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Vergangene Zukunft

von Adrimeny
CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12
Old Shatterhand Winnetou
01.01.2019
03.09.2020
21
64.965
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27.03.2019 2.953
 
Tahca Ushte sprang auf und schlug Großer Hund mit einer heftigen Bewegung das blutige Messer aus der Hand, stieß ihn gleichzeitig grob zur Seite und ließ sich in einer fließenden Bewegung neben Old Shatterhand nieder. Schnell, mit wenigen, sicheren Handgriffen riss er das Hemd auf, dessen Kragen sich schnell rot färbte.

Blut rann unaufhaltsam aus einer tiefen Wunde am Hals, aber es kam nicht stoßweise. Tahca Ushte atmete erleichtert aus, eine der großen Lebensadern schien nicht getroffen zu sein.  Er erhob sich und holte aus seiner Medizintasche, die aus einem wasserdichten Biberfell kunstvoll gefertigt war, Verbandszeug aus weichem Leder und einige Beutel hervor.

Sein verächtlicher Blick streifte Großer Hund, der, wütend an seiner Unterlippe nagend, neben dem Eingang stand und nicht recht zu wissen schien, was er nun beginnen sollte und sich schließlich still aus dem Zelt stahl.

Der Medizinmann beachtete ihn nicht weiter, sondern machte sich daran, die Wunde des Gefangenen genauer zu säubern und zu untersuchen. Die Stelle, an der das Messer in den Hals gedrungen war, lag etwas unterhalb des Kinnknochens, unmittelbar neben einer sehr alten, stark vernarbten Verletzung. Tahca Ushte erinnerte sich sofort an die Geschichten, die immer wieder an den Lagerfeuern zur Sprache kamen und davon erzählten, dass Winnetou einst Old Shatterhand beinahe tödlich verwundet hatte. Tahca Ushte wischte das immer noch rinnende Blut weg und betastete nachdenklich die Wundränder. Es sah so aus, als hätte nun diese alte Verwundung Old Shatterhand das Leben gerettet. Durch die starke Vernarbung, wahrscheinlich auch innerhalb des Muskels, war es Großer Hund nicht gelungen, mit dem Messer schnell und tief genug einzudringen.  Der Medizinmann drehte Old Shatterhand vorsichtig auf die Seite und öffnete ihm mit geschicktem Griff den Mund, um zu sehen, ob sich auch dort Blut befand, was aber nicht der Fall war. Tahca Ushte runzelte die Stirn. Die Verletzung war mit Sicherheit schmerzhaft und auch nicht ungefährlich, wenn sich eine Entzündung entwickelte, aber sie war auch nicht so schwer, dass sie eine derart tiefe Ohnmacht hervorrufen konnte.

Er schlug leicht mit der Hand gegen die Wange des Weißen, aber Old Shatterhand zeigte keinerlei Reaktion. Tahca Ushte seufzte und machte sich zunächst daran, die Wunde zu säubern und mit zerstoßenen, entzündungshemmenden Kräutern zu bestreuen. Dann nahm er den Deckel von einem kleinen tönernen Gefäß, holte eine große Waldameise hervor und hielt sie an die tiefe Halswunde. Nachdem die Ameise zugebissen hatte, knipste der Medizinmann mit den Fingernägeln ihren Kopf ab und nahm eine neue Ameise zwischen Daumen und Zeigefinger. So verschloss er nach und nach in wenigen Minuten den Schnitt und betrachtete zufrieden sein Werk. Jetzt rann kaum noch Blut aus der Wunde und der Medizinmann verband Old Shatterhand mit weichen Lederstreifen. Mit der rechten Hand tastete er nach dem Puls seines Patienten, der regelmäßig, aber sehr langsam schlug. Diese langanhaltende Ohnmacht wollte ihm gar nicht gefallen.

Plötzlich drangen von draußen eilige Schritte und laute Rufe in das Zelt und Großer Hund trat schnell ein, gefolgt von einem weiteren Unterhäuptling, Weißer Hirsch.

