Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Vergangene Zukunft

von Adrimeny
CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Old Shatterhand Winnetou
01.01.2019
03.09.2020
21
64.965
21
Alle Kapitel
122 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
15.04.2019 3.233
 
Persönliches Logbuch des Captains – Kathryn Janeway – Sternzeit – ach was weiß ich. Was spielt die Zeit noch für eine Rolle, jetzt, wo wir sie ohnehin durcheinander gebracht und den Zeitstrom längst kontaminiert haben?

Es kommt nicht oft vor, dass ich meine einmal getroffenen Entscheidungen in Frage stelle. Das ist etwas, was sie einem schon auf der Akademie beibringen – wenn Du ein Führungsoffizier oder gar der Captain bist, dann hast Du die Verantwortung – für das Schiff und für die Crew – Zweifel haben da keinen Platz und hindern Dich daran diese Verantwortung zu tragen.

Aber was wissen diese Bürokraten und Dozenten schon von dem wirklichen Leben hier draußen im All? Von den Sorgen und Nöten – von den Entbehrungen, Gefahren und Verlusten?

Entweder hatten sie es nie kennengelernt oder aber ihre aktive Zeit in der Sternenflotte lag schon so lange zurück, dass sie schlicht vergessen hatten, wie es wirklich war, wenn man allein auf sich gestellt eine Entscheidung über Leben und Tod treffen musste.

Und niemand, wirklich niemand von ihnen war jemals im Deltaquadranten [1] gewesen, so wie meine Crew und ich es nun waren.

Meine Crew – meine Crew, die nun nicht mehr vollständig war und ihres ersten Offiziers – und damit praktisch ihrer Seele beraubt wurde. Wir haben Chakotay verloren. ICH habe ihn verloren! Alle Versuche ihn aufzuspüren haben bisher in eine Sackgasse geführt. Ich selbst habe bereits Stunden über Stunden in dieser unheimlichen Höhle zugebracht und jeden Quadratzentimeter persönlich abgesucht. Doch es scheint so, als hätten sich die felsigen Wände dieser verfluchten Höhle für einen winzigen Augenblick geöffnet, Chakotay in sich aufgenommen und sich wieder geschlossen, um ihn für ewig festzuhalten.

Diese Höhle strahlt etwas aus, was mich erschaudern lässt. Ich gebe es nur ungern zu, doch da geht etwas vor sich, das mit Wissenschaft allein nicht zu erklären ist und das ist definitiv etwas, was ich nur schwer akzeptieren kann. Chakotay hat einen ganz anderen Zugang zu diesen Dingen, doch Chakotay ist nicht hier.

Er ist weg und wo auch immer er ist – diese Höhle gibt ihr Geheimnis nicht preis.

Seit Chakotays rätselhaftem Verschwinden zeigen die Sensoren rein gar nichts mehr an, was uns bei der Suche nach ihm auch nur einen Millimeter voranbringen könnte. Doch was mir fast die Hoffnung nimmt, meinen ersten Offizier und Freund jemals wieder zu sehen ist die Tatsache, dass es noch nicht einmal mehr Anzeichen für eine temporale Anomalie gibt.

Nichts – alle Anzeigen sind im Normalbereich. Nur das nichts mehr normal ist. Doch dafür – für meine Gefühle und die Gefühle und Ängste der Crew gibt es keine Anzeigen.

Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich auf den Scanner starre und mir einen noch so geringen Ausschlag der Zeitströme herbeisehne, etwas, das mir sagt, dass die Zeit wieder dabei ist sich zu krümmen und vielleicht von sich aus korrigieren will, was wir gestört haben.

Doch die Zeit schwieg und behielt Chakotay bei sich und ließ Winnetou bei uns.

Wo bleibt nur eine temporale Anomalie, wenn man sie einmal braucht?

Allein dieser Gedanke zeigt, wie es mir gerade geht – Ich wünsche mir eine temporale Anomalie herbei, soweit treibt mich die Verzweiflung schon.

