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Vergangene Zukunft

von Adrimeny
CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12
Old Shatterhand Winnetou
01.01.2019
03.09.2020
21
64.965
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03.09.2020 742
 
Dunkelheit umfing uns, unendliche, grenzenlose, eisige Dunkelheit. Ich hielt die Hand meines Blutsbruders fest umklammert, nur nicht loslassen! Ihn nur nicht wieder verlieren in dieser allumfassenden, endlosen Leere.  Anders als beim ersten Mal, fühlte ich mich nicht getragen durch die Fürsorge des Schamanen und Angst ergriff mich. Ich spürte es genau, wir sollten, wir durften gar nicht hier sein. Wir waren da in etwas Unerhörtes hineingeraten und irrten nun wie körperlos in der Zwischenzeit, im Nichts umher. Plötzlich aber spürte ich unerwartet einen warmen Luftstrom, der uns sanft umhüllte, der uns forttrug, immer schneller und schneller. Die Furcht löste sich in nichts auf und in einem Wirbel aus Licht, Luft und Wärme verlor sich mein Bewusstsein……..

Als ich die Augen aufschlug sah ich direkt in die Augen des Medizinmannes der Sioux, der mir sanft auf die Wangen schlug und unverständliche Worte murmelte. Einen Augenblick lang konnte ich mich nicht besinnen, warum ich hier auf dem Boden lag, dann aber fuhr ich hoch und rief: „Winnetou! Um Gottes Willen, wo ist Winnetou? Habe ich ihn wieder verloren?“

„Nein! Nein! Old Shatterhand beruhige sich. Er hat den Häuptling der Apachen zurückgeholt. Er wird gleich zu sich kommen,“ suchte Tahca Ushte mich zu beruhigen.

Aber ich wollte mich selbst überzeugen, dass mein Blutsbruder lebte und kroch die wenigen Meter, die mich von ihm trennten, auf den Knien hinüber. Tatellah Satah hatte die Hand an Winnetous Hals gelegt und nickte mir beruhigend zu.

„Er ist gesund. Sieh nur, jetzt schlägt er die Augen auf! Winnetou, mein lieber Sohn. Wie bin ich glücklich, Dich wiederzusehen!“

Winnetou lächelte den alten Medizinmann flüchtig an, dann streckte er die Hand nach mir aus und sagte leise: „Scharlih, mein Bruder. Wir haben es geschafft!“

Ich ergriff seine Hand und drückte sie fest. „Winnetou, mein lieber Bruder, wir sind wieder Zuhause!“

Unsere Blicke trafen sich und wir wussten, das, was geschehen war, würde uns für immer verändern. Wir hatten einen Blick in eine Zeit werfen dürfen, in der wir nur noch Erinnerung sein würden, in der es unbegreifliche Dinge zu bestaunen gab. Und wir hatten erfahren, dass unsere Nachkommen das Weltall erkundeten, wie einst Christoph Columbus die Weltmeere erkundet hatte. So, wie er neue Länder entdeckt hatte, entdeckten sie ganz neue Welten. Ich lächelte den Apachen an und sagte mit fester Stimme: „Wir müssen hier in unserer Zeit sicher auf die eine oder andere Annehmlichkeit verzichten, die wir bei Chakotay und Janeway kennenlernen durften, aber was mich betrifft, bin ich froh, wieder hier zu sein.“

Winnetou richtete sich zum Sitzen auf und strich sich das wirre Haar aus dem Gesicht. „ich bin auch froh, wieder hier zu sein. Und ich freue mich, dass Tatellah Satah nun endlich Gelegenheit hat, meinen Blutsbruder kennenzulernen!“

Der Medizinmann lächelte reumütig und seine Worte klangen ganz aufrichtig, als er sagte: „Ich hätte Winnetous Wunsch schon vor vielen Jahren erfüllen sollen. Aber erst jetzt habe ich erkannt, dass Old Shatterhand ein reines Herz besitzt und er der Liebe Winnetous würdig ist.“

Er streckte mir die Hand entgegen. „Kannst Du mir verzeihen, was ich in all den vielen Jahren über Dich gedacht habe? Kannst Du mir meine Feindseligkeit vergeben? Ich kann die Jahre, die ich vergeudet habe nicht zurückholen, aber ich würde mich freuen, wenn Du mein Freund, mein Bruder werden könntest. Willst Du mir eine Chance geben, Old Shatterhand, den mein Ziehsohn Scharlih nennt?“

Winnetou drückte aufmunternd meine Hand, als ich kurz zögerte. Tatellah Satah hatte mich für einen schlechten Menschen gehalten, er hatte mir die Schuld am Tode Nscho tschis und Intschu tschunas gegeben, er hatte meinem Winnetou durch seine ablehnende Haltung weh getan. Konnte ich das alles vergessen?

Nein, wohl nicht! Aber ich konnte mir Mühe geben zu verzeihen, um Winnetous willen. Ich ergriff also die dargebotene Hand mit der freien Rechten und versicherte ein wenig unsicher: „Ich weiß, wie viel Tatellah Satah meinem Blutsbruder bedeutet. Um seinetwillen will ich versuchen, Dein Freund und Bruder zu sein.“

Tahca Ushte stand ein wenig abseits. Jetzt trat er zu uns und sagte: „ich weiß nicht, was meinen Brüdern im Zwischenreich widerfahren ist und ich weiß, ich darf auch nicht fragen. Aber eines muss Tahca Ushte doch wissen: Geht es dem Mann aus der Zukunft, der sich Chakotay nennt und ein Nachkomme unseres Volkes ist, gut? Lebt er?“

Wir erhoben uns vom Boden und ich erwiderte: „Du musst Dich nicht sorgen. Es geht ihm gut. Er ist wieder dort, wo er hingehört. Genau wie Winnetou und ich!“

ENDE
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