Unwillig runzelte der Medizinmann die Stirn.

„Was willst Du?“ herrschte er Großer Hund an. „Old Shatterhand ist verwundet und mein Gast. Du wirst in meinem Wigwam niemanden mehr angreifen! Du hast die Sitten der Gastfreundschaft gebrochen!“

„Old Shatterhand ist unser Gefangener und nicht unser Gast!“ murrte Großer Hund. „Großer Hund wird tun, was ihm beliebt.“

„Aber nicht in Tahca Ushtes Tipi.“

Vor dem Zelt herrschte immer noch große Unruhe. Weißer Hirsch hatte dem Disput mit wachsender Ungeduld zugehört und schaltete sich jetzt ein:

„Großer Hund hat dem Medizinmann nicht den wahren Grund unseres Kommens genannt. Darf Weißer Hirsch sprechen?“

„Du siehst, dass ich zu tun habe. Mach es kurz, wenn es wichtig ist!“

„Es ist wichtig,“ sagte Weißer Hirsch mir Nachdruck.

„Wir haben die Höhle noch einmal genau durchsucht und nichts gefunden, was außergewöhnlich wäre. Aber…,“

Weißer Hirsch schwieg einen Augenblick und warf einen unsicheren Blick auf Großer Hund.

„Aber was?“ hakte der Medizinmann ungeduldig nach.

„Plötzlich lag dort, wo der Apache…. verschwunden ist….. ein…..ein….Mensch…., ja….ein ….Mensch, glaube ich….“

Tahca Ushte erhob sich und breitete eine dicke Felldecke über seinen „Gast“. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder den beiden Unterhäuptlingen zu.

„Hol meinen Gehilfen,“ befahl er Großer Hund, „er soll bei Old Shatterhand wachen. Dann werden wir uns ansehen, WAS die Krieger der Ogellalah dort in der Opferhöhle…..gefunden haben. “

Vor dem Zelt wimmelte es von Kriegern, die unruhig von einem Fuß auf den anderen traten und erregt miteinander diskutierten. Tahca Ushte seufzte ein weiteres Mal und wünschte sich den Häuptling Gall herbei, der mit seiner Um- und Weitsicht sicher dazu beitragen könnte für Ruhe zu sorgen. Aber Gall war nicht da und er musste sehen, dass er allein zurechtkam.

„So lasst uns in die Höhle gehen,“ wandte er sich an Großer Hund und Weißer Hirsch. Weißer Hirsch gehorchte zögernd, während Großer Hund stehen blieb.

„Tahca Ushte und Weißer Hirsch mögen allein gehen. Großer Hund wird hierbleiben und seine Krieger beruhigen.“

Ein verächtliches Lächeln huschte um die Mundwinkel des weisen Mannes. Aber er zuckte nur die Schultern und folgte Weißer Hirsch zum Höhleneingang, der von drei Kriegern mit großen Fackeln bewacht wurde.

„Geht voran mit euren Fackeln und zeigt Tahca Ushte, was oder wen ihr ….gefunden….habt.“

Wir haben den Häuptling der Apachen verloren und einen anderen Menschen gefunden! schoss es dem Medizinmann durch den Kopf. Das ist merkwürdig! Aber war an diesem Tag nicht alles merkwürdig?

Die Schritte der Krieger wurden deutlich langsamer, je tiefer sie in die Höhle eindrangen und Tahca Ushte drängte sich ungeduldig an ihnen vorbei.

„Gebt mir die Fackel, wenn ihr so große Furcht empfindet!“ herrschte er die drei Männer an und eilte schnellen Schrittes weiter, gefolgt von Weißer Hirsch, der dicht an seiner Seite blieb.