Doch ich wünsche sie ja nicht nur für mich herbei und dafür, dass sie mir und uns allen Chakotay zurückbringt, sondern ich hege diesen Wunsch im gleichen Maße für unseren Gast – Winnetou.

Er ist ein faszinierender Mensch mit einem – wie wir inzwischen aus unserer Datenbank wissen – faszinierenden Leben. Die Aufzeichnungen aus dieser Zeit haben die Jahrhunderte nur lückenhaft überstanden, doch alleine die Tatsache, dass das Wissen um sein Leben nun fünfhundert Jahre überdauert hat, zeigt, wie wichtig unser Gast zu seinen Lebzeiten gewesen sein musste. Offenbar wurden gar einige Bücher über ihn und seine Taten geschrieben.

Er ist ein geborener Anführer, das habe ich sofort gespürt, als ich ihm zum ersten Mal gegenüberstand. Er braucht nicht viele Worte, um das zu untermauern. Seine ganze Haltung strahlt es einfach aus. Wir werden ihn nicht mehr lange dort in diesem abgedunkelten Quartier lassen und mit inhaltsleerem Geschwätz besänftigt halten können. Noch scheint er etwas geschwächt und Tom sorgt dafür, dass er viel schläft, doch wenn er wach ist, dann werden seine Fragen immer bohrender und ich kann ihn nur zu gut verstehen, denn die Fragen, die ich derzeit habe, sind nicht weniger bohrend und drängend, doch ich habe niemanden, an den ich sie richten kann. Derartige Probleme bespreche und diskutiere ich stets mit Chakotay, dessen oft andere Sicht auf die Dinge, als meine Wissenschaftliche mir meist eine neue Richtung weist, wenn ich mit meinen Ideen in einer Sackgasse gelandet bin.

Doch Chakotay ist nicht da und es bringt mich nicht einen Schritt weiter, wenn ich nichts anderes tue, als mit dieser Tatsache zu hadern und sie zu beklagen und doch kann ich nicht aus meiner Haut. Ich vermisse meinen ersten Offizier und Freund und die Aussicht darauf, dass ich ihn für immer verloren haben könnte, lässt mich fast krank werden Sorge und Kummer um ihn.

Immerhin schreiten die Reparaturen gut voran, was wenigstens ein Lichtblick in diesen dunklen Stunden ist. Das hier vorkommende Dilithium ist für unsere Zwecke gut zu bearbeiten und wird unsere Energiereserven wieder auffüllen. Doch all das wird zwangsläufig irgendwann dazu führen, dass ich eine weitere schwerwiegende Entscheidung treffen muss. Ich muss entscheiden, ob ich Chakotay seinem Schicksal überlassen und unsere Heimreise mit der Voyager und ihrer Crew wieder aufnehme und ich muss entscheiden, was ich dann mit Winnetou mache. Ihn hier zurücklassen oder ihn mitnehmen. Würde er das überhaupt wollen? Ein Fremder in einer fremden Umgebung und fremden Zeit?



Das Rufsignal des Kommunikators riss Janeway aus ihren immer trüber werdenden Gedanken. Ein ungewohnter Ton, nachdem die Schiffskommunikation so lange ausgefallen war. So ganz schien sie jedoch immer noch nicht zu funktionieren, denn das, was sie hören konnte war nur sehr lückenhaft.

„Captain …way. Bit.. ommen Sie … Quartier …Gastes!“

Tom Paris. Soweit sie die krächzende Stimme aus dem Lautsprecher richtig zugeordnet hatte.

Der Pilot hatte es übernommen, sich um Winnetou zu kümmern, jetzt wo Chakotay, der eigentlich diese Aufgabe hatte erfüllen sollen, verschwunden war. Der Gedanke an ihren ersten Offizier versetzte ihr einen kurzen Stich. Dem Fremden schien es in den letzten Tagen immer besser zu gehen, daher wunderte sich Janeway ein wenig darüber, warum sie ausgerechnet jetzt zu ihm gerufen wurde. Vielleicht wollte er sie erneut sprechen und sie wappnete sich bereits innerlich gegen die vielen Fragen, die er sicherlich gleich stellen würde und auf die sie entweder selbst keine Antwort hatte oder aber die Antwort nicht geben durfte.

