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Vergangene Zukunft

von Adrimeny
CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Old Shatterhand Winnetou
01.01.2019
03.09.2020
21
64.965
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Dieses Kapitel
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05.03.2019 4.382
 
Chakotay kniete sich neben den Mann, der noch immer keine Anzeichen von Erwachen zeigte und drehte ihn vorsichtig auf den Rücken. Er war eindeutig ein Mensch, daran gab es keinerlei Zweifel, dafür brauchte er noch nicht einmal die Bestätigung des Tricorders [13].

Chakotay ließ seinen Blick über den Fremden gleiten. Er trug die Anzeichen eines erst vor kurzem bestrittenen Kampfes, wenn auch keine gravierenden Verletzungen, die seine tiefe Bewusstlosigkeit erklärten. Hier und dort Abschürfungen und Prellungen und die Handgelenke wiesen Anzeichen von Fesseln auf, die dort tief ins Fleisch geschnitten hatten. Eine kaum verheilte Platzwunde an der Stirn, die wohl von einem Schlag mit einem stumpfen Gegenstand stammen mochte.

Der Puls des Fremden war regelmäßig, wenn auch etwas schwach. Er lebte und war nur tief bewusstlos. Das war definitiv eine Erleichterung, beantwortete aber keine der vielen Fragen, die die Anwesenheit dieses Mannes auf dem Planeten aufwarf.

Woher kam er? Wie kam er hierher? Was war mit ihm geschehen? Waren da nur die offensichtlichen Fragen, die ihm sofort einfielen. Es gab aber noch etliche weitere, die zu klären waren, wovon – Was sollten sie jetzt mit ihm tun? – vermutlich die Drängendste war. Und die Schwierigste!

Der Commander fühlte an dem hellen und offensichtlich aufwendig gearbeiteten und besticktem Anzug, den der Fremde trug. Leder – ein Stoff, den es im 24. Jahrhundert gar nicht mehr gab. Zumindest wurde er nicht mehr zu Kleidung verarbeitet, doch konnte man ihn in Museen betrachten und sogar anfassen.

Zumindest auf der Erde des 24. Jahrhunderts. Auf Dorvan V [14], wo er geboren und aufgewachsen war, gab es noch Familien, die die Tradition der Gerberei und Tierhautverarbeitung weiterführten.

Er hatte sich nie wirklich dafür interessiert und hatte es für rückständig gehalten sich so viel Arbeit zu machen, wo man doch alles einfach mit einem Knopfdruck oder einem gesprochenen Befehl replizieren konnte. Doch sein Vater hatte darauf bestanden, dass er sich auch damit befasste, wie mit allen Traditionen seiner Vorfahren, die einst ausgezogen waren, um auf dem fernen Planeten das Leben zu führen, das man sie auf der Erde nicht hatte führen lassen.

Dieser Fremde, der dort vor ihm lag hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit seinen Ahnen, wobei er eher auf Nordamerika, als auf Südamerika tippen würde. Aber das war alles nur Spekulation und führte zu diesem Zeitpunkt sowieso zu nichts und half ihm nicht weiter.

Viel wichtiger war es nun zu handeln und dem Mann irgendwie zu helfen. Die große Frage war jedoch – Wie?

Instinktiv schlug er mit seiner flachen Hand auf den Kommunikator, der wie immer an sein Uniformhemd geheftet war, um diesen zu aktivieren: „Chakotay an Voyager!“, doch es folgte weder der übliche Bestätigungston, noch erhielt er eine Antwort. Noch nicht einmal statisches Knistern war zu hören, sondern einfach nur Stille.

Ja, natürlich. Die Kommunikation war noch immer ausgefallen, also konnte er weder die Voyager noch jemanden vom Außenteam erreichen, zumindest nicht auf diesem einfachen Weg.

Doch der Mann brauchte schnell Hilfe, das stand außer Frage. Hier in dieser Höhle, mit dem was er bei sich führte, war das jedoch kaum möglich. Er hatte ja noch nicht einmal ein Minimum an medizinischer Ausrüstung dabei, da dies ja nur eine erste Erkundung sein sollte und nicht etwa eine Rettungsmission.