Hatte Tahca Ushte bisher eher geglaubt, seine Ogellahas wären einer Halluzination zum Opfer gefallen, wurde er nun eines Besseren belehrt. Dicht an der Felswand, auf der nackten Erde lag ein Mensch, ein Mann, offensichtlich in tiefer Bewusstlosigkeit. Ein kurzer Befehl und Weißer Hirsch nahm ihm die Fackel ab. Beide Männer knieten neben dem Bewusstlosen nieder.

„Uff,uff!“ stieß Weißer Hirsch hervor. „Ein roter Mann! Aber welche Kleidung trägt er? Und warum hat er sein Haar geschnitten? Im Haar wohnt die Seele des Mannes!“

Der Medizinmann antwortete nicht sofort. Seine Aufmerksamkeit galt zunächst dem Gesundheitszustand des Fremden. Rein äußerlich war keine Verletzung zu erkennen und auch der Puls des Mannes schlug langsam, aber gleichmäßig.

Jetzt lenkte Tahca Ushte seine Aufmerksamkeit auf das Erscheinungsbild des Fremden, der ganz eindeutig ein roter Mann war. Aber er stimmte mit Weißer Hirsch völlig überein, so einen Roten hatte er noch niemals gesehen. Das schwarze Haar war kurz geschnitten und das Gesicht bartlos. Der Medizinmann legte eine Hand auf die Brust des Mannes und rieb den Stoff seiner merkwürdig geschnittenen Jacke zwischen den Fingern. Solchen Stoff hatte er noch nie gefühlt, solche Kleidung noch nie gesehen. Natürlich trugen auch die Frauen und Männer der Ogellalah inzwischen bunt gefärbte Stoffe, die sie bei fahrenden Händlern erwarben, aber nichts fühlte sich so an wie diese Jacke. Der Medizinmann beugte sich noch näher über den Bewusstlosen und konnte nun auch den Geruch deutlicher wahrnehmen, der seiner Kleidung und der Haut entströmte. Ein durchaus angenehmer Geruch, aber absolut unähnlich allen Gerüchen, die er kannte.

Weißer Hirsch hatte bisher schweigend zugesehen, aber nun konnte er seine Neugier nicht mehr bezwingen.

„Mag Tahca Ushte Weißer Hirsch mitteilen, warum er an dem Fremden schnuppert? Sagt der Geruch ihm, woher er kommt?“

Der Medizinmann schüttelte den Kopf.

„Tahca Ushte hat einen solchen Geruch noch nie wahrgenommen, ebenso wenig wie er je solche Kleidung und solchen Haarschnitt je sah.“

Weißer Hirsch deutete auf eine kleine, etwas über handgroße rechteckige Tasche, die am Gürtel der Hose befestigt war.

„Was befindet sich dort in dieser Tasche?“

Tahca Ushte berührte den Gegenstand vorsichtig. Auch er war aus einem ihm völlig unbekannten Material gefertigt und fest verschlossen.

Mit einem merkwürdigen Gefühl in der Bauchgegend drückte und schob der Medizinmann an den Verschlüssen herum, bis sich der Gegenstand plötzlich mit einem leisen, völlig unbekannten Geräusch öffnete und in der Mitte aufsprang.

Tahca Ushte und Weißer Hirsch wichen erschrocken zurück, als plötzlich Lichter in vielen verschiedenen Farbtönen auf der Oberfläche zu blinken begannen und aus dem Gerät erneut seltsame Geräusche tönten.

Auch die Krieger, die sich im Hintergrund hielten, sprangen mit einem entsetzten „Uff,uff!“ einige Schritte zurück.

„Was ist das?“ Weißer Hirsch wagte kaum laut zu sprechen.

Tahca Ushte fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.

„Ich weiß es nicht.“

„Warum hat der rote Mann seine Besinnung verloren? Er trägt nicht die Spuren eines Kampfes.“

Tahca Ushte griff behutsam nach dem blinkenden, piepsenden Ding und schob die beiden Teile wieder übereinander. Sofort erloschen die Lichter und die Geräusche verstummten. Dann erhob sich der Medizinmann und befahl den Kriegern:

„Bringt den Fremden in mein Zelt. Aber seid vorsichtig und lasst ihn nicht fallen, auch nicht wenn irgendetwas …..geschieht.“

Die Krieger rührten sich nicht von der Stelle. Damit hatte Tahca Ushte nicht gerechnet.