Vielleicht hatte sie aber auch das Glück, dass es etwas anderes war, das ihre Anwesenheit dort erforderte.

Sie kannte Tom aber gut genug, um zu wissen, dass er sie nicht rufen würde, wenn es nicht wichtig wäre, also machte sie sich auf den Weg zum Quartier ihres Gastes.

Im Gegensatz zur Kommunikation funktionierten die Turbolifte [6]  noch immer nicht, so dass sie wieder einmal durch die Jeffriesröhren [8] klettern musste.

Als sie vor dem Eingang des Quartiers ankam, in dem sie Winnetou untergebracht hatten, lehnte Tom schon im Türrahmen.

„Was gibt es denn so Dringendes, Mr. Paris!“, rief sie schon von weitem.

„Er ist weg!“, rief Tom zurück und fuhr sich schuldbewusst mit beiden Händen durch sein kurzes, blondes Haar.

Janeway glaubte sich verhört zu haben. Entsprechend unbeherrscht fiel der Ton ihrer Antwort aus.

„Weg? Was heißt weg, Tom? Wie kann Winnetou weg sein? Sie sollten doch bei ihm bleiben und aufpassen, dass genau das nicht passiert, was jetzt anscheinend passiert ist! Ich erwarte eine Erklärung! SOFORT Lieutenant!“

Janeway war inzwischen nur wenige Zentimeter vor dem Piloten zum Stehen gekommen, der unweigerlich Haltung angenommen hatte, obwohl dies auf der Voyager schon lange nicht mehr üblich war.

„Ich denke, wir haben unseren neuen Freund unterschätzt, Captain. Er hat mich überlistet.“





Winnetou war schon oft in den Häusern der Bleichgesichter gewesen. Er war sowohl in den Forts der Blauröcke, in den einfachen Blockhütten von Pelzjägern und Holzfällern, in Farmhäusern aber auch in den prunkvollen Gebäuden der großen Städte der Weißen gewesen. Doch so etwas hatte er noch nie zuvor gesehen.

Es gab hier Licht, das keine Quelle zu haben schien und die Wände und Decken bestanden aus einem Material, welches er noch nie zuvor gesehen hatte. Obwohl er in Eile war, tastete er kurz die Wand ab. Diese war kalt und glatt. Das helle Grau konnte man schon fast als so farblos bezeichnen, wie der trübe Himmel eines trostlosen Wintertages es war.

Überall hingen seltsame dünne Stricke in unterschiedlichen Farben heraus, von denen manche blaue Funken ausstoben und an einigen Stellen waren Wände und Decken voller Ruß, als hätte es gebrannt und doch roch es anders, als nach einem Feuer oder Brand, so wie er es kannte. Es war nicht der Geruch von verbranntem Holz oder einem anderen ihm bekannten Material, sondern etwas ihm vollkommen Fremdes. Etwas, dass ihm das Atmen zuweilen schwer machte und in seinen Lungen und Augen brannte, obwohl das Feuer wohl schon lange gelöscht war.

Er ging mit schnellen Schritten durch einen Gang, der in seinem eintönigen Grau schier endlos schien und von dem links und rechts Türen abgingen, die in Räume führten, die so aussahen, wie jener aus dem er gerade erst entkommen war.

Es war nicht schwer gewesen, den jungen Mann, der sich Tom nannte zu überlisten und fast schon tat er ihm ein wenig leid. Er hatte die Frau kennengelernt, die den Befehl über diese seltsame Gruppe von Menschen zu haben schien – Kathryn Janeway und er konnte sich vorstellen, dass Tom in schwere Bedrängnis kam, wenn sein Verschwinden entdeckt wurde, doch es war notwendig gewesen diese List anzuwenden. Er wollte nicht länger in diesem Raum festgehalten werden ohne zu wissen, was um ihn herum geschah. Er musste Gewissheit darüber haben, was mit Scharlih geschehen war und ob es ihm gut ging.

