulernen, die -«, er brach ab.

Das leichte Prickeln in ihrem Inneren wurde plötzlich von einer warmen Decke, unter der kein Platz für Zweifel war, beschwichtigt. »Die dich so akzeptiert, wie du bist?«, führte sie seinen Satz zu Ende.

Er schwieg lange, bevor eine antwortete. »Glaubst du an Schicksal?«

»Jetzt übertreib es nicht mit der Romantik, du weißt genauso gut wie ich, dass ich tagelang nach dir gesucht habe!«

»Und hast dich, ohne es zu wissen, an genau die Person, die du gesucht hast, herangeschmissen! Was für ein Zufall!«

»Entschuldige? Du hast dich an mich rangemacht!«

»Du warst in meinem Bett!«

»Kleinigkeiten!«, wedelte sie sein zu ihrem Unmut überzeugendes Argument ab.

»Es war schön«, ohne Vorwarnung fuhr ihr Mageninhalt fröhlich Karussell.

»Es war warm«, konnte sie sich nicht zurückhalten, mitzuspielen.

»Es hätte noch wärmer werden können«, seine Selbstsicherheit und die verborgene Botschaft hinter seinen Worten stellten seltsame Dinge mit ihrem Kopf an.

In der Ferne meinte sie ein dunkelgraues Auge zu sehen, dessen Inneres heiß glühte. Was war los mit ihr? Was hatte Kakashi an sich, dass ihn von all den anderen Männern unterschied, die sie bisher kennengelernt hatte? Sie befand sich auf dünnem Eis und wusste es!

Ayumi verlor ungern die Kontrolle, weswegen sie ihre früheren Beziehungen oder eher kurzweilige Begegnungen nach eben diesem Motto geführt hatte. Sie hatte stets die Oberhand behalten und sich emotional nicht mehr involviert, als das absolute Minimum verlange. Einige Stunden körperlicher Wärme, um die Kälte in ihrem Inneren aufzutauen. Geliebt hatte sie keinen der Männer.

Bei Kakashi überkam sie das unvertraute Bedürfnis, ihre eiserne Kontrolle abzulegen, sich auf ihn zu verlassen und ihm zu vertrauen, dass er wusste, was sie brauchte. Es machte ihr eben so viel Angst, wie es sie erregte. Sie war neugierig und kannte sich selbst gut genug, um zu wissen, dass es nur schlimmer werden würde.

Was sie schließlich zurückhielt, einfach zu ihm hinüberzugehen und nachzugeben, war etwas, von dem sie dachte, es vor Jahren abgelegt zu haben: ihr Gewissen. Was zwischen ihr und Kakashi war, fühlte sich bereits jetzt nach mehr an, als sie in der Vergangenheit zu geben bereit gewesen war. Sie wusste, würde sie ihrem Verlangen nachgeben, würde was auch immer es war, nur an Bedeutung gewinnen.

»Ayumi?«, erklang es vorsichtig.

»Ich war in Gedanken«, sie hatten keine Zukunft.

Der Gedanke war so unendlich vertraut.

»Lass uns später darüber sprechen«, bot er ihr an. »Es ist Zeit für den Patrouillengang.«

Sie war froh, dass er es dabei belassen hatte.

Dem Plan folgend, den sie abgesprochen hatten, folgte die Nukenin dem Rand des Viertels für eine Weile gen Osten, ohne etwas Aufsehenerregendes festzustellen. Konoha lag in Stille. Die Schatten der Häuser im Mondschein waren lang und boten Schutz im Mantel der Dunkelheit. Perfekt für einen Mord, dachte Ayumi, während sie an einer fahl leuchtenden Straßenlaterne vorbeihuschte.

Sie ließ ihr Chakra ausströmen und suchte nach einer ihr unbekannten Quelle desselbigen. Kakashi hatte ihre Sinne gut geschult, andernfalls wäre ihr der kaum merkliche Fluss an Energie wahrscheinlich entgangen. Ohne großartig darüber nachzudenken, folgte sie der Quelle, die Wahrscheinlichkeit einbeziehend, dass sie ebenso gut einem Shinobi im Dienste Konohas begegnen könnte.

Dann hörte sie es. Das leise Klingen einer metallenen Waffe, die aus ihrer Scheide gezogen wurde. Plötzlich angespannt schlich sie weiter. Stück für Stück, bis sie, um eine Hausecke spähend, eine eingerückte Tür mit einer einsamen Wache davor erkannte.

Hyuuga, sie erkannte die Clanzugehörigkeit des Mannes sofort. Doch woher war das Geräusch gekommen?

Schneller als ihr lieb gewesen wäre, erhielt sie eine Antwort auf ihre Frage. Ein Schatten flog über sie hinweg und landete flinker, als ihr normales Auge folgen konnte, vor dem Mann, der gerade noch Zeit hatte, die Unterarme zum Schutz nach oben zu reißen.

Ob der Unbekannte sie ebenfalls bemerkt hatte?

»Kakashi«, gab sie durch und nannte ihm ohne weitere Erklärungen ihre Position, bevor sie ihre Naginata zog und eine warnende Sichel in Richtung des Kampfes abschoss. Es wäre unklug, den Mörder zu töten.

Ihre Sichel verschwand mit einem schneidenden Klang, als der große Mann die Energie ihres Angriffes absorbierte. Die Chakraklinge in seiner Hand schimmerte bedrohlich und blau. Blitze züngelten um das kalte Metall.

Der Hyuuga nutze den Moment, in dem die Aufmerksamkeit des Unbekannten auf Ayumi lag, aus und setzte selbst zu einem Schlag an, doch war sein Gegenüber erneut zu schnell. Ohne ausmachen zu können wie, entwaffnete der Shinobi den Hyuuga mit einer flüssigen Bewegung und versetzte ihm einen präzisen Stich mit seiner Klinge, der den Mann augenblicklich auf den Boden beförderte.

Mein Sharingan! Ich brauche es!, flammte es in ihrem Geist auf, brachte es allerdings nicht über sich, es zu aktivieren. Was, wenn sie erkannt würde?

Nein, sie wollte es nicht!, erkannte sie den wahren Grund für ihr Zögern, während ihre dunkelblauen Augen aus der Ferne überprüften, ob der Hyuuga sich bewegte. Er tat es, aber langsam und schwerfällig.

Bevor der Unbekannte ihm den Todesstoß versetzen konnte, schnellte Ayumi nach vorne und versuchte ihn, mit einigen wohlplatzierten Sicheln aus Raiton von dem Verwundeten wegzutreiben.

Endlich war sie dem Mann nah genug, um sein Äußeres zu mustern. Er war von großer, durchtrainierter Statur. Seine Kleidung war gänzlich schwarz und sein Gesicht von einer ebenso schwarzen Maske verdeckt. Das Einzige an ihm, das Farbe hatte, waren seine hellen Augen, die im blauen Licht der Chakraklinge schimmerten. Ein Sturm, der nichts mit dem Blitzelement in deren Spiegelung gemein hatte, tobte in ihrem Inneren.

Die ungezügelten Gefühle, die sie in seinen Iriden sah, beunruhigen sie augenblicklich mehr als die Waffe in seiner Hand.

»Was willst du hier?«, hob sie die Stimme.

Eine Antwort blieb der Mann ihr schuldig, da Kakashi in eben jenem Moment das Schaufeld betrat und den Shinobi von hinten mit einer Salve Kunai attackierte, denen dieser teilweise auswich oder mit seiner Klinge abblockte. Einen kurzen Blick zu Ayumi werfend, sprang der Unbekannte auf das nächste Dach und wurde eins mit der Dunkelheit.

»Kümmere dich um ihn!«, rief sie Kakashi zu, den verwundeten Hyuuga ins Krankenhaus zu bringen, und setzte dem Shinobi nach.

Der Kerl würde schon noch sehen, mit wem er hier zu tun hatte!

Die Dächer flogen geradezu unter ihren Füßen hinfort, während sie von der schwachen Chakraspur des Mannes angeleitet, die Verfolgung fortführte. Er war schnell! Mehrmals sah sie den schwarzen Zipfel seines Umhanges auf dem Gipfel eines Daches oder einer Ecke hervorlugen, doch brachte sie es trotz ihrer vollen Geschwindigkeit nicht fertig, ihn einholen.

Scheiße!, fluchte sie.

Wie konnte sie ihm eine Falle stellen? Er hatte genug Vorsprung, um die Richtung in die sie rannten, vorzugeben, Zu versuchen, ihn mit ihrem Raitonsicheln aufzuhalten, würde ebenfalls nicht funktionieren. Immerhin konnte er das Element absorbieren!

Aufhalten?, fragte sie sich. Er musste nur langsamer werden! Schnell zückte sie zwei ihrer Shuriken, füllte sie mit Raiton und hetzte die Wurfsterne hinter dem Shinobi her, der eben hinter einem Schornstein verschwunden war.

Die Shuriken sausten je rechts und links um das steinerne Gebilde herum und veranlassten den Mann zu einer Flugrolle vorwärts. Die Raitonsichel, die ihm nacheilte, folgte auf dem Fuße. Zwar wich der Unbekannte auch diesem Angriff aus, doch war er tatsächlich langsamer geworden!

Kurz hörte Ayumi ein metallenes Geräusch, konnte dieses allerdings nicht schnell genug zuordnen. Mit einem tiefen Atemzug konzentrierte sie stattdessen in Gedanken so viel Chakra wie es für ihr Vorhaben möglich war, in ihre Fußsohlen und stieß sich kräftig ab. Einige Dachziegel unter ihren Füßen hielten dem Druck nicht stand und bröckelten hinab auf den Boden.

Ihre Naginata zum Schlag bereit, flog sie in rasender Geschwindigkeit auf den Mann zu, der sich, wie es schien, eben wieder gesammelt und sich ihr zugewandt hatte. Dann lief alles anders als geplant. Anstatt dem Shinobi eine Wunde zu verpassen, die ihn außer Gefecht gesetzt hätte, fühlte sie, wie ihr Unterarm in einem eisernen Griff umschlossen wurde, während das Raiton innerhalb ihrer Klinge ausgesaugt wurde.

Ayumi war, als würde der Mann ihr durch die Verbindung mit ihrer Waffe zu ihrem Chakra, die Lebensenergie aus dem Körper rauben. Innerhalb von Sekunden fühlte sie sich schlapper als nach dem heftigsten Training mit Kakashi.

Wer war dieser Mann?!

Sie versuchte eine Verbindung zu den zuvor geworfenen Shuriken herzustellen, um sich mit diesen aus dem Griff des Unbekannten zu befreien, der sie jeden Augenblick töten könnte, doch dann geschah erneut etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatte.

Der Mann legte ihr blitzschnell Zeige- und Ringfinger seiner freien Hand an eine ihrer Schläfen. Es fühlte sich fast zärtlich an. Dann schoss elektrische Energie aus seinen Fingerkuppen in ihren Kopf hinein.

Während es dunkel um sie wurde, meinte sie zu hören, wie der Unbekannte ihr etwas ins Ohr flüsterte.



»Ayumi?«, hörte wie in weiter Ferne jemanden ihren Namen sagen. Nur zäh ließ sich ihr Verstand dazu herab, wieder seinen Dienst anzutreten. »Ayumi?«, der warme Klang seiner Stimme brachte sie letztendlich zurück.

»Kakashi?«, fasste sie sich mit verzerrtem Gesicht an den Kopf. Sie fühlte sich, als wäre sie von einer Felslawine überrollt worden. »Es tut mir leid. Er ist weg«, setzte sie sich mühsam von seiner Hand in ihrem Rücken gestützt auf.

»Dafür hat der Hyuuga überlebt«, drückte er plötzlich ihren Hinterkopf gegen seine Brust. »Du hast Rücksicht auf sein Leben genommen. Ich bin stolz auf dich«, murmelte er kaum hörbar.

Mit einem langen Seufzen vergrub sie das Gesicht tiefer in seiner Weste und sammelte sich für das Kommende. Sie fühlte, dass es nicht nur Kakashi war, der sich mit ihr auf dem Dach befand.

Sie hatte den Mörder nicht gefasst. Der Gedanke löste eine Unruhe in ihr aus, die ihr unbekannt war. Warum interessierte es sie, dass sie den Kerl nicht hatte schnappen können? Weil ihre Mission nun länger dauern würde?

Nein, sie fühlte sich verantwortlich.

»Hoch mit dir!«, zog Kakashi sie am Arm auf die Beine. Er schien zu verstehen, was in ihr vorging, und bot ihr wortlos seine Unterstützung an.

»Wir haben die Tatwaffe sichergestellt«, meldete sich ein Mitglied der ANBU zu Wort, das eine ähnliche Maske wie Natsuko trug.

Ob er aus seiner Einheit ist?, fragte sie sich, bevor eine wichtigere Information in ihr Bewusstsein sacke. »Die Tatwaffe?!«, platze sie heraus, was Kakashi ein leises Glucksen entlockte.

»Er muss sie fallengelassen haben, während du ihn verfolgt hast«, erklärte der Kopierninja und sie erinnerte sich an das metallene Geräusch, das sie zuvor nicht hatte zuordnen können.

Ein Stein fiel von ihrem Herzen. Mit der Chakraklinge in ihrem Besitz war es möglich, den Unbekannten zu identifizieren. Sie hatte versagt und ihn nicht festgesetzt, aber immerhin hatte der Mann eine Spur zurückgelassen.

»Wir hätten dann auch noch ein paar Fragen«, meldete sich ein großer Mann mit langen, glatten braunen Haaren zu Wort.

»Hiashi-sama«, neigte Kakashi das Haupt und Ayumi folgte seinem Beispiel widerwillig.
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