„Nun?“ fragte er bewusst spöttisch. „Fürchten sich die tapferen Krieger der Ogellalah vor einem Besinnungslosen? Oder warum folgen sie den Anweisungen ihres Medizinmannes nicht?“

Widerstrebend und sehr, sehr vorsichtig näherten sich die drei Männer dem Unbekannten und folgten mit ihrer Last dem Medizinmann zu seinem Zelt. Weißer Hirsch bildete den Schluss. Bevor auch er die Höhle verließ, drehte er sich noch einmal um und blickte zurück. Da war es ihm, als läge über der Wand an der Stelle, wo sie den Mann mit dem kurzen Haar und der merkwürdigen Kleidung gefunden hatten und wo angeblich auch Winnetou, der Häuptling der Apachen verschwunden war, ein eigenartiges Flimmern. Weißer Hirsch kniff die Augen zusammen, aber als er sie wieder öffnete war das Flimmern verschwunden. Der Unterhäuptling schüttelte verwirrt den Kopf und beeilte sich, den Medizinmann einzuholen.

Draußen schlossen sich Großer Hund und die Ogellalah dem Zug an und harrten vor dem großen Zelt der Dinge, die da noch kommen mochten. Eine merkwürdige, nahezu greifbare Spannung lag in der Luft, die noch verstärkt wurde durch die Blitze, die über den Himmel zu zucken begannen und ein fernes Donnergrollen.

Tahca Ushte wies die Krieger an den immer noch Bewusstlosen auf den Boden zu legen. Froh, den unheimlichen Mann endlich los zu werden, folgten sie auch diesem Befehl und beeilten sich dann, das Zelt zu verlassen, was Weißer Hirsch ein amüsiertes Lächeln entlockte.

„Deine Männer fürchten sich,“ sagte Tahca Ushte leise. „Und Du?“

Weißer Hirsch nagte unbehaglich an seiner Unterlippe, aber um nichts in der Welt hätte er seine Furcht zugegeben.

„Er ist ….. unheimlich,“ fand er schließlich ein passendes Wort.

Der Schamane nickte zustimmend.

„Wir werden jetzt versuchen, zunächst den Fremden aus seiner Bewusstlosigkeit zu wecken.“

Und an seinen Gehilfen gewandt: „Bereite einen stärkenden Tee aus Salbei, Holunder und Fenchel. Der Mann wird ihn brauchen, wenn er erwacht und sieht, wo er ist…“

Tahca Ushte begann jetzt die Arme und Hände des fremden, roten Mannes zu massieren, dann klopfte er ihm behutsam auf die Wangen und benetzte den Hals mit kaltem Wasser. Der aromatische Duft frisch gebrühten Tees begann sich im Zelt auszubreiten, als der Fremde langsam die Augen aufschlug und in das bemalte und reich tätowierte Gesicht des Schamanen blickte. In den dunklen Augen malte sich zunächst völliges Nichtbegreifen, dann Erschrecken und schließlich ein ahnungsvolles Begreifen.

„Wo bin ich?“ fragte der Fremde in englischer Sprache, die Tahca Ushte leidlich verstehen und auch sprechen konnte. „Und wer sind Sie?“

„Ich Tahca Ushte, weiser Mann der Ogellalah. Du hier in Wigwam von Tahca Ushte.“

Es brannte dem Schamanen auf der Zunge, tausend Fragen zu stellen, aber er beherrschte sich und beschränkte sich auf das Notwendige.

„Wie Du Dich fühlen? Du lange ohne Besinnung.“

Ein Wink und der Gehilfe reichte ihm den Becher mit dem dampfenden Getränk.

„Hier trink das. Es wird Dir guttun.“

Der Fremde schnupperte misstrauisch an dem Getränk, nippte vorsichtig daran und sah sich dann in dem Zelt um. Sein Blick fiel auf einen weiteren Mann, der regungslos auf einem Lager aus Fellen und Decken lag und dessen Hals auf primitive Weise dick verbunden war.

Tahca Ushte beobachtete, wie sich die Augen seines merkwürdigen „Gastes“ beim Anblick Old Shatterhands erstaunt weiteten.

„Ist das Scharlih?“

Verwirrt blickte Weißer Hirsch von Old Shatterhand zu Tahca Ushte und von ihm zu dem Fremden.

Natürlich wusste jeder, dass Winnetou seinen Blutsbruder Scharlih nannte, nur… woher wusste das der Unheimliche? Kam er etwa von Wakan? Kam er, sie alle in sein Reich hinter den Sternen zu holen? War er etwa nicht ganz Mensch?

Tahca Ushte betrachtete den Fremden nachdenklich.

„Ja, das Scharlih, Old Shatterhand. Wie sein Dein Name?“

„Ich bin Chakotay, Comman…., ich bin Cahkotay….., ja ich bin Chakotay.“

Nun war es an dem Schamanen die Stirn zu runzeln. Was redete der Mann da?

„Wo kommen Du her? Und wie kommen Du her? Woher Du kennen Old Shatterhand?“

„Wir sind… ich meine, also….wir haben…., also ich meine ICH habe eine Höhle gefunden und als ich  sie erforschen wollte, nun ja, da fand ich einen bewusstlosen Mann, der gerade eben so gekleidet war, wie dieser dort. Er sagte, er wäre nicht allein, sein Bruder habe ihn begleitet. Sein Name ist Winnetou. Deshalb bin ich noch einmal zurück gegangen, um diesen Scharlih zu finden.“

Aber sein BRUDER konnte das ja wohl nicht sein! fuhr es Chakotay durch den Kopf. Er sah ja völlig anders aus!

Chakotay setzte die leere Tasse ab und zuckte die Schultern.

„Nun, offensichtlich HABE ich ihn gefunden, allerdings nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe.“

Wo bin ich nur gelandet? Cahkotay versuchte vergeblich, die Ereignisse in irgendeiner Form irgendwie einzuordnen.

Und warum ist dieser Scharlih verletzt? Darüber hat mir Winnetou nichts gesagt! Allerdings trägt ja auch er die Spuren eines Kampfes und hat so eigenartige Fragen nach Menschen vor der Höhle gestellt.

Waren diese Leute hier eventuell Feinde von Winnetou und war Old Shatterhand ihr Gefangener und hier verletzt worden?

Chakotay suchte vergeblich nach Antworten auf diese Fragen, er konnte sich nicht richtig konzentrieren, wohl auch, weil der Schwindel in seinem Kopf nicht nachlassen wollte.

Wenn er seinem Tricoder vertrauen konnte, und eigentlich besaß dieser sein uneingeschränktes Vertrauen, dann hatte der Scan ergeben, dass Winnetou Mitte des 19. Jahrhundert geboren war. Chakotay schätzte ihn auf Mitte Dreißig. Der Schamane vor ihm war eindeutig ein Mann der roten Rasse, also konnte er davon ausgehen, dass er sich in einem Indianerlager Ende des 19. Jahrhunderts befand.

Blitzschnell waren Chakotay diese Gedanken durch den Kopf geschossen. Jetzt hob er den Blick und sah geradewegs in die Augen des Medizinmannes, in denen ein merkwürdiges Feuer glomm.

„Darf ich mir den Kranken ansehen?“  

Tahca Ushte seufzte unhörbar. Von dem, was der Fremde sagte, begriff er nur die Hälfte, aber er war sich sehr sicher, dass Chakotay von genau dort kam, wo sich nun der Häuptling der Apachen befand. Irgendwo in einem Winkel seines Kopfes ahnte Tahca Ushte, dass er hier Zeuge von etwas Unfassbarem wurde, von etwas, das sich seinem Verständnis nahezu vollständig entzog. Und so stimmte er nur schweigend zu.

Chakotay erhob sich, es schwindelte ihn leicht und er griff haltsuchend nach dem Arm des Schamanen.

„Es geht schon wieder,“ beantwortete er die stumme Frage. „Es liegt wohl an der Ohnmacht und der …äh… Zeitverschiebung…“

Chakotay sah das Aufblitzen in den dunklen Augen nicht mehr, denn er begann nun vorsichtig, die Lederstreifen am Hals des Verwundeten zu lösen. Als er die Ameisenköpfe fein säuberlich wie Perlen aufgereiht entdeckte, schmunzelte er unwillkürlich und hob anerkennend den Daumen, erntete aber, ob dieser Geste, wieder nur absolut verständnislose Blicke.

Das würde mir beinahe Spaß machen, fuhr es Chakotay durch den Kopf, wenn die Situation nur nicht so verdammt ernst wäre!

Er löste den Tricorder von seinem Gürtel und wandte sich vorsichtshalber noch einmal an den Schamanen:

„Ihr braucht keine Furcht zu haben. Dies ist nur ein Hilfsmittel, mit dem ich den Verletzten untersuche. Heilen kann ich ihn damit leider nicht.“

„Tahca Ushte kennt keine Furcht!“ gab der Medizinmann stolz zurück und Chakotay nickte.

Aufmerksam von Tahca Ushte, Weißer Hirsch und dem Gehilfen beobachtet, besah er sich die Informationen, die das Gerät ihm gab. Der Mann, den der Schamane Old Shatterhand nannte, war ein Weißer. Das festzustellen war kein Tricorder vonnöten, blondes Haar, helle, wenn auch gebräunte Haut gaben hier eindeutige Hinweise. Der Tricorder verriet ihm aber, dass dieser Mann ebenfalls im 19. Jahrhundert geboren wurde, er schätze ihn etwa gleich alt wie Winnetou. Chakotay bewegte das Gerät nun weiter über den Oberkörper des Mannes und fand viele alte und vernarbte Verletzungen. Nun näherte er sich der Halswunde und hielt überrascht inne.

„Der Mann wurde an dieser Stelle vor langer Zeit schon einmal verletzt,“ wandte er sich an den Medizinmann. „Wussten Sie das?“

Tahca Ushte nickte.

„Sein Blutsbruder Winnetou, der nun im Reiche Wakans ist, hat ihn dort vor vielen Jahren verwundet. Diese alte Verletzung wird ihm gerettet haben dieses Mal das Leben. Narben sehr fest in Haut und Muskel, Messer nicht konnte durchdringen. So Winnetou seinen Bruder beschützen, auch wenn er nie mehr kommen zurück.

Du können wecken Old Shatterhand mit Zauberkasten aus tiefer Ohnmacht?“

Chakotay besah sich nachdenklich die Wunde. Nein, das konnte er nicht, aber er kannte Mittel dies dennoch zu schaffen.  Allerdings ………..Griff er hier in das Schicksal dieses Mannes ein, wenn er versuchte, ihn aus seiner Ohnmacht zu wecken?

Chakotay seufzte. Dieser Scharlih sah nicht so aus, als würde er seine, Cahkotays Anwesenheit fraglos akzeptieren! Was sollte er ihm sagen? Die Wahrheit? Er wusste genau, was Janeway jetzt antworten würde, aber der Captain war nicht hier. Niemand war hier und ob er jemals wieder zurückfinden würde, stand in den Sternen. Er seufzte erneut, diesmal vernehmlich, was ihm einen fragenden Blick Tahca Usthes eintrug.

Also, was soll`s, dachte Chakotay, versuchen wir unser Glück!

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