Winnetou hatte einen schweren Schwindelanfall vorgetäuscht und zudem über starke Kopfschmerzen geklagt. Er hatte sogar, entgegen seiner sonst strengen Zurückhaltung, aufgestöhnt, um die Stärke der Schmerzen, die ihn angeblich heimsuchten deutlich zu zeigen. Allzu sehr brauchte er sich jedoch nicht zu verstellen, denn beides plagte ihn wirklich, wenn auch nicht in dem Maße, wie er es vorgegeben hatte.

Sein Eindruck, den er von Tom inzwischen gewonnen hatte, dessen Augen fast so blau waren, wie jene von Scharlih und dessen Haar sogar noch etwas heller war, als das seines Blutsbruders, hatte sich bestätigt.

Der Mann, der offenbar die Aufgabe erhalten hatte, auf ihn aufzupassen, war zugleich ein Heiler und konnte nicht untätig bleiben, während Winnetou litt.

Er war sehr besorgt gewesen und hatte sich, nachdem er Winnetou kurz untersucht hatte, schnell aufgemacht, um Medizin herbeizuholen.

Winnetou hatte beobachtet, wie Tom sich nach rechts wandte, als er den Raum verließ und war dann selbst links herum gegangen.

Doch die Gänge schienen kein Ende zu nehmen und nirgends hinzuführen. Es gab keine Anhaltspunkte, nichts an dem er sich orientieren konnte, nichts das ihm eine Richtung anzeigte.

Mit einem Mal hörte er eilige Schritte und Stimmen. Schnell verbarg er sich in einem der Räume, deren Türen offenstanden und der exakt so aussah, wie der Raum, in dem er erwacht war und aus dem er entkommen war. Plötzlich war er sich nicht mehr sicher, ob es nicht vielleicht sogar dieser Raum war. Er, der sich noch nie verlaufen hatte und immer wusste wo er war, war musste mit einem Mal davon ausgehen, dass er vielleicht nur im Kreis gelaufen war.

Dennoch nahm er seinen Weg wieder auf, als die Schritte und Stimmen verhallt waren und er wieder allein in diesem Korridor war. Irgendwo musste es ja einen Weg geben, der aus diesem seltsamen Bau herausführte.

Plötzlich wurde ihm wieder schwindelig. Es war dieser seltsame Schwindel, der ihn bereits begleitete, seit er in diesem Raum erwacht war und der ihn stets fast an den Rand einer Ohnmacht führte.

Er kam und ging und Winnetou konnte nicht ausmachen, woher er rührte. Er war nicht schwer verletzt und fühlte sich nicht krank, dennoch überkamen ihn diese Schwindelattacken wie Wellen einer aufgewühlten See.

Vielleicht waren die Fremden gar nicht so freundlich, wie vorgaben zu sein und hatten ihm etwas verabreicht, das ihn schwächen sollte. Ein Gedanke, der ihn schon vor einiger Zeit beschlichen hatte, den er jedoch immer wieder beiseitegeschoben hatte, weil er zu spüren glaubte, diesen Menschen vertrauen zu können, auch wenn sie etwas vor ihm verbargen. Doch er durfte sich jetzt weder von dem einen noch vom anderen von seinem Ziel abbringen lassen.

Auf jeden Fall hatten sie etwas zu verbergen. Das konnte Winnetou spüren. Er merkte es an unvollendeten Sätzen, die plötzlich eine andere Richtung nahmen, an verstohlenen Blicken und an allem, was sie ihm nicht sagten, auch wenn er wieder und wieder direkt danach fragte.

