The Crooked Kind

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Darth Maul Ezra Bridger Großadmiral Thrawn Kanan Jarrus / Caleb Dume Obi-Wan Kenobi Sabine Wren
01.01.2019
23.07.2019
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Doch recht notwendiges Vorwort:
Folgende Themen werden im Laufe der Story angesprochen und/oder behandelt: Suizid und Suizidalität, Scheidung, psychische Krankheitsbilder (darunter Depression), Lehrer-Schüler-Beziehung(en), SM, Gaslighting, Missbrauch
Naja, ihr merkt schon, wo es hingeht. Alles gut?
Auf die Plätze, fertig, los!
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Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


Joseph von Eichendorff, Mondnacht (1837)


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Die Nacht zum 08. September ist eiskalt und mondverhangen. Man sieht den Atem schon in der Luft hängen und morgens treibt der Nebel sogar schon über der Stadt. Die toten Blätter auf den Gehsteigen knirschen, wenn man auf sie tritt. Kinder machen sich immer einen Spaß daraus, über sie zu steigen oder zu hüpfen, als wäre das Geräusch das Zähneknirschen eines großen Monsters unter dem Pflaster.

Die goldene Herbstzeit hat sich dieses Jahr total verkrochen und zeigt sich überhaupt nicht – die Bäume sind schon nicht mehr bunt, der Himmel nicht mehr strahlend blau. Stattdessen dösen Kälte und diese grauen Wolken über allem. Sie machen die Tage verregnet und dunkel. Dunkel und trübselig. Die Menschen sehen grimmiger aus, wie sie verpackt in ihre Schals und dicken Anoraks laufen und hetzen und heimkommen wollen.

Jetzt gerade sind kaum noch Leute unterwegs. Ich bin ganz allein auf der Straße. Der Asphalt glänzt feucht im eisigen Licht der Straßenlaternen. Meine Schritte patschen leise durch das Nass und wo sich das Wasser in den Unebenheiten der Straße sammelt.

Die von der Kälte tauben Hände tief in den Taschen vergraben trotte ich mit gesenktem Kopf weiter. Mich interessieren die Häuser nicht, die Wohngegend, die schönen Parks, die es hier geben soll.
So genau weiß ich auch gar nicht, wo ich bin; ich habe meine Füße mich einfach tragen lassen. Die Lichtflecken in der nachtschwarzen Dunkelheit sind meine Orientierungshilfe. Die Laternen eine Sicherheitsleine, an der ich mich entlanghangele und die Augen der Häuser sind Warnschilder, denen ich mich nicht nähern darf.
Hinter manchen flackert das Licht eines Fernsehers.
Spielfilmzeit.
Man hört gar kein Geräusch von ihnen. Draußen ist es still.
Nur den Wind, ab und zu und das entfernte Brummen eines Automotors.

In den Wohnsiedlungen fährt nachts kaum noch ein Wagen. Die sind alle auf den Hauptstraßen oder Kreuzungen. Vorhin war mal wieder ein Krankenwagen in der Innenstadt unterwegs und ich kann mir vorstellen, dass ich die Sirenen bald wieder vernehmen werde. In der Stadt passieren andauernd Unfälle.
Wenn ich mich nach Osten wende, sehe ich die Umrisse der Skyline gegen den finsteren Nachthimmel. Ich sehe den Umhang aus Smog, der davon aufsteigt und das Ungetüm in einen schlammfarbenen Mantel hüllt.
Die Stadt leuchtet dumpf.

Hier draußen ist es etwas ruhiger. Vielleicht sind meine Eltern deshalb diesmal mit mir hier rausgezogen. Nicht ganz in diese Gegend, aber von irgendwoher muss ich ja weggelaufen sein.
Mal sehen, ob ich im Dunkeln zurückfinde.
Vielleicht will ich das auch gar nicht.

Es ist nur ein weiteres dunkles Haus, leer und genauso tot wie die Zweige und Blätter auf der Straße.

Meine Schuhe schlurfen über den Boden. Der Teer ist noch ganz frisch. Dunkel. Vielleicht vor vier oder fünf Jahren verlegt. Älter kann das Areal hier bestimmt auch nicht sein. Bestimmt mal wieder eine der Renovierungsmaßnahmen der Stadt, um der wohlhabenden Mittelschicht eine Flucht in die urbanen Räume zu ermöglichen.
Dabei hört man, dass die Viertel in der Innenstadt auch wieder beliebter werden. Kulturzentren, aber teuer. Immobilienhaie haben die alten Gebäude aufgekauft, renoviert und pumpen jetzt wieder Leben hinein, indem sie sie an Künstler und Musiker und was weiß ich noch alles vermieten. Ganz im Ernst, das will ich gar nicht.
Das ist laut und unruhig und alle sitzen dicht an dicht.

So wie vor vier Jahren, als ich noch jeden Tag mit der U-Bahn zur Schule fahren musste. Es war immer dunkel, immer voller Gedrängel und manchmal hat man Sachen gesehen, die man als 13-Jähriger vielleicht nicht sehen sollte.
Vermutlich bevorzuge ich deshalb mittlerweile die Stille über dem Chaos.
Still.
Hier draußen ist es still.

Ich höre das leise Gluckern von Wasser, das den pechschwarzen Teich zu meiner Rechten verrät. Fast hätte ich ihn nicht bemerkt. In der Dunkelheit konnte ich noch nie gut sehen. Ich habe eben einfach Stadtaugen. Wo es nie richtig dunkel wird. Von Werbereklamen, Autoscheinwerfern und Läden, die 24/7 geöffnet sind.

Der Teich liegt genauso reglos und leise da wie die Wiese und der Kiesweg daneben. Aber wenn der Wind darüberfährt, kräuseln sich kleine Wellen und machen dieses strömende Plätschergeräusch des Wassers. Und ich kann das Rauschen im Schilf hören, wenn ich stehenbleibe und lausche. Das tue ich.

Vielleicht ist der Wasserflecken hier bei Tag ein ganz schöner Spielplatz für Kinder – da er nicht eingezäunt ist, ist er wohl auch nicht zu tief. Knietief für mich, vermute ich. Trotzdem gefährlich. Jetzt bei Nacht noch viel mehr. Er liegt da wie ein stilles, lauerndes Ungeheuer, das nach Leuten wie mir schnappt und sie an seinen Grund zieht. Zu den Wunschbrunnenpennys und den Schlingpflanzen und dem treibsandartigen Schlick. Und er stinkt – das Wasser riecht brackig und abgestanden.

Wenn ich wollte, könnte ich es hier machen. Alkohol oder Tabletten sollten mich schon wirr genug bekommen. Aber das Wasser wird scheiße kalt sein. Und es wird ein bisschen dauern, bis ich komplett weg bin.
Zugegeben, in der Stadt war das leichter. Da kann man vor Busse springen oder vom Dach des Wohnhauses. Stürzen ist mir glaube ich immer noch am angenehmsten.
Das geht schnell. Man fühlt vielleicht grade noch das Adrenalin vom Fallen. Aber es muss ja auch nicht allzu lang anhalten.

Heute werde ich es nicht tun, aber ein bisschen Auskundschaften wollte ich doch.

Blinzelnd in der Dunkelheit sehe ich mich nach den entfernten Lichtern einer Schnellstraße um. Die Neubausiedlung liegt draußen vor der Stadt mit einer guten Anbindung an den Highway. Irgendeine dieser Straßen führt also zur Autobahn. Und einer Autobahnbrücke.
Das Blinzeln tut weh.

Mein Gesicht mittlerweile ganz kalt und größtenteils gefühllos. Meine Nase spüre ich gar nicht mehr, aber vermutlich ist sie ganz rot und aller Wahrscheinlichkeit nach bekomme ich in den nächsten Tagen einen Schnupfen. Ich hätte doch den Schal mitnehmen sollen.

Die Jacke ist zu dünn, das wusste ich schon, als ich rausgegangen bin. Aber hätte ich den Anorak angezogen, hätten meine Eltern vielleicht noch Verdacht geschöpft, dass ich nicht mal nur um den Block wollte.
Wer weiß, ob sie mitkriegen, dass ich da bin oder nicht.

Vielleicht streiten sie wieder.

Vielleicht stehen sie in der Küche, werfen mit Tellern und Geschirr und ziehen sich dann wie zwei verschreckte Tiere in ihre jeweiligen Zimmer zurück, um sich ihre Wunden zu lecken.
Das ist doch peinlich.
Eltern.
Und sie schlafen in getrennten Zimmern.
Sie hassen sich.
Mittlerweile.

So richtig gezeigt haben sie es erst mit dem letzten Umzug. Und als sie die Scheidung beschlossen haben und sich beide mit ihren Anwälten verbarrikadiert haben. Ab da war alles grauenhaft. Beim Essen gehen sie sich an wie Teenager und auch sonst gönnt keiner dem anderen irgendetwas. Mum muss das Geld fürs Tanken selber zahlen und mein Vater muss sich das Essen selber machen.
Mum arbeitet länger und ich kriege immer öfter Fastfood vom Drive-in vorgesetzt. Oder Tiefkühlpizza. Oder Chinesisch, bestellt.

Ich hab keine Ahnung, wie lange das schon so geht. Jedes Mal, wenn sie mit mir allein sind, beteuern sie, dass sie es mir so einfach wie möglich machen wollen und dass sie versucht haben, es von mir wegzuhalten, damit ich eine schöne Kindheit haben konnte.
Hatte ich nicht – aber hey, wenigstens haben sie es versucht.