Noch einmal überprüfte Chakotay den Puls des Fremden. Immer noch regelmäßig und auch mit der Atmung schien der Mann keine Probleme zu haben. Doch seine medizinischen Fähigkeiten waren eher begrenzt, zumal ohne die technischen Hilfsmittel, die so selbstverständlich für ihn waren, dass er erst jetzt merkte, da sie ihm nicht zur Verfügung standen, wie begrenzt sein Wissen auf diesem Gebiet eigentlich war.

Es war wesentlich leichter zu handeln, wenn ein Gerät einem sagte, womit man es zu tun hatte. Er hatte sich selbst in den Zeiten beim Maquis, wo Improvisation eher an der Tagesordnung war, als in der Sternenflotte, meist auf die Technik verlassen.

Vermutlich war es das, was sein Vater ihm immer sagen, er aber nicht hören wollte.

Es brachte ihn aber hier und jetzt nicht weiter, sich über das zu beklagen, was gerade fehlte oder nicht funktionierte. Das war ganz sicher nicht seine Art, Dinge anzugehen. Technik hin oder her.

Der Fremde schien soweit stabil zu sein und so wagte er es, die Höhle kurz zu verlassen, um vielleicht mit Handzeichen oder lautem Rufen jemandem vom Außenteam auf sich aufmerksam machen zu können.

Es dauerte einige Augenblicke, doch dann wurde Fähnrich Nichols auf ihn aufmerksam und kam auf die Höhle zugelaufen. Sobald der junge Mann nahe genug war, rief Chakotay ihm zu:

„Nichols, holen sie jemanden mit medizinischen Kenntnissen, am besten Tom Paris und den Captain und bringen Sie sie hier zu der Höhle! Beeilen Sie sich!“

Es zeichnete den jungen Fähnrich aus, dass er nur kurz zögerte und keinerlei Fragen stellte, sondern sich umgehend umdrehte, um den Befehl des Commanders auszuführen.

Chakotay begab sich wieder zurück in die Höhle und kniete sich an die Seite des noch immer ohnmächtigen Mannes.

Er aktivierte seinen Tricorder. Es war zwar kein Scanner, der für medizinische Zwecke geeignet war und das Energieniveau war inzwischen sehr niedrig, doch ein paar Dinge würde ihm das Gerät über diesen Fremden wohl verraten können.

Er schwenkte das Instrument langsam über den reglosen Körper und wartete auf den Ton, der den Abschluss des Scans signalisierte.

Obwohl der Fremde tief bewusstlos war, ging eine eigentümliche Faszination und Anziehungskraft von ihm aus, der man sich kaum entziehen konnte. Chakotay fragte sich kurz, wie die Wirkung des Mannes wohl sein würde, wenn er erst erwachte, wurde dann aber von dem Signal des Tricorders aus seinen Gedanken geholt.

Er blickte auf die Anzeigen und runzelte verwirrt seine Stirn. Vermutlich hatte das Ding den Dienst ebenso aufgegeben, wie ein Großteil der Systeme der Voyager. Er schüttelte das Instrument einmal kräftig und schlug mit der flachen Hand seitlich dagegen.

Seine Bemühungen wurden von einem – „Was zum Teufel…“, unterbrochen.

Es war Tom Paris, der sich sogleich neben ihn kniete und begann, den Bewusstlosen zu untersuchen.

„Bericht, Commander!“ Janeway, deren harter Befehlston kaum ihre Verwirrung über seinen Fund verbergen konnte.

Er wusste, dass er den Fremden nun getrost in der Obhut von Paris lassen konnte, der dem Doktor schon oft assistiert hatte und eine fundierte medizinische Ausbildung besaß. Also stand er auf und trat zu Janeway, die mit ungläubigen Blick auf den fremden Mann am Boden blickte.

„Es gibt nicht viel zu berichten, Captain. Ich…“

„Das sehe ich aber deutlich anders, Commander!“, wurde er von Janeway unterbrochen.

„Ich habe ihn hier so vorgefunden, als ich die Höhle erkunden wollte und ich kann Ihnen versichern, dass meine Überraschung nicht weniger groß war, als die ihre jetzt. Er ist eindeutig humanoid und er weißt deutliche Spuren temporaler Interferenzen auf. Und der Tricorder zeigt das hier an.“

Janeway warf einen Blick auf die Instrumentenanzeige und sah dann wieder Chakotay an.

„Das Ding muss eine Fehlfunktion haben!“

Der Commander schüttelte langsam seinen Kopf.

„Das habe ich auch erst gedacht. Ich habe es überprüft – zweimal. Das Ergebnis blieb.“

„Aber das heißt, dass der Mann…!“

„Jeden Moment zu sich kommt, Captain!“, wurde sie von Paris unterbrochen.

„Geben Sie ihm was, damit er erst einmal weiterschläft. Sofort, Tom!“, gab Janeway scharf zurück und hörte, wie sich das Hypospray [15] gleich darauf entlud.

„Das wird ihn für ein bis zwei Stunden außer Gefecht setzen, aber ich kann hier nicht viel für ihn tun. Wir müssen ihn auf die Voyager bringen. Er kann sowieso nicht hierbleiben.“

Janeway straffte ihre Haltung und war nun voll im Captain-Modus.

„Das ist ausgeschlossen. Wir können ihn nicht auf die Voyager bringen. Wenn die Anzeigen stimmen und Chakotay hat mir gerade bestätigt, dass dem so ist, dann kommt der Mann von der Erde. Genauer aus der Vergangenheit der Erde – der Erde vor fünfhundert Jahren. Er darf nichts von dem sehen und erfahren, was in seiner Zukunft passieren wird, sonst kontaminieren wir die Zeitlinie. Die Vorschriften der  [17] lassen da keinerlei Interpretationsspielraum!“

„Wollen Sie ihn einfach hier liegen lassen, Kathryn? Wenn wir ihn nicht mehr dorthin zurückschicken können, woher er gekommen ist, dann ist die Zeitlinie ebenfalls kontaminiert. Außerdem braucht er Hilfe und seit wann verweigern wir denjenigen Hilfe, die sie benötigen? Da gibt es für mich absolut keinen Interpretationsspielraum!“

Der Captain griff sich an die Stirn und schüttelte unwillig den Kopf.

„Ich wusste, dass uns diese temporale Störung in Schwierigkeiten bringen würde. Dass es aber derart große und handfeste Schwierigkeiten sein würden, konnte ich nicht ahnen. Ist er schwer verletzt, Tom?“

Der Pilot schüttelte seinen Kopf.

„Nein Captain. Er hat nur oberflächliche Verletzungen, die aussehen, als hätte er vor kurzem mit jemandem gekämpft. Die Ohnmacht muss wohl von dem erzeugt worden sein, was ihn hierher gebracht hat. Was auch immer das war! Wie auch immer, er wäre gerade von sich aus aufgewacht, wenn ich ihn nicht sediert hätte und er wird wieder aufwachen, wenn die Wirkung des Sedativums nachlässt!“

Janeway fasste sich wieder an den Kopf und überlegte.

„Wie sieht es auf der Krankenstation aus? Funktioniert dort irgendetwas?“

Tom schüttelte den Kopf.

„Die Krankenstation ist derzeit nicht zu gebrauchen. Der Doktor ist ebenfalls weiterhin nicht online, weil die Holo-Emitter [16] nicht mehr funktionieren. Wie ich aber ja schon sagte, ist er nicht schwer verletzt. Es reicht, wenn wir ihn auf der Voyager irgendwo in Ruhe aufwachen lassen und ich oder jemand anders ihn dabei mit einem Tricorder [13] überwacht. Vielleicht kann er uns sogar sagen, was mit ihm passiert ist und wie er hierher gelangt ist.“

Janeway senkte ihren Blick nachdenklich zum Boden.

„Er wird trotzdem sehr schnell merken, dass er nicht mehr da ist, wo er hingehört und es wird nicht lange dauern, bis er begreift, dass dies nicht nur ein Problem des Ortes, sondern auch der Zeit ist. Er wird Fragen stellen, die wir nicht beantworten können und dürfen. Er…“

Chakotay griff sanft an Janeways Arm und brachte sie damit zum Schweigen und dazu ihren Blick auf ihn zu richten.

„Natürlich müssen wir vorsichtig sein und dürfen ihm nicht zu viel von der Zukunft zeigen und erzählen. Doch wollen Sie ihn wegen dieser kaum nennenswerten Schwierigkeiten hier liegen und sich selbst überlassen, während wir ein paar Schritte weiter selbst darum kämpfen von diesem Sandhaufen wegzukommen und zu überleben? Es würde ohnehin nicht lange dauern, bis er uns und die Voyager entdeckt oder glauben Sie, dass er nach dem Aufwachen einfach in dieser Höhle bleibt? Kathryn, ich weiß, dass wir vereinbart haben uns an die Vorschriften der Sternenflotte zu halten, doch wir haben diese Vorschriften auch in der Vergangenheit schon großzügig ausgelegt. Der Mann kann uns nicht gefährlich werden und gehört es nicht zu den hehren Zielen der Flotte zu helfen, wenn Hilfe benötigt wird?“, Chakotay zeigte auf den bewusstlosen Mann. „Er braucht unsere Hilfe!“

Janeway atmete einmal tief durch und ihre Schultern sackten ein klein wenig nach vorn. Fast nicht zu sehen, doch für Chakotay das Signal, dass er diese Auseinandersetzung gewonnen hatte. Er setzte trotzdem noch einmal nach:

„Es ist die richtige Entscheidung, Kathryn. Er ist ein Mensch in Not, er ist unter welchen Umständen auch immer hier gestrandet - so wie wir. Die Vorschriften, Direktiven und Regeln der Sternenflotte und der Föderation sind gut und richtig und ich befürworte sie. Doch als sie entstanden sind, hat niemand damit gerechnet, dass einmal ein Schiff der Sternenflotte in eine Situation wie die unsere kommen könnte. 70.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, ohne Kontakt zur Heimat, auf sich allein gestellt, im Deltaquadranten, einem Teil der Galaxie, der vollkommen fremd und unerforscht ist. Sie wurden für Forscher gemacht, die die Grenzen der Föderation weiter ausdehnen, dabei aber keine Gefahr für andere Kulturen sein sollten. Sie wurden für die relative Sicherheit des Alphaquadranten gemacht, mindestens jedoch für die Fälle, in denen sich der Kommandant eines Raumschiffes kurz beim Hauptquartier der Sternenflotte rückversichern kann. Nicht für uns, Kathryn. Niemand konnte vorhersehen, was mit uns geschehen ist und niemand konnte sich dafür Regeln ausdenken. Wir müssen nach unseren eigenen Regeln und Vorstellungen leben, die der Sternenflotte können da nur als Grundlage und Orientierung dienen.“

Janeway hob abwehrend ihre Hände.

„Ist schon gut, Commander! Ich habe verstanden. Wir werden ihn mit auf die Voyager nehmen und uns um ihn kümmern. Aber Sie sind mir persönlich dafür verantwortlich, dass er nicht zu viel von uns und der Zukunft erfährt. Halten Sie ihn beschäftigt, aber erzählen Sie nicht zu viel. Versuchen Sie herauszubekommen, woher er kommt und wie er hierher gelangt ist. Sofern er das weiß. Und sofern wir uns überhaupt mit ihm verständigen können. Ich werde in der Zwischenzeit daran arbeiten, wie wir ihn wieder nach Hause schicken können.“

Chakotay nickte knapp. „Verstanden, Captain.“

„Tom“, wandte er sich an den blonden Piloten, der dem Gespräch seiner beiden Führungsoffiziere bislang schweigend gelauscht hatte. „Bringen Sie eine Trage oder irgendetwas Vergleichbares hierher, damit wir den Mann zur Voyager bringen können.“

„Aye, Sir“, rief dieser schon im Weggehen über seine Schulter.

Sie hatten den Fremden in einem der kleineren, weniger beschädigten Quartiere für Crewmitglieder untergebracht. Das Licht war auf ein Minimum gedimmt, so dass nur wenig von dem Raum zu sehen war.

Tom hatte gesagt, dass das Schlafmittel, das er dem Mann verabreicht hatte ungefähr nach zwei Stunden seine Wirkung verlor und diese Zeit war nun beinahe um. Den Anweisungen des Captains folgend, saß Chakotay nun in diesem abgedunkelten Raum und wartete darauf, dass der Mann erste Lebenszeichen von sich gab.

Er musste nicht lange darauf warten, doch wenn er damit gerechnet hatte, dass der Fremde plötzlich erwachen oder sich gar mit einem Ruck aufsetzen würde, dann sah er nun zu seinem Erstaunen etwas vollkommen anderes.

Erst waren ihm die kleinen Bewegungen der Hände des vermeintlich Schlafenden gar nicht aufgefallen, doch dann sah er es ganz deutlich. Was tat der Mann da? Er bewegte ganz langsam und vorsichtig seine Hände, immer nur wenige Millimeter, so als ob er prüfen wollte, wie weit er kam. Dann verfuhr er mit seinen Beinen ebenso. Ansonsten blieb er still liegen, atmete flach und hielt die Augen geschlossen. Wenn Chakotay nicht zufällig diese minimalen Bewegungen der Glieder gesehen hätte, er würde glauben, der Mann schliefe immer noch tief und fest.

Dann sah er, wie dieser seine recht Hand zu einer Faust ballte und noch bevor er richtig begriff, was das zu bedeuten hatte, sah er die Faust schon auf sich zukommen. Allein seine guten Reflexe retteten ihn davor, mit einem kräftigen rechten Haken von dem Fremden zu Boden geschickt zu werden.

Er versuchte die Hände des Mannes in den Griff zu bekommen, was sich als schwierig herausstellte, da dieser unglaubliche Kräfte entwickelte und sich mit geschickten Ausweichbewegungen Chakotays Bemühungen entzog, obwohl er auf einer engen Pritsche lag, die zudem noch von einer Wand begrenzt wurde.

„Hey Mann, ganz ruhig. Ich tue Ihnen nichts. Ich will Ihnen helfen!“, versuchte Chakotay den aufgebrachten Fremden zu beruhigen ohne zu wissen, ob dieser ihn überhaupt verstand.

Der Mann stellte seine Abwehrversuche ein und blieb schwer atmend auf dem Lager liegen. Sein Blick jedoch nagelte Chakotay förmlich an die nächste Wand.

Chakotay wertete das als ersten Erfolg.

„Können Sie mich verstehen?“

Der Fremde nickte.

„Sprechen Sie meine Sprache?“ Chakotay sprach extra langsam und deutlich

Wieder ein Nicken, doch dann richtete der Mann sich auf und blickte Chakotay direkt in die Augen:

„Winnetou versteht und spricht die Sprache der Bleichgesichter sehr gut. Niemand braucht mit ihm zu reden, wie mit einem kleinen Kind.“

Chakotay war mehr als überrascht, dass ihr unfreiwilliger Gast ein akzentfreies Englisch sprach, wenn auch die Betonung und Wortwahl für ihn etwas gewöhnungsbedürftig war. Zumindest hatten sie kein Verständigungsproblem, was diese ganze Angelegenheit wesentlich erleichterte.

„Verzeihen Sie, ich konnte ja nicht wissen, dass sie unsere Sprache sprechen!“

Daraufhin erntete er lediglich einen missbilligenden Blick von seinem Gegenüber.

„Ist Winnetou Ihr Name?“ Ein Nicken!

„Mein Name ist Chakotay, Sie sind hier bei Leuten, die Ihnen freundlich gesinnt sind. Machen Sie sich keine Sorgen.“

Er wurde von Winnetou gründlich in Augenschein genommen und das Schweigen zwischen ihnen begann gerade unangenehm zu werden, als dieser doch zu sprechen anfing:

„Zu welchen Stamm gehört Chakotay und warum hat dieser Stamm Winnetou gefangen genommen?“

Nun fing es also an kompliziert zu werden. Chakotay atmete einmal tief durch und fuhr sich mit einer Hand durch seine kurzen, dunklen Haare.

„Sie sind nicht unser Gefangener, Winnetou. Sie sind unser Gast.“

Winnetou quittierte diese Information mit einem kurzen Nicken und schickte sich an aufzustehen.

„Gut, dann wird Winnetou nun gehen. Er hat wichtige Aufgaben zu erledigen. Gibt es hier außer ihm vielleicht noch einen anderen Gast?“

Die Frage war ganz nebenbei gestellt, doch das dennoch kaum verborgene Interesse mit dem der Indianer diese Frage stellte, machte Chakotay stutzig. War der Fremde nicht allein hierhergekommen, hatten sie in der Höhle etwas oder Jemanden übersehen?

„Nein, wir haben nur Sie in der Höhle gefunden. Warum fragen Sie, waren Sie nicht alleine unterwegs?“, versuchte er möglichst unverfänglich weitere Informationen zu erhalten.

Er konnte sehen, dass der Mann abwägte, ob er ihm vertrauen konnte oder nicht.

„Hören Sie, Winnetou. Wir haben Sie gleich im Eingang der Höhle gefunden, wenn Sie also nicht allein waren und ihre Begleitung vielleicht noch in der Höhle ist, unter Umständen sogar verletzt, dann sollten Sie mir das sagen. Wir werden diese Person dann suchen und ebenfalls hierher bringen. Als unser Gast, nicht als unser Gefangener.“, versuchte Chakotay zu dem Fremden durchzudringen, der immer noch mit sich zu ringen und zudem von den eben erhaltenen Informationen irritiert zu sein schien.

„Es war niemand vor der Höhle?“, fragte dieser dann auch mit einem Stirnrunzeln.

Diese Frage verwirrte wiederum Chakotay.

„Nein, warum sollte auch jemand vor der Höhle sein? Waren Sie nun alleine oder noch mit anderen unterwegs, Winnetou? Ich weiß, sie kennen mich nicht und das alles hier kommt Ihnen seltsam vor, doch Sie können mir vertrauen. Ich möchte Ihnen helfen.“

Der Mann überlegte kurz, schüttelte dann aber seinen Kopf.

„Winnetou möchte die Höhle selbst untersuchen. Er und Chakotay sollten sofort aufbrechen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Wie lange war Winnetou ohnmächtig?“

Chakotay zuckte mit den Achseln.

„Ich weiß nicht, wie lange Sie dort schon bewusstlos gelegen haben. Seit wir Sie gefunden haben, sind etwas über zwei Stunden vergangen.“



Winnetou wurde unruhiger. Er blickte sich kurz in dem Raum um, schien sich orientieren zu wollen, was in dem heruntergedimmten Licht nicht so einfach war. Er war schon in den Häusern der Bleichgesichter gewesen, doch dies hier war so vollkommen anders, als alles, was er bisher gesehen hatte. Dazu dieser Mann, Chakotay. Es floss eindeutig das Blut seiner roten Brüder durch die Adern dieses Fremden, doch er konnte nicht sagen, zu welchem Stamm er gehörte und zudem benahm sich Chakotay wie ein Bleichgesicht. Doch er schien ihm nicht feindlich gesinnt zu sein, was Winnetou zunächst einmal als Vorteil erachtete, auch wenn er dem Mann noch nicht vertraute. Er musste wissen, was mit ihm geschehen, wo die Sioux und vor allem wo Scharlih und was mit ihm geschehen war.

„Das ist eine lange Zeit. Winnetou möchte sich in der Höhle umsehen. Wo hat man ihn hingebracht und wie weit ist das von der Höhle entfernt?“, fragte er und versuchte dabei möglichst seine Verwirrung über diesen seltsamen Ort, sowie seine Sorge um Scharlih aus seiner Stimme zu verbannen.

„Sie sollten ruhig bleiben, Winnetou. Wir haben Sie an einen sicheren Ort gebracht. Sie waren bewusstlos und wir wissen noch nicht warum. Vielleicht sollten Sie sich noch ein wenig ausruhen. Und noch einmal – ist dort noch jemand in der Höhle oder vermissen Sie irgendetwas. Ich gehe und sehe nach.“

„Winnetou geht es gut, er wird Chakotay begleiten.“ Der Ton duldete keine Widerrede und Chakotay bemerkte nicht zum ersten Mal, dass dieser Mann es gewohnt war zu befehlen und zu bestimmen. Gerade, als ihm klar wurde, dass er ihn nicht davon abhalten konnte hinauszugehen und damit preiszugeben, dass der Indianer nicht mehr dort war, wo er hingehörte, hörte er hinter sich die Stimme von Tom Paris.

Er wusste nicht, wie lange der Pilot und Aushilfsdoktor schon in der Tür gestanden hatte, doch war es offenbar lange genug gewesen, um ein Bild von der Lage zu haben, denn Tom sprach Winnetou mit sanfter, aber doch eindringlicher Stimme an.

„Guten Tag, Sir! Mein Name ist Tom Paris, ich bin so etwas wie der Doktor hier und ich möchte Sie untersuchen, um zu klären, warum Sie so lange bewusstlos waren. Ich werde Ihnen jeden Schritt erklären, den ich unternehme und Sie stets fragen, ob ich weitermachen darf. Das alles ist freiwillig. Verstehen Sie? Das ist eine üble Schwellung dort an Ihrer Stirn und Sie haben viele Abschürfungen, die ich mir einmal ansehen möchte.“

So viel Einfühlungsvermögen hatte Chakotay dem sonst doch immer eher unsteten und draufgängerischen Piloten gar nicht zugetraut, doch seine Worte schienen Wirkung zu zeigen, denn der Indianer griff sich tatsächlich an die Stirn, dort wo sich neben einer Platzwunde eine deutliche Beule zeigte.

Er fixierte die beiden Sternenflottenoffiziere noch einmal und traf eine Entscheidung. Die Entscheidung ihnen zu vertrauen – vorläufig. Er gründete sein Vertrauen auf die Tatsache, dass hier offenbar ein Weißer, der sich Tom Paris nannte und ebenso blond war und blaue Augen hatte, wie sein Blutsbruder, mit einem Angehörigen des roten Volkes zusammenarbeitete. Er konnte zwar nicht sagen, von welchem Stamm Chakotay war und er hatte auch noch nie einen Roten gesehen, der so gekleidet war und die Haare so trug, wie dieser Mann, doch er strahlte Vertrauen aus und war offensichtlich in Freundschaft mit dem jungen Weißen verbunden. Außerdem hatten beide Recht. Es ging ihm nicht gut. Ihm war übel und er sah immer wieder doppelte Bilder, die mal verschwommen waren und mal zu kreisen schienen. So war er keine Hilfe für Scharlih. Er sah zu Chakotay.

„Winnetou war nicht alleine in dieser Höhle. Sein Bruder Scharlih war bei ihm. Winnetou weiß nicht, was aus den Sioux geworden ist, die ihn und seinen Bruder gefangen hielten, doch Chakotay muss vorsichtig sein, damit er ihnen nicht in die Hände fällt. Er muss Scharlih finden und hierher bringen.“

Chakotay verstand zwar noch nicht einmal die Hälfte von dem, was Winnetou gerade gesagt hatte, doch wenn dort noch eine zweite Person in der Höhle war, dann musste diese gerettet werden. Er erwiderte den Blick und sagte mit fester Stimme:

„Ich finde ihn und bringe ihn hierher!“



Janeway und Chakotay drangen immer weiter in die Höhle vor, die viele Abzweigungen hatte, die aber nur in Sackgassen endeten. Bislang hatten sie nichts gefunden. Die Anzeigen der Tricorder wurden durch das Dilithium gestört und waren ebenfalls keine Hilfe bei der Suche.

Sie waren gerade in eine weitere Abzweigung getreten, die von einem Höhlengang wegführte, als Chakotay ein Gefühl von Kälte überkam, das auf seltsame Weise von den Höhlenwänden ausging und seinen Körper sofort durchdrang.

„Haben Sie das auch bemerkt, Kathryn?“, wandte er sich an den Captain, der gerade die gegenüberliegende Wand scannte und leise fluchend auf die unnützen Anzeigen starrte.

„Nein, was denn Chakotay?“, sagte sie und drehte sich in Richtung ihres ersten Offiziers.

Doch ihr Blick und ihre Frage gingen in die leere Dunkelheit der Höhle, denn Chakotay war nicht mehr da.

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[12] Maquis: Der Maquis ist eine Widerstandsgruppe von Siedlern im Grenzbereich zwischen der Föderation und der Cardassianischen Union, die entsteht, als zwischen Cardassia (die Cardassianer sind eine weiteres Volk des Star Trek Universums, die aber für diese Geschichte keine Rolle spielen werden) und der Föderation ein Friedensvertrag geschlossen wird und dadurch einige Planeten der Cardassianischen Union zugesprochen werden. Primäres Ziel des Maquis ist es, durch Guerillakriegsführung die überlegenen cardassianischen Unterdrücker zu stürzen. Daher sabotiert er bei jeder sich bietenden Gelegenheit deren militärische Einrichtungen und Ausrüstungen.Bei diesem Guerillakrieg verübt der Maquis zwar hauptsächlich Anschläge auf das cardassianische Militär, kalkuliert wenn notwendig aber auch Opfer in der cardassianischen Zivilbevölkerung und der Föderation mit ein. Bis 2366 herrscht zwischen der Föderation und der Cardassianischen Union Krieg. In diesem Jahr wird dann zwischen den zwei Mächten Frieden geschlossen. Die Verhandlungen für den Friedensvertrag, in dem die Grenzen endgültig gezogen und eine Entmilitarisierte Zone eingerichtet werden, dauern jedoch noch bis 2370 an.Nach dem neuen Vertrag fallen einige Welten der Föderation an die Cardassianer und einige cardassianische Kolonien an die Föderation. Auch die Siedler von Dorvan V, ehemalige amerikanische Ureinwohner, sollen umgesiedelt werden. Aber sie weigern sich und akzeptieren, dass sie nun den Cardassianern unterstellt sind. Chakotay gehört zu den Nachkommen dieser amerikanischen Ureinwohner und schließt sich ebenfalls dem Maquis an.Auch Kolonisten von anderen Welten entscheiden sich zu bleiben. Aber die Cardassianer wollen diese Kolonisten aus ihrem Territorium haben und fangen an sie zu peinigen. Um sich gegen die Cardassianer wehren zu können gründen diese Kolonisten den Maquis.

[13] Tricorder: Der Tricorder ist ein tragbarer Handscanner der Sternenflotte und dient der Untersuchung von unbekannten Objekten, Personen und der Umgebung. Er erleichtert den Zugang zu nicht kompatiblen Computersystemen und zeichnet Ereignisse auf Außenmissionen auf. Des Weiteren lässt er sich sowohl mit den Schiffssystemen als auch mit Datenbanken und Universalübersetzern koppeln, um bestmögliche Untersuchungsergebnisse zu erzielen und diese schnellstmöglich auszuwerten. Es gibt Tricordermodelle, die auf bestimmte Einsatzgebiete wie Medizin, der Medizinische Tricorder, Wissenschaft, Maschinenbau oder Geologie spezialisiert sind.

[14] Dorvan V: Dorvan V ist ein Planet im dorvanianischer Sektor, einer entmilitarisierten Zone. Er ist ein Klasse-M-Planet, also erdähnlich an der Grenze zwischen der Föderation und den Cardassianern. 2350 lässt sich eine Gruppe von Indianern von der Erde auf Dorvan V nieder, nachdem sie seit etwa 2150 bis 2170 auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. Sie fallen dadurch unter den Schutz der Föderation. Dorvan V ist die Heimat von Chakotay, seine Vorfahren gehörten zu jenen Indianern, die sich dort niedergelassen hatten.

[15] Hypospray: Ein Hypospray ist ein Injektionsgerät, das Medikamente mit Hochdruck durch die Haut in den Blutkreislauf bringt.

[16] Holo Emitter / Holo Doc: Die Voyager hat, als sie in den Deltaquadranten gezogen wurde, einen Teil ihrer Crew verloren, darunter auch den leitenden Arzt. Die Schiffe der Sternenflotte sind allerdings mit einem sogenannten MHN – Medizinisch-Holografischen-Notfallprogramm ausgestattet. Diese Hologramme können mit den Crewmitgliedern interagieren und auf eine umfangreiche medizinische Datenbank zugreifen, um Behandlungen durchführen zu können. Leider funktioniert da MHN nur, wenn auch genug Energie für die Holo-Emitter da ist, die für die Projizierung des Hologramms benötigt werden.

[17] Sternenflotte: Die Sternenflotte ist eine Institution, die der Forschung und der Verteidigung der Vereinigten Föderation der Planeten beziehungsweise der Erde dient. Sie umfasst eine Reihe von planetaren, orbitalen und freischwebenden Raumstationen, so genannten Sternenbasen, eine Vielzahl an Raumschiffen und Personal, welches diversen Spezies angehört.
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