Auch Chakotay, dem er instinktiv vertraut und der ihm versprochen hatte Scharlih zu finden, war nicht wieder zurückgekehrt. Die Fremden schwiegen, wenn er nach dem Mann fragte, der bei seinem Erwachen bei ihm gewesen war und in dem eindeutig das Blut seiner roten Brüder floß. Er hatte jedoch auch ohne ihre Hilfe herausgefunden, dass Chakotay vermisst wurde. Dazu war nur die einfache List des sich-schlafend-stellen notwendig gewesen. Die Fremden schienen nicht allzu erfahren mit diesen einfachen Gepflogenheiten und Täuschungen zu sein, die zum Überleben wichtig waren.

Das würde ihm hoffentlich dabei helfen herauszufinden, was mit Scharlih und den Sioux geschehen war. Wo auch immer diese sich nun aufhielten.

Und er musste versuchen zu erfahren, was es mit diesen seltsamen Menschen auf sich hatte, die vorgaben, dass er ihr Gast war, auch wenn er sich als ihr Gefangener fühlte.

Doch das stellte sich als schwieriger heraus, als er sich das vorgestellt hatte. Noch nie in seinem Leben hatte er so dermaßen die Orientierung verloren. Die Apachen lernten schon von klein auf sich nach dem Stand der Sonne oder der Sterne zu orientieren und sich die Besonderheiten der Landschaft und Umgebung einzuprägen in der sie unterwegs waren. Ein Apache verlief sich nicht – niemals!

Doch es gab hier keine Sonne, keine Sterne und keine Merkmale, an denen er überhaupt irgendetwas festmachen konnte und das verwirrte ihn zunehmend.

Als er ein weiteres Mal Stimmen hörte, presste er sich ganz dicht an die Wand. Dieses Mal waren keine Menschen auf diesem Gang zu sehen und die Stimmen schienen direkt aus der Wand oder Decke  vor ihm zu kommen.

„Janeway an Sicherheitsteam. Unser…äh….Gast hat sich verirrt. Die internen Sensoren funktionieren noch nicht. Suchen Sie ihn auf die altmodische Weise und bringen Sie ihn in sein Quartier zurück! An alle anderen. Sollten Sie unserem Gast begegnen, dann begleiten Sie ihn ebenfalls zurück zum Quartier und melden sich bei mir. Janeway aus!“

Winnetou wusste gleich, dass er gemeint war und dass nun die Suche nach ihm begann. Warum diese seltsamen Leute das ankündigten, anstatt einfach nach ihm zu suchen war ihm genau so ein Rätsel, wie die sprechenden Wände. Doch es war ein Rätsel, das er jetzt nicht lösen konnte.

Er ging weiter und spürte mit einem mal einen heißen Luftzug. Richtige Luft, die von draußen hereinkam, da war er sich ganz sicher. Doch sie kam nicht aus dem Gang, den er entlanglief, sondern aus einem Loch in der Wand an seiner rechten Seite.

Vorsichtig schob Winnetou seinen Kopf in dieses Loch. Es war ein steiler Schacht, der nach unten und oben führte. An der gegenüberliegenden Wand des Schachtes gab es eine Leiter.

Der Luftzug kam eindeutig von unten, also schwang sich Winnetou in den Schacht und stieg die Leiter hinab.

Nach endlosen Sprossen, die er hinabkletterte erreichte er endlich den Boden, aus dem seitlich eine ähnliche Öffnung herausführte, wie jene durch die er in den Schacht hineingeklettert war.

Dachte er in dem Gang noch, dass er sich in einem äußerst seltsamen Gebäude der Bleichgesichter befand, so war der Anblick, der ihn erwartete, als er den Raum betrat, zu dem der Schacht führte, mit nichts zu vergleichen, das er in seinem Leben schon einmal gesehen hatte.