Im Haus zu sein ist jetzt immer mit einem ganz unangenehmen Gefühl verbunden. Es war vorher schon nicht schön, sich in den neuen Häuser und Apartments einzuleben, aber diesmal fühlt es sich so an, als würde das Gebäude niemals den Status von Zuhause bekommen. Sie haben mir sowieso schon gesagt, dass sie bald in unterschiedliche Wohnungen ziehen werden. Und dass ich mir aussuchen darf, bei wem ich wohne.

Das ist deprimierend. Es ist absolut scheußlich, wählen zu müssen zwischen zwei Menschen, die man so liebgewonnen hat. Jetzt bin ich niemand, der den Eltern-Krach in der Pubertät völlig übersprungen hat, aber etwas Vertrautes haben sie schon. Vielleicht, weil meine frühe Kindheit die einzige Konstante ist, die ich habe.

Von meinem 5. Bis zu meinem 10. Lebensjahr haben wir den Wohnsitz gehalten – das ist die längste Zeit, die ich jemals an einem Ort verbracht habe – und meinem Grundschulhirn kam es so vor, als wäre es eine Ewigkeit. Die beste Zeit meines Lebens. Mit Ausflügen zum Spielplatz und dem Kaufen von Kuscheltieren und Spielzeugautos und Geburtstagskuchen und … Freunden. Richtig echten Freunden, wenn man denn in dem Alter davon sprechen kann.
Kumpel, die nach dem Kindergarten oder der Schule vorbeigekommen sind und mit denen man Nintendo zocken konnte. Denen man Geheimnisse erzählt hat und mit denen man deren kleine Schwestern oder andere Mädchen ärgern konnte.

Ich war immer Einzelkind. Ich hab mich auch nie gefragt, warum ich keinen Bruder oder Schwester bekommen hab. Heute kann ich es mir irgendwie zusammenreimen. Weil meine Eltern sich beide aus zweiter Ehe kennengelernt haben und sie waren dabei schon in ihren Dreißigern. Und dann wollten sie es mit mir nochmal versuchen und haben spätestens nach fünf Jahren gemerkt, dass ein Kind reicht.
Ob sie sich da schon nicht ausstehen konnten? Gute Miene zum bösen Spiel gemacht haben und mit mir in den Zoo gegangen sind und Geburtstage gefeiert haben, obwohl sie nachts immer abgewandt voneinander geschlafen haben? Es verdirbt mir die ganzen schönen Erinnerungen. Ich weiß nicht mehr, was echt ist.

Ich weiß nicht, wann sie zu spielen und zu lügen beginnen und wann sie Masken aufsetzen und mir eine perfekte Welt vormachen.

Ich glaube, deshalb bin ich so fasziniert von dieser Thematik. Von Schauspielerei und von Lügen und von Menschen, die nur so tun als ob.

Also hab ich Schauspielkurse besucht und Wahlfächer und etwas Gequengel hat gereicht, sodass ich ab morgen auf eine waschechte Schauspielschule gehen kann. Und zugegeben, über die Jahre habe ich bemerkt, dass ich ganz gut darin bin. Vielleicht hab ich das ja geerbt. Vielleicht ist ein Pokerface erblich bedingt.

Jedenfalls will ich der Schule eine Chance geben. Ich bin gespannt darauf.

Und wenn meine Eltern nicht so sehr in ihren Rechts- und Anwaltskrieg verstrickt wären, hätten sie bestimmt auch mal mehr recherchiert. Und begriffen, in welches Irrenhaus sie mich da schicken.
Ganz im Ernst, sie haben noch nicht mal mit der Wimper gezuckt, als ich Ihnen die Einverständniserklärung vorgelegt habe. (Bei welcher Schule braucht man denn bitte eine Einverständniserklärung?!) Haben nur mit der Stirn gerunzelt, die Überschrift gelesen, ein paar Seiten durchgeblättert und dann ihre Unterschrift druntergesetzt.
Vielen Dank auch.

Sollte mich diese Schule zu Grunde richten, kann ich ihnen ja einen Brief hinterlassen und sagen, es wäre absolut ihre Schuld.
Weil sie nicht auf ihr Kind geachtet haben, sondern nur auf sich selbst.
Und dann würden sie versuchen, sich zu verteidigen. Vermutlich vor meinem Grab, bei der Beerdigung, wo alle heulen.

‚Aber wir dachten, du wärst alt genug!‘

‚Wir dachten, wir könnten dir endlich mal etwas Verantwortung überlassen!‘

Ja, genau solche Ausreden würden sie sich suchen. Auch wenn ich achtzehn bin, sollten sie mich nicht allein die Schule aussuchen lassen. Nicht völlig allein. Sie sollten zumindest mal nachsehen, ob es eine höllisch teure Privatschule ist, die in der Öffentlichkeit so einen schlechten Ruf hat, dass der Bürgermeister persönlich sich dafür verteidigen musste.

Sie sollten sich zu einer einzigen Google-Suche bemühen und herausfinden, dass die da einen Lehrer haben, der seine Schüler vögeln darf und dass es zufälligerweise gerade der Schauspiellehrer ist, für dessen Kurs ich mich eingetragen habe.

Ich bin verkorkst, ich weiß. Und ein bisschen lebensmüde.
Aber was hab ich schon zu verlieren?

Und das hat schon echt interessant geklungen. Klar sind das nur Gerüchte und die Schule dementiert alle diese grauenhaften Vorwürfe. Aber sie zieht die Postulierung dieses Lehrers nicht zurück. Der frank und frei behauptet, dass er gerne ‚romantische Interaktion‘ in seinen Unterricht integrieren möchte.

Auf der Seite der Schule ist Mr. Nero Thrawns Bio kurz und knapp angegeben: ehemaliger Schauspieler, Jahrgang 88 und alles in allem ein immenses Aushängeschild für die Einrichtung. Vielleicht behalten sie ihn deshalb da. Wegen der Erfolgsquote. Sein Kurs und seine Methoden haben schon einige erfolgreiche Schauspieler der letzten paar Jahre hervorgebracht. Aufsteigende Sterne, nennt man sie. Solche Leute wie Williams und Hirsch, die mittlerweile glaube ich sogar einige Shows am Broadway haben.

Also war es für mich klipp und klar, dass ich an diese Schule musste.

Morgen ist mein erster Tag. Zum Glück haben wir September und ich bin ganz zufällig zum Schuljahresanfang an die Schule gewechselt. Das hatte ich auch schon anders. Und unter dem Jahr dazuzukommen ist dreimal schlimmer.
Weil dann alle Leute denken, man wäre von einer anderen Schule geflogen oder hätte irgendein Verbrechen begangen oder – mit Abstand die grauenvollste Vermutung - man wäre ein Wunderkind und hätte die Chance bekommen, ein oder zwei Stufen zu überspringen.
Widerlich.
Die ganze Fragerei. Und das Eingewöhnen, wo sich die Freundeskreise sowieso schon alle festzementiert haben und man praktisch null Chance hat, noch mit einzusteigen.

Die meisten Jahre, in denen ich auf diese Weise in eine Klasse eingestiegen bin, waren die, in denen ich gemobbt wurde. In denen ich Beleidigungen und Stifte und Papierkügelchen im Gang an den Kopf bekommen habe und wo ich vor Angst immer den Hintereingang genommen habe, um von den Schlägern nicht erwischt zu werden. Hat meist nicht viel gebracht. Irgendwo haben sie mich dann doch gefunden und meinen Kopf gegen die Spinde geschlagen. Verständlich, vor der Pubertät war ich tatsächlich noch etwas moppelig und ein Einzelgänger der Umzüge wegen.

Ich war das gefundene Fressen. Die blauen Flecken hat meine Mutter zwar bemerkt, aber dass einem meiner äußeren unteren Schneidezähne ein Stück fehlt, immer noch nicht.
Ich hab sowieso gesagt, dass ich beim Spielen hingefallen wäre.
Immer wieder. Tag für Tag.
Das Klettergerüst wäre ja so toll, habe ich immer gesagt.

Und hätten sie nur einen Funken Interesse an mir gehabt, hätten sie nachgefragt. Und sich nicht wieder um ihre Arbeit gekümmert.
Als 12-jähriger geht man doch nicht mehr auf Klettergerüste.

Meine Mum ist nun mal ein Arbeitstier. Stier vom Sternzeichen, und sie erfüllt den Workaholic-Stereotyp eins A. Sie ist Managerin in einem erfolgreichen Energiekonzern und jedes Mal wenn wir wegen meinem Vater umziehen müssen, wird sie einfach an einen anderen Standpunkt versetzt, zum gleichen Gehalt und dem gleichen engen Zeitplan. Deshalb kann sie auch einen großen, silbernen SUV fahren und meistens sieht man sie mit Lippenstift und jeder Menge Makeup, das sie sich morgens ins Gesicht klatscht, im Auto sitzen und von einem Starbucks-Kaffee nippen.

So ist sie – immer auf dem Sprung, immer in Eile, immer beschäftigt. Wenn meine Schule auf dem Weg liegt, nimmt sie mich morgens mit. Die letzten Jahre war das nicht so, aber ab morgen schon. Wird komisch, mal länger als die üblichen zehn Minuten beim Essen oder Abwasch allein mit ihr zu sein. Aber ich nehme an, wir werden uns sowieso anschweigen. Sie auf den Verkehr und die Nachrichten im Radio fixiert, ich auf die Musik durch meine Kopfhörer.

Ich versuche ihr das zu verzeihen. Ihre Art und dass ihr ihre Arbeit wichtiger ist als ich. Dass sie unglaublich stolz ist, sich gegen meinen Vater durchsetzen zu können und ich ihr den Entschluss zur Scheidung deshalb gönnen sollte. Aber ich kann sie trotzdem nicht leiden. Sie fühlt sich gar nicht wie meine richtige Mutter an. Nicht seit meiner Teenagerzeit.

Früher habe ich ihr strahlendes Lächeln geliebt. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist, dass ich als Kleinkind durch ihre goldenen Locken streiche und sie für einen Engel halte. Also, im Nachhinein habe ich mir diese Assoziation wohl zusammengereimt. In dem Moment fand ich das Licht, das darin spielte, einfach nur so faszinierend und ihre Locke war weich und hat gut gerochen. Shampoo, nehme ich an. Damals hielt ich es einfach für ihren Geruch, so wie ich meinen Dad auch immer am Rasierwasser und dem Duschgel erkannt habe.

Mum hat sich in meiner Jugend mehr um mich gekümmert. Sie ist mit mir spazieren gegangen, hat Blätter gesammelt und mir Gutenachtgeschichten vorgelesen. Das muss in einer Zeit gewesen sein, in der sie den Job noch nicht hatte – oder noch nicht so eine wichtige Position hatte. Mit der Zeit ist das aber immer weniger geworden. Ich glaube, sie weiß gar nicht, wie weit sie schon von mir entfernt ist.



Ich trotte verloren vor mich hin und entdecke im scharf geschnittenen Lichtkegel der nächsten Straßenlaterne zwei Gestalten, die dick vermummt und dicht aneinander gedrängt wie festgewachsen an der Seite der Straße stehen.

Was sind das für welche? Einer hat einen Hund dabei. Geht der nur Gassi? Was macht der andere dann da? Von der Statur sehen beide wie Männer aus. Aber sie stehen aufrecht, nicht vornübergebeugt wie Junkies oder Jugendliche.

Nicht so wie ich, vermutlich.

Noch haben sie mich nicht bemerkt, ich bin ja auch nicht mehr als ein Schatten aus dem Augenwinkel.

Meine Selbstverteidigungsinstinkte raten mir, einen großen Bogen um die beiden zu machen. Vielleicht sind es doch Verbrecher. Einbrecher – oder so. Vielleicht sind sie betrunken und machen mich alle, wenn ich ihnen zu nahe komme.

Aber ich will auch wissen, worüber sie reden.

Oder wieso sie da stehen. Vielleicht hat einer eine Katze überfahren und sie betrauern grade das arme Vieh. Wie lange sind sie schon da? Der Hund hat sich neben sie auf den Boden gelegt und er ist der erste, der aufmerksam die Ohren in meine Richtung hebt.

Beide Männer tragen dicke schwarze Mäntel. Und die sehen teuer aus. Ungefähr eben so, wie man es von den wohlhabenden Mittelständischen dieser Wohngegend erwarten würde. Das sind garantiert Einheimische. Und garantiert keine besoffenen Trottel.

Wieso treffen sie sich hier auf der Straße? Wieso nicht in der Einfahrt eines Hauses, bevorzugt dem, in dem einer der beiden wohnt? Sie sind mir absolut nicht geheuer.

Aber ich drossele mein Tempo dennoch nicht. Oder wechsele die Straßenseite, um ihnen aus dem Weg zu gehen. Ich halte einfach stur weiter auf sie zu.

Kurz nachdem der Hund meine Anwesenheit registriert hat, tun es auch die beiden Typen. Sie starren eine Weile in meine Richtung, aber ich bin noch zu weit weg, als dass ich Gesichter erkennen könnte.

Der Größere von beiden nimmt den anderen an der Schulter und dreht ihn von mir weg. Seine unterdrückte Gestik verheißt, dass er weiter mit ihm diskutiert. Der Zweite nimmt die Leine des Hundes doppelt und beugt sich rasch zu ihm herunter, um ihn zu streicheln. Sein Hund, also.

Ich frage mich, ob die beiden schwul sind. Und gerade ihre Ehefrauen hintergehen. Aber so sieht das hier nicht aus. Immerhin ist das hier nicht der Parkplatz eines Stundenmotels und so wie die beiden miteinander umgehen, sieht es nicht sonderlich freundschaftlich aus. So sehen Arbeitskollegen aus. So sehen Lehrer aus, wenn sie an Wandertagen erzwungenermaßen nebeneinander sitzen müssen und streiten, wer das Zugticket für die randalierende Rasselbande kauft.

Ich kneife also die Augen zusammen und senke den Kopf, vergrabe ihn im aufgestellten Kragen meiner Jacke und wende anstandshalber den Blick ab. Aber ich horche aufmerksam, ob ich einen Fetzen ihres Gesprächs aufschnappen kann. Noch drei Meter, zwei Meter. Ganz langsam schiebe ich mich an den beiden vorbei.

Der Hund wedelt mit dem Schwanz und will aufspringen, winselt aber kurz darauf, weil er nicht darf. Sieht aus wie ein Schäferhund-Mix. Hat ein bisschen längeres Fell, aber Statur und Ohren passen dazu. Die Farbe des Fells kann ich nicht ganz erkennen, weil das Licht der Laterne so penetrant gelb ist, dass der Hund auch komplett gelb-braun-schwarz aussieht. Seine glänzenden Knopfaugen schauen treu zu mir hoch, während er die Schnauze in den Pfoten vergräbt. Seine nasse Nase und die Schnurrhaare zucken, als er versucht, mich zu erschnüffeln.

So halte ich meinen Blick also eine ganze Weile auf dem feuchten Boden, bis ich fast an ihnen vorbei bin und für einen winzigen Moment die Augen zu ihnen hochschnellen lasse. Sie haben ihr Gespräch eingestellt, sobald ich in Hörweite gekommen bin, aber ich will wenigstens wissen, wie sie aussehen. Und ob ich daran etwas festmachen kann, wer sie sind. Oder wieso sie hier so ein geheimes Treffen abhalten.

Vielleicht interpretiere ich auch einfach zu viel hinein.

Vielleicht denke ich zu viel drüber nach und die beiden haben sich wirklich nur zufällig hier draußen getroffen. Der eine, weil er mit dem Hund Gassi gegangen ist und der andere … vielleicht hat er eine geraucht, was weiß ich. Aber zu ihren Füßen liegt kein einziger Zigarettenstummel und es war nur ihr Atem, der in Wölkchen um ihre Köpfe hing.

In dem Moment, in dem ich ihre Gesichter ausmachen kann, sind aber all diese Theorien wie weggewischt.

Und ich bekomme Angst.

Aus unerfindlichen Gründen. Es ist nicht so, als wären sie … gruselig. Nicht narbengezeichnet oder tätowiert oder grimmig oder so.

Es waren auch nicht die Gesichter von Schwerverbrechern und Mördern und auch nicht die Visagen von Monstern aus Horrorfilmen oder irgendetwas anderes, das mich so in Panik versetzen könnte.

Der Ältere hat mich mit verkniffenem Gesichtsausdruck und hängenden Mundwinkeln inspiziert. Beide bärtig, aber beide mit hoher Stirn und einem schmalen Gesicht. Ich konnte Falten um seine zu Schlitzen verzogenen Augen erkennen und dass seine Wangen vom Alter schon etwas eingefallen waren.

Seine Haare glänzen im Licht, aber die Farbe sieht so unnatürlich aus, dass ich glaube, das Kupferbraun ist gefärbt. Vielleicht ist es auch nur wieder die ungünstige Untermalung der Laterne.



Der andere ist wohl mehr der Grund für meine Angstzustände. Geknickte, große Nase, Haare so lang, dass er sie in einem kleinen Zopf zusammenfassen kann und … und er hat eine Brille getragen. Keine Lesebrille. Oder Gleitsicht. Oder was es sonst so gibt.

Eine Sonnenbrille.

In der Nacht!

Und ich habe mich in der Spiegelung selbst gesehen und einfach tierisch Angst bekommen. Den Schritt danach bin ich wohl ein wenig gestolpert, aber den Satz von ihnen weg habe ich umso schneller unternommen. Ein Schauer läuft mir über den Rücken.

Was ist das denn bitte für einer?!

Eine getönte Brille, zu dieser Jahreszeit, zu dieser Nachtzeit! Und es ist ja nicht so, als könnte er sie sich auf die Stirn schieben, um besser sehen zu können – nein, er hat sie aufbehalten. Die ganze Zeit, die er in dem Dämmerlicht der Laterne verbracht hat.

Mal davon abgesehen, dass beide mir die Gesichter zugewandt hatten, fühle ich mich jetzt noch viel mehr beobachtet. Ich spüre, wie sie mich betrachten und es brennt direkt im Nacken. Ich glaube, man sieht, dass mein Atem viel stoßhafter kommt als noch vor wenigen Sekunden.

Mein Herz rast.

Auf einmal bereue ich es, allein zu sein. Und kein Handy mitgenommen zu haben. Klar, vor zwei Minuten habe ich mich noch bereitwillig in ihre Nähe begeben, ungeachtet der Gefahr, dass sie mich vielleicht den Abhang runtergezerrt und zu Tode geprügelt hätten.

Aber jetzt ist das anders.

Mit der Ungewissheit im Rücken ist das anders.

Ich weiß nicht wer die sind, was sie da machen und wieso nichts von dem zusammenpasst, was sie tun. Wie sie aussehen, sich verhalten, wieso sie den Hund dabeihaben. Vielleicht sind das doch Mafiabosse und ihre Schläger haben nur im Schatten von den Häusern gewartet, auf die ich gar nicht mehr geachtet habe.
Hastig versuche ich auf der anderen Straßenseite etwas zu erkennen. Das Blinzeln schmerzt immer noch. Und ich erkenne nichts. Also entweder bewegt sich da wirklich nichts oder meine Augen sind mittlerweile wirklich zu schlecht.

Das Herzklopfen lässt langsam nach.
Entfernt höre ich, wie ihre getuschelte Unterhaltung wieder anschwillt. Worte verstehe ich immer noch nicht. Verdammt. Jetzt bin ich wirklich neugierig, worum sich ihr Gespräch dreht.
Worüber könnten denn zwei bärtige Mantelträger, einer mit Hund und Sonnenbrille, mitten in der Nacht so reden?
Wie es den Kindern so geht? Wer beim nächsten Fußballspiel Torwart sein soll?
Ich werde einfach nicht schlau aus ihnen.

Wieder mit dem Schauer im Nacken und einer Gänsehaut auf den Armen haste ich weiter. Die beiden schrägen Vögel lasse ich allmählich hinter mir. Ich habe Angst – und die Kälte kommt mir noch viel näher als noch zuvor. Sie brennt mir mittlerweile auf den Wangen.

Soll ich umkehren?

Soll ich noch weiter laufen?

Aber ich will nicht zurück, wenn die mir den Weg versperren.

Also – ich will nicht wieder an ihnen vorbei. Selbst wenn es die andere Straßenseite wäre und wenn ich mich ganz unauffällig in den Schatten vorbeidrücken würde – vielleicht lassen sie den Hund auf mich los.

Vielleicht hätten sie ihn gerade eben schon loslassen können. Ob mein Schreien die Einwohner alarmieren würde? Ich bin noch nie von einem Hund gebissen worden. Tiere mögen mich eigentlich meistens. Und auch wenn der Schäferhund hinter mir nicht so aussah - vielleicht ist er ja doch darauf trainiert, Leute anzufallen.

Meine Füße tragen mich eilig bis um die nächste Biegung und erst fünfhundert Meter weiter fühle ich mich so halb in Sicherheit. Meine Atmung rasselt von der Kälte. Den Weg säumen jetzt einige hochgewachsene Büsche und die Laternen werden spärlicher.
Es gibt hier weniger Häuser. Die Geräusche von der Schnellstraße werden lauter. Unsanft werde ich an meinen eigentlichen Daseinszweck erinnert.

Vor mir liegt eine lichtlose Unterführung. Sie gähnt mir entgegen und einen Moment lang bleibe ich stehen, weil sie mich genauso abstößt wie die beiden Fremden irgendwo hinter mir. Ich habe nicht unbedingt Angst vor der Dunkelheit - ich weiß nur, dass ich darin komplett blind bin. Egal. Was habe ich schon zu verlieren?

Meine Füße setzen meinen Weg fort; eine unheimliche Erwartung schiebt mich vorwärts. Ob mir jemand da drin auflauert? Mit klopfendem Herzen trete ich in die zähflüssige Dunkelheit. Meine Schritte hallen auf einmal, meine Atemzüge auch. Die Luft ist irgendwie feuchter hier drin und manchmal bekomme ich einen Tropfen auf die Stirn oder Jacke. Das lässt mich zusammenzucken. Langsam taste ich mich durch den Tunnel, nur dem Licht am anderen Ende des Gangs folgend. Es ist immer noch schrecklich kalt. Ich drehe bald um, gleich drehe ich um …

Obwohl man den Mond durch die dicke Wolkenschicht nicht sieht, ist es draußen heller als in der Unterführung. Gräulicher, zumindest. Und mittlerweile sehe ich auch die Autobahn. Der Weg führt mich genau dort hin. Na also, ermutige ich mich selbst und wünsche mir das Unwohlsein weg.
Meine Schritte sind jetzt eiliger, als ich über den unbefestigten Pfad zur Brücke wandere. Die Lichter ziehen mich an. Die Geräusche, das Zischen der Autos über den Asphalt. An dem Aufgang zur Treppe wechselt der Boden von durchweichtem Schotter und Matsch zu festem Beton.
Von der Nässe rutschig.

Damit habe ich immer noch Glück, in ein oder zwei Monaten ist hier nachts vermutlich alles gefroren und spiegelglatt.

Im Moment ist der September einfach nur ein Arschloch – mit den ganzen Nächten unter dem Gefrierpunkt und dem Nieselwetter. Sind die Tiefdruckgebiete, sagen die Nachrichten und alle Wetterfühligen klagen über Kopfschmerzen und Müdigkeit. Der Kerl, der uns das Haus letztes Wochenende vermietet hat, der hat sowas erzählt. Meine Eltern halten das für Quatsch, jedenfalls haben sie ihn nur belächelt.

Mir ist das egal. Ich weiß, dass das Wetter auf die Stimmung schlagen kann. Auf meine ganz besonders.

Ich erklimme die mit Eisengeländer gesicherte, klapprige Wendeltreppe und werde empfangen vom Geruch nach Abgasen und der steifen Brise, die hier oben herrscht. Der Ausblick ist phänomenal. Die gleißenden Lichtpunkte der Fahrzeuge und wie sie vorbeirasen ist beinahe hypnotisierend. Ihre Scheinwerfer brennen sich durch die Finsternis und lassen die Reflektoren an den Straßenseiten aufblitzen. Zufrieden lehne ich mich über das Geländer und sehe runter auf die Straße.

Es ist noch relativ voll. Was machen die ganzen Leute noch so spät unterwegs? Sind sie auf dem Weg nachhause? Oder müssen sie erst zur Nachtschicht? Sind manche einfach nur Taugenichtse, die auf dem Weg zu Kasinos und Bars und Puffs sind? Könnte sein. Wie viele von denen haben wohl Affären, von denen sie gerade heimkommen?
Ich zähle dreizehn schwarze Autos, vier mit kaputten Scheinwerfen, drei mit extra Aufdrucken, die ich aber nicht näher erkennen kann.

Das beruhigt, irgendwie. Über andere nachzudenken ist sowieso viel angenehmer, als sich selbst ergründen zu wollen.
Ich werde ja noch nicht mal selbst schlau aus mir.
Mittlerweile glaube ich, es ist angenehmer für alle, wenn ich mein wahres Ich verstecke, bis ich es selbst begriffen habe.
Masken aufsetzen kann ich gut.
Den netten Jungen von nebenan spielen – kann ich gut.
Den stillen, unauffälligen Mitschüler spielen – kann ich gut.

Es ist niemand sonst mit mir hier oben. Also kann ich genauso gut ich selbst sein.



Und ich will gerade nichts mehr als – mit Schwung ziehe ich mich am Geländer hoch und klettere darauf.
Ich knie erst noch und nachdem ich mein Gleichgewicht gefunden habe, stelle ich mich ganz vorsichtig auf.

Der Steg ist kaum breiter als die Hälfte meiner Schuhe.

Der Wind zerrt an mir.



Triumphierend und mit ausgestreckten Armen starre ich runter auf meine Füße.
Links die Betonbrücke, vielleicht ein halber Meter, wenn ich falle.
Rechts von mir die Autobahn mit den vorbeirauschenden Autos. Vielleicht fünfzehn Meter, wenn ich falle.
Ob überhaupt jemand bemerkt, dass ich hier oben stehe? Mehr noch, ob es jemanden kümmert?

Mutig greife ich nach meiner Kapuze und setze sie mir auf. Es kribbelt ganz wundervoll im Bauch, als ich meinen Schwerpunkt verlagern muss, weil ich mich nur noch mit einer Hand ausbalancieren kann.

Wieso macht mich das glücklich?

Wieso gefällt mir dieser Nervenkitzel?

Vorsichtig hebe ich mich auf die Zehenspitzen in den zerlaufenen Turnschuhen und beginne mich locker zu machen.
Zu tänzeln.
Ich sehe, wie das Geländer vor Nässe glänzt. Es ist glatt.
Das macht es nur noch besser.

Wenn Mum wüsste, dass ich meine Erfahrung von den Leichtathletikstunden hierfür einsetze, würde sie sie bestimmt absagen. Oder hätte sie abgesagt, denn in dieser Stadt hab ich sowieso noch keinen Sportverein gefunden.

Wird auch schwierig in nächster Zeit, mit der Schule und mit dem Job, bei dem ich hoffentlich angenommen werde.
Sobald ich vor drei Wochen erfahren hab, zu welcher Adresse wir ziehen, hab ich mich über Supermärkte und Getränkeläden in der Nähe informiert und mich beworben. Und als wir das erste Mal zum Besichtigen gekommen sind, hatte ich ein kurzes Vorstellungsgespräch und brauche jetzt im Prinzip nur noch die Bestätigung, dass ich da anfangen kann.
Ob ich mich darauf freue, weiß ich nicht.
Klar, ich kann eigenes Geld verdienen, aber um welchen Preis. Früher hab ich Zeitungen ausgetragen, mit fünfzehn oder sechzehn, aber das hat kaum gereicht, um mir die neuesten Videospiele zu kaufen.
Und dabei konnte ich mich wenigstens ein bisschen bewegen.
Diesmal an einer Kasse zu sitzen oder Regale einzuräumen ist nicht unbedingt meine Traumbeschäftigung. Aber besser als nichts.
Vielleicht hält es mich von Spaziergängen wie diesen hier ab.
Vielleicht regt es sie aber auch erst an.

Wer kann das schon sagen? Zumindest ist der Laden auf dem halben Weg von der Schule zu uns nachhause, also kann ich Mum hoffentlich überreden, dass sie mich die Schichten nach der Schule machen lässt und mich somit nicht abzuholen braucht.

Wie viele überbesorgte Mütter mit Familienkutschen sehe ich wohl auf den Parkplätzen von der Schule?
Früher war es immer total spießig, mit so einer Mum gesehen zu werden. Weil man dann ja super reich war und es gab immer die Kids, die weniger hatten und einen deswegen zusammengeschlagen hatten. Und einem nicht nur das Pausenbrot, sondern auch die Uhr und die Schuhe geklaut haben. Obwohl ich noch nie teure Uhren oder Markenschuhe bekommen hab.
Sie haben es einfach so gemacht – weil sie geglaubt haben, die Sachen wären vielleicht was wert.

Ich mache ein paar zaghafte Schritte und verliere dabei fast die Balance.

Wütend beiße ich mir auf die Lippe und balle die Hände zu Fäusten.
Das war grauenhaft. Es war die schlimmste Zeit meines Lebens.

Meine Eltern sollten mich beschützen, für mich da sein, stattdessen haben sie mich nur in Schwierigkeiten gebracht. Ob sie jetzt wollten oder nicht.
Und als ich gefragt hab, ob sie mich vielleicht doch nicht mehr abholen wollen, haben sie nur gelacht.
Sie haben gelacht.
Und es für einen Scherz gehalten.
Ich glaube, in der Nacht hab ich unter der Decke geheult.



Mein Blick schweift wieder rüber zur Highway-Seite. Die Lichter flimmern. Keiner fährt langsamer. Vielleicht erkenne ich den Unterschied auch einfach nicht so gut von hier oben, wo einfach alles unendlich schnell an mir vorbeirast.

Ich will doch nur weg von dem allem. Ich will die Erinnerungen nicht mehr haben und dass ich meinen Eltern jeden Tag ins Gesicht grinsen muss, wenn ich sie sehe. Mir wird schlecht davon. Mir wird schlecht davon, wenn wir vor aller Augen die fröhliche Familie spielen. Vor dem Immobilien-Heini zum Beispiel und den neuen Nachbarn. Immer wollen sie alles verheimlichen. Manchmal geben sie sich sogar noch einen Abschiedskuss, wenn sie gerade jemand beobachtet.
Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass beide sich lieber übergeben würden, als das auf freiwilliger Basis zu tun. Ist doch krank. Sie hassen sich und das hat irgendwelche Gründe, von denen ich nichts weiß, weil ich da noch nicht geboren oder viel zu jung war und weil sie mir natürlich nichts davon erzählen wollen.

Ich bin zu jung, sagen sie.
Das erzähle ich dir, wenn du mal verheiratet bist und selbst Kinder hast, hat mein Dad gesagt.
Lächerlich.
Für alles bin ich alt genug, aber nicht für die Sünden meiner eigenen Eltern. So wie sie sich immer ankeifen, klingt es, als hätte einer von beiden eine Affäre. Oder hätte den anderen auf einer Familienfeier blamiert. Irgendetwas wirklich Schlimmes.
Keine Ahnung.
Ich hab ein paar böse Vermutungen, will aber nicht weiter darüber nachdenken.

Vielleicht hat Dad wirklich jemanden. Vielleicht hat das doch einen Grund, dass er manchmal länger arbeitet und vielleicht sind die ganzen Versetzungen doch nicht so sehr wegen der Firma und mehr, weil er irgendeiner jungen Schlampe das Herz gebrochen hat.
Diese Gedanken zerfressen mich innen drin wie Gift.
Ich kann mir das doch nicht vorstellen – mein eigener Vater! Ich weiß nicht, ob ich ihn verabscheuen soll oder von der Möglichkeit abgestoßen sein soll oder ob ich es einfach komplett ignorieren soll, um das Bild meiner perfekten Eltern zu behalten.

Über Mum gibt es gleich dreimal so viele Gerüchte. Ist doch sowieso verdammt schwer, sich in die Führungsriege einer so angesagten Firma zu arbeiten. Dass sie sich hochgeschlafen hat, heißt es deshalb immer.
Einmal hat sie mich mit zur Arbeit genommen, um da auf mich aufpassen zu können. Weil ich Schnupfen hatte und die Kinder in der Grundschule nicht anstecken sollte. Ich kann höchstens neun gewesen sein oder so. Und Dad war nicht da, ein Kindermädchen hatten wir nicht und so hat sie mich den ganzen Tag in den Pausenraum gesetzt und malen lassen.

Als wir zu Feierabend runter zu ihrem Auto sind, hing ein Zettel an ihrem Scheibenwischer, den sie fluchend an sich gerissen und zerfetzt hat.
Damals hab ich nicht verstanden, was darauf stand. Ich hab auch nicht weiter nachgefragt, obwohl ich es durchaus lesen konnte. Heute weiß ich, dass es Hure war und sie nochmal Glück gehabt hat, dass es nicht in die Windschutzscheibe oder den Lack gekratzt worden war.
Ich finde es widerlich.
Aber ich finde auch die Idee widerlich, dass etwas dran sein könnte.
Und dass meine Eltern unbestreitbar Geheimnisse vor mir haben. Als wäre es eine geheime Währung oder Waffe, mit der man sich Feinde vom Hals halten könnte.

Vielleicht hab ich deshalb angefangen, auch Geheimnisse zu haben.

Ihnen nicht zu sagen, dass ich nachts auf solche Erkundungsspaziergänge gehe oder auf welche Schule ich gehe oder dass ich auf Kerle stehe.

Wenn sie das rausfinden … bin ich tot.

Meine Eltern sind verdammt konservativ und am Esstisch fällt schon das ein oder andere Mal ‚Schwuchtel‘ als besonders fieses Schimpfwort. Oder beim Fernsehabend, wenn sich beim Fußball wieder irgendwer eine rote Karte einfängt.
Meine Mum ist da nicht so aggressiv, aber sie verachtet Homosexuelle.
Beim Einkaufen wirft sie allen männlichen Pärchen immer misstrauische und ächtende Blicke zu, egal ob sie sich jetzt als Schwule outen oder ob es nur zwei beste Freunde sind, die für das nächste Date mit ihren Freundinnen shoppen gehen.
Sie urteilt verdammt schnell.

Genau deshalb halte ich mich auch mit Freunden jeglicher Art zurück. Männlich wie weiblich. Ich glaube sie erwartet schon ganz sehnsüchtig, dass ich meine erste Freundin anschleppe und den ganzen ekligen Beziehungskram durchmache. Weil sie sich dann endlich wie eine richtige Mutter fühlen kann und nicht so, als hätte sie einen Versager zum Sohn.
Dabei bin ich achtzehn und hatte noch nie eine echte Romanze. War noch nicht mal länger als zwei Wochen in irgendwen verschossen. Ich habe keinen Crush auf irgendwelche Bands oder Schauspieler.

… Ich bin einfach nur … verkorkst.

Ganz im Ernst, wenn ich so beschäftigt mit mir selbst bin, wie soll ich mich da auch noch auf andere oder die Gefühle anderer konzentrieren?!



„Alles okay bei dir?“, fragt jemand und es reißt mich so aus den Gedanken, dass ich ausrutsche und beinahe in Richtung des Abhangs falle. Ein starker Arm hält mich fest und hat mein Handgelenk gepackt.

Mein Herzschlag springt innerhalb von Sekundenbruchteilen auf das Doppelte, einerseits von dem Adrenalin und dem Fallgefühl, andererseits weil ich in das Gesicht desjenigen starre, der mich gerettet hat. Und ich spiegele mich darin.Ich spiegele mich in seiner getönten Brille.

Mir bleibt ein Schrei im Hals stecken und ich versuche mich einen Moment lang noch panisch von ihm loszumachen, bis das Bellen seines Hundes mich aus der geistigen Umnachtung reißt. Gepresste Atemzüge besänftigen die Panikattacke langsam und er hält ganz still, bis ich mich beruhige. Solange lässt er mich nicht los. Er hat schnell gehandelt.
Zugegebenermaßen hätte er nicht viel anderes sagen können, was mich nicht auch wie eine Katze hätte aufspringen lassen.

Mit aufgerissenen Augen sehe ich mich hastig nach seinem Kumpel um und frage mich dann im nächsten Moment, ob er mich nicht doch noch von der Brücke stoßen will, weil ich zu viel gesehen habe.
Aber er beweist mir das Gegenteil und zieht mich jetzt bestimmt in Richtung der Brückenseite.

„Was sollte das denn?“, fragt er nach, als er mich soweit von dem Geländer gezogen hat, dass ich jetzt zitternd und mit wackeligen Knien dagegenlehne.

„Ich … i-ich-“

Kaum ein vernünftiger Laut kommt mir über die Lippen. Den Schrecken noch in den Gliedern sinke ich in die Hocke und vergrabe das Gesicht in den Händen. Oh Gott.
Oh Gott, beinahe.
Der Hund gibt ein hohes Fiepen von sich und drückt die Schnauze neugierig an meinen Kragen. Ich glaube, der Schock lässt mich weinen. Mein Gesicht wird heiß und meine Nase läuft und die Augen brennen.
Scheiße.

„Ist alles okay bei dir? Hast du was getrunken?“, will der Mann wissen. Er klingt jünger, als ich erwartet habe. Mit der Sonnenbrille schaut er auf mich runter und die leicht gewölbten Gläser schimmern dunkel wie Facettenaugen. Ich schnaube verächtlich.

„H-hab ich nich“, widerspreche ich genervt und schlinge mittlerweile die Arme um mich.

Der Hund ist total süß. Er schnuppert immer noch an mir und drückt sich ganz nah an mich, fast als würde er erahnen, dass ich eine Umarmung brauche. Vielleicht will er auch nur gestreichelt werden. Außerdem riecht er nach Hundefutter und sein Fell ist an der Oberfläche ganz nasskalt. Genauso wie seine Nase und die Zunge, mit der er mich abschleckt.

„Chopper, Sitz“, befiehlt sein Herrchen streng, aber das Tier hört nicht unbedingt darauf. Stattdessen schnüffelt er weiter aufgeregt an mir herum und winselt, weil ich ihm nicht genug Beachtung schenke. Sein Schwanz wedelt fröhlich vor sich hin.

„Na der ist ja toll erzogen“, bemerke ich trocken und ringe mich jetzt doch dazu durch, den Hund am Kopf zu tätscheln und das ausgiebige Nacken- und Kragenfell zu kraulen. Er ist warm und das hilft meinen Fingern ein bisschen, die ich kaum noch bewegen kann.

„Ist der Hund meiner Freundin“, bemerkt er säuerlich und mit kaputtem Grinsen. Witzig. Das klingt, als hätte sich der Hund noch nicht ganz an ihn gewöhnt. Vielleicht ist es aber nur ein besonders eigensinniges Tier. Mich jedenfalls scheint er zu mögen.

„Guter Junge – ja, du bist ein ganz Braver“, wende ich mich an Chopper und kraule ihm die Ohren. Das scheint ihm zu gefallen.

„Wieso warst du da oben?“, beharrt mein unheimlicher Retter und zieht den Hund jetzt an der Leine zu sich. Der sich das aber nicht gefallen lässt und hartnäckig bei mir sitzen bleibt. Und der Mann scheint es nicht übers Herz zu bringen, sich gegen ihn durchzusetzen und von mir loszureißen.
Ich räuspere mich.

„Geht Sie nichts an“, knurre ich und hänge giftig an, „Was hatten Sie denn da mit dem anderen Kerl verloren?“

Er schnaubt entnervt.

„Geht dich auch nichts an“, antwortet er unkreativ und legt den Kopf schief. Jetzt streckt er mir wieder die Hand entgegen, um mir aufzuhelfen. Er hat zumindest Handschuhe an.

Ich traue ihm immer noch über den Weg.
Irgendwie macht er mir Angst, wenn er die Brille trägt.

„Wieso tragen Sie die da?“, will ich wissen und zeige ihm mehr oder weniger direkt ins Gesicht. Meine Stimme klingt misstrauisch. Und unsicher.

„Was de- oh, du meinst meine Brille, oder?“

Er gibt ein gehüsteltes Lachen von sich und schlägt den Kragen seines Mantels zurück. Ein gelbes Abzeichen mit drei schwarzen Punkten ist daran angeclippt.
Mir bleibt der Mund offen stehen.

„S-sie sind-?“

Er wedelt sich grinsend mit einer Hand vor dem Gesicht herum.
„Blind – jep.“

„Echt?“

„Daran zweifelst du?“

Ich zucke mit den Achseln.
„Kann ja sein, dass das Ihre Masche ist und sie mich gleich in einen Van ziehen und vergewaltigen“, ätze ich und wünsche mir sehr, dass er kein kranker Pädophiler ist.
Ich mag seinen Hund so sehr.

Er schnalzt unbeeindruckt mit der Zunge.

„Genau – und mein Van steht … ach ja genau, da unten auf dem Standstreifen. Also echt, da hätte ich dich auch fallen lassen können.“

„Woher wussten Sie bitte, dass ich da oben war? Und wo ich hingegangen bin?!“

„Wusste ich nicht – Chopper wusste es. Er hat so ein Näschen dafür wenn sich Leute in Schwierigkeiten bringen wollen. Und … naja, ich hab mittlerweile so meine Tricks.“

„Sowas wie mit den Klicklauten? Wie Fledermäuse?“, hake ich nach, weil ich darüber mal einen Beitrag im Fernsehen gesehen habe. Aber auch nur zur Hälfte und dann hat mein Vater genervt umgeschalten.

Er gibt ein fassungsloses Seufzen von sich.

„Nein … nicht mit Klicklauten“, versichert er mir trocken und ich muss kichern. Ja, schon, das war dumm von mir. Aber er kichert mit.

„Ich glaub Ihnen trotzdem nicht“, wiederhole ich, weil ich sonst noch nie mit Blinden zu tun hatte und keine Ahnung habe, wie solche Leute sich normalerweise verhalten.
Er seufzt und zieht seine Brille ab.
Mir starren zwei weiße, ausgegraute Iriden und Pupillen entgegen. Ein Schleier liegt über der Hornhaut, es sieht fast etwas vernarbt aus. Geisterhaft. Und richtig gruselig. Seine Augen starren, auch wenn er nichts dafür kann. Langsam begreife ich, wieso er die Brille trägt.

„Krass“, bemerke ich staunend und setze direkt im Anschluss einen Schlag hinterher, der sein Gesicht nur knapp verfehlt.
Er zuckt nicht mal.

„Warte – hast du grad versucht, mich zu erschrecken?“, will er ungläubig wissen und zieht die Brauen zusammen. Er muss den Luftzug gespürt haben.

„Sorry“, schiebe ich nach und wedele ihm dennoch mit der Hand vor dem Gesicht herum. So langsam glaube ich, er ist wirklich blind.

Einen Moment lang schaut er nur vor sich hin, bis er unvermittelt meine Hand packt und von sich weg drückt.
„Das reicht jetzt, oder?“
Sein Griff ist erstaunlich fest. So wie schon, als er mich von dem Brückengeländer gezogen hat. Und das hat mich fast ein bisschen erschreckt. Er hat gute Reflexe.

„Wie ist das passiert?“ will ich wissen und rappele mich gegen die Eisenstäbe des Geländers hoch.
Er seufzt und sieht zu Boden, während er mit dem Fuß irgendeinen lockeren Stein aus dem Beton kicken will.
„Ich war in einer Bar“, hebt er wehleidig an, „und hab mich mit einem Typen angelegt. Irgend so ein religiöser Spinner. Ich dachte, es wär schon vorbei, alles beruhigt sich und ich kann gehen. Da rammt er mir eine leere Glasflasche ins Gesicht.“

Ich ziehe harsch die Luft ein.
„Autsch.“

„Kannst du laut sagen. Ich lag sechs Wochen im Krankenhaus.“

„Und Sie können gar nichts mehr sehen?“

Er wendet sich ab und kratzt sich die Nase. Sieht aus wie eine Geste, die er macht, wenn er nervös ist. Oder ihm etwas unangenehm ist. Kann ich mir vorstellen.

„Gar nichts. Noch nicht mal Schemen. Nur … schwarz.“

„Was ist mit dem Kerl passiert?“, will ich wissen und versuche das Thema zu wechseln. Der muss doch im Gefängnis gelandet sein, oder? Er hat das Leben dieses Mannes zerstört, zumindest den Großteil davon. Schon jetzt bewundere ich seine Freundin dafür, dass sie ihn trotzdem liebt. Ob sie ihn schon vorher kannte oder ihn erst als Blinden kennengelernt hat?

„Kein Plan. Hab ihn“, er kichert unprofessionell, „Aus den Augen verloren. Aber die Anwälte sollten ihm ganz schön eingeheizt haben. Ich hab genug Schmerzensgeld bekommen, um ihm das Leben zur Hölle zu machen.“
Ich hebe anerkennend die Augenbrauen und als mir einfällt, dass er das nicht sieht, stoße ich zustimmend die Luft aus.

„Also – ich hab dir von mir erzählt. Was ist mit dir? Ein Junge wie du sollte nachts nicht alleine rumschleichen. Und schon gar nicht auf Geländern von Autobahnbrücken herumklettern.“
Ich sehe, wie sein Gesicht sich im unregelmäßigen Lichtschein der vorbeifahrenden Autos anspannt und verzieht. Ihm scheint der Gedanke wirklich nicht zu gefallen. Fast als hätte er einen Beschützerinstinkt.

„Ich wollte nicht springen“, gebe ich leise nuschelnd zu und nehme jetzt doch seine Hand. Er zieht mich hoch, nimmt mich fast schützend an der Schulter und trottet mit mir vorsichtig in Richtung der Treppe. Anscheinend will er mich subtil von hier wegbringen. Na meinetwegen. Für heute Abend ist mir die Lust auf Erkundungstouren sowieso vergangen.

„Was dann? Nur die Aussicht genießen?“, bohrt er gereizt weiter.
Choppers Leine klimpert, als er vor uns hertappt und links und rechts an Müll und aufgeweichtem Papier schnuppert.

Ich zucke mit den Achseln.

„Keine Ahnung. Ist ein schönes Gefühl.“

„Ein gefährliches, nehme ich an.“

„Sie haben keine Ahnung.“

„Und ich glaube, du hast keine Ahnung, in welche Gefahren du dich bringst!“

Ich schnaube. Mann, muss er mich jetzt so belehren? Ich bin doch nicht sein Sohn.
„Ist mir doch egal.“

„Sollte es aber nicht“, bringt er mit aufeinandergepressten Kiefern hervor, „Gehst du denn nicht zur Schule? Morgen ist Schulanfang!“
Vielleicht hat er einen Sohn in meinem Alter. Oder hatte einen, was weiß ich. Irgendein psychologischer Tick wird ihn schon dazu bringen, so übervorsichtig zu sein.

„Ich sag doch, ich wollte mich nicht umbringen!“

„Aber du hättest dich verletzen können! Schwer! Wenn nicht Schlimmeres!“, droht er und ich bekomme ein ungutes Gefühl im Bauch, weil ich von einem Erwachsenen angeschrien werde. Das klingt wie die Gardinenpredigt, die ich nie bekommen hatte. Ich war immer das brave Kind. Habe nie aufgemuckt und mich nie sonderlich daneben benommen. Nur deshalb haben mir meine Eltern wohl nicht das Leben zur Hölle gemacht, wie sie es momentan gegenseitig bei sich tun.
Das ist also ein ziemlich neues und ziemlich beunruhigendes Gefühl für mich.
Ich räuspere mich, damit der Kloß in meinem Hals endlich weggeht. Tut er aber nicht.
Mehr bekomme ich gerade nicht heraus, denn mein Kinn beginnt zu zittern und auf einmal bekomme ich den Mund nicht mehr auf, wenn ich nicht schluchzen will.

Er bemerkt es noch nicht so recht und fährt fort: „Ich meine – ein Kind in deinem Alter freut sich vermutlich nicht sonderlich auf die Schule, aber hast du denn keine Freunde, die du wiedersiehst oder Lehrer oder kleine Geschwister, auf die du aufpassen musst?“

„…Nein, vielleicht und nein. Wir sind grade erst hergezogen und ich bin Einzelkind“, schniefe ich.

Einen Moment lang frage ich mich, ob ich ihm das alles überhaupt erzählen sollte. Er mag vielleicht blind sein und einen süßen Hund haben, aber vielleicht hat er immer noch böse Absichten. Und will mich aushorchen.
Ich nehme mir vor, meinen Wohnort oder die Schule nicht näher zu benennen oder zu beschreiben. Auch wenn er sich vermutlich denken kann, dass ich nicht allzu weit gelaufen sein kann.
Und vielleicht kann er in Erfahrung bringen, wer gerade neu eingezogen ist und dann weiß er, wo ich wohne und … ich kann einfach die Polizei rufen, wenn ich ihn irgendwo herumlungern sehe. Ich kann es meinen Eltern sagen und ihnen irgendeine Story erzählen, dass ich ihn bei der Arbeit getroffen hab und er aufdringlich geworden ist oder so. Etwas wird mir schon einfallen.

„Das heißt, es ist alles neu für dich. Ich hab mich immer gefreut, wenn ich an eine neue Schule gekommen bin. Neue Leute, neue Lehrer, nochmal ganz von vorne anfangen.“

Ich horche auf. Das klingt, als hätte er auch ein paar Schulwechsel durchgemacht.

„Ist doch eh immer dasselbe“, widerspreche ich lustlos und führe ihn die Treppe runter. Er muss sich festhalten und ich sehe es an seinen Fingerknöcheln, die sich weiß ins Geländer klammern, dass ihm das Wackeln der Treppe etwas Unbehagen bereitet. Chopper hopst ganz unbefangen die Stufen herunter und sein Gezappel macht das Quietschen der Scharniere nicht unbedingt besser. Der Mann lacht nervös und ich habe so das Gefühl, der Hund hat es speziell auf ihn abgesehen.

„Sind sie auch öfter umgezogen?“, will ich wissen, sobald wir wieder auf festem Boden stehen und beiße mir augenblicklich auf die Zunge, weil ich mir das auch doch eigentlich verkneifen wollte. Sobald wir wieder auf den unbefestigten Pfad treten, patschen unsere Schritte hörbar und Choppers Pfoten schmatzen im Dreck.
Er holt Luft und stößt sie wieder aus.

„Ich war ein Internatskind. Kenne meine Eltern nicht. Und bin von einer Schule nach der anderen geflogen. Die haben mich nur noch hin- und hergereicht. Die ersten paar Male ging das gut und es hat mir Spaß gemacht. Aber irgendwann haben alle einfach schon gewusst, dass ich der Versager war, den niemand haben wollte.“

„Uff“, mache ich und sehe ihn überrascht an. Das ist doch härter als ich gedacht habe.
Und so wie er jetzt aussieht scheint er es doch hinbekommen zu haben, sein Leben wieder auf die Reihe zu bringen. Freundin, Hund, gute Wohngegend. Über die Blindheit sollte ich wohl hinwegsehen, wo er ja noch nicht mal so richtig was dafür kann.

„Haben Sie einen Job?“, will ich wissen und überspringe damit die Frage, ob er einen Schulabschluss bekommen hat oder ob ihm der etwas gebracht hat.
Er schnaubt amüsiert.

„Ja doch, ich denke, das könnte man so bezeichnen“, grinst er und ich frage mich, was diese kryptische Aussage zu bedeuten hat.
Vielleicht ist es was Unregelmäßiges. Oder er hat ein Startup oder Ähnliches.

„Und was so?“

„Woran ich grade komme. Ich hab Pädagogik studiert, bin aber nicht verbeamtet. Jetzt kann ich mir das sowieso abschminken – Blinde wollen die ja sowieso nicht. Letztes Jahr war ich Kindergärtner. Davor in der Grundschule.“

Also Lehrer. Na dann verstehe ich seinen Beschützerinstinkt etwas mehr.

„Und jetzt?“
Er kichert wieder und scheint es mir nicht so recht verraten zu wollen.

„Ist noch unsicher. Grade verdient meine Freundin für mich. Aber das ist okay so.“
Seine Freundin muss ja einiges verdienen, wenn sie ihm das Haus in der Gegend für sie beide bezahlen kann.

„Also klappt die Beziehung mit Ihrer Freundin?“, will ich wissen und mir eigentlich nur selbst den glühenden Nagel tiefer in die Wunde treiben, dass andere Leute vernünftige Beziehungen führen können und meine Eltern nicht.

„Mhm“, macht er zufrieden und ist anscheinend genauso glücklich wie ich es erwartet hätte.

„Aber Sie sind noch nicht verheiratet?“

„Noch nicht“, erklärt er, „wir trauen uns noch nicht so recht. Wir haben schon Ringe und wir wollen auch beide und …“, er seufzt, „Es ist trotzdem ein großer Schritt.“
Ich nicke zustimmend.

„Meine Eltern hassen sich“, rutscht es mir heraus und kann gar nichts dagegen machen. Dabei wollte ich ihn doch gar nicht damit belasten. Es hat ihn nicht zu interessieren. Und bestimmt schert er sich einen Dreck darum.
Er hebt überrascht die Augenbrauen und wendet mir das Gesicht zu.

„Meinst du?“

Ich verdrehe die Augen. Vermutlich denkt er auch, dass ich überreagiere. So wie jeder, dem ich das zum ersten Mal sage. Viel effektiver ist es da, wenn ich sage:
„Sie lassen sich scheiden.“

„Oh … Mensch, das tut mir leid.“

Ich zucke mit den Achseln.

„Ich krieg das schon hin“, wimmele ich ihn ab und wische mir mit dem Ärmel übers Gesicht.
Einen Moment lang zögert er. Und setzt dann nach:

„Warst du deshalb auf der Brücke?“ Er fragt das ganz leise. Als sollte es niemand hören.
Von mir kommt ein mürrisches Knurren.
„Wenn’s nur das wäre“, schiebe ich hinterher und wende mich ein Stück von ihm ab.

„Brauchst du Hilfe?“, will er frei heraus wissen. Diese Annahme fasst er jetzt erst? Na herzlichen Glückwunsch.

„Ich sagte, ich krieg das schon hin“, entgegne ich gereizt.

„Also wenn was ist, kannst du immer zu mir kommen, okay?“

Er kramt in seiner Tasche und zieht eine Visitenkarte heraus, die ich gerade noch nicht durchlese, sondern einfach nur in meiner geschlossenen Faust verschwinden lasse. Hier sind gerade sowieso keine Laternen. Wir sind jetzt fast bei der Unterführung.

„Du kannst auch nur anrufen, wenn dir das lieber ist.
„Wieso interessiert es Sie?“, hole ich abweisend aus und verschränke die Arme.

„Keine Ahnung“, erwidert er. Und es überrascht mich. Ich hatte erwartet, dass er jetzt eine Moralapostelrede anstimmt, von wegen, ich sähe so verloren und einsam aus und dass ich doch mehr aus meinem Leben machen müsste, als nachts durch die Wohnviertel zu schleichen und auf Autobahnbrückengeländern zu balancieren.

Aber so sagt er nur Keine Ahnung.

„Ich schätze, ich will einfach Leuten helfen“, erklärt er und ich bin überrascht, dass er den Grund nicht bei mir, sondern bei sich sucht.

Wir durchqueren die Unterführung und für einen Moment schlägt mein Herz umgeben von der Dunkelheit wieder um einiges höher. Er muss an unseren echoenden Schritten und Chopper’s hallendem Hecheln hören, dass wir bei dem Tunnel angekommen sind.

„Wolltest du noch nie Leuten helfen?“, stellt er zusammenhangslos in die beißend kalte Luft.
Ein paar Sekunden denke ich über die Frage nach.
Irgendwie nicht, denke ich mir. Ich hatte keine Großeltern, zumindest keine, die wir jemals besucht hätten. Mütterlicherseits ist meine Verwandtschaft schon sehr früh verstorben und mein Vater hat keinen guten Draht zu seinen Eltern.

Zumindest wären alte Menschen, Rentner und Familie das erste, was mir einfallen würde, wenn ich an hilfsbedürftig denke. Aber so hatte ich keine Oma zum Über-die-Straße-Führen und auch kein Geschwisterkind, dass ich vor den Rowdys beschützen konnte. Stattdessen war ich das Kind, das die Hilfe gebraucht hätte.
Wenn jemand hilfsbedürftig ist, dann ich. Aber darüber habe ich noch nie richtig nachgedacht. Mir selbst zu helfen.

„Nein“, fülle ich die Stille, die mein Gedankenprozess mittlerweile hinterlässt.

„Mh“, macht er und gibt sich einen Moment lang damit zufrieden, „hattest du noch nie jemanden, der dir … wichtig war?“

Mein Hirn beginnt wieder zu rattern. Die Freunde aus der Kindheit zähle ich nicht. Da hat man dem anderen aufgeholfen, wenn er auf der Straße hingeklatscht ist, aber das war keine richtige emotionale Bindung. Man hat geheult, wenn man sich nach der Schule oder dem Kindergarten nicht sehen durfte, aber nach einem Eis war das auch wieder vergessen. Zumindest für mich. Ist das normal?

Seit das mit den Umzügen angefangen hat, hab ich keine Freunde mehr behalten können. Nicht die aus den Wohnorten zumindest. Ich hab Freunde online. Kumpels halt. Ist sogar ein Mädchen dabei.

Ich glaube, die sind mir wichtig.

Aber ich könnte ihnen niemals helfen. Weil sie auf der anderen Seite eines Monitors sind, ich sie niemals treffen werde und selbst wenn sie bei sich mit einem Herzinfarkt auf dem Boden liegen würden, könnte ich noch nicht mal den Krankenwagen rufen und den Notarzt zu einer Adresse lotsen.

So ist das. Ich stehe niemandem wirklich nahe. Niemand kommt so richtig an mich ran.
Er schnalzt mit der Zunge, als ich nicht mehr antworte.

„Such dir jemanden, der dir wichtig ist. Es muss niemand Besonderes sein. Aber es gibt dir einen Sinn, glaub mir.“

Ich nehme den Rat mit gespitzten Ohren zur Kenntnis, weil er jetzt leiser spricht und es damit wichtig klingt. Und sobald ich darüber nachgedacht habe, finde ich es auch vernünftig. Ja, ich hätte gern jemanden. Es muss ja noch nicht mal … keine Ahnung, eine Liebschaft sein. Ich hätte nur gern einen Freund. Jemanden, um den ich mich kümmern muss. Stattdessen bin ich immer nur der Klotz am Bein. Ich brauche die Fürsorge, ich brauche die Pflege. Manchmal denke ich, meine Eltern nervt das. Dabei versuche ich doch, so eigenständig wie nur möglich zu sein.

Ich muss neues Equip für meinen PC selbst kaufen und Spiele auch, Schulsachen auch, nur das Geld für die Schule und die Versicherungen zahlen sie noch.
Ob sie insgeheim bereuen, mich mit unserer Absprache zu meinem letzten Geburtstag noch bis zum Schulabschluss wie einen Minderjährigen zu behandeln? Ob sie heimlich erleichtert sind, wenn ich eine Wohnung finde und die Schule fertig habe? Ob es sie nervt, dass ich wegen den Umzügen die Klassen so oft wiederholen musste, dass ich trotzdem mit achtzehn erst in die Oberstufe komme?

Meistens verdränge ich diese Gedanken. Weil sie mich ganz, ganz tief in ein Loch reißen, aus dem ich meistens nicht mehr rauskomme. Dass ich meine Eltern hasse, ist für mich ja noch halbwegs zu ertragen, aber dass das auf Gegenseitigkeit beruhen könnte, raubt mir nachts jeden Schlaf. Dabei sind sie noch die einzigen, die mehr oder weniger dazu verpflichtet sind, mich zu mögen – weil ich doch ihr Sohn bin. Allen anderen kann ich egal sein. Alle anderen gehe ich nichts an.

Und dabei hat ein nächtlicher Spaziergang gereicht und schon bin ich diesem blinden Kerl hier ans Herz gewachsen. Denke ich zumindest.
Die Rettungsleine an Straßenlaternen führt mittlerweile wieder zurück ins Wohnviertel. Wir folgen ihr noch eine Weile.
Obwohl es wirklich schweinekalt ist, frage ich mich, ob es ewig so weitergehen könnte. Denn selbst in Stille ist das Laufen mit ihm ganz angenehm.
Es fühlt sich … unverbindlich an.

Trotzdem sagt er irgendwann:

„Findest du allein nachhause?“

Und bleibt stehen. Ich gehe noch ein paar Schritte weiter, bevor ich das bemerke und mich zu ihm umwende.

„Wieso?“, frage ich und stelle mich damit recht dämlich an. Er nickt in Richtung einer Seitenstraße, die ins Innere des Wohnviertels führt. Keine dunkle Gasse zwischen zwei Wohnblocks wie in der Stadt, das hier ist ein niedlich ausgeschmückter Schotterpfad mit Bäumen und zwei Laternen an den Enden.

„Meine Freundin wartet bestimmt schon.“

Ich senke geschlagen den Kopf. Klar kann er mich nicht länger begleiten. Er hat ja doch ein eigenes Leben. Und seine Freundin ist ihm wichtiger als ich – natürlich, weil er mich erst seit einer Viertelstunde kennt.

Chopper läuft noch ein paar Zentimeter in meine Richtung, bis die Leine ihn zurückhält. Sein Herrchen lässt sie etwas lockerer, damit der Hund zu mir wuseln und mich winselnd abschlabbern kann. Ich glaube, er hat sich schon daran gewöhnt, wo es nach Hause geht und dass ich in die falsche Richtung gehe.
Seufzend beuge ich mich zu ihm runter und kraule ihn noch ein letztes Mal.

„Okay. Klar, ich krieg das hin.“
Obwohl ich mir ganz und gar nicht sicher bin, wo exakt ich hergekommen bin. Vermutlich folge ich einfach mal der Straße und warte, bis mir etwas bekannt vorkommt.

„Dann pass auf dich auf, ja?“
Er klingt schon wieder so besorgt. Ich glaube, er will mich wirklich nicht hier so allein stehen lassen. Aber sein Pflichtbewusstsein besiegt ihn schließlich. In einer komisch leeren Geste nickt er mir zu und wendet sich dann auf seinen Weg ab.
„Chopper, komm schon.“

Man könnte schwören, dass der Hund protestiert. Aber nachdem der Fremde mit genügend Kraft an der Leine zieht, gibt der Gute auf und trottet brav an die Seite seines Herrchens.
Er hat nur genickt. Es reicht nicht für ein Händeschütteln. Und auch nicht für eine freundschaftliche Umarmung.
Naja, was hab ich schon erwartet.

Ich warte noch ganz still und regungslos, bis er auf dem Pfad zwischen den Häusern mit ihrem ausgiebigen Garten verschwindet. Und sehe ihm nach. Der Hund führt ihn tatsächlich. Und er sieht nicht zu mir zurück. Für ihn bringt das auch nichts. Für mich schon. Damit habe ich das Gefühl, ich könnte ihn noch etwas länger bei mir behalten. Vermutlich sehe ich ihn nie wieder.

Das war so ein Zufall. Und es wird einmalig bleiben. In mir steigen die bösartigen Zweifel hoch, dass er gerade auch nur gespielt hat – die ganze Zeit. Und dass er mich doch einfach nur loswerden will. Dass er nicht rangehen wird, wenn ich ihn doch mal anrufe. Oder nicht aufmacht, wenn ich vor seiner Tür stehe.

Ich schleppe mich ins Licht der nächsten Straßenlaterne und ziehe seine Karte wieder raus. Und stoße ein entmutigtes Schnauben aus. Ist nur ein weißes Pappkärtchen – mit nicht mehr als seiner Handynummer. Kein Name, keine Adresse. Was ist das denn bitte für eine Visitenkarte?
Vielleicht stimmt noch nicht mal die Nummer. Das deprimiert mich. Sollte ich ihm nachschleichen und sehen, wohin er geht?

Nein, bescheuerte Idee, Ezra.
Bescheuert war es auch, ihn nicht nach seinem Namen zu fragen. Zumindest nach dem Vornamen. Aber irgendwie wusste ich auch, dass ich damit die Frage hätte erwidern müssen und ich will meinen Namen keinem Fremden sagen.

Also finde ich mich auf dem restlichen Weg nachhause damit ab, dass ich ihn nie wieder sehen werde. Die Karte stecke ich trotzdem ein und vergrabe sie tief in meiner Hosentasche.

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Hallo und herzlich willkommen beim Prolog von The Crooked Kind!
Und an alle, die das hier zu Neujahr lesen: Noch ein schönes Neues Jahr und einen guten Rutsch!
Wie schon von meiner Vorgänger-FF INDIGO gewohnt verlinke ich euch das Nachwort hier, denn es befindet sich im Blog auf meiner Website! Die Seite braucht ewig zum Laden, ist besser am PC oder Laptop anzuschauen (im Gegensatz zum Handy) und man muss ein Stück runterscrollen, bis der Text kommt ^^
Alles Wichtige ist da ausführlich erläutert! (Auf der Seite findet ihr auch Concept Art zu der Story, genauso wie nützliches Info-Material xD)
Bis zum nächsten Mal,
Lg, Renaissanssouci
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