Es war eine riesige Halle, überall waren diese Lichter zu sehen, die keine Quelle zu haben schienen und die hier in einer Vielzahl von Farben leuchteten, die das Auge täuschte und den Geist verwirrten. Auch hier kamen Stimmen aus den Wänden und sprachen von Dingen, die er nicht verstand. Doch was ihn am meisten verwirrte waren die großen Gebilde, die dort in Reihen standen und die aussahen, als ob sie für den Transport benutzt wurden. Sie hatten Türen, die nicht wie normale Türen aussahen, aber als solche zu erkennen waren, sie hatten Fenster, sie hatten weder die Räder des Feuerrosses, noch die einer Kutsche und doch war es Winnetou irgendwie klar, dass sie genau diese Funktion hatten.

Er hörte Schritte und duckte sich hinter einem dieser seltsamen Objekte. Es war mehr als mannshoch und länger, als der Waggon eines Feuerrosses. Es war beschriftet und Winnetou las: NCC -74656 Cochrane! Doch das sagte ihm absolut nichts und brachte ihn auch nicht weiter.

Als die Schritte verhallt waren, schlich er weiter in die Richtung, aus der noch immer ein beständiger heißer Luftzug kam.

Er bog hinter dem Objekt ab und wäre beinahe gestolpert. Der Raum vor ihm zeigte nun eine riesige Öffnung und dahinter war tatsächlich – die Freiheit!

Schnell schaute er sich um, ob jemand von den fremden Menschen in der Nähe war, doch er konnte niemanden sehen, also ging er zu der Öffnung, von der eine Rampe hinab in rote Erde führte.

Er sprang behände die Rampe herunter, rannte ein paar Meter fort, wo er sich hinter einen Felsblock hockte und einen ersten Blick der Orientierung wagte.

Das, was er sah verursachte gleich wieder einen Schwindelanfall. Das konnte nur ein Trugbild sein. Vermutlich hatten ihm die Fremden eine Substanz gegeben, die die Sinne täuschte und Dinge vorgab, die es nicht geben konnte.

Das Gebäude, aus dem er gerade entflohen war, sah von außen noch seltsamer aus, als von innen. Es war größer, als alles, was er zuvor gesehen hatte und überall waren Fremde damit beschäftigt an diesem Bau etwas zu tun. Das war gut, denn dadurch achteten sie hoffentlich nicht auf ihn.

Doch wo war er überhaupt. Nichts erinnerte ihn hier an irgendetwas, das ihm auch nur vage bekannt vorkam. Alles sah anders aus. Selbst die rote Erde, die auch in seiner Heimat häufig vorkam, war von einem seltsamen rot und roch fremd.

Und gerade, als er sich fragte, warum am auf einmal Himmel zwei Sonnen wohnten, hörte er einen ohrenbetäubenden Knall. Die Erde bebte und grüne Blitze fuhren vom Himmel herab.





++++

[1] Deltaquadrant:  Die Galaxie der Milchstraße ist in Quadranten unterteilt, wobei sich die Erde im Alphaquadranten befindet. Die Voyager ist durch ein Unglück im bislang unerforschten Deltaquadranten gelandet, der von der Erde aus gesehen, der am weitesten entfernte Teil der Galaxie ist.

[6]  Turbolift: Turbolifte sind auf jedem Raumschiff mit mehreren Decks der Sternenflotte zu finden und unterstützen die Mobilität der Crew an Bord durch schnelle Transporte von Ort zu Ort. Sie sind vergleichbar mit Aufzügen, fahren jedoch nicht nur vertikal sondern auch horizontal im so genannten Turboliftschacht.

[8] Jefferiesröhre:  Jefferiesröhren sind Gänge und Tunnel in Raumschiffen der Sternenflotte, die als Wartungsschächte dazu dienen, unzugängliche Bereiche des Schiffes bzw. technische Einrichtungen erreichbar zu machen. Über die Jefferiesröhren kann man alle wichtigen Orte im Schiff (wie zum Beispiel die Brücke oder den Maschinenraum) erreichen. Sie werden oft benutzt, wenn die Energie ausfällt und die Turbolifte nicht mehr funktionieren. Manche Jefferiesröhren sind so groß wie normale Korridore, die meisten jedoch sind nicht höher als etwa 80 cm und etwas über einen Meter